10 Jahre FAB Wien/NÖ

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1 10 Jahre FAB Wien/NÖ

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3 Vorwort Vorwort Mein Vorwort wird versuchen, persönlich und sehr subjektiv die Geschichte des FAB Wien/NÖ Revue passieren zu lassen; dies ist kein Vorwort, das Anspruch erhebt, die offizielle Geschichte zu erzählen. Als Geburtshelfer fungierten Mag. Roman Pöschl und Mag. Werner Grünstäudl und die Stützstrukturen des BBRZ Wien. Diese Geburtshilfe war notwendig, um das Kind gesund zur Welt zu bringen, dafür an dieser Stelle Dank. Um Rolle und Identität heraus zu prägen, brauchte es aber Selbständigkeit und das eigene Erfahrungslernen. Diese Zeit war mühsam und anstrengend: Zu klein, um wahrgenommen zu werden, zu klein, um Professionalität und Selbstverständnis heraus zu bilden. Die KollegInnen des FAB Wien/NÖ bewiesen in dieser Phase Resilienz und Durchhaltevermögen. Sie arbeiteten beharrlich an ihrem Selbstverständnis, an ihrer Haltung zu unseren TeilnehmerInnen. Sie wollten über ihre qualitätsvolle Arbeit, über ihre inhaltliche Ausrichtung wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Qualität ging immer vor schnellem Wachstum. Nach 10 Jahren haben sie viel erreicht: Das Geschäftsfeld FAB Wien/NÖ gehört mittlerweile zu den Größten, gemessen an der MitarbeiterInnenzahl. Ich denke, die AuftraggeberInnen wissen, wofür wir stehen und was wir können, die TeilnehmerInnen können sicher gehen, in ihrer Gesamtheit wahrgenommen und optimal unterstützt zu werden. Dies alles wäre FAB nicht gelungen, wenn nicht MitarbeiterInnen mit Engagement und Herzblut täglich ihr Bestes geben würden und dafür herzlichen Dank. Mag. a Silvia Kunz, FAB-Geschäftsführerin 3

4 Standorte Alle unter einem Dach - FAB Wien/NÖ an einem Standort Auch wenn erst kürzlich das neue Gebäude der BBRZ GRUPPE in der Simmeringer Hauptstraße eröffnet wurde, bleiben die MitarbeiterInnen des FAB in Wien weiterhin auf verschiedene Standorte in der Bundeshauptstadt verteilt. Diese schwierige Situation wurde Mitte Juni dadurch entschärft, dass alle MitarbeiterInnen des FAB in die Emil-Fucik-Gasse 1 im 10. Wiener Gemeindebezirk gezogen sind. und psychisch erkrankten Menschen. Natürlich nahm Mag. a Silvia Kunz auch die Gelegenheit wahr, mit den Ost-KollegInnen zu sprechen und ihre neuen Ideen und besonderen Anliegen zu hören. Der FAB Region Ost ist derzeit mit insgesamt fünf Projekten betraut, wobei die Arbeitsvermittlung mit aufsuchendem Charakter bei Monsun und Der Jugend eine Chance im Vordergrund steht. Nun sind im neuen FAB-Haus alle Projekte des FAB im Wiener Stadtgebiet unter einem Dach vereint. Damit erfuhren der interne Kommunikationsfluss und zugleich die Organisation eine wesentliche Erleichterung, was für die Belegschaft Anlass genug bot ein Hausfest zu organisieren. Ende Juni lud die Leiterin der FAB Region Ost, Mag. a Regina Unterkofler, zum ersten Mitarbeiter- Innentag in Wien, an dem beinahe alle der mittlerweile fünfzig FAB-KollegInnen teilnahmen. Das momentan größte Projekt, Perspektiven für Jugendliche und junge Erwachsene, unterstützt die TeilnehmerInnen auf ihrem Weg in den Beruf mit speziellen Qualifizierungsschritten. Work about mit Sitz in Wiener Neustadt integriert Menschen mit Beeinträchtigung bei ihrer beruflichen Integration über das Instrument der gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung. FAB Geschäftsführerin Mag. a Silvia Kunz, die zur Veranstaltung nach Wien angereist war, gab einen Ausblick auf die Zukunftsperspektiven des FAB im Osten Österreichs. Konkrete Pläne und Konzeptarbeit gibt es dabei bereits für Projekte mit älteren Arbeit Suchenden In FIT Frauen in die Technik werden aktuell 13 Frauen vom Suchen einer Ausbildungsstelle bis zum Lehrabschluss begleitet. InTeam, 03/2008 Der FAB Wien/NÖ begann seine Tätigkeit 2004 mit dem Kursangebot Perspektiven für Jugendliche und junge Erwachsene im 11. Bezirk, in der Alpha Factory, Geiselbergstraße 26-32, einem Standort gemeinsam mit dem BBRZ erfolgte dann der Umzug aller Mitarbeiter- Innen des FAB Wien/NÖ in den 10. Bezirk auf den Laaerberg, in die Emil-Fucik-Gasse 1! 2007 übersiedelte die BBE Monsun, die bis zum heutigen Tag eine wesentliche Säule des FAB Wien/NÖ bildet, mit dem BBRZ in die Simmeringer Hauptstraße

5 Aus den Projekten 2006 aktuell MONSUN und das Akquise-Team Beratungs- und Betreuungseinrichtung Die Beratungs- und Betreuungseinrichtung MONSUN steht nicht nur für MOTI- VATION, NEUSTART UND NACHHALTIGKEIT, sondern Monsun auch für Kompetenz, Zuverlässigkeit, Wertschätzung und Respekt. Seit 2006 setzt sich das stetig gewachsene, engagierte und derzeit aus insgesamt 21 MONSUN- ProtagonistInnen bestehende Team für die Belange Arbeit suchender Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen auf dem Weg in den beruflichen Wiedereinstieg ein. FAB-MitarbeiterInnen, die von den ersten Stunden an dabei waren: Sabine Roitner, Projektleitung step2job und SÖB FABLine, Ferold Pesendorfer, Berater MONSUN, Claudia Schuschu, Projektleitung MONSUN und Leitung Akquise. Die Diversität, die Professionalität und der hohe Dienstleistungsanspruch des MONSUN-Teams tragen wesentlich zum Erfolg und zur Zufriedenheit der KundInnen bei. Die Dienstleistung von MONSUN richtet sich an alle Personen, die beim AMS-Wien Arbeit suchend gemeldet sind, gesundheitliche Einschränkungen haben und einen Wiedereinstieg ins Berufsleben ansteuern und dabei die Beratungsleistung entlang des Case-Management-Ansatzes mit dem Auftrag der Schnittstellenfunktion zu anderen sozialen Einrichtungen aber auch Ämtern, Behörden und Kontakten zu UnternehmerInnen innerhalb und außerhalb Wiens zunutze machen wollen. Den Kund Innen des AMS Wien steht durchgehend ein Jahr ein/eine MONSUN-BeraterIn zur Verfügung, so dass durch Kontinuität und Effektivität eine nachhaltige Beschäftigung erfolgreich angepeilt und erzielt werden kann. Die Beratungstermine werden gemeinsam mit den KundInnen akkordiert und vorwiegend in den Räumlichkeiten des FAB in der Emil-Fucik-Gasse 1 im zehnten Bezirk angeboten. Die räumliche Flexibilität aller MONSUN-KollegInnen ermöglicht es, Settings auch außerhalb des Hauses durchzuführen, Gespräche mit MultiplikatorInnen zu initialisieren, die KundInnen auf Wunsch zu begleiten und (Vorstellungs-) Gespräche zu moderieren. Seit 2006 gelingt es in der Zusammenarbeit mit bestehenden und auch stetig hinzukommenden Unternehmen, mit den Arbeit suchenden Personen eine Perspektive zu entwickeln und einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Unterstützung in der Vermittlungsarbeit erhalten die MONSUN-/step2job-/Zentrum für Kompetenz und Erfahrung-KollegInnen und KundInnen von dem aus vier Personen bestehenden Akquise-Team. Das Akquisekonzept wurde in der Form des heutigen Bestehens von Claudia Schuschu gemeinsam mit Gerlinde Weinegg, anleitende Mitarbeiterin und mit Herz und Hirn nicht nur im Außendienst tätig, Christian Kogler, MONSUN-Projektassistenz und Maria Spirk, MONSUN-Projektassistenz entwickelt. Das A- Team, wie es im Haus genannt wird, erschließt in Form der Kalt akquise den direkten Draht zu den Unternehmen in und um Wien, erhebt freie Jobs, informiert sich über aktuelle Fördermöglichkeiten und übernimmt die BewerberInnen-Vorauswahl und die Empfehlung an die Unternehmen. Eine enge Zusammenarbeit mit den BBE-KollegInnen, den Unternehmen und den in Betreuung befindlichen KundInnen ist als Beitrag zum gemeinsamen Erfolg von wesentlicher Bedeutung. 5

6 Aus den Projekten 2010 Commusication Ein innovatives Projekt des FAB Wien verzeichnet von Februar 2009 bis November 2010 Erfolge: Mit der Verbindung der Begriffe Kommunikation und Musik umreißt bereits der Titel auch den Inhalt des Projekts. Der innovative Zugang zu kommunikativen Prozessen über Musik bzw. Rhythmus und Bewegung erleichtert den ProjektteilnehmerInnen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen die soziale Interaktion, den Abbau von Ängsten und Depressionen. Musik als Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung und Stabilisierung lautet das Rezept von Commusication. Die Nutzung der Musikpädagogik und aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse im Beratungsumfeld heben das Projekt unter den traditionellen Maßnahmen zur Integrationsunterstützung hervor. Ein multiprofessionelles Team aus PsychologInnen, PädagogInnen verschiedener Spezialisierungen und BetriebskontakterInnen begleitet die Gruppen von zwanzig TeilnehmerInnen über einen Zeitraum von höchstens fünf Monaten mit dem Ziel, ihnen den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern oder zu ermöglichen. Die erzielten Erfolge sind überaus ermutigend. Ein Beispiel dafür, dass sich auch in schwierigen Fällen der musikpädagogische Ansatz von Commusication bewährt, ist Herr T. Seit Jahren ohne Arbeitsplatz war Herr T. zu Kursbeginn ein obdachloser Trinker, dem wohl nur wenige eine Chance auf eine erfolgreiche berufliche und soziale Eingliederung zugestanden hätten. Doch über die Vermittlung der Sozialpädagogin fand Herr T. einen Platz in einem Männerwohnheim und erhielt dort die nötige Stabilität, mit dem Trinken aufzuhören. Dies wiederum bildete die Basis einer weiterführenden guten Zusammenarbeit im Projekt und einer trägfähigen Berufsplanung. Der Unterstützung durch die Betriebskontakterin verdankte T. einen Platz in einem sozialökonomischen Betrieb, der schließlich das Sprungbrett zu einer regulären Berufstätigkeit an einem festen Arbeitsplatz wurde. Erfolgserlebnisse wie diese beflügeln einerseits das Team bei dessen anspruchsvoller Arbeit und sorgen andererseits dafür, dass Commusication auch die verdiente Anerkennung findet. InTeam, 03/2010 Sicher eingeloggt Das Projekt LOGIN (Lernen, Orientierung, Gestaltung, INtegration), das im Oktober 2009 in Wien startete und April 2010 endete, hatte zum Inhalt, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund, Deutschschwächen und kognitiven Einschränkungen neue Chancen am Arbeitsmarkt zu eröffnen. Insgesamt 36 Jugendliche nahmen das Angebot von LOGIN an. In zwei Gruppen wurden sie von DeutschlehrerInnen und SozialpädagogInnen betreut und begleitet, sie lernten in sehr stark individualisierten Prozessen eine bessere schriftliche und mündliche Beherrschung der deutschen Sprache und wurden in ihren Kompetenzen gestärkt. Die Erarbeitung von beruflichen Zielen, die Ausarbeitung von Wunschberufsbildern und positive Erfahrungen in verschiedenen Betriebspraktika schufen bei vielen TeilnehmerInnen eine tragfähige Basis für den Schritt ins Erwerbsleben. Durch intensive Vermittlungsunterstützung konnte für 17% der TeilnehmerInnen ein festes Dienstverhältnis begründet werden. 6

7 Aus den Projekten 2012 aktuell step2job - Sozialarbeit für den Arbeitsmarkt Beratungs- und Betreuungseinrichtung step2job step2job soll Menschen helfen, sich weder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das aus einem Pilotprojekt hervorgegangene Programm wird seit Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS) in Wien in institutionalisierter Form für BMS BezieherInnen angeboten. Die Erfahrungen im Projekt bestätigen den hohen Unterstützungsbedarf der Zielgruppe. Gewiss, es gibt Gemeinsamkeiten, Wohnungsprobleme, Im Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice Wien Schulden, Gesundheitsfragen. Oft sind es auch Sprachprobleme. Aber unsere Klientel ist so inhomogen, wie man sie sich nur vorstellen kann sagt step2job Projektleiterin Sabine Roitner vom Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (FAB) Wien. Da ist zum Beispiel der erst kürzlich anerkannte Konventionsflüchtling, der jahrelang mit Arbeitsverbot im Flüchtlingsheim lebte, oder der 40 jährige Mediziner, der erst jetzt einen Job sucht, nachdem sein Vater gestorben ist, der ihm sein Leben finanzierte. Wir müssen uns bei unseren Beratungsgesprächen jedes Mal neu einstellen. Barrieren gibt es viele. Da wären einmal Sprachprobleme. Mehr als die Hälfte der Klientinnen und Klienten haben damit zu kämpfen. Doch vom Arbeitsmarkt kommt eine eindeutige Botschaft: Wer nicht Deutsch beherrscht, hat so gut wie keine Job-Chance. Die erste Maßnahme, die über step2job vermittelt wird, ist daher oft ein Deutschkurs. Oder noch besser: ein Konversationstraining. Denn im Alltag geht es nicht um die perfekte Grammatik, sondern darum, sich in schnell wechselnden, aber immer wiederkehrenden Situationen gut verständigen zu können. Da wären die Wohnungsprobleme. Es geht dabei nicht in erster Linie um Obdachlosigkeit, sagt Roitner, sondern oft um desolate Wohnverhältnisse. Um verschimmelte Wohnungen oder um Überbelag. Wenn sechs Menschen auf 30 Quadratmeter wohnen müssen, dann ist das keine förderliche Situation für die Arbeitssuche. Genauso ist es mit den Schulden. Viele wissen nicht, wie sie aus der Schuldenfalle herauskommen können, dass es eine Schuldnerberatung gibt und die Möglichkeit des Privatkonkurses. Hier gilt es zu beraten und an die entsprechenden Stellen weiterzuvermitteln. step2job ist mehr als nur die Vermittlung eines Arbeitsplatzes. Anders als bei Beratungen beim AMS, bei der Jobvermittlung und Jobqualifizierung im Vordergrund stehen, geht es bei step2job um ein umfassendes Fittmachen für die Arbeitssuche und den Arbeitsmarkt. Und gearbeitet wird mit den Voraussetzungen, die vorhanden sind. Wir leisten in dem einjährigen Einzelcoaching oft grundlegende Entwicklungsarbeit, sagt Roitner. Es geht um Fragen der Organisation des eigenen Lebens, nicht selten um Gesundheitsfragen oder um Fragen des Auftretens und des äußeren Erscheinungsbildes. Es sind oft basale Hürden, die es auf dem Weg zum Job abzubauen gilt, sagt Roitner. Auch bei Gesundheitsfragen herrscht oft Unwissen vor. Viele unserer Klientinnen und Klienten waren oft schon jahrelang nicht mehr beim Arzt und es ist gar nicht sicher, ob jemand überhaupt arbeitsfähig ist. 7

8 Aus den Projekten 2012 aktuell Die step2job Beraterinnen und Berater klären dann darüber auf, dass es mit der E-Card die kostenlose Möglichkeit für medizinische Hilfe gibt. Und nicht selten hat sich nach einer arbeitsmedizinischen Untersuchung herausgestellt, dass Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Zu informieren, selbst über grundlegende Fragen des sozialen Hilfssystems in Wien, ist eine essentielle Notwendigkeit. Wir dürfen bei der Beratung kein Wissen darüber voraussetzen, sagt step2job Beraterin Monika Maier. Und mehr noch: Auch soziales Verhalten muss oft erst vermittelt werden. Wie man richtig grüßt, wie man sich am Telefon meldet, wie man Kontakt mit potenziellen ArbeitgeberInnen aufnimmt. Wir haben die Er- fahrung gemacht, dass man nichts als selbstverständliches Wissen voraussetzen darf, sagt Maier. Man kann daher auch nicht davon ausgehen, dass jemand, der seit Jahren nicht mehr oder vielleicht noch nie in seinem Leben gearbeitet hat, davon überzeugt ist, dass Arbeit Sinn stiftend sei, ergänzt Roitner. müssen. Diese Spannung und diese Unterschiede muss man erst einmal aushalten. Das heißt für uns in unserer Arbeit, dass wir immer auch die jeweiligen Familiensysteme in unserer Beratung mitberücksichtigen müssen, sagt Roitner. Arbeit und Arbeitslosigkeit Oft verfügen KlientInnen zudem über keine sozialen Systeme, weder Institutionen noch private, die ihnen helfen könnten, Informationen zu bekommen und aus ihrer Situation herauszukommen. Wir sehen oft auch soziale Verwahrlosung und müssen auf dem Weg zum Job zunächst diese Problematik lösen. Manchmal steht daher auch das äußere Erscheinungsbild im Mittelpunkt des sozialarbeiterischen Beratungsprozesses. Nägel, Haare, Körperpflege. Ein großes Thema: die Zähne. Es ist unmöglich, ohne Zähne oder mit desolatem Gebiss einen Job zu finden, bringt es Projektleiterin Roitner auf den Punkt. Es reicht aber nicht, KlientInnen zu empfehlen, sich die Zähne richten zu lassen. Hier arbeiten wir stark an der Motivation und auch daran, die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen. Ist das einmal geschafft, gilt es, das nächste Problem zu lösen: die Finanzierung. Aufwändige Zahnbehandlungen kosten Geld und werden nur zum Teil von den Krankenkassen bezahlt. Wir wenden uns daher auch an private Vereine. Beispiel: traditionelles Rollenbild. Frauen mit Migrationshintergrund leben noch häufig In ihrem Heimatland als Hausfrau und dürfen aufgrund traditioneller Kulturvorstellungen des Ehemannes oder ihres Umfeldes keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Kommt es dann aber zu einer Änderung der Lebenssituation in Österreich, stehen Frauen vor einer völlig neuen Situation. Um soziale Hilfe zu bekommen, heißt es auf einmal nicht nur, dass sie arbeiten dürfen, sondern dass sie arbeiten Wie man ein Bewerbungsschreiben richtig formuliert und ein Bewerbungsgespräch erfolgreich absolviert, ist daher bereits eine High-End -Kompetenz, die in vielen Fällen erst am Ende des einjährigen Coachingprozesses von step2job steht. Man könnte auch sagen, zuerst müssen die step2job Beraterinnen und Berater Sozialarbeit betreiben, damit die vielschichtigen Barrieren, die man unter dem Begriff Arbeitsmarktferne subsumiert, überwunden werden. Oft ist ein Jahr zu kurz, um soziale Kompetenz und Wissen für die erfolgreiche Jobsuche zu vermitteln, sagt step2job Beraterin Maier. Selbst im niedrigschweiligen Jobmarkt, der wenig Ausbildung verlangt, ist es derzeit schwierig, einen Job zu finden. Denn die Arbeitsmarktsituation ist nicht rosig. In der Produktion gibt es derzeit kaum Stellen, in der Reinigung werden meistens nur Frauen akzeptiert. Jede 8

9 Aus den Projekten 2012 aktuell Firma will Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit perfekten Deutschkenntnissen, der Abwäscher ist als Job meist nicht heiß begehrt. Berufserfahrung ist immer erwünscht. In der Regel gilt: Man muss hartnäckig sein, lästig bleiben. Kein(e) BeraterIn lässt sich durch ein erstes Nein entmutigen, wenn sie bei einer Firma anruft, um ihre Klientinnen und Klienten bei der Bewerbung zu unterstützen. Wir versuchen auch immer wieder Jobs aus dem verdeckten Arbeitsmarkt zu vermitteln, der ja In Wirklichkeit größer als die ausgeschriebenen Stellen ist, sagt step2job Beraterin Maier. Viele Klientinnen und Klienten orientieren sich auch an Jobs, die es in ihrem Bekanntenkreis gibt und wollen diesen und keinen anderen. Unsere Aufgabe ist es, auch andere Möglichkeiten aufzuzeigen und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Weiterbildung ist daher bei step2job ein großes Thema, Ausbildungen zur Heim- oder Kindergartenhelferin, das sind Berufe, die für Frauen oft in Frage kommen. Männer entscheiden sich oft für Berufe wie Chauffeur oder Taxifahrer, oder sie machen den Staplerschein, eine Voraussetzung für viele Tätigkeiten. Diese Ausbildungen werden nach Empfehlung der step2job Beraterinnen und Berater seitens des AMS finanziert. Wenn es einmal soweit ist, sind die ersten Hürden bereits genommen. Das multiprofessionelle step2job Team aus PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, JuristInnen und PädagogInnen 2012 hat dann bereits gemeinsam mit seinen Klientinnen und Klienten die Problemlage in überschaubare Teilprobleme aufgesplittet, Ziele gesetzt und Lösungskonzepte auf Schiene gestellt. Das heißt freilich noch nicht, dass ein fixer Job am Ende des einjährigen Coachingprozesses die Regel wäre. Die Vermittlungsquote beträgt bei step2job. Insgesamt 26,2%, 18,7% am ersten Arbeitsmarkt, 7,5% am zweiten, 9,2% der vermittelten Personen behalten ihren Job. Aber es gibt auch erfolgreiche Beispiele: ein Langzeitarbeitsloser, der nach 15Jahren Arbeitslosigkeit einen 40-Stunden-Job als Portier bekommen hat. Oder ein 34 Jähriger, der zuerst berufsunfähig war und nach drei Monaten einen Teilzeitjob bekam. Der Traumjob für Viele wäre natürlich bei der MA 48, aber bis jetzt haben wir noch niemanden dorthin vermitteln können. Auch wenn der Erfolg nicht immer sofort in Form eines Jobs sichtbar wird: Verbesserungen in der Lebenssituation bringt das step2job Programm auch für jene, die noch keinen fanden. Es kommt die Motivation, es steigt das Selbstwertgefühl. Für viele unserer Klientinnen und Klienten war unsere Beratung das erste Mal, dass sich jemand mit ihnen intensiv auseinandersetzte. Nach dem Betreuungsjahr durch das step2job Team sehen daher viele erstmals Licht am Ende des Tunnels, selbst wenn es mit dem Job noch nicht geklappt hat. Das merken wir auch am Verhalten. Die Verbindlichkeit steigt, Termine werden pünktlich eingehalten, man Ist motiviert, sein Leben zu ordnen und wieder auf die Reihe zu kriegen. S tützende, T olerante, E ngagierte, P ersönliche und 2 fellos J oborientierte O ptimale B eratung Kristina Kokta Diese Erfahrung machen Roitner und das step2job Team immer wieder. Ich habe in meinem Berufsleben schon mit vielen schwierigen Klientinnen und Klienten gearbeitet. Aber keine andere Gruppe war so dankbar für die Hilfe wie die Im step2job Programm. Und das ist ein Grund, der auch uns motiviert weiterzumachen. Mehrfachproblematiken sind die Regel Die Evaluation von step2job zeigte eines: Drei von vier Personen, die an step2job teilnehmen, leiden an einer sogenannten Mehrfachproblematik. Das heißt, die häufigsten Probleme, mangelnde Deutschkenntnisse (54%), Wohnungsproblematiken (34%), Schulden (34%) und Gesundheitsprobleme (41%) treten in Kombination auf. Der Evaluationsbericht zeigte auch eines: Die Hälfte aller Klientinnen und Klienten verfügt nur über einen Pflichtschulabschluss. Doch auch Personen mit höherer Bildung sind im Programm: Ein Fünftel verfügt über eine Matura. Immerhin ein Zehntel über einen Universitätsabschluss. 9

10 Aus den Projekten 2012 aktuell Was step2job bietet: Neben dem individuellen Einzelcoaching über ein Jahr, gibt es für Klientinnen und Klienten in Kooperation mit dem AMS ein flexibles Gruppenangebot: zum Beispiel Sprachkurse, Telefontraining, Workshops für das Vorstellungsgespräch sowie Workshops zum Thema Sinn der Arbeit. Viele, die noch nie gearbeitet haben, wissen nicht, in welch großem Ausmaß Arbeit Sinn stiften kann, sagt Projektleiterin Sabine Roitner. Was step2job nicht bietet: Manche step2job Klientinnen und Klienten sind enttäuscht, wenn sie erfahren, dass step2job keine Jobs zur Verfügung stellt, sondern nur bei der Suche hilft. Zwar gibt es ein paar Firmen, die auch immer wieder Infoveranstaltungen bei uns im Hause machen, sagt Roitner. Zum Beispiel Versicherungen, Unternehmen aus der Gastronomie oder Reinigungsfirmen. Aber wir haben keine eigene Unternehmensdatei, in der wir nach Jobs Ausschau halten könnten. Case Management: Insgesamt nimmt step2job in Österreich eine Vorreiterrolle ein. Zugute kommt dem Case Management-Ansatz des Arbeitsmarkt-lntegrationsprogrammes, dass es in Wien eine ausgebaute soziale Infrastruktur gibt. Wir kooperieren mit vielen sozialen Einrichtungen der Gemeinde Wien, wie Schuldnerberatung oder Wohnungslosenhilfe, aber etwa auch mit Frauenhäusern, wenn wir von aktueller Gewalt erfahren. Vor allem mit dem AMS und der MA 40 gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit. Gewährleistet wird ein erfolgreiches Hilfesystem durch regelmäßige Koordinierungstreffen und ständigen Kontakt und Austausch mit den Sozialzentren und den Regionalen Geschäftsstellen des AMS Wien (MA 40 Schlachthausgasse und AMS Esteplatz). Motivation für Neues Klientinnen und Klienten von step2job erzählen: Die Schüchternheit überwinden Frau P. stammt aus Tschechien und hat keine Sprachprobleme mehr. Aber die Schüchternheit sei ihr in manchen Situationen ein Problem. Deshalb habe sie nach dem letzten Bewerbungsgespräch auch den Job nicht bekommen. Ich bin zu schweigsam gewesen. Gemeinsam mit step2job Beraterin Monika Maier analysiert Frau P. im Beratungsgespräch die Situation und erarbeitet eine neue Strategie. Mehr auf Fragen eingehen, von sich und der Jobmotivation erzählen, auf die Körperhaltung achten. Jetzt will Frau P. einen Workshop besuchen, damit sie lernt sich richtig zu verhalten. Motivation auch im Alter Herr M. ist gerade 60 Jahre alt geworden und hat eben das step2job Programm beendet. In der Woche war er an drei bis vier Tagen pro Woche in Seminaren und Workshops. Er habe sich weitergebildet, viel Neues erfahren und viel gelernt. Ich bin motiviert, einen Job zu finden, sagt der ehemalige Großhandelskaufmann. Sein Alter störe ihn dabei überhaupt nicht. Ich will nicht in Pension gehen. Ich möchte noch einmal das Ruder herumreißen. Offen spricht er seine Zahnlücken an. Ja, die gehören endlich gerichtet und jetzt ist endlich auch die Finanzierung gesichert. Ich freu mich auf die neuen Zähne, die Behandlung hat schon begonnen. Herr M. sagt, bei step2job habe er seinen Lebensmut zurückgewonnen. Ich finde es schade, dass dieses Jahr vorbei ist. Jetzt hoffe ich, dass endlich einmal eine Bewerbung funktionieren wird. Raus aus der Depression Frau W. hat zwei Töchter, ist Alleinerzieherin und hat bis vor Kurzem noch ihren Vater gepflegt. Jetzt, nach seinem Tod, wolle sie unbedingt wieder einen Job finden. Noch muss ich mich um die Kinderbetreuung kümmern, aber ich bin mir sicher, ich schaffe es, sagt die 33 Jährige. Das war freilich nicht Immer so. Zuhause bin ich schon depressiv geworden, habe mich zurückgezogen. Erst mit step2job änderte sich das. Da habe ich begonnen, einen neuen Plan zu entwickeln. Mit der Motivation kamen auch neue Ideen. Jetzt beginnt Frau W. mit der Ausbildung zur Heimhelferin. Dr. Norbert Regitnig-Tillian, freier Journalist Wiener Sozialbericht

11 Aus den Projekten 2013 aktuell Jugendcoaching JUGENDCOACHING JUGENDCOACHING Mit startete das vom Sozialministeriumservice (früher Bundessozialamt) geförderte Projekt Jugendcoaching in gesamt NÖ, das zum Ziel hat, ausgrenzungsgefährdete oder ausgegrenzte Jugendliche (sogenannte NEETs Not in Education, Employment or Training) im Alter zwischen 15 und 19 Jahren sowie junge Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen Meine bis Chance 24 Jahren wieder an für das die Schul- Zukunft bzw. Berufs-Ausbildungssystem heranzuführen. Stefan Schmid begleitet seit Februar 2014 im Weinviertel und im Industrieviertel unsere Jugendlichen, also alles südlich von Wien, teilen sich seit 2013 Waltraud Schober und Thomas Mörth. NEBA ist eine Initiative des Sozialministeriumservice Gefördert von: Um die Jugendlichen im gan- DEU zen Landesgebiet neba.at/jugendcoaching von NÖ zu erreichen, gibt es Regionen, in denen eine/ein Jugendoach zuständig ist: Andrea Wiesinger betreut seit Februar 2014 das gesamte Waldviertel. Kurt Königsberger, seit Beginn dabei, arbeitet im Mostviertel. Martin Pilz, ebenfalls seit Jänner 2013 im Team, ist für die Regionen um Krems, Tulln und Korneuburg zuständig. Sonja Schmidinger coacht seit Anfang Mai in St. Pölten und hat die Stelle von Dima Vaneva übernommen. Um sehr gut auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eingehen zu können und sie wirklich dort abzuholen wo sie sind, müssen alle im Team von PL Alexandra Friedhuber fast täglich mit Auto und/oder Öffis unterwegs sein. Unsere (Erfolgs) Zahlen: Gesamt 2013 bis Betreute Jugendliche Büros + Räume f. Coachings 19 Standorte 24 Standorte Vernetzungspartner ca. 250 ca. 300 Gefahrene km mit Öffis rund rund Gefahrene km mit PKW ca ca

12 Aus den Projekten 2013 aktuell Im Osten was Neues Beratungs- und Betreuungseinrichtung Arbeitsplatzcoaching Gefördert aus Mitteln des: Rückenwind Ein neuer Wind zieht durch Wien: der FAB-Rückenwind. Was steckt hinter diesem Namen? Alexandra Lobinger und ihr Team haben sich als Ziel gesetzt, den Arbeitsplatz von Menschen, die in ihrer Vergangenheit immer wieder mit Kündigungen und massiven Problemen im Job zu kämpfen hatten, nachhaltig zu sichern. Es geht also um Arbeitsplatzcoaching. Alle KundInnen von Rückenwind müssen daher bereits in einem Dienstverhältnis stehen oder eine entsprechende Zusage haben. In weiterer Folge wird vom Arbeitsplatzcoach ein Coachingplan erstellt und in einer gemeinsamen Analyse werden mögliche Problemfelder geortet. Es gibt nun keinen vorbestimmten Weg, in welche Richtung sich das Coaching entwickeln kann, aus welcher Richtung sozusagen der Wind bläst. So wird von Rückenwind unter anderem Arbeitsplatzentwicklung, Mediation direkt im Unternehmen, Case Management, Persönlichkeitsentwicklung aber auch Ernährungsberatung oder Freizeitgestaltung im Sinne einer Work-Live-Balance angeboten. Arbeitsplatzcoaching Rückenwind soll auch für einen gewissen Zeitraum ein Sicherungsseil für die KundInnen darstellen. 250 Personen haben derzeit die Möglichkeit. dieses Pilotprojekt zu nutzen. Der Servicegedanke wird groß geschrieben im Team von Rückenwind. Dazu zählt auch, dass ein Großteil der Beratungen außerhalb der Büroräume stattfindet. Kurz gesagt: Frische Energie mit Rückenwind! InTeam, 04/ Jahr Diogenes Dialog zweier BBE Diogenes Beraterinnen BBE zur Bildungsbegleitung Diogenes BBE Beraterin: Eigentlich können wir schon auf ein erfolgreiches Jahr seit dem Start im April 2013 vom Projekt Diogenes zurückblicken. Das Projekt hat sich schnell weiterentwickelt, um sich den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen anzupassen. Sechs BeraterInnen, eine Projektleiterin, eine Projektassistentin und ein Lernbüro, in dem Vorbereitungen für Aufnahmeverfahren und Lernunterstützung angeboten werden, tun ihr Bestes um die TeilnehmerInnen so gut wie möglich zu unterstützen. Kannst du dich noch an deine/n erste/n TeilnehmerIn erinnern? Maler und Anstreicher antreten könnte. Seine berufliche Zukunft stellte er sich auch in diesem Bereich vor. Gemeinsam sammelten wir alle seine Dienstzeugnisse und organisierten einen intensiven und längeren Vorbereitungskurs, da seine berufliche Praxis doch schon ein wenig zurück lag. Diesen hat er auch absolviert, schaffte jedoch aufgrund persönlicher Probleme die Lehrabschlussprüfung nicht. Gemeinsam versuchen wir nun die Steine in seinem privaten Umfeld aus dem Weg zu räumen, damit er den Wiederholungstermin im Herbst gut schafft. Dann hat er sein Ziel erreicht. Sag, an welchen/e TeilnehmerIn kannst du dich jetzt spontan erinnern? BBE Beraterin: Stimmt, jetzt wo du es sagst. Mein erster Teilnehmer, Herr J., knapp 30, kam ziemlich planlos zu mir. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er aufgrund seiner bisherigen Lehrzeiten und Berufserfahrungen bereits zur Lehrabschlussprüfung als BBE Beraterin: An Herrn B., 28 Jahre alt. Herr B. kam anfangs sehr unregelmäßig zu seinen Beratungsterminen sowie ins Lernbüro, sodass auch ein Hausbesuch nötig war, um mit Herrn B. ein klärendes Gespräch zu führen, wohin er in Zukunft nun weiter wolle. Es stellte sich heraus, dass er Wohnungsprobleme sowie 12

13 Aus den Projekten 2013 aktuell Probleme in der Familie hatte, die ihn daran hinderten, eine Ausbildung anzufangen, durchzuhalten und abzuschließen. Sein Glaube an sich war kaum vorhanden, er sagte sich auch immer wieder selber, dass er das alles nicht schaffen werde. Ich kann mich noch erinnern wie wir BeraterInnen uns immer wieder zusammengesetzt und besprochen haben, wie wir ihn weiter motivieren können, sodass auch wir an unsere Grenzen gestoßen sind. Aber siehe da, es hat sich ausgezahlt, Herr B. hat die Vorselektion in der Grundausbildung Metall/Elektro gut bestanden und ist nun in der Fachausbildung. Es zahlt sich gerade bei unserer Zielgruppe aus einen intensiven persönlichen Kontakt herzustellen, geduldig daran zu arbeiten und Rahmenbedingen zu schaffen, in denen sich die Personen auf die Ausbildung konzentrieren und lernen können. Die Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung FIA Metall/Elektro dauert 2 Monate, wobei der Anfang doch von Skepsis des Teilnehmers mir gegenüber geprägt war, der sich nach und nach gebessert hat. Der Zeitpunkt, an dem das Vertrauen auch wirklich gegeben war, war der, als er die Aufnahmeprüfung bestanden hat. Seitdem kommt er auch regelmäßig bei Lernproblemen ins Lernbüro. Was war dein größter Erfolg? mit dem hin und wieder (so wie sie sagte) gewalttätigen Freund, der Geldnot und ihrer Depression. Das war keine leichte Zeit für sie. Wo es ging, versuchte ich sie zu motivieren und ihr Hilfestellungen anzubieten, damit sie nicht aufgab. Nach 4 Monaten kehrte sie aus dem Krankenstand zurück. Nun arbeiten wir an ihrer Ausbildung im Einzelhandel, und sie kämpft dafür, auch wenn sie ein großes Packerl (so wie man sagt) zu tragen hat. Das ist einer meiner größten Erfolge bzw. der Erfolg meiner Teilnehmerin. Natürlich neben den erfolgreichen Lehrabschlüssen. Sag wie viele haben wir jetzt eigentlich schon? BBE_Beraterin: Summa summarum sind es 15 Lehrabschlüsse. Bedenkt man die meist schwierigen Rahmenbedingungen der TeilnehmerInnen ist dies eine gute Zahl, die uns positiv in die Zukunft blicken lässt. Viele TeilnehmerInnen erkennen schon innerhalb der ersten Monate der Ausbildung den Mehrwert der ihnen durch die Ausbildung zukommt. Die TeilnehmerInnen beginnen stolz auf sich zu sein, eine Ausbildung machen zu können und auch erfolgreich abzuschließen. Dies stärkt zumeist ihr Selbstvertrauen, sodass man die TeilnehmerInnen meist nach der abgeschlossenen Ausbildung kaum wiedererkennt. Sie freuen sich, sind stolz auf sich und stehen nach der Ausbildung der Jobsuche positiver gegenüber. Nicht umsonst stammt der Name des Projekts von einem Mann namens Diogenes von Sinope. Dieser betrachtete als wertvollstes Gut sein Wissen, welches ihm niemand nehmen konnte. Auch wir bei der BBE Diogenes sehen Lernen als Chance. BBE Beraterin: Das war Frau I. Nach zunächst gutem Betreuungsbeginn und Planung ihrer Ausbildung folgte ein gesundheitlicher Rückschlag. Dadurch war sie für mich aufgrund des Krankenstandes nur noch telefonisch erreichbar. Zusätzlich zu dem Unfall, der sie in den langen Krankenstand zwang, hatte sie Probleme 13

14 Aus den Projekten 2014 aktuell FABLine hebt ab Call Center FABLine FAB Works ist ein vom Bundessozialamt Steiermark gefördertes Projekt und beschäftigt Menschen mit Beeinträchtigung für zwei Jahre mit dem Ziel, durch Qualifizierung in den Bereichen Call Center und Back Office den Einstieg in einen neuen Job zu ermöglichen. Das Call Center entstand im Jahr 2001 mit vier Arbeitsplätzen und konnte auf 29 Arbeitsplätze ausgebaut werden. Diese Personalaufstockung war nur möglich, weil Auftraggeber UNITO Versand & Dienstleistungen GmbH mit der Arbeit von FAB Works in höchstem Maß zufrieden war. Eine Auftragserweiterung durch UNITO um zusätzliche 26 Arbeitsplätze bildet die Grundlage für den Start des SÖB FABLine in Wien, gefördert vom AMS Wien. Zur Zielgruppe in Wien zählen Personen mit diagnostizierten gesundheitlichen Einschränkungen, deren Ansuchen auf lnvaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension abgelehnt wurde, sowie Personen mit einer langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und fehlender bzw. mangelnder Arbeitserfahrung, die im Rahmen einer gesundheitlichen Rehabilitation eine berufliche Wiedereingliederung in dem ersten Arbeitsmarkt anstreben. FABLine bietet neben der Qualifizierung in den Bereichen Call Center und Back Office ein Programm zur Gesundheitsförderung, welches u.a. eine arbeitsmedizinische Abklärung, Gesundheitscoaching, Entspannungstraining, Ergotherapie oder Physiotherapie beinhaltet. Ziel ist die Verbesserung der gesundheitlichen Situation, die Erlangung von mehr Wohlbefinden, eine praxisnahe Qualifizierung und nach maximal einem Jahr Beschäftigungsdauer die Vermittlung auf Stellen des regulären Arbeitsmarkts. Sabine Roitner und David Oshijo als Projektverantwortliche werden ab März gemeinsam mit einem Team aus 4 FachbetreuerInnen und einem/r GesundheitspädagogIn abheben. InTeam, 01/

15 Aus den Projekten 2014 aktuell Zentrum für Kompetenz und Erfahrung ZKE Beratungs- und Betreuungseinrichtung für Personen ab 50 Zentrum für Kompetenz und Erfahrung Konzept und Umsetzung der seit 2006 bestehenden Aufsuchenden Beratungs- und Betreuungseinrichtung MON- SUN für Menschen mit physischen und/oder psychischen Einschränkungen unter der Leitung von Claudia Schuschu waren die Grundlage für die erfolgreiche Bewerbung und Präsentation des FAB beim AMS Wien für das Zentrum für Kompetenz und Erfahrung ZKE mit einem Kontingent von 2000 Personen. Zur Zielgruppe zählen beim AMS Wien arbeitslos gemeldete Personen im Alter von 50+, jene Personengruppe, bei der die Arbeitslosenquote im Jahresvergleich in Wien um über 25% angestiegen ist. 30% der TeilnehmerInnen sollen innerhalb eines durchschnittlichen Betreuungszeitraumes von 6 Monaten in den 1. oder 2. Arbeitsmarkt vermittelt werden. Dem Zentrum für Kompetenz und Erfahrung kommt ebenso eine Koordinations- und Drehscheibenfunktion zu. Über eine optimale Vernetzung zu allen arbeitsmarktpolitischen Angeboten für Personen 50+ (SÖB, SÖBÜs, Bildungsangebote, andere BBEs) ist es die Aufgabe des ZKE, allen TeilnehmerInnen jeweils das passendste und geeignetste Angebot zukommen zu lassen und die TeilnehmerInnen entsprechend kompetent weiter zu vermitteln. Im ZKE wurde ebenso ein Kursangebot implementiert, in dessen Rahmen die TeilnehmerInnen eine Vielzahl von Workshops besuchen können. Im Angebot befinden sich Deutsch- und EDV-Workshops ebenso wie zielgruppenspezifische Workshops zu Themen wie beispielsweise Gesundes Altern, Vorteile und Barrieren für Ältere am Arbeitsmarkt, Umgang mit neuen Medien u.v.m. Unter der Projektleitung von Julia Gaisrucker-Döllerer und Claudia Spitznagel hat das ZKE mit 01. Juni 2014 erfolgreich gestartet und beschäftigt mit Anfang August bereits 2 Projektassistenzen, 8 BeraterInnen, 2 Workshoptrainerinnen sowie 2 Akquise-Beauftragte. Im Endausbau bis November 2014 werden im ZKE 30 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt sein. 15

16 InTeames Mache auch Hausbesuche oder Das Haus an der Laaerbergstraße Der Lenker des Lastkraftwagens rückt seinen breitgesessenen Hintern auf seinem gefederten Sitz zurecht. Der Franz ist heute früh aufgestanden, eine weite Reise liegt vor ihm. Sein 30 Tonnen schwerer Lastzug donnert bereits über die Südost-Tangente, Wiens sechsspurige Stadtumfahrung, auf welcher der Verkehr nie zum Erliegen kommt. Nach einer Biegung eröffnet sich die Sicht auf einen Tunnel direkt unter den, entweder völlig schmucklosen oder architektonisch überkandidelten, jedenfalls auf dem Reißbrett entstandenen Bauten Favoritens. Natürlich gewachsene Stadtteile sehen anders aus. Hier, im berühmt-berüchtigten 10. Wiener Gemeindebezirk, scheint es, als wäre die Gegend jahrzehntelang stadtplanerisch vernachlässigt worden und eine Horde wohlmeinender wie kreativer Architekten hätte mitleidig ihr Bestes gegeben, um alles noch schlimmer zu machen. Ein kurzer Blick des müden Truckers nach oben hätte gereicht, um das Gebäude zu sehen, kurz bevor sein Laster in die von Neonleuchten aufgehellte Dunkelheit des Laaerberg(er)Tunnels rast. Doch selbst wenn sein Blick das mit einer gläsernen Lärmschutzwand gepanzerte Bürogebäude gestreift hätte es würde wohl keinen besonderen Eindruck hinterlassen. Unscheinbar ist es, das Gebäude zwischen der schnurgeraden Laaerberg-Straße und der Südost-Tangente. Mithalten kann es weder mit den bunten Plastikbalkons der unecht anmutenden Wohnblocks, noch mit der Größe der Porr-Zentrale, die in Richtung Himmel aufragt. Doch was ihm an optischer Eleganz fehlt, macht es mit den Vorgängen innerhalb ganz still und leise wett. Beslan Groznaev lehnt an einem mit Computerbildschirmen gesäumten Tisch in einem der zahlreichen Seminarräume des FAB Wien. step2job heißt das Projekt, zu dem er vom AMS geschickt worden ist. Gedankenverloren blickt er von hier oben, es ist der 5. Stock, hinunter auf die endlose Verkehrskolonne, die unter dem Gebäude verschwindet. Besonders die Lastwägen ziehen seine Blicke an. Böse Erinnerungen erwachen plötzlich in ihm. Erinnerungen von Männern in Uniform und Sturmhauben, die aus Lastwägen springen, Waffen, Geschrei, Hände hoch, ein Knall Seine begonnene Ausbildung musste er abbrechen, nur die wichtigsten Dokumente konnte er noch ergattern. Nur weg, raus, woanders kann es nur besser sein. Nach einer Irrfahrt durch die Ukraine und Ungarn in Österreich angekommen, stellte er eines schnell fest: Was man hier braucht, ist eine Ausbildung, die über die Gesamtschule in Tschetschenien hinaus geht, gute Kenntnisse der deutschen Sprache, Urkunden, Zertifikate, Bescheide. Nur jung, kräftig und handwerklich talentiert zu sein - das reicht hier nicht. In dem Deutschworkshop, den ihm seine Beraterin vor einigen Tagen freundlich aber bestimmt nahe gelegt hat, hat er Bekanntschaften geknüpft. Mit den anderen Tschetschenen versteht er sich sehr gut, die beiden Somalis beäugt er eher skeptisch. Doch in den Gesprächen vor und nach dem Workshop wird klar, dass er, Beslan, mit seinen Problemen nicht der Einzige ist. 50% der genau 883 Projektteilnehmer haben keine berufsrelevante Ausbildung. Über ein Viertel, so sagt man sich, hat noch nie im Leben gearbeitet. Beslan reißt sich von seinen Gedanken los und geht Richtung Tür. Die Pause wird gleich vorbei sein, er braucht einen Kaffee. Der Gang des 5. Stockwerks bietet ihm ein mitunter skurriles Schauspiel. Zwei mit Kopftüchern verhüllte Frauen lesen die Kronenzeitung, ein dunkelhäutiger junger Mann mit Dreadlocks angelt sich ein Cola aus dem Automaten, zwei ältere Männer in Hemden und schwarzen Schuhen zeigen feixend ihre Zahnlücken, ein kleiner Bub zeichnet unter dem wachsamen Blick seiner in bunte Gewänder gehüllten Mutter ein Mandala auf ein Blatt Papier. Mehr als die Hälfte der TeilnehmerInnen des Projekts step2job haben Migrationshintergrund. Sie kommen aus der Türkei, Somalia, Tschetschenien, Nepal, haben weite und beschwerliche Reisen aus dem Irak, dem Kosovo oder dem Iran hinter sich. Beslan schüttelt den Kopf ob der vielen Ausländer. Tschetschenen sind ja ehrbare Menschen, aber gar so bunt kann es ja wohl nicht zugehen. Just als er sich den Kaffee aus der Maschine ziehen will, betritt eine junge Frau im Laufschritt den Gang. Beslan hat sie schon öfter gesehen, sie muss hier arbeiten, mit der muss man es sich gut stellen. Schönen guten Morgen, grinst er. Der Tag hat früh begonnen. step2job Projektleiterin Sabine hat sich ihren Tageslichtwecker auf 5:30 Uhr gestellt, es ist ein weiter Weg nach Favoriten. Mit der U-Bahn zum Reumannplatz, vorbei am Victor-Adler- 16

17 InTeames Markt, auf dem rechtspopulistische Politiker ihre bestbesuchtesten Veranstaltungen abhielten, bis der Stephansplatz herhalten musste. Vorbei an den so bunten wie menschenfeindlichen Bauten, rauf in den 5. Stock, die Karte piepst, die Türe zum Gang wird aufgerissen. Ein alter Tschetschene am Kaffeautomaten. Morgen, morgen murmelt sie beiläufig. Sabine eilt vorbei am ersten Zimmer, das von 3 Kollegen geteilt wird, die bereits an der Arbeit sind. Einer davon, ein junger Vollblutsozialarbeiter, schreit schon pflichtbewusst in sein Diensthandy. Nein Frau Dagestanova, Sie verstehen mich falsch. Ich frage Sie, ob Sie bei dem Vorstellungsgespräch waren. Vor-Stellungs-Gespräch. Bei der Personalfirma. Bei der Fir-Ma, Frau Dagestanova. Aber warum denn nicht, wir haben das doch das letzte Mal abgesprochen? Sie haben gesagt Sie wollen das, Frau Dagestanova! Sabine beachtet die KollegInnen nicht. Schon gar nicht vor dem ersten Kaffee. Sie geht zu ihrem Schreibtisch, dreht den Computer auf und drischt mit einer Schere auf die wehrlose Maschine ein. Wackelkontakt. Sie lässt sich in den Sessel plumpsen und öffnet die KlientInnen Datenbank. Schauen wir, ob der heute wirklich zu dem Termin. Ein schmales Frauengesicht mit bleichen Lippen schaut bei der Türe herein. schuidign, i hob do vom A Em Es a so an Zeedl krieagt. Wo muas i d n do hie? Seufz. Warten Sie, ich zeige es Ihnen! Christine ist es nicht egal, was die anderen über Sie denken. Früher war es das einmal. Der betäubende Rausch halft ihr damals nicht nur über ihre Probleme hinweg, er machte sie auch erhaben über die ganzen Spießer, die sauberen, braven Leute, die pünktlich zur Arbeit gehen und ihr kleines, langweiliges, geordnetes Leben leben und keine Ahnung von der Straße haben. Keine Ahnung von einer Parallelgesellschaft, mit Knotenpunkten am Karlsplatz, dem Stadtpark, am Donaukanal und beim Spritzentausch. Man muss Leute kennen, darf nicht den Falschen vertrauen, hart bleiben, sich nicht verarschen lassen. Man eignet sich einige Skills an in dieser Gesellschaft. Welche Pulver verschreibt einem der Arzt. Mit welchen kann man sie kombinieren. Wie fährt was am besten? Und wo bekommt man das richtig g scheite Zeug her? Irgendwann war es dann aus. An das Krankenhaus kann sich Christine nur wenig erinnern, an das ekelhafte Metadon schon eher. Zum Glück gibt es heutzutage bessere Ersatzstoffe, die ihren Körper täglich davon abhalten in eine Welt aus imaginiertem Schmerz und kaltem Schweiß einzutauchen. Eine angeschlagene physische Verfassung ist bei Missbrauch harter Drogen leider meist inklusive. Über 40% im Projekt geben unterschiedlichste gesundheitliche Probleme an, die eine Integration in den Arbeitsmarkt, zusätzlich zu anderen Schwierigkeiten, erschweren. Mehr als ¾ aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben mit nicht nur einer Problematik zu kämpfen. Heute ist Christine nicht mehr erhaben über die Spießer. Sie bemerkt die abschätzigen Blicke in der U-Bahn und in Warteraum des Arbeitsprojekts. Sie ist nervös. Heute ist ihr erster Tag bei step2job. Der AMS-Berater, Name keine Ahnung, hat ihr wohl erklärt, worum es dabei geht, leider war sie etwas unkonzentriert, wie so oft. Oder hat er sie einfach nur wortlos hingeschickt? Obwohl Sabine versucht, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, kann sie sich die Problematik der jungen Dame vorstellen. Oft gesehen, oft erlebt. Die meisten der TeilnehmerInnen mit Suchtproblematik nehmen keine Hilfe in Anspruch. Konzentrations- und Schlafstörungen, schwache physische Konstitution und manchmal Beikonsum, machen Arbeitssuche zu einer absurden Idee, Integration in den Arbeitsmarkt zu einer Illusion. Aber sie hat auch gelernt, dass alle Menschen verschieden sind, obwohl die Problematiken sich gleichen. Manche sind härter im Nehmen, manche gehen ein. Die 30% Vermittlungsquote zu erreichen, ist mit dieser Art Problematik kein Zuckerschlecken. Nachdem die zaundürre junge Dame im richtigen Büro abgeliefert wurde, schaut Sabine beiläufig im scheinbar leeren Bewerbungsbüro vorbei. Meistens finden hier Workshops statt, von Telefontraining über Arbeitssuche Intensiv bis hin zu dem Beauty Workshop für Damen jeden Alters. Als sie um die Ecke biegt, sticht ihr auf dem Monitor des hintersten Computers gerade noch rechtzeitig das Videobild einer Frau in fragwürdiger Pose ins Auge. Der junge Mann vor dem PC schrickt auf und schließt mit einem Klick das Fenster. Pornos schauen können S zu Hause, dafür ist der Raum hier 17

18 InTeames nicht gedacht!, keift sie und stampft aus dem Zimmer. Das dürfte gesessen haben. Das Talent, das TeilnehmerInnen mitunter an den Tag legen, um die Firewalls und Site-Blocker zu umgehen ist manchmal wirklich faszinierend. Als sie zu ihrem Zimmer zurückkommt, wird sie bereits erwartet. Eines ihrer insgesamt 10 Teammitglieder scheint ein dringendes Mitteilungsbedürfnis zu haben. Noch bevor die step2job Leiterin ihren Sessel erreicht hat, bricht ein Wortschwall aus der MBBE-Beraterin hervor, der seinesgleichen sucht. Sabine lauscht skeptisch, als sich die Eckpunkte der Geschichte herauskristallisieren. Keine Wohnung, Übergangswohnheim Gänsbachergasse, ungefähr EUR Schulden. Leider keine Seltenheit im Projekt. Ca. ein Drittel der TeilnehmerInnen haben einen unübersichtlichen Schuldenberg angehäuft, oft wissen sie gar nicht wie viel, ca. dieselbe Zahl gibt an, eine nicht zumutbare Wohnung oder schlimmer gar keine Wohnung zu haben. Die Notschlafstellen und Übergangswohnheime der Stadt Wien sind ihr Zuhause. Nach der Psychohygiene-Sitzung bei der Chefin eilt Beraterin Maria zurück in ihr Büro, um sich ihren Mantel zu holen. Ein Hausbesuch steht an. Wir machen auch Hausbesuche, hatte sie vor rund 2 Monaten einem neuen Teilnehmer erklärt. Dieser ward seither nicht mehr gesehen, also wird er an seiner Meldeadresse aufgesucht. Ein eisiger Wind heult durch die Straßen Simmerings. Keine Menschenseele weit und breit zu sehen. In Reih und Glied ragen 15-stöckige Gemeindebauten wie riesige Stalagmiten in den dunklen, wolkenverhangenen Himmel auf. Die Busstation ist verwaist; das einzige Zeugnis menschlichen Lebens ist das mit einem Hakenkreuz überschmierte Plakat des väterlichselbstbewusst lächelnden Bürgermeisters. Hier gibt es keine Lokale oder Geschäfte, nicht einmal eine Tankstelle oder eine Trafik. Nur Straßen, geparkte Autos, weggeworfene Plastiksackerln und Dosen und Gemeindebauten. Maria zieht sich ihre Haube ins Gesicht und kämpft sich an einer flackernden Straßenlaterne vorbei in Richtung Stiege 12. Wohl ist ihr nicht in ihrer Haut. Ein gut gebauter Mann Mitte 40 öffnet die Türe. Gut gekleidet, Haare gestylt, einladendes Lächeln. Gernot scheint erfreut, dass er Besuch bekommen hat. In die Wohnung will er die Beraterin nicht lassen. Reden will er schon: Er erzählt von der geplanten Erneuerung des japanischen Kaiserreiches, mit leuchtenden Augen berichtet er über sein gutes Verhältnis zu Arnold Schwarzenegger und George Clooney, über die Verschwörung der grünen Partei gegen ihn spricht er im Flüsterton. Man weiß nie, ob die amerikanischen Drohnen aus Pakistan nicht mithören, und die mexikanischen Zapatisten sind auch nicht zu unterschätzen. Psychische Ursachen von Beschäftigungslosigkeit und Armut sind oft subtil. Es sind oft längere Gespräche nötig, um überhaupt einen Hinweis auf eine psychische Auffälligkeit zu erkennen. Statistik gibt es über sie keine. Irgendwo zwischen Maribor und Zagreb hat Franz der Lastwagenfahrer sein 4. Redbull ausgetrunken und lässt die Dose auf den Boden der Fahrerkabine fallen. Fernfahrer haben viel Zeit nachzudenken. Über den Job, das Leben, die Familie. Von seinem Bruder z.b. hat er seit einem Jahr nichts mehr gehört. Weil er irgendwann verrückt geworden ist. Traurig, aber da kann man nichts machen. Er schiebt den Gedanken beiseite. Damals, vor einem Jahr war er, Franz, noch arbeitslos und hatte sich schon daran gewöhnt gehabt. Rückblickend gesehen war er damals oft schlecht gelaunt, antriebslos und wusste nichts mit sich anzufangen. Dass er damals mit einem Jobvermittlungsprojekt zwangsbeglückt wurde, war am Anfang ein Schock. Wie in einem Roman von Kafka wird man herumgeschickt, verwaltet, gestempelt, gemaßregelt. Irgendwann wurde ihm dann, mit Hilfe seines Betreuers, der C-Schein vom AMS finanziert. Sein Lebenslauf sah plötzlich richtig gut aus und das Foto zeigt ihn lächelnd und selbstsicher. Dann das Vorstellungsgespräch und anfangs konnte er es gar nicht glauben, dass man ihn als Mitarbeiter bei Balkan-Transports-International wollte. Er hätte es nie zugegeben, aber er hatte damals Angst. Franz versucht sich zu erinnern, wo dieses Projekt damals eigentlich war, zu dem er wöchentlich gehen musste. Irgendwo im 10. Bezirk, aber genau weiß er es nicht mehr. Unscheinbar war es, das Haus an der Laaerberg-Straße. Harald Reiweger step2job Berater, Sommer

19 InTeames Diogenes - oder endlich eine Chance auf eine Höherqualifizierung Nachdem ich es schwarz auf weiß hatte, dass meine abgeschlossene Ausbildung in meinem Heimatland in Österreich nicht anerkannt wird, drückte mir meine AMS-Beraterin einen Zettel in die Hand: ich solle nächste Woche um 8.30 Uhr zu einem Erstgespräch zu einem Projekt namens Diogenes gehen. Dort würde man sich meiner Anliegen annehmen und eine Lösung meines Problems finden. So machte ich mich an dem Tag meines Termins auf, den Weg zum Verein FAB im 10. Wiener Gemeindebezirk zu finden (der so einige Tücken beinhaltete wieso lässt sich am Reumannplatz kein Hinweis darauf finden, wo sich die Haltestelle des 68A befindet?). setzt es jedoch Engagement, Motivation und Selbstständigkeit voraus. Da ich sowohl in meiner Heimat als Frisörin als auch in Österreich als Frisörhilfskraft gearbeitet hatte, wurde gemeinsam ein Bildungsinstitut recherchiert, das eine Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung anbot. Mit Hilfe meines Beraters gelang es schließlich nach einigen Telefonaten, dass ich dort aufgenommen wurde (obwohl ich nicht die erforderlichen 3 Jahre einschlägige Berufserfahrung in Österreich vorweisen konnte). Schnell war die Sache auch mit dem AMS geklärt. Erstaunlich, was so alles mit ein wenig Unterstützung möglich ist. Gottseidank war ich früh weggefahren, sodass ich mich überpünktlich vor dem riesigen Gebäude in der Emil-Fucik-Gasse 1 befand. Nach einigen Irrwegen im riesigen Gebäudekomplex (zugegeben, meine Orientierung ist nicht die beste) wurde ich vom freundlichen Sekretariat in den 6. Stock hinaufgeschickt, wo ich sodann auch gleich in das erste Zimmer mit der Aufschrift Diogenes eintrat. Eine blonde junge Dame begrüßte mich, nahm mir mein Einladungsschreiben weg, tippte meinen Namen in ihren PC und bat mich ihr (und meinem Einladungsschreiben) mit den Worten: Ah, Sie sind bei meinem Kollegen, zu folgen. Besagter Kollege hatte jedoch zu dem Zeitpunkt, als wir eintraten, bereits einen anderen Klienten bei sich sitzen (und das um 8 Uhr morgens!). Ohje, dachte ich, Massenabfertigung, und stellte mich auf eine längere Wartezeit ein. Was dann kam, überraschte mich. Pünktlich um 8.30 Uhr wurde ich von dem Kollegen, der sich mir schnell mit seinem richtigen Namen vorstellte, ins Zimmer gebeten. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass mir hier wirklich zugehört wurde, meine Lebensgeschichte auf Interesse stieß und mir tatsächlich eine Möglichkeit, meinen Lehrabschluss nachzuholen, in Aussicht gestellt wurde. Während ich dies schreibe, befinde ich mich gerade in der 2. Woche meines Vorbereitungskurses auf die Lehrabschlussprüfung als Frisörin. Ich genieße es, wieder zu lernen, mit dem Wissen, hinter mir meinen Berater zu haben, dem ich jederzeit meine Probleme und Schwierigkeiten anvertrauen kann. Und sollte es mit dem Lernen mal nicht so recht klappen, mache ich mir einfach wieder einen Termin im Diogenes-Lernbüro aus, wo mir mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen selbst kompliziertester Lernstoff beigebracht wird. In 10 Wochen wird meine Prüfung sein danach muss ich unbedingt meinen Berater anrufen, da ich ihm noch ein kleines Dankeschön vorbeibringen möchte. Wegen der engen Zusammenarbeit wäre es! Kristina Kokta, step2job Beraterin, November 2013 Aber Sie müssen wissen, dass unser Projekt hier eine enge Zusammenarbeit voraussetzt was für mich selbstverständlich war, musste offensichtlich bei einigen KlientInnen mit Nachdruck betont werden. Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig, selbstverständlich Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg. Henry Ford 19

20 InTeames Ansichten eines Kollegen! Der FAB wird 10 Jahre alt, soweit ist das ja kein Geheimnis Ach so? Nein, wirklich?!, werdet Ihr Euch denken, oder vielmehr einen abgegriffeneren Einstieg konnte er wohl nicht finden. Aber Stopp! Eigentlich wollte ich von mir erzählen. Eigentlich wollte ich schreiben, dass ich inzwischen 10 Jahre im arbeitsmarktpolitischen Kontext arbeite und nun beim FAB mit großer Zufriedenheit gelandet bin. Aber spulen wir meine kleine Geschichte an den Anfang, vielleicht nicht ganz an den Anfang, aber zumindest zurück zu der Zeit, als ich meinen beruflichen Weg gestartet habe. Da war ich mal für ein Altenheim unterwegs, damals noch als Lehrling, und gestaltete freizeitpädagogische Einheiten für geriatrische PatientInnen. Später arbeitete ich mit Jugendlichen, die am regulären Arbeitsmarkt aus diversen Gründen keinen Job finden konnten und einen Lehrabschluss auf einem alternativen Weg nachholten. Dann war ich Streetworker, also erneut Arbeit mit Jugendlichen mit den Schwerpunkten Grätzel- und Cliquenarbeit (das heißt wirklich so). Naja und dann war ich ja auch noch Lehrer, zwei Jahre in der Berufsschule. Welches Fach verrate ich Euch jetzt nicht, fragt mich doch persönlich, wenn ihr neugierig seid. Aber wieso schreibe ich das wirklich gerade alles nieder? Wieso zum Kuckuck sollte euch das interessieren? Nun ich denke, dieser kurze Einblick in meine Berufsbiografie verrät schon ein wenig von meiner Geisteshaltung. Der Mensch war bei mir immer irgendwie im Mittelpunkt. Ich habe keine Tische gezimmert (könnte ich wahrscheinlich auch nicht besonders gut), habe keine Uhren oder Hemden verkauft (könnte ich wahrscheinlich schon besser), oder arbeitete in einer Küche (könnte ich, glaube ich, wirklich gut!!). Nein, es war immer klar, dass ein soziales Miteinander ein zentrales Thema meines Jobs sein sollte, sein muss. Diese Berufsbiografie erzählt aber noch etwas anderes von mir: Ich habe doch schon das eine oder andere gesehen Nachdem ich 6 Jahre in einem Arbeitsprojekt mit psychisch erkrankten TeilnehmerInnen beschäftigt war, kam ich schlussendlich beim FAB an. Und da lohnt es sich doch zu bleiben, habe ich mir schon nach kurzer Zeit gedacht. Der aufmerksame Leser wird nun vor Neugierde brennen und möchte ein beherztes Und jetzt sag s doch endlich, warum! rufen. Nun, diesem Wunsch möchte ich nachkommen: Beim FAB steht wirklich der Mensch im Mittelpunkt. Nicht, dass wir ein Monopol darauf hätten, wer hat das schon, ist ja auch EU-rechtlich verboten. Aber: Wir versuchen, uns diesen Grundsatz immer wieder in Erinnerung zu rufen. Jede/r hier ist willkommen und wird in seiner/ihrer Problematik ernst genommen. Das mag nicht immer leicht fallen, hin und wieder mag es sogar richtig schwer fallen, aber das heißt nicht, dass wir das nicht immer wieder aufs Neue anstreben. Und nicht zuletzt stützen wir Menschen, die nicht unbedingt auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Oft habe ich mir gedacht, wie froh ich bin, auf meiner Seite meines Schreibtisches zu sitzen - gleichzeitig in dem Bewusstsein, dass ich nie gefeit davor bin, dass es mal andersrum sein könnte bzw. hätte sein können, wenn mein Leben an ein paar Kreuzungen eine andere Richtung eingeschlagen hätte (und die erste Kreuzung war ja der Zeitpunkt und Ort meiner Geburt). Und dieser Gedanke macht mich demütig, zutiefst demütig. Es klingt vielleicht ein bisschen selbstverherrlichend, wenn ich nun schreibe, dass ich gerne einen Berater wie mich bekäme, wenn ich mal in so einer Situation sein sollte. Naja zugegeben, klingt vielleicht nicht nur bisschen so, klingt eher richtig arrogant. Deswegen schreibe ich es auch nicht. Vielmehr will ich mich korrigieren, und mit tiefer Aufrichtigkeit mitteilen, dass ich in einer solchen Situation gerne eine/n BeraterIn wie euch von den verschiedensten Projekten bekommen möchte, von Monsun bis Diogenes, vom Jugendcoaching bis step2job. Hier darf sich nun wirklich jede/r aus jedem Projekt angesprochen fühlen! Mein Werdegang ist ja nur exemplarisch, ich weiß. Jede/r ist hier gelandet und bringt einen Sack ach, 20

21 InTeames was rede ich eine riesige Kiste an Kompetenzen mit, und gibt ihr/sein Know-how bereitwillig weiter. Und das alleine macht den enormen Charme vom FAB- Wien/NÖ aus. Meine Kolleginnen und Kollegen, die mit Motivation, Herzblut, manchmal Ärger aber auf jeden Fall einer riesigen Portion Empathie und Humor für andere da sind! Also, der FAB wird 10 Jahre alt, und die Menschen dahinter sind ein Grund zum Feiern. Helmut, Projekt Arbeitsplatzcoaching Rückenwind Gelebte Vielfalt im FAB oder in unseren Herzen wohnen viele Nationen! Čovjek vrijedi onoliko, koliko jezika zna, besagt ein im ex-jugoslawischen Raum verbreitetes Sprichwort. Zu Deutsch: Der Wert eines Menschen bemisst sich an der Anzahl der Fremdsprachen, die er spricht. Das soll nicht bedeuten, dass ein monolingualer Mensch wertlos ist, sondern, dass die Kenntnis jeder weiteren Fremdsprache einen Wert darstellt, und dass es keine überflüssigen Fremdsprachen geben kann. In einem Europa, das so stark von der Globalisierung geprägt ist, sind Mehrsprachigkeit und interkulturelle Fähigkeiten zentral für die Wettbewerbsfähigkeit, den sozialen Zusammenhalt und damit auch für den gesellschaftlichen Frieden. Auf individueller Ebene stellen Kompetenzen in mehreren Sprachen sowie im Umgang mit Menschen anderer kultureller Herkunft nicht nur eine persönliche Bereicherung dar, sondern haben sich auch als wichtige Kriterien für beruflichen Erfolg herauskristallisiert. Im FAB Wien/NÖ ist es uns gelungen, die unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründe der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einzubinden und diese Vielfältigkeit zu einem gemeinsamen Nutzen auszubauen. Eine vielfältige Belegschaft und ein Arbeitsumfeld, welches verschiedene Wertvorstellungen, Ansichten und Fähigkeiten produktiv nutzt, sind die zentralen Zielformulierungen des FAB. Innerhalb des FAB werden mittlerweile neben Deutsch und Englisch vierzehn weitere Sprachen abgedeckt (Arabisch, Persisch, Bambara 1, Französisch, Georgisch, Russisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Türkisch, Ungarisch, Polnisch, Niederländisch, Philippinisch). Erreicht werden durch diese Multikulturalität eine höhere Flexibilität sowie eine gesteigerte Problemlösungskapazität, Innovationsfähigkeit, Kreativität sowie transkulturelle Gemeinsamkeiten. Vielfalt wird im FAB gelebt, denn: In unseren Herzen wohnen viele Nationen! Kalplerimizde pek cok ülke yasiyor! U našim srcima žive mnogo nacija! Szívünkben sok náció találja a hazáját! в наших сердцах живут много нациoнальностеи! ჩვენს გულებში ცხოვრობს მრავალი ერი! Nos coeurs sont habités par beaucoup de nationalités! In onze harten wonen viele nationaliteiten! دنتسه نیزگیاج اهتیلم همه ام بلق رد! W naszych sercach jest miejsce dla ludzi z całego świata! Fab kónó jamana ciaman mógóu bè bara kè yókón fè! sa ating puso madaming ibat ibang lahi Sabine Roitner mit Unterstützung von: Ahmet Gelen, Katarina Lucic, Souleymane Keita, Rusudan Rikadze, Ilona Antal, Susan Garschall, Anne-Marie Naets, Anna Gajdzik 1 Bambara, auch als Bamanankan bezeichnet, ist eine Mande-Sprache, die in Mali in Westafrika gesprochen wird. Beginnend von Senegal-Gambia-Mauretanien im Westen bis Burkina Faso, Elfenbeinküste (Côte-d Ivoire) im Osten wird das Bambara-Mandenkan heute von Millionen Menschen gesprochen. 21

22 InTeames Neu Starten einmal anders! Einmal Student sein, ein Leben ohne Sorgen, mit vielen Freiheiten und langen Partynächten! Ein Gefühl, sein ganzes Leben vor sich zu haben und ohne Hindernissen einer positiven Zukunft entgegenzutreten. JA, mein Leben als Student war SUPER, aufgrund meines Selbsterhalterstipendiums musste ich mir finanziell keine Sorgen machen und konnte neben meiner geringfügigen Beschäftigung einfach in den Tag hineinleben. Die Einteilung meines Alltags orientierte sich 2010 nur mehr an der Fertigstellung meiner Diplomarbeit - die mich in weiterer Folge in eine tiefe Lebenskrise stürzen sollte. Trotz meiner hervorragenden Ressourceneinteilung würde es mir nämlich nicht gelingen, meine Arbeit in der Mindeststudienzeit bis September 2010 abzuschließen und somit der Stipendienstelle einen Erfolgsnachweis vorzulegen. Schon seit April 2010 versuchte ich erfolglos eine fixe Arbeitsstelle zu finden, um mich im September schließlich hilfesuchend beim AMS in der Laxenburgerstraße anzumelden. Als angehender Magister der Betriebswirtschaft schwebten mir einst Aufgabenbereiche als Verwaltungskraft der Europäischen Union, Handelsdelegierter oder HR- Generalist vor, niemals hätte ich gedacht, dass ich so schnell beim AMS landen würde. Nach meiner Anmeldung am Informationsschalter verlief der Erstkontakt mit meinem AMS-Berater sehr unspektakulär, schließlich würdigte er mich keines Blickes und starrte die ganze Beratungszeit in seinen Computer. Nach zwei Minuten drückte er mir eine Einladung mit der Aufschrift Neu Starten in die Hand und verabschiedete sich. Nach genauer Betrachtung des Schreibens fiel mir auf, dass mein Wohnort direkt neben der angegebenen Adresse lag. Informationen hatte mir der AMS-Berater keine gegeben, ich dachte mir daher, bei einer Zweigstelle des AMS gelandet zu sein. finden und landete mit 20 weiteren Personen in einem großen Besprechungszimmer. Nach der Vorstellung des Projektes Neu Starten realisierte ich erst, dass ich mich in einer Kursmaßnahme des AMS befand. Neben einer Präsentation des Workshopangebots wurde jedem Teilnehmer eine persönliche BeraterIn zugeteilt, der/ die bei der weiteren Arbeitssuche behilflich sein sollte. Meine Beraterin lernte ich noch am selben Tag direkt nach der Informationsveranstaltung kennen. Sie führte mit mir ein Erstgespräch und fragte mich, in welchen Einsatzbereichen ich bisher auf Arbeitssuche gegangen bin. Meine anfangs sehr hohen Anforderungen hatte ich ja bereits im Sommer zurückgeschraubt, neben Human Resources und Marketing Abteilungen, konnte ich mir nun auch ein berufliches Engagement im Vertrieb vorstellen. Ich berichtete, dass eine Bewerbung als Key Account Manager bei der Firma XY von einem Bekannten am Vortag an seinen Vorgesetzten weitergeleitet wurde und dieser mich prompt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hatte. Meine Neu Starten -Beraterin und ich vereinbarten daher das Bewerbungsgespräch abzuwarten und etwaige kommende Bewerbungsaktivitäten beim nächsten Beratungstermin zu besprechen. Das Vorstellungsgespräch bei der Firma XY verlief schlussendlich zwiespältig. Einerseits hatte ich während des gesamten Gesprächs ein gutes Gefühl und dachte, die Interviewpartner von meinen fachlichen Qualitäten überzeugt zu haben. Andererseits kritisierte einer der Geschäftsführer beim Verabschieden meine Krawatte. Diese sei zu kurz gebunden, in Zukunft sollte ich bei Bewerbungsgesprächen besser keine Krawatten mehr tragen. Enttäuscht von der Verabschiedung reflektierte ich mit meiner Neu Starten -Beraterin die Erlebnisse des vorangegangen Gesprächs. Diese ermutigte mich, den Vorfall als einen Teil meines persönlichen bzw. beruflichen Entwicklungsprozesses wahrzunehmen, eine Anstellung werde nicht an meiner Krawatte scheitern! Die Vorfälle des Bewerbungsgesprächs seien hingegen keine gute Werbung für den Auftraggeber, sie war sich daher nicht mehr zu 100% sicher, ob sie mir zu einer Arbeitsaufnahme in diesem Unternehmen überhaupt raten sollte. Am Tag des Informationstages konnte ich nach einer gewissen Suchzeit schließlich das richtige Gebäude Zwei Tage später wurde mir ein Dienstverhältnis als Key Account Manager im besagten Unternehmen ange- 22

23 InTeames boten. Meine finanziell angespannte Situation lies nur eine Stellenzusage zu, meine Zeit beim FAB Wien war damit vorerst beendet. Die kommenden 11 Monate als Vertriebsmitarbeiter sollten schlussendlich sehr turbulent verlaufen. Potentielle KundInnen des Unternehmens legten bei meinen telefonischen Kontaktaufnahmen einfach ohne Angabe von Gründen den Hörer auf. Im Nachhinein erfuhr ich, dass mein KundInnenstamm größtenteils negative Erfahrungen mit meiner Business Unit gemacht hatte und daher mit mir bzw. dem Unternehmen XY nicht mehr zusammenarbeiten wollte. Meine Abteilung hatte zudem auch innerhalb des Unternehmens einen schlechten Ruf, die Kommunikation gestaltete sich nicht nur extern, sondern auch intern zwischen den Abteilungen schwierig. Nach weiteren 5 Monaten entschied die Unternehmensführung daher, die gesamte Abteilung zu kündigen, die Umsätze unseres Teams waren durchgängig schlecht, als Neuankömmling bekam ich als Einziger eine zweite Chance und sollte fortan hauptverantwortlích alle Businesspartner als Sales Manager übernehmen. Auch wenn sich die Umsätze in den folgenden 6 Monaten stark verbessern sollten, so wirklich zusammenarbeiten, wollten die meisten auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht mit mir (bzw. der Abteilung). Die angespannte berufliche Situation veranlasste mich dazu, parallel nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen. Als ich im Zuge meiner Stellenrecherche eine Jobanzeige als Arbeitsvermittler beim FAB Wien im Online Standard entdeckte, musste ich an die Besprechung mit meiner ehemaligen Neu Starten -Beraterin denken. Diese hatte mich einst gut beraten und gemeint, dass ich auch in weiterer Zukunft eine (alternative) Stelle finden kann, die etwas besser zu mir passt! Rückblickend gesehen sollte meine ehemalige Neu Starten -Beraterin mit dieser Aussage Recht behalten! Die positiven Erinnerungen an das Projekt veranlassten mich dazu, eine Bewerbung abzuschicken und später selbst Mitarbeiter eines arbeitsmarktpolitischen Projektes beim FAB zu werden. Noch heute denke ich oft, dass es mein Schicksal war, als Arbeitsloser beim Verein FAB Wien gelandet zu sein! Die Anmeldung beim AMS stellte sich im Nachhinein nämlich als ein großer Irrtum heraus, als bereits berufstätiger Key Account Manager teilte mir die Stipendienstelle Wien im Oktober 2010 mit, dass mein Stipendium automatisch um weitere 6 Monate verlängert worden wäre. Zu dieser Verlängerung ist es jedoch nicht mehr gekommen. Berthold Gernot Diogenes-Berater ps: Die Business Abteilung des Unternehmens wurde 12 Monate nach meiner Kündigung vollkommen aufgelassen. pps: Mein BWL-Studium schloss ich im August 2011 ab.... Jede Konstante ist variabel... Auszug aus dem Club der toten Dichter, S. 61: Ich habe mich auf den Schreibtisch gestellt, um mir ins Gedächtnis zu rufen, dass wir uns ständig bemühen sollten, die Welt von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Von hier oben sieht alles ganz anders aus. Wenn Sie es nicht glauben, kommen Sie her, stellen Sie sich hier oben hin! (N.H. Kleinbaum 1990, Verlagsgruppe Lübbe GmbH). 3 KlientInnen, 3 Vermittlungen, jedoch... unterschiedliche Voraussetzungen, Perspektiven und Handlungsoptionen... 1) eine einfachere Form der Vermittlung die Klientin ist 25;... gelernte Mechatronikerin;... besitzt Berufserfahrung;... ist seit drei Monaten arbeitslos;... recherchiert selbstständig; Wir optimieren ihre Bewerbungsunterlagen, akquirieren Unternehmen, vereinbaren Vorstellungsgespräche und verbuchen Erfolge: die Kundin ist zufrieden, weil sie in kurzer Zeit eine passende Stelle - nachhaltig - besetzen konnte. 23

24 InTeames 2) eine komplexere Form der Vermittlung der Klient ist 43;... keine Berufsausbildung;... Erfahrung als Trockenausbauer;... es bestehen Schulden, Vorstrafen und Unterhaltsverpflichtungen;... gesundheitliche Einschränkungen (Bandscheibenvorfälle);... relativ hohe Notstandshilfe, kein Bemessungsgrundlagenschutz;... schwere körperliche Tätigkeiten laut Gutachten nicht mehr zumutbar; Wir erörtern die psychosozialen Rahmenbedingungen, erstellen einen Maßnahmenkatalog zur Regulierung der Lebenssituation und nehmen im Sinne des Case- Managements Kontakt zu verschiedenen Einrichtungen auf. Wir koordinieren, begleiten, organisieren und... etwas später... erhellen wir berufliche Stärken, Interessen und Ziele. Neue Einsatzbereiche werden erschlossen, ein Lebenslauf erstellt. Motivations- und Überzeugungsarbeit folgt, am Ende objektivierbare Ergebnisse: Abschöpfungsverfahren fixiert, Vorstrafentilgung durchgesetzt, Unterhaltsverpflichtung angepasst. Wiedereingliederung gelungen als Objektleiter in der Reinigung. 3) eine sehr spezielle Form der Vermittlung der Klient ist 1948 geboren;... gelernter Krankenpfleger (2006 abgeschlossen);... besitzt branchenspezifische Erfahrung ( );... hat seinen Posten nach einem Arbeitsunfall verloren (GdB 50%, Taubheit li Ohr);... Pensionsantrag abgelehnt;... pragmatische Motivationslage ( ich muss, also tu ich );... dominant, aggressiv, abwertend; Beginn: , 14:00 Uhr. Monologe des Klienten, Redeverhältnis in den ersten Beratungseinheiten: 90:10. In der 4. Stunde endlich den Anamnesebogen vervollständigt. Er schildert seine Lebensgeschichte, übt Kritik an wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Entwicklungen, betont christlich-soziale Werte, übermittelt Ausbildungsnachweise, legt bisherige Bewer- bungsbemühungen offen. Im Zentrum sein Stolz auf das bildungsmäßig-erreichte (u.a. Matura Abendschule, Heimhelfer, Pflegehelfer, Krankenpfleger, Sozialpädagoge, Praxisanleiter, Lebens- und Sozialberater, Palliativpflege, health-care, Seelsorge u.v.m). VORHER: Er recherchiert im Kurier, markiert Stellen und sucht den direkten Weg zur Firma. Seine Unterlagen => dreiseitig, handgeschrieben, biografisch. Mehr als 25 Zeugnisse. Keine Vorstellungsgespräche, zweijährige Arbeitslosigkeit, Zweifel und Frustration. NACHHER: gemeinsame Recherche im Internet, Initiativbewerbungen, externe Terminvorgaben, elektronifizierte Unterlagen und Dokumente, gezielte Auswahl von Zeugnissen, Vorbereitung auf Interviews... die Folgen: neun Vorstellungsgespräche, Spannungsabbau und persönliche Erarbeitung eines Gesprächsanteils von 50%. RÜCKMELDUNGEN: Viele Institutionen stellten den Klienten nicht ein, weil - aus unternehmerischer Sicht - Alter, Belastbarkeit, Überqualifikation, Gehaltsansprüche und Teamkonstellation. Er wollte, durfte aber nicht. Irritation. NEUER PLAN: ausführlicher Zusatz im Bewerbungsschreiben mit Hinweis auf ressourcenorientierte Wahrnehmung des Alters und Generationenverhältnisses. ERGEBNIS: Der Klient befindet sich seit in einem Dienstverhältnis. Die Personalchefin berichtete später, sie sei froh, ihn eingestellt zu haben. Sie hätte allerdings im ersten Moment ebenfalls eine Absage erteilt, bis ihr durch das Lesen des Zusatzes bewusst geworden sei, dass sie vorhatte etwas zu tun, was eigentlich ihren Grundüberzeugungen widerspricht. Sie bedankte sich für den Sensibilisierungsakt. Was bleibt? Die Personalchefin und ich hatten - unabhängig voneinander - im ersten Moment eine ähnliche Einschätzung. Am Ende des Prozesses teilten wir das Gefühl der Richtigkeit unserer Vorgehensweisen. Meine Lehre aus dieser Begegebenheit: Die Intensität so mancher Überzeugungsarbeiten dient zur Bewältigung eigener Zweifel. Ferold Pesendorfer Monsun-Berater 24

25 InTeames Vom Süden in den Osten Jahr Wien. Großstadt. Bundeshauptstadt Österreichs, oder wie auch liebevoll, von den aus den Provinzen stammenden Autochthonen, Wasserkopf Österreichs genannt. Bahn. U-Bahn. Rein. Raus. Umsteigen. Wohin? Anzeigetafeln. Signalschilder. Menschenmengen. Häuserschluchten. Düster. Windig. Kalt. Hinein in die U-Bahn. Wo muss ich noch mal genau hin? Orientierung? Fehlanzeige! Klassiker. Zyniker würden sagen, typisch Frau!, Frauen sagen, wir haben andere Qualitäten, die dieses vernachlässigbare Manko locker aufwiegen. Mildes Lächeln erntend. Egal. Weiter. Wo muss ich noch mal hin? Ach ja: Geiselbergstraße. Gut gemacht. Hirn funktioniert noch, trotz Pausen in der Orientierung. Rein in die U-Bahn. Ist das eigentlich die Richtige? Sicher. Oder doch nicht? Wie spät ist es eigentlich? Sollte genügend Zeit sein. Gut, dass ich neurotisch bin! Lieber viel zu früh als nur eine Minute zu spät. U-Bahn richtig. Timing perfekt. Aussteigen Enkplatz. Danach geh ich zu Fuß. Schnell entschieden. Ausgang Enkplatz. Wo muss ich hin? Wo ist die Straße? Verflixt! Na, ich geh mal los. Weibliche Intuition führt dich sicher dorthin. Hohe Überzeugungskraft meinerseits. Eh klar. Pack den Stier bei den Hörnern. Übung: Orientierung stärken im Feld. Konzentrieren auf das, was ist und noch kommt. Die Luft ist hier anders als Zuhause. Keine Berge. Keine Seen. Keine Nähe zu Italien und Slowenien für die Pizza, Antipasti und den Vino Rosso zwischendurch. Kleine lieblich reizende Meeresstädtchen. Geruch nach frischem Fisch. Kleine Trattorien oder Gostilnas. Umtriebige Kellner. Lachen. Meeresbrise. Sehnsucht. Liebgewonnene Gewohnheit. Wochenende hinfahren. Kurzer Ausstieg aus dem Alltagstrott. Geist und Körper im Aufwind. Weinberge. Menschen vorwiegend aus den umliegenden Dörfern. Touristen aus Österreich, Deutschland, Italien. Diversität. Europa. Ich ein Teil davon. Schön hier zu sein. Gedanken schwelgen lassen. Wo bin ich jetzt eigentlich? Verschätzt. Zu Fuß? Zu weit! Menschenmassen. Mit Knöpfen in den Ohren. Abweisende Blicke. Hektik. Lärm. Diversität. Gelebte Vielfalt. Europa. Ich ein Teil davon. Wie spät ist es eigentlich? Langsam wird es knapp! Trotz Neurose?! Sollte mir eine neue aussuchen! Beschließe ich für danach. Bim? Wo? Wohin? Keine Zeit für innere Monologe! Energie wird für Orientierung abgezogen. Lösung: Taxi! Natürlich. Warum nicht gleich. Raus auf die Straße. Winken. Zu weit auf die Straße rausgewagt. Ein Auto hupt und der Fahrer fuchtelt. Deutet etwas. Bewegt dabei seine Hände vor seinem Gesicht. Von rechts nach links. Schreit. Erfahrungsschatz meldet sich: Das war jetzt nicht besonders wertschätzend gemeint. Bleib hartnäckig! Ein Taxi in Sicht. Gehe noch weiter in die Straße hinein. Taxi. Da kommst jetzt nicht vorbei! Bleibt stehen. Geiselbergstraße. Des is oba nit Ihr Ernst oda?, raunt der Fahrer. Reaktion von meiner Seite, Fehlanzeige. Setzt sein Vehikel missmutig in Gang. Bleibt dann wieder stehen. Zugegebenermaßen sehr kurze Entfernung. Grauer Gebäudekomplex. Mehrere Stiegen. Teufel noch mal. Intuition meldet sich: Probier s mit der Stiege gleich rechts. Na bitte! Geht doch! Stolz. Von wegen keine Orientierung! 4 Stock. Keine Zeit für den Lift. Zu Fuß! Schnaufend. Tief Luft holend. Beine melden Schmerz. Meine Kommandozentrale instruiert mich: Durchhalten. Rauchen aufhören. Zeit für Sport! Danke. Darüber reden wir später! Name gemerkt? Ja! Gut! Hirn durch kurze sportliche Einheit auf Hochtouren. Atmung höchst instabil. Büro stellv. Regionalleitung. Anklopfen. Kommen`S rein! Nach Luft schnappend: Entschuldigen Sie, ich glaub, ich bin nicht ganz pünktlich! Keinen Stress! Gut, dass Sie da sind! Ja! Seit Claudia Schuschu, Projektleitung Monsun, Leitung Akquise 25

26 InTeames Wenn die Paprika fliegen lernt Sie meinten immer alle, ich rede zu viel. In der Anwaltskanzlei hörte man nur die Tastaturen klimpern. Hat mal jemand über die Diktate, die am Tonband abzuhören waren, gelacht, hieß es gleich: Hast ein Kasperl gefrühstückt? Den hab ich wohl oft, ohne dabei Kaffee getrunken zu haben. Gut drauf war ich auch ohne dem beliebten, braunen Getränk, dessen Duft sich in den gesamten Büros breitgemacht hatte. Doch die eigene Stimme beim Räuspern machte sich genauso in einem hallenden Ton breit. Das machte mir Angst. Wenn es um Telefongespräche ging, bat man immer die Gesprächige dies zu erledigen. Aber das reichte mir nicht. Es passiert zu viel Ungerechtigkeit auf dieser Erde. Warum berichtet niemand darüber? All die Menschen mit Migrationshintergrund, die in Österreich leben. Es wird so viel von ihnen erwartet. So, wie auch von uns, meiner Familie und mir. Ich lernte die deutsche Sprache sehr schnell. War im Kindergarten auch nicht schwierig. Damals, als wir 1986 vor der Diktatur unter Ceausescu aus Rumänien fliehen mussten, hinterließen wir auch unsere Seelen. Wir Kinder sollen es mal besser haben. Besser als unsere Eltern. Wir sollen in einem Land aufwachsen, in dem wir studieren dürfen. Meine Mutter hat immer ihre Meinung gesagt. Dafür wurde sie auch oft genug in ihrem Heimatland verhört, bestraft, manchmal sogar tagelang eingesperrt. Es galt ein nationales Sprechverbot. Sie verstummte noch viele Jahre später. In einem Land, indem sie sich in einer fremden Sprache nicht mehr so ausdrücken konnte, wie sie es wollte. Ich tat es. Nicht nur meiner Mutter zu Liebe. Eines Tages, als ich in der Straßenbahn in ungarischer Sprache telefonierte, erfuhr ich von einem Fahrgast, dass Gemüse in Wien sprechen kann: Hör auf zu reden, Paprika! Doch das tat ich nicht. Ich stieg aus und ärgerte mich. Mein Ärger trieb mich an. Ich gründete eine Gruppe auf Facebook, auf der sich Personen zu mehr Toleranz und Gerechtigkeit gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund bekennen sollten. Kurze Zeit später explodierte die Mitgliederanzahl, sodass sogar die Tageszeitung Die Presse auf sie aufmerksam wurde. So konnte man kurze Zeit später Paprikagemüse nicht nur reden hören, sondern auch in der Zeitung lesen. Doch um die Personen, die die Geschichten erzählten, ging es nicht. Viel eher ging es um die Geschichte selbst. Als die Titel mehr an Wichtigkeit gewannen als das Thema selbst, merkte ich schnell, dass mein Helfersyndrom etwas fehl am Platz war. Ich wollte mehr, als nur meinen Namen in der Zeitung lesen, wenn auch im positiven Sinne. Als Migrant sollte man sich doch schließlich im Westen beweisen können. Den Verwandten und deren Bekannten und Nachbars Nachbarn gegenüber sollte man vorbildlich rüberkommen und zeigen, dass man sein Land nicht umsonst verlassen hat. Am besten als Anwalt/ Anwältin, Arzt/Ärztin oder im schlimmsten Fall in der Immobilienbranche. Nun, da ich weder Medizin, noch Jus studieren wollte, zwang ich mich in das Maklerkostümchen, woraus ich aus organisatorischen Gründen nach wenigen Monaten rauswuchs. Wieder interessierten mich die Geschichten von bedürftigen Menschen, die auf Wohnungssuche waren mehr, als ihnen Mahnungen schicken zu müssen. Mein Herz raste beim ersten Mietvertrag, wo die Wohnung hinter der Fassade verschimmelte und hörte bei der ersten Delogierung auf zu schlagen. Warum sagte niemand diesen Menschen etwas von Beihilfen, Förderungen etc.?! Wieder überkam mich eine unstillbare Form von Ärger. Leider musste mich ein Autounfall einige Monate später wachrütteln. Ich hatte keine großartigen körperlichen Beschwerden. Psychisch ging s mir wie immer. Doch meine Beraterin beim AMS war nicht der Meinung. Ich solle doch an einem SÖBÜ teilnehmen, um mich wieder in die Berufswelt integrieren zu können. Was war das nochmal? Eine langfristige und sichere Beschäftigung für Arbeit suchende Menschen?? Aber wollte ich das eigentlich? Ein sozialökonomischer Betrieb mit Überlassung. Der Name des Institutes IT Works klang schon mal vielversprechend. Monate später sollte ich erfahren, was Teamwork bedeutet. In einem Kurs namens YOUR CHOICE lernte ich zwar viel dazu, aber mein Ärger stieg und stieg weiter dem Himmel empor. Ich spürte die Wut der Personen, die lernen sollen, wieder einen gesunden Rhythmus im Leben zu haben. Mein innerer Wecker trieb mich 26

27 InTeames fortwährend an. Und ich verstand nicht, warum kein/e TeilnehmerIn Deutsch konnte. Nachdem sich jedoch alle die Frage stellten, warum ich so gut Deutsch sprechen konnte, bot ich meine Hilfe an. Machen Sie das Beste draus, meinte noch meine AMS-Beraterin einige Wochen danach zu mir, in der Hoffnung, dass es mir besser ginge. Doch mein Ärger verschwand nicht so schnell. Also suchte ich sie auf. In der Dresdnerstraße quälte ich mich durch die Menschenmasse, bis ich zu meiner Beraterin durchdringen konnte. Dabei regte ich mich über die TrainerInnen in den verschiedenen Kursen dermaßen auf, dass meine Beraterin daraufhin konterte: Na dann machen Sie s besser!. Und so gelang ich zu meiner TrainerInnenausbildung für Berufsorientierung. Nach Absolvierung meines Diploms fand ich schnell einen Praktikumsplatz, wo ich bedürftige Flüchtlingskinder aus dem Fernen und Nahen Osten zu Lehrstellen verhalf. Leider konnte mir das Integrationshaus keine längerfristige Anstellung anbieten. Aber die Kinder trieben mich an, schrieben mir noch Wochen später Briefe. Und wieder wandte ich mich an einem sicheren Ort, der sozial funktionieren sollte. Nachts mit hohem Fieber lag ich also wach und surfte auf Facebook. Neben den vielen Selfies, Urlaubsfotos von Freunden und Beziehungsstatus jener Bekannten, die ich sowieso nur alle fünf Jahre zu Gesicht bekam, fand ich also auch Stellenanzeigen. Sie sind sozial, kommunikativ, redegewandt, hilfsbereit Zum ersten Mal habe ich erkannt, dass es einen Ort gibt, wo meine Qualitäten und Eigenschaften geschätzt würden. Die Dynamik an der Arbeit im FAB Wien fasziniert mich bis heute. Durch Flexibilität und Spontaneität und mit viel Ehrgeiz kann man hier sehr viel erreichen. Mein Ärger hat aufgehört zu steigen. Endlich bin ich gelandet. Ilona Antal step2job Beraterin Persönliche Perspektiven Im Juli 2007 startete ich meinen beruflichen Werdegang im FAB Wien - aus der Idee, meine Interessen und Kompetenzen im Trainingsbereich mit einem spannenden Unternehmen zu verbinden. Im Projekt Monsun machte ich die ersten Schritte in der Einzelberatung und mir wurde bald bewusst, welche Bedeutung der arbeitsmarktpolitische Sektor für unsere KlientInnen darstellt. Dabei durfte ich viele Lebensgeschichten und Schicksale kennenlernen und die TeilnehmerInnen bis zu einem Jahr lang begleiten. Im November 2009 wechselte ich in das Projekt Perspektiven- Your Choice und bekam die Möglichkeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen von der Clearingphase bis zu Kommunikations- (ECO-C) und Verkaufstraining ein 12-wöchiges Programm mitzugestalten und dabei Gruppentrainings durchzuführen. Die individuellen Talente und Begabungen unserer TeilnehmerInnen in Einklang mit den aktuellen Anforderungen der Wirtschaft zu bringen, ergab ein herausforderndes Aufgabenfeld begann ich mit dem universitären Lehrgang Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung einen weiteren Ausbildungsweg. Um mein Studium zu intensivieren, bekam ich im August 2012 die Möglichkeit einer einjährigen Bildungskarenz. Nun schreiben wir das Jahr 2014 und die Reise geht mit viel Rückenwind weiter. In der Rolle als Arbeitsplatzcoach finde ich die Absicherung und die Stabilisierung von Personen in einem aufrechten Dienstverhältnis, verpackt mit individuellen Beratungssettings, sehr interessant, spannend und herausfordernd. Die Chancen und Möglichkeiten in unterschiedlichen Projekten und Maßnahmen mitzuwirken und dabei eine große Auswahl an Weiterbildungsmöglichkeiten geboten zu bekommen, macht für mich den FAB Wien fabelhaft! Jürgen Projekt Arbeitsplatzcoaching Rückenwind 27

28 InTeames 10 Jahre FAB Wien und ich bin fast 8 Jahre davon dabei Hallo, ich bin der Herbert. Seit Mai 2006 bin ich beim FAB Wien. Ich weiß noch gut, wie ich mich nach einem ¾ Jahr ohne Job beim FAB beworben habe und von Regina eingeladen wurde. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich bei einem Vorstellungsgespräch bin, eher wie bei einer Geschäftsverhandlung, wo ich gleichberechtigter Geschäftspartner bin. Das hat mir gleich imponiert. Ich war aus der Privatwirtschaft gekommen, wo ich ein Alten- und Pflegeheim geleitet hatte, und war das nicht gewöhnt. Als Lebensberater war mir Gesprächsführung vertraut, wie ich sie jetzt führte, bei ICE (Individuelles Coaching und E-Learning) in der Geiselbergstraße in Wien 11. Und dann ging es ganz schnell, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte: Workshops zu halten. Bei alledem war mir schnell aufgefallen, dass die Atmosphäre, mit der wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim FAB begegnet sind, anders war, freundlicher, verbindlicher, wertschätzender. Und ich wusste auch, dass es unsere Leiterin war, die sich eben solche Leute zusammen gesucht hat. Damals war sie noch Projektleiterin bei ICE gewesen und hatte Regina Unterkofler geheißen. Jetzt heißt sie anders und sie leitet den ganzen FAB Wien, Regina Rieder. Die Umstände haben ergeben, dass ich in mehreren verschiedenen Projekten des FAB Wien tätig sein durfte. Nachdem das Projekt ICE vom AMS eingezogen wurde, ging ich zu den PERSPEKTIVEN für Jugendliche und Junge Erwachsene unter der Leitung von Barbara Ernstbrunner. Danach zu MONSUN unter der Leitung von Claudia Schuschu. EARLY INTERVENTION für Kurzzeitarbeitslose, das später zu NEU STARTEN umgewandelt wurde, stand und läuft jeweils unter der Leitung von Claudia Spitznagel. Hier habe ich mein berufliches Zuhause gefunden. Mein Wunsch, mich ganz auf Gruppenarbeit zu verlegen, wurde hier wahr. Neue Projekte kamen, wurden von uns gewonnen und manche gingen auch wieder. Am längsten haben sich wohl die PERSPEKTIVEN gehalten, sie wechselten den Namen in Your Choice, aber dann gingen auch sie. Jetzt ist es MONSUN, das den längsten Atem hat und wohl weiter haben wird. Mit STEP2 JOB kümmern wir uns darum, dass die Mindestsicherung für die Menschen nicht zur Endstation wird, sondern nur eine Zwischenstation bis zum nächsten Job. STEP2JOB wird von Sabine Roitner geleitet zusammen mit dem neuen SÖB FABLine. Alexandra Friedhuber managt das JUGENDCOACHING, die ARBEITSSTIFTUNG Austria Tabak, sowie die JUST. Mit DIOGENES werden unter der Leitung von Dagmara Adamska Menschen begleitet, die einen formalen Abschluss anstreben. Sandra Lobinger betreut mit ihrem Team die Deutsch BBE und das Arbeitsplatzcoaching Rückenwind. Ich bin sehr dankbar, damals mit 50+ beim FAB einen Job gefunden zu haben, in dem ein hohes Maß an sozialer Kompetenz sowohl bei der Leitung als auch im Kollegium zu spüren ist. Was wir hier für die in Not Geratenen der gnadenlosen Arbeitswelt leisten, ist enorm. Das lässt sich nicht nur anhand von Vermittlungszahlen messen, sondern auch an den Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die unsere wertschätzende und professionelle Begleitung erfahren haben. Die nächsten 10 Jahre können kommen. Aber ich gehe vorher in Pension. Pfiat Eich! Herbert Dauner 28

29 InTeames Zehn Jahre FAB Wien Die alten Hasen glauben s kaum zehn Jahre sind vorbei, fast wie im Traum. Die Bilanz, die kann sich sehen lassen, und auch mit Zuversicht die nächsten Jahr ins Auge fassen Mit Perspektiven ging es los voll heiterem Elan, wir wussten zwar nicht genau wie, doch packten s einfach an. Die Gruppenräume warn noch leer oh je! Die Sessel fehlten - wir nahmen s mit Schmäh, denn auch von Teilnehmern fehlte noch jede Spur eine Handvoll kam am ersten Infotag nur. Doch schon bald wurden wir von jungen Leuten überrannt, wir lehrten und klärten und waren bald stadtbekannt. Nach und nach kamen neue Projekte hinzu, JUST und ICE folgten im Nu. Wir platzen schon bald aus allen Nähten und stritten uns mittags um die (Fisch)Gräten. (Insiderwitz, haha). Dann stand der große Umzug des BBRZ ins Haus, lange Planung und jede Menge Gerüchte eilten voraus. Doch der FAB durfte nicht mit in die neuen Räume, und es platzten unsere Klima-Anlagen-, Büro- und Kantinen-Träume. Dafür wurde gesucht und gefunden im Zentrum von Favoriten, ein neues Gebäude mit leistbaren Mieten! Zur Weihnachtszeit musste Alex die Tastaturen wetzen und im neuen Haus alle Computer vernetzen. Derweil packten wir unsere Koffer und Kisten und vergaßen nicht, dabei auch gleich auszumisten. Seither sitzen wir hier (sogar mit Raucherterrasse) am Monte Laa in der Emil-Fucic-Gasse. Natürlich wird auch hier nach bestem Wissen, trainiert, beraten, gecoacht und so manches Festl geschmissen. Seit 7 Jahren betreuen wir hoch über der Tangente, Menschen von der Lehre bis kurz vor der Rente. Die einzelnen Maßnahmen und Projekte, bieten Beratung für viele Menschen und viele Aspekte, Ob jung oder alt, voll Elan oder ausgebrannt, bei uns wird so manches Problem beim Namen genannt, an der Wurzel gepackt und angegangen. Wer Sorgen hat, wird von den Coaches mit Bedacht aufgefangen. Wir begegnen den Menschen mit Respekt, Toleranz und Know How, egal ob Akademikerin oder Helfer am Bau. So wollen (und werden) wir wohl noch weitere zwanzig Jahre beschreiten und gehen mit neuen Ideen und Projekten voran in die neuen Zeiten. M. Klotz-Zöhrer,

30 Allgemeines Marktplatz Bereits seit über einem Jahr gibt es den Marktplatz im FAB Wien. Es ist ein permanenter Flohmarkt. Alle Gegenstände die hier deponiert werden, können gratis entnommen werden. Die Idee entstand daraus, dass viele Menschen im Überfluss leben, während sich andere die einfachsten Dinge häufig nicht leisten können. Zu diesen Menschen zählen sehr oft unsere TeilnehmerInnen. Seitdem es den Marktplatz gibt, bringen MitarbeiterInnen täglich jene Dinge mit, von welchen sie zu viel haben bzw. von welchen sie sich trennen können. Neben Kleidungsstücken werden so Hauhaltsgegenstände, Kosmetika, Bücher, Spielsachen, Schmuck und Accessoires, Videofilme, Dekorationsgegenstände und vieles mehr mitgebracht. Die TeilnehmerInnen freuen sich über dieses Gratisangebot. An einem warmen Sommermorgen kommt eine Mitarbeiterin des Standortes FAB Wien/NÖ mit zwei schweren Reisetaschen an ihren Arbeitsort. Es ist noch zeitig und die Räumlichkeiten das FAB stehen leer. Im 5. Stock legt sie bei zwei großen leeren Tischen einen Zwischenstopp ein, stellt ihre Taschen am Boden ab und beginnt, diese auszuräumen. Kleidungsstücke werden fein säuberlich, wie in einem Bekleidungsgeschäft, auf den Tischen drapiert. Zuletzt nimmt sie noch ein Fläschchen Parfum sowie eine Halskette und ein Armband aus der Tasche und legt diese dazu. Es ist bereits Abend geworden und draußen ist es mit Sicherheit drückend heiß. Eine Mitarbeiterin des FAB verlässt mit zwei leeren Reisetaschen ihr Büro. Sie geht an den Tischen im 5. Stock vorbei, über welchen ein großes Plakat mit der Aufschrift Marktplatz hängt. Zu erkennen ist davon nicht viel, denn die Tische, die morgens überladen waren, sind mittlerweile fast leer geräumt. Nur eine Kinderhose liegt noch da, aber die ist morgen sicher auch weg. Mit dem Gefühl, dass sich viele Menschen über die Dinge freuen, die sie am selben Morgen dort abgelegt hatte, verlässt die Mitarbeiterin mit einem Lächeln im Gesicht das Gebäude in der Emil-Fucik-Gasse 1. InTeam Der Schriften gibt es viel hier gefallen tun Sie Dir und mir. Doch eine uns die Größte ist, das ist des Tages - Stellenlist! Herbert Dauner,

31 Allgemeines 20. Organos-Lehrgang Systemische Sozialpädagogik Von Oktober 2005 bis Juli 2006 absolvierten acht MitarbeiterInnen des FAB und vier Kolleginnen des BBRZ in Wien den zwanzigsten Lehrgang aus dem Organos- Erfolgsprogramm. Die anspruchsvolle, 200 Arbeitseinheiten umfassende Ausbildung hat sich so gut bewährt, dass sie mittlerweile auch vom AMS als Standard für Weiterbildungen im sozialpädagogischen Bereich anerkannt wird. Der Lehrgang wendet sich in sechs Seminaren an FachbetreuerInnen und Sozialpädagoglnnen, die in den theoretischen Grundlagen der Sozialpädagogik, im systemischen Denken, in der lösungsorientierten Gesprächsführung, in Arbeitsformen und in der Arbeitsplatzanalyse ebenso wie im Umgang mit schwierigen und anspruchsvollen Klientinnen und in der Theorie der Gruppenprozesse ausgebildet werden. Die TeilnehmerInnen trainieren im Lehrgang auch die Leistungsbeurteilung, die Vermittlungsberatung und verschiedene Formen des Konflikt- und Krisenmanagements. InTeam, 2006 (Bild aus InTeam entnommen) 6 FAB-MitarbeiterInnen sind heute noch dabei und können ebenfalls ihr 10 jähriges Firmenjubiläum feiern: Mag. a Sonja Mosonyi-Prymas, Mag. a Claudia Spitznagel, Mag. a Barbara Ernstbrunner, Mag. a Manuela Klotz-Zöhrer, Christine Gröpl, Mag. Klaus Jäger Wir gratulieren ganz herzlich! (FAB Organos ist ein Geschäftsfeld des FAB und seit Jahrzehnten anerkannte Bildungseinrichtung, die österreichweit tätig ist.) 31

32 V!VA und Powercurity V!VA heitsförderprogrammes übereinstimmen, einbringen. In Absprache mit der Geschäftsfeldleitung und den V!VA - Verantwortlichen wird in Folge geschaut, ob eine entsprechend große Interessensgruppe am Standort zustande kommt. Betriebliche Gesundheitsförderung soll einen Teil dazu beitragen, dass Sie sich gesund fühlen. Ziel ist also eine Unternehmenskultur, die von Unternehmensleitung und Belegschaftsvertretung miteinander getragen und gefördert wird und den Rahmen für gesundheitsfördernde/s Verhalten, Verhältnisse und Führung darstellt. Am Wiener Standort des FAB wird V!VA unter dem Verständnis der Basismitbestimmung organisiert. Das heißt, Kolleginnen und Kollegen können verschiedenste Vorschläge, die natürliche mit den Zielen des Gesund- Im Zuge dessen konnte im Jahr 2013/14 Entspannungstraining angeboten werden und mit Herbst 2014 startete ganz jung unsere neue Yogagruppe. V!VA steht für mich jedoch auch als Symbol. Nämlich die Bereitschaft eines Unternehmens, sich der Gesundheit der MitarbeiterInnen anzunehmen! Helmut Krassl, MA V!VA Beauftragter für den Standort Wien Total entspannt Wie schafft man es, trotz zahlreicher Störungen an einer Aufgabe konzentriert weiter zu arbeiten? Oft klingelt das Telefon oder eine wichtige Post hat Sie gerade erreicht und Sie sind abgelenkt. Kann man konzentriertes Arbeiten lernen? Was brauche ich dazu? Entspannung der Weg zum konzentrierten Arbeiten! Ohne Entspannung keine Konzentration und umgekehrt. Wenn Sie völlig kopflos herumlaufen, werden Sie keinen klaren Gedanken fassen können. Für den Arbeitsalltag stellt sich nun die Frage: Gibt es Möglichkeiten, nach einer Störung rasch zur vorherigen Konzentration zurückzukehren und die Aufgabe erfolgreich zu erledigen? Platz brauchen. Die Grundlage der Chair Massage ist die traditionelle fernöstliche Shiatsumassage; diese Entspannungsmethode wird in den USA, in Japan und in Deutschland schon seit Jahren in Büros, Shoppingcentern, bei Kongressen etc. verwendet. InTeam, 03/2010 Beim FAB in Wien ist dank sehr guter Auslastung nur sehr wenig Platz für Entspannungsübungen. Deswegen haben sich die KollegInnen gemeinsam mit dem betrieblichen Gesundheitsprogramm Viva entschlossen, Chair Massagen als Anti Stress Mittel in Anspruch zu nehmen, da sie wenig Zeit und wenig 32

33 V!VA und Powercurity Powercurity POWERCURITY 2020 Betriebliches Frauenprogramm der Unternehmensgruppe Fairness Karriere Vernetzung Die BBRZ-Gruppe und somit der FAB geht mit dem Programm Powercurity seit 1997 Themen der Geschlechtergleichberechtigung an. Die Motivation hinter der Einführung des betrieblichen Frauenprogrammes Powercurity war der im Jahr 1997 auffallend geringe Frauenanteil von 13 Prozent unter den Führungskräften. Sonst ist in der Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit den anderen Kontaktfrauen der BBRZ Gruppe in Wien denkbar, um eventuell gemeinsame Angebote für die Frauen der BBRZ Gruppe in Wien zu entwickeln. Die Funktion der Kontaktfrau habe ich seit Januar 2014 inne. Bisher haben mich Kolleginnen insbesondere mit Fragen der beruflichen Perspektive besucht. Ich freue mich auf weitere positive Entwicklungen für die Mitarbeiterinnen und Projektteilnehmerinnen des FAB Wien mithilfe des Programms Powercurity.. MMag. a Anne-Marie Naets Frauenkontaktfrau für Powercurity Für die Mitarbeiterinnen und Projektteilnehmerinnen des FAB Wien bedeutet es zurzeit konkret, dass ich ihnen als Kontaktfrau für Information und Beratung zu Themen der Geschlechtergleichbehandlung bzw. solchen Angelegenheiten, die sie als Frau betreffen, zur Verfügung stehe. Die Informationen lassen sich teilweise als Broschüren zu verschiedenen Anliegen in der Frauenecke im 4. Stock finden. Weiter verschicke ich regelmäßige Infomails zu aktuellen Frauen- und Geschlechtergleichberechtigungsthemen an die Frauen des FAB Wien. Jede Kollegin bzw. Projektteilnehmerin ist aber auch herzlich eingeladen, mich in meinem Büro aufzusuchen und sich informieren und beraten zu lassen. Als Vertrauensperson bin ich an die Verschwiegenheitspflicht gebunden und handle nur in Absprache mit der jeweiligen Kollegin bzw. Projektteilnehmerin. 33

34 Messen und Veranstaltungen Der FAB Wien/NÖ ist auch regelmäßig auf Messen und Veranstaltungen vertreten. 3. Jobmeile der Caritas am Jobmeile der Caritas am Jobmeile der Caritas am Qualifizierungsmeile am Im Auftrag der LGS Wien fand am im FAB Wien, 10. Bezirk, das 2. Netzwerktreffen für Ältere 50+ mit der Projektpräsentation der neuen BBE Zentrum für Kompetenz und Erfahrung (ZKE) durch die Projektleiterinnen Claudia Spitznagel und Julia Gaisrucker-Döllerer und geladenen KooperationspartnerInnen mit anschließendem Open Space und Buffet, das die Möglichkeit zur weiteren Vernetzung bot, statt. Seit 2014 ist der FAB Wien/NÖ auch Mitglied des DSE und nahm am zum ersten Mal an der DSE Jobmesse mit doppeltem Standausmaß und regem Interesse der BesucherInnen teil. 34

35 MitarbeiterInnen - Events Events und andere wichtige Veranstaltungen Jährliche MitarbeiterInnenfeste zum sozialen Networking sind fixer Bestand des FAB Wien/NÖ. Auch beim Drachenbootrennen des BBRZ an der alten Donau war der FAB Wien/NÖ dabei. Vor dem Rennen nutürlich noch eine Lagebesprechung! Nicht nur im FAB Wien/NÖ gibt Regina Rieder den Ton an! Zum Aufwärmen noch einmal Trockentraining! 35

36 MitarbeiterInnen - Events Events und andere wichtige Veranstaltungen 2013 fand zum ersten Mal im FAB Wien/NÖ ein Open Space statt, um einerseits den MitarbeiterInnen eine Plattform zur Vernetzung zu geben und andererseits auch die Möglichkeit hausinterne Projekte besser kennenzulernen zu bieten. Die Geschäftsführerin des FAB Mag. a Silvia Kunz berichtete über Zukunftsperspektiven des FAB und war von der Veranstaltung begeistert. Jedes Projekt bot dabei seine Spezialitäten an Monsun ließ es richtig krachen mit einer Popcornmaschine! step2job verwöhnte die Gäste mit exotischen Getränken und bezauberte die Damen mit Rosen! Diogenes versuchte mit süßen Sachen zu verführen! Beim Team vom Jugendcoaching gab es harte Nüsse zu knacken! 36

37 MitarbeiterInnen - Events Im Anschluss fand das jährliche MitarbeiterInnenfest statt, bei dem die Geschäftsfeldleitung Mag. a Regina Rieder allen Teams für die tolle Arbeit 2013 dankte. 37

38 Der FAB Wien/NÖ bedankt sich bei seinen AuftraggeberInnen und KooperationspartnerInnen für die gute Zusammenarbeit sowie bei allen MitarbeiterInnen für deren Einsatz und Engagement.

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