Meilensteintagung in der Philharmonie, Essen

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1 Meilensteintagung in der Philharmonie, Essen

2 Vier Jahre Ganz In: Erfolge und Herausforderungen für die Zukunft Prof. Dr. Markus Ritter, Ruhr-Universität Bochum

3 Lernausgangserhebung im Fach Englisch 2010 getestet Englisch ab Klasse getestet Englisch ab Klasse 1 (2. Halbjahr) Kohorte 2010 Kohorte 2012

4 Forschungsfragen (Auswahl) 1. Zeigen Englischlerner nach dreieinhalb Jahren Englisch in der Grundschule bessere Hörverstehensleistungen als Englischlerner nach zwei Jahren Englischunterricht in der Grundschule? 2. Zeigen Englischlerner nach dreieinhalb Jahren Englisch in der Grundschule bessere Leseverstehensleistungen als Englischlerner nach zwei Jahren Englischunterricht in der Grundschule? January 28, 2014

5 Design Standardisierter Leistungstest (insgesamt 52 Items aus EVENING 2006, identischer Test 2010 und 2012) Beginn Klasse 5 (drei Wochen nach Schulwechsel) Gruppe 1: 2010 (2 Jahre Englischunterricht in der Grundschule) N (2010) = Gruppe 2: 2012 (3,5 Jahre Englischunterricht in der Grundschule) N (2012) = January 28, 2014

6 Stichprobenvergleich 2010 vs Unterscheiden sich die beiden Stichproben in ihren Merkmalen signifikant voneinander? Leistungsunterschiede können sonst anderen Merkmalen als der längeren Lernzeit zugeschrieben werden Geschlecht Erstsprache Deutsch Geburtsland Deutschland M = 51.4 % J = 48.6 % Ja = 74.1 % Nein = 25.9 % Ja = 96.1 % Nein = 3.9 % M = 51.1 % J = 48.9 % Ja = 72.7 % Nein = 27.3 % Ja = 96.2 % Nein = 3.8 % January 28, 2014

7 Ergebnisse (Auswahl) Forschungsfrage 1: Höhere Hörverstehensleistungen? Gruppe 1: 2010 Gruppe 2: Leistungsunterschied ist signifikant: t(6493) = 8.546; p <.001 Mittelwert Gruppen January 28, 2014

8 Ergebnisse (Auswahl) Forschungsfrage 2: Höhere Leseverstehensleistungen? Gruppe 1: 2010 Gruppe 2: Leistungsunterschied ist signifikant: t( ) = 6.902; p <.001 Mittelwert Gruppen January 28, 2014

9

10 Dissertationsvorhaben von Lisa Rauschelbach: Mehrsprachige Schüler/innen im (englischsprachigen) bilingualen Sachfachunterricht

11 Gesamtleistung im Fach Englisch (9. Schuljahr), DESI 2006

12 Fragebögen in Jgst. 8+9 (Bili-Züge/-Module, Gymnasien) - Exploration des Forschungsfeldes - Identifizierung "geeigneter" mehrsprachiger SuS Einzelinterviews mit 16 mehrsprachigen SuS und 2 "einsprachigen" SuS - qualitativ - leitfadengestützt Auswertung - Mikrosprachliche Analyse kombiniert mit qualitativer Inhaltsanalyse, Rekonstruktion Herausarbeitung von Mustern/Motiven - Ergänzung der Interviewergebnisse durch Fragebogenergebnisse - Längsauswertung (Fallstudien), Querauswertung, evtl. Typenbildung

13 Murat, 9. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Türkisch Selbsteinschätzung: Schulnote (Fragebogen) / GER (Interview) Sprache Hören Lesen An Gesprächen teilnehmen Zusammenhängend sprechen Schreiben Deutsch 1 / C2 1 / C2 1 / C2 1 / C2 2 / C2 Englisch 2 / B2 2 / B2 2 / B1 2 / B2 2 / B1 Türkisch 1 / C2 1 / C1 1 / C1-C2 1 / C2 2 / B2 Französisch 4 / A2 4 / A1-A2 4 / A1-A2 3- / A1-A2 3- / A1 Arabisch

14 Murat, 9. Kl., Familiensprachen Deutsch + Türkisch Interviewfrage: was genau findest du denn besser? (nachdem Murat erläutert hat, dass er zweisprachiges Aufwachsen besser findet) Transkriptauszug

15 Murat, 9. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Türkisch ähm also wenn man jetzt ZWEI sprachen hat (.) und eine DRITTE erlernt (1) dann könnte man diese DRITTE SPRACHE besser erlernen (.) aber man muss diese zwei sprachen die man spricht auch wirklich können (.) also jetzt nicht so (1) hingeleiert so (1) und wenn man diese zwei sprachen kann (.) dann kommt die dritte automatisch dann (.) kann man auch besser VOKABELN lernen dann kann man- zum beispiel wenn ich die deutsche vokabel lese vom französischen und ich versteh die DEUTSCHE NICHT (1) und dann google ich was das deutsche bedeutet auf TÜRKISCH AH auf türkisch heißt das so dann versteh ich was das französische ist und dann weiß ich auch was das DEUTSCHE ist dann kann ich mich auch besser weiter ENTWICKELN [ ]

16 Murat, 9. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Türkisch ähm also wenn man jetzt ZWEI sprachen hat (.) und eine DRITTE erlernt (1) dann könnte man diese DRITTE SPRACHE besser erlernen (.) aber man muss diese zwei sprachen die man spricht auch wirklich können (.) also jetzt nicht so (1) hingeleiert so (1) und wenn man diese zwei sprachen kann (.) dann kommt die dritte automatisch dann (.) kann man auch besser VOKABELN lernen dann kann man- zum beispiel wenn ich die deutsche vokabel lese vom französischen und ich versteh die DEUTSCHE NICHT (1) und dann google ich was das deutsche bedeutet auf TÜRKISCH AH auf türkisch heißt das so dann versteh ich was das französische ist und dann weiß ich auch was das DEUTSCHE ist dann kann ich mich auch besser weiter ENTWICKELN [ ]

17 Murat, 9. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Türkisch Sprachenlernen: - Konzept, das auf jeden zutrifft ( man ) - dritte Sprache kommt automatisch (Voraussetzung: hohe Sprachkompetenzen in den ersten beiden Sprachen) - Wortschatz, Wortbedeutung, Übersetzung ( Vokabel/n, bedeutet, heißt ) Lernerrolle: aktiv ( ich ), suchen und finden (Internet / Eltern), Ziel: Verstehen der Wortbedeutung und Weiterentwicklung in mehreren Sprachen ( versteh, weiß, entwickeln ) Strategie zur Erschließung unbekannter Wortbedeutungen: Nutzung der eigenen Mehrsprachigkeit (Umweg über und Verbinden mit der Herkunftssprache Türkisch )

18 Vesna, 8. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Kroatisch Sprache Hören Lesen An Gesprächen teilnehmen Zusammenhängend sprechen Selbsteinschätzung: Schulnote (Fragebogen) / GER (Interview) Schreiben Kroatisch 1 / C2 1 / C2 3+ / C1 1 / C2 2+ / B1-B2 Deutsch 1 / C2 2 / C2 1 / C1 1 / C2 3 / C2 Englisch 2 / C1-C2 1 / B2 2- / B2 3+ / B2 2+ / B2 Russisch und Polnisch Serbisch und Bosnisch A1 geht k.a. Polnisch: A1 A1 C2 geht C1 k.a. kritisch

19 Vesna, 8. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Kroatisch Vesna: [ ] und ich glaube, wenn man jünger ist, geht / ist das doch viel leichter, eine sprache zu lernen als wenn man älter wird, weil dann ist man so auf eine sprache fixiert und kann die dann GUT und dann hat man immer angst, dass man so da aus dem gleichgewicht da kommt, wenn man die andere dann auch lernen muss. [ ] Interviewfrage: was meinst du mit GLEICHGEWICHT? Transkriptauszug

20 Vesna, 8. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Kroatisch ja, wenn man- (.) jetzt zum beispiel: würde ich jetzt noch ähm SPANISCH lernen dann wäre das jetzt total verwirrend (.) dann habe ich ja latein, deutsch, kroatisch und dann NOCH eine sprache (.) und ich meine eigentlich so ist das ja gut (.) nur danndann verwirrt man und dann lässt man sich ja noch mehr verwirren, weil man lernt dann- einen- äh eine neue sprache und hat dann noch englisch dabei und muss gleichzeitig deutsch fließend sprechen können und kroatisch, weil wenn- wenn ich bei meiner familie nicht vernünftig reden kann dann ist das auch peinlich sage ich mal so (.) also da muss man sich auch über so- (.) anpassen (.) ja.

21 Vesna, 8. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Kroatisch ja, wenn man- (.) jetzt zum beispiel: würde ich jetzt noch ähm SPANISCH lernen dann wäre das jetzt total verwirrend (.) dann habe ich ja latein, deutsch, kroatisch und dann NOCH eine sprache (.) und ich meine eigentlich so ist das ja gut (.) nur danndann verwirrt man und dann lässt man sich ja noch mehr verwirren, weil man lernt dann- einen- äh eine neue sprache und hat dann noch englisch dabei und muss gleichzeitig deutsch fließend sprechen können und kroatisch, weil wenn- wenn ich bei meiner familie nicht vernünftig reden kann dann ist das auch peinlich sage ich mal so (.) also da muss man sich auch über so- (.) anpassen (.) ja.

22 Vesna, 8. Kl., Familiensprachen: Deutsch + Kroatisch Mehrsprachigkeit: positiv Problem: Risiko, aus dem Gleichgewicht zu geraten, Risiko der Verwirrung (3x) peinlich Erwartungen von außen ( muss, familie, anpassen ) Gleichgewicht der Sprachen Gefühl der Sicherheit in Vesnas Identität Risiko des Ungleichgewichts durch Verwirrung Identitätsverlust Zusammenspiel von Sprache, Gefühl und Identität

23 Schlussfolgerungen zur individuellen Mehrsprachigkeit aus diesen zwei Transkripten (Murat, Vesna): Chancen: - Strategien zur Worterschließung (Nutzung der eigenen Mehrsprachigkeit) - Ambiguitätstoleranz (Umgang mit unbekannten Wörtern) - höhere Sprachbewusstheit durch eigene Sprachlernerfahrungen Risiken: -Identitätsbildung durch Sprachen (Gefährdung durch "Ungleichgewicht" in den Sprachen) - Überforderung ("Verwirrung", Erwartungshaltungen von außen) 23

24 Ausblick auf laufende und geplante Forschungsvorhaben: Wie entwickeln sich die Ganz In-Schüler/innen im Fach Englisch im Längsschnitt? z.b. - weiterer Einfluss des Frühbeginns im Längsschnitt (Klasse 7) - Einfluss von Mehrsprachigkeit/Migrationshintergrund - soziale Faktoren (z.b. sozioökonomischer Status) - attitudinale Faktoren (Lernmotivation)

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