3. Kein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Weltmeistertitel 4. Wachstumsbranche Umwelttechnik

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1 Pressestatement von DIHK-Außenwirtschafts-Chef Dr. Axel Nitschke Der deutsche Außenhandel 2010/2011- AHK-Experten-Index Ergebnisse einer Umfrage bei den deutschen Auslandshandelskammern (AHK) Berlin 1. Aufstieg aus dem Exporttal Gipfel wieder in greifbarer Nähe Die deutschen Exporte werden im Jahr 2011 mit 8 % erneut kräftig wachsen nach zumindest 11 % in diesem Jahr. In 2011 rückt damit der Rekordwert aus dem Jahr 2008 (984 Mrd. Euro) in greifbare Nähe. Das Tal im Export wird also innerhalb von drei Jahren durchschritten sein. Das zeigt die aktuelle Umfrage bei den Experten der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) in 80 Ländern weltweit. Für das überdurchschnittliche Ausfuhrwachstum im Jahr 2010 sind die Aufholprozesse nach dem vorherigen Krisenjahr maßgeblich. 2. China wird Deutschlands Importeur Nr. 1 Vor dem Hintergrund der besseren Konjunkturentwicklung werden auch die deutschen Importe kräftig wachsen. Für 2010 und 2011 rechnet der DIHK jeweils mit einem Wachstum von knapp 10 %. Damit wird Deutschland im Jahr 2011 einen neuen Höchstwert bei den Einfuhren (808 Mrd. Euro) erreichen und den bestehenden Rekord aus dem Jahr 2008 (806 Mrd. Euro) knacken. 1

2 China wird erstmals im laufenden Jahr Deutschlands Importeur Nr. 1. Sie lösen damit die Niederlande auf dem Spitzenplatz ab. Wir beziehen aus keinem anderen Land mehr Waren als aus der Volksrepublik. Zu den Hauptwaren, die aus China importiert werden, zählen aber nicht nur wie allgemein angenommen geringwertige Güter wie Textilien und Spielwaren sondern vor allem technische Produkte wie elektrotechnische Geräte und Maschinen. 3. Kein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Weltmeistertitel Auch wenn die deutschen Exporte 2010 und 2011 deutlich wachsen, wird Deutschland den Vorsprung auf den seit letztem Jahr amtierenden Exportweltmeister China nicht aufholen können. Im Gegenteil: Mit einem prognostizierten Exportwachstum von 18 % im Jahr 2010 und 15 % im Jahr 2011 wird das Reich der Mitte seinen Vorsprung auf Deutschland im Welthandel sogar weiter ausbauen. Nimmt man es ganz genau, gebührt der Exportweltmeistertitel aber nicht China sondern der EU. Blenden wir bei der Betrachtung der Weltmarktanteile den EUinternen Warenhandel aus so wie bei den Vereinigten Staaten auch keine Transaktionen zwischen den einzelnen Bundesstaaten berücksichtigt werden hat die EU 2010 einen Weltmarktanteil von 16 %. Gefolgt von China mit 15 % und den USA mit 12 %. 4. Wachstumsbranche Umwelttechnik In den nächsten Jahren wird Umwelttechnik die Branche sein, in der weltweit die größten Zuwachsraten für die deutsche Exportwirtschaft erzielt werden können. Gefragt nach den Branchen mit besonders hohen Wachstumspotentialen, haben vier von fünf AHKs die Umwelttechnik genannt. Diese Tendenz zieht sich durch alle Weltregionen. Soweit die wichtigsten Ergebnisse unserer Umfrage bei den deutschen Auslandshandelskammern (AHKs), die in allen wichtigen Wirtschaftsregionen der Welt vertreten sind. Jetzt einige Hintergründe: 2

3 Triebkräfte und Risiken der Exportentwicklung Für den Welthandel geht der DIHK auf Basis der AHK-Schätzungen in diesem und im nächsten Jahr von einem Wachstum von jeweils 7 % aus. Von dieser positiven Entwicklung wird die deutsche Außenwirtschaft profitieren vor allem bedingt durch den investitionsgestützten Aufstieg der Schwellenländer, die Impulse der Konjunkturpakte und dem vergleichsweise schwächeren Eurokurs: Es zeichnet sich eine immer stärkere Bedeutung der Schwellenländer wie Indonesien oder Brasilien für die deutsche Wirtschaft ab. Das wirtschaftliche Wachstum in den Schwellenländern geht einher mit dem Aufbau und der Modernisierung industrieller Anlagen ein Vorteil für die Investitionsgüterhersteller aus Deutschland. Die nationalen Konjunkturprogramme beflügeln auch im Jahr 2010 den Welthandel. Viele Staaten lassen allerdings ihre Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft allmählich auslaufen. Sie setzen darauf, dass die Wirtschaft insgesamt weiter anzieht und sich der Aufschwung selbst trägt. Unterstützt wird die Entwicklung bei den Exporten u. a. auch durch den Eurokurs. Außerhalb der Eurozone werden deutsche Produkte für die Kunden tendenziell günstiger und innerhalb der Eurozone sinkt gegenüber Anbietern aus Drittländern der Preisdruck. Gleichwohl bleiben Risiken für den weiteren Aufschwung bestehen: Die Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands außerhalb des europäischen Kontinents wird vielerorts als unsicher bezeichnet. Die AHKs in den USA stufen die Entwicklung hingegen stabiler ein, weil vor allem der Arbeitsmarkt in den USA dem Konjunkturzyklus hinterher hinkt und eine Zunahme der US- Beschäftigung erst noch zu erwarten ist. Das rasante Wirtschaftswachstum Chinas birgt die Gefahr einer konjunkturellen Überhitzung. Vor diesem Hintergrund wäre ein etwas langsameres Wachstum wie für das 2. Quartal gemeldet durchaus nicht als schlechtes Zeichen zu werten. 3

4 Der Sparzwang vorwiegend in den Ländern der Eurozone wirkt sich kurzfristig negativ auf die Nachfrage in diesen Ländern und damit auch auf die Nachfrage nach deutschen Produkten aus. Begleitet wird dies allerdings mittelfristig durch bessere Wachstumsperspektiven, die sich durch die Modernisierung und neue Investitionen ergeben ein starkes Exportfeld deutscher Anbieter. Ein Augenmerk wird auf die sich abzeichnende Verknappung des Rohstoffangebots zu richten sein. Hier kommt es für die Außenwirtschaftspolitik darauf an, das Prinzip der offenen Märkte durchzusetzen und sich bei bilateralen Verhandlungen für die weitreichende Liberalisierung der Rohstoffmärkte stark zu machen. Zu den Einzelergebnissen der Handelsentwicklung Deutschlands mit ausgewählten Ländern und Regionen: Die wichtigste Absatzregion für deutsche Produkte ist und bleibt die EU. Rund 63 % der deutschen Warenausfuhr sind für den europäischen Markt bestimmt - zwei von drei Euro verdienen deutsche Exporteure bei ihren europäischen Nachbarn. Hervorzuheben ist hier Frankreich unser Exportmarkt Nr. 1. Mit rund 85 Mrd. Euro im Jahr 2010 finden mehr deutsche Waren den Weg nach Frankreich als in jedes andere Land. Großbritannien liefert sich mit den Niederlanden erneut ein Kop-an- Kopf-Rennen um den dritten Platz (hinter den Zweitplatzierten USA) der wichtigsten Absatzmärkte deutscher Ausfuhren. Trotz des Drucks zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, überraschte Großbritannien mit einem robusten Wirtschaftswachstum von 1,1 % im 2. Quartal Auch in den Niederlanden setzen sich branchenübergreifend Aufwärtstendenzen durch. In den übrigen europäischen Ländern, die nicht der EU angehören, rechnen die deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) besonders für die Türkei und die Ukraine mit einem signifikanten Aufholprozess: Die Jahre 2010 und 2011 werden den deutschen Exporteuren Zuwächse von durchschnittlich 15 % p.a. mit den beiden Ländern bescheren. Der Ukraine ist es gelungen, mit Unterstützung des IWF zuletzt Ende Juli 2010 mit einem 30-monatigen Stabilisierungskredit von ca. 15 Mrd. 4

5 US-Dollar den Haushalt zu sichern und ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen. In Russland nimmt die wirtschaftliche Erholung an Fahrt auf. Die wieder erholten Ölund Gaspreise tragen zur Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Devisenreserven bei. Noch stützt die russische Regierung mit Garantien Unternehmen, die zur Modernisierung beitragen und in neue Techniken und Anlagen investieren können. Die Subventionierung der heimischen Wirtschaft wird allerdings noch in diesem Jahr zurückgefahren. Nach Einschätzung der AHK in Moskau wird Deutschland als Modernisierungspartner Nr. 1 von den Investitionen besonders profitieren. Die Nachfrage nach deutschen Waren wird in diesem und dem kommenden Jahr voraussichtlich mit 7 % bzw. 8 % deutlich anziehen, obwohl die Konkurrenz auch aus China stärker wird. Brasilien richtet mit der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 gleich zwei Großereignisse aus, die in den nächsten Jahren enorme Investitionen erfordern. Die Auftragsvergabe läuft bereits an, und deutsche Unternehmen können davon in besonderem Maße profitieren nicht zuletzt dank ihrer Erfahrung bei Großereignissen. Das gesamte Auftragsvolumen liegt deutlich höher als die Order im Rahmen der WM in Südafrika. Nach DIHK-Berechnungen ist ein Auftragsvolumen von rund 5 Mrd. Euro möglich. Nicht nur die über bereits in Brasilien ansässigen deutschen Unternehmen haben die Chance auf gute Geschäfte. Gerade auch Brasilien-Einsteigern aus dem innovativen deutschen Mittelstand bieten sich zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten. Vorreiter auf dem afrikanischen Kontinent bleibt Südafrika. Hier werden sich insbesondere die Maßnahmen auszahlen, die das Land im Umfeld der Fußball- Weltmeisterschaft getätigt hat und die einen Effekt weit über das sportliche Großevent hinaus haben werden. Nachdem die deutschen Exporte nach Südafrika im Jahr 2009 krisenbedingt um rund ein Viertel geschrumpft sind, wird in diesem Jahr bei einem Plus deutscher Exporte von 35 % der Spitzenwert aus dem Jahr 2008 übertroffen werden. 5

6 Die ASEAN-Gemeinschaft in Südostasien ein Markt mit enormen Potential verdient mehr denn je in den Blickpunkt der deutschen Wirtschaft zu gelangen. Nach Schätzung der AHKs in der ASEAN-Region ist in diesen Ländern wieder mit einer hohen Wachstumsdynamik zu rechnen. Mit prognostizierten Wachstumsraten von 6% für dieses und das nächste Jahr hat die ASEAN-Region wieder die Dynamik des Vorkrisen-Niveaus erreicht. Aufgrund dieser Wachstumsraten wird nach Einschätzung der AHK-Experten auch der deutsche Export in die Region wieder stark zulegen können. Dies trifft mit einem Plus von 20 % in diesem Jahr auf Thailand und die Philippinen zu. Im nächsten Jahr wird dagegen Indonesien mit einem Zuwachs von 15 % das Zugpferd für die deutschen Exporte sein. In der größten Volkswirtschaft des mittleren Ostens, Saudi-Arabien, wird bereits für dieses Jahr wieder mit einem Wachstum von 4 % gerechnet. Dank staatlicher Ausgabenprogramme und der Ankurbelung der Kreditvergabe an Unternehmen durch arabische Banken hat die Ökonomie wieder zurück zu alter Stärke gefunden. Zu den Nutznießern werden auch deutsche Exporteure gehören: mit einem prognostizierten Plus bei den deutschen Ausfuhren von jeweils 6 % in diesem und dem kommenden Jahr. 6

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