FINANZMARKT- NEWSLETTER 28/2012

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1 Überblick Wochenvergleich Trend Woche Monat Jahr DAX 6.410,11 MDAX ,74 EONIA 0,33% Umlaufrendite 1,13% Dow Jones ,47 S&P ,68 EUR/ USD 1,2290 Gold in EUR 1.284,70 Öl in EUR 68,71 Ein Unternehmen der Ecclesia Gruppe Stand :50 Allgemeines EZB- Entscheidung war maßgeblich für die Märkte Euphorie verflog schnell Leitzinssenkung ist falsch, Streichung des Guthabenzins ist richtig Nachdem die Märkte am Ende der letzten Woche auf die aus unserer Sicht nur begrenzt hilfreichen Beschlüsse des letzten EU-Gipfels mit deutlichen Zugewinnen reagiert haben, konzentrierte sich in dieser Handelswoche alles auf die turnusmäßige Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Hier ging die Mehrzahl der Marktteilnehmer anders als wir von einer Absenkung des Leitzinssatzes aus. Dies ist dann tatsächlich erfolgt und der Leitzins innerhalb der Eurozone ist erstmals unter die Marke von 1 % p. a. gesenkt worden. Die EZB hat entschieden, den Leitzins um die überwiegend erwarteten 25 Basispunkte auf 0,75 % p. a. zu senken, obwohl wie wir auch in den Konjunkturentwicklungen darstellen dies nicht zwingend erforderlich ist und sich selbst die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gegen einen solchen Schritt ausgesprochen hatte. Sie hatte dort zwar weniger die Konjunkturentwicklung in der Eurozone, die auf Stagnation mit Ausnahme der EUR-Schuldenstaaten deuten, im Blick, sondern konzentrierte sich darauf, dass die EZB doch Anleihen aus Beispiel Spanien oder Italien kaufen solle, um dort das Zinsniveau für die staatliche Refinanzierung zu senken. Dies ist natürlich ähnlich falsch wie eine Leitzinssenkung, mit der nun auch die EZB ähnlich wie schon zuvor die US-Notenbank nahezu jegliche Handlungsfähigkeit verliert. Sollte ein starker wirtschaftlicher Abschwung entstehen, ist die Frage, ob dann überhaupt noch zielführende Maßnahmen eingeleitet werden können. Wie schnell selbst teilweise begeistert aufgenommene Entscheidungen ihre Wirkung wieder verlieren, zeigt die Entwicklung bei spanischen, aber auch italienischen Staatsanleihen. Hier ist nun wieder ein klar auswärtsgerichteter Trend zu erkennen, nachdem die erste Euphorie nach dem EU-Gipfel Ende Juni 2012 verflogen war. Die Renditen beider Staaten liegen am langen Ende wieder deutlich über 6% p. a. Spanien hat zum Wochenschluss sogar zeitweise wieder die Marke von 7% p. a. für zehnjährige Staatsanleihen überschritten. Dem IWF-Vorschlag ist die EZB aber richtigerweise nicht gefolgt und hat aus unserer Sicht fälschlicherweise den Leitzins gesenkt, wovon bestenfalls Kreditnehmer profitieren. Da dies aber auch nur sehr eingeschränkt gilt, wäre es besser gewesen, seitens der EZB vorerst nichts zu tun. Nun leiden kurzfristig orientierte Anleger unter diesem Schritt ebenso wie unter der weiteren Entscheidung der europäischen Notenbank, auch den Guthabenzins für Kreditinstitute zu senken. Wenn nun Kreditinstitute der Eurozone bei der EZB Geld hinterlegen, erhalten sie nicht - wie in der Vergangenheit - noch 0,25 % p. a., sondern der Zinssatz ist auf 0 % gesunken. So will man erreichen, dass die unvorstellbare Summe von 800 Mrd. EUR, die Kreditinstitute momentan bei der Notenbank angelegt haben, durch Kreditvergaben und Anlagen in Wertpapieren in den Wirtschaftskreislauf fließt und

2 so die Kapitalmärkte und in der Folge die Wirtschaft stabilisiert. Diese Stabilisierung ist notwendig, damit sich die Staaten in Südeuropa wirtschaftlich besser entwickeln. Insofern ist die Entscheidung, den Guthabenzins die so genannte Einlagenfazilität zu senken, nachvollziehbar, während die Senkung des Leitzinses kaum wirtschaftliche Effekte haben dürfte. Selbst die Entlastung der häufig in Südeuropa variabel finanzierten Immobilien ist hierbei überschaubar. Begründet wurde dieser Zinsschritt vom EZB-Präsidenten Mario Draghi mit drohenden Rezessionsgefahren in der gesamten Eurozone, die sich anhand fundamentaler Daten allerdings so nicht nachvollziehen kann. Der gewünschte Stabilisierungseffekt an den Kapitalmärkten, für die dieser Schritt sicherlich erst einmal beruhigend sein sollte, blieb ebenfalls aus. Dies gibt Anlass zur Sorge, weil fast wie in einer abgestimmten Maßnahme auch die Bank of England reagiert hat und ihr Anleiheankaufprogramm ausweitet, um so die Realwirtschaft zu stabilisieren, und beispielsweise auch mit Dänemark eine der nordeuropäischen Notenbank einen Zinssenkung vollzogen hat. Schwellenstaaten schwächeln Griechenland mit neuen Problemen Portugal auf gutem Weg Irland refinanziert sich am Geldmarkt In China wurde ebenfalls der Leitzins gesenkt, weil sich dort die Wirtschaft stärker abschwächt, als dies bislang erwartet worden war. Damit sind die Gefahren für die weltwirtschaftliche Entwicklung natürlich größer geworden. Dies gilt auch, weil mit Brasilien in einem anderen dynamisch wachsenden Staat der Handelsüberschuss ebenfalls deutlich zurückgeht. Insofern ist von einer deutlichen Wachtumverlangsamung in den bislang dynamisch wachsenden Schwellenstaaten auszugehen, während sich die Situation in etablierten Industrienationen wie den USA und Japan verbessert und beispielsweise aber auch in Deutschland konstant hoch bleibt. Die negative Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden des deutschen Konsumkonzerns Metro ist somit nicht nachvollziehbar und so wohl er von der eigenen unternehmerischen Schwäche ablenken. In der Eurozone selbst differenziert stellt sich die Gesamtsituation zunehmend differenzierter dar. In Griechenland wird die aktuelle Lage gerade erneut von der sogenannten Troika aus EU, EZB und IWF geprüft. Die dortigen Ergebnisse sind alles andere als ermutigend. Griechenland benötigt mehr Zeit und will eine Verlängerung der Zeit zur Umsetzung von bis zu zwei Jahren erreichen. Dies würde vermutlich zusätzliche Hilfszahlungen von 15 Mrd. EUR nach sich ziehen, zu denen vor allem Deutschland nicht bereit ist. Hier diskutiert man schon, ob man Griechenland noch einige Wochen zusätzliche Frist geben sollte, um die Sparankündigungen umzusetzen. Vermutlich wird man alles versuchen, um Griechenland in der Eurozone zu halten und so dem Staat etwas entgegen kommen. Dies wird die Kapitalmärkte erneut verunsichern. Bis vor wenigen Wochen hatte man Portugal aus unserer Sicht fälschlicherweise ähnlich negativ beurteilt wie Griechenland. Nun zeigt sich aber dort, dass die Reformen dort greifen und der Staat insgesamt auf einem guten Weg ist. Abzuwarten bleibt, ob diese Restrukturierungsdynamik durchgehalten werden kann. Aktuell deutet sich an, dass man in eine schwierigere Phase eintreten könnte. Ein Schuldenschnitt für Portugal oder gar ein Austritt aus der Eurozone halten wir anders als bei Griechenland dennoch weiterhin für extrem unwahrscheinlich. Deutlich kritischer betrachten wir weiterhin das ebenfalls durch die EU gerettete Irland. Dort ist die Bereitschaft, nachhaltige Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen, extrem gering. Dennoch ist es Irland als erster Staat nach der Stützung durch den bisherigen Rettungsmechanismus EFSF gelungen, sich am Geldmarkt eigenständig zu refinanzieren. Für eine kurzlaufende Anleihe von drei Monaten muss Irland einen Zinssatz von 1,8 % p. a. bezahlen, der die Irrationalität an den Kapitalmärkten zeigt. Dieser Zinssatz ist nicht nur niedriger als bei Spanien, das gerade für den Bankensektor Staatshilfe beantragt hat, sondern auch niedriger als Seite 2 von 7

3 bei Italien, das wirtschaftlich eindeutig besser dasteht als Spanien und Irland zusammen. Slowenien mit Bankenkrise Italien mit bekannten, aber schlechten Nachrichten Frankreich wird kritisch wahrgenommen Deutschland weiter sicherer Hafen? Finnland vor dem Ausstieg? Das durchwachsene Bild innerhalb der Eurozone setzt sich auch bei nicht durch die Rettungsmechanismen gestützten Staaten fort. So befindet sich Slowenien aktuell in einer Bankenkrise, die ebenfalls die Hilfen aus dem ESF und/oder ESM erforderlich machen könnte. Gleichzeitig kommen aber auch schlechte Nachrichten aus Italien. Dort ist das Haushaltsdefizit im 2. Quartal 2012 so stark wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr gestiegen. Insofern wird die Frage, wie die Eurozone dauerhaft stabilisiert werden kann, in den Vordergrund gerückt und zeigt mit der Entscheidung der EZB, nicht direkt im Segment der Anleihen zu intervenieren, dass die Marktteilnehmer immer weniger auf einen dauerhaften Lösungsansatz setzen. Diese Haltung führt auf einen immer kritischeren Blick auf Frankreich. Dort wird die Politik des neuen sozialistischen Präsidenten Hollande kritisch beurteilt. So ist er Rentenbeginn mit 60 Jahren weder finanzierbar noch volkswirtschaftlich sinnvoll. So geht Expertise von Menschen verloren, die häufig noch leistungsfähig sind und eine hohe Innovationsbereitschaft haben. Daneben sin die hohen Produktionskosten in Frankreich ein immer stärker werdendes Problem. Während die deutschen Automobilhersteller mit Ausnahme des bekannten und nicht überlebensfähigen Problemfalls Opel zu immer neuen Rekordmarken eilen, kämpfen beispielsweise die französischen Automobilhersteller mit Absatzeinbrüchen. Hier droht eine wirtschaftliche Rückentwicklung wie in Italien unter Berlusconi, die in Frankreich aufgrund der dortigen wirtschaftlichen Ambitionen umso schwieriger wäre. Entsprechend muss Frankreich diesen falschen Weg schnellstmöglich korrigieren, um nicht durch überholte Gesellschaftsmodelle eine gemeinsame wirtschaftliche Zukunft der Eurozone zu gefährden. Die Diskussionen um Frankreich zeigen allerdings auch, wie schnell möglicherweise auch Deutschland in den Fokus der Finanzmärkte kommen könnte, auch wenn deutsche Staatsanleihen in den letzten Wochen wieder als sicherer Hafen galten. Dies hat beispielsweise dazu geführt, dass der Bund-Future, der den Kurs von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen abbildet, nach einem schwachen Wochenauftakt um mehr als 2 % hinzugewonnen hat. Die entsprechende Rendite liegt damit nur knapp über 1,3 % p. a. Kurzlaufende Anleihen des deutschen Staates weisen teilweise schon wieder negative Zinsen auf. Ein ganz anderes Extremszenario wird derzeit in Finnland durchdacht, wo der Staat überlegt, zur Vermeidung weiterer Haftungen für andere Staaten aus der Eurozone auszusteigen. Dies würde deutlich dramatisch an den Kapitalmärkten aufgenommen als ein Austritt oder Staatsbankrott Griechenlands. Befeuert wird die unsichere Gesamtsituation noch durch Nachrichten aus dem Finanzsektor. In Deutschland hat beispielsweise die teilstaatliche und nicht mehr weit von ihren Aktien-Tiefstkursen notierende Commerzbank wie bereits in der letzte Woche von uns dargestellt signalisiert, sich aus dem Bereich der Schifffahrtsfinanzierung zurückzuziehen. Auf Basis dieser Nachricht reagieren die Reedereien wie seit einiger Zeit nahezu alle Branchen, wenn sich die Rahmenbedingungen negativ verändern: Sie fordern staatliche Interventionen und Hilfen. Konjunktur Dabei stellt sich die Gesamtsituation nicht so negativ dar. So verzeichnet die deutsche Industrie überraschend einen Auftragszuwachs von 0,6 % im Vergleich zum Vormonat. Weniger als der Zuwachs ist beachtlich, dass besonders hohe Nachfrage aus der Eurozone kommt. Damit ist noch fraglicher, ob es wirklich notwendig war, seitens der EZB den Leitzins zu senken. Schwächere Daten Seite 3 von 7

4 kommen hingegen aus dem Dienstleistungssektor und deuten tatsächlich auf eine Abkühlung der Wirtschaftsleistung. Aber international gibt es auch differenzierte Nachrichten zur weiteren Konjunkturentwicklung. So hat sich die Wirtschaftstimmung in Japan wieder verbessert. In den USA waren die Nachrichten vom Arbeitsmarkt eher enttäuschend und deuten auf eine Stagnation in diesem wichtigen Bereich. Dennoch sind die Konsumausgaben in den USA weiterhin relativ hoch. Hiervon profitieren die deutschen Automobilkonzerne besonders, da ähnlich wie in China in den USA Autos im Premiumsegment stark nachgefragt werden. Geldmarkt am kurzen Ende invers Zinsen sinken immer weiter Während der EONIA-Satz auf die Leitzinssenkung kaum reagiert hat und von seinem Zwischenhoch aus der letzten Woche wieder auf das vorangegangene Niveau gefallen ist, haben alle anderen Laufzeitbereiche stärker nachgegeben. So ist im Vergleich zum Tagesgeld EONIA eine inverse Zinsstruktur bis zu einem Monat, der aktuell eine Rendite von 0,26 % p. a. ausweist, festzustellen. Aber auch am langen Ende des Geldmarkts sind die Konditionen ca. 10 Basispunkte gefallen. So beträgt die aktuelle Rendite bei einer 12-monatigen Anlagedauer 1,12 % p. a. In den mittleren Laufzeiten sind ähnliche Abschläge festzustellen. So liegt beispielsweise der Zinssatz für eine Anlage von 7 Monaten bei derzeit 0,88 % p. a. Neben unserer generellen Empfehlung, Tagesgeldliquidität gekoppelt an EONIA mit einer Zinsuntergrenze von mindestens 0,5 % p. a. anzulegen oder diese mit einem Aufschlag von mindestens 10 Basispunkten beispielsweise an den 3-Monats-Euribor oder den 6-Monats-Euribor zu koppeln, bieten sich zur Zinssicherung weiterhin verschiedene Laufzeiten im Geldmarkt an. Allerdings hat sich das Niveau nochmals deutlich ermäßigt, weshalb unsere Empfehlung in diesem Jahr, so früh wie möglich Festgeldanlagen zu tätigen, richtig war. Unter Zinssicherungsgesichtspunkten ist es aber weiterhin sinnvoll, auch bestimmte Laufzeitbandbreiten einzugehen. So ist es attraktiv, drei Monate zu 0,55 % p. a. anzulegen, weil dies im Vergleich zu einer einen Monat kürzeren Laufzeit einen Aufschlag von fast 20 Basispunkten darstellt. Eine weitere Alternative ist die Laufzeit von 9 Monaten, in der man fast noch 1 % p. a. bekommt. Insgesamt ist davon auszugehen, dass das Geldmarktniveau gerade im Bereich zwischen drei Monaten und einem Jahr weiter sinken wird und beispielsweise das lange Ende des Geldmarkts im Laufe dieses Jahres noch unter die Marke von 1 % p. a. fällt. keine Risiken eingehen Selbstverständlich gibt es im Geldmarkt weiterhin deutlich höher verzinste Angebote, die allerdings mit den entsprechenden Risiken behaftet sind. Gerade im Geldmarkt gilt, dass ein höherer Zins mit einem höheren Ausfallrisiko einhergeht. Da man im Geldmarkt nicht spekulieren sollte, raten wir von solchen Geschäften weiterhin ab. Interessant ist die weitere Entwicklung hinsichtlich der Zinsmanipulationen im Geldmarkt, die überwiegend den Londoner Geldmarkt betreffen und dort personelle Konsequenzen bei der US-Großbank Barclays nach sich gezogen haben. Aber das Problem scheint international zu sein und so kommt nun auch die Deutsche Bank in die Diskussion. So haben mehrere Kapitalanlagegesellschaften Klage gegen den deutschen Branchenprimus eingereicht und es gibt Gerüchte über eine Sonderprüfung durch die deutsche Finanzaufsicht BaFin. Diese Nachrichten werden den Aktienkurs temporär belasten, auch wenn die Deutsche Bank auf eventuelle Missstände sicherlich entschlossener reagiert als viele Wettbewerber. Dennoch muss man derzeit keine Aktien der Deutsche Bank haben. Seite 4 von 7

5 Rentenmarkt viele sogenannte Mittelstandsanleihen unter Druck Praktiker weiter mit großen Problemen Freenet überzeugt weiter insgesamt wenig Anlagemöglichkeiten Nordex mit Chance, aber auch Risiko keine Staatsanleihen Aktienmarkt hohe Schwankungen Wie einige der sogenannten Mittelstandsanleihen, die wir auch schon dargestellt haben, zeigen, gibt es aber auch bei Anlagen im Rentenmarkt teilweise erhebliche Risiken. Dort steuern verschiedene Anleihen, über die wir schon berichtet haben, richtigerweise auf zweistellige Renditen. Die damit verbundenen Ausfallgefahren sollte man nicht unterschätzen, wie ein in der letzten Woche sehr wahrnehmbares Beispiel zeigt. Hier war es keine Anleihe weitgehend unbekannter Unternehmen, die teilweise ohne eigenen Qualitätsnachweis versuchen, von dem guten Ruf des deutschen Mittelstands mit entsprechenden Anleihen zu profitieren, sondern es war die Entwicklung der Anleihe der im MDAX notierten Baumarktkette Praktiker, die in der letzten Woche stark beachtet wurde. Am Rande der zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Hauptversammlung stand das Unternehmen am Rande der Insolvenz. Diese Entwicklung kann man bei der vor ca. 1 ½ Jahren emittierten Anleihe gut nachvollziehen: Wer damals für EUR das Papier entgegen unseren Empfehlung gekauft hat, hat derzeit nur noch einen Gegenwert von EUR. Die Rendite liegt bei knapp 45 % p. a. und erreicht damit griechische Verhältnisse. Dennoch sollte man das Papier meiden. Die dort vorhandenen Risiken sind einfach zu groß. Ein sehr schönes Gegenbeispiel einer überzeugenden Anleihe ist das von uns mehrfach empfohlene Papier von Freenet, das nun mit knapp 110 % notiert und mit 7,125 % p. a. weiter einen sehr attraktiven Kupon bietet. Diese Anleihe konnte gerade wie andere von uns favorisierte Unternehmensanleihen in dem aktuellen Umfeld zusammen mit der Zinssenkung der leicht hinzugewinnen. Allerdings ist damit auch die Schattenseite verbunden, dass die Anlagemöglichkeiten in nächster Zeit nicht gerade größer werden. Die Kurse erstklassiger Anleihen werden mangels Alternativen weiter steigen, so dass es zwar auf der einen Seite reizvoll ist, Kursgewinne zu realisieren, aber auf der anderen Seite die Wiederanlagemöglichkeiten sehr eingeschränkt sind. Die weiterhin hohe Unsicherheit und die nun beginnende Urlaubszeit sorgen für wenig Aktivität im Bereich attraktiver Neuemissionen. Sehr aktiv ist in diesem Segment momentan nur der Finanzsektor, den man mit Ausnahmen der von uns favorisierten Papiere von Allianz, CharlottenburgCapital und Münchener Rück meiden sollte. Selbst bei der Deutsche Bank, die sicherlich zu den weltweit ersten Adressen gehört, sollte man aufgrund der im Geldmarkt beschriebenen Unsicherheit zumindest keine Positionen erhöhen. Offensiv agierende Anleger finden eine gute Beimischungsmöglichkeit bei der Anleihe des Windkraftherstellers Nordex. Hier sollte man sich aber lediglich mit sehr überschaubaren Volumina engagieren. Insgesamt wird die Leitzinssenkung und die damit verbundene Zielsetzung, mehr Kapital in gesamten Finanzkreislauf und in der Folge in die Realwirtschaft zu bekommen, dazu führen, dass auch die Kurse auch bei Unternehmensanleihen weiter steigen. Von Staatsanleihen raten wir weiter ab. Entweder bieten sie zu wenig Rendite wie Deutschland oder sie sind zu risikoreich wie Griechenland, Spanien, aber mit Abstrichen auch Italien und Frankreich. Wenn man auf den Wochenunterschied beim deutschen Leitindex Dax blickt, sieht man lediglich einen Unterschied von 6 Punkten. Wer hier an eine ruhige Handelswoche denkt, hat sich aber sehr getäuscht. Die Schwankungsbreite ist wieder sehr hoch gewesen und man gewinnt zunehmend den Eindruck, die Marktteilnehmer an den Aktienmärkten denken von Tag zu Tag, statt sich von fundamentalen Daten leiten zu lassen. Insofern könnte der Einfluss der in der nächsten Handelswoche beginnenden Berichtssaison gering sein. Traditionell wird Seite 5 von 7

6 diese durch den US-Aluminiumkonzern Alcoa eröffnet, bei dem wir mit einer positiven Überraschung für das zweite Quartal hinsichtlich des Ergebnisses, aber einem verhaltenen Ausblick für die nähere Zukunft rechnen. Stahlsektor Linde und eine teure Übernahme VW übernimmt Porsche schneller und spart Steuern Unsicherheit bleibt Rohstoffe Im Aktienmarkt sorgte eine Herabstufung durch die schweizerische Großbank UBS von Klöckner&Co für deutliche Kursabschläge. Zusätzlich belasten die aus unserer Sicht übertriebenen Rezessionssorgen und ein negativer Ausblick von Salzgitter. Insofern gibt es im Stahlbereich interessante Anlagemöglichkeiten. Dies gilt auch für die Aktien von ThyssenKrupp und Vossloh, gegen die zwar aufgrund von Absprachen im Bereich der Schienenproduktion Bußgelder verhängt wurden, aber dieses Thema so abschließend erledigt sein dürfte. Immer klarer wird, dass solche Absprachen irgendwann bekannt werden und die damit verbundene, abschreckende Wirkung wohl zu einer Reduzierung solcher Vorkommnisse führt. Mit teilweise stärkeren Kursabschlägen hatte der Gase- und Spezialchemiehersteller Linde zu kämpfen, der den US-Medizin-Sauerstoffhersteller Lincare für 3,6 Mrd. EUR deutlich teurer als erwartet übernimmt und zur Finanzierung dieser Übernahme eine Kapitalerhöhung gestalten muss. Die spektakulärste Nachricht war sicherlich die Mitteilung, dass der europäische Volkswagenkonzern nun Porsche übernimmt und dies durch eine Transaktion einer Zahlung von 4,4 Mrd. EUR plus eine Stammaktie steueroptimiert gestalten kann. So spart der Konzern über 1,5 Mrd. EUR Steuern. Das Argument, das bei einer planmäßigen Übernahme in zwei Jahren keine Steuern angefallen wären, führt in die Irre. Schließlich profitieren die Unternehmen nun zwei Jahre von den Synergiemöglichkeiten. Dennoch bleiben beide Unternehmen wichtige Steuerzahler und Arbeitgeber. Diese Entwicklung zeigt aber auch, wie gering der wirtschaftliche Sachverstand in der Politik häufig ausgeprägt ist. Ohne das maßgeblich vom Bundesland Niedersachsen beeinflusste VW-Gesetz wäre die Übernahme umgekehrt erfolgt und Niedersachsen hätte sich bei einem Verkauf der VW-Aktien zu damaligen Höchstkursen von EUR je VW-Aktie wie von uns damals dargestellt vollständig entschulden können und damals sämtliche Infrastrukturmaßnahmen aus dem erhaltenen Kapital bezahlen können. Ob die Handlungsmöglichkeiten, die eine VW-Beteiligung darstellt, damit größer sind, darf bezweifelt werden. Für die kommende Handelswoche ist nach der leichten Erholung von den Tiefstständen in den USA zum Ende der letzten Handelswoche mit einem leichten Anstieg zum Wochenauftakt zu rechnen, die aber nicht besonders lang anhalten wird. Charttechnisch befinden wir uns nun in der neutralen Zone. Daher bleiben die kurzfristigen Aussichten eher abwärtsgerichtet. In USD gerechnet hat Gold im Wochenvergleich über 1 % verloren und war damit schlechter als beispielsweise der US-Leitindex Dow Jones, der nur knapp 1 % verloren hat. Währungsbereinigt konnte der Goldpreis aber durch den starken Anstieg des USD gegen den EUR hinzugewinnen. Die Goldbefürworter verschweigen dies ebenso gern wie die Stilllegung verschiedener Minen, weil das vorhandene Angebot die Nachfrage schon überschreitet. Die Abwärtsrisiken bleiben hoch. Anders sieht es beim Ölpreis aus, der trotz der Unsicherheiten aber natürlich auch vom starken USD gestützt hinzugewinnen konnte. Die weltweite Nachfrage nach dem Energieträger bleibt hoch. Auch vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer Abschwächung der Weltwirtschaft, aber weiterhin keinem starken Rückgang. Seite 6 von 7

7 Fast völlig unbeachtet im Zuge der Diskussion um sinkende Leitzinsen ist eine Entscheidung Chinas gewesen. Das Land hat die weltweit größten vorkommen der Metalle Seltene Erden und hat dort in der Vergangenheit mehrfach Exportbeschränkungen erlassen. Nun legt der Staat überdies noch eine strategische Reserve an, um die dauerhafte Versorgung der eigenen Volkswirtschaft sicherzustellen. Dies wird den Druck auf andere Staaten erhöhen, stärker solche Materialen zu recyceln. Währung Die Auswirkungen der Marktübertreibung eines überproportional starken USD haben wir im Rohstoffbereich schon kurz dargestellt. Die EUR-Schwäche wird sich hier relativieren, wenn sich die eingeleiteten Reformen in der Eurozone langfristig bemerkbar machen. Bis dahin wird die Volatilität auch im Währungsbereich hoch bleiben. Allerdings ist für die zweite Jahreshälfte mit einer starken Gegenbewegung zu rechnen, da der USD eben auch keine wirklich substanzstarke Währung mehr ist. Sinnvolle Alternativen sind weniger beachtete Währungen wie AUD, DKK oder RUB oder Währungen großer Wirtschaftsräume wie BRL, CAD oder CNY. Die Problematik kleiner und viel beachteter Wirtschaftsräume zeigt die Schweiz, wo der CHF nur mit äußerster Anstrengung der dortigen Notenbank auf dem ohnehin schon sehr hohen Niveau von 1,20 zum EUR gehalten werden kann. Volkswirtschaftlich wird die Währung für die Unternehmen schlicht zu teuer. In der Schweiz führen einige Urlaubsregionen bzw. Hotels einen eigenen Wechselkurs zum EUR ein, der knapp 20% unter dem derzeitigen Niveau liegt. Da sonst die Auslastung unter ein wirtschaftlich verkraftbares Niveau sinkt. Hier gilt aus Sicht der Eurostaaten das US-Sprichwort: Es ist unsere Währung, aber deren Problem. Insofern ist die Schwäche des EUR ein weltweites Problem, das international bekämpft wird und so der EUR vielleicht mit weniger Staaten weiterhin zukunftsfähig ist. Daher sind Währungsbeimischungen nur im geringen Umfang sinnvoll. Disclaimer Der DVAM FINANZMARKT- ist für die Information der Ecclesia-Unternehmensgruppe und deren Kunden vorgesehen. Die DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH hat diese Veröffentlichung auf Basis von Informationen und Auswertungen vorgenommen, die als verlässlich eingeschätzt werden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben oder Prognosen wird nicht übernommen. Die Informationen können eine Beratung nicht ersetzen. Die im DVAM FINANZMARKT- enthaltene Analyse genügt nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Die Analyse unterliegt zudem nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Verantwortlich für den DVAM FINANZMARKT- ist Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH. Die zuständige Aufsichtsbehörde der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12 in Frankfurt. DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH Klingenbergstraße 4 Telefon +49 (0) Detmold 2012 Seite 7 von 7

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