LANGER WEG. zum Multichannel. E-Commerce: 22/14

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1 22/14 fotolia Eider P.b.b., GZ 02Z M, Manstein ZeitschriftenverlagsgesmbH, Brunner FeldstraSSe 45, 2380 Perchtoldsdorf; Retouren an Postfach 100, 1350 Wien, 20. November 2014 E-Commerce: LANGER WEG zum Multichannel

2 Walter Moser GmbH, Industriegebiet 2, 4863 Seewalchen, Phone: +43/7662/ , YO U C A N F I N D U S N O W O N I N S TA G R A M, FA C E B O O K & P I N T E R E S T!

3 inhalt Mit dem Smartphone im Bett : Toni Rappersberger, 10: picturedesk, 12: Wilfried, 14: bolero, 16: fotolia, 22: fotolia business 05 Neuer chef bei bestseller 07 Profitbringer outlet-stores messe 08 Bringt s Berlin? kongress 12 der kunde hat das Kommando studie 15 stationär schlägt online Glauben Sie (allen) Studien? Ich auch nicht. Je nach Auftraggeber kann ja im Prinzip alles so befragt werden, dass die Antwort mehr oder weniger wunsch- und auftragskonform ausfällt. Nein, ich rede jetzt nicht von der K-Frage, denn wer bei Direktwahl am kommenden Sonntag zum Kanzler gewählt werden würde, interessiert ja so was von niemanden. Ich rede von den zahllosen Umfragen und Studien zum Thema Onlinehandel, mit denen wir derzeit überflutet werden. Klar, das Thema bewegt, wie die TZ-Redaktion bei den Recherchen dieses Schwerpunkts der aktuellen Ausgabe zur Kenntnis nehmen musste. Aber die Bandbreite ist allzu groß. Eine Studie will uns weismachen, dass der stationäre Handel veraltet, gestrig und out ist. Das Ergebnis der nächsten Studie lautet, dass Mode noch immer viel lieber im Laden als im Netz gekauft wird. Die dritte gibt auch den Läden eine Chance, wenn sie sich»komplett neu erfinden«. Bleiben wir bei den Fakten: Technologiekonzerne (nicht etwa Mode- oder Lifestyle-Unternehmen) sahnen derzeit knapp über 10 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes ab, die Unterschiede zwischen den Branchen sind enorm. Mittelfristig wird dieser Wert auf 20 % steigen das wird so manches stationäre Konzept aus dem Markt kippen. Und ja: Smartphones sind die Treiber einer Entwicklung, die kaum aufgehalten werden kann. Apropos Smartphone, auch dazu eine Umfrage, über die man zumindest schmunzeln kann: 50 % der Österreicher schlafen ohne Partner. Aber nur 20 % ohne Smartphone. Was soll man da noch sagen? VON BRIGITTE PFEIFER-MEDLIN handel 16 herbstdepression it&logistik 20 the winner takes it all 24 Unterschätzter Webauftritt 28 surround-shopping marken 32 airfield hebt ab handel 34 mode nach maß mode aktuell jahre sioux 39 zweites leben für fell Society 40 alles Walzer! editorial Breneis TZ

4 business news Auhof- Erweiterung eröffnet Picturedesk Mariahilfer Straße ist fertig Seit 14. November ist die wichtigste Einkaufsstraße des Landes, die Wiener Mariahilfer Straße, so richtig Fußgängerzone. Die Umbauarbeiten wurden rechtzeitig vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts fertiggestellt. Als wichtigste Maßnahmen wurden die unterschiedlichen Niveaus von Fahrbahn und Gehsteigen angeglichen, und die Autobuslinie 13A wurde ebenso aus der Fußgängerzone verbannt wie Radwege. Abgeschlossen sind nun die Arbeiten im Kernbereich, der Fußgängerzone, sowie im oberen Bereich der Mariahilfer Straße (bis zur Kaiserstraße), der zur Begegnungszone umgestaltet wurde. Im untersten Bereich, dem ca. 750 m langen Abschnitt zwischen Kirchengasse und Getreidemarkt, werden die Umgestaltungsarbeiten zur Begegnungszone nächstes Jahr (Februar bis Juli) fortgesetzt. Die Gesamtkosten liegen bei rund 25 Mio.. Statistik Austria Gute Branchenentwicklung Die offizielle Umsatzstatistik der Statistik Austria meldet für den Einzelhandel mit Bekleidung und Schuhen durchaus erfreuliche Zahlen. Laut den Zahlen, die sich auf die Umsatzsteuervoranmeldungen der Unternehmen stützen, lagen die Umsätze im Zeitraum Jänner bis September 2014 nominell um 1,9 % über jenen des Vergleichszeitraumes Real (also inflationsbereinigt) betrug das Wachstum sogar 2,5 %. Damit liegt der Handel mit Bekleidung und Schuhen deutlich vor allen anderen Branchen. Für den Einzelhandel insgesamt wird ein Umsatzwachstum von nominell 1,5 % (real: +0,3 %) angegeben. Im Unterschied zu den Daten der WKO, die von der KMU Forschung Austria im Rahmen von Unternehmensbefragungen erhoben werden (siehe auch ÖTZ 21/14), umfassen die Zahlen der Statistik Austria auch den Versand- bzw. Onlinehandel und sind nicht flächenbereinigt. Picturedesk Heimlich, still und leise hat sich das Auhof Center im Westen Wiens unter die größten Einkaufszentren des Landes nach vor manövriert. Zum sechsten Mal wurde das Center, das immer noch zu 100 % im Besitz des Gründers Peter Schaider steht, nun ausgebaut. Gleichzeitig wurden dringend notwendige Adaptionen am Bestand durchgeführt. Die Verkaufsfläche konnte so um m2 erweitert werden. Von den 40 neuen Shops entfällt der Großteil auf Modeanbieter. Neu an Bord sind u. a. Zara (mit mehr als m2 die laut Schaider größten Filiale Wiens), Desigual, Camp David, Intimissimi, Calzedonia, Name it, Humanic, Delka, CCC und Deichmann. Die F. Haanl GmbH, die schon bisher einen Marc-O Polo- Store im Auhof Center betrieb, eröffnete zusätzlich den zweiten Store ihres Multilabel-Konzepts [Schrankraum], das sich auf die Marken s.oliver, Comma und Mexx stützt. Am 27. November folgt Mango, und auch für nächstes Jahr stehen bereits einige Neumieter fest: Im März 2015 ziehen die beiden schwedischen Marken Bik Bok und Dressmann ein. Auch bestehende Mieter wie C&A, Orsay, Bonita, Blaumax, Northland und Esprit nutzten den Centerumbau dazu, ihre eigenen Shops zu vergrößern, umzusiedeln bzw. auf die jeweils aktuellsten Ladenbau-Generationen umzurüsten. Das Cineplexx-Kino wurde ebenfalls renoviert. In Summe bietet das Auhof Center nun 140 Geschäftslokale auf m2 Geschäftsfläche. Im neuen Parkhaus (der bisherige Außenparkplatz fiel der Erweiterung zum Opfer) kann zwei Stunden lang gratis geparkt werden.»mit dem vielfältigen Modeangebot ist das Auhof Center nun eine absolute Topadresse«, sagt Peter Schaider, der rund 35 Mio. in den Umbau investiert hat. Im Vorjahr wurden im Auhof Center rund 135 Mio. umgesetzt. Die Arbeiten am Center (ganz im wörtlichen Sinn) gehen jedoch weiter: Auf dem Dach des Einkaufszentrums entstehen derzeit 71 geförderte Wohnungen, errichtet vom Bauträger WBV-GPA. Das Pilotprojekt zur Verdichtung des städtischen Raums soll zeigen, dass durch Erweiterung bisher gewerblich genutzter Immobilien wertvoller Grünraum erhalten werden kann. Das Modell, vorhandene Gebäude für moderne Wohnbebauung zu nutzen, ist laut Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bisher etwa bei ehemaligen Remisen angewandt worden. Man erreiche damit außerdem eine Durchmischung einer bisher monofunktional für den Handel genutzten Baustruktur. 4 TZ

5 Bestseller top NEWS Bestseller: Joosten folgt Korosec Sven Hugo Joosten ist ab sofort neuer Country Manager für Österreich bei der Bestseller-Gruppe. Der 40-Jährige verantwortet in seiner neuen Position die Aktivitäten aller Bestseller-Marken in Österreich und allen weiteren mittel- und osteuropäischen Märkten, die Bestseller von Österreich aus betreut (Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Makedonien, Polen, Bulgarien, Rumänien). Der gebürtige Niederländer folgt auf Alexander Korosec, der sich neuen Herausforderungen außerhalb des dänischen Konzerns widmet. Sven Hugo Joosten lebt seit 17 Jahren in Wien und bringt langjährige Erfahrung in den Bereichen Sales und Marketing mit. Zuletzt war er Sales & Marketing Director bei der Magda Rose GmbH & Co. KG (Jones). Davor war Joosten in Marketing- und Vertriebspositionen u. a. bei Don Gil und Philips tätig.»wir sind froh, dass wir mit Sven eine außergewöhnliche und charismatische Führungskraft für Bestseller gewinnen konnten. Mit seiner Kenntnis des Marktes und seinem internationalen Background wissen wir Österreich und die CEE-Region in guten Händen«, äußert sich Lars Pedersen, Country Director von Bestseller, zur Personalie. Setzen Sie für Ihren Erfolg nicht auf Kraft. Setzen Sie auf Technik. Setzen Sie auf die EuroCIS Die führende Messe für Retail Technology bietet dem Handel exzellente Ideen und Innovationen für analoge und digitale Lösungen. Darüber hinaus setzt sie dynamische Akzente bei Multichannel und E-Commerce. Kommen und erleben Sie live, was technologische Innovationen für den Handel leisten wie immer in Düsseldorf. EuroShop Trade Fairs Jack Wolfskin Jack Wolfskin unter neuer Führung Melody Harris-Jensbach ist ab sofort CEO des deutschen Outdoor-Herstellers Jack Wolfskin. Die 53-Jährige war zuletzt (bis Oktober 2013) im Vorstand von Esprit für Produkt und Design verantwortlich und davor (2008 bis 2011) bei Puma in ähnlicher Funktion im Vorstand tätig. Bei Jack Wolfskin folgt sie auf Michael Rupp, der das Unternehmen nach zweieinhalb Jahren verlässt. Rupp hatte Jack Wolfskin in einer schwierigen Phase übernommen, kurz nachdem Gründer Manfred Hell seine Sportmarke an den Finanzinvestor Blackstone verkauft hatte. Doch die Expansions- und Internationalisierungsbemühungen von Rupp waren vergeblich: Seit dem Rekordjahr 2011 sind die Umsätze rückläufig, und noch immer werden 70 % der Erlöse (zuletzt 324 Mio. ) im deutschsprachigen Raum erzielt. Blackstone hatte sich die Übernahme der bekannten Marke mit der Tatze im Logo rund 700 Mio. kosten lassen. EuroCIS The Leading Trade Fair for Retail Technology February 2015 Düsseldorf, Germany Ideeller Träger/Sponsor: Gesell GmbH & Co. KG Sieveringer Straße 153 A-1190 WIEN Tel.: (01) Fax: (01)

6 Picturedesk Adidas schreibt weniger Gewinn Probleme im Golfsport-Geschäft und die Russlandkrise führten bei Adidas trotz steigender Umsätze (+6% auf 4,1 Mrd. ) zu einem Rückgang des Gewinns im abgelaufenen dritten Quartal. Auch Währungsschwankungen kosteten dem deutschen Sportartikelriesen einigen Profit. Der Überschuss schrumpfte um 11 % auf 282 Mio.. Damit fiel der Rückgang weniger deutlich aus als von Branchenanalysten befürchtet. Die Aktie hatte in den letzten zwölf Monaten rund 30 % an Wert verloren, konnte nach diesen jüngsten Zahlen jedoch wieder etwas aufholen. Drastisch zurückfahren will Vorstandschef Herbert Hainer nun vor allem die Expansion in Russland: War ursprünglich geplant, dort 150 neue Läden pro Jahr zu eröffnen, wurde dieses Ziel nun zumindest für kommendes Jahr auf 30 Geschäfte heruntergefahren. Auch 2014 gehen in Summe nicht mehr als 30 neue Standorte in Russland ans Netz. Derzeit betreibt Adidas dort bereits eigene Läden, es ist der drittwichtigste Markt für den Konzern. Tom Tailor senkt PrognosE G ute und schlechte Nachrichten von der deutschen Modegruppe Tom Tailor: Die Hamburger kehren wieder in die Gewinnzone zurück, jedoch musste der Vorstand eingestehen, dass die prognostizierten Wachstumsziele nicht erreicht werden können. Wie gemeldet, steigerte der Konzern seinen Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um 3,5 % auf 679 Mio.. Das Periodenergebnis drehte nach zwei Jahren wieder ins Plus und kam bei +1,8 Mio. (VJ.: 13,9 Mio. ) zu liegen. Das ist zwar ein deutlicher Fortschritt, doch kein so großer wie erhofft. Das dritte Quartal sei»witterungsbedingt stark beeinträchtigt«gewesen und das vierte»verhalten«gestartet, heißt es von Konzernseite. Statt des angestrebten Umsatzziels von 950 Mio. für das Gesamtjahr scheinen deshalb nur noch rund 930 Mio. realistisch. Auch die bereinigte EBITDA-Marge wird mit rund 9,5 % unter den angestrebten 10 % zu liegen kommen. Wichtigster Wachstumstreiber war im bisherigen Jahresverlauf der Wholesale von Tom Tailor. Er wuchs mit 9,9 % auf 249,3 Mio. deutlich stärker als der eigene Retail (inkl. E-Commerce) mit +7,8 % auf 188,6 Mio.. Der Umsatz von Bonita war abermals deutlich rückläufig (flächenbereinigt 8,8 %), dafür konnte die Rohertragsmarge spürbar verbessert werden, indem Promotionen stark zurückgefahren und die Beschaffungskosten gesenkt wurden. Picturedesk short cuts +++PRIMARK STEIGERT GEWINN DEUTLICH+++ Der irisch-britische Modediskonter blickt auf ein hervorragendes Geschäftsjahr 2013/14 (per September) zurück. Der Umsatz konnte um 17 % auf 4,95 Mrd. Pfund, der operative Gewinn um 30 % auf 662 Mio. Pfund gesteigert werden. Flächenbereinigt lag das Umsatzplus bei 4 %. In den Zahlen enthalten ist u. a. auch der neue Store in der Wiener SCS. Netto wuchs das Filialnetz um 21 Standorte auf 278 Geschäfte. +++ADLER STEIGERT SICH KRÄFTIG+++ Die Adler Modemärkte AG konnte ihre Umsätze in den ersten neun Monaten 2014 um 3 % auf 377,9 Mio. steigern. Das operative Ergebnis EBIT konnte sogar auf 6,8 Mio. verfünffacht werden. Das Konzernergebnis drehte von 1,9 Mio. (2013) auf +1,4 Mio.. Die Verbesserung passierte bei gleichbleibender Filialzahl. +++HUGO BOSS SENKT PROGNOSE+++ Trotz solider Wachstumszahlen (siehe TZ 21/14) hat der deutsche Modehersteller Hugo Boss seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das gesamte Jahr nach unten korrigiert. Hatte man ursprünglich mit einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich gerechnet, wird nun ein Umsatzplus von rund 7 % bzw. ein Ergebniswachstum (EBITDA) von rund 6 % prognostiziert. Gründe für die Rücknahme sind»die schwache Branchenentwicklung in Europa und die Unsicherheit in Asien«, so Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs. +++ABERCROMBIE HAT WEITER PROBLEME+++ Die US-Modekette Abercrombie & Fitch meldet für das abgelaufene Quartal noch schwächere Geschäftszahlen als erwartet. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2014/15 (August bis Oktober) brachen die Umsätze um 12 % ein. Flächenbereinigt schrumpften die Umsätze in den USA um 10 %, in Europa sogar um 15 %. Die vergleichsweise billige Linie Hollister traf es dabei noch ärger als die Stammmarke Abercrombie & Fitch. +++INTERSPORT BESCHENKT EYBL-KUNDEN+++ Gegen Abgabe der auslaufenden Eybl-Vorteilskarte erhalten Kunden eine neue Intersport-Kundenkarte und dazu einen Rabatt von 50 für ihren nächsten Einkauf. +++HALLHUBER HAT ERÖFFNET+++ Die Münchner DOB-Marke Hallhuber hat am 6. November ihren neuen Flagship-Store in der Kärntner Straße 39/Ecke Annagasse in Wien eröffnet. Der neue, 300 m2 große Flagship-Store in dem denkmalgeschützten Gebäude mit historischer, stuckbesetzter Decke geht über zwei Etagen. Hallhuber ist damit mit fünf Stores im Großraum Wien vertreten. 6 TZ

7 business news Gerry Weber verfehlt Ziele Lenzing verbessert sich Gerry Weber Nach dem Ausscheiden von Gründer und Vorstandschef Gerhard Weber per 31. Oktober 2014 war die erste Amtshandlung der neuen Geschäftsführung keine erfreuliche: Das Vorstandstrio, bestehend aus Ralf Weber, David Frink und Arnd Buchardt, musste bekannt geben, dass der deutsche DOB- Hersteller seine selbst gesteckten Umsatz- und Ergebnisziele im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr (per 31. Oktober) nicht erreicht hat. Die sommerlichen Temperaturen im September und Oktober hätten den Verkauf der Herbst/Winter-Kollektionen erschwert, heißt es von Unternehmensseite. Das Umsatzziel von 900 Mio. (nach 852 Mio. im Geschäftsjahr 2012/13) sei deshalb»deutlich«verfehlt worden. Die Profitabilität der Gruppe habe sich jedoch verbessert. Die EBIT- Marge liege über jener des Vorjahres (12,4 %). An der mittelfristigen Wachstumsstrategie wird deshalb nicht gerüttelt. Die Devise heißt nach wie vor: internationale Expansion mit eigenem Retail.»Der Vertikalisierungsgrad soll langfristig bei mindestens 80 % liegen«, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein Wachstum durch Akquisitionen wird dabei»explizit nicht ausgeschlossen«. Picturedesk Das dritte Quartal brachte für den Faserhersteller Lenzing zum ersten Mal seit zwei Jahren eine Steigerung des Ergebnisses gegenüber dem Vorjahresquartal. Grund dafür ist, dass nun die Kosteneinsparungen greifen. Trotzdem kämpft der oberösterreichische Konzern weiterhin mit den extrem volatilen Faserpreisen. In den letzten zwölf Monaten sind die Preise für Viskose um 15 US-Cent gesunken und jeder Cent kostet Lenzing 10 Mio. Dollar. Der Konzernumsatz sank deshalb in den ersten neun Monaten um 6,2 % auf 1,36 Mrd., der Periodengewinn ging von 65,7 auf 44,3 Mio. zurück. Betrachtet man alleine das dritte Quartal, stagnierte der Umsatz bei 457,7 Mio., das EBIT verbesserte sich auf 37,1 (nach 33,4) Mio.. Weitere Kosteneinsparungen sind vorgesehen. Aber auch vertriebsseitig will man bei Lenzing Gas geben. Unter anderem im Denimmarkt sieht der Konzern für die Premiumfaser Tencel noch gute Wachstumschancen. Profitbringer Outlet-Stores Outlet-Stores sind für Markenhersteller der profitabelste Absatzkanal deutlich profitabler als eigene Marken-Stores. Das ist eines der bemerkenswerten Ergebnisse des»factory Outlet Center Performance Report 2014«des deutschen, auf FOCs spezialisierten Beratungsunternehmens Ecostra.»Es besteht kein Zweifel: Aus den Fabrikabverkaufsläden mit der Funktion als Ventil zum kontrollierten Abfluss von zweiter Wahl, Restanten und Retouren sind für die Markenhersteller Profit Center ge worden. Dort wird zwischenzeitlich richtig Geld verdient«, sagt Ecostra-Chef Joachim Will.»In der Distributionsstrategie der Hersteller hat dieser Vertriebskanal somit ein ganz neues Gewicht.«Für die Studie wurden 85 internationale Hersteller mit einem Portfolio von rund 120 verschiedenen Marken zu ihren Erfahrungen in europäischen Factory Outlet Centers befragt. Eine absolute Mehrheit von 59 % dieser Markenhersteller gab an, dass ihre Outlet- Stores profitabler seien als eigene Marken-Stores in Innenstädten während nur 7 % feststellen, dass die Innenstadtstandorte besser laufen. Auch gegenüber den viel gepriesenen Internetshops schneiden Stores in professionell gemanagten Fabriksverkaufszentren besser ab: Jeder dritte Hersteller verzeichnet in den Outlets eine merklich bessere Ertragssituation, während nur knapp jeder fünfte Hersteller angibt, online besser zu verdienen als im Outlet. Entsprechend hat sich auch die Expansionsaktivität erhöht: Im Durchschnitt wollen die Markenhersteller im kommenden Jahr europaweit vier bis fünf Outlet Stores eröffnen. 15 % der Marken geben dabei auch Österreich als interessantes Expansionsziel an. Kern der Untersuchung war aber das Ranking der ökonomisch erfolgreichsten Outlet-Center Europas. Dabei schaffte es das Designer Outlet Center Parndorf (Bild) immerhin auf Rang vier. Die Mieter verliehen dem Center bzw. den Betreibern von McArthur- Glen eine Durchschnittsnote von 2,0 (nach dem Schulnotensystem). Als Europas bestes Outlet- Center wurde»la Vallée Village«östlich von Paris (Note 1,33) gewählt, das sich auf hochpreisige Designermarken spezialisiert hat. Das zweite österreichische Outlet-Center, jenes in Salzburg, kam nicht in die top 20, ebenso wenig eines der grenznahen Center in Tschechien oder Südtirol. Als bester FOC-Betreiber wurde wie in den Vorjahren der europäische Marktführer McArthurGlen gewählt. McArthurGlen TZ

8 handel Toni Rappersberger Stolze Bilanz Es war ein enormes Vorhaben, das das französisch-niederländische Immobilienunternehmen Unibail-Rodamco, Betreiber der Shopping City Süd, da realisiert hat. Zwei Jahre Bauzeit und 150 Mio. investierte man in den Totalumbau der SCS, um endlich den angestaubten 70er-Jahre-Look loszuwerden. Das Projekt gelang und die SCS präsentiert sich heute als modernes, lichtdurchflutetes und einladendes Shoppingcenter. Neue Durchbrüche zwischen Ober- und Erdgeschoß sorgen für viel mehr Licht, die Gliederung in Garden und Water Plaza sowie Light Mall ist optisch ansprechend umgesetzt worden und auch die Fassade wirkt im neuen Kleid äußerst modern. Einer der letzten Schritte, der Anfang Oktober realisiert wurde, war der neue Durchgang zwischen SCS, Ikea und der Light Mall, dem ehemaligen Multiplex. Nun erwartet die Kunden ein wetterunabhängiges Einkaufserlebnis auf insgesamt 1,6 km von der Interspar-Fläche bis in die Light Mall. Als man vor einem Jahr Neueröffnung feierte, verkündete Centermanager Anton Cech:»Wir erwarten 2014 eine Frequenzsteigerung von rund 10 % und daraus folgend auch eine entsprechende Umsatzsteigerung.«Heute weiß er, dass man dieses nicht gerade niedrig gesteckte Ziel sogar noch übertroffen hat:»prognostiziert bis Ende des Jahres erwarten wir für das Jahr 2014 ein Plus von 1,2 Mio. Besuchern.«Im Vorjahr durfte die SCS insgesamt 23,2 Mio. Besucher begrüßen. Auch der Umsatz hat sich entsprechend entwickelt, wie Cech erklärt, und wird heuer zweistellig wachsen. Die Gründe für das Wachstum sieht Thomas Heidenhofer, seit Mai 2014 neuer Country Manager von Unibail-Rodamco Österreich, vor allem im klaren Bekenntnis zu Qualität. Denn: Dass die Entwicklung der Einkaufszentren in Österreich den Zenit erreicht hat, ist schon länger bekannt. Nun geht es darum, sich von anderen abzuheben. Und das will man bei Unibail-Rodamco mit einer Positionierung als Premium-Shoppingcenter erreichen sowohl in der SCS als auch im ebenfalls im Unternehmensportfolio befindlichen Donau Zentrum, das schon vor der SCS umgebaut und erweitert wurde. Dieser Premiumanspruch und ein internationales Markenumfeld sind für Heidenhofer die Schlüssel zum Erfolg, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Premieren und Neueröffnungen. Seit dem Start der Umbauarbeiten konnte die SCS zahlreiche Neuzugänge unter den Mietern verzeichnen. Außerdem sind einige Stores auf neue Flächen innerhalb des Centers übersiedelt. Zu den jüngsten Eröffnungen zählen der Store von More & More sowie der erste heimische Laden des italienischen Labels Alcott. Nike eröffnete einen Flagship und das türkische Herrenlabel Lufian wählte die SCS als Standort für seinen zweiten Österreich-Store. Auch sonst hat sich im letzten Jahr viel am Marken portfolio in der SCS gedreht. Im ersten heimischen Monobrand- Store von Michael Kors setzt man auf Accessoires und Lizenzprodukte, und mit einem eigenständigen Clockhouse-Store positionierte sich das junge Ein Jahr nachdem die Neueröffnung der Shopping City Süd gefeiert wurde, ziehen die Betreiber Bilanz. Konzept von C&A in der Nachbarschaft von einem der wichtigsten Neuzugänge im letzten Jahr. Denn der irisch-britische Anbieter Primark bezog im Dezember letzten Jahres gigantische m2 Verkaufsfläche in der SCS und ist damit sicher einer der größten Frequenzbringer. Auch der heimische Boardsport- und Lifestyle-Spezialist Blue Tomato ist nun vertreten, ebenso wie die britische Marke Superdry, die polnische Schuhkette CCC und das Accessoires-Label George Gina & Lucy. Aber auch abseits des Modeangebots gibt es prominente Neuzugänge, darunter ein Store von Lego und einer vom Hi-Fi-Spezialisten Bose, der Wohnaccessoires-Anbieter Depot sowie der größte DM- Drogeriemarkt Österreichs inklusive Kinderbekleidung. Im Dezember wird das Angebot noch um einen Shop von Nespresso erweitert, derzeit sind die begehrten Kaffeekapseln schon in einer Popup-Boutique erhältlich. Im Donau Zen trum besteht bereits ein regulärer Nespresso-Store. Dass bei einer so hohen Investition in die Zukunftstauglichkeit eines Shoppingcenters auch die Mietpreise mitziehen werden, liegt auf der Hand. Um wie viel die Mieten gestiegen sind, will Heidenhofer nicht genau sagen, aber»das Miet niveau ist angestiegen. Wir haben ja nicht erweitert, sondern umgebaut dadurch hat sich auch der Druck erhöht. Und es gibt auch noch immer Marken, die in nächster Zeit nach Österreich wollen.«und Centermanager Cech fügt erklärend hinzu, dass man heute im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt 10 % mehr Umsatz pro Quadratmeter erzielt. Dem Weihnachtsgeschäft sehen die beiden Manager äußerst positiv entgegen, hat doch eine von Unibail-Rodamco bei der Karmasin Motivforschung in Auftrag gegebene Studie gerade ergeben, dass 47 % der Befragten ihre Weihnachtseinkäufe in Einkaufszentren erledigen werden. Spannendes Detail: Bei den Befragten unter 30 Jahren liegen die EKZ sogar bei 61 % und damit weit vor dem Onlinehandel, der 55 % erreicht. Außerdem gaben 47 % an, Gutscheine verschenken zu wollen. Ein österreichischer Trend, wie Cech im Vergleich mit Unibail-Rodamco-Centern in anderen Ländern sagen kann. Mit der»shopping Card de Luxe«, die in SCS und DZ angeboten wird, macht das Unternehmen 20 Mio. Umsatz im Jahr. Gute Vorzeichen also für das Dezembergeschäft. BN 8 TZ

9 handel»zauberstab«smartphone Der Versandhändler Unito (Otto, Universal, Quelle) zählt zu den Gewinnern der digitalen Revolution im Einzelhandel. 90 % der Umsätze finden online statt, auch zu Weihnachten will man satt zulegen. quelle / FOTOLIA Harald Gutschi schwenkt mit einem Quelle- Katalog:»Das war der letzte Katalog vor der Quelle-Insolvenz, Seiten stark. Erst fünf Jahre her, wirkt aber wie ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert.«Der Sprecher der Geschäftsführung des Österreich-Ablegers der zum Otto- Konzern gehörenden Unito-Gruppe kann leicht schmunzeln über aus der Mode gekommene Geschäftsmodelle. Das Unternehmen hat sich schnell und konsequent vom Kataloghändler zu einem, wie Gutschi sagt,»modernen Technologieunternehmen«entwickelt. 2 Mio. Haushalte (von insgesamt 3,5 Mio.) kaufen bei Unito ein, sagenhafte 90 % dieser Verkäufe finden bereits online statt.»wir haben unsere final destination erreicht, wir sind echte Onlinehändler geworden.«wie weit die Technologie des Versenders fortgeschritten ist, zeigt Gutschi live: Via Beamer wird die aktuelle Web-Situation um zehn Uhr vormittags mitverfolgt,»mitgetrackt«, wie das jetzt heißt Besucher, 840 Warenkörbe, 89 Bestellungen. Eine halbe Stunde später werden es deutlich mehr sein. Dennoch:»Vormittag ist nicht unsere beste Zeit. Nach dem Abendessen erreichen wir unsere Spitzenwerte.«Der Unito-Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb spricht von einer digitalen Revolution, wenn er die aktuelle Situation im österreichischen Einzelhandel analysiert. Das Online-Business sei längst grenzüberschreitend und damit ist nicht die Grenze zwischen Deutschland und Österreich gemeint: Immer mehr Onlinekäufer in der Region D-A-CH würden direkt in den USA und mittlerweile auch in China einkaufen. Was Wunder, dass Gutschi (wie so viele andere auch) die stationären Einzelhändler aufruft, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Denn: Die Technologie sei der zentrale»enabler«, sprich: Ermöglicher des Einzelhandels, die zunehmende Sortimentsvielfalt sei für den Kunden immer mehr nur online zu bewältigen. Markenbildung hält Gutschi für einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Handel und das gelte offline ebenso wie online.»es irrt, wer glaubt, Onlinekäufer suchen ausschließlich den besten Preis. Wir stellen fest, dass auch beim Onlinekauf Qualität zählt und Markenprodukte gesucht und gekauft werden.«unito hat offenbar alles richtig gemacht: In den letzten vier Jahren verzeichnete das Unternehmen ein Wachstum von durchschnittlich 16 % im Jahr, im Geschäftsjahr 2013/14 durfte man sich mit 312,2 Mio. über den höchsten Österreich-Umsatz in der Unternehmensgeschichte freuen. Auch im Geschäftsjahr 2014/15 hat die Otto-Gruppe ihre Basis in Österreich verbreitert: Aufgelaufen bis Ende Oktober weist die Bilanz ein Wachstum von 7,3 % im Vergleich zum Vorjahr auf. Treiber dieses Zuwachses ist einmal mehr E-Commerce: Der eigene Onlinehandel wuchs um 17,7 %, aktuell (im November) wird der Onlineumsatzanteil erstmals mit 90 % beziffert. Und die Spitze sei immer noch nicht erreicht:»wir bemerken, dass immer mehr Kunden mit Smartphone bestellen, wir rechnen damit, dass % der Onlineumsätze via Smartphone getätigt werden.«und weiter:»smartphones sind der Zauberstab des digitalen Einzelhandels.«Stark sei E-Commerce in den Bereichen Elektronik, Medien und Spielwaren, am Anfang der Digitalisierung stehe man bei Health und Beauty und im Food- Bereich. Zufrieden zeigt sich Gutschi mit der Entwicklung im Bereich Fashion: Schon jetzt sei die Otto-Gruppe in der D-A-CH-Region der größte Modehändler, Fashion und Lifestyle zählen zu den absoluten Wachtums- und Hoffnungsgebieten des Versenders. Aber Online kostet auch Geld, 15 Mio. werden aktuell in eine Optimierung des Systems gesteckt, der Unito-Geschäftsführer stellt drei Maßnahmen heraus: Ab 75 Bestellwert werde man an der Versandkostenfreiheit festhalten. Trotz unterschiedlich hoher Mehrwertsteuersätze würden die Deutschland-Preise eins zu eins auf Österreich übertragen. Und drittens wird Unito»dynamische Preise«einführen. Stündlich und automatisiert werden sich die Preise für ein Produkt je nach Marktgegebenheit und Bestandssituation verändern. Gutschi erklärt das so:»ein Pulli kostet zu Beginn der Woche 29, dann wird er auf 24 reduziert. Wenn sich der Bestand verändert, kann der Preis am Ende der Woche wieder auf 27 erhöht werden.«auch das Forcieren der Liefergeschwindigkeit und eine Sortimentensoffensive bei Textil und Living kündigt Gutschi an, denn:»die Textilmarken sind die wichtigsten Umsatztreiber.«BPM TZ

10 messen Picturedesk leuchtende Ballons stiegen am 9. November in Berlin auf, um das Jubiläum des Mauerfalls vor 25 Jahren zu feiern. Die Hauptstadt bleibt für Überraschungen gut auch, was die Modeszene betrifft. Nur Düsseldorf bleibt offenbar, was es ist. Was bringt Berlin? Eigentlich hätte alles ganz anders sein sollen. Internationale Kunden (immer noch mit deutlichem Schwerpunkt aus der Region D-A-CH) hätten im kommenden Jänner die spanische Wintersonne genießen sollen. Barcelona statt Berlin Karl-Heinz Müller wollte es wieder einmal wissen und wurde erstmals von seinen Freunden, Fans und Followers im Stich gelassen. Seitdem gibt sich der Messemacher kleinlaut: 250 Labels, mehr werden auf der Bread & Butter von 19. bis 21. Jänner nicht zu sehen sein. Der Markt habe sich verändert, jetzt sei halt auch seine Veran staltung kleiner als gewohnt, aus Müllers Motto»Always the sun«wurde»small in Berlin«. Nein, dem Modemarkt ging es in den letzten zwölf Monaten nicht gut. Schwache Verkaufszahlen, weniger Kunden und eine Markterosion, die längst nicht mehr nur auf bestimmte Marktsegmente eingegrenzt werden kann. In München sperren anspruchsvolle Premiumkonzepte zu (z. B. das Flip), in Wien lassen Filialisten prestigeträchtige Standorte auf, dazwischen kränkeln Platzhirsche, Einkaufszentren und Diskonter. Was bedeutet das für die Messeszene für die deutsche, aber auch für jene in Österreich? Die gute Nachricht zuerst: Der Standort Salzburg erscheint gut abgesichert, die Brandboxx, Österreichs größtes Modegroßhandelscenter, ist zu 98 % vermietet, 225 fixe Mieter präsentieren insgesamt 600 Marken selbst den Abgang der Gerry-Weber-Gruppe ins Gusswerk konnte man verkraften. Auch in den umliegenden Fashion- Häusern in und um Bergheim gibt es kaum Leerstand, im Gegenteil: qualitativ hochwertige Showrooms werden nach wie vor gesucht. So klein, so übersichtlich. Ganz anders zeigt sich die aktuelle Situation in der deutschen Messeszene. Denn neben nach wie vor sehr gut funktionierenden Modecentern wird zwischen den einzelnen Messen und den dazugehörigen Standorten wieder kräftig herumgeschoben. Am meisten dürfte davon die Berliner Premium profitieren, die sich immer mehr zur Nummer eins im Berliner Messe zirkus entwickelt. Mit einem Flächenzuwachs von 17 % bietet die Premium nun m2, was modetechnisch Labels oder (!) Kollektionen entspricht. In einer neu gebauten Halle, die erst Ende Oktober fertiggestellt wurde, wird man zum ersten Mal im Jänner Luxusmarken sowie inter nationale Newcomer und prämierte Nachwuchs designer in Showroom-ähnlicher Atmosphäre zeigen. Die neue Halle zieht natürlich Neuzugänge mit sich, wie z. B. Set aus München oder Marc O Polo Pure.»Kühlhaus«heißt das neue Gebäude, das für Premium-Macherin Anita Tillmann der Schlüssel zur Erweiterung der Messe ist:»das Feedback der Branche zum neuen Konzept ist durchwegs positiv. Der Markenmix in der neuen Hülle, dem Kühlhaus, kommt gut an und weckt das Interesse der Aussteller. Wir folgen mit der Erweiterung der aktuellen Entwicklung im Handel.«Optimistisch bis kämpferisch gibt man sich auch ein paar Kilometer weiter, auf der Panorama. Zu Recht: Die Panorama, im eher drögen Messegelände unter dem Funkturm, ist ausgebucht, mehr noch, Messeleiter Jörg Wichmann kann bereits auf eine beachtliche Warteliste verweisen. Deutsche Einzelhändler, vor allem jene aus dem Mainstream-Bereich, erreicht man am effizientesten auf der Panorama diese Meinung scheint sich mittlerweile in der deutschen Bekleidungsindustrie fest durchgesetzt zu haben. Und Düsseldorf? Zu befürchten ist, dass die Mode am Rhein nochmals an Bedeutung verliert. Internationale Einkäufer aus Russland, der Ukraine oder dem Nahen Osten haben noch mehr Gründe, der Orderplattform fernzubleiben, als in der vergangenen Saison. Keiner der damaligen Krisenherde zeigt Entspannung, eher im Gegenteil. Und dass The Gallery wieder einmal das Konzept erneuert und die Location umstrukturiert, wird auch wenig zu einem Comeback von Düsseldorf helfen. Und schließlich ist auch München gerade dabei, ein bis vor Kurzem funktionierendes Konzept ins Wanken zu bringen. Die Premium Order Munich und die Supreme werden nicht mehr zeitgleich stattfinden, aber zweimal werden die Kunden wohl kaum nach München fahren. Ja, wo fahren die Kunden überhaupt hin nach einer ziemlich verkorksten Saison? Leider nicht der Sonne nach! BPM 10 TZ

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12 kongress Der Kunde hat das Kommando Multichanneling, Marketing, exzellente Mitarbeiter, Kommunikationsideen mit diesen Maßnahmen will die Textilindustrie gegen die Krise vorgehen. Das wurde beim Deutschen Modehandelskongress deutlich vor Augen geführt. Der Kunde entscheidet, wann, wo und wie er kauft, wo er sich informiert, wessen Empfehlungen er folgt und welche Ware er zu welchem Zeitpunkt haben möchte. Daunenjacken bei 15 Grad eben nicht, das neue iphone 6 hat sein verfügbares Einkommen ohnehin drastisch gesenkt, also surfen wir mal auf der Coach, was es sonst noch gibt.»wir müssen die Kunden für Mode wieder begeistern«, meint Reiner Pichler, CEO von s.oliver, der dafür 100 Mio. Marketingbudget in den nächsten drei Jahren unter anderem auch im Fern sehen ausgeben wird, um den Modekonzern mit seinen Marken s.oliver, Comma, Triangle und Liebeskind nach vorne zu bringen. Eine antizyklisch denkende Eigentümerfamilie Freier macht es möglich. Doch Marktoffensive sollte für alle Marktteilnehmer das Gebot der Stunde sein Daniel Grieder, Tommy Hilfiger 03 Rund 300 Teilnehmer kamen zum Deutschen Modehandelskongress. 04 Klaus Harnack, Hachmeister + Partner 05 Christian Hackel, Deichmann Die Änderung der Lebensstile, verbunden mit deutlicher Werteänderung, verschärft von einer immer extremer werdenden Wettersituation, macht dem textilen Einzelhandel deutlich zu schaffen.»der Schock ist groß, wenn man erstmals über acht Wochen hinweg zweistellig im Minus liegt«, sagt Modehändler Sebastian Proft auf dem Deutschen Modehandelskongress in Düsseldorf, der von der TextilWirtschaft und dem BTE zum Thema»Aufbruch 2015«organisiert wurde.»hätten wir geahnt, wie angespannt die Umsatzsituation ist, hätten wir das thematisch mehr berücksichtigt«, entschuldigt sich TW-Chefredakteur Michael Werner bei den Teilnehmern. Doch das Thema hing trotzdem ständig in der Luft.»Die Entscheidung zwischen modischem Outfit und Smartphone muss endlich wieder für das modische Outfit ausgehen«, meinte Pichler treffend. Der CEO von Tommy Hilfiger, Daniel Grieder, hingegen freut sich über die Größe des neuen iphone 6, mit dem man auf den Onlineplattformen nach Herzenslust shoppen kann. Wenn man diese Kanäle bespielt, was Unternehmen wie Hunkemöller, Hilfiger, s.oliver und Deichmann natürlich tun, was sich stationäre Einzelhändler jedoch erst reiflich überlegen müssen.»vor fünf Jahren hat sich ein Händler innovativ gefühlt, der eine Homepage mit seinen Öffnungszeiten hatte«, sagt Marcus Schönhart, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Katag.»Die Kundenbedürfnisse ändern sich ständig«, weiß Christian Hackel, Marketingleiter von Deichmann.»Wir müssen daher viel öfter mit ihnen sprechen. Denn wer da zu spät ist, hat verloren.«klaus Harnack, Partner der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner, sieht im»community Building«das Gebot der Stunde.»Vor allem, um möglichst viel über die Kunden und ihre Vorlieben zu erfahren.«modehändler Marc Ramelow ist nachdenklich geworden. Bis jetzt waren in seinen sieben Geschäften Mobiltelefone für die Mitarbeiter verboten. Doch seit ein findiger Mitarbeiter mit 40 Kunden eine WhatsApp- Gruppe gebildet hat, mit der er regelmäßig über Sortimente und Neuanlieferungen in Kontakt steht, fragt sich Ramelow, warum man die schon vorhandenen Geräte nicht nutzen soll. Für Unternehmensberater Harnack sind Touchscreens im Laden, über die auf den Onlineshop zugegriffen werden kann, eine digitale Grundausrüstung. 12 TZ

13 01 02 kongress Alle bilder Wilfried 02 Reiner Pichler, s.oliver 06 Thomas Huber, Zukunftsinstitut 06 Andere Dienstleistungen sind Click and Collect, Mobile Payment, Same Day Delivery und die Rückgabe der Onlineretouren im Laden. Damit hat Hunkemöller gute Erfahrungen gemacht. Rund 6 % seines Umsatzes erwirtschaftet der Wäschespezialist im Netz, 60 % der Retouren werden direkt in der Filiale zurückgeben.»und die Hälfte der Kundinnen kauft dann vor Ort gleich was Neues«, erzählt Philip Mountford, CEO bei Hunkemöller. Die Unternehmens-App mit integrierter Kundenkarte kann alle Kundeninformationen speichern, sei es die gekaufte Größe, das Modell oder die Farbe. Mittels Geo-Push wird die Kundin auf Schritt und Tritt begleitet, nicht immer zur Freude der derart massiv Angesprochenen. Aber Mal wurde die App schon heruntergeladen. Auf Twitter folgen Nutzer dem niederländischen Wäscheanbieter. Die aktuelle Weihnachtskollektion wurde per Tweet angekündigt, nach 24 Stunden konnte das Unternehmen einen Umsatz jenseits der Millionen-Euro-Grenze verbuchen. Beachtliche 50 Mio. investiert Hunkemöller, der zuletzt 400 Mio. Umsatz erzielt hat, in Marketingaktivitäten. Neue Wege geht Hunkemöller auch im Personalrecruiting: Verkäuferinnen werden gerne aus dem Hotelgewerbe angeworben, denn sie»verfügen über einen hervorragenden Servicegedanken«. Mitarbeiter first, heißt es auch bei Tommy Hilfiger. Grieder:»Sie sind unser höchstes Gut.«Für die Zukunft sieht Grieder vor allem zwei Haupttrends: die Digitalisierung und die Konzentration auf Megastädte. Städte wie Tokio und Schanghai machen mehr Umsatz als ganze Länder. Sein Onlineshop sei mit 75 Mio. Besuchern»unser weltweit größtes Flaggschiff«. Stars im Mainstream. Für die Branche von wachsender Bedeutung sind die sich ständig verändernden Lebensstile, deren Fragmentierung weiter voranschreitet. Thomas Huber, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts in München, hat in einer Studie neue Lebensstil-Typen herausgefiltert, die richtungweisend für die kommenden Jahre sein sollen: Sinn-Karrieristen, Mainstream-Stars, Tiger-Women, Superdaddys, Business-Freestyler, Proll-Professionals, Gutbürger, Creativiteens, Silver preneure und Forever Youngster zeigen, wo es lang geht.»den vorprogrammierten Lebenslauf gibt es nicht mehr. Menschen wechseln ihre Jobs und ihre Karrierewege mehrmals, durchlaufen verschiedene Phasen.«Über alledem steht die Individualisierung, die hohe Scheidungsrate bringt mehr Patchwork-Familien, Scheidungen werden wie Hochzeiten gefeiert, neue Werte dominieren. Die genaue Kenntnis solcher Trends hilft bei der eigenen Positionierung der Mode und der Läden. Huber rät daher:»bleiben Sie offen und beobachten Sie genau.«das tut auch Christian Hackel, für die Marketingaktivitäten bei Deichmann verantwortlich. Das Unternehmen betreibt konsequentes Multichanneling, ist in 24 Ländern mit Mitarbeitern und Läden unterwegs und erzielt einen Umsatz von 4,6 Mrd..»Die Mediennutzung hat sich radikal geändert«, weiß Hackel.»Der Kunde entscheidet sich täglich neu für Online oder Offline, das heißt, unsere Filialen müssen genauso attraktiv sein wie unser Onlineangebot, denn die Kunden springen.«um die Frequenz in den Läden zu erhöhen, setzt Deichmann auf Events, die natürlich auch online beworben werden. Wichtig sei aber, dass sich die»kanalverknüpfung natürlich anfühlen muss«. Dazu braucht es nicht unbedingt Größe. Wie sich Serviceanspruch und eine gewisse persönliche Note auch auf das Multichannel- Geschäft übertragen lassen, zeigt der vor einem Jahr gestartete Onlineshop von Zumnorde.»Wir können uns nicht mit einem Zalando messen, deshalb sehen wir unsere Chance in der Nische. Wir sind bewusst anders und zeigen das, indem wir zum Beispiel jedes Paar Schuhe in Geschenkpapier einpacken und die Rechnung in einem Kuvert beilegen«, erklärt der Unternehmer Thomas Zumnorde. Marketingmann Hackel ist sicher, dass im nächsten Jahr»Dinge auf uns zukommen werden, die wir heute noch nicht mal ansatzweise andenken«. Für Reiner Pichler steht es außer Frage, dass sich der Markt weiter fundamental verändern wird.»was passiert mit Banken und Kreditkartenfirmen, wenn Apple Pay wirklich kommt?«für die Branche sei es jetzt einmal wichtig, dem Frequenzverlust einerseits und der Begehrlichkeit des Diskonts andererseits entgegenzuwirken.»wir wollen einzigartig werden«, steckt sich Pichler die Ziele hoch.»das bedeutet Premiumanspruch zu demokratischen Preisen.«Trotz hoher Marketingausgaben denkt Pichler daher nicht im Traum daran, an den Endverbraucherpreisen zu drehen.»das wäre jetzt der falsche Zeitpunkt.«Außerdem sei es jetzt»zeit für die Leistung, nicht für die große Klappe«. Das Gros der rund 300 Teilnehmer sah das übrigens genauso. DL TZ

14 handel 30 Jahre Bolero Mode in Salzburg. Inhaberin Daniela Tometschek gewährt einen ehrlichen und offenen Einblick in drei bewegte Dekaden als Modehändlerin. Chancen wahrnehmen und sie dann auch nützen. Und Chancen erkennen, wenn die Aussicht auf ebensolche eigentlich gering ist. Daniela Tometschek hat in den 30 Jahren als Einzelhändlerin genau diese Fähigkeit perfektioniert. Flexibilität und»viel Liebe zur Mode und zu den Menschen«gehören dazu, um in angespannten Phasen wie heute»mit Zuversicht und Freude dabei zu sein«, berichtet die erfahrene Händlerin. Im Oktober 1984 sah die Welt für Modehändler noch wesentlich rosiger aus. Nachdem Tometschek eine Vertriebsagentur im Salzburger Modecenter für die Marken Hirsch, Bianca u. a. erfolgreich aufgebaut und geführt hatte, verschlug es sie nach Mondsee. Vom Groß- in den Einzelhandel. Auf 35 m2 startete sie mit Herrenmode»es war die Miami Vice - Zeit«, schreibt sie in ihrem Jubiläumsschreiben an die Stammkunden. Lange währte der Fokus auf HAKA nicht, denn die zugehörigen Damen forderten ihre eigene Mode ein. Daniela Tometschek bot kurz darauf auch Damenmode aus Italien und Frankreich im kleinen Bolero am Mondsee an. In Salzburg erhielt sie schließlich die Gelegenheit, das 80 m2 große Kurzwarengeschäft einer alten Dame zu übernehmen zunächst zur Untermiete, heute ist Tometschek längst Hauptmieterin. Ganze zwei Jahre pendelte die Händlerin zwischen ihren Geschäften in Mondsee und der Salzburger Niederlassung am Mirabellplatz, bis sie sich entschloss, nur noch den Standort in Salzburg zu betreiben. Aus Platzmangel musste dann auch noch die Herrenmode weichen.»lustige Zeit damals man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen, es gab noch keine Massenware, keine Kaufhausketten und schon gar keine Outlets. Textildiscounter waren hierzulande noch unbekannt ebenso das Internet.«Die engagierte Händlerin ging damals eine Partnerschaft ein, die ihr Geschäft maßgeblich beeinflusste:»die interessanteste Zeit für mich war der erfolg reiche und rasante Aufstieg meines Hauptliefe ranten Marc Cain, den ich in den letzten 26 Saisonen miterleben durfte.«die erste Zeit war Take a chance gigantisch, berichtet die Unternehmerin. Heute sei die Marke zu breit gestreut. Mitbewerber in unmittelbarer Nähe, hohe Präsenz in Kaufhäusern, ein Outlet in Salzburg, ein Onlineshop alles zusammen nage am Umsatz der Boutique und an der Begehrlichkeit auf Kundenseite. Dennoch:»Ich stehe nach wie vor absolut hinter dieser tollen Marke«, betont Tometschek. Kollektionen von Laurèl, Luisa Cerano, Ana Alcazar und Ivko ergänzen das Angebot. Im Frühjahr 2015 kommen Lena Hoschek, Sara Roka und Uli Schneider dazu. Verdrehte Liefertermine.»Das wechselnde Sortiment wird von unseren Kundinnen sehr dankbar angenommen«, freut sich Tometschek und fügt hinzu:»trotzdem befinden wir uns in einer ordent lichen Krise.«Die Umsätze seien von Tag zu Tag unberechenbar, erzählt sie. Als allgemeines Pro blem in der Textilbranche verortet Daniela Tometschek die»total verdrehten und an der Realität vorbeigehenden Lieferzeiten«. Mit dicken Pelzjacken im August und Sommerkleidern in der Weihnachtsauslage könne man keine Konsumentin mehr ködern. Auch nicht im Premiumbereich. Tometschek kauft nun in der Vororder vorsichtiger und selektiver ein. Im August schaltet die Händlerin überhaupt auf Sparflamme. Grund dafür ist die Altstadtsperre im Festspielmonat. Eigentlich ein Todesurteil für den Handel.»Diese Sperre kam unangekündigt und war im ersten Jahr beinahe existenzgefährdend.«minus 39 % im Umsatz! Heute ordert sie für diesen Zeitraum weniger und versucht so die geringe Frequenz abzufedern. Trotz aller Widrigkeiten bauen Daniela Tometschek und ihr Team auf die Zukunft: neues EDV- System, neue Damenbüsten, neue LED-Beleuchtung. Sie lassen Taten sprechen, statt (jammernde) Worte. SA Von links: Lehrling und Nichte Philippa Tometschek, Inhaberin Daniela Tometschek und Verkäuferin Sonja Tschepp Alle Bilder Bolero 14 TZ

15 studie Stationär schlägt Online Eine neue Studie bescheinigt, dass die Deutschen nach wie vor lieber im Laden als im Internet Mode kaufen, und liefert weitere Ergebnisse, die auch für Österreich interessant sind. Das Einkaufsverhalten der lieben Nachbarn unterscheidet sich oft nicht allzu sehr von jenem der Österreicher. Daher ist die neue Verbraucheranalyse, die die Managementberatung Porsche Consulting GmbH beim Forschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben hat, auch für heimische Händler durchaus interessant. Denn die Frauen und Männer ab 18 Jahren, die dafür befragt wurden, lieferten ein klares Ergebnis: Der stationäre Modehandel hat gegenüber dem Onlinehandel (noch) die Nase vorne. Und zwar eindeutig, denn rund 90 % der Befragten gaben an, Kleidung und Schuhe»ausschließlich«(49%) oder»überwiegend«(41 %) in stationären Läden statt in Webshops zu kaufen. Damit das auch so bleibt, hat die Studie auch nach Ursachen und Verbesserungspotenzial gefragt. So bevorzugen die Kunden etwa Geschäfte, die das gewünschte Produkt jederzeit in der benötigten Größe und der gewünschten Farbe bereithalten oder es schnell liefern können. Das sind eigentlich genau die Vorteile, die man dem E-Commerce zuschreibt. Ein wirkliches Plus des stationären Handels sehen die Kunden einerseits darin, dass sie Schuhe und Kleidung dort direkt begutachten, FotoLia anprobieren und mitnehmen können, wie neun von zehn Befragten angeben. Andererseits gefällt ihnen individuelle, fachlich fundierte Beratung und persönlicher Service. So wollen etwa 67 % der Befragten informiert werden, ob und wie schnell ein Schuh besorgt werden kann, der gerade nicht in der passenden Größe auf Lager liegt. Vor allem die Altersgruppe ab 60 Jahren schätzt die Hilfe von gut geschultem Verkaufspersonal. Gleiches gilt auch für besondere Serviceleistungen. Denn wenn bei der Kleidung etwas geändert werden muss, möchte jeder Zweite aus der Gruppe der über 60-Jährigen das direkt im Geschäft erledigen lassen können. Nicht außer Acht zu lassen sind auch klassische Kundenbindungstools. Denn 51 % der Frauen und 41 % der Männer begrüßen Leistungen wie Treueprogramme, Sonderangebote für Stammkunden und Kundenkarten. In puncto Kundenzufriedenheit liegt der stationäre Handel haushoch vorne. Um diese zu analysieren, hat man danach gefragt, wie oft Kunden ihre Einkäufe bereuen. Im stationären Modehandel sind es nur 9 %, die»manchmal«einen Kauf bedauern, und gar nur ein Prozent, dessen Einkauf sich im Nachhinein»häufig«als Fehler erweist. Im Onlinehandel sieht das ganz anders aus. Hier geben satte 40 % der Kunden an, ihren Kauf zu bereuen oder wieder zurückzusenden. Dabei neigen Frauen öfter zu Fehlbestellungen als Männer. 48 % der Kundinnen sagen, dass sie»häufig«oder»manchmal«unzufrieden sind, bei den Männern sind es immerhin noch 32 %. Vorteile nutzen. Die Studie zeichnet also ein wesentlich weniger düsteres Bild als oft befürchtet. Und sie zeigt Chancen auf, die dem stationären Handel auch in Zukunft einen Vorsprung gegenüber dem E-Commerce verschaffen können. Gleichzeitig veranschaulicht sie aber auch, was die Voraussetzungen für diesen Vorsprung sind. Dabei stehen die Investition in die Beraterqualität des Verkaufspersonals, exzellenter Service und hohe Warenverfügbarkeit an erster Stelle. Eberhard Weiblen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Porsche Consulting, bringt es auf den Punkt:»Fachpersonal gehört zu den größten Kostenfaktoren im Einzelhandel. Aus unserer Sicht darf daran nicht gespart werden.«auch an anderen Stellen ortet er Handlungsbedarf:»Effizientere Lagerhaltung und Distribution senken die Kosten, erhöhen die Verfügbarkeit und erlauben, im Wettbewerb mit den Onlinehändlern auf Dauer zu bestehen.«er plädiert etwa für ein zentrales Lager, von dem aus gerade zum Saisonstart ein Teil der Nachlieferung schnell und flexibel erledigt werden kann und das zusätzlich noch Kosten für die kleinen, dezentralen Lager spart. Nach Einschätzung von Porsche Consulting birgt diese Maßnahme ein Einsparungspotenzial von 30 %. Das Beratungsunternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Porsche AG, und so ist es nicht ganz verwunderlich, dass man den Modehändlern zu Methoden rät, die aus der Automobilindustrie kommen. Etwa das Personal von beratungsfremden Tätigkeiten zu entlasten, damit es mehr Zeit für die Kundenbetreuung hat. Mit dieser Maßnahme erzielte man bei einer Handelskette eine um 1 bis 2 % höhere Kaufrate, und die Kunden gaben um 6 % mehr aus. BN TZ

16 musterseite handel Herbst- Depression Das Geschäft im Modehandel kommt diesen Herbst nicht in die Gänge. Warum stottert der Wirtschaftsmotor Konsum? Die ÖTZ hat Händler befragt die sich kämpferisch bis leicht deprimiert geben. Mariahilfer Straße an einem Freitag im November. Die Eröffnung der Fußgängerzone wird grad gefeiert, man bestaunt die neuen Sitzmöbel, wundert sich, wie breit die Straße tatsächlich ist und sucht verzweifelt Menschen mit prallen Einkaufssackerln. Nein, die Frequenz am neuen Boulevard ist es nicht, die Anlass zur Sorge gibt eher jene in den Läden. Wandern die Kunden nun immer spürbarer ins Online-Business ab? Dabei bestätigen immer neue Studien, dass die Kunden Mode noch immer lieber im Laden kaufen als im Internet (siehe Seite 15). Andererseits: 2017 soll ein Fünftel der Mode online gekauft werden aber wie auf ein Fünftel des Umsatzes, wie auf 20 % der Kunden verzichten? Wir wollten es von der heimischen Händlerschaft konkret hören. Im ersten Teil der Händlerbefragung zeigt sich, dass zwischen dem Burgenland und Vorarlberg wenig Unterschiede herrschen. Noch will man die Saison nicht abschreiben, noch weigert man sich gegen umfassende Rabattaktionen. Noch hofft man auf Wintereinbruch und ein halbwegs akzeptables Weihnachtsgeschäft. Aber gerade bei den Warengruppen, die gut oder unbefriedigend laufen, zeigt sich: Intelligenter Einkauf, flexible Lieferanten und Überraschungseffekte im Laden können eine Saison retten, die im Grunde unrettbar erscheint. AS, CD, BN, BPM 16 TZ

17 !Gottfried Steinecker Steinecker Moden, Randegg Die Herbstsaison ist verhalten. Wir regen uns ja immer über das Wetter auf, aber die sehr warmen Tage inklusive jener im November sind schon besonders schwierig. Es hätte schöne und spannende Modethemen gegeben, aber da hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich befürchte jetzt, dass relativ schnell an der Rabattschraube gedreht werden wird, denn die Läger sind alle voll. Die Stadt Amstetten hat zum Beispiel zweistellige Frequenzrückgänge gemessen. In dieser Situation muss man auf jeden Fall versuchen, mehr an jeden Kunden zu verkaufen. Wenn man rundherum nur schlechte Nachrichten hört, wie etwa von gestiegenen Lebenshaltungskosten oder hohen Arbeitslosenzahlen, dann ist die Risikofreude beim Konsum natürlich nicht besonders hoch. Im Herren- und im Damenbereich zählen die Jacken eindeutig zu den Verlierern. Das liegt zum einen an den Temperaturen, die einfach noch nicht zum Kauf einer schweren Jacke anregen. Zum anderen liegt es aber auch an der modischen Aussage, es fehlt ein wenig an Neuheiten. Die Leichtdaune ist bei den Lieferanten nach wie vor ein Thema, aber mittlerweile hat sie wahrscheinlich jeder Österreicher schon dreimal im Kleiderschrank. Gut vorstellen könnte ich mir das Thema Wollmäntel. Im Anlassbereich geht es weg von den Kombis und hin zur Einzelteiligkeit. Die Anlässe für schwere Konfektion bei den Herren werden auch weniger. Bei den Damen merken wir, speziell was kurze, junge Ballkleider angeht, mittlerweile den Wettbewerb, vor allem an den Stückzahlen.!Karl Mayr, Fussl Modestraße Ort im Innviertel Wir sind der Einäugige unter den Blinden. Auch wir haben im September stark gelitten. Trotzdem konnten wir mit den Fussl-Filialen gesamt ein Plus erzielen, flächenbereinigt war es ein einstelliges Minus. Allerdings hatten wir auch im Vorjahr ein schönes Plus. Im Oktober haben wir es auch flächenbereinigt auf ein sehr, sehr kleines Plus geschafft. Wenn man die Monate August, September und Oktober zusammennimmt, dann haben wir aber ein klares Plus erwirtschaftet, auch flächenbereinigt, und das, ohne um einen einzigen Cent reduziert zu haben. Angesichts dessen, dass alle im tiefsten Jammertal sind, glaube ich, wir können sehr zufrieden sein. Ich denke, die Menschen hatten nach dem total verregneten Sommer jetzt einfach Lust, das schöne Herbstwetter draußen zu nutzen und nicht shoppen zu gehen. Denn ich denke auf keinen Fall, dass die Konsumenten von heute auf morgen die Lust auf Mode verloren haben. Ich glaube auch nicht, dass Preisreduktionen dabei helfen können. Richtig gut laufen Parkas nur die teuren nicht. Eines muss man schon sagen: Vor allem in den großen Häusern merken wir, dass die Luft bei den Jacken über 200 schon sehr dünn wird. Jacken um 150 gehen gut, die drüber waren in diesem Herbst schwierig. Hersteller / Fotolia!Kathrin Roth und Rainer Rauch, Modehaus Roth, Gnas Der Oktober war ebenso wie der September schwierig für uns. Eines der größten Probleme war auf jeden Fall das Wetter. Bei der Frequenz muss man klar unterscheiden: Unsere Stammkunden sind nicht ausgeblieben, aber bei der Laufkundschaft hat man den Rückgang schon gemerkt und zwar an allen Standorten. Die Frequenz hat auf jeden Fall nachgelassen. Aber die Kunden, die zu uns kommen, die kaufen umso mehr. Und die werden dann bei uns auch richtig verwöhnt. Der Onlinehandel ist hier immer ein Thema und wird es auch noch immer mehr werden. Aber darüber, wie wir dem etwas entgegensetzen können, diskutieren wir jetzt schon seit drei oder vier Jahren. Wir setzen hier auf gute Mitarbeiter und eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Verloren haben wirklich nur die schweren Jacken. Mit leichteren Modellen etwa aus Babydaune sind wir zufrieden. Beim Strick gilt das Gleiche, schwere, dicke Rollis bleiben liegen. Gewonnen haben in jedem Fall Jeans in jeder Variation, die sich sehr stabil und sogar mit einem kleinen Plus entwickelt haben. Denn Jeans kann ich immer anziehen, egal ob warm oder kalt.!christian Kutsam Kutsam, Bad Hall Wir haben gerade 55 Jahre Kutsam gefeiert, dadurch ist die Stimmung im Haus gut. Mit unseren Aktionen konnten wir im letzten Monat ein Plus erzielen, aufgelaufen ist s ein Pari. Natürlich verfolgten wir auch die Umsatzentwicklung in Deutschland, viele Kollegen haben mir das Minus (gemeint sind die TW-Zahlen von 9 % im September und 10 % im Oktober, Anm.) bestätigt. In Österreich gibt s unterschiedliche Rückmeldungen, aber auch da ist s meistens so, dass viele hinten bis kräftig hinten sind. Eine Euphorie gibt s weit und breit nicht Die einfachste Erklärung für die Konsumzurückhaltung wäre, dass das frei verfügbare Einkommen sich nicht vermehrt, weil der Staat fleißig abschöpft. Neben der Inflation drückt auch wie bei uns im Raum Steyr, dass viele Betriebe Kurzarbeit fahren. Von den»bad News«in den Tageszeitungen bis zum Blick auf den Kontoauszug all das macht die Menschen vorsichtig. Kunden mögen gute Ware zum guten Preis und dann möglichst auch noch auf kompetente Leute im Verkauf treffen, bei denen man spürt, dass sie Freude am Beruf haben. Ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hatten wir in den Mittelpunkt unseres 55-Jahr-Jubiläums gestellt. Bezüglich unseres Einkaufs werden wir jeden Tag schlauer und haben wieder einiges gelernt. Wo Modelabels unter den irrwitzigsten Begriffen wie»mid-season Sale«ihre Ware in den eigenen Outlets oder online verramschen, überall dort machen wir ein dickes Fragezeichen. TZ

18 handel!bernd Lederer, Textil Lederer, Saalfelden Eine Saison zum Vergessen? Das kann man nicht so pauschalieren. Wir hatten einen sehr guten September mit immerhin 5 % plus im gesamten Haus auch im Vorjahr war dieser Monat gut. Der Oktober hingegen war die reinste Katastrophe. Für Oktober müssen wir die gleichen Zahlen wie unsere deutschen Kollegen ausweisen: ein fast zweistelliges Minus. Das hat das gute Sommerergebnis zunichtegemacht sowohl bei Herren wie bei Damen. Von Rotstiftaktionen und Mid-Season Sales der Mitbewerber lasse ich mich nicht mehr beeinflussen. Der Konsument hat ja überhaupt nicht mehr den Überblick, welche Aktionen gerade wer anbietet. Das Entscheidende ist doch: Wenn die Leute nicht kaufen wollen, dann kaufen sie nicht Prozente hin oder her! Mit dem Einkauf auf die Entwicklung reagieren ist schwierig. Freilich haben wir uns vorgenommen, noch konzentrierter und fokussierter zu ordern. Aber sich auf Promptangebote zu verlassen, ist ein zweischneidiges Schwert. Da kann man bei der Industrie noch so benzen: Bei allen Versprechungen wird man das, was man benötigt, sowieso nicht mehr bekommen. Im Sommer war s nicht möglich, weiße Blusen aufzutreiben. Aber wer ordert schon weiße Blusen vor? Da fühlt man sich einigermaßen im Stich gelassen Eine extrem schlechte Auslieferung zu dieser Herbstsaison hat sich bei allen Lieferanten durchgezogen. Bis heute habe ich keine Erklärung dafür bekommen. Glück war, dass wir die Ware eh nicht gebraucht haben, weil es halt so lange so warm war.!ingrid Garzon, Garzon, Dornbirn/Feldkirch Noch gibt es keine Veranlassung, Gedanken darüber zu verschwenden, ob der aktuelle Saisonverlauf Einfluss auf die kommende Orderrunde hat. Sollten jedoch Warenbereiche nicht so abfließen, müssen natürlich die Vororders entsprechend angepasst werden. Die Stimmung an der Verkaufsfront ist gut, auch die Kunden sind gut drauf, allerdings dürfte die Frequenz speziell unter der Woche mehr sein. Mitte September wurde in Dornbirn 25 Jahre Fußgängerzone gefeiert. Obwohl nicht unmittelbar in der Fußgängerzone ansässig, haben wir diese, heute schon geschichtsträchtige, Situation zum Anlass genommen, mit einem Direct Mailing unsere Kunden zu hausinternen Events einzuladen. Der Erfolg blieb nicht aus! Leider wird auch in unserer Branche mehr denn je das Heil über Reduzierungen mittlerweile mehr oder weniger übers ganze Jahr gesucht. Welche Notwendigkeit dahinter steht, kann man nur erahnen Die Erwartungshaltung an die bevorstehende Orderrunde ist wie immer groß. Vor allem, dass die Lieferanten in der Entwicklung ihrer Kollektionen nicht innehalten. Bekanntlich ist Stillstand gleichbedeutend mit Rückschritt und wer will das schon? Für uns ist es nichts Neues, bekommt aber zunehmend mehr Gewicht: zur richtigen Zeit die richtige Ware im Geschäft zu haben.!nina Stift, Stift Mode, Tulln Es darf keine zu frühen Rabattschlachten geben! Das verbiegt die Kunden, die so oder so nur das kaufen, was sie sich vorgenommen haben. Wenn es kalt wird, wird gekauft. Auch ohne Reduktionen. Damit drücken wir nur unsere Margen und Spannen. Wenn schon Reduktionen, dann sehr selektiv. Die Oktober-Umsätze waren nicht gut, der November ist bis dato erträglich, aber die Frequenz ist unfassbar gering. Das Wetter ist zwar eine müßige Ausrede, aber gestern hatte es 17 Grad! Wer will da schon dicke Jacken kaufen? Es ist aber nicht nur das Wetter die Medien predigen, wie schlecht es uns allen geht, und die Leute bleiben auf ihrem Geld sitzen. Außerdem gibt es keine brauchbaren neuen Modetrends für die Masse, und der Onlinehandel nimmt uns nach wie vor Anteile weg. Hinzu kommt der vorherrschende Flächenwahnsinn: Absurd viele Einkaufszentren saugen Frequenz aus den Innenstädten ab, mit dem Ergebnis, dass nirgendwo genügend Frequenz ist. Ich bin selbst überrascht, aber wir verkaufen momentan Basics am besten. Trendteile sind im September gut gegangen, jetzt gar nicht mehr. Zusatzverkäufe sind sowieso extrem schwierig geworden der Kundin geht es um jedes einzelne Teil. Durchhalten ist die Devise! Wir werden es schaffen, die Umsätze zu halten. Genaue Prognosen für das Weihnachtsgeschäft möchte ich aber nicht abgeben, dazu ist die Lage zu angespannt. An eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr glaube ich nicht, aber schlechter darf es auch nicht werden. Daher gilt die Parole: die Umsätze des Vorjahres halten!!barbara Schwetz-Penz, Penz Mode, Linz Bis August war die Kundenfrequenz steigend und sehr positiv. Seit September ist ein Einbruch zu bemerken, und auch im Oktober zeigt sich die Unlust der Leute, einkaufen zu gehen. Die Medien befeuern diese Stimmung noch zusätzlich und sind sicherlich mit Schuld daran, dass die Shoppingfreude der Konsumenten verhalten ist. Dabei haben die Leute Geld allein es fehlt an der Lust, es auszugeben. Bei den Herren verzeichnen wir bessere Umsätze als bei den Damen. Offenbar scheint hier die Shoppinglust größer zu sein. Hinzu kommt, dass wir bei den Damen früher immer komplette Outfits verkauft haben. Heute will die Kundin nur noch einzelne Teile die dürfen dann aber durchaus mehr kosten. Wir beobachten, dass weniger, dafür teurer eingekauft wird. In Zeiten, in denen Umsätze zurückgehen, ist es noch wichtiger, den Kunden persönlich anzusprechen. Wir führen ehrliche Beratungsgespräche und rufen unsere Stammkunden persönlich an, wenn neue Ware eingetroffen ist. Wir setzen auf top Merchandising, gestalten jede Woche unsere Fläche neu und bieten Aktionen wie die Cashmere- Woche an, wobei es hier nicht um Vergünstigungen geht, sondern um attraktive Ware, die in den Fokus gestellt wird. Als Geschenk erhält die Kundin dann ein kleines Give-away wie einen Schal oder ein Armband. Wir halten uns bei Prozenten sehr zurück, denn ich bin der Meinung, dass zu frühe Abschriften den Markt komplett ruinieren. Unsere Stimmung ist optimistisch und wir erwarten uns ein gutes Weihnachtsgeschäft. Zum Saisonende hoffen wir, dass wir die Umsätze vom letzten Jahr erreichen, wobei die beiden Jahre nur schwer vergleichbar sind hatten wir unser 60-Jahre-Jubiläum. 18 TZ

19 !Christoph Miessgang, Façona Fashion, Hörbranz Wir beobachten, dass es eine Verschiebung des Winters nach hinten gibt und dass die Phase des Verkaufs von Winterware immer kürzer wird. Dementsprechend müssen wir die zukünftigen Liefertermine anpassen. Wir brauchen die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt im Mai brauche ich keine dicken Strickpullover mehr! Bei verschiedenen Lieferanten werden wir die Bremse ziehen und auf neue Partner umsteigen müssen, die die Liefertermine besser setzen. Bei unserem Mango-Franchise-Store sehen wir, wie gut es laufen kann. Wir haben 2013 umgebaut und sind seitdem extrem erfolgreich jeden Monat geht s mit dem Umsatz bergauf. Hier kommen Daunenjacken, wenn es kalt ist. Die Saison ist nicht mehr entscheidend. Bis Ende August konnten wir aufgelaufen ein Umsatzplus von 5 % verzeichnen, im September und Oktober haben die Umsätze leider verloren. Jetzt liegen wir auf +2,7 % aufgelaufen. Von der Saison erwarte ich mir ein starkes Finale! Die Herren kommen noch einkaufen und die Reduzierungen werden noch viel Frequenz bringen. Die meisten unserer Lieferanten bestätigen, dass wir mit unseren Umsätzen im Vergleich zum Durchschnitt sehr zufrieden sein können. Mit Jeans und Sportswear haben wir Glück, die laufen gut. Ebenso die Anzüge im Baukastensystem. Basic-Teile sind stabil, doch die Großkonfektion mit Mänteln, Jacken und Sakkos ist schwach. Man muss als Händler sein Lager radikal räumen: Unsere Altware wandert zum Sonderverkauf, so können wir unser Sortiment immer frisch halten. Ein Überwintern von alter Ware darf es nicht geben.!jochen Forstinger, GF Forstinger Mode, Gmunden/Bad Ischl Wir sind jeden Monat im Plus, auch aufgelaufen. Nur jetzt, Anfang November, bleibt der männliche Bedarfskunde aus, ich hoffe aber trotzdem auf einen guten Ausgang. Wir können die Frequenzschwäche damit kompensieren, dass wir ordentlich am Kunden arbeiten, um ihn zum Wiederkommen und zum Weiterempfehlen zu bewegen. Stammkunden, die auch aus den Großstädten zu uns kommen, schätzen unsere Art und Weise, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Wir fahren eine sehr hohe Servicekomponente, nehmen uns Spezialwünsche sehr zu Herzen zum Beispiel mit Einzelbestellungen und dem ganzen Maßkonfektionsbereich. Gerade bei den Herren wird das Thema Einkaufsstättentreue viel größer geschrieben. Bei den Damen hat uns hingegen sehr die Neugestaltung des Geschäfts im Vorjahr geholfen das war ein guter Impuls.»Dresscode-Beratung«ist für uns ein sehr wichtiges Schlagwort geworden: Wir verkaufen dem Kunden nicht das, was er will, sondern das, was er braucht. Wir helfen ihm, dass er seine Persönlichkeit für den entsprechenden Anlass perfekt zur Geltung bringt. Wie wir das machen, ist unser Job. Man muss sich als Unternehmer auch in Zeiten, die rundherum nicht leicht sind, gewisse Felder suchen, wo man eine Chance sieht. Hersteller / Fotolia!Eine Händlerin aus dem Burgenland, die anonym bleiben will Die totale Unberechenbarkeit der Umsätze macht das Geschäft sehr schwierig. Wir hatten einen extrem starken Samstag und heute ist wieder ein Cut da keine Frequenz. Die Vorausschaubarkeit des Geschäfts geht gegen null. Dazu kommt eine starke Unentschlossenheit aufseiten der Konsumenten. Die ersten Leute haben mich sogar schon nach dem Winter-Sale gefragt. Meine Antwort: Der Winter ist doch noch gar nicht da! Es ist aber kein Wunder, dass die Kunden danach fragen, denn sie sind durch unzählige Schnäppchenaktionen verwöhnt, die das komplette Einkaufsverhalten beeinflussen. Strick war und ist gut, Shirts und Jersey ebenso. Auch Hosen und Denim funktionieren bei uns gut, weil sie sehr beratungsintensiv sind. Outdoor allerdings geht sehr schleppend das war schon im letzten Winter so, und im Frühjahr ist Outdoor sowieso tot. Wir haben deshalb keinen reinen Jackenspezialisten mehr im Sortiment. Wenn wir ohne verfrühte Reduktionen auskommen, dann versuchen wir uns der Preisschlacht nicht zu beugen. Aber die Rechnungen bei den Lieferanten sind fällig, und dann kann es durchaus sein, dass wir bei den Prozentaktionen mitgehen müssen auch wenn wir es gar nicht wollen. Eigene Events oder Aktionen wie unsere Made-to-Measure- Tage für Herren stärken spürbar die Frequenz und helfen uns über schwierigere Phasen. Grundsätzlich ist zu vermerken, dass das Damengeschäft schwächelt und die Herren heuer aktiver einkaufen. Der persönliche Kontakt zum Kunden ist sehr wichtig, aber es ist ein schmaler Grat. Man darf dem Kunden auf keinen Fall lästig werden, schließlich wird er sowieso schon täglich mit diversen Aktionen etwa aus dem Lebensmittelhandel penetriert. Wir informieren unsere Kunden, wenn wir Neuware bekommen halten uns aber sonst zurück, damit es nicht»too much«wird. Unsere Umsatzentwicklung ist bei Damen und Herren sehr ungleich. Im Oktober haben wir bei Damen ein Minus von 25 %, dafür bei Herren ein Plus von 20 % verzeichnet. Die Erfahrung zeigt, dass ein Sortiment immer stärker ist als das andere. Dass beide Sortimente steil nach oben gehen, ist unwahrscheinlich. Aufgelaufen sind wir 10 % hinter dem Vorjahr. E-Commerce hat im textilen Bereich extrem zugenommen und ist im stationären Einzelhandel bereits spürbar. Unsere Kunden beklagen sich immer, dass sie zu wenig Zeit zum Shoppen haben aber sie hocken stundenlang vor dem Internet und merken es nicht einmal. Unsere Stimmung: Wir nehmen es so, wie es ist, aber momentan ist es schon wirklich hart an der Grenze. TZ

20 it&logistik Alle Bilder Picturedesk The winner takes it all Der Internethandel ist ein Tummelplatz für internationale Marken und große Versandkonzerne. Für Spezialisten ist es schwer, Fuß zu fassen. Doch eine professionelle Präsenz ist online Pflicht. Vor zwanzig Jahren, im Juli 1994, gründete Jeff Bezos Amazon. Ein Unternehmen, das die Handelswelt veränderte und praktisch vom Stand weg Marktführer im Onlinehandel wurde. Heute liegt der Umsatz von Amazon bei 74,5 Mrd. US-Dollar, das sind umgerechnet 60 Mrd.. Ein globaler Riese. Doch um die Kirche im Dorf zu lassen: Das größte Handelsunternehmen der Welt, Walmart, erzielte zuletzt einen Umsatz von 473 Mrd. US-Dollar also in etwa siebenmal so viel wie Amazon. Und auch europäische Megahandelskonzerne wie Carrefour, Tesco oder Metro Letzterer mit 64 Mrd. Umsatz das größte deutsche Handelsunternehmen sind immer noch deutlich größer als Amazon. Und in die Liste der 100 umsatzstärksten Unternehmen der Welt hat es der Internethandelsriese immer noch nicht geschafft. Trotzdem: Wer heute von Onlinehandel spricht, spricht immer noch in erster Linie von diesem einen Unternehmen mit Sitz in Seattle (wo übrigens auch die Weltkonzerne Microsoft und Starbucks beheimatet sind). Das ist in Österreich genauso wie anderswo. Hierzulande haben die 100 größten Onlineshops im Jahr 2013 insgesamt 1,6 Mrd. umgesetzt. (Alle Zahlen laut EHI Retail Institute/ Statista.) Davon flossen alleine 384,1 Mio. in die Taschen von Amazon. Das entspricht einem Marktanteil von 24 %. Der zweitplatzierte, die Versandhandelsgruppe Unito, erzielte mit ihren Marken Universal, Otto und Quelle 2013 einen E-Commerce-Umsatz von 194,2 Mio. (Marktanteil: 12 %). Bereits weit abgeschlagen vervollständigt Zalando mit 80,1 Mio. Umsatz (MA: 5 %) die top drei. Das bedeutet: Die drei größten Anbieter vereinen damit mehr als 40 % des Marktvolumens auf sich. Und dahinter kommt lange nichts.»the winner takes it all«, zitiert Peter Schnedlitz, Professor am Institut für Handel & Marketing an der WU Wien, den alten ABBA-Schlager. Übersetzt in die Sprache des Handels heißt das: Neben den Großen haben die vielen anderen gar keine Chance, überhaupt wahrgenommen zu werden.»das Internet ist ein Tummelplatz für internationale Marken und große Versandhändler«, so Schnedlitz weiter.»diese kaufen sich zum Teil den Umsatz auf Kosten des Ertrags. Da bleibt wenig Platz für kleine Anbieter, die sich das nicht leisten können.«zahlen gefällig? Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon 02 Das Logistiklager, die Einkaufsstraße der Zukunft? schrieb Zalando einen Verlust von 117 Mio.. Das Jahr davor waren es 85 Mio., Mio. Miese. Seit Unternehmensgründung gab es genau ein einziges Quartal, das positiv lief zufällig ausgerechnet jenes, in dem der Börsengang verkündet wurde. Gegen Amazon ist das freilich noch gar nichts: Dem US-Konzern gelang es, alleine im diesjährigen dritten Quartal 437 Mio. US-Dollar zu versenken. Doch in Zeiten der Null-Prozent-Zinssätze ist billiges Geld für Internetunternehmen mit»wachstumsfantasie«leicht zu haben. Keine österreichischen Erfolgsstorys. Zurück auf das weitaus kleinere Spielfeld Österreich: Zieht man vom genannten Gesamt-Onlineumsatz von 1,6 Mrd. Amazon, Unito und Zalando ab, bleiben für die restlichen 97 Topunternehmen nur mehr rund 940 Mio. übrig. Gegen diese»großen drei«verblasst selbst ein Branchenführer wie H&M. Laut EHI/Statista setzte der Marktführer im stationären Modehandel im Vorjahr in Österreich 32,6 Mio. online um. Das sind zwar immerhin beachtliche 7 % seines Österreich-Umsatzes entspricht aber nicht einmal der Hälfte des Volumens von Zalando. Esprit kommt laut derselben Statistik auf ebenfalls achtenswerte 15,2 Onlinemillionen, gefolgt von als einzigem österreichischen Unternehmen im Ranking Palmers mit 14,6 Mio.. 20 TZ

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