Umsetzung von REACH in der Automobilindustrie. Dr. Brigitte Stein-Schaller, BMW AG

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1 Umsetzung von REACH in der Dr. Brigitte Stein-Schaller, BMW AG

2 Übersicht Komplexität Automobilproduktion IMDS und GADSL Umsetzung von REACH Seite 2

3 Produktlebenszyklus Entwicklung 3-4 Jahre Fahrzeugproduktion 5-8 Jahre Ersatzteilproduktion 8-15 Jahre (nach EOP) Ersatzteile vorhanden 0-X Jahre (nach EOS) OEM OEM SME OEM oder SME Langer Produktlebenszyklus erfordert eine gewisse Planungsgrundlage und Rechtssicherheit. Jede Umstellung erfordert entsprechende Absicherung, insbesondere bei sicherheitsrelevanten Bauteilen (z. B. Bremssysteme, Airbags ). Vermeidung, dass Stoffe wieder und wieder ersetzt werden müssen. EOP: End of Production EOS: End of Service (Ende der Ersatzteilversorgung ca. 15 Jahre noch Produktionsende) OEM: Original Equipment Manufacturer (in der der Hersteller) SME: small and medium enterprises Seite 3

4 Komplexität der Bauteile Pro Fahrzeugplattform zwischen und unterschiedliche Komponenten von über Lieferanten (ohne Gleichteile). 80 % der Fahrzeugteile kommt über die Lieferkette. Seite 4

5 Komplexität der Lieferkette OEM 1 (OEM) Level 1 Level 2 Level 3 Level 4 Level (Tier1s) X 500 1,75 Mio. X Mio. X ,75 Bn 8,75 Mrd. Seite 5

6 IMDS Internationales Materialdaten-System gemeinschaftliche IT-Plattform der zur Deklaration von Stoffen und Materialien in gelieferten Teilen Seite 6

7 Entwicklung von IMDS Start mit einer kleinen Gruppe von OEMs im VDA ca registrierte Unternehmen ca. 43 Mio. Materialdatenblätter ca Stoffe (Basic Substance List, BSL) Umsetzung von REACH in der Seite 7

8 IMDS Datensammlung Die gesamte Lieferkette folgt dem gleichen Prozess: IMDS stellt eine einheitliche Methode zur Identifizierung von Werkstoffen, Stoffen und Attributen dar. IMDS verwaltet aggregierte Daten, die durch die Lieferkette gesendet werden. Material Composition Information Gather Info Supplier Supplier Product Owner Supplier Material Composition Information Anforderungsfluss Automobilhersteller Tier 1 Supplier Supplier Gather Info Product Supplier Owner Tier 2 Supplier Gather Info Supplier Supplier Material Composition Information Product Supplier Owner Tier 3 Supplier Supplier Quelle: Seite 8

9 Beispiel Materialdatenblatt Bauteil Werkstoff Reinstoff verbotener Inhaltsstoff Seite 9

10 Entwicklung der GADSL weltweit unterschiedliche Gesetze und Anforderungen weltweit unterschiedliche Anforderungen der OEMs individuelle Sammlung aller Informationen aufwändig steigende Kosten in der Lieferkette durch unterschiedliche Anforderungen Lösung: eine Liste, die weltweit gemeinschaftlich erarbeitet wird Europäische Anforderungen gesammelt durch europäische Mitglieder (inkl. Afrika und Middle East) Japanische Anforderungen gesammelt durch japanische Mitglieder (inkl. Asia-Pacific) GADSL US-Anforderungen gesammelt durch US Mitglieder (Abdeckung Nord-, Zentral-, Südamerika) Seite 10

11 Kriterien für Aufnahme in GADSL Stoff ist in einem Automobilteil vorhanden. (Nicht im Produktionsprozess und nicht außerhalb der.) Stoff ist gesetzlich geregelt oder es ist zukünftig geplant. Stoff stellt eine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt dar. Stoff kann funktionelle Probleme in der Fahrzeugentwicklung verursachen. Grenzwerte basieren auf dem höchsten Schutzniveau (Regulierung oder wissenschaftliche Auswertung). Seite 11

12 GADSL und SVHCs. Sind wirklich alle SVHCs für uns relevant? Stoffe werden in die Registry of Intention aufgenommen Prüfung auf Automobilrelevanz durch Ersteller der GADSL Entscheidung zur Aufnahme einzelner Kandidaten in die GADSL und damit zur Implementierung in IMDS Dossiersammlung Aktualisierung der GADSL 1-2x jährlich (Februar, Oktober optional) Sofern die Automobilrelevanz bekannt ist, werden Stoffe des ROI aufgenommen. SVHCs (oder andere regulierte Stoffe) müssen berichtet werden, auch wenn sie noch nicht auf der GADSL sind. Seite 12

13 Auszug aus der GADSL Beinhaltet derzeit Stoffe bzw. Stoffgruppen (2013 Version 1). Stoffe sind entweder verboten (P) oder deklarationspflichtig (D) mit entsprechender Begründung (gesetzlich reguliert (LR) oder werden zukünftig reguliert werden (FA) oder Informationen hierüber sind notwendig (FI)). Seite 13

14 Zusammenfassung System zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben zu Inhaltsstoffen in Werkstoffen und Bauteilen, wie z. B. ELV oder jetzt REACH IMDS Weiterleiten von Stoffinformationen Fahrzeughersteller GADSL Referenzliste für zu deklarierende Stoffe Tier 1 IMDS Weiterleiten von Stoffinformationen GADSL Referenzliste für zu deklarierende Stoffe Lieferkette GADSL: Global Automotive Declarable Substance List Seite 14

15 REACH Umsetzung Seite 15

16 REACH - Übersicht REACH Stoffe Gemisch/Zubereitung Erzeugnisse Registrierung Evaluierung Autorisierung/Zulassung beabsichtigte Freisetzung Erzeugnisse 1. Information an den Empfänger 2. Notifizierung an die ECHA Beschränkungen Umsetzung von REACH in der Seite 16

17 Betroffenheit der Lieferant OEM Händler/Kunde Stoffe (z. B. Lösemittel) Gemische (z. B. Lacke, Klebstoffe) Erzeugnisse (Bauteile) Gemische (z. B. Motoröl) Erzeugnisse (z. B. Fahrzeuge, Ersatzteile) Seite 17

18 Task Force REACH Bündelung der Kräfte Gründung der Task Force zur Erfüllung der Anforderungen unter REACH TF REACH : Arbeitsgruppe von Automobilverbänden und Zulieferindustrie weltweit Seite 18

19 Von der ROI zu Annex XIV bzw. Annex XVII. ROI CL Priorisierung Annex XIV (Sunset date) Informationspflichten (Kunde, ECHA) Zulassung oder Verwendungsverbot Annex XVII Seite 19

20 Startpunkt Registry of Intention ROI Aufnahme in die Substance Tracking List der Task Force REACH Auswertung durch die OEMs mittels interner Systeme (Stoffe, Gemische) und IMDS (Bauteilen (>0,1 %) und homogenen Material Aggregierung der Daten, Analyse der Relevanz für die (z. B. Aufnahme auf die GADSL) Seite 20

21 Flowchart von der ROI über GADSL zu IMDS General Substance Investigations IMDS Process GADSL Process REACH TF Other enquiry *1 (e.g. consortium, association) Evaluate information. If criteria are fulfilled write a GADSL-Dossier GASG TT (Region of interested Group) Send new substance evaluation survey (Excel sheet) to the TF members TF Volunteer If criteria* 2 are met, inform REACH TF about background and request a substance investigation Third Party Contact Person Check and update GADSL status in the BSL IMDS Service Provider Communication of all related tasks to the IMDS Community IMDS Service Provider GASG Discussion on a GADSL update GASG TT (Region of interested Group) Decide on an (intermediate) update of GADSL Investigate internally and provide individual feedback Each vehicle manufacturer Consolidate the input, add results to Substance Tracking Sheet and present to TF TF Volunteer * 2 Substance investigation criteria: 1.Substance information is required because a regulation will prevent sales of vehicles or parts thereof 2.Information is needed for lobbying purposes 3.Information is needed for substitution purposes IMDS users Users to update Material Data Sheets (MDS) if necessary* 3 GASG Inform IMDS SC Inform interested group REACH TF (T. Unger) Use information for lobbying and substitution & inform GASG Third Party Contact Person *1 Can also be a GASG TT (Global Automotive Steering Group Technical Team) in case of substances that have not been already evaluated via REACH TF *3 Update of MDS is necessary if substances newly added to GADSL are covered by an IMDS joker / wildcard Seite 21

22 Pflichten aus der Kandidatenliste ROI CL Informationspflichten gewerbliche Anwender Automatische Bereitstellung (lt. ECHA* Guideline Articles ) vorliegende, für sichere Verwendung ausreichende Informationen mindestens den Namen des betreffenden Stoffes Verbraucher kostenlos, binnen 45 Tagen vorliegende, für sichere Verwendung ausreichende Informationen mindestens den Namen des betreffenden Stoffes ECHA Notifizierung spätestens 6 Monate nach Aufnahme des Stoffs auf die Kandidatenliste, wenn: Stoff in Erzeugnissen > 1t/a und Stoff in Erzeugnissen > 0,1 Masseprozent (w/w) Umsetzung von REACH in der Seite 22

23 Umsetzung der Pflichten gewerbliche Anwender Verbraucher ECHA automatische Bereitstellung der Information für den Händler über den elektronischen Teilekatalog (ETK) Bereitstellung der Information auf Anfrage innerhalb der Frist von 45 Tagen ACEA TF REACH erstellt Hilfsdokument für die (incl. Lieferkette) bzgl. Notifizierung: Notification Fact Sheets auf Basis der Auswertung der TF REACH Nutzung der Hilfestellung ersetzt nicht die Prüfung im eigenen Haus Umsetzung von REACH in der Seite 23

24 Erstellung Notification Fact Sheet 1. Anzahl der Treffer aus der Task Force REACH Substance Tracking List 2. Überprüfung der registrierten Verwendung auf ECHA Website Information on registered substances 3. Weitere Informationsquellen (z. B. Lead Registrant, Konsortium, Verband, Internet) Quelle: Umsetzung von REACH in der Seite 24

25 Überblick Notification Fact Sheets Umsetzung von REACH in der Seite 25

26 Annex XIV/Annex XVII. ROI CL Priorisierung Annex XIV (Sunset date) Annex XVII Auswertung der Bauteile, in denen die Stoffe enthalten sind. Betrachtung der Anwendung bzgl. Relevanz Annex XVII. Prüfen, ob das betroffene Teil noch nach dem Sunset Date verbaut wird. Prüfen, ob es sich um ein Ersatzteil handelt, welches nach dem Sunset Date noch hergestellt wird/werden muss. Prüfung von Ersatzmaterialien mit vergleichbaren Eigenschaften. Festlegung der Umstellung, um zum Stichtag keine verbotenen Stoffe mehr zu verbauen. Aktualisierung der Materialdatenblätter durch die Zulieferer, sobald umgestellt wurde. Seite 26

27 REACH Verordnung. Erwartungen der AI. Tool zur Weitergabe der Information für Bauteile ist IMDS. SVHCs werden ggf. schneller veröffentlicht, als die GADSL aktualisiert wird gesetzliche Reportingpflicht geht vor!! Die IMDS-Einträge sind zu überprüfen und zu aktualisieren. Phase-out dates der Annex XIV Stoffe müssen mit dem jeweiligen OEM abgestimmt werden. Also: Bei Materialumstellung die Änderungsprozesse der OEMs berücksichtigen und IMDS-Einträge aktualisieren!! Umsetzung von REACH in der Seite 27

28 Fokus Prozessmaterialien Auswertung erfolgt anhand der OEM-internen Systeme. Jeder OEM hat eine eigene Liste für deklarationspflichtige oder verbotene Stoffe. Elektronische Informationsweitergabe von Sicherheitsdatenblättern mittels strukturiertem Austauschformat ".xml" nach SDSComXml. Seite 28

29 Sicherheitsdatenblätter REACH und GHS wirken sich auf das Format und die Inhalte von Sicherheitsdatenblättern aus, z. B. Aufbau der 16 Kapitel (REACH), Ergänzung durch Expositionsszenarien (REACH), H- und P-Sätze statt R- und S-Sätze (GHS), geänderte Berechnung der Klassifizierung von Zubereitungen (GHS). Eine Vielzahl von Sicherheitsdatenblättern muss innerhalb der Lieferantenkette ausgetauscht werden. Notwendigkeit Verwendung eines standardisierten Austauschformats, welches ein automatisiertes Erstellen und Einlesen der Daten in die Inhouse-Systeme erlaubt. Mögliche Lösung: Datenaustausch im XML-Format Seite 29

30 Sicherheitsdatenblätter im EDASx-Format. SDSComXml XML Datenbank Lieferant Versenden per Datenbank Kunde Versenden per Drucken SDB Versenden per Post Erstellung SDB Erfassen SDB Umsetzung von REACH in der Seite 30

31 EuPhrac (European Phrase Catalogue) Standardphrasenkatalog kommerziell in über 30 Sprachen verfügbar schnelle Updates Seite 31

32 Positionspapier Einigung der auf ein gemeinsames Positionspapier zur Implementierung eines.xml-basierten elektronischen Formats für Sicherheitsdatenblätter (EDASx) Weiterentwicklung (Aufnahme von Expositionsszenarien) zu SDSComXml Ausblick: Erarbeitung eines neuen Positionspapiers elektronischer Austausch von SDB wird Standard Seite 32

33 Weitere Herausforderungen Ersatzteile Interpretation von Art. 33 (O5A) Seite 33

34 Ersatzteile Gesetzliche Vorgabe zur Ersatzteillieferung: mind. 12 Jahre nach Produktionsende des Autos, oft aber auch wesentlich länger (>35 Jahre). Lagerbestand eines Fahrzeugherstellers: Teilenummern. Erzeugnisse im Lagerbestand sind schon in Verkehr gebracht. (Ersatz)Teile werden produziert und in Verkehr gebracht gemäß gesetzlicher Anforderungen, die zu diesem Zeitpunkt aktuell sind! (Ersatz)Teile, welche heute produziert werden, erfüllen die heutigen Anforderungen, einschließlich der Informationspflichten rückwirkende Prüfung auf SVHC-Stoffe wäre notwendig, um Art. 33 zu erfüllen. Nachproduzierte Ersatzteile müssen ggf. neu entwickelt werden erneute Abprüfung aller Vorgaben im Lastenheft keine Ausnahme für repariert wie produziert analog ELV (End of Life Vehicle Directive). REACH, Artikel 33, schließt keine Erzeugnisse aus, die vor Inkrafttreten der Verordnung produziert wurden. Seite 34

35 Interpretation von Art. 33 (O5A once an article always an article) O5A (Once an article always an article) Basis für Informationsweitergabe: Interpretation gemäß Gesetz und Guideline Komplexe Bauteile (z. B. Fahrzeug) Gewicht kg 0,1g Abweichende Interpretation Threshold 0,1 % = 1500 g 0,1 % = 0,1 mg Konsequenz Alle Stoffe der Kandidatenliste > 1.500g im Fahrzeug relevant Einzelkomponente (z. B. Platine) Alle Stoffe der Kandidatenliste >0,1 mg im Fahrzeug relevant Interpretation des Gesetzestextes wird von 6 Mitgliedsstaaten (F, S, DK, D, AU, BE) abweichend gesehen. Höherer Aufwand für die Industrie (Datensammlung, Analyse, Kommunikation ). Umsetzung von Art. 33 in einigen Mitgliedsstaaten gemäß abweichender Sicht geplant. Verletzungsverfahren gegen die Staaten eingeleitet. Seite 35

36 Positionspapier der zu Artikel 33 und Ersatzteilen Seite 36

37 Leitfaden für alle in der, die AIG. Automotive Industry Guideline, AIG - Erste Veröffentlichung 2008, Version 3.1 Mai Zusammenfassung der für die relevanten Themen, Ablaufdiagramme, Zeitleisten und vieles mehr Verfügbare Sprachen: Englisch, Deutsch, Chinesisch, Japanisch, Französisch, Koreanisch Kostenloser Download der Version 3.1 unter: Seite 37

38 Ausblick Die TF REACH versucht, die Mitgliedsstaaten zum Thema Ersatzteile zu sensibilisieren und schlägt eine ähnliche Lösung wie in der ELV vor. REACH kommt mit weiteren SVHCs und Stoffen für die Autorisierung und Beschränkung. Nicht alle Stoffe sind automobilrelevant, aber der Umstellungsaufwand in den nächsten Jahren wird beträchtlich. Die EU ist mit REACH nicht die einzige Quelle von Stoff-Restriktionen. Aktuell werden v. a. Nanomaterialien und Gesetzesentwicklungen in den USA mit Spannung und viel Kapazität begleitet (Conflict Minerals, SNURs, California Green Chemistry ). Seite 38

39 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Seite 39

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