Gegenstand der Informationsökonomik

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Transkript:

Gegenstand der Informationsökonomik Prof. Dr. Daniel Müller Universität Würzburg 1/29

Was ist Informationsökonomik? Informationsökonomik betrachtet Informationsasymmetrien zwischen wirtschaftlichen Akteuren. Die zentrale Fragestellung der Informationsökonomik ist,... welchen Einfluss asymmerische Informationsverteilung (ASIV)... auf die Effizienzeigenschaften ökonomischer Transaktionen hat. Die fundamentale Erkenntnis der Informationsökonomik besteht darin, dass... ASIV zu Allokationsineffizienzen führen kann,... die symmetrischer Information nicht aufreten. 2/29

Gedankenexperiment: Betrachten wir die zwei Freunde Sheldon und Leonard. Sheldon hat eine Kinokarte für eine Sneak Preview am Samstag Abend gewonnen. Leonard liebt es ins Kino zu gehen und hat eine hohe Wertschätzung für die Kinokarte. Sheldon hat eine geringere Wertschätzung für einen Kinobesuch am Samstag Abend als Leonard,... da er gewöhnlich am Samstag Abend seine Wäsche wäscht... und Abweichungen von seinen Gewohnheiten nicht ausstehen kann. Sheldon und Leonard sind sich beide einig,... dass einer der beiden folgenden Filme in der Sneak Preview gezeigt wird: 3/29

Minions Animationsfilm über... die gelben Tic-Tac- Männchen aus... Ich, Einfach Unverbesserlich. Der Chor Film über die Liebe zum Gesang... als Ausweg eines rebellischen 11 Jährigen... aus einem aussichtslosen sozialen Umfeld. 4/29

Sheldon und Leonard mögen Animationsfilme über gelbe Tic-Tac-Männchen lieber als über Sänger im Knabenchor. Wert der Kinokarte für... Minions Der Chor E[ ] Sheldon $4 $1 $2,5 Leonard $5 $2 $3,5 Sei angenommen, dass Leonard ein Angebot an Sheldon richtet, ihm die Kinokarte für $X zu verkaufen. Nimmt Sheldon das Angebot an, dann... zahlt Leonard ihm den Betrag $X und erhält die Kinokarte. Lehnt Sheldon das Angebot ab, dann... behält Sheldon die Kinokarte und Leonard bekommt nichts. 5/29

Situation 1: Symmetrische Informationsverteilung Weder Sheldon noch Leonard wissen, welcher Film gezeigt wird. Sowohl Leonard als auch Sheldon halten beide Filme für gleich wahrscheinlich. Wieviel wird Leonard bereit sein, Sheldon für die Kinokarte zu bieten? Wird Sheldon dieses Angebot annehmen? 6/29

Situation 2: Asymmetrische Informationsverteilung Leonard weiß nicht, welcher Film gezeigt wird, und hält beide Filme für gleich wahrscheinlich. Sheldon hat den Filmvorführer so lange genervt, bis dieser ihm verraten hat, welcher Film laufen wird. Leonard kennt Sheldon sehr gut und weiß, dass Sheldon weiß, welcher Film laufen wird. Wieviel wird Leonard nun bereit sein, Sheldon für die Kinokarte zu bieten? Wird Sheldon dieses Angebot annehmen? Welches Problem besteht nun im Vergleich zu einer Situation mit symmetrischer Information? 7/29

Adverse Selektion Ein sehr ähnliches Problem wie es Sheldon und Leonard haben... hat der amerikanische Ökonom George A. Akerlof bereits im Jahr 1970... für den Markt für Gebrauchtwagen ( The Market for Lemons ) postuliert... und damit als erster das Problem adverser Selektion erkannt. Beispiel für einen Markt für Gebrauchtwagen: Es gibt 150 potenzielle Verkäufer, die jeweils ein Auto besitzen. 50 Verkäufer besitzen Autos in tadellosem Zustand ( cream puffs ) die restlichen 100 Verkäufer besitzen Autos in schlechtem Zustand ( lemons ). Es gibt 160 potenzielle Käufer (lange Marktseite). 8/29

Wertschätzung und Reservationswert der jeweiligen Marktseite: Zustand des Autos Gut Schlecht E[ ] Wert für Käufer e 12.000 e 6.000 e 8.000 Wert für Verkäufer e 9.000 e 3.000 e 5.000 Anteil 1/3 2/3 Beachte: Jedem Käufer ist sowohl ein gutes Auto als auch ein schlechtes Auto mehr wert als einem Verkäufer. Effizienz verlangt, dass alle Autos von den Verkäufern an die Käufer verkauft werden. 9/29

Fall 1: Vollständige, symmetrische Information: Sei angenommen, dass alle Käufer und alle Verkäufer die Qualität der Autos beim Kauf kennen. In diesem Fall wird sich das folgende Marktergebnis einstellen: Alle guten Autos werden zum Preis vone 12.000 verkauft. Alle schlechten Autos werden zum Preis vone 6.000 verkauft. Warum? Ist dieses Marktergebnis effizient? Ja, denn es gibt keine Möglichkeit mehr, Handelsüberschüsse zu erzielen. 10/29

Fall 2: Unvollständige, symmetrische Information Sei angenommen, dass... keine Marktseite die Qualität bei Vertragsabschluss kennt, beide Marktseiten wissen, dass der Anteil der Lemons 2/3 ist. Preis S 8000 WB-GG 5000 D 150 160 Menge 11/29

In diesem Fall wird sich das folgende Marktergebnis einstellen: Alle Autos wechseln zu einem Preis vone 8.000 ihren Besitzer. Frage: Ist dieses Ergebnis effizient? Einige Käufer habene 8.000 bezahlt, obwohl für sie der Wagen nur e 6.000 wert ist. Einige Verkäufer haben zum Preis vone 8.000 verkauft, obwohl der Wagen für siee 9.000 wert war. Dennoch ist die Allokation effizient, denn den Käufern sind sowohl perfekte als auch fehlerhafte Autos mehr wert als den Verkäufern. Also sollten alle Autos den Käufern gehören, was ist der Fall. Die gezahlten Preise beeinflussen nicht die Effizienz sondern nur die Einkommensverteilung. 12/29

Fall 3: Asymmetrische Information Sei angenommen, dass die Verkäufer die Qualität ihres eigenen Autos kennen, die Käufer die Qualität der Autos bei Vertragsabschluss nicht kennen. Angebotsfunktion: 0 falls p < 3000, S(p) = 100 falls 3000 p < 9000. 150 falls p 9000. 13/29

Die Käufer können aus dem Preis Rückschlüsse auf die Qualität ziehen, denn sie wissen, dass... zu Preisen niedriger alse 9.000 (wenn überhaupt) nur die schlechten Autos auf den Markt geworfen werden, die für Käufer nure 6.000 wert sind, und... die guten Autos erst abe 9.000 auf den Markt kommen (zu diesen Preisen werden die schlechten Autos nach wie vor angeboten). Nachfragefunktion: D(p) = { 160 falls p 6000, 0 falls p > 6000. 14/29

Marktergebrgebnis: Preis Der Gleichgewichtspreis ist e 6.000. 9000 6000 WB-GG Nur die schlechten Wagen wechseln den Besitzer. Die guten Autos werden nicht verkauft ( adverse Selektion ). 3000 100 150 160 Menge Das Gleichgewicht ist ineffizient, weil die guten Autos nicht gehandelt werden, obwohl sie den Käufern mehr wert sind als den Verkäufern. 15/29

Prinzipal Agenten Theorie Das obige Beispiel von Akerlof betrachtet Informationsasymmetrien auf einem (Wettbewerbs-)Markt. Die Informationsökonomik beschäftigt sich ebenso mit der Auswirkung von ASIV auf ökonomische Transaktionen... zwischen nur einigen wenigen ökonomischen Akteuren,... bei denen eine Partei, der Agent (lat.: agere - tun, machen),... von einer anderen Partei, dem Prinzipal (lat.: principari - (be)herrschen),... beauftragt wird, eine bestimmte Aufgabe durchzuführen,... wobei eine der Parteien (i.d.r. der Prinzipal) ein Informationsdefizit hat. Dies ist die sogenannte Prinzipal Agenten Theorie. 16/29

Die Prinzipal Agenten Theorie entwickelte sich aus einer Kritik am allgemeinen Gleichgewichtsmodell der (Neo-)Klassik. Im neoklassischen Modell wird die Unternehmung als Black Box betrachtet wird : Die Unternehmung wird zwar als gewinnmaximierende Einheit betrachtet,...... aber es wird in jeglicher Hinsicht von der inneren Organisation der Unternehmung abstrahiert. Die Frage, wie es gelingt, verschiedene Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Interessen... dazu zu motivieren, im Firmeninteresse zu handeln, wird nicht explizit aufgeworfen. 17/29

Sei angenommen, dass... Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Vertrag schließen,... der dem Arbeitnehmer eine fixe Lohnzahlung zusichert,... wenn er die Schornsteine der Fabrik am Rauchen hält. 18/29

Gemäß neoklassicher Sichtweise rauchen die Schlote der Fabrik,... weil die Arbeitgeber Kohlen ins Feuer schaufeln und Papierkram erledigen,... so wie es sich der Arbeitgeber vorstellt, ohne dass er die Arbeitnehmer in irgendeiner Weise kontrollieren muss. 19/29

Die Prinzipal-Agenten-Theorie wirft die Frage auf,... ob man erwarten darf, dass die Arbeitnehmer tatsächlich schwere Kohlen schaufeln und langweiligen Papierkram machen,... wenn sie die Schornsteine der Fabrik auch auf für sie angenehmere Art und Weise am qualmen halten können. 20/29

Ausgangspunkt für ein realistischeres Verständnis von Unternehmen ist das folgende Prinzipal Agent Problem: Eigentümer stellen Arbeitnehmer ein und delegieren Aufgaben an sie,... gerade weil die Arbeitnehmer spezialisiert sind (haben mehr Zeit, bessere Fähigkeiten, oder besseres Wissen). Gleichzeitig haben Angestellte in der Regel andere Interessen als der Eigentümer,... z.b. will ein Angestellter lieber weniger sorgfältig arbeiten und dafür pünktlich Feierabend machen. 21/29

Aufgrund ihrer Spezialisierung erwächst Angestellten jedoch Spielraum, ihre eigenen Interessen zu verfolgen,... denn je spezialisierter eine Aufgabe, umso eher kann man mangelnde Sorgfalt verheimlichen. Die Notwendigkeit, Aufgaben an spezialisierte Akteure zu delegieren, führt zu einem Kontrollverlust beim Delegierenden. Dies generiert potentiell Anreize für die Akteure, ihre Kompetenz eigennützig zu missbrauchen. Im Sprachgebrauch der Prinzipal Agent Theorie ist... der Prinzipal derjenige, der delegiert,... und der Agent derjenige, an den delegiert wird. 22/29

Das Prinzipal Agent Problem ist der Ausgangspunkt der modernen Vertragstheorie, die untersucht... zu welchen ökonomischen Ineffizienzen das Prinzipal Agent Problem führt, und... wie diese Ineffizienzen am besten gemildert werden können (bzw. ob überhaupt). Das Problem der Spezialisierung tritt wesentlich als Informationsproblem in drei Ausprägungen auf: Adverse Selektion ( adverse selction, hidden information ) Der Agent hat private Information über das ökonomische Umfeld, z.b., seine Kosten, seine Produktivität, etc. Moralisches Risiko ( moral hazard, hidden action ) Der Agent hat private Information über sein Verhalten, z.b., ob er sich anstrengt, wie sorgfältig er arbeitet, etc. Nicht Verifizierbarkeit ( non-verifiability ) Prinzipal und Agent haben Zugang zur selben Information, aber kein Dritter kann diese Information überprüfen. 23/29

Das Prinzipal Agent Problem wurde ursprünglich im Kontext von Unternehmen formuliert. Verwandte Prinzipal Agent Probleme treten aber in einer schier unbegrenzten Fülle von Anwendungen und Fragestellungen auf: Finanzberatung durch einen Makler, der über bessere Information über den Markt verfügt und Provision für bestimmte Produkte kassiert. Vertretung durch einen Anwalt, der private Information über die Erfolgsaussichten des Falles hat. Verkauf eines Gutes an Konsumenten, die private Information über ihre Zahlungsbereitschaft haben. Regulierung eines Monopolisten, der private Information über seine Kostenstruktur hat. Regulierung einer Bank, die private Information über ihr Portfolio hat und deren Anlageverhalten nicht beobachtbar ist. Kreditvergabe an einen Unternehmer, dessen Investitionsverhalten nicht beobachtbar ist. Politikempfehlungen durch Lobbyisten, die private Information über die Auswirkungen eines Gesetzes besitzen. 24/29

Methodik Die Vertragstheorie... hat sich somit von der Frage der Unternehmensorganisation gelöst... und ist keine Theorie über ein bestimmtes ökonomisches Problem,... sondern ein Werkzeug zur Analyse einer Klasse von Problemen. Im Zentrum einer vertragstheoretischen Analyse steht... die Suche nach einem (in einem bestimmten Sinne) optimalen Vertrag... für ein gegebenes Prinzipal Agenten Problem. 25/29

Ein Vertrag ist ein Regelwerk, welches die Transaktion der Parteien steuert: Lohnvertrag spezifiziert eine Zahlung in Abhängigkeit des erzielten Outputs Arbeitsverträge spezifiziert Karrierestufen z.b. in Abhängigkeit von Leistung Kaufvertrag spezifiziert einen Preis in Abhängigkeit von Menge oder Qualität. Grundlegenden Annahmen: Der Prinzipal offeriert einen Vertrag. Lehnt der Agent ab, kommt es zu keiner Transaktion. Verletzt eine Partei die Vertragsbedingungen, so wird der Vertrag von der anderen Partei vor Gericht (gnadenlos) durchgesetzt. Beide Annahmen isolieren, wie das Prinzipal Agent Problem als solches die ökonomische Transaktion beeinflusst. 26/29

Jeder Vertrag induziert eine bestimmte Nutzenfunktion des Agenten und damit bestimmte Verhaltensanreize. Da der Prinzipal den Vertrag gestaltet, kann er das Verhalten des Agenten beeinflussen und so dem Kontrollverlust entgegenwirken. Ein optimaler Vertrag ermöglicht die (im Sinne einer bestimmten Zielfunktion) beste Allokation der verfügbaren Ressourcen. Eine zentrale Erkenntnis der Vertragstheorie: Die Notwendigkeit, Anreize zu schaffen,... schränkt die Menge der zu erreichenden Allokationen ein,... in einem ähnlichen Sinne wie dies technologische Beschränkungen tun. Durch die Vertragsgestaltung versucht der Prinzipal dem Agenten Anreize zu geben, ein bestimmtes Verhalten an den Tag zu legen. Formal werden diese Anreizverträglichkeitsbedingungen in den Nebenbedingungen des Optimierungsproblems erfasst. Das mathematische Werkzeug sind damit Techniken der Optimierung unter Nebenbedingungen. 27/29

Erklärungsbeitrag Die Vertragstheorie kann zu positiver wie normativer Analyse herangezogen werden. Die positive Analyse versucht reale Verträge bzw. Institutionen zu erklären,... wobei unterstellt wird, dass reale Verträge dem Optimierungskalkül eines Prinzipals entspringen. Die normative Analyse fragt, was in einer bestimmten Situation der wohlfahrtsoptimale Vertrag ist,... woraus sich Politikempfehlungen ableiten lassen, etwa im Hinblick auf Regulierungs- oder Umverteilungsfragen. 28/29

Inhalt der Vorlesung Kapitel 1: Moralisches Risiko [Lit.: Laffont, J.-J. und D. Martimort: The Theory of Incentives, Kapitel 2 (Lehrbuch)] Kapitel 2: Anwendung: Rater Bias in der Leistungsbeurteilung [Lit.: D. Müller und P. Weinschenk (Fortchcoming): Rater Bias and Incentive Provision. Journal of Economic and Management Strategy (Forschungsartikel)] Kapitel 3: Adverse Selektion [Lit.: Laffont, J.-J. und D. Martimort: The Theory of Incentives, Kapitel 4 (Lehrbuch)] Kapitel 4: Anwendung: Preisdifferenzierung in Zwischengutmärkten [Lit.: F. Herweg und D. Müller (2014): Price Discrimination in Input Markets: Quantity Discounts and Private Information. Economic Journal, Vol. 124, 776-804. (Forschungsartikel)] Kapitel 5 (??): Nicht-Verifizierbarkeit und relative Leistungsturniere [Kräkel, M.: Organisation und Management, Kapitel 3 (Lehrbuch)] 29/29