16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.v. 07. und 08. September 2012 in Münster

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1 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.v. 07. und 08. September 2012 in Münster Die Therapie der Zwangsstörung im Spiegel der S3-Leitlinien Abstracts Veranstalter: Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.v. in Kooperation mit der EOS-Klinik, Münster und dem Alexianer Krankenhaus, Münster-Amelsbüren

2 Inhalt Abstracts Vorträge... 4 Die AWMF S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Zwangsstörungen und ihre Auswirkungen für die klinische Praxis A. Wahl-Kordon, Lübeck... 4 Systemische Aspekte in der Behandlung von Zwangspatienten und deren Angehörigen I. Hand, Hamburg... 4 Methodenintegration in der Behandlung von Zwängen nach den S3-Leitlinien W. Hauke, Windach... 4 Wie sollten wir den Zwang verstehen? Anmerkungen aus anthropologischer Sicht M. Pawelzik, D. Lange, Münster... 5 Stationäre Therapie von Zwangsstörungen: Erfolg, Misserfolg; Was gibt es Neues? U. Voderholzer, Prien... 5 Exposition bei Zwangsgedanken T. Hillebrand, Münster... 5 Pharmakotherapie der Zwangsstörung B. Zurowski, Lübeck... 6 Achtsamkeit in der Behandlung von Zwangsstörungen B. Osen, J. Schriefer, Bad Bramstedt... 6 Evaluation und Weiterentwicklung eines metakognitiven Selbsthilfeansatzes bei Zwangsstörungen M. Hauschildt, Hamburg... 6 Abstracts Workshops... 8 Sonderworkshop Exposition-Reaktions-Managment (ERM) bei Zwangsstörungen I. Hand, Hamburg... 8 Workshop 1 Einführung in die Metakognitive Therapie bei Zwangsstörungen O. Korn, B. Zurowski, Lübeck... 8 Workshop 2 Schematherapie bei Zwangsstörungen N. Stelzer, Freiburg... 9 Workshop 3 Möglichkeiten und Grenzen eines Konfrontationstrainings bei Zwangsstörungen im ambulanten Setting N. Niedermeier, München... 9 Workshop 4 Die praktische Anwendung eines Therapieprogramms zur Behandlung der Zwangsstörung - sowohl als Gruppen- als auch als Einzeltherapieprogramm C. Oelkers, C. Schink, Tübingen... 9 Workshop 5 Zwangsstörungen - Motivation ist der Schlüssel B. Ciupka-Schön, Krefeld Workshop 6 Behandlung von Zwangsstörungen mit dem Therapieprogramm für Angst- und Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen (THAZ) H. Goletz, Köln Workshop 7 Gesprächskreis für Angehörige von Zwangserkrankten W. Hartmann, Hamburg Workshop 8 Gesunde Ressourcen A. Peters, Hamburg

3 Workshop 9 EMDR in der Behandlung der Zwangsstörung K. Böhm, Friedenweiler Workshop 10 Achtsamkeit in der Expositionstherapie - inneres Erleben wertfrei annehmen B. Osen, J. Schriefer, Bad Bramstedt Workshop 11 ACT-Therapie in der Behandlung von Zwangsstörungen Dr. Martz, Winterthur (Schweiz) Workshop 12...und wenn der rote Fleck doch Blut ist? Komplikationen in der Durchführung von Expositionsbehandlungen bei Handlungs- und Gedankenzwängen T.Hillebrand, Münster Workshop 13 Mit Handy und PC gegen den Zwang C. Wölk, Osnabrück Workshop 14 Bindungsstörung, Selbstentwicklung und die Macht der Rituale M. Pawelzik, D. Lange, Münster Workshop 15 Gegen die Zwangsstörung kämpfen Der Weg aus dem Zwang H. Müller, Hamburg Workshop 17 Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung einer Zwangsstörung bei bestehender komorbider chronischer Depression mit dem Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) H. O. Röttgers, Marburg Referenten

4 Abstracts Vorträge Die AWMF S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Zwangsstörungen und ihre Auswirkungen für die klinische Praxis A. Wahl-Kordon, Lübeck Ein Gruppe anerkannter Experten zum Thema Zwangsstörungen aus den verschiedensten Fachverbänden und Berufsgruppen erarbeitete unter Leitung der Lübecker Projektgruppe die S3-Leitlinie, die unter Einbezug von allen relevanten Fachverbänden, Berufsgruppen und von Betroffenen im Konsensusverfahren verabschiedet wurde. Als Ausgangsbasis wurde die britische NICE Leitlinie (Nationla Collaborating Centre for Mental Health, NICE, 2006) gewählt, da diese hohe methodische Standards setzt. An der Suchstrategie der NICE-Leitlinie orientiert, die um zusätzliche Suchbegriffe (wie zum Beispiel neuere Psychopharmaka) erweitert wurde, führten wir eine systematische Literatursuche in allen relevanten medizinischen und psychologischen Datenbanken durch. Die gefundene wissenschaftliche Literatur wurde systematisch nach methodischen Aspekten bewertet und ging in den Entwicklungsprozess der Leitlinie ein. Nach der Erarbeitung der Leitlinien-Empfehlungen in der Expertengruppe wurde diese in einem weiteren Diskussionsprozess auf breiter Konsensusbasis verabschiedet. Im Vortrag sollen die wichtigsten Leitlinien-Empfehlungen zum diagnostischen Vorgehen und zur Therapie vorgestellt und deren Implikationen für die klinische Praxis diskutiert werden. Systemische Aspekte in der Behandlung von Zwangspatienten und deren Angehörigen I. Hand, Hamburg Bei allen nicht allein lebenden Zwangskranken spielt neben der intrapsychischen die interaktionelle Funktionalität des Zwangsverhaltens eine erhebliche, mitunter auch die entscheidende Rolle. Deshalb sollten Angehörige wenn vom Patienten akzeptiert schon in der Probatorik zumindest zu einem gemeinsamen Gespräch hinzugezogen werden. Die interaktionelle Funktionalität sollte gegebenenfalls auch durch eine in-vivo Diagnostik vor Durchführung von in-vivo Expositionenen vertieft werden. Der Vortrag beschreibt diese Sachverhalte fallbezogen und mit kurzen Videoausschnitten auf der Grundlage einer strategisch-systemisch fundierten Verhaltenstherapie als wesentlichen motivationalen Prozess zur Ermöglichung von Veränderung bei allen Beteiligten. Literatur: Hand I (1988) Obsessive- compulsive patients and their families. In: Falloon I (Herg.) Handbook of Behavioural Family Therapy. Guilford Press, New York Hand I (2002) Systemische Aspekte in der Verhaltenstherapie von Zwangsstörungen. In: Ecker W (Hersg.) Die Behnadlung von Zwängen. Hans Huber, Bern Göttingen Hand I (2008) Strategisch-systemische Aspekte der Verhaltenstherapie. Springer, Wien New York Methodenintegration in der Behandlung von Zwängen nach den S3-Leitlinien W. Hauke, Windach Die lange erwarteten S3-Leitlinien für die Zwangsstörung (s. Eröffnungsvortrag) schaffen die not-wendige Klarheit über den Stand der gegenwärtig sicherbaren Erkenntnisse für die Behandlung. Zugleich werden damit aber auch viele Fragen aufgeworfen, wie diese nun konkret aussehen soll. Viele bisher übliche Therapiebausteine darunter manche neuere metakognitive Verfahren haben in der S3-Diskussion keine oder nur dürftige empirische Fundierung nachweisen können, sei es als alleine verwendetes Verfahren, sei es als Komponente in einem multimodalen Design. Der Grund hierfür liegt im hohen Aufwand, welchen solche Untersuchungen naturgemäß fordern. Für Kliniken, niedergelassene Therapeuten und nicht zuletzt die Kostenträger, welche sich ja alle an den Leitlinien zu orientieren pflegen, ergibt sich damit beträchtliche Unsicherheit über das konkrete Vorgehen. Die massiv untermauerte Position der Expositionsverfahren könnte wie in den USA schon länger üblich zum Ruf nach deren alleiniger Anwendung führen. Dieser Weg wäre unaufwändiger, für die Patienten aber härter und mit viel höheren Anforderungen an die Anfangs-motivation verbunden, führt auch nachweislich zu höheren Abbrecherquoten. Der Vortrag gibt einen kritischen Überblick über die verschiedenen möglichen Vorgehensweisen sowohl im stationären als auch im ambulanten Sektor, und versucht ein Bild der künftigen Therapie von Zwängen zu skizzieren. 4

5 Wie sollten wir den Zwang verstehen? Anmerkungen aus anthropologischer Sicht M. Pawelzik, D. Lange, Münster Die Zwangsstörung gilt als ein distinkter Typ psychischer Störungen und wird auf der Grundlage des medizinischen Modells von Krankheit systematisch erforscht. Trotz reliablerer Diagnostik und vielfältiger biopsycho-sozialer Korrelate des Syndroms mehren sich grundsätzliche Zweifel an den Erfolgsaussichten dieses Ansatzes: denn der Phänotyp ist heterogen und wechselhaft, seine Abgrenzung und Gewichtung angesichts hoher Komorbidität ist schwierig; das Scheitern der Versuche, störungsspezifische Risiko-Gene zu identifizieren und die Uneindeutigkeit der neurobiologischen Befunde sprechen für heterogene Entwicklungspfade (Äquifinalität) und damit gegen eine spezifische Ätiologie des Zwangsstörungs-Syndroms. Dies wirft die Frage nach alternativen Deutungen häufiger psychopathologischer Syndrome wie der sogenannten Zwangsstörung auf. Die wichtigste Alternative zum medizinischen Modell ist die funktionale Analyse. Diese ist einerseits unerlässlich, um eine Grenze eindeutiger pathologischer Ausprägungen obsessiven Verhaltens zu ziehen; sie versucht andererseits, die Motivationen und Mechanismen des gestörten Verhaltens zu identifizieren. Insbesondere evolutionspsychologische Deutungen, die Vorsichts-, Gefahrenabwehr- und Handlungsmonitorierungs-Module am Werke sehen, haben den Vorzug einer relativ guten empirischen Übereinstimmung mit der Phänomenologie zwanghaften Verhaltens weit über den klinischen Bereich hinaus. Wir werden versuchen, die orthodoxe Konzeption paläoanthropologisch adaptiver Module (à la Cosmides & Tooby) im Lichte neuerer Interpretationen der dramatischen kulturellen Evolution unserer Spezies weiter zu entwickeln und anhand eigener Daten zu prüfen. Stationäre Therapie von Zwangsstörungen: Erfolg, Misserfolg; Was gibt es Neues? U. Voderholzer, Prien Nach wie vor gilt, dass kognitive Verhaltenstherapie mit Reizkonfrontation sowie Serotonin- Wiederaufnahmehemmer die beiden am besten belegten Therapieformen bei Zwangsstörungen darstellen, wobei die Verhaltenstherapie mit Exposition die wirksamere Methode und auch die Therapie der 1. Wahl darstellt. Die Mehrzahl der durchgeführten Studien beziehen sich auf ein ambulantes Setting und die Effektstärken lagen bei Metaanalysen etwa im Bereich 1,0 bis 1,2. Es gibt relativ wenige Studien mit intensiver kognitiver Verhaltenstherapie mit Exposition im stationären Setting, die jedoch zumindest teilweise höhere Effektstärken von 1,5 bis 2 berichtet haben. In dem Vortrag soll einerseits der gegenwärtige Kenntnisstand anhand der Literatur zu den Effekten stationärer Therapie bei Zwangsstörungen dargestellt werden und andererseits auf die noch ungelösten Fragen und Probleme eingegangen werden. Welches sind die Prädiktoren für ein Ansprechen bei stationärer Behandlung? Welche Faktoren sind häufig mit einem Misserfolg auch bei stationärer Behandlung assoziiert? Wie nachhaltig sind die Effekte stationärer Behandlungen? Gibt es Erfahrungen mit Rückfallprophylaxe- Programmen? Welche zusätzlichen Therapiebausteine im Rahmen stationärer Behandlungen können den Erfolg steigern? Hierbei soll insbesondere auf Erfahrungen mit Achtsamkeit, Körper- und Sport- und bewegungstherapeutischen Ansätzen eingegangen werden. Darüber hinaus werden Ergebnisse von Patientenbefragungen und Outcome-Messungen einer größeren Stichprobe der Schön Klinik Roseneck präsentiert. Exposition bei Zwangsgedanken T. Hillebrand, Münster Die Behandlung von aggressiven, sexuellen oder blasphemischen Zwangsgedanken stellt eine besondere Herausforderung für Therapeut und Patient dar. Wird bei der Exposition zur Behandlung von Zwangshandlungen gemeinsam daran gearbeitet, eine bestimmte Wasch- oder Kontrollhandlung zu unterlassen, um eine maximale Konfrontation mit dem angstauslösendem Stimulus zu erreichen, kann dies bei der Behandlung von Zwangsgedanken nur über eine verlängerte und andauernde Konfrontation mit dem angstauslösendem Gedanken erreicht werden. In der praktischen Umsetzung erfolgt dies über die Erstellung einer Geschichte, in der das gesamte befürchtete Szenario detailliert ausformuliert und schriftlich fixiert wird. Im nächsten Schritt wird diese Geschichte im Rahmen der Therapie mehrfach laut gelesen und in einer weiteren Steigerung via MP3- Player oder Handy aufgenommen. Der Patient hört nun diese Geschichte, ohne sich dabei abzulenken und erlebt nach wiederholter Darbietung ein Nachlassen der Angst. Ein zentrales Wirkmoment ist das Erleben der schlimmsten Gedanken ohne Angst infolge der Habituation der Patient hat in diesem Zu-stand wieder Zugriff auf eine rationale Bewertung der Gedanken und kann das Ziel zahlreicher kognitiver Interventionen: Es ist nur 5

6 ein Gedanke, der nichts über meine moralische Integrität oder Handlungsabsichten aussagt auf einer tieferen Ebene nachvollziehen. Im Rahmen des Vortrages werden anhand von Fallbeispielen Hinweise zur konkreten Umsetzung im therapeutischen Setting gegeben. Pharmakotherapie der Zwangsstörung B. Zurowski, Lübeck Prinzipiell ließe sich die evidenzbasierte Pharmakotherapie der Zwangsstörung auf den Satz reduzieren: Serotoninwiederaufnahmehemmer, lange und hoch genug dosieren. Der vergleichsweise überschaubaren Evidenzlage in der Pharmakotherapie der Zwangsstörung steht eine noch allzu oft davon abweichende Praxis der Polypharmazie, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz von Antipsychotika und Anxiolytika. In diesem Vortrag sollen etablierte, neue und sich abzeichnende pharmakologische Strategien in einen praxisorientierten Behandlungs(stufen)plan münden. Dazu gehört eine differentielle Betrachtung von Antipsychotika unter besonderer Berücksichtigung der potentiell obsessiogenen Effekte von Clozapin. Es wird eingegangen auf Strategien bei Therapierefraktärität und Indikation für eine Kombination von Psychotherapie und Pharmakotherapie sowie hierbei zu berücksichtigende Wechselwirkungen. Achtsamkeit in der Behandlung von Zwangsstörungen B. Osen, J. Schriefer, Bad Bramstedt Achtsamkeit ist mittlerweile bei vielen psychischen Störungen integraler Bestandteil der psychotherapeutischen Behandlung. Sie wird beschrieben als eine bestimmte Art der Aufmerksamkeit, nicht wertend, absichtsvoll und auf den aktuellen Moment bezogen. Im Vortrag wird zunächst ein Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Konzept der Achtsamkeit vorgestellt und die zentralen anwendungsbezogenen Aspekte dargestellt. Gemeinsamkeiten und Unterschiede verhaltenstherapeutischer Standardmethoden und achtsamkeitsbasierter Interventionen werden gegenübergestellt. Auf der Grundlage dieser theoretischen Einführung werden anhand der Phänomenologie der Zwangserkrankung die besondere Relevanz achtsamkeitsbezogener Interventionen erläutert. Evaluation und Weiterentwicklung eines metakognitiven Selbsthilfeansatzes bei Zwangsstörungen M. Hauschildt, Hamburg Einleitung: Obwohl heute wirksame Verfahren zur Therapie von Zwangsstörungen zur Verfügung stehen, weist die aktuelle Versorgungssituation noch immer erhebliche Lücken auf. Diese entstehen u.a. aufgrund mangelnder spezialisierter Angebote sowie einer geringen Inanspruchnahme bestehender Angebote seitens der Betroffenen. Ursächlich für das Fernbleiben vom Hilfesystem ist häufig die Angst vor Stigmatisierung sowie Scham- und Schuldgefühle in Zusammenhang mit den Zwängen. Vor diesem Hintergrund wird Selbsthilfemaßnahmen immer größere Bedeutung beigemessen. Bislang liegen jedoch nur wenige Studien vor, die deren Wirksamkeit systematisch überprüfen. Um der Versorgungslücke bei Zwangsstörungen entgegenzuwirken und insbesondere jene große Gruppe Betroffener zu erreichen, die bislang nicht im psychologisch-psychiatrischen Hilfesystem angekommen ist, hat unsere Arbeitsgruppe ein metakognitives Selbsthilfemanual entwickelt. Der Ansatz zielt darauf ab, bei den Betroffenen das Bewusstsein für eine Reihe spezifischer Denkverzerrungen zu schärfen, die nach vorliegenden Erkenntnissen an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Zwängen beteiligt sind (z.b. übertriebene Verantwortung, Gedanken-Handlungs-Fusion), und diese durch gezielte Informationen und Übungen zu modifizieren. Eine Pilotstudie lieferte bereits erste Hinweise für die Wirksamkeit des Selbsthilfeansatzes im Vergleich mit einer Wartebedingung (Moritz, Jelinek, Hauschildt, & Naber, 2011). Methode: In einer BMBF-geförderten Folgestudie soll anhand einer niedrigschwelligen Onlinebefragung die nachhaltige Wirksamkeit des metakognitiven Selbsthilfemanuals gegenüber einer aktiven Kontrollbedingung (Psychoedukation) untersucht werden. Die aktuelle Studie räumt zudem eine Reihe methodischer Schwachpunkte der Pilotstudie aus: Zusätzlich zu einem Prä-Post-Untersuchungsintervall von 4 Wochen ist eine Follow-up Untersuchung nach 6 Monaten vorgesehen. Über die Onlinebefragung anhand reliabler Selbstbeurteilungsinstrumente hinaus erfolgt zu allen Untersuchungszeitpunkten eine Verifikation der Zwangsdiagnose sowie der Symptomstärke durch telefonisch geführte strukturierte klinische Interviews. Den primären Outcomeparameter stellt die Reduktion der Zwangsymptomatik nach 4 Wochen bzw. 6 Monaten dar. 6

7 Als sekundäre Erfolgsparameter werden eine mögliche Verbesserung der Lebensqualität sowie Steigerung der Therapiemotivation untersucht. Ergebnisse: Erste wichtige Verlaufsergebnisse der aktuellen Studie werden vorgestellt und diskutiert. 7

8 Abstracts Workshops Sonderworkshop Exposition-Reaktions-Managment (ERM) bei Zwangsstörungen I. Hand, Hamburg ERM ist eine bereits in den 1980er Jahren in der VT-Ambulanz der Uniklinik Hamburg wesentlich weiterentwickelte Variante der Exposition-Reaktions-Verhinderung (ERP) besonders für die Behandlung von Zwangsstörungen, schweren Phobien und PTSD. Es beinhaltet seit jeher Elemente des Focussing, der Emotionsregulation und des Achtsamkeitstrainings.Es kann weit über Angstbewältigung hinausführen, da jede während der Exposition auftretende negative Emotion (mit den zugehörigen Kognitionen) bearbeitet werden kann. Nicht selten ist es auch ein wertvolles Diagnostik- Instrument, da unter hoher emotionaler Erregung Erlebnisse aus der Biographie wieder dem Bewusstsein zugänglich werden, die dann entscheidende Bedeutung für den weiteren Behandlungsverlauf bekommen können. ERM ist erfahrungsabgeleitet und handlungsorientiert, ohne Rückgriff auf VT-externe theoretische oder philosophische Konzepte (deren populärste im workshop aber kurz vorgestellt werden). Die Umsetzung erfordert in der Regel: Anfangs eine direkte Anleitung durch den Therapeuten, sowohl bei der in-vivo wie bei der in-vitro Variante. In den ersten Sitzungen Blocks von mindestens 2, meist 3-4 Stunden (kein Problem in der Richtlinien-VT!). Beachtung auch der interaktionellen Funktionalität des Symptomverhaltens. Die Darstellung wird durch Video Beispiele aus Therapieverläufen ergänzt. Therapeuten mit eingehender Erfahrung in der Durchführung von Expositionen sind besonders zur Diskussion eingeladen. Literatur: Hand I (1993) Exposition-Reaktions-Management in der strategisch-systemischen Verhaltenstherapie. Verhaltenstherapie 3:61-65 Hand I (2011) Exposition und Konfrontation. In: Linden M, Hautzinger M (Hersg.) Verhaltenstherapiemanual, 7. Vollst. Überarb. U. erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Wieben A, Hand I (2004) Exposition-Reaktins-Management in sensu bei einer spezifischen Phobie vor dem Verschlucken und Ersticken, mit Pavor Nocturnus. Verhaltenstherapie (14)1:43-50 Workshop 1 Einführung in die Metakognitive Therapie bei Zwangsstörungen O. Korn, B. Zurowski, Lübeck Zu den neueren Entwicklungen der sog. Dritten Welle der Verhaltenstherapie zählt u.a. die Metakognitive Therapie (MCT), die von Prof. A. Wells entwickelt worden ist. Sie geht davon aus, dass es nicht die Inhalte von Kognitionen, sondern dysfunktionale und für den Patienten teils unreflektierte, teils schwer zu kontrollierende Muster der Informationsverarbeitung und der Aufmerksamkeitslenkung sind, die psychische Störungen aufrechterhalten und als kognitives Aufmerksamkeitssyndrom (CAS) bezeichnet werden. Bei den Zwangsstörungen besteht das CAS aus Grübeln, Sich-Sorgen-machen und analytischem Denken, unterschiedlichen Formen von Bedrohungsmonitoring sowie maladaptiven Bewältigungsstrategien in Form von Gedankenunterdrückung und insbesondere offenen und verdeckten Zwangshandlungen. Den Hintergrund für den Einsatz dieser Strategien stellen metakognitive Überzeugungen dar. Bei den Zwangsstörungen sind Metakognitionen über die Bedeutung von Zwangsgedanken sowie über die Notwendigkeit von Ritualen besonders wichtig. Erstere bestehen aus der Gedanken-Ereignis-, der Gedanken-Handlungs- oder der Gedanken-Objekt-Fusion und führen zu einer Bewertung von Zwangsgedanken als Indikatoren von Gefahr. Letztere haben den Einsatz von bestimmten Ritualen zur Folge, um diese Bedrohung zu vermindern. Die metakognitive Therapie zielt auf eine Steigerung des metakognitiven Bewusstseins des Patienten und der Wiedererlangung der flexiblen Kontrolle über kognitive Prozesse und Prozesse der Aufmerksamkeitslenkung. Das CAS und dysfunktionale Bewältigungsstrategien werden abgebaut, die ihnen zugrunde liegenden metakognitiven Überzeugungen verändert und alternative Pläne der kognitiven Verarbeitung generiert. Erste Daten aus unkontrollierten Studien weisen darauf hin, dass ein großer Teil der Patienten auf diese Art der Behandlung respondiert und eine vergleichsweise rasche, nachhaltige und klinisch bedeutsame Verbesserung der Symptomatik erreicht. Methode: Vortrag, Beispiele, Modellrollenspiele, Kennenlernen von einzelnen Behandlungstechniken in der Gruppe Ziel: Vermittlung eines theoretischen Grundverständnisses der MCT und eines Einblicks in zentrale Behandlungselemente 8

9 Zielgruppe: Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten mit Kenntnissen der Kognitiven Verhaltenstherapie. Literatur: Wells, A. (2011). Metakognitive Therapie bei Angststörungen und Depression. Beltz. Workshop 2 Schematherapie bei Zwangsstörungen N. Stelzer, Freiburg Die Schematherapie, ein integrativer Therapieansatz aus der Kognitiven Verhaltenstherapie weiterentwickelt, bietet besondere Möglichkeiten, sich den individuellen Hintergründen der Zwangsstörungen zu widmen. Dieses erscheint insbesondere bei Vorliegen von komorbiden Persönlichkeitsstörungen und bei besonders ausgeprägten chronischen Erkrankungen sehr hilfreich. Nach neuerer Studienlage profitieren bis zu 50% der Patienten nicht dauerhaft von einer reinen Expositionstherapie mit Reaktionsverhinderung (ERP). Ein kombiniertes Vorgehen, ERP plus Modul aus der Schematherapie, bietet neue, vielversprechende Möglichkeiten. Es zeigt sich, dass hierbei vor allem der Einsatz der Schemamodi geeignet ist. Ein überschaubares, individuelles Fallkonzept kann transparent mit dem Patienten erarbeitet werden. Mithilfe verschiedener schematherapeutischer Interventionen kann emotionsaktiviert an den beteiligten Modi gearbeitet werden. Ziel des Workshops ist, eine knapp skizzierte Einführung in die Schematherapie, insbesondere den Modusansatz, zu geben. Besonderer Schwerpunkt soll auf die Fallkonzeptionen bei Zwangsstörungen, anhand von Fallbeispielen demonstriert, gelegt werden. Die Teilnehmer sollen einen ersten Eindruck von den besonderen Möglichkeiten der schematherapeutischen Stuhlarbeit, wie auch der Imaginationsverfahren gewinnen. Literatur: Jacob, G., Van Genderen, H. & Seebauer, L.(2011)Andere Wege gehen. Patientenbuch. Weinheim: Beltz. Jacob, G. & Arntz, A. (2011) Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz. Young, J. E. & Klosko, S. (2006) Sein Leben neu erfinden. Paderborn, Junfermann. Young, J. E., Klosko, S. & Weishaar, E. (2005) Schematherapie. Ein praxisorientiertes Handbuch. Paderborn: Junfermann. Workshop 3 Möglichkeiten und Grenzen eines Konfrontationstrainings bei Zwangsstörungen im ambulanten Setting N. Niedermeier, München Dargestellt werden die Voraussetzungen (z.b. Therapiemotivation, Therapiekontrakt, Rollenklärung) die im Rahmen einer Verhaltenstherapie erbracht werden müssen um eine Expositionsbehandlung im ambulanten Setting vorzubereiten. Dann werden die verschiedenen Möglichkeiten der Reizkonfrontation (z.b. gestufte Konfrontation versus massierte Reizüberflutung) im ambulanten Setting dargestellt. Ferner werden mittels Videobeispielen und Rollenspielen "gute und schlechte Interventionstechniken" im Rahmen der praktischen Durchführungen einer Expostionsbehandlung erklärt. Workshop 4 Die praktische Anwendung eines Therapieprogramms zur Behandlung der Zwangsstörung - sowohl als Gruppen- als auch als Einzeltherapieprogramm C. Oelkers, C. Schink, Tübingen Vorgestellt wird ein ambulantes Behandlungsprogramm, wie es am Psychologischen Institut der Universität Tübingen seit 2005 regelmäßig durchgeführt wird. Über zwei Behandlungsmodule erfolgt zunächst die symptomspezifische Therapie der Zwangsstörung u.a. mittels ausführlicher Psychoedukation, kognitiver Intervention und therapeutenbegleiteten Einzel-Expositionen. In der Folge wird über kognitive Umstrukturierung, Verhaltenstests und Rollenspiele an zwangstypischen sozialen Grundannahmen und Verhaltensdefiziten gearbeitet. Diskutiert werden kann die Bedeutung und Gestaltung spezifischer Elemente des Programms, dessen Vor- und Nachteile sowie die Akzeptanz, Mitarbeit und Response seitens der Patienten. Ziel der Veranstaltung wird es 9

10 sein, die direkte Anwendung dieses Gruppentherapieprogramms in der Praxis zu vermitteln. Dabei können wir Ihnen auch unsere Erfahrungen hinsichtlich der Beantragung des angemessenen Sitzungsumfangs bei den Krankenkassen weitergeben. Selbstverständlich ist das komplette Therapieprogramm unseres Manuals auch auf die Einzeltherapie zu übertragen. Literatur: Oelkers, C., Hautzinger, M. & Bleibel, M. (2007). Zwangsstörungen Ein kognitivverhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual. Weinheim, Beltz. Workshop 5 Zwangsstörungen - Motivation ist der Schlüssel B. Ciupka-Schön, Krefeld In der ambulanten Arbeit mit zwangserkrankten Menschen ist es wichtig, den Betroffenen in den Therapiesitzungen möglichst viel Motivation zu vermitteln, damit diese den richtigen eigenständigen Umgang mit ihren Zwangssymptomen erlernen. Das Aufdecken zwanghafter Mythen, die Vermittlung Überzeugender Leitsätze zur Reizkonfrontation und das Aufzeichnen des zwanghaften Teufelskreises helfen den Betroffenen, sich im Selbstmanagement erfolgreich mit ihren Zwängen in den eigenen vier Wänden und am Arbeitsplatz zu konfrontieren. Therapeutische Vermittlung von Entspannung, Problemlösung und Bekräftigung beim Zugang zu eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten schaffen eine sinnvolle Alternative zum Zwang, der von den Betroffenen als Reaktion auf Stress und Frustration als unangemessener Bewältigungsversuch entwickelt wurde. Zum Zweck der Demonstration kommen Power-Point Präsentationen, Rollenspiele und Diskussionen zum Einsatz. Workshop 6 Behandlung von Zwangsstörungen mit dem Therapieprogramm für Angst- und Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen (THAZ) H. Goletz, Köln Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen beinhalten meist multiple Zwangsgedanken und Zwangshandlungen und sind häufig mit deutlichen Beeinträchtigungen bezüglich schulischer oder beruflicher Leistungen, Gleichaltrigenbeziehungen und des Familiensystems verbunden. Sowohl für die betroffenen Kinder und Jugendlichen als auch für deren Eltern und Geschwister erweisen sich Zwangsstörungen häufig als extrem belastend. So können beispielsweise Wasch-, Reinigungs-, Kontroll-, Wiederholungs-, Berührungs- oder Ordnungszwänge, die die einzelnen Familienmitglieder behindern bzw. einschränken, sowie nicht enden wollende Frage- und Rückversicherungszwänge, aber auch Aggressionen die Familie zur Verzweiflung bringen. In vielen Familien wird das alltägliche Leben völlig auf den Kopf gestellt. Alles konzentriert sich auf das betroffene Kind, Geschwisterkinder fühlen sich häufig vernachlässigt, und ein zwangsfreies Familienleben ist kaum mehr möglich. Familien bemühen sich vorwiegend darum, sich an den von der Zwangsstörung des Kindes dominierten Familienalltag anzupassen. Diese Anpassung erfolgt dadurch, dass die Familien aus Hilflosigkeit heraus eigene Regeln entwickeln, wie z. B. die Zwangssymptome des Kindes (passiv) zu ertragen bzw. aktiv das Kind bei der Durchführung von Zwangssymptomen zu unterstützen. Mögliche Bemühungen von Familienmitgliedern, sich der Einbindung in die Zwangssymptomatik zu widersetzen, sind häufig mit endlosen Diskussionen und Aggressionen in der Familie verbunden. Das Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Zwangsstörungen (THAZ Zwangsstörungen) beinhaltet ein multimodales verhaltenstherapeutisches Behandlungskonzept, das durch seinen Aufbau aus verschiedenen Bausteinen einen individuellen Behandlungsansatz eines Kindes oder Jugendlichen mit einer Zwangsstörung ermöglicht. Der Workshop beinhaltet die Vermittlung der therapeutischen Ansätze gemäß dem THAZ Zwangsstörungen, insbesondere Psychoedukation, familienzentrierte Interventionen, Expositionsbehandlung mit Reaktionsverhinderung und kognitiv-therapeutische Interventionen. Literatur: Döpfner, M. (1999). Zwangsstörungen. In: Steinhausen, H.-C.; von Aster, M. (Hrsg.). Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin bei Kindern und Jugendlichen. 2. Auflage, Weinheim: Psychologie Verlags Union, S Döpfner, M. & Goletz, H. (2008). Zwangsstörungen. In F. Petermann (Hrsg.), Lehrbuch der klinischen Kinderpsychologie (6. Aufl.). Göttingen: Hogrefe. Döpfner, M., Breuer, U., Hastenrath, B. & Goletz, H. (2007). Wirksamkeit und Langzeitstabilität verhaltenstherapeutischer Interventionen bei Jugendlichen mit Zwangsstörungen. Kindheit und Entwicklung 16,

11 Goletz, H.; Döpfner, M. (2009). Zwangsstörungen. In: Petermann, F. (Hrsg.). Fallbuch der Klinischen Kinderpsychologie (S ). Göttingen: Hogrefe. Kozak, M. J.; Foa, E. B. (2001). Zwangsstörungen bewältigen. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Manual. Göttingen: Verlag Hans Huber. Lakatos, A.; Reinecker, H. (2007). Kognitive Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen. Ein Therapiemanual. 3. Auflage, Göttingen: Hogrefe Verlag für Psychologie. Oelkers, C.; Hautzinger, M.; Bleibel, M. (2007). Zwangsstörungen. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual. Weinheim, Basel: Beltz Verlag. Workshop 7 Gesprächskreis für Angehörige von Zwangserkrankten W. Hartmann, Hamburg Angehörige von Menschen mit Zwängen werden oft mit ihren Problemen allein gelassen. Der Leidensdruck ist erheblich, weil sie nicht wissen, wie sie den Betroffenen bei der Bewältigung der Zwänge unterstützen können. Auch kommt es vor, dass Angehörige in die Rituale der Betroffenen einbezogen werden und sie so zur Festigung der Symptomatik beitragen. Der Workshop bietet Gelegenheit zum moderierten Austausch untereinander. Ziel ist die Weitergabe von Tipps zum Umgang mit Zwangserkrankten. Auch soll der Aufbau von Kontakten von Angehörigen untereinander gefördert werden, um in schwierigen Situationen sich gegenseitig unterstützen zu können. Es werden auch Fragen zu Arten, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Zwangsstörung beantwortet. Workshop 8 Gesunde Ressourcen A. Peters, Hamburg Ein Verhaltenstherapeut wird mir vermitteln, wie ich den Impulsen des Zwangs widerstehen kann. Eine Therapie sollte sich aber nicht nur auf die Bekämpfung der Zwänge beschränken, sondern auch vermitteln, wie ich gesunde Ressourcen fördern kann, um den Zwängen den Raum zu nehmen und allgemein die Lebensqualität zu steigern. Da dieser Baustein in der ambulanten Therapie oft zu kurz kommt, möchte dieser Workshop aufzeigen, wie gesunde Anteile gefördert werden können. Ziele sind das Kennen lernen von Ressourcen sowie der gemeinsame Austausch über eigene Erfahrungen und die Erarbeitung von individuellen Starkmachern anhand von praktischen Übungen. Workshop 9 EMDR in der Behandlung der Zwangsstörung K. Böhm, Friedenweiler In diesem praxisorientierten Workshop wird der Einsatz von EMDR bei Zwangsstörungen vorgestellt und eingeübt. Dabei wird auf Besonderheiten beim Einsatz von EMDR ebenso eingegangen wie auf die Kombination mit Reizkonfrontationen (Expositionsübungen). Die Vorgehensweise von EMDR wird eingeführt, das Therapietiming von EMDR aufgezeigt und auf typische Probleme in der Emotionsregulation eingegangen. Ein wichtiges Augenmerk richtet sich in der Therapie immer auf die Persönlichkeit und Lebensgeschichte des Patienten. Sie lernen EMDR auf die jeweilige Persönlichkeit zuzuschneiden und auch die Art des Zwanges zu berücksichtigen. Waschzwänge bedürfen zum Beispiel oft anderer Strategien als reine Zwangsgedanken. Im Workshop werden Therapievideos gezeigt, das praktische Vorgehen eingeübt und die Theorie hierzu anschaulich vermittelt. Er richtet sich sowohl an verhaltenstherapeutisch als auch an tiefenpsychologisch arbeitende Kollegen. 11

12 Workshop 10 Achtsamkeit in der Expositionstherapie - inneres Erleben wertfrei annehmen B. Osen, J. Schriefer, Bad Bramstedt Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit absichtsvoll und ohne Bewertung auf die Erlebnisinhalte des gegenwärtigen Augenblicks zu lenken. Dieses aus der buddhistischen Philosophie stammende Konzept hat in den letzten 20 Jahren psychotherapeutisch stark an Bedeutung gewonnen. Erste Forschungsergebnisse weisen auf die Wirksamkeit von Achtsamkeit als klinische Intervention hin. Behandlungskonzepte verschiedener Erkrankungsbilder werden mehr und mehr um diesen Aspekt erweitert. Mittlerweile zeichnen sich auch Tendenzen ab, achtsamkeitsbasierte Interventionen in der Therapie von Zwangserkrankungen gezielt zu nutzen. Im Rahmen der Zwangserkrankung werden beispielsweise häufig unangenehme, oft schmerzliche Gefühls- und Erlebenszustände über die Zwangshandlungen unbewusst reguliert oder vermieden (Erfahrungsvermeidung). Ziel ist es hier über die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Achtsamkeit, die eigenen Gefühle, Gedanken und Körperreaktionen besser annehmen und bewältigen zu lernen. Der Schwerpunkt dieses Workshops liegt auf der Anwendung von Achtsamkeitsstrategien innerhalb der Exposition (Konfrontation mit zwangsauslösenden Reizen ohne das Zwangsverhalten auszuführen). Hilfen zur Vorbereitung, Planung und Durchführung von achtsamkeitsgestützten Expositionen werden gegeben und praktische alltagsnahe Achtsamkeitsübungen durchgeführt. Der Einsatz von Medien wie z.b. Telefon oder Video als hilfreiche Unterstützung während der Exposition wird thematisiert. Video gestützte Fallbeispiele sollen den Einsatz von Achtsamkeitsstrategien verdeutlichen und erfahrbar werden lassen. Der Workshop bietet Gelegenheit eigene Erfahrungen, Beispiele und Fragen einzubringen. Ein aktiver, neugieriger und offener Austausch sei es als Betroffener, Angehöriger oder Therapeut ist erwünscht. Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Literatur:Berking, M. & Känel, von, M. (2007). Achtsamkeit als psychotherapeutische Interventionsmethode. Konzeptklärung, klinische Anwendung und aktuelle empirische Befundlage. Psychother. Psych. Med., 57, Didonna, F. (2009). Mindfulness and Obsessive-Compulsive Disorder: Developing a Way to Trust and Validate One s Internal Experience. In Didonna, F. (2009). Clinical Handbook of Mindfulness, Springer Verlag, Grossman, P., Niemann, L., Schmidt, S. & Walch, H. (2004). Mindfulness-based stress reduction and health benefits. A meta-analysis. Journal of Psychosomatic Research, 57, Heidenreich, T. & Michalak, J. (2003). Achtsamkeit (Mindfulness) als Therapieprinzip in Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. Verhaltentherapie, Vol. 13, No. 4, Heidenreich, T. & Michalak, J. (2009). Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Ein Handbuch, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, dgvt-verlag. Hoffmann, N. & Hofmann, B. (2004). Expositionen bei Ängsten und Zwängen. Praxishandbuch, Bletz Verlag, Weinheim, Basel, Berlin. Kabat-Zinn, J. (2006). Zur Besinnung kommen. Die Weisheit der Sinne und der Sinn der Achtsamkeit in einer aus den Fugen geratenen Welt, Abor Verlag. Workshop 11 ACT-Therapie in der Behandlung von Zwangsstörungen Dr. Martz, Winterthur (Schweiz) ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie, kt ausgesprochen) ist eine aktuelle Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie, die die Expositionsbehandlung in den Kontext eines wertegeleiteten Lebens stellt. Das destruktive Potential gewisser Gedanken und Gefühle wird mit Hilfe von Metaphern, Defusions- und Achtsamkeitsübungen vermindert. Nach einem kurzen Überblick über den wissenschaftlichen Hintergrund und einer kleinen Einführung in das Konzept der ACT wird dargestellt und im Workshop geübt, wie dieser Ansatz bei Zwangsstörungen praktisch eingesetzt werden kann. Es erfolgt eine Illustration anhand eigener Fallvignetten. Literatur: Hayes, Wilson, Strosahl: Akzeptanz- und Commitment Therapie ( Übersetzung Rainer Sonntag) Eifert: Akzeptanz- und Commitment-Therapie in der Reihe "Fortschritte der Psychotherapie" (2011) Workshop 12...und wenn der rote Fleck doch Blut ist? Komplikationen in der Durchführung von Expositionsbehandlungen bei Handlungs- und Gedankenzwängen T.Hillebrand, Münster 12

13 Die Expositionsbehandlung von Zwängen z.b. im häuslichen Umfeld des Patienten stellt eine therapeutische Herausforderung dar, da sich die Kontextbedingungen deutlich vom gewohnten Therapiealltag unterscheiden. Trotzdem lohnt sich der Einsatz für den Patienten. Im Workshop werden typische Komplikationen vorgestellt, die im Rahmen einer Expositionsbehandlung auftreten können. Zögerliche Motivation, kognitives Flüchten, zu geringe oder überbordende emotionale Anspannung sind nur einige Aspekte die den Patienten betreffen. Es gibt aber auch offene Fragen auf Seiten des Therapeuten, z.b. ethische Skrupel bei Expositionen im Bereich sexuell-aggressiver Zwangsgedanken oder Unsicherheiten, den Patienten im häuslichen Umfeld aufzusuchen. Im Workshop werden Bewältigungsmöglichkeiten erarbeitet. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der optimalen Vorbereitung, die das Auftreten dieser Schwierigkeiten deutlich minimiert. Fallbeispiele der Teilnehmer sind willkommen. Workshop 13 Mit Handy und PC gegen den Zwang C. Wölk, Osnabrück Bei der Überwindung von Zwangsstörungen ist ein regelmäßiges Training gegen den Zwang von größtem Nutzen. Inzwischen stehen eine ganze Reihe "kleiner Helfer" gegen den Zwang auf dem PC oder dem Smartphone zur Verfügung: Brainy, Talk to him, Gedankenmühle und Mind Washer. Betroffene können auf diesem Wege, in eigener Regie oder auch in Ergänzung zu einer laufenden Psychotherapie, selber dazu beitragen, dass die Zwangsstörung nicht mehr im Mittelpunkt ihres Lebens steht. Inhalt des Workshops ist es, die Funktions- und therapeutische Wirkungsweise derartiger "kleiner Helfer" zu erläutern und zu demonstrieren. Literatur: Wölk, C. & Seebeck, A. (2006). Einsatz von Computern in der ambulanten Verhaltenstherapie (S ). In: S. Fricke, M. Rufer & I. Hand. (Hrsg.): Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen - Fallbasierte Therapiekonzepte. München: Urban & Fischer. Wölk C. (2007). Talk to him! CD-ROM. Ein interaktives PC-Programm zur Selbsthilfe bei Zwangsstörungen. Für Windows 98, 2000, XP, Vista (In Anlehnung an das Buch Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe von S. Fricke und I. Hand.) Bonn: BALANCE Buch + Medien Verlag Wölk, C., Raubart., G., Dörenkämper, B., Kalkhoff, R., Meyer, B., Seebeck, A. & Tepe, S. (2009) Therapiebegleitende Interventionen bei der Behandlung von Zwangsstörungen - was sonst noch gegen Zwänge hilft. Notfall und Hausarztmedizin, 35 (2), Workshop 14 Bindungsstörung, Selbstentwicklung und die Macht der Rituale M. Pawelzik, D. Lange, Münster Wie lässt sich die Zwangsstörung entwicklungspsychopathologisch verstehen? Welche Funktionalitäten sind für das Zwangsverhalten verantwortlich? Warum weisen Zwangspatienten häufig erhebliche Entwicklungsretardierungen auf? Um diese Fragen zu beantworten, wollen wir die Entwicklung zwanghaften Verhaltens auf dem Hintergrund der Bindungstheorie und der Entwicklung eines kohärenten, handlungsmächtigen Selbst untersuchen. Anhand videodokumentierter Fälle und diverser psychometrischer Maße soll mit den Teilnehmern diskutiert werden, welche Entwicklungswege für Zwangspatienten typisch sind, was die gedeihliche Entwicklung blockiert und welche therapeutischen Gesichtspunkte sich aus einer breiter angelegten Verhaltensanalyse ergeben. Workshop 15 Gegen die Zwangsstörung kämpfen Der Weg aus dem Zwang H. Müller, Hamburg Dieser Workshop beschäftigt sich damit, was Betroffene tun können, um gegen die Zwangsstörung anzukämpfen und soll dazu Anregungen aber auch Motivation für die Betroffenen geben. Es werden therapierelevante Phasen bei der Bewältigung der Zwangsstörung erläutert und dabei praxisnah Möglichkeiten und Erfahrungen vermittelt und ausgetauscht, wie: - Was hilft den Betroffenen in den einzelnen Phasen? 13

14 - Vor- und Nachteile Ambulanter oder Stationärer Therapie? - Was kann der Betroffene selbst dazu beitragen, um einen guten Therapieerfolg zu erzielen? - Wie kann der Betroffene dem Zwang den Nährboden nehmen? Im Weiteren ist es wichtig nach beendigter Therapie, vor allem nach einer stationären Therapie, dafür zu sorgen dass der Therapieerfolg gesichert und frühzeitig ein möglicher Rückfall verhindert wird. Wichtig ist dabei eine Rückfallprophylaxe. In dem Workshop werden Möglichkeiten dazu aus der Erfahrung praxisnah dargelegt und mit den Teilnehmern ausgetauscht. Es werden dazu Hilfswerkzeuge erläutert wie u. a.: - Einsatz des ABC-Modells zur Bewältigung belastender Situationen - Ampelprinzip, insbesondere Früherkennungssignale und Bewältigungsstrategien - Achtsamkeit - Rolle der Selbsthilfegruppen Workshop 17 Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung einer Zwangsstörung bei bestehender komorbider chronischer Depression mit dem Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) H. O. Röttgers, Marburg Depression ist die häufigste komorbide Störung bei Zwangsstörungen - laut der National Comorbidity Survey Replication (NCS-R; Ruscio et al. 2010) lag die Komorbidität zur unipolaren Major Depression (lifetime) bei 41%, die zur Dysthymie bei 13%. Der Behandlung von Depressionen sollte also auch im Rahmen der Zwangstherapie große Aufmerksamkeit geschenkt werden. In den letzten Jahren hat das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) bei der Behandlung chronisch depressiver Patientinnen und Patienten zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dieser Therapieansatz von James McCullough soll Patienten helfen, die Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu erkennen, authentische Empathie für andere zu entwickeln, Strategien zu lernen, um eigene Probleme anzugehen und einen heilsamen Umgang mit früheren Traumata zu finden. Dieser neue Behandlungsansatz soll im Workshop vorgestellt und am Beispiel einer Zwangspatientin mit zusätzlicher chronischer Depression erläutert werden. In der Darstellung, den Übungen und der Diskussion soll das Augenmerk besonders auf die Kombination der spezifischen CBASP-Techniken mit den etablierten Methoden zur Zwangsbehandlung gerichtet werden. Methoden: Darstellung der CBASP-Behandlung im Vortrag, Demonstration ausgewählter CBASP-Techniken im Rollenspiel, Diskussion der Möglichkeiten, Probleme und Grenzen im Plenum Ziel: Vermittlung eines theoretischen Grundverständnisses der CBASP-Behandlung und Kennenlernen zentraler Behandlungselemente Literatur:James P. McCullough, Jr.: Treatment for Chronic Depression, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, Deutsche Übersetzung - Elisabeth Schramm, Ulrich Schweiger, Fritz Hohagen & Mathias Berger: Psychotherapie der chronischen Depression,

15 Referenten Dipl.-Psych. Dr. Carsten Böhm Klinik Friedenweiler Dipl.-Psych. Burkhard Ciupka-Schön Praxis für Psychotherapie Krefeld Dipl.-Psych. Peter Düsel Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg Dipl.-Psych. Hildegard Goletz Uniklinik Köln (AKiP) Prof. Dr. med. Iver Hand MVZ-Falkenried Hamburg RA Wolf Hartmann Geschäftsstelle, DGZ e. V. Hamburg Dipl.-Psych. Walter Hauke Psychosomatische Klinik Windach Dipl.-Psych. Marit Hauschildt Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. med. Nico Niedermeier Praxis für Psychotherapie München Dipl.-Psych. Dr. Carmen Oelkers Psychologisches Institut der Universität Tübingen Dr. med. Bernhard Osen Schön-Klinik Bad Bramstedt Dr. med. Markus Pawelzik EOS-Klinik für Psychotherapie Münster Antonia Peters Vorsitzende DGZ e. V. Hamburg Dipl.-Psych. Dr. Hans Onno Röttgers Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg Dipl.-Psych. Christine Schink Universität Tübingen - Fachbereich Psychologie, Abteilung für Klinische und Entwicklungspsychologie Dipl.-Psych. Johanna Schriefer Schön-Klinik Bad Bramstedt Dipl.-Psych. Thomas Hillebrand Psychotherapeutische Praxis Münster Dipl.-Psych. Dr. Oliver Korn Zentrum für Integrative Psychiatrie, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Lübeck Dipl.-Psych. Michaela Kühling München Dipl.-Psych. Dr. Diane Lange EOS-Klinik für Psychotherapie Münster Dr. med. Jan Martz Praxis Zum beherzten Leben & Bildungswerkstatt ACT Winterthur, Schweiz Dipl.-Psych. Nicola Stelzer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer Schön-Klinik Roseneck Prien Dr. med. Andreas Wahl-Kordon Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie UKSH Lübeck Dipl.-Psych. Dr. Christoph Wölk Institut für Psychologie, Universität Osnabrück Dr. med. Bartosz Zurowski Zentrum für Integrative Psychiatrie, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Lübeck Holger Müller DGZ e. V., Hamburg 15

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