Didaktischer Baukasten zur partizipativen Planung von Workshops

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1 Didaktischer Baukasten zur partizipativen Planung von Workshops Anna Streissler und Regina Steiner, FORUM Umweltbildung SchülerInnen sollen einen Workshop für ihre Klasse planen Wir sind der Meinung, dass Lernfreude und Motivation von SchülerInnen gefördert werden, wenn sie selbst ihre Lernprozesse mitgestalten können. Da SchülerInnen aber nicht über das didaktische Repertoire für die Gestaltung umfangreicherer Lernprozesse verfügen, entwickelten wir einen Didaktischen Baukasten. Er sollte allen Beteiligten bei der Planung des ersten Schulworkshops zu Nanomaterialien in den einzelnen Klassen helfen. Die Ziele dieses ersten Schulworkshops waren: 1. Ermittlung des Wissensstands der SchülerInnen 2. Informationstransfer von den Nano-ExpertInnen zu den SchülerInnen 3. Anregungen zur persönlichen Meinungsbildung und Diskussion 4. Evaluation des Workshops Jedes dieser Ziele sollte erfüllt werden, aber es gab zu jedem dieser Ziele mehrere didaktische Methoden, unter denen die SchülerInnen wählen konnten. Aus jeder der vier Klassen nahmen zwei SchülerInnen an den Planungssitzungen teil (Delegiertenprinzip). Bei den drei gemischtgeschlechtlichen Klassen achteten wir darauf, dass sowohl eine Schülerin als auch ein Schüler die Klasse vertraten. Wie sind die Karten aufgebaut? Die Informationen zu jedem Baustein des didaktischen Baukastens bestanden aus zwei Teilen: Auf der Vorderseite stand in großen Buchstaben der Name der Methode, die geschätzte Dauer in Minuten, eine Kurzinformation zur Gruppenkonstellation (z.b. Einzeln schriftlich, in 4 Kleingruppen) und wann die Methode im Workshopablauf passen würde (z.b. vor/nach dem Input, jederzeit, am Ende). Auf der zweiten, ausführlicheren Rückseite wurde jede Methode nach dem gleichen Schema beschrieben: Wann? Wozu und Wie? In welcher Gruppenkonstellation? Wie lange? Was für Ergebnis? Anmerkungen Eine weitere Kartenkategorie war Pause. 1

2 Die Methoden waren durchnummeriert. Sehr ähnliche (und daher alternativ einzusetzende Methoden) kennzeichneten wir mit derselben Nummer und differenzierten mit Buchstaben (z.b. verschiedene Evaluationsmethoden 9a, 9b, 9c, 9d ) Die Texte der Karten waren auf farbigen Kartons (Kartontrennblätter für Ringordner, Format 24 cm x 10,5 cm) aufgeklebt. Die Farben hatten eigene Bedeutungen: Rot waren die Karten, die sie auf alle Fälle einsetzen mussten (Input der ExpertInnen - in unserem Fall vom Umweltbundesamt - und Workshopevaluation). Weiß waren Karten mit Methoden, die sie vor dem Input verwenden konnten. Blau waren Karten mit Methoden, die sie nach dem Input einsetzen konnten. Grün waren Karten mit Methoden, die sie jederzeit einsetzen konnten. 2

3 Wie wurden die Karten verwendet? Die SchülerInnen hatten die Aufgabe, die vier bzw. fünf für den Schulworkshop vorgesehenen Schulstunden mit Hilfe des didaktischen Baukastens zu planen. Sie wussten, dass sie alle vier Ziele des ersten Schulworkshops erfüllen mussten, aber die Ausgestaltung war ihnen überlassen. So konnten sie innerhalb gewisser Rahmenbedingungen ihren Workshop eigenständig planen. Heraus kamen für jede Klasse individuell angepasste Workshopsettings: Variante 1, htl donaustadt, Wien Variante 2, BRG 2 Vereinsgasse, Wien Variante 3, Privatgymnasium Liefering, Salzburg Variante 4, BG/BRG 6 Rahlgasse, Wien 3

4 Wie haben wir die Idee im Lauf des Projekts angepasst? Bei der Planung der Young Researchers Tagung setzten wir den didaktischen Baukasten in abgespeckter Form wieder ein. Wieder gab es rote Pflichtkarten und weitere didaktische Vorschläge von uns auf andersfarbigen Karten, teilweise mit Zeitangaben. Diesmal gab es auch die Möglichkeit für die SchülerInnen, noch eigene weitere Ideen in die Planung einzubringen (dafür sahen wir leere bunte Karten vor). Die gesamte Planungssitzung wurde von Anna Streissler, FORUM Umweltbildung, moderiert. Bevor wir mit der Planung begannen, klärten wir Erwartungen und Befürchtungen und sammelten weitere Ideen: Welche Erwartungen hatten wir bezüglich der Young Researchers Tagung? Welche Befürchtungen hatten wir bezüglich der Young Researchers Tagung? Welche sonstigen Ideen rund um die Young Researchers Tagung hatten wir? Welche Medien würden wir uns bei der Tagung wünschen? 4

5 5

6 Gemeinsam erstellten wir folgenden Ablaufplan: Am Schluss überprüften wir, ob alle Erwartungen durch dieses Setting erfüllt werden könnten und ob wir so gut es planbar war, den Befürchtungen Vorschub leisteten. Bis auf eine kleine Änderung (ein Spiel fiel weg, das die SchülerInnen zunächst vorgesehen hatten aber dann keine Zeit hatten genauer zu planen) wurde die Young Researchers Tagung auch wirklich so gestaltet wie ursprünglich gemeinsam geplant. 6

7 Wie könnte man den didaktischen Bausteinkasten sonst noch verwenden? Der Bausteinkasten kann unserer Ansicht nach für jede Art der partizipativen Planung eines umfangreicheren Workshopdesigns (oder anderen didaktischen Angebots, z.b. auch einer Landschulwoche) adaptiert werden. Bei der Planung sollten nicht mehr als zehn Personen involviert sein. (Bei Bedarf könnten auch mehrere Kleingruppen parallel Vorschläge ausarbeiten und in einem zweiten Schritt in einem Delegiertenprinzip miteinander weiter ausverhandeln.) Eine Person sollte die Rolle einer Moderatorin bzw. eines Moderators übernehmen. Es sollte im Vorhinein klar sein, welche Rahmenbedingungen aus Sicht der OrganisatorInnen fix sind (z.b. Zeit, Raum, Budget), und welche Programmpunkte auf alle Fälle stattfinden müssen. Einige der didaktischen Bausteine sollten bereits ausgearbeitet sein und die entsprechenden Karten vorbereitet sein. Sinnvoll ist es, zunächst ein Brainstorming über Erwartungen und Befürchtungen zu machen und weitere Ideen zu sammeln, die auf neue Karten geschrieben werden. Zwischendurch oder am Ende sollte der ausgearbeitete Vorschlag noch einmal mit diesen Befürchtungen und Erwartungen abgeglichen werden. 7

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