Schutzimpfungen für Desinfektoren. Manfred H. Wolff Institut für Mikrobiologie und Virologie Universität Witten/ Herdecke

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1 Schutzimpfungen für Desinfektoren Manfred H. Wolff Institut für Mikrobiologie und Virologie Universität Witten/ Herdecke

2 Historie Vor 2000 Jahren: Pocken (Indien- China) eingetrockneter Pustelinhalt Oral oder durch Verletzung der Haut 1725 Variolation (Europa) Einimpfung von pockenvirushaltigem Material in die Haut des Oberarms

3 Historie 1796 Vakzination (vacca- Kuh) Edward Jenner übertrug Pustelinhalt der an Kuhpocken erkrankten Sarah Nelmes auf den Jungen James Phipps

4 Zeitgenössische Karikatur zu Impfung

5 Historie WHO konsequente Impfung weltweit 8.Mai 1980 Die WHO erklärt feierlich, dass die Welt frei von menschlichen Pocken ist Kosten der Impfkampagne 300 Mill. Dollar

6 1977 letzter Pockenfall Ali Maow Maalin

7 Beispiel der Pocken zeigt: Virale Infektionen können eingedämmt bzw. ausgerottet werden Heute : Virusspezifische Immunität durch aktive und passive Impfung

8 Impfungen Aktive Immunisierung Einbringen eines oder mehrer Antigene in den Organismus, um damit eine schützende humorale und / oder zellvermittelte Immunantwort auszulösen Passive Immunisierung Gabe von Antikörpern gegen ein oder mehrere Antigene

9 Voraussetzung für aktive Immunisierung Der Geimpfte muss immunkompetent sein Impfung versagt bei Immunsuppression, bei Leukämie, aber auch nach EBV- und HIV- Infektion Auch alte Menschen reagieren nicht mehr regelrecht

10 Voraussetzung für aktive Immunisierung Es dürfen nicht zu viele Serotypen eines Erregers vorkommen (Rhinoviren >200) Die für die Immunität relevanten Epitope eines Erreger dürfen keiner zu raschen Veränderung unterliegen (HIV)

11 Aktive Impfung Lebendimpfstoff Attenuierte, d.h. in ihrer Virulenz geschwächten Erreger Sie sind noch vermehrungsfähig Herstellung: Spontanmutationen durch mehrfache Zellkulturpassagen Gentechnische Veränderungen

12 Lebendimpfstoff Vorteil Es wird eine natürlichen Infektion imitiert Es wird eine lokale und generelle Immunität induziert Die Immunität kann eine humorale oder auch zellvermittelte sein Lange häufig lebenslange Immunität

13 Lebendimpfstoff Nachteil Impfschutz erst nach einiger Zeit verfügbar Gelegentlich symptomatische Reaktion, insbesondere bei Abwehrgeschwächten Kontraindikation bei Schwangeren Rückmutationen

14 Lebendimpfstoff Pocken Poliomyelitis trivalent (Sabin) Röteln Mumps Masern Gelbfieber Varizellen

15 Totimpfstoff Totimpfstoffe sind durch verschiedene Maßnahmen inaktiviert und nicht mehr vermehrungsfähig thermische Behandlung Formalinbehandlung Ultraschall vollständige Ausschaltung der Infektiösität

16 Totimpfstoff Vorteil Anwendung bei Immunsuppremierten Anwendung bei Schwangeren Keine symptomatischen Reaktionen

17 Totimpfstoff Nachteil Immunstimulus geringer Erstimpfung reicht oft nicht aus Wiederholungsimpfungen in Abständen Grundimmunisierung Auffrischungsimpfung

18 Totimpfstoffe Poliomyelitis trivalent (Salk) Influenza Tollwut FSME Gentechnologische Herstellung: Hepatitis B Zur Verbesserung und Verlängerung der antigenen Wirksamkeit werden einigen Impfstoffen Adjuvatien zugegeben z.b. Al(OH 3)

19

20 Tetanus Wundstarrkrampf Erreger: Clostridium tetani Sporenbildner Wachstum :anaerob Tetanusspasmin (Toxin) Sporen ubiquitäre Verbreitung Schmutz Staßenstaub Erde Dornen, Splitter

21 Krankheitsbilder Harmlose?? Wunde

22 Tetanus bei ungetrübtem Bewusstsein Krämpfe und Lähmungserscheinungen Letalität : jüngere Menschen ca. 25 % ältere Menschen ca.55%

23 Risus sardonicus

24 NeugeborenenTetanus Infektion des nekrotischen Nabels hohe Letalität Häufig in unterentwickelten Länder

25 Impfung Entsprechend den Impfempfehlungen sollte mit der Impfung ab dem 2. Lebensmonat begonnen werden. Auch im Erwachsenenalter muss der Impfschutz regelmäßig aufgefrischt werden, insbesondere nach Verletzungen. Von einer ausreichenden Grundimmunisierung wird ausgegangen, wenn 3 oder mehr Impfungen dokumentiert sind. Auffrischimpfungen sind dann alle 10-15Jahre erforderlich. Bei tiefen oder verschmutzen Wunden sollte nach 5 Jahren nachgeimpft werden. Totimpfstoff (z.b.tetanol) Inaktiviertes Tetanustoxin (Toxoid)

26 Diphtherie Klinik Massives Anschwellendes Halses (regionale Lymphknoten) Cäsarenhals diphtheritische Pseudomembranen Schluckbeschwerden Atemnot

27 Diphtherie war im letzten Jahrhundert eine gefährliche Seuche und konnte durch Einführung der Impfung drastisch gesenkt werden. Seit Öffnung der Mauer hat es wieder - bedingt durch den Tourismus eine Zunahme gegeben. Seit 1990 herrscht in Rußland und anderen GUSStaaten eine Diphtherie-Epidemie, allein 1994 erkrankten ca Menschen, Tendenz steigend.

28 Diphtherie Entzündung der Schleimhäute, weißliche bis bräunlich blutige Beläge, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen, Bauch- und Gliederschmerzen, Erbrechen, Fieber, faulig-süßlicher Mundgeruch. Komplikationen: Verlegung der Atemwege, Myokarditis, Nervenentzündungen, Befall der Nieren.

29

30 Hepatitis- B-Virus

31 Hepatitis Ikterus

32 Virusmenge in einem Blutstropfen HIV 3x10 5 HBV 3x108

33 HBV Infektiösität 1 Tropfe Blut Badewanne 250 l Jeder Tropfen Wasser infektiös!

34 Epidemiologie der HBVInfektion 350 Mill. weltweit Träger BRD: 0,4-0,7% = Neuerkrankungen: ca (gemeldet) ca. 160 berufsbedingte Infektionen pro Jahr

35

36 Hepatitis B- Impfung

37 Serologische Untersuchung vor einer Hepatitis B- Impfung

38 Hepatitis B- Impfung Testung vor Impfung Immunisierung durch 3 Injektionen im Abstand von 6 Wochen und 6 Monaten Serologische Testung 4 Wochen nach der letzten Impfung Aus der Höhe des Antikörpertiters abschätzbar wann Auffrischungsimpfung

39 Empfehlung zur Hepatitis B Auffrischungsimpfung Antikörper IU/L <10 Impfung eine 4. Impfung > nach3-6 Monaten nach12 Monaten nach 3-5 Jahren nach 7 Jahren

40 Passive Immunisierung Spezielle HB-Immunglobulinpräparate Als Simultanimpfung bei: Ungeschützten Personen bei Verletzungen mit möglicherweise erregerhaltigen Gegenständen Neugeborenen HBsAg- positiver Mütter

41 Impfpläne

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