10 Gemeinkosten der Baustelle



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Transkript:

10 Gemeinkosten der Baustelle 10.1 Indirekte Kosten der Baustelle in der Schweiz Die indirekten Kosten einer Baustelle (s. Abbildung 10.1) beinhalten die Kosten der Nebenprozesse der Herstell- und Hilfsprozesse sowie der Managementprozesse der Baustelle mit Führung und Aufsicht. Diese Kosten können den Teilleistungen, d. h. den Positionen des Leistungsverzeichnisses, nicht direkt zugeordnet werden. Indirekte Kosten der Baustelle Managementprozesskosten Aufsicht und Führung Untergeordnete Elemente des Hilfsprozesses der Erstellung und des Betriebs der Baustelleneinrichtung Personalkosten Lohnkosten Materialkosten Inventarkosten Fremdleistungskosten Handwerkzeug, pers. Ausrüstung Bauführung/ Poliere Personaltransporte Werkhof- Magazin Holz Transportversicherungen Vermessung Unterkunft, Kantine Mengenrisiken Betriebsmaterial Spezialisten Hilfskräfte Transaktionen Personalbeschaffung Kleinmengentransporte Kleingeräte Betriebshaftpflicht Abb. 10.1 Indirekte Kosten der Baustelle (nach Girmscheid 2004 d) Der Schweizerische Baumeisterverband nimmt bei den indirekten Kosten einer Baustelle eine Trennung in Baustellengemeinkosten und Kosten für Aufsicht und Führung vor. Die Baustellengemeinkosten werden je Kostenart erfasst und enthalten die Nebenprozesskosten, die den Herstellund Hilfsprozessen nicht direkt zugeordnet werden können. Für die Kalkulation ist die Erfassung der Kosten in ihrer Gesamtheit bedeutend. Daher wird unter Ziffer 10.1.3 eine auf den Angaben des SBV basierende Aufstellung dargelegt, die alle anfallenden indirekten Kosten der Baustelle be-

200 Teil 3: Die Kostengruppen der Kalkulation inhaltet und speziell bei der Kalkulation über die Angebotssumme und der Prozesskostenkalkulation eingesetzt werden kann. 10.1.1 Baustellengemeinkosten Zu den Baustellengemeinkosten zählen die nachfolgend aufgeführten Kosten, die auch als Nebenprozesskosten der Hilfs- und Herstellprozesse bezeichnet werden können und die nicht oder nur mit erheblichem Aufwand zu ermitteln sind. Diese Kosten werden oft in Form von prozentualen Zuschlägen erfasst. Für die Bildung der Zuschläge für die indirekten Kosten der Baustelle (analog auch des Unternehmens) gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon besteht darin, die Zuschläge anhand von Erfahrungswerten des Unternehmens aus abgeschlossenen Baustellen zu bilden. Liegen solche nicht vor, können beispielsweise Werte aus der Literatur herangezogen werden. Dies ist nur dann als sinnvoll anzusehen, wenn die so gewählten Zuschläge unternehmens- und projektspezifisch auf Plausibilität geprüft und angepasst werden. Die Prüfung sollte sich nicht nur auf die Höhe der Zuschläge beziehen, sondern auch generell darauf, welche Kosten mittels Zuschlägen erfasst werden sollen. So können und sollten auch die folgenden Angaben des SBV durch unternehmens- bzw. projektspezifisch erforderliche Kosten ergänzt werden. Speziell bei der exakten Ermittlung der indirekten Kosten der Baustelle werden daher über den Umfang des SBV hinaus Angaben gemacht, die weitere mögliche Kosten einer Baustelle erfassen. Baustellengemeinkosten der Kostenart Lohn Die Baustellengemeinkosten Löhne wurden bis 1996 als Werkzuschläge bezeichnet. Unter ihnen sind folgende Kosten zu erfassen (SBV 1996): - Handwerkzeuge und persönliche Ausrüstung der Arbeiter einschließlich Unterhalt und Reparatur. Dazu gehören auch Berufsbekleidung oder Helme. - Personaltransporte. Sofern keine eigene Position im Leistungsverzeichnis vorgesehen ist oder Personaltransporte nicht in der Baustelleneinrichtung erfasst werden können, sind baustellenabhängige Personaltransporte (Unterhalt und Betrieb der Fahrzeuge) in den Baustellengemeinkosten zu erfassen. Die Lohnkosten für die Reisezeit des Personals und der Chauffeure werden unter "Zuschläge und Prämien" erfasst. - Kosten für Unterkunft und Kantine sind prozentual zu erfassen, sofern nicht kostendeckend gearbeitet wird.

10 Gemeinkosten der Baustelle 201 - Personalbeschaffung und betreuung. Die Kosten der Personalbeschaffung und -betreuung umfassen Personalbeschaffung, Personalausbildung, Personalbetreuung sowie Ehrengaben. Dazu gehören auch Kosten wie Abgangsentschädigungen und Lohnfortzahlungen im Todesfall. - Betriebshaftpflichtversicherung. Diese Versicherung deckt die Haftung des Betriebs gegenüber Dritten. Die Prämien richten sich nach der SUVA-pflichtigen Lohnsumme und der Höhe des gewünschten Deckungskapitals. Baustellengemeinkosten der Kostenart Material Unter den Baustellengemeinkosten Material sind folgende Kosten zu erfassen: - Werkhofmagazin. Raum- und Personalkosten des Werkhofmagazins werden als prozentualer Anteil auf die Materialkosten umgelegt. Raumkosten für Werkstatt, Zimmerei und Inventar sind hier nicht enthalten. - Verluste und Mengenrisiken. Zur Deckung der Kosten aus Lagerverlusten, Transportverlusten und -beschädigungen, Diebstahl und Mengenrisiko infolge Mehrverbrauchs wird ein Erfahrungswert des Unternehmens herangezogen. - Kleinmengentransporte. Kleinmengenlieferungen des Baumaterialhandels und des Werkhofmagazins erzeugen Mehrkosten gegenüber den kalkulatorischen Kostengrundlagen (Basiskosten). Der Ansatz hierfür wird durch das Unternehmen festgelegt. Baustellengemeinkosten der Kostenart Inventar Die Inventarkosten sind verursachergemäß als direkte Kosten der Teilleistungen zu berücksichtigen. Für den Verbrauch von Betriebsmaterial oder Kleingeräten, welche für verschiedene Teilleistungen zur Verfügung stehen, ist dieses nicht möglich. Daher werden diese Kosten in den Baustellengemeinkosten erfasst. Hierbei kann, wenn die genauen Kosten nicht ohne großen Aufwand zu ermitteln sind, mit entsprechenden Zuschlägen operiert werden. Gemäß SBV sind folgende Zuschläge speziell für die Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagssätzen möglich: - BGK-Zuschlag für Holz, - BGK-Zuschlag für Betriebsmaterial, - BGK-Zuschlag für Kleingeräte. Am Zuschlag für Holz kann verdeutlicht werden, warum für eine Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagssätzen spartenweise differierende Zuschläge erforderlich sind. Während Schalholz im Hochbau intensiv eingesetzt wird, nimmt seine Anwendung bei der Leistungserstellung im

202 Teil 3: Die Kostengruppen der Kalkulation Spezialtiefbau ab. Folglich sind unterschiedliche Zuschläge Grundvoraussetzung für eine genaue Berücksichtigung der Kosten. Baustellengemeinkosten der Kostenart Fremdleistung Im Rahmen einer Fremdvergabe von Leistungen können Risiken hinsichtlich der Leistungsfähigkeit, der Solidität und der Qualifikation des Subunternehmers bestehen. Der Hauptunternehmer wird unter Umständen Vorkehrungen treffen müssen, die bei der Kalkulation zu berücksichtigen sind. Hierzu gehören unter anderem: - Transportversicherungen, - Zuzug von Spezialisten mit höheren Löhnen, - Transaktionskosten für Fremdleistungen. Im Rahmen der Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagssätzen kann hier mit einem erhöhten Zuschlag für Fremdleistungen gearbeitet werden. Bei der Kalkulation über die Angebotssumme gilt es, diese Kosten genau zu erfassen. 10.1.2 Kosten für Aufsicht und Führung Je nach Größe und Dauer der Baumaßnahme sind unterschiedliche Führungs- und Administrationsmitarbeiter auf der Baustelle einzusetzen (s. Abb. 10.2). Zu den Managementprozesskosten für Aufsicht und Führung einer Baustelle zählen unter anderem die Kosten für: Bauführer Oberpoliere und Poliere Betoningenieure und Maschineningenieure Vermessungsingenieure und -techniker Abrechnungstechniker Baukaufleute Lohnbuchhalter Schreibkräfte Die Kosten werden aus den Gehältern, bezogen auf die Einsatzzeit für das Bauvorhaben, berechnet. Betreut ein Bauführer oder Abrechnungstechniker mehrere Baustellen gleichzeitig, werden seine Kosten ebenso wie die Aufsichtskosten, falls der Polier nicht im Mittellohn enthalten ist, anteilig verrechnet. Neben den Gehältern sind die Kosten für Porto, Telefon, Büromaterial, Bürokosten, Fahrzeug- und Reisekosten, Personalbeschaffung und Personalbetreuung sowie Bewirtung der Baustellengäste und Werbung für die Baustelle zu berücksichtigen.

10 Gemeinkosten der Baustelle 203 Personalbestand Hilfsbetriebe Kalkulator Chef Bauführung Arbeitsvorbereitung Sekretariat Vermessung Abrechnung Bauführer Polier Vorarbeiter Kleine Mittlere Großbaustellen Baustellengröße Abb. 10.2 Personalbestand der örtlichen Bauleitung in Abhängigkeit von der Baustellengrösse (aus Girmscheid 2004 d) Für Porto, Telefon, Büromaterial und Bürokosten sind auf die zu kalkulierende Baustelle abgestimmte Erfahrungswerte anzusetzen. Bei den Fahrzeug- und Reisekosten ist die Verrechnung über Kilometerpauschalen üblich, in der die Amortisation, Verzinsung, Reparatur, Wartung, der Reifenverschleiß, die Betriebsstoffkosten, Steuer und Versicherung enthalten sind. Personalbeschaffung und -betreuung sowie Bewirtung und Werbung sind mittels Zuschlägen zu berechnen. Kosten für Unterkunft und Kantine hingegen können explizit für die auf der Baustelle vorgesehene Mannschaftsstärke ermittelt werden. Aufsicht Als Aufsichtskosten werden die Kosten bezeichnet, die den Einsatz der Poliere bewerten, sofern sie nicht produktiv mitarbeiten. Erfahrungswerte zeigen, dass für 10 bis 15 Mann Baustellenpersonal ein Polier als Aufsicht in der Kostenberechnung zu berücksichtigen ist. Bei kleineren Arbeitsgruppen wirkt der Polier produktiv mit. In diesem Fall werden seine Lohnkosten im Mittellohn erfasst. Wird ein Großteil der Leistungen durch Subunternehmer und/oder Akkordanten erbracht, ist den Aufsichtskosten besondere Beachtung zu schenken. In solchen Fällen hat der Polier aus organisatorischen und vertraglichen Gründen auch dieses Personal zu beaufsichtigen.

204 Teil 3: Die Kostengruppen der Kalkulation Führung Die Kosten für Führung setzen sich aus folgenden Bestandteilen zusammen: - Kosten für Bauführung, wobei eine Separierung der Kosten für nicht baustellenbezogene Tätigkeiten wie Kalkulation oder Verwaltung vorzunehmen ist. - Kosten für Vermessung und Absteckung, die von spezialisiertem Personal vorgenommen wird. - Kosten für technische Bearbeitung, Arbeitsvorbereitung und Überwachung bei anspruchsvollen Bauaufgaben, bei denen diese Tätigkeiten über die normale Bauführung hinausgehen (Beispiele: Bau- und Feldlabor für Baugrunduntersuchungen, Koordination der Ablaufplanung, Erschütterungsmessungen). - Kosten für das Baubüro fallen bei administrativen Aufgaben direkt auf der Baustelle an. Dies ist in der Regel bei großen, lang andauernden Bauvorhaben (z.b. im Untertagbau) der Fall. Sie werden meistens in einer gesonderten Vergütungsposition in der Baustelleneinrichtung berücksichtigt. Auf eine klare Abgrenzung zu den Verwaltungskosten als Bestandteil des Endzuschlags ist zu achten. Die Kosten für konstruktive Bearbeitung, AVOR, Baustoff- und Bodenuntersuchungen sowie Vermessung und Abrechnung sind anhand voraussichtlicher Einsatzzeiten und der Lohnkostenkategorien der eingesetzten Bearbeiter abzuschätzen. 10.1.3 Exakte Erfassung der indirekten Kosten einer Baustelle Die indirekten Kosten einer Baustelle werden im Rahmen der Kalkulation über die Angebotssumme und der Prozesskostenkalkulation in einer separaten Berechnung erfasst. Eine Übersicht zur Erfassung der möglichen anfallenden indirekten Kosten einer Baustelle ist in den Abbildungen 10.3 und 10.4 wiedergegeben. Bei der Kalkulation von indirekten Baustellenkosten ist der Entsorgung von Baureststoffen erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. In der Regel sollten für diese Kosten spezielle Positionen im Leistungsverzeichnis vorgesehen werden. Ist dies nicht der Fall, sind sie aus Gründen der vollständigen Kostenerfassung bei den indirekten Kosten einer Baustelle zu berücksichtigen. Gleiches gilt für die Baustelleneinrichtungskosten. Sollten trotz der Forderung der SIA 118, Art. 9, Abs. 1 die bei der Ausschreibung vorzusehenden Leistungsverzeichnispositionen für Baustelleneinrichtungen fehlen, muss eine Erfassung der Kosten in den indirekten Kosten der Baustelle er-

10 Gemeinkosten der Baustelle 205 folgen, da diese auf die Leistungsverzeichnispositionen der Bauwerkserstellung umgelegt werden. Eine vollständige Ermittlung ist dabei grundlegend. Projekt : Indirekte Kosten der Baustelle Kalkulation Kostenzusammenstellung Lohn (Std.) Material(CHF) Inventar (CHF) A Einmalige Kosten 1 Lohnbezogene Kosten/Baustellengemeinkosten BGK Löhne Lohnsumme Std. * Mittellohn I = Lohnsumme - Handwerkzeuge und persönliche Ausrüstung x % der Lohnsumme - Personaltransporte x % der Lohnsumme - Unterkunft und Kantine x % der Lohnsumme - Personalbeschaffung und -betreuung x % der Lohnsumme - Betriebshaftpflichtversicherung x % der Lohnsumme 2 Besondere Risiken Eigenbeteiligung Preissteigerung Lohn ( x % * Bausumme) Besondere Bauversicherungen (z.b. Transport) Lizenzgebühren Bauleistungsversicherung ( x % * Bausumme) 3 Technische Bearbeitung Konstruktion lt. Angebot einschl. Bestandszeichnungen AVOR ( x % * Bausumme) Baustoff- und Bodenuntersuchungen Vermessung und Abrechnung Zuzug von Spezialisten Sonstiges (Fotos, Prospekte lt. Auftrag) Summe A: Einmalige Kosten, zeitunabhängig Abb. 10.3 Exakte Erfassung der indirekten Kosten einer Baustelle einmalige Kosten bei der Kalkulation über die Angebotssumme resp. Prozesskalkulation Die indirekten Kosten der Baustelle lassen sich in einmalige Kosten und zeitabhängige bzw. leistungsabhängige Kosten aufgliedern. Zu den einmaligen Kosten zählen: Lohnbezogene Kosten/Baustellengemeinkosten Löhne, Kosten für besondere Risiken, Kosten für technische Bearbeitung. Zu den zeitabhängigen bzw. leistungsabhängigen Kosten gehören: Allgemeine Baukosten, Bürokosten der Baustelle, Sonderkosten. Teilbereiche der indirekten Baustellenkosten für die Nebenprozesse lassen sich nicht oder nur sehr aufwendig in einer Einzelentwicklung ermitteln, können aber wie bei der Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagssätzen in Form von Zuschlägen beispielsweise auf Arbeiterlöhne, Gewicht oder installierte Motorleistung erfasst werden. Hierzu zählen vor allem die lohnbezogenen Kosten (Position 1 in Abb. 10.3) sowie die allgemeinen Baukosten (Position 4 in Abb. 10.4). Die Kosten für die übrigen Positionen werden nach der voraussichtlich eintretenden Höhe exakt ermittelt.

206 Teil 3: Die Kostengruppen der Kalkulation Projekt : Kalkulation Indirekte Kosten der Baustelle Kostenzusammenstellung Lohn (Std.) Material (CHF) Inventar (CHF) B Zeitabhängige Kosten 4 Allgemeine Baukosten Hilfslöhne (Magaziner, Boten, Mischanlagenpersonal etc.) in Stunden Hilfsmaterial, wie z.b. Holz (x % der Inventarkosten) Kleingeräte (x % der Inventarkosten) sonstiges Betriebsmaterial (x % der Inventarkosten) Werkhofmagazin (x % der Materialkosten) Materialverluste (x % der Materialkosten) Kleinmengentransporte (x % der Materialkosten) 5 Bürokosten Allgemeines x CHF /Mon * x Monate Mobiltelefon Bauführer x CHF /Mon * x Monate Material, Spesen x CHF /Mon * x Monate Pkw-Betrieb x km/mon * x CHF * x Monate 6 Sonderkosten Reinigung der Baustrassen u. lfd. Ausbesserungsarbeiten x CHF/Mon * x Monate Winterbaukosten Sonderwagnisse der Bauausführung Besondere Finanzierungskosten Summe B : zeitabhängige Kosten B Zeitabhängige Kosten 7 Aufsicht und Führung 1,0 Bauführer x CHF /Mon * x Monate 0,5 Kaufmann x CHF /Mon * x Monate 0,3 Schreibkraft x CHF /Mon * x Monate 0,0 Polier x CHF /Mon * x Monate Gehaltsgebundene Kosten (Auswärtige Verpflegung, Autospesen usw.) x % von xx CHF Summe Aufsicht und Führung: Summe A + B + Aufsicht und Führung: Total - indirekte Kosten der Baustelle Abb. 10.4 Exakte Erfassung der indirekten Kosten einer Baustelle zeitabhängige Kosten sowie Summenzeile der einmaligen und zeitabhängigen Kosten Die allgemeinen Baukosten bzw. Baustellengemeinkosten (Nebenprozesse) bestehen aus den Kosten für: Hilfslöhne. Löhne für Arbeitskräfte mit bestimmten, allgemeinen Aufgaben, die keiner Teilleistung zugerechnet werden können, jedoch für den Betrieb der Baustelle notwendig sind: - Magaziner, - Elektriker, - Vermessungsgehilfen, - Laborgehilfen, - Boten, - Fahrer, - Wächter. Transporte zur Versorgung der Baustelle (einschließlich Personaltransporte). Transportkosten entstehen durch laufende Versorgungsfahrten, meist durch Fahrten zwischen Werkhof und Baustelle. Werkhofmagazin. Die Kosten des Werkhofmagazins (Raum- und Personalkosten) werden als prozentualer Anteil auf die Materialkosten um-

10 Gemeinkosten der Baustelle 207 gelegt. Raumkosten für Werkstatt, Zimmerei und Inventar sind hier nicht enthalten. Verluste und Mengenrisiken. Diese Position dient zur Deckung der Kosten aus Lagerverlusten, Transportverlusten und -beschädigungen, Diebstahl und Mengenrisiko infolge Mehrverbrauchs. Der Ansatz beruht auf Erfahrungswerten des Unternehmens. Kleinmengentransporte. Kleinmengenlieferungen sowohl des Baumaterialhandels als auch des Werkhofmagazins erzeugen Mehrkosten gegenüber den Kostengrundlagen (Basiskosten). Der Ansatz beruht auf Erfahrungswerten des Unternehmens. Kleingeräte, Werkzeuge und sonstige Verbrauchsstoffe. Die Abgrenzung zwischen Kleingeräten und Werkzeugen, die vielfach mit einem Verrechnungssatz auf die Lohnkosten erfasst werden, und Kleingeräten sowie Werkzeugen, die der Baustelle mit Mietbeträgen belastet werden, wird nicht einheitlich gehandhabt. Die Kosten der sonstigen Verbrauchsstoffe werden in der Regel mit einem Verrechnungssatz auf die Lohnkostensumme aufgeschlagen. Zusätzlich zur Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagssätzen werden in der exakten Ermittlung Kosten umfassender auf ihr Auftreten hin geprüft. So kommen auch Sonderkosten zum Ansatz. Unter die Sonderkosten fallen: Sonderrisiken der Bauausführung. Versicherungen: spezielle Versicherungen, die nur für dieses eine Bauobjekt abgeschlossen werden, um Risiken abzudecken. Lizenzgebühren: bei Verwendung patentrechtlich geschützter Bauverfahren. ARGE-Kosten: technische und kaufmännische Federführungsgebühren und Kosten durch die Tätigkeit der Aufsichtsstelle. Winterbaumaßnahmen wie zum Beispiel Beschaffung von Schutzkleidung, Heizgeräten und Notverglasungen. Die hier grundlegend dargestellte Aufzählung der möglichen indirekten Kosten einer Baustelle wird in den Berechnungsformblättern der Kalkulation über die Angebotssumme aufgegriffen (s. Teil 4). 10.2 Gemeinkosten der Baustelle in Deutschland Die Erfassung von Kosten, die durch den Betrieb einer Baustelle entstehen und sich keiner Teilleistung direkt zuordnen lassen, erfolgt in Deutschland analog zu den unter Ziffer 10.1 dargelegten Grundsätzen in der Schweiz.

208 Teil 3: Die Kostengruppen der Kalkulation Abbildung 10.5 beinhaltet einen Katalog der zu erfassenden Kosten einschließlich der Kostenartenzuordnung auf Basis der KLR Bau (KLR 2001). In Abgrenzung zur KLR 2001 wurden hier die Bauzinsen nicht erfasst. Die Konditionen für Bauzinsen werden in der Regel nicht von der Baustelle bestimmt. Es handelt sich um eine durch den Betrieb und sein Rating bestimmte Größe. Daher werden sie in den umsatzbezogenen Kosten und Zuschlägen (s. Kap.11) erfasst. Abb. 10.5 Katalog der Gemeinkosten der Baustelle und Kostenartenzuordnung (nach KLR 2001)

10 Gemeinkosten der Baustelle 209 Zu berücksichtigen ist ferner der Kostencharakter neben der zuvor vorgenommenen Kostenartenzuordnung. Nachfolgend werden exemplarisch einige dieser Elemente aufgeführt. Einmalige Kostenanteile der Baustelleneinrichtung. Hierzu zählen u. a. Lohnkosten für das Laden von Baracken und Installationen, Frachtkosten, Auf- und Abbaukosten, Herstellen und Rückbau von Zufahrten und Baustellenstraßen. Zeitproportionale Kostenanteile der Baustelleneinrichtung. Hierzu zählen die Vorhaltekosten der Baustellenausstattung und der Baustelleneinrichtung. Gerätekosten. Die Gerätekosten, welche nicht den einzelnen Leistungspositionen oder einer Position für Baustelleneinrichtung zugeordnet werden, sind in einer Geräteliste zu erfassen, aus der u. a. die Beträge für Abschreibung, Verzinsung und Reparatur berechnet werden können. Zu den einmaligen Kostenanteilen der Gerätekosten zählen Lade- und Frachtkosten der Geräte sowie der Auf-, Um- und Abbau der Geräte. Zu den zeitproportionalen Kostenanteilen gehören die Abschreibung und Verzinsung, Reparaturkosten einschließlich der Schluss- und Grundreparatur. Zu den zeitproportionalen Kosten der Gerätekosten können in der Regel auch die Betriebskosten der Geräte eingeordnet werden. Die Leistungsbereitschaft der Bedienung sollte mit berücksichtigt werden. Kosten für Nebenstoffe und Nebenfrachten. Nebenstoffe sind zum Beispiel Betontrennmittel oder Verbindungsmittel wie Nägel und Schrauben. Nebenfrachten sind die Transportkosten für Nebenstoffe, Werkzeuge und Büromaterialien. Die Kosten für Nebenstoffe und Nebenfrachten werden häufig mit einem Wert von 2-4 % bezogen auf die Nettolohnsumme angesetzt. Kosten der örtlichen Bauleitung. Wesentlich sind die zeitproportionalen Gehaltskosten einschließlich der gehaltsgebundenen Kosten und Gehaltsnebenkosten. Kosten der technischen Bearbeitung, Konstruktion und Kontrolle. Die Kosten der technischen Bearbeitung, Arbeitsvorbereitung oder diverser Untersuchungen sind meistens als einmalige Kosten zu erfassen. Allgemeine Baukosten. Hierzu zählen beispielsweise Hilfslöhne einschließlich der Sozialkosten und Lohnnebenkosten, die als zeitproportionale Kosten zu erfassen sind. Pachten und Mieten sind zeitproportionale Kosten ebenso wie besondere Finanzierungskosten. Sonderkosten. Von besonderer Bedeutung sind projektbezogene Sonderwagnisse. Führt ein Unternehmen einen Auftrag aus, welcher vom Profil der üblichen Tätigkeit des Unternehmens nicht entspricht, so sind im Bereich der Gemeinkosten der Baustelle die besonderen Wagnisse

210 Teil 3: Die Kostengruppen der Kalkulation eines solchen Auftrages zu werten. Diese Sonderwagnisse sind als einmalige Kosten zu erfassen ebenso wie besondere Bauwesenversicherungen oder Lizenzgebühren.

http://www.springer.com/978-3-540-36694-2