Was ist gute Lehre? Anmerkungen. Fragen. Befunde.

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1 Was ist gute Lehre? Anmerkungen. Fragen. Befunde. Regina Jucks 1. Sichtweisen auf Gute Lehre WWU_Claim_4c_312.jpg 2. Inhaltliche Anforderung einer erfolgreichen Wissensvermittlung: DOSS 2014, 26. Mai Bilanz/persönliche Anmerkungen 2 4 Sichtweisen auf das Lehren Was für Vorstellungen haben Lehrende vom Lehren? Konzeptionen des Lehrens reichen von einer Lehrer- zu einer Lernerzentrierung (Kember, 1997; vgl. Winteler, 2003) Strukturiertes Wissen vermitteln Informationen übermitteln LernerLehrerInteraktion Verständnis Konzeptuelle erleichtern Veränderung 3 Päuler, L. & Jucks, R. (2013). Direkt erfragt: Die Messung von Lehrorientierungen per Fragebogen mit offenem Antwortformat. Zeitschrift für Hochschulentwicklung 8(3). Fragebogendaten: Approaches to Teaching Inventory Für gute Lehre ist es aus meiner Sicht wichtig, dass (Kember, 1997, S. 264) ATI-R (Trigwell, Prosser & Ginns, 2005), 22 Items auf 2 Skalen (Information-Transmission/Teacher-Focus, Conceptual-Change/Student-Focus) 5 6

2 Beispiele aus dem ATI-R (Trigwell, Prosser, Ginns, 2005; Lübeck, 2009) Befunde Statusgruppenvergleich: Lehrorientierungen Information Transmission/Teacher Focus Schwerpunkt in Lehrveranstaltungen sollte vor allem sein, den Studierenden das zu vermitteln, was der Dozent weiß. Conceptual Change/Student Focus Lehre soll die Studierenden vor allem darin unterstützen, ihr eigenes Verständnis der Fachinhalte zu hinterfragen. 7 8 Fachkultur Im universitären Kontext große Bedeutung der akademischen Disziplin Häufig Trennung in harte und weiche Domänen (Muis, Bendixen &Haerle, 2006; Neumann, Parry & Becher, 2002) harte Domäne / MINT weiche Domäne / GESO Gute Lehre aus der Perspektive der Fächer Andere Inhalte --- Andere Lehrformate/-Lehrmethoden: In den weichen Fächern mehr Interaktion, Gruppenarbeit, in den harten Fächern mehr Vermittlung durch Vorlesungen (Kember & Leung, 2011; Parpala, Lindblom-Ylänne & Rytkönen, 2011) quantitative Methoden Ableitung allgemein gültiger Aussagen Wissensstrukturierung: paradigmatisch, atomistisch, disparat qualitative Methoden sich wiederholend, mit Einzelheiten befassend Wissensstrukturierung: nicht paradigmatisch, holistisch In den weichen Fächern mehr studierendenorientierte Lehrmethoden als in den harten Fächern (Lindblom-Ylänne, Trigwell, Nevgi & Ashwin, 2006; Lübeck, 2010) 9 10 Befunde Fächervergleich: Lehrorientierungen Zwischenfazit zu Lehransätzen Fächerkulturen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Lehrorientierung zwischen harten und weichen Domänen auf Einzelfachebene kaum Unterschiede Interdisziplinäre Weiterbildungsinitiativen sollten die Vielfalt der Lehrorientierungen adressieren Gute Lehre? Was sind angemessene Lehrorientierungen? (flexibel, breites Repertoire ) Lehrende, die mehr studierendenorientierte Lehrmethoden einsetzen wollen, sollten bedenken, dass Studierenden dafür vielleicht noch nicht vorbereitet sind 11 12

3 Professionalisierung Hochschullehrender durch die Reflexion von Lehrorientierungen (Amundsen & Wilson, 2012) Hat die Lehrvorstellung einen Einfluss auf die Lehrhandlung? Weitere Datenerhebung mit 70 Lehrenden (ATI-R-Fragebogendaten, offene Fragen, Antwort auf Anfrage einer Studierenden) Erste Ergebnisse: längere Antworten bei geringerem Teacher Focus Welche Rolle spielt die Kommunikation für den Wissenserwerb? Durch Kommunikation kann Verständnis aufgebaut werden. 1. Sichtweisen auf Gute Lehre! Kommunikation unterstützt die Veränderungen der bestehenden kognitiven Strukturen (Van Boxtel, van der Linden, & Kanselaar, 2000) 2. Inhaltliche Anforderung einer erfolgreichen Wissensvermittlung:! spezifische interaktive Handlungen bestimmen den Erfolg (King, 1999; Webb & Mastergeorge, 2003; Paus, Werner & Jucks, 2012) 3. Bilanz/persönliche Anmerkungen! Argumentieren muss gelernt werden (Kuhn & Crowell, 2011) Anforderung: Verwenden von Fachvokabular Kognitive Anforderung: Verwenden von Fachvokabular Fachworte sind " Bausteine des Wissens " und gleichzeitig sprachliche Hüllen Lernende: Unterschied zwischen der Worthülle und der dahinterliegenden Bedeutung erkennen Lehrende: Wörter verwenden, die verstanden werden, schwierige Worte erklären, Inhalte nicht künstlich vereinfachen biochemisch Beitrag der Kommunikation: Unterstützung beim Aufbau eines komplexeren und differenzierteren Inhalts- (und Wissenschafts-)verständnisses Synapse Transmitter erregend hemmend

4 Zentrale Ergebnisse Es gibt unterschiedliche Arten von Fachbegriffen. Insbesondere solche Begriffe, die am Rande der Fachsprachlichkeit stehen, können zu Verständnisschwierigkeiten führen. Ziel sollte es sein, nachzuprüfen, welche Fachbegriffe wirklich verstanden sind und welche nur aufgeschnappt worden sind. 1. Sichtweisen auf Gute Lehre 2. Inhaltliche Anforderung einer erfolgreichen Wissensvermittlung: 3. Bilanz/persönliche Anmerkungen Berücksichtigung des potentiellen Gesichtsverlusts Grundlegendes Bedürfnis in sozialen Interaktionen Bedürfnis nach Autonomie (negative face) Bedürfnis nach sozialer Akzeptanz und Zugehörigkeit (positives face) face: das öffentliche Selbstbild Bisherige Forschung zur Höflichkeit in Instruktionsprozessen positive Wirkung Wang et al. (2008) höfliche Tutoren führen zu besseren Lernergebnissen Kerssen-Griep et al. (2008) Höflichkeit eines Lehrenden korreliert positiv mit Motivation der Lernenden, & positiver Beziehung zum Lehrenden negative Wirkung Person et al. (1995) Höflichkeitsbedenken können effektives Tutoring behindern Bonnefon, et al. (2011) Höflichkeit kann zu Missverständnissen führen Grundidee: In der Wissenskommunikation besteht die Gefahr die Botschaft so zu umkleiden, dass sie nicht mehr verstanden wird. Erklären Versuchssetting Tutoren besser, wenn sie nicht höflich sein sollen? Tutor und Tutee bearbeiten eine SPSS-Aufgabe im Chat. (32 Teams) Die Tutoren werden instruiert (nicht) höflich zu sein

5 Erklären Tutoren besser, wenn sie nicht höflich sein sollen? Erklären Tutoren besser, wenn sie nicht höflich sein sollen? Ergebnisse Tutoren der nicht-höflich Bedingung kommunizieren direkter Insgesamt kaum negatives Feedback Keine Unterschiede beim Lernen der Tutees Gesichts -bezogene Äußerungen werden durch die Manipulation beeinflusst Umgang mit potentiellem Gesichtsverlust: Statusgruppenvergleiche Wie lange es dauert, eine zu verfassen Sichtweisen auf Gute Lehre 2. Inhaltliche Anforderung einer erfolgreichen Wissensvermittlung: 3. Bilanz/persönliche Anmerkungen -- Verhältnis von Forschung & Lehre Verhältnis von Forschung und Lehre Wer Lehre sagt, muss auch die Forschung berücksichtigen Wissenschaftliche Zugänge zur Guten Lehre Fächerbezug, Fächergrenzen und gemeinsame Themen Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit an meine Arbeitsgruppe, hier insbes. Lena Päuler-Kuppinger 29 30

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