Der Wald der Zukunft in Thüringen. Herausforderungen und Lösungen am Beispiel des Staatswaldes

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1 Der Wald der Zukunft in Thüringen Herausforderungen und Lösungen am Beispiel des Staatswaldes

2 Inhaltsverzeichnis 1. Holzvorräte 2. Zuwachs und nachhaltige Nutzung 3. Baumarten 4. Waldaufbau 5. Waldverjüngung 6. Alter 7. Naturnähe und Totholz 8. Schlussfolgerungen 9. Allgemeine Hinweise zur BWI 3 2/12

3 Thüringens Staatswald wird älter, vielfältiger und naturnäher Die Bundeswaldinventur, eine alle zehn Jahre wiederholte Großrauminventur in den 16 Bundesländern, hat ein rundweg gutes Bild von der Entwicklung des Staatswaldes in Thüringen gezeigt. Der Wald ist größer, bunter, älter und privater geworden. Aber die Ergebnisse der Bundeswaldinventur haben auch zu überraschenden, neuen Erkenntnissen im Staatswald geführt: Der nachhaltig und umweltfreundlich wachsende Roh-, Bau- und Werkstoff Holz steht im Staatswald Thüringens tatsächlich in höherem Maße als bisher berechnet zur Verfügung. Die Wälder des Freistaates gehören sogar zu den produktivsten in Deutschland überhaupt. Die Baumartenvielfalt hat zugenommen, ebenso der Anteil der Mischwälder und der zwei- und mehrschichtigen Wälder. Der Staatswald ist älter geworden, aber auch der Nachwuchs - also die nächste Waldgeneration - hat sich gut entwickelt. Dieser ist baumartenreicher. Die Waldverjüngung ist außerdem naturnäher als die Altbestände. Der hohe Totholzanteil weist auf den naturschutzfachlichen Wert des Staatswaldes in Thüringen hin. 1. Holzvorräte Holzvorräte sind u.a. ein wesentlicher Parameter für die Bewertung der forstlichen Nutzungsmöglich-keiten. Die Höhe der Holzvorräte in Verbindung mit der Waldstruktur bestimmt aber auch die Stabilität und damit die Multifunktionalität der Wälder. Staatswald Deutschland Veränderung Veränderung Staatswald Deutschland Vorrat (Kubikmeter je Hektar) Der Holzvorrat im Staatswald ist mit 349 Kubikmeter je Hektar auf Rekordniveau. Der Gesamtvorrat beläuft sich auf rund 65 Mio. Kubikmeter, damit könnte man die gesamte Thüringer Landesfläche mit einem 0,4 cm starken Holzboden belegen. Innerhalb von 10 Jahren ist der Vorrat um 13 % angestiegen, die Vorratszunahme ist bei allen Baumarten zu verzeichnen. 3/12

4 Der Holzvorrat darf aber keinesfalls ins Unermessliche steigen, denn zu hohe Vorräte destabilisieren unsere Wälder, erhöhen das Risiko gegenüber Sturm und verhindern durch fehlendes Licht die Baumartenvielfalt. Der nachwachsende Roh-, Bau- und Werkstoff Holz besitzt in seiner Verwendung eine steigende Bedeutung. 2. Zuwachs und nachhaltige Nutzung Nachhaltige Nutzung bedeutete früher, nicht mehr Holz zu nutzen als nachwächst. Nachhaltige Nutzung bedeutet heute, dass wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedürfnisse und Interessen dieser und zukünftiger Generationen in Einklang gebracht werden und somit nicht nur die direkte Ernte und Nutzung des Holzes. Staatswald Zuwachs (Kubikmeter/Hektar*Jahr) 11,5 11,2 Deutschland Der Gesamtzuwachs im Staatswald an Holz beträgt pro Jahr 2,28 Mio. Kubikmeter. Damit könnten Holzlaster Stoßstange an Stoßstange die komplette Landesgrenze Thüringens beparken. Thüringen besitzt mit sehr guten Böden und einem waldfreundlichen Klima hervorragende standörtliche Voraussetzungen für die nachhaltige Holzproduktion. Im Staatswald werden durchschnittlich 1,2 Mio. Kubikmeter jährlich genutzt. 64 % davon entfallen auf die Baumart Fichte, 17 % auf Buche und 10 % auf Kiefer. Der Holzvorrat ist deutlich angestiegen, weil weniger Holz geerntet wurde als nachgewachsen ist. Insgesamt wurden nur 76 % des Zuwachses genutzt, auch weil der tatsächliche Zuwachs höher ist als erwartet. Obwohl der Fichtenanteil nur 43 % beträgt, erwirtschaftet die Fichte 60 % unserer Einnahmen. Fichtenholz wird auch mittelfristig ausreichend zur Verfügung stehen. Die gegenwärtigen Vorräte ermöglichen und erfordern eine angepasste Nutzung (planmäßige Absenkung des Vorrates von Fichtenreinbeständen). 4/12

5 3. Baumarten Rund 100 Mio. Bäume bilden den Staatswald Thüringen. Eine gesunde Mischung von überwiegend einheimischen Laub- und Nadelbaumarten bietet Gewähr für die nachhaltige Sicherung der Nutz- Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes. Fichte, Buche und Kiefer sind im Staatswald die häufigsten Baumarten. Über alle vorkommenden Baumarten entfallen 41 % auf Laubhölzer und 59 % auf Nadelhölzer. Der Laubbaumanteil ist um beachtliche 4,6 % innerhalb der letzten 10 Jahre gestiegen, der Anteil der Fichte hat sich um 3 % verringert. Ein wesentlicher Baustein bei der Gestaltung stabiler Wälder ist der Umbau von reinen Fichtenbeständen, hin zu standortgerechten und klimatoleranten Mischbeständen. Zusätzlich haben Sturmereignisse wie Kyrill die Fichtenbestände reduziert. 5/12

6 4. Waldaufbau Der Waldaufbau wird ganz wesentlich geprägt von der Anzahl der Baumarten und von der Anzahl der Schichten. Früher wurden häufig gleichaltrige, einschichtige Reinbestände begründet, um schnell viel Holz zu produzieren. Die Vielfalt der Waldfunktionen können aber nur Mischbestände erfüllen. Besonders stabil sind die Mischbestände dann, wenn sie aus mehrern Schichten bestehen, also aus Bäumen unterschiedlichen Alters. Mischwälder (%) Anteil zweischichtig / mehrschichtig [%] Thüringen 72,4 60,9 Staatswald 70,1 67,1 Deutschland 76,2 68,0 Auf 70 % der Staatswaldfläche finden wir jetzt schon Mischwälder. 67 % unserer Waldbestände sind zwei- oder mehrschichtig aufgebaut. ThüringenForst hat in den zurückliegenden Jahren den Waldumbau in Richtung stabile Mischwälder aktiv vorangetrieben. Unser waldbauliches Leitbild ist ein artenreicher, strukturierter und ungleichaltriger Dauerwald. 5. Waldverjüngung Art und Umfang der Waldverjüngung geben Auskunft über die Zukunft unseres Waldes. Viele Baumarten in der Verjüngung sind eine Stabilitätsgarantie. Je mehr Verjüngung vorhanden ist, desto besser sind Naturkatastrophen wie etwa der Orkan Kyrill zu bewältigen. 6/12

7 Die gesamte Verjüngungsfläche im Staatswald beträgt ha, dass entspricht 27 % der Waldfläche. Davon befindet sich Verjüngung auf ha unter einem schützenden Altholzschirm. 90 % der Verjüngung stammen aus Naturverjüngung. Zwei Drittel der Verjüngung sind Laubbäume, ein Drittel der nachkommenden Bäume Nadelbäume. Dies ist ein beachtliches Potenzial für eine standortgerechte und naturnahe Waldentwicklung. 6. Alter Das durchschnittliche Alter der Staatswälder gibt Auskunft über die Waldentwicklung. Das individuelle Alter und damit die Dimension der Bäume (Wälder) sind von wesentlicher Bedeutung für die Erholungsnutzung und den Arten- und Biotopschutz. 7/12

8 Gebiet Alter (Jahre) Thüringen 82 Staatswald 80 Deutschland 78 Das Durchschnittsalter der Wälder ist in den zurückliegenden 10 Jahren ist um 6 Jahre auf 80 Jahre gestiegen und liegt damit über dem Bundesschnitt. Auf Grund der besonderen Baumarten- und Altersstruktur im Staatswald, liegt das Durchschnittsalter unter dem Landesschnitt. Dies ist ein wichtiger Beleg für eine naturnahe Entwicklung der Wälder langfristigere Verjüngungsverfahren und gezielte Initiativen zum Erhalt alter Bäume. Investitionen fanden vor allem in die Waldpflege statt. 7. Naturnähe und Totholz Die Naturnähe ist ein Maß, inwieweit sich ein Waldbestand in Bezug auf seine Baumartenzusammensetzung von der Natur entfernt hat oder eben weitgehend im Einklang mit ihr steht. Die Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität unserer Wälder ist ein erklärtes Ziel von ThüringenForst. Von Natur aus würden in Thüringen vor allem Buchen- und Eichenmischwälder wachsen. Sehr naturnahe und naturnahe Waldbestände finden wir auf 36 % der Staatswaldfläche. Die Hälfte der Bestände wurde als bedingt naturnah eingestuft. Im Vergleich zur letzten Inventur hat sich der Anteil kulturbestimmter Wälder um 27 % verringert und liegt jetzt bei nur noch 10 %. Die Bemühungen von ThüringenForst um mehr Naturnähe zeigen sich auch in der Ver- jüngung: 65 % der Verjüngungsfläche ist jetzt schon sehr naturnah bzw. naturnah. 8/12

9 Totholz Staatswald Bund Staatswald Land Körperschaftswald Privatwald alle m³/ha m³/ha m³/ha m³/ha m³/ha Thüringen 15,8 22,3 22,1 17,5 20,0 Totholz gehört zum natürlichen Kreislauf im Wald und abgestorbene Bäume bieten Lebensraum für viele Pflanzen, Pilze und Tiere. Die Menge an Totholz hängt einerseits von der Wüchsigkeit des Standortes und von der Zersetzungsgeschwindigkeit des Holzes, andererseits von der Waldbewirtschaftung ab. Der Totholzvorrat im Staatswald beträgt 22,3 Kubikmeter pro Hektar. Höchster Wert aller Eigentumsformen - Vorbildfunktion des Staatswaldes. 9/12

10 8. Schlussfolgerungen Mehr Mischwälder! ThüringenForst wird jährlich ca. 1,5 bis 2,0 Mio. junge Bäumchen, vorwiegend Buchen, Eichen, Bergahorn, Weißtannen oder Vogelkirschen im Staatswald pflanzen. Ziel ist es, die Fläche an struktur- und artenreichen, vielfältigen Mischwäldern weiter zu erhöhen, da diese dem vom Menschen verursachten Klimawandel besser trotzen können, aber auch gegenüber Schadereignissen (Orkan, Borkenkäfer etc.) rustikaler reagieren. Langfristig soll ein Mindestanteil von 20 % Mischbaumarten in jedem Bestand erreicht sein Mehr Waldpflege! ThüringenForst wird jährlich ca bis ha Waldfläche durchforsten und hierbei rund Kubikmeter Holz ernten. In der Regel soll ein Waldbestand mindestens einmal im Jahrzehnt durchforstet werden. Besser sind zwei Eingriffe im Jahrzehnt mit dann geringerer Eingriffsstärke, um die Bestände sanfter zu stabilisieren und die Mischregulierung hin zur Förderung des Laubholzes spezifischer vornehmen zu können. Mit jährlich rund Hektar Kulturpflege und weiteren Hektar Jungwaldpflege werden künftig die Bestände schon in einer frühen Phase erzogen. Mehr Waldnaturschutz! Das forstliche Ziel einer multifunktionalen Waldwirtschaft mit einer ausgewogenen Nutz-, Schutzund Erholungsfunktion auf ganzer Fläche soll beibehalten werden. Eine Segregationsstrategie (Schutzgebiete vs. Holzzuchtplantagen) wird abgelehnt. Allein 2013 wurden im Staatswald Naturschutzprojekte im Gesamtumfang von 4,3 Mio. Euro durchgeführt. Mit dem ThüringenForst- Habitatbaumkonzept, der Förderung alter Baumstrukturen und der weiteren Erhöhung des Durchschnittsalters der Bäume soll die Naturnähe der Wälder weiter verbessert werden. Mehr Wildtiermanagement! Mehr Laubholz im Staatswald bedeutet bei überhöhten Schalenwildbeständen auch mehr Verbissund Schälschäden und in Folge Entmischung. Mit der neuen Dienstordnung Jagd, die zum Januar 2013 in Kraft trat, ist ein wesentlicher Schritt getan, dieser waldschädlichen Entwicklung entgegen zu treten. Aus Tierschutzgründen wurden die Jagdzeiten im Staatswald verkürzt, Wildruhephasen eingeführt und die Intervalljagd verstärkt. 10/12

11 9. Allgemeine Hinweise zur Bundeswaldinventur Die dritte Bundeswaldinventur BWI 3 ist nach der ersten Erhebung 1987 in den alten Ländern und nach der zweiten Bundeswaldinventur 2002 nunmehr die erste vollständige Wiederholungsmessung in Gesamtdeutschland. Zuständig für die fachliche Koordination und die Erhebung, Zusammenstellung sowie Auswertung der Daten ist das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum der ThüringenForst - AöR. Die vorliegende BWI 3 hat das Ziel, aktuelle und umfassende Informationen zum Wald bereitzustellen. Die Informationen sollen weiteres Verständnis für unseren Wald und seine Bewirtschaftung schaffen. ProbefFlächendichte 2,83 x 2,83 km 912 BVBWI-Punkte = Trakte im Wald / Staatswald 329 Punkte 2768 TTrakt-Ecken im Wald / Staatswald 1032 Ecken Stichprobenraster BWI-Punkt Trakt-Ecke 11/12

12 Ausgestattet mit Feldcomputern und Messgeräten haben Forstexperten an jeder Trakt- Ecke ca. 150 Wald- und Baummerkmale in verschiedenen Probekreisen nach einem bundesweit einheitlichen Verfahren aufgenommen. Mit Hilfe von Computerprogrammen lassen sich aus diesen Stichproben statistisch gesicherte Informationen über den Wald in Thüringen ableiten. IMPRESSUM Herausgaber: Gestaltung: Fotonachweis: Oktober 2014 ThüringenForst Hallesche Straße 16 I Erfurt ThüringenForst Zentrale Stabsstelle Kommunikation/Medien A. Knoll 12/12

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