Baden-Württemberg Stipendium Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt an der University of California Riverside Heimathochschule: Gasthochschule: Studiengang: Studienziel: Semester: Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart University of California, Riverside Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau Bachelor of Engineering 5. Semester
EINLEITUNG Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dies durfte ich während meines dreimonatigen Studienaufenthalts in Riverside, Kalifornien, erleben und kann diese Erfahrung nur weiterempfehlen; ich würde mich jederzeit wieder für ein Auslandssemester entscheiden. Ein Auslandssemester ist eine einmalige Möglichkeit, eine andere Kultur, Lebens- und Studienweise kennen zu lernen. Dies hat mich nicht nur auf Wissensebene, sondern auch persönlich bereichert. Der vorliegende Erfahrungsbericht soll anderen Studenten einen Eindruck geben, welche Herausforderungen und Erlebnisse ein Auslandssemester mit sich bringen kann. Es soll aber auch eine Hilfestellung sein, welche Aspekte vor einem Auslandssemester bedacht werden sollten. Gegliedert ist der Bericht in drei Teile: Vorbereitung des Aufenthalts, Studium in den USA und Aufenthalt in den USA. VORBEREITUNG DES AUFENTHALTES Eine gute und rechtzeitige Vorbereitung ist die erste Voraussetzung für ein erfolgreiches Semester im Ausland. Schon Anfang des Jahres habe ich mich mit dem Thema Auslandssemester intensiv beschäftigt. Da ich ein duales Studium absolviere, war der erste Schritt hierbei, mich mit meinem Arbeitgeber abzusprechen, um dessen Einverständnis und Unterstützung meines Auslandsaufenthalts sicher zu stellen. Hinsichtlich eines dualen Studiums muss bedacht werden, dass sich die Studienzeit, im Gegensatz zu manch anderen Hochschulen, durch ein Auslandssemester nicht verlängert. Dies setzt voraus, dass die im Ausland erbrachten Studienleistungen sowohl von der Heimathochschule, als auch vom Arbeitgeber akzeptiert und angerechnet werden müssen. Dies erfordert eine gute Abstimmung auch mit dem verantwortlichen Professor an der Hochschule. An meiner Hochschule wird hierbei ein Learning Agreement gefordert, durch welches schon im Voraus festlegt wird, welche Kurse an der Gasthochschule belegt werden und welche an der Heimathochschule geforderten Themenbereiche diese abdecken. Dies ermöglicht eine spätere Anrechnung der im Ausland erreichten Credits und Noten an der Heimathochschule. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die im Voraus festgelegten Kurse eventuell im relevanten Semester nicht angeboten werden bzw. dass man als internationaler Student diese Kurse nicht besuchen kann. Folglich kann das Learning Agreement noch nach der Kurswahl im Ausland angepasst werden. Dabei ist eine gute Kommunikation mit der Heimathochschule unabdingbar, da sonst notwendige Credits für den Bachelorabschluss eventuell nicht angerechnet werden. 1
Bevor jedoch ein solches Learning Agreement unterschrieben werden kann, muss zunächst eine Hochschule ausgewählt werden, sowie eine entsprechende Bewerbung eingehen. Hierbei half mir das Auslandsamt meiner Hochschule. Eine große Hilfe ist es, bestehende Kooperationen zwischen der Heimathochschule und verschiedenen Gasthochschulen zu nutzen, da hier der Bewerbungsprozess einfacher abläuft. Die Gasthochschule akzeptierte beispielsweise meine Englischnote der DHBW, sodass kein weiterer Sprachnachweis notwendig war. Nach erfolgreicher Bewerbung an der UCR erhielt ich das für das Visum erforderliche I-20 Formular. Für einen Studienaufenthalt in den USA wird ein Studentenvisum benötigt. Die Beantragung eines solchen Visums erfordert neben diesem Formular verschiedene Informationen, welche im Laufe des Beantragungsprozesses auf der Webseite des amerikanischen Konsulats angegeben werden müssen. Darüber hinaus muss ein persönlicher Besuch auf einem amerikanischen Konsulat, entweder in Frankfurt, München oder Berlin erfolgen. Dieser Termin sollte rechtzeitig ausgemacht werden, da man ungefähr ein bis zwei Wochen auf einen Termin warten muss. Das Visum selbst bekommt man auch nicht direkt bei einem solchen Termin, sondern wird nach einer gewissen Bearbeitungszeit zugeschickt. Da immer etwas schief gehen kann, sollte man eher planen, das Visum schon einige Wochen im Voraus zu haben, sodass man auf eventuelle Probleme immer noch reagieren kann. Berücksichtigen sollte man bei der Visumsbeantragung auch, dass der Reisepass noch mindestens ein Jahr gültig ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Vorbereitung ist eine Auslandskrankenversicherung. Da die Behandlungskosten in den USA sehr teuer sind, ist eine solche Versicherung relativ teuer. Über eine gewöhnliche Auslandskrankversicherung ist man zudem auch nicht über einen solchen langen Zeitraum versichert. An der UCR ist es vorgeschrieben, eine Krankversicherung über die UCR abzuschließen. Diese ist jedoch für private Reisen bzw. Unfälle außerhalb des Campus nicht ausreichend, sodass eine private Versicherung trotzdem notwendig ist. Darüber hinaus ist ein internationaler Führerschein zu empfehlen. Dieser kann auf dem Landratsamt beantragt werden. Der öffentliche Nahverkehr ist in den USA nur unzureichend vorhanden, sodass man sich für Ausflüge, oder auch den Transport vom Flughafen, am besten ein Auto mietet. Die UCR bietet einen Abholservice vom Flughafen an. Dieser ist jedoch ziemlich teuer, sodass es sich durchaus lohnt, ein Auto zu mieten. Bevor es losgeht sollte man sich auf jeden Fall noch eine Kreditkarte zulegen. Diese wird zum Beispiel benötigt, wenn man sich ein Auto mieten möchte. 2
STUDIUM IN DEN USA Der Semesteranfang an der Gasthochschule ist nicht ganz einfach, da zunächst noch die Kurse gewählt werden müssen. Und leider kann man oft die gewünschten Kurse aus dem Learning Agreement nicht wählen, da diese entweder nicht angeboten werden oder schon voll sind. Internationale Studenten sind nicht direkt an der UCR, sondern an der UCR Extension eingeschrieben. Die Extension ist ein Teilbereich der UCR, welche unterschiedliche Programme und Qualifikationen für internationale Studenten, sowie auch für Berufstätige anbietet. Das entsprechende Programm für deutsche Austauschstudenten ist das UCP Programm. Im Rahmen dieses Programm bezahlt man einen Pauschalpreis, welcher Kurse im Umfang von 12 amerikanischen Units abdeckt. Die Umrechnung in deutsche Credits muss von der jeweiligen Heimathochschule festgelegt werden, an der DHBW entspricht dies 24 Credits. Für $250 je Unit können über diese 12 Units hinaus noch zusätzliche Kurse besucht werden. Die Teilnahme am UCP Programm berechtigt sowohl den Besuch von Kursen an der UCR direkt, als auch an der UCR Extension. Die Extension Kurse finden überwiegend abends statt. Die Studiengebühren an amerikanischen Hochschulen sind damit sehr hoch, sodass im Rahmen der Anmeldung ein Nachweis über liquide Mittel angefordert wird. Im Rahmen einer Einführungsveranstaltung wird das genauere Vorgehen der Kurswahl erläutert. Schon im Vorfeld konnte man einen Campuskurs an der UCR reservieren, was in meinem Fall leider nicht geklappt hat. Ein Campuskurs besteht meist aus 3 Veranstaltungen; 2 Vorlesungsterminen pro Woche und eine Discussion, eine Art Tutorium. Diese Kurse geben meist 4 oder sogar 5 Units. Ein Extensionkurs besteht dagegen meist nur aus einem Termin und kann zwischen 1 und 4 Units umfassen. Campuskurse sind allgemein schwieriger zu bekommen, da diese zu Beginn des Quarters meist schon voll sind. Oft sind hier Gespräche mit dem Professor oder der jeweiligen Fakultät notwendig, was sich auch über einige Wochen hinziehen kann, bis man final in einem Kurs eingeschrieben ist. Sich in Extensionkurse einzuschreiben ist allgemein einfacher. Meiner Meinung nach lohnt sich die Mühe um Campuskurse auf jeden Fall, da man nur hier das Campusleben kennen lernen darf und die Kurse auch auf einem höheren Niveau sind als die Extensionkurse, welche größtenteils aus Austauschstudenten bestehen. Eine Mischung aus beiden Kursarten ist deshalb zu empfehlen. Während des Semesters ist auffallend, dass Vorlesungen und die Notengebung anders gestaltet werden als in Deutschland. Im Gegensatz zu Deutschland findet nicht eine entscheidende Klausur zu Semesterende statt; die Notengebung besteht aus mehreren Einzelnoten. Dabei zählen neben dem Final auch das Midterm, benotete Hausaufgaben oder die Anwesenheit. Der Schwierigkeitsgrad oder auch die Gewichtung der einzelnen Elemente ist dabei stark vom Professor abhängig. Auch kleinere benotete Projekte sind üblich. Das Midterm, sowie das Final bestehen dabei aus Multiple choice Fragen. Diese werden mittels eines Scantrons, ein Vordruck für die automatisierte Auswertung, abgefragt. 3
AUFENTHALT IN DEN USA Der erste wichtige Aspekt hierbei ist die Wohnung. Schon von Deutschland aus habe ich versucht, mich zu informieren, was jedoch ziemlich schwierig ist. Über Craigslist oder roommates.com kann man WGs oder Wohnungen finden. Allerdings muss man immer die Lage der Wohnung berücksichtigen. Da der öffentliche Nahverkehr nur schlecht ausgebaut ist, ist eine Wohnung in Uninähe von Vorteil, welche über diese Seiten schwierig zu finden sind. Allerdings gibt es viele Wohnanlagen in Uninähe, bei denen man auch noch vor Ort relativ einfach ein Zimmer finden kann. Dabei gibt es möblierte, sowie unmöblierte Zimmer bzw. Anlagen. Auf diese Weise habe auch ich ein möbliertes Zimmer in einer 4er WG gefunden, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe. Auch das Zusammenleben mit zwei Amerikanern habe ich als sehr gut wahrgenommen, weil es schwieriger ist als gedacht, andere Amerikaner kennen zu lernen. Allgemein muss jedoch bedacht werden, dass die Mietpreise, und speziell möblierte Zimmer, um vieles teurer sind im als in Deutschland. Um die Miete zu bezahlen ist es am einfachsten, ein amerikanisches Konto zu eröffnen. Dies ist kostenlos möglich und die Debitkarte macht das Leben allgemein in den USA einfacher. Abhängig von der jeweiligen Bank bekommt man bei der Kontoeröffnung einige kostenlose Schecks, welche teilweise, wie in meinem Fall, zur Mietzahlung benötigt werden. Um täglich zur Uni zu kommen, habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Dies ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, schnell zum doch relativ großen Campus zu kommen. Hierbei gibt es günstige Angebote z.b. bei Walmart. Riverside ist ein guter Ausgangspunkt, um Südkalifornien kennen zu lernen. In ungefähr einer Stunde kann man Palm Springs, Los Angeles, die San Bernadino Mountains und die verschiedenen wunderschönen Strände erreichen. In knapp 2 Stunden ist man schon in Mexiko. Zum Reisen ist es am besten, ein Auto zu mieten. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass Fahrer unter 25 Jahren eine zusätzliche Gebühr zahlen müssen. Oft ist auch die Versicherung nicht im Preis inbegriffen, sodass diese zusätzlich noch gebucht werden muss. Bei den Anbietern in der Nähe der UCR bekommt man jedoch oft Rabatt. Bei einigen Anbietern, welche weltweit vertreten sind, ist es günstiger, über die deutsche Webseite zu buchen, da hier die Kosten für die Versicherung oft schon berücksichtigt sind. Bei Ankunft am Flughafen gibt es Shuttlebusse zu den Autovermietungen, welche sich nicht direkt am Flughafen befinden. Diese können kostenlos genutzt werden. Abschließend kann ich sagen, dass mein Auslandssemester in den USA eine tolle Erfahrung war. Es war sehr interessant, das Studentenleben in einem anderen Land kennen zu lernen. Es war aber auch eine tolle Möglichkeit zu reisen und viele schöne Plätze Kaliforniens kennen zu lernen. 4 Ich stimme der Veröffentlichung dieses Erfahrungsberichts auf der Internetseite des Baden-Württemberg Stipendiums zu.