Lebensräume für ein selbstbestimmtes Leben, worüber sprechen wir eigentlich? Dr. h. c. Jürgen Gohde, 2. April 2014, Frankfurt am Main

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1 Lebensräume für ein selbstbestimmtes Leben, worüber sprechen wir eigentlich? Dr. h. c. Jürgen Gohde, 2. April 2014, Frankfurt am Main

2 Richtungsanzeigen Wie wollen Menschen alt werden? Welches sind die Lebensräume älterer Menschen? Wie müssen diese gestaltet sein? 2

3 Die Alten sind anders Generali Hochaltrigen Studie ( 2014) - Sie wollen sich einmischen und mitgestalten - große Potentiale und mangelnde Wertschätzung - gesünder - heterogener Heidelberger Hundertjährigen Studie( ( 2013) -Sie wollen in der eigenen Wohnung alt werden, sinnvoll Leben und selbstständig bleiben

4 Wandel, Heterogenität und Vielfalt von Altersbildern Altersbilder entfalten politische, gesellschaftliche und individuelle Wirksamkeit. Altersbilder, bei denen der fürsorgerische Blick auf die Alten dominiert,sind kritisch zu sehen Altern im Generationenzusammenhang sehen ( 6. Altenbericht der Bundesregierung 2010) Der 6. Altenbericht stellt den Wandel, die Heterogenität und die Vielfalt von Lebenslagen und Biografien älterer Menschen in den Vordergrund. Damit werden Potentiale des Alters ebenso deutlich wie Räume der Verantwortung und Gestaltung, aber auch die Verletzlichkeit. Es geht darum, die Chancen des längeren Lebens zu nutzen. 4

5 Wie wollen ältere Menschen alt werden? 83 % wollen möglichst lange unabhängig bleiben und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sein 76 % wollen möglichst lange im eigenen Haus oder der eignen Wohnung wohnen bleiben können (Ergebnisse der Generali Altersstudie 2013) 5

6 Selbstbestimmung und Teilhabe 6

7 Lebensraum: Eigene Wohnung 93 Prozent der älteren Menschen (65+) leben in einer normalen Wohnung. nur etwa 5 Prozent aller Wohnungen, die von älteren Menschen (65+)bewohnt werden, sind barrierearm. Dies entspricht ca Wohnungen. (KDA-Studie 2010) 7

8 Lebensraum: Eigene Wohnung 3/4 der älteren Menschen müssen Stufen und Schwellen überwinden, um in ihr Haus bzw. in ihre Wohnung zu gelangen bei rund einem Drittel sind zudem die Zugänge zu Terrassen und Balkonen nicht barrierefrei zwischen 20 und 30 Prozent der Seniorenhaushalte haben nach eigener Einschätzung zu geringe Bewegungsflächen im Bad oder die Türbreiten in ihren Wohnungen werden als zu eng eingeschätzt, wenn sie aufgrund von Mobilitätseinschränkungen Bewegungshilfen benötigen. nur ca. 15 Prozent verfügen über bodengleiche Duschen (KDA-Studie 2010) 8

9 Wie müssen diese gestaltet sein? Als wichtige Maßnahmen zur altersgerechten Gestaltung der eigenen Wohnsituation werden vor allem barrierefreie Badezimmer, die Vermeidung von Treppen sowie die Möglichkeit, über ein Hausrufsystem oder einen Alarmknopf schnell Hilfe rufen zu können, betrachtet. (Generali Altersstudie, 2013) 9

10 Wie müssen diese gestaltet sein? um für alle Seniorenhaushalte ein bedarfsgerechtes Wohnangebot sicher zu stellen, müssten über zehn Millionen Wohnungen zumindest barrierearm gestaltet werden um wenigstens für die Seniorenhaushalte, in denen mobilitätseingeschränkte Menschen leben, ein bedarfsgerechtes Wohnangebot zu Verfügung zu stellen, müssten in den nächsten Jahren mindest 2,5 Millionen Wohnungen in Bezug auf ihre barrierefreie Gestaltung saniert werden. (KDA-Studie 2010) 10

11 Wie müssen diese gestaltet sein? Fördermittel Bund KfW-Programm Altersgerecht Umbauen wurde 2009 von der Bundesregierung eingeführt mit verbilligten Darlehen oder Zuschüssen entstanden durch das KfW-Programm mehr als barrierefreie Wohneinheiten Programm wurde 2011 eingestellt und seitdem nicht wieder aufgelegt Pflegebedürftige können bis zu Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen erhalten. Das ist zu wenig! 11

12 Wie müssen diese gestaltet sein? Fördermittel Länder Bundesländer verfügen über zahlreiche, ganz unterschiedliche Förderinstrumente zur Förderung barrierefreier Baumaßnahmen im Neubau und im Bestand. Die Einhaltung der DIN Barrierefreies Bauen wird als Fördervoraussetzung sehr unterschiedlich gehandhabt. Ausführliche Untersuchung des KDA 2014: Wohnatlas- erscheint in Kürze 12

13 Wohnatlas

14 Wie müssen diese gestaltet sein? Erhebliche Informationsdefizite es fehlt an Bewusstsein, dass altersgerechte Wohnungsangebote nötig sind und in Zukunft auch stark nachgefragt werden es fehlt an Kenntnissen, welche Anpassungsmaßnahen möglich sind, sowohl bei Endverbrauchers als auch Fachleute, die mit der Planung, Finanzierung und baulichen Umsetzung befasst sind bestehendes Netz an Wohnberatungsstellen reicht nicht aus, um die Informationsdefizite zu beseitigen. Keine finanzielle Förderung, keine flächendeckende Verbreitung außer in NRW. Dort werden die Wohnberatungsstellen über die Pflegekassen finanziert 14

15 Lebensraum: Alten- und Pflegeheim Traditionelle Wohnform: Alten- und Pflegeheim Bundesweit leben ca. 4 % der älteren Menschen (65+) in Alten- und Pflegeheimen mehr als neue Pflegeplätze in stationären Einrichtungen sind seit 2005 entstanden (Pflegestatistik) 15

16 Lebensraum: Alternative Wohnformen Betreutes Wohnen gemeinschaftliche Wohnprojekte ambulant betreute Pflegewohngemeinschaften Bundesweit leben ca. 2-3 % der älteren Menschen (65+) in alternativen Wohnformen. In Deutschland gibt es ca ambulant betreute Wohngemeinschaften, 869 gemeinschaftliche Wohnprojekte und betreute Wohneinheiten (Betreutes Wohnen) (Schätzungen des KDA, 2014) 16

17 Wie müssen diese gestaltet sein? Zukunft der Pflege liegt im Quartier Neue Wohnformen müssen ausreichend gefördert werden: Investitionsprogramm Pflege und Wohnen Grundsatz Ambulant vor stationär muss konsequent umgesetzt werden 17

18 Wie müssen diese gestaltet sein? Gestaltung der Infrastruktur durch Kommunen und Wohnungswirtschaft Zukunft gehört integrierten, spezialisierten und kleinräumigen Angeboten Wir brauchen wohnortnahe und vernetzte Angebote und Dienstleistungen, die im Sozialraum kooperieren. Zum Beispiel: Beratungsangebote, soziale, haushaltsnahe, ambulante, (teil)stationäre, ehrenamtliche und professionelle Angebote 18

19 Welches sind ihre Lebensräume? Das Quartier ist ein Stadtteil oder eine Gemeinde deren Bürgerschaft durch eine gemeinsame Identität und eine soziale Interaktion gekennzeichnet ist. ist der Ort, an dem sich ältere Menschen am häufigsten in ihrem Alltag aufhalten, um Freunde und Freundinnen zu besuchen, zum Arzt oder einkaufen zu gehen. Der Weg zum Supermarkt liegt dabei häufig nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft und erfordert unter Umständen eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. 19

20 Wie müssen diese gestaltet sein? KDA-Ansatz der Quartiersentwicklung Wertschätzendes gesellschaftliches Umfeld fördern Tragfähige soziale Infrastruktur erhalten Bedarfsgerechte Wohnangebote ausbauen Generationengerechte räumliche Infrastruktur sicherstellen Bedarfsgerechte Dienstleistungen und Angebote aufbauen Wohnortnahe Beratung und Begleitung ermöglichen 20

21 Strategien, Positionen und Instrumente Allianzen von Schlüsselakteuren sind erforderlich: Innovationen sind machbar

22 Weitere Informationen: 22

23 Was ist zu tun? Bedarf an barrierefreien/-armen Wohnungen(2,5 Mio. bis BMVBS,Wohnen im Alter 2011) Zusätzlicher Bedarf an integrierten Wohnangeboten ( Infrastruktur von Wohnen und Versorgung) Zusätzlicher Bedarf an kostengünstigen Wohnungen( Zunehmende Heterogenität [6. Altenbericht], steigende Altersarmut und Herausforderungen der Pflegeinfrastruktur) Zunehmender Bedarf an differenzierten Wohnangeboten( Selbstbestimmung und unterschiedliche Bedarfe) 23

24 Anwendungsfelder alternsgerechter Assistenzsyysteme

25 Gesamtkonzept Selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter Keine isolierten Lösungen: Gesamtkonzept "Wohnen im Alter" Kontinuität und Zielorientierung : Kooperation der Akteure Ressortübergreifendes Handeln: Generationengerechtigkeit Beteiligungsorientierung vor Ort (Subsidiarität und Solidarität, Zivilgesellschaft, Inklusionsorientierung) Ganzheitliche Orientierung ( Personorientierung und Infrastruktur) Flächendeckende Umsetzungsplanungen Flexible Planungen/ Experimentierspielräume Rückgewinnung der Gestaltungskraft der Kommunen 25

26 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dr. h.c. Jürgen Gohde, Vorsitzender des KDA Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e.v. An der Pauluskirche Köln Telefon 0221 / Fax 0221 / Internet

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