Prestige der Sprachen

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Transkript:

Prestige der Sprachen geringe Prestige der Erstsprache ungünstige Auswirkungen auf Sprecher (Kreppel 2006) Akzeptanz der Erstsprache in sozialer Umgebung

Psychologische Bedeutung der Erstsprache Erstsprache prägend für: kognitive, psychische, soziale Entwicklung (Kreppel 2006) Erstsprache vermittelt: Werte, Normen, Regeln Geborgenheit, Sicherheit (Küpeliklinc 1996)

Identitätsentwicklung Zuerst erlernte Sprache ist Teil kindlicher Identität Ablehnung der Erstsprache kann zu Störungen beim Selbstwertgefühl führen Positives Selbstkonzept der Kindern Interesse an Zweitsprache (Günter/Günter 2007)

Soziale Bedeutung der Erstsprache Bindende Funktion der Erstsprache für familiäres Zusammenleben Verknüpfung der Erstsprache mit Kultur: Feste, Geburtstage, Lieder Vermittlung religiöser Normen und Werte durch Sprache Ablehnung der Sprache Zusammenhalt in der Familie geht verloren (vgl. Hüsler 1998)

Verschiedene Sprachen unterschiedliche Funktionen Umgebungssprache: Sprache der Bildung, des Berufes, Umgang mit Behörden Erstsprache: Sprache der Familie, des Freundeskreises Sprachwechsel Änderung von Wörtern, Gestik, Mimik, Intonation Sprachwechsel Rollenwechsel (Grohnfeldt 2005)

Rolle der Erstsprache beim Spracherwerb Einstellung des Kindes seiner Sprachen gegenüber sprachliche Entwicklung negative Gefühle einer Sprache gegenüber Ursache für Sprachentwicklungsverzögerung Motivation zum Erlernen weiterer Sprachen durch: Beherrschen mehrerer Sprachen (Triarchi-Hermann 2005) Erstsprache als Grundgerüst und»betriebssystem«für den Erwerb der Zweitsprache

Das Projekt»Internationale Mutter-Kind-Gruppen«Mütter mit Migrationshintergrund Kinder vom Säuglingsalter bis zum Eintritt in den Kindergarten

Das Projekt»Internationale Mutter-Kind-Gruppen«Ziel des Projektes: Kindern mit Migrationshintergrund durch frühzeitige Entwicklungsförderung und gezielte Arbeit mit ihren Müttern optimale Entwicklungschancen zu ermöglichen

Vielfalt der Sprachen in den Gruppen Sprachen der Mütter: Türkisch, Kurdisch, Polnisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Französisch, Englisch, Afghanisch, Arabisch, Albanisch, Litauisch, Russisch, Mazedonisch, Rumänisch Sprachen der Gruppenleiterinnen: Spanisch, Russisch, Französisch und Deutsch.

Förderung der Mehrsprachigkeit im Projekt alle Sprachen sind wertvoll Ermutigung die Muttersprache zu sprechen die Muttersprache ist nicht nur zuhause wichtig

Förderung der Mehrsprachigkeit im Projekt ressourcenorientiertes Denken: Was bringen die Mütter mit? Fingerspiele, Lieder, Kniereiterspiele, Auszählverse

Förderung der Mehrsprachigkeit im Projekt Ermutigung der Mütter zur aktiven Kommunikation mit ihren Kindern in ihrer Sprache: gemeinsames Bilderbücher anzuschauen, Dialoge führen, philosophieren mit Kindern, Alltägliches benennen, tanzen und singen, Rituale

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Literatur: Grohnfeldt, M. (2005): Mehrsprachigkeit als sprachheilpädagogische Aufgabenstellung. In: Grohnfeldt, M., Triarchi-Herrmann, V., Wagner, L. (Hrsg.): Mehrsprachigkeit als sprachheilpädagogische Aufgabenstellung (9-27). Würzburg: Freisleben. Günter, B., Günter, H. (2007): Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache. Eine Einführung. Weinheim: Beltz. Hüsler, S. (1998): Viel Spaß mit vielen Sprachen. Verschiedene Muttersprachen als Bereicherung im interkulturellen Alltag. In: Lanfranchi, A., Hagmann, T. (Hrsg.): Migrantenkinder: Plädoyer für eine Pädagogik der Vielfalt. Luzern, 217-228. Kreppel, N. (2006): Auffälligkeiten im Spracherwerb bilingualer Kinder. Theoretische Grundlagen zu Diagnose und Therapie. Wettenberg: Johannes Hermann J & J Verlag. Küpelikilinc, N. (1998): Zweisprachigkeit und die Bedeutung der Muttersprache. In: Kommunale Ausländerinnen- und Ausländerverwaltung (KAV) der Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.): Sonderschulen Schulen für Migrantenkinder? Hintergründe einer Problematik Möglichkeiten der Prävention. Dokumentation einer Anhörung am 21. November 1996. Mönchengladbach: Forum-Verlag Godesberg, 131-182. Triarchi-Hermann, V. (2005): Sprachförderung mehrsprachiger Kinder auf Sprachheilpädagogischer Basis. In: Grohnfeld, M., Triarchi-Hermann, V., Wagner, L.: Mehrsprachigkeit als sprachheilpädagogische Aufgabenstellung (27-48). Würzburg: Freisleben. Kontakt: mila.doermann@gmx.de