Ihr Referent: Prof. Dr. George Sheldon

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1 20. November Teil: Löhne: Auswirkungen von Mindestlöhnen und Lohnbegrenzungen Ihr Referent: Prof. Dr. George Sheldon 1 1:12-Initiative Ein Top-Manager soll nicht mehr als das Zwölffache des Jahreslohnes des am schlechtesten entlohnten Mitarbeiters in der Firma beziehen dürfen. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 2 1

2 Mindestlohn-Initiative Ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn von 22 Franken pro Stunden soll eingeführt werden. Bei einem Vollzeitbeschäftigten entspricht dies einem Monatslohn von rund 4000 Franken. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 3 Vorbemerkung Ob weniger Ungleichheit wünschenswert ist, lässt sich wissenschaftlich ebenso wenig sagen, wie sich die richtige Einkommens- und Vermögensverteilung bestimmen lässt. Was die Wissenschaft leisten kann, ist die Auswirkung und Wirksamkeit verteilungspolitischer Interventionen theoretisch und empirisch zu untersuchen. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 4 2

3 Gliederung Arbeitsmarktliche Gegebenheiten Entwicklung der Lohnverteilung Funktionen von Lohnunterschieden Auswirkungen von Mindestlöhnen und Lohnbegrenzungen Sozialpolitische Bewertung von Lohninitiativen Fazit 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 5 Arbeitsmarktliche Gegebenheiten 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 6 3

4 Arbeitslose nach Bildungsstand Arbeitslosenquote 9% 8% 7% 6% 5% 4% 3% 2% 1% 0% kein Abschluss Sekundarabschluss Tertiärabschluss Ungelernte sind hierzulande immer weniger gefragt. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 7 Bildungsstand der Zuwanderer 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Sekundar I Berufslehre Sonst. Sekundar II Tertiärstufe Dies ist auch an den Zuwanderungen zu erkennen. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 8 4

5 Zwei Trendentwicklungen stehen dahinter: Internationalisierung der Arbeitsteilung Bildungsintensität des technischen Fortschritts 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 9 Entwicklung der Lohnverteilung 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 10 5

6 Lohn- und Arbeitslosengefälle nach Bildungsstand, Lohn HQ/NQ Lohn MQ/NQ Lohn HQ/MQ ALQ NQ/HQ ALQ NQ/MQ ALQ MQ/HQ Lohngefälle nach Bildungsstand hat sich dagegen nicht verändert. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 11 Lohnschere nach Bildungsstand, % Relativer Abstand zum Medianlohn von Ungelernten 120% 100% 80% 60% 40% 20% 0% UNI, ETH FH, PH Höhere Berufs. Matura Medianlohn Lehre Jüngere Daten aus der LSE zeigen das gleiche Bild. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 12 6

7 Gini-Koeffizienten, OECD, Gini vor Steuern & Transfers Gini nach Steuern und Transfers Einkommensungleichheit hierzulande durchschnittlich. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 13 Verhältnis CEO- zum Arbeiterlohn, 1999 Lohnverhältnis entspricht bereits dem 1:12-Ideal. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 14 7

8 Anteil des obersten Einkommensprozents seit 1910 (in %) Starke Verschiebungen in angelsächsischen Ländern. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 15 Anteil des obersten Einkommensprozents seit 1900 (in %) Kaum Verschiebungen in der Schweiz. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 16 8

9 Funktionen von Lohnunterschieden 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 17 Funktionen von Lohnunterschieden Amortisation von Bildungsinvestitionen: Lohnunterschiede nach Bildungsstand hierzulande implizieren eine Bildungsrendite von 8%, was lediglich dem internationalen Standard entspricht. Anzeigen von Qualifikations-Knappheiten Leistungsentgelte Motivationsinstrument (Turnierentlohnung) 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 18 9

10 Ursachen von Super-Gehältern Hohe Nachfrage nach «den Besten», plus ein knappes Angebot an grossen Talenten, plus die Möglichkeit der weiten Verbreitung erbrachter Marktleistungen dank moderner ITK-Technologien. Zuweilen aber auch eine Folge mangelnder Eigentümer-Kontrolle (Stichwort: Corporate Governance). 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 19 Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen aus theoretischer Sicht 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 20 10

11 Beschäftigungseffekte (Theorie) In der Regel negativ: Bei höherem Lohn fragen Firmen i.a. weniger Arbeitskräfte nach. Wenn aber Tieflohnarbeiter aus der Sicht der Einzelfirma knapp sind, dann können moderate Mindestlöhne positive Effekte haben. Oder wenn Tieflohnarbeiter gleichsam unersetzbar sind, können sich die negativen Effekte in Grenzen halten. Doch Tieflohnarbeiter sind in der Schweiz derzeit weder knapp noch unersetzbar. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 21 Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen aus empirischer Sicht 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 22 11

12 Beschäftigungseffekte (Empirie) Befunde sind uneinheitlich. Die meisten Studien beziehen sich auf die USA. Positive Effekte nur dann zu verzeichnen, wenn der Mindestlohn wenige Arbeitskräfte (~ 5%) betrifft bzw. niedrig liegt. Ein Mindestlohn von 22 Franken in der Stunde würde gemäss SGB aber 10-12% aller Arbeitskräfte hierzulande treffen. Er wäre im internationalen Vergleich sehr hoch. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 23 Gesetzlicher Mindestlohn im Verhältnis zum Medianlohn, OECD, 2011 Türkei Chile Schweiz Frankreich Neuseeland Slovenien Lettland Portugal Israel Australien Griechenland Belgien Ungarn Litauen Rumanien Irland Niederlande Vereinigtes Königreich Slowakei Kanada Polen Spanien Luxembourg Korea Estland Japan USA Tschechien 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Mindestlohn in Prozenten des Medianlohns Mindestlohn der Mindestlohn-Initiative liegt sehr hoch. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 24 12

13 Effekte von Lohnbegrenzungen aus theoretischer Sicht 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 25 Zu erwartende Effekte (Theorie) Entlassung von Tieflohnverdienern Outsourcing bzw. die Bildung von Firmen lohnhomogener Tätigkeiten Erhöhung von «niedrigen» Managerlöhnen auf das gesetzlich sanktioniertes Niveau Auslagerung von «lohnstörenden» Stellen ins Ausland Senkung der Standortattraktivität der Schweiz 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 26 13

14 Lohninterventionen aus sozialpolitischer Sicht 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 27 Aus sozialpolitischer Sicht Lohninterventionen sind als Instrument gegen Erwerbsarmut sehr ungezielt, da sie individuelle familiäre Verhältnisse nicht berücksichtigen. Steuergutschriften sind in diesem Fall zielführender. Bei Steuergutschriften haben Mindestlöhne dann doch eine Funktion: Sie verhindern den Missbrauch durch die Arbeitgeber. Doch in diesem Fall liegen die Mindestlöhne deutlich unterhalb der von der Mindestlohn-Initiative angepeilten Höhe. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 28 14

15 Fazit Es besteht derzeit ein Überangebot an Niedrigqualifizierten in der Schweiz, was u.a. an deren steigender Arbeitslosigkeit zu erkennen ist. Die Lohninitiativen dürften ihre Beschäftigungsaussichten verschlechtern. Es besteht ohnehin kein offensichtlicher Handlungsbedarf, denn die relativen Löhne der Niedrigqualifizierten sind im letzten Vierteljahrhundert hierzulande nicht gefallen. Zudem sind Lohninterventionen als Mittel gegen Erwerbsarmut ungeeignet, da sie die individuellen familiären Verhältnisse nicht berücksichtigen. Sollte nach gesellschaftlichem Konsens Handlungsbedarf bestehen, wären Steuergutschriften wesentlich zielführender. 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 29 Besten Dank! 20. November 2013 Prof. Dr. George Sheldon 30 15

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