Anleitung für Lärmmessungen und -beurteilungen von Diskotheken und Musiklokalen

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1 Lärmschutz Basel, Mai 2014 Anleitung für Lärmmessungen und -beurteilungen von Diskotheken und Musiklokalen In den vergangenen Jahren konnte eine starke Zunahme der tieffrequenten Energieanteile in den modernen Musikstilen festgestellt werden. Die Veränderungen der technischen Möglichkeiten in der elektronischen Musik insbesondere in der Tonerzeugung und wiedergabe im Bereich der Bässe haben längst Einzug in unsere Diskotheken und Musikclubs gehalten. Darauf aufmerksam wurden wir durch eigene Messungen in Diskotheken. Hier waren es vor allem die hohen Differenzen zwischen dem energeiäquivalenten Dauerschallpegel mit C-Bewertung L Ceq und dem mit A-Bewertung L Aeq, hier kurz C-A-Wert, die uns auf die Veränderung aufmerksam gemacht haben. Eine daraufhin ausgelöste Messserie in Musiklokalen ergab eine durchschnittliche Differenz C-A der Stunden-Leqs von 16 db. Die Spitzen liegen dabei bei einem C-A-Wert von 20 db. Wir kommen deshalb zum Schluss, dass wir das alte Frequenzspektrum für die Beurteilung von Discomusik mit einem C-A-Wert von 9 db den neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Mit der hier vorliegenden Anleitung möchten wir den Veränderungen in der aktuellen Musikszene bei der lärmtechnischen Beurteilung von Musiklokalen Rechnung tragen und für die Messungen und Beurteilungen von Musiklokalen einen für alle Ingenieurbüros vereinheitlichen Standard bieten. 1. Beurteilungsgrundlagen Zur Beurteilung der Lärmeinwirkung durch Musik aus Restaurants auf lärmempfindliche Nutzungen (Wohnräume, Büros usw.) verweisen wir auf die Vollzugshilfe Cercle Bruit "Ermittlung und Beurteilung der Lärmbelastung durch den Betrieb öffentlicher Lokale" vom 10. März 1999 mit Änderung vom 30. März Massgebend sind die dort genannten Grenzwerte für die Luft- und Körperschallübertragung, abhängig davon ob die Messung in der Mitte des offenen Fensters oder in der Mitte des lärmempfindlichen Raumes (s. Punkt 3.5 der Cercle Bruit) durchgeführt wird. Ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten der massgebende Übertragungsweg nicht abschätzbar, empfehlen wir beide Messungen durchzuführen. Mit diesen Messungen bestimmt der Messtechniker einen Beurteilungspegel L Aeq (10s), der den zulässigen Innenraumpegel der Musik im Restaurant festsetzt, wenn es aufgrund anderer Vorschriften (z.b. die SIA-Norm 181) keine weiteren Einschränkungen gibt. Besteht eine bauliche Verbindung zwischen dem Restaurant und einem lärmempfindlichen Raum, prüfen wir, ob die Mindestanforderungen der SIA Norm 181 "Schallschutz im Hochbau" aus 2006 eingehalten sind.

2 Für den Musikbetrieb mit einer Lautstärke in der Höhe von Hintergrundmusik, d.h. mit einem Innenraumpegel L Aeq (10s) von max. 75 db(a), gelten die Anforderungen der SIA Norm 181, Kapitel Gemäss Tabelle 4 dieses Kapitels (Mindestanforderungen an den Schutz gegen Luftschall von Innen) wird für Restaurants mit Beschallung und dazugehörigen Erschliessungsräumen die Lärmbelastung «sehr stark» gewählt. Nach unseren Erfahrungen müssen für Hintergrundmusik die Anforderungen des Anhang A der SIA Norm 181 nicht überprüft werden. Sie ersetzen aber auch nicht diese Überprüfung, wenn nur die Anforderungen nach Anhang A geprüft wurden. Anders verhält es sich, wenn höhere Musikpegel als Hintergrundmusik gespielt werden. In diesem Fall sind zwingend auch die Anforderungen des Anhang A der SIA Norm 181 zu prüfen. Dieser Anhang behandelt die Problematik der Schallübertragung insbesondere im tieffrequenten Bereich bis 50 Hz. Tabelle 9 des Anhang A nennt dazu die Mindestanforderungen an den Schutz gegen Luftschall von innen D i50, abhängig vom Innenraumpegel der gespielten Musik. In Musiklokalen und Diskotheken muss nach unseren aktuellen Messerfahrungen davon ausgegangen werden, dass ein C-A-Wert von mehr als 12 db vorliegen kann. Deshalb kommt für derartige Restaurants die Sonderregelung für tieffrequente Geräusche gemäss Punkt A.2.4 zum Tragen. Der Anforderungswert D i50 muss dann um mindestens 3 db erhöht werden. In Fällen von Musikdarbietungen in Lokalen, die nicht dem Charakter eines Musik- und Tanzlokals oder einer Diskothek zugeordnet werden können, muss zwingend der geplante Betriebscharakter in die Prüfung des Anforderungsprofils einfliessen. Liegt dem geplanten Bauvorhaben keine konkrete Beschreibung des Betriebscharakters zugrunde, gehen wir immer von einem Musiklokal mit Spitzen der C-A-Werte von bis zu 20 db aus. Eine besondere Schwierigkeit bei der Prüfung der Anforderungen nach Anhang A stellt die Bestimmung der Nachhallzeit dar. Für den Spektrum-Anpassungswert C tr ( ) muss die Nachhallzeit bis in den tieffrequenten Bereich bis 50 Hz (sonst bis 100 Hz) erfasst werden. Wir erkennen an, dass dies messtechnisch nicht immer eine einfache Aufgabe darstellt, erwarten aber, dass dieser Aspekt in der Beurteilung berücksichtigt wird. In den Lärmschutznachweisen sollte auf mögliche Unsicherheit hingewiesen werden, wenn Probleme bei der Bestimmung der Nachhallzeit auftraten. Auf die Besonderheiten bei der Ermittlung der Trittschallübertragung nach der SIA Norm 181 gehen wir in dieser Arbeitsanleitung nicht ein. Hier stehen wir immer als Ansprechpersonen zur Verfügung und geben gerne Auskunft, um die Ausführungen zu vereinheitlichen. 2. Messausführung für die Projektierung von Musiklokalen Bei der Messausführung legen wir in dieser Arbeitsanleitung ein besonderes Augenmerk auf die Beurteilung von Musikübertragungen mit einem hohen tieffrequenten Anteil, d.h. auf Messungen von Musik- und Tanzlokalen und Diskotheken. Für Restaurants mit einem ähnlichen Betriebskonzept empfiehlt es sich, die nachfolgend genannten Messausführungen ebenfalls anzuwenden. Seite 2/7

3 Für alle anderen Restaurants mit Musikbetrieb ohne übermässigen Bassanteil muss gut geprüft werden, ob eine Einschränkung des Musikbetriebes auf Musikstilrichtungen mit geringem Bassanteil sinnvoll und möglich ist. Schliesslich würde jede Änderung des Musikstils eine neue baurechtliche Prüfung bedingen. Für die Messung des zulässigen Innenraumpegels nach Cercle Bruit ist das Messsignal des Rosa Rauschens nicht besonders gut geeignet, insbesondere wenn es mit dem Dodekaeder abgespielt wird, da dieser im Bereich unter 100 Hz nicht mehr sehr viel Energie überträgt. Um die Messungen zu vereinheitlichen, erwarten wir vom Ingenieurbüro künftig, dass es die Raumbeschallung des Senderaums mit den Musikstücken unserer beigefügten CD und einer dafür geeigneten Musikanlage durchführt. Hier empfehlen wir - soweit möglich - auf die Musikanlage des Betriebes zurückzugreifen. Sollte noch keine Musikanlage zur Verfügung stehen, sollte das Ingenieurbüro in der Offerte deutlich machen, dass der Auftraggeber eine Musikanlage für Messungen zur Verfügung stellen muss. Diese sollte aber auch über genügend Leistung in den vor allem tieffrequenten Terzspektren verfügen und mit der später verwendeten Anlage vergleichbar sein. Sollte es schliesslich dem Bauherrn nicht möglich sein, eine derartige Anlage für die Messungen zu beschaffen, haben wir auch zufriedenstellende Messresultate mit Studiomonitoren erhalten. Es empfiehlt sich jedoch vor dem Einsatz zu prüfen, wie die Übertragung der Anlage insbesondere im Bereich von 50 bis 100 Hz funktioniert. Insgesamt sollte der C-A-Wert der Musiktracks auf der beigefügten CD bei der Wiedergabe nicht unter 16 db abfallen. Der C-A-Wert ist bei den Messungen pro Musiktrack zwingend anzugeben Monitor aktiv leiser Nr.2 Track Nr Monitor aktiv leiser Nr.7 Track Nr. 2 Frequenzspektum der beiden Musiktracks von der CD, abgespielt über einen Studiomonitor Musikbars und Diskotheken sind immer auf einen Innenraumpegel von 100 db(a) mit einem C-A von ca. 20 db messtechnisch abzuprüfen. Seite 3/7

4 In den Beilagen 1 und 2 wird das Frequenzspektrum der beiden Musiktracks 1 und 2 abgebildet Der Innenraumpegel beträgt dabei 100 db(a), was der Lautstärke entspricht, für die Musiklokale einzurichten sind. Wir haben zudem die CD noch um einen weiteren Soundtrack ergänzt. Track 3 ist nochmal Amy Winehouse (wie Track 1), nur diesmal unverzerrt. Der C-A-Wert des Tracks 3 beträgt aber nur 9 db. Dieser Track darf daher nur verwendet werden, wenn man einen C-A-Wert von 20 db selbst an der Musikanlage mischen möchte. Abschliessend lässt sich bei der Handhabung der Studiomonitore feststellen, dass die Anlagen einen höheren C-A-Wert produzieren, je leiser die Musik wiedergegeben wird. Können die Bässe nicht mehr richtig wiedergegeben werden, hört man dies in der Musikqualität durch Verzerrungen. Oberstes Gebot sollte dennoch sein, ein deutliches Signal durch die Musikwiedergabe im Empfangsraum zu erzeugen, damit mögliche Fremdgeräusche im Empfangsraum weitestgehend eliminiert werden können. 3. Messausführung für verdeckte Messungen in Musiklokalen Die Einhaltung der, gemäss Beurteilungsgrundlagen festgesetzten Innenraumpegel, werden schliesslich im Rahmen von verdeckten Messungen überprüft. Für die transparente Durchführung von verdeckten Messungen in Restaurants verweisen wir hier auf die Arbeitsanleitung des Amts für Umwelt und Energie, Abteilung Lärmschutz zur Anwendung der Richtlinie des Cercle Bruit vom Dezember Sie kann bei uns bezogen werden. Mit dieser Messvorschrift werden sämtliche verdeckte Messungen zum Bestimmen des Innenraumpegels L Aeq (10s) durchgeführt, d.h. auch Messungen in Restaurants, in denen lediglich Hintergrundmusik erlaubt ist. Neuerdings ist bei diesen Messungen zusätzlich auch der C-A-Wert über die Messdauer anzugeben. Zudem muss das Messprotokoll einen Pegelschrieb (L Aeq (t), t=messdauer) enthalten. Nach Messungen zur Prüfung der Anforderungen nach Schall- und Laserverordnung, benötigen wir mindestens eine vollständige 60 Minuten dauernde Messung, in der der L Aeq (1h) und der dazugehörige C-A-Wert gemessen werden. Wird während dieser Messung ein deutlicher Pegelanstieg festgestellt, muss die Messung entsprechend verlängert werden. Wird der Innenraumpegel L Aeq (1h) von 93 db(a) überschritten, müssen im Restaurant alle erforderlichen Vorkehrungen nach Schall- und Laserverordnung getroffen sein. Hierzu gehören die Angabe des maximalen Schallpegels im Eingangsbereich, die Abgabe von Gehörschutz sowie sichtbar aufgehängte Informationstafeln über die Gefährdung des Gehörs. Der Messtechniker vergewissert sich vor Ort, ob der Veranstalter diese Massnahmen getroffen hat und dokumentiert dies im Messbericht. Stellt die messende Person zudem ein L Aeq (1h) von mehr als 96 db(a) fest, muss zusätzlich darauf geachtet werden, dass eine permanente Schallpegelüberwachung erkennbar ist. Zusätzlich muss bei derart lauten Pegeln eine Ausgleichszone eingerichtet sein (Ort an dem der maximale Innenraumpegel einen Wert von max. 85 db(a) nicht überschritten sein darf, wie z.b. Seite 4/7

5 ein ruhiger Barbereich, ein Chillout-Raum u.ä.). Ob diese Auflagen erfüllt sind oder nicht, sollten wir ebenfalls dem Messbericht entnehmen können. Je besser die Messberichte die Messsituation vor Ort dokumentieren, umso mehr können wir die Messung auch rekonstruieren. Hierzu sind uns Ihre subjektiven Eindrücke über die empfundene Lautstärke und den Bassanteil im Restaurant aber auch ausserhalb des Restaurants im Freien sehr hilfreich. Ein wichtiges Detail bei der Standardisierung von verdeckten Messungen ist die Position des Mikrofons während der Messung und die verantwortungsbewusste Überwachung der Messung. Das Mikrofon ist während der gesamten Messung am Körper der messenden Person auf Schulterhöhe zu tragen. Insbesondere bei Messungen in Restaurants mit tieferen Innenraumpegeln, als sie in Diskotheken üblich sind, ist messtechnisch darauf zu achten, dass der Innenraumpegel über die Musiklautstärke, nicht aber über die Stimmen der Gäste gebildet wird. Sollten die Stimmen der Gäste einen Einfluss auf den Innenraumpegel haben, ist dies im Messbericht deutlich darzustellen. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite mit dem Ziel, die Messungen über alle Ingenieurbüros zu vereinheitlichen. Ihre Erfahrungen aus den Messungen sind uns sehr wichtig, damit wir auf entstehende Probleme einheitlich reagieren können. Wir sind deshalb über Ihr Feedback sehr dankbar. Beilagen CD mit 3 Musiktracks zur Standardisierung der Messungen Kopie an alle Ingenieurbüros im Raum Basel Seite 5/7

6 Beilage 1 Auswertung des Musiktracks Nr. 1 Der Musiktrack wird in der nachfolgenden Frequenzanalyse mit einem Innenraumpegel von 100 db(a) dargestellt. Der C-A-Wert der Referenzmessung dieses Terzspektrums beträgt 19 db. Messwerte [ in db(a) ] Mittelwert Maximalwert L Aeq 100 L Ceq 119 C-A 19 Terzspektrum L Aeq [ in db(a) ] (Terzpegel sind A-bewertet) ÜBER DIE GANZE DAUER DER MESSUNG 25 Hz Hz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz 33.2 Seite 6/7

7 Beilage 2 Auswertung des Musiktracks Nr. 2 Der Musiktrack wird in der nachfolgenden Frequenzanalyse mit einem Innenraumpegel von 100 db(a) dargestellt. Der C-A-Wert der Referenzmessung dieses Terzspektrums beträgt 19 db. Messwerte [ in db(a) ] (Terzpegel sind A-bewertet) Mittelwert Maximalwert L Aeq 100 L Ceq 119 C-A 19 Terzspektrum L Aeq [ in db(a) ] (Terzpegel sind A-bewertet) AUSSCHNITT (5sec.) AUS DER MESSUNG 25 Hz Hz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz Hz khz 33.1 Seite 7/7

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