Verfolgung und Widerstand in Heidelberg

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1 Verfolgung und Widerstand in Heidelberg Ein Übersichtsbericht Heidelberg war eine ausgesprochen braune Stadt. Schon bei der Kommunalwahl Ende 1930 bekam die NSDAP mit 35,7 % die meisten Stimmen. Bei der Asta-Wahl der Universität im SS 1930 erreichte der rechtsradikale Block sogar die absolute Mehrheit. Die Naziprominenz besuchte daher Heidelberg sehr gerne. Kein Wunder also, dass Oberbürgermeister Dr. Carl Neinhaus, Mitglied der NSDAP, 1933 Adolf Hitler und 1939 Dr. Joseph Goebbels zu Ehrenbürger erkor. Kennzeichnend für die damalige Bürgerschaft Heidelbergs war, dass Neinhaus 1928 zum OB gewählt, von den Nationalsozialisten übernommen und von der CDU 1952 erneut als OB-Kandidat vorgeschlagen und gewählt wurde. Nach der staatsstreichartigen Machtübergabe an Hitler durch Hindenburg am unter Befürwortung von Hochfinanz, Großindustrie und alten Eliten gingen die Faschisten zügig an die Verwirklichung ihres Programms Nationalsozialismus : Bekämpfung und Beseitigung von Marxisten, Kommunisten und Juden als angebliche Wurzeln allen Übels, Schaffung eines Großdeutschlands mit möglichst rein arischer Bevölkerung und Vorbereitung eines neuen Eroberungskrieges. Diese Vorhaben waren nur in einer Diktatur umsetzbar. Die Regierung der nationalen Erhebung verfügte im Reichstag jedoch nur über 42 % der Sitze (NSDAP 33 %, DNVP 9 %). Das sollte durch die Reichstagswahl am unter Ausnützung aller Machtmittel der Regierung korrigiert werden. Schon am waren mit der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat alle Grundrechte außer Kraft gesetzt worden. Mit Versprechungen in großmundigen Propagandareden Hitlers Gebt uns vier Jahre Zeit..., Hetze gegen die Demokratie das System Verleumdung der Kommunisten als Reichstagsbrandstifter und massiver Wahlkampfbehinderung von KPD, SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) und SPD durch Presseverbote und Verhaftungen unter rücksichtsloser Gewaltanwendung von Polizei, SA und SS (reichsweit wurden über 70 Morde gezählt), erhielt die Hitlerkoalition schließlich 52 % der Reichstagssitze. Es war die letzte formal noch freie Wahl. Die Errichtung der Hitler-Diktatur am war quasi nur noch Formsache: Kassierung der 81 KPD-Sitze, Ermordung und Verhaftung von 15 SPD-Abgeordneten sowie etwas Druck auf die bürgerlichen Fraktionen reichte, die Zweidrittelmehrheit für die Ermächtigung zu erzwingen. Selbst der spätere Bundespräsident Theodor Heuss gab sein Ja. Seite 1 von 11

2 Die politischen Gegner traf es als Erstes Schon vor der Reichstagswahl wurden in Heidelberg 24 Kommunisten beim Verteilen von Wahlmaterial in Schutzhaft genommen. Diese konnte beliebig erteilt werden. Nach der Wahl wurden weitere 34 Kommunisten aus Heidelberg und Umgebung verhaftet, darunter 4 Frauen, und teilweise mehrere Monate lang gefangen gehalten. SA und SS wurden als Hilfspolizei eingesetzt. Büros und Anwesen der KPD wurden verwüstet und geplündert. Das Wohnviertel Höllenstein und andere Arbeiterwohngebiete wurden zum Schrecken der Bewohner nach politischem Material und Waffen durchsucht. Die beiden KPD-Stadträte sowie alle 9 KPD-Stadtverordneten wurden in Schutzhaft genommen. Am besetzten SA-Leute die Redaktion der SPD-Zeitung Volksstimme in der Schröderstraße und verhafteten die Redakteure. KPD- und SPD-Presse wurden nun völlig verboten. Am wurde auch das Gewerkschaftshaus in der Rohrbacher Straße von der SA gestürmt. 8 Gewerkschaftssekretäre und der Gastwirt kamen in Schutzhaft. Die Gewerkschaften wurden aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Nach dem Parteienverbot am wurden auch die 3 SPD-Mandate aufgehoben und der Stadtrat völlig gleichgeschaltet. Bereits in den ersten Wochen der NS-Diktatur wurden 15 Arbeiterfunktionäre aus Heidelberg in die KZs Kislau (bei Mingolsheim) und Heuberg (bei Stetten am Kalten Markt) verschleppt. Simon Leibowitsch kam schon 1933 in Heuberg ums Leben und der Landtagsabgeordnete Hermann Böning (beide KPD) 1939 auf dem Transport zur Festung Hohenasperg. Bei politisch unzuverlässigen Volksgenossen fanden unangemeldet Hausdurchsuchungen und Verhöre statt. Haftgründe wurden vielfach frei erfunden oder arrangiert, etwa durch bestellte Aussagen. Das KPD-Mitglied Hans Fehrentz z.b. wurde am ins Gefängnis gebracht und danach noch in die KZs Heuberg und Ankenbuk. Nach 5 Monaten kam er frei. Auf dem Entlassungsschein stand: Schutzhaft wegen staatsgefährdender Gesinnung. Am wurde er erneut festgenommen. Ein Kollege hatte ihn wegen angeblich NS-feindlicher Äußerungen angezeigt. Das Hermann Böning Sondergericht Mannheim verurteilte ihn daraufhin zu einem Jahr Gefängnis. Nach Verbüßung wurde er noch zu 6 Wochen Schutzhaft im KZ Kislau eingesperrt. Mit dieser Zermürbungstaktik sollten Oppositionelle vor jeglichen Widerstandstätigkeiten abgeschreckt und zur Aufgabe bewegt werden. Trotz dieses Terrors verstummte die Opposition nicht. Von Widerstandsgruppen wurden Flugblätter und Schriften verbreitet, welche die Nazilügen entlarvten. Aus dem Ausland wurden große Mengen Informationsmaterial eingeschmuggelt. Losungen wie Nieder mit Hitler prangten auf Straßen und Mauern. Bedrohte wurden ins Ausland gebracht. In den Betrieben entstanden geheime Widerstandszellen. Verdeckt erfolgten Geldsammlungen für Verfolgte und Familien von Häftlingen. Seite 2 von 11

3 Neinhaus überreicht Goebbels die Ehrenbürgerurkunde OB Neinhaus überreicht Dr. Goebbels die Ehrenbürgerurkunde Bis Ende März 1933 wurden 40 Heidelberger Arbeitervereine und Organisationen verboten. Unter OB Carl Neinhaus wurden 1933 widerrechtlich 62 Mitarbeiter aus städtischen Diensten entfernt und 14 Beamte beurlaubt oder zur Ruhe gesetzt. Insgesamt wurden über 600 Mitarbeiter der städtischen und staatlichen Einrichtungen aus politischen oder rassischen Gründen entlassen. Aus der Universität wurden 62 von 206 Professoren, Dozenten und Lehrbeauftragten ausgeschlossen oder zur Emeritierung gezwungen, 30 % des gesamten Lehrkörpers. 27 links eingestellte Studentinnen und Studenten, darunter die Heidelbergerin Sophie Berlinghof, wurden ab Juni 1933 von allen deutschen Hochschulen ausgeschlossen. Am fand das erste Gerichtsverfahren gegen Mitglieder der Arbeiterbewegung statt. 34 Personen hatten an einer Sonnwendfeier der Freien Turner teilgenommen. Sie erhielten Gefängnisstrafen von einem Monat und der SPD-Redner Gottschalk zwei Monate. Unter den Verurteilten befand sich auch das SAP-Mitglied Johann Jung. Seine Schuhmacher-Werkstatt in der Rahmengasse diente 1934 als Anlaufstelle für SAP-Materialien. Sie wurde später nach Eppelheim verlegt. Bis zu den Massenverhaftungen von SAP-Mitgliedern in Südwestdeutschland im Frühjahr 1938 konnte die Heidelberger SAP- Gruppe ihre Verbindung über den Kurier Karl Kuhnle aufrecht erhalten und mit großer Regelmäßigkeit die SAP-Zeitungen "Fanal" und "Banner der revolutionären Einheit" verbreiten. Am Tag des Einmarsches deutscher Truppen in das Sudentenland am erfolgte die Verhaftung von 5 ehemaligen Heidelberger Funktionären der SAP. Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte Friedrich Elless, Fritz Krauter, Kurt Claus, Johann Jung und Karl Kuhnle zu Zuchthausstrafen zwischen 2 1/2 und 5 Jahren. Emil Henk Emil Henk, damals wohnhaft in der Kaiserstr. 33, baute im Spätsommer 1933 unter dem Decknamen Rechberg ein sozialdemokratisches Widerstandsnetz auf mit Stützpunkten im unteren Neckarraum und in der Pfalz. Die Gruppe verbreitete neben eigenen Flugblättern und Klebezettel auch antifaschistische Schriften des SPD-Vorstandes in Prag und lieferte Informationen dorthin. Ende August 1934 wurden 8 Mitglieder der Rechberg-Gruppe verhaftet und mit Gefängnis zwischen 7 und 16 Monaten bestraft. Emil Henk selbst wurde im Frühjahr 1935 vom Oberlandesgericht Karlruhe zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Während des Krieges stand er in Verbindung zu den Männern des 20. Juli. Dies blieb der Gestapo jedoch verborgen. Nach den Verhaftungen im Frühjahr 1933, die die KPD am härtesten getroffen hatten, dauerte es bis Herbst 1933, bis die Kommunisten konspirative Untergrundsstrukturen aufbauen konnten. Bis dahin hatten sie sich zu politischen Gesprächen in Wohnungen, u.a. bei den Eheleuten Joseph und Katharina Hack, sowie im Zimmer von Mina Hack, Bergheimer Str. 26, getroffen. Von den im Februar 1934 verhafteten KommunistInnen verurteilte das Landgericht Heidelberg die Jugendlichen Mina Hack und Eugen Rigo zu 8 bzw. 3 Monaten Gefängnis. Entscheidender Motor bei der Umstellung auf die Untergrundarbeit war der damals 32-jährige Gummidreher und ehemalige KPD-Stadtverordnete Karl Noe, der in Bergheim, Römerstraße 5, wohnte. Er war Seite 3 von 11

4 nach 6-monatiger Schutzhaft am 16. August 1933 aus dem Konzentrationslager Kislau entlassen worden. Im Januar 1934 arbeiteten im neuorganisierten Unterbezirk Heidelberg 10 Widerstandsgruppen, davon in Heidelberg selbst die Gruppen Altstadt, Kirchheim, Wieblingen und Ziegelhausen. Neben der Verbreitung von aus Mannheim gelieferten antifaschistischen Zeitungen stellte der Unterbezirk Heidelberg selbst Flugblätter her, die in Walldorf gedruckt wurden. Das Flugblatt "Die KPD ist nicht tot" beschäftigte sich mit Lohnkürzungen für Bauarbeiter. Im Flugblatt "Der Besuch Röhms in Heidelberg" wurde der luxuriöse Lebenswandel des SA-Führers aufs Korn genommen und das Flugblatt "Die Nazi-Führer gehen dem Bankrott entgegen" machte Hoffnung, dass die Stunde der Befreiung nicht mehr fern sei. Am 1. Mai 1934 wehte sogar auf dem Heiligenberg die rote Fahne. Im März 1935 standen dann 13 Mitglieder des KPD-Unterbezirks Heidelberg vor Gericht und wurden bis auf zwei Freisprüche zu Zuchthausstrafen zwischen 15 Monaten und 3 Jahren verurteilt. Karl Noe kam nach anschließender KZ-Haft und Dienst im Strafbataillon 999 erst nach Kriegsende wieder in Freiheit. Jetzt übernahm Matthias Hofmann die Leitung des Unterbezirks. Treffpunkt der Heidelberger Kommunisten war in jener Zeit die Weinstube Bodega, Hauptstraße 184. Enge Kontakte bestanden zur Be- zirksleitung in Mannheim und zur Abschnittsleitung in Straßburg. Bis Ende 1936 wurden der Gestapo in Heidelberg noch einige KPD-Flugblattaktionen bekannt, so anlässlich der Volksabstimmung im Saargebiet 1934, gegen die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im Sommer 1935 sowie im November 1935 ein Flugblatt An alle, das die NS-Organisation Kraft durch Freude kritisierte. Ende 1936 flohen Matthias Hofmann und Alfons Müller, der Wirt der Bodega, vor drohender Verhaftung nach Spanien und schlossen sich den Internationalen Brigaden gegen Franco an. Aus Unterlagen des Stadtarchivs Mannheim geht hervor, dass Ende 1936 und Anfang 1937 zwei politische Gefangene im Faulen Pelz ihr Leben lassen mussten. Der Heidelberger Kommunist Wilhelm Lacher wurde in den Selbstmord getrieben und das zweite Opfer (Namen unbekannt) starb an den Folgen eines Verhörs. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion ( ), dem unerwartet hart- näckigen Gegenwehr der Roten Armee und den zunehmenden Schwierigkeiten Hitlerdeutschlands verstärkte sich der Widerstand im besetzten Europa. Auch in Deutschland zeigte sich weiterhin Widerstand, wenngleich er nicht stark genug war, das Nazisystem ernsthaft zu gefährden. Der Naziterror wurde jetzt immer gnadenloser. Die Mannheimer Widerstandsgruppe um Georg Lechleiter gab ab Sommer 1941 eine Untergrundzeitung Der Vorbote heraus. Sie informierte über Naziverbrechen, zeigte die tatsächliche wirtschaftliche und militärische Lage auf und rief zum Widerstand auf. Die Diktatur müsse gestürzt und der Krieg beendet werden, ehe es zu spät sei. Die Heidelberger Albert Fritz und das Ehepaar Käthe und Alfred Seitz arbeiteten in der Gruppe mit. Käthe Seitz schrieb die Manuskripte auf Matrizen. Die Vervielfältigung geschah im Haus ihres Vaters Philipp Brunnemer in der Mannheimer Gartenstadt. Alfred Seitz diente als Kurier und Albert Fritz verbreitete den Vorboten unter Antifaschisten und einem Kreis von Kollegen in der Mannheimer Schiffswerft. 4 Ausgaben des Vorboten erschienen bis Seite 4 von 11

5 Dezember Als die 5. Ausgabe in Arbeit war, wurde die Lechleitergruppe verraten. 60 Mitglieder wurden verhaftet, 19 wurden hingerichtet, darunter Albert Fritz und das Ehepaar Seitz. 3 Gefangene starben bereits in der Gefängniszelle. Der Kraftfahrer Heinrich Fehrentz traf sich während des Krieges regelmäßig mit Freunden in der Gastwirtschaft Zum Neckarstaden in der Lauerstraße. Man tauschte Nachrichten aus, auch solche, die von ausländischen Sendern stammten. Fehrentz widersprach der Nazipropaganda und korrigierte das Feindbild vom russischen Untermenschen und der Kulturlosigkeit in der Sowjetunion. Durch Verrat wurden Anfang Personen aus dem Kreis von der Gestapo verhaftet. Heinrich Fehrentz wurde als Rädelsführer der Gruppe und verbissener Kommunist zum Tod verurteilt und am hingerichtet. Die anderen Beteiligten erhielten Gefängnisstrafen bis zu 4 Jahren. Heinrich Fehrentz Ihrer Überzeugung folgend verweigerten die Zeugen Je- hovas den NS-Herren den Hitlergruß, die Arbeit in Rüstungsbetrieben, den Fahneneid und jeglichen Kriegsdienst. Die Glaubensgemeinschaft der Ernsten Bibelforscher wurde verboten. Trotzdem verbreiteten sie ihre Schriften, in denen zum Ungehorsam aufgefordert und über die Verbrechen der Nazis berichtet wurde. Drei ihrer Heidelberger Mitglieder kamen wegen ihrer Standhaftigkeit im KZ Dachau ums Leben, der Sattler Julius Rinklin im Juni 1938 und der Ingenieur Gustav Bopp im Juli Ludwig Brummer verweigerte in Russland den Kriegsdienst und wurde im Dezember 1941 erschossen. Im Jahre 1927 gründete die Gutsbesitzertochter Elisabeth von Thadden als ausgebildete Jugendleiterin im Schloss Wieblingen ein evangelisches Landerziehungsheim für Mädchen. Als aufrechte und das Unrecht verurteilende Frau war sie den Nazis nicht genehm, und so wurde sie durch staatlichen Zwang 1941 aus der Anstaltsleitung vertrieben. Frau von Thadden war dann beim Roten Kreuz und ab 1943 als Helferin in Soldatenheimen in Frankreich tätig. Sie wurde Zeugin der Vernichtung von Briefen deutscher Kriegsgefangener durch deutsche Dienststellen. Diese Maßnahme sollte das Sinken der Moral der Frontsoldaten verhindern. Sie berichtete darüber im Freundeskreis. Während eines Urlaubs im September 1943 versuchte sie Kontakt zu Oppositionellen in der Schweiz aufzunehmen und wurde von einem vermeintlichen Freund verraten. Am wurde sie vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am in Berlin Plötzensee enthauptet. Ihre letzten Worte waren die Verse des Paul-Gerhardt- Liedes: "Mach End', oh Herr, mach End' mit aller unserer Not." Im Garten der nach ihr benannten Elisabeth-von-Thadden-Schule erinnert ein Gedenkstein an sie. Bis heute vergessen sind fünf Heidelberger Bürger, die im Zuchthaus Brandenburg unter dem Fallbeil starben: Josef Lehn wegen Wehrkraftzersetzung, Oskar Linge wegen Abhörens ausländischer Sender und Seite 5 von 11

6 Wehrkraftzersetzung, Heinrich Schnitzer und Heinrich Aberle wegen Fahnenflucht und Ferdinand Thomas wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Nach dem Anschlag auf Hitler am wurden am in einer letzten großen reichsweiten Verhaftungswelle Gitter alle früheren Mandatsträger der Arbeiterparteien und des Zentrums, die die Gestapo fassen konnte, nach Dachau verschleppt. Erste Station der etwa 15 bis 20 in Stadt und Landkreis Heidelberg Verhafteten, darunter die früheren SPD-Abgeordneten Adolf Rausch, Hermann Schück, Hermann Knorr und der frühere KPD-Abgeordnete Max Bock war das in jenen Tagen überfüllte Bezirksgefängnis Fauler Pelz. Wohl die Hälfte der Gefangenen waren Ausländer erinnerte sich Hermann Knorr, nach 1945 Chefredakteur der RNZ, in seinem 1957 in dieser Zeitung veröffentlichten Bericht Reise nach Dachau. Ich kannte allmählich den Tschechen, der ohne Ausweis im Zug geschnappt wurde, den holländischen Kellner, der wegen Schnapshandel gefasst wurde, einige Elsässer, die wegen `Rundfunksachen` in Untersuchung waren, polnische und russische Ostarbeiter sowie mehrere Italiener. Nach einer statistischen Auswertung gab es im Faulen Pelz 1934 mit 789 den höchsten Stand an Schutz- und Untersuchungshäftlingen, 1940 waren es noch 118, um 1942 wieder auf 674 Untersuchungshäftlinge, meistens ausländische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, anzusteigen. Das Schicksal der Juden: Ruiniert, verschleppt, ermordet Die Verfolgung der Juden setzte schlagartig am mit dem Boykott-Tag ein. An diesem Tag standen vor allen Gebäuden mit jüdischen Geschäften, Büros und Arzt- oder Anwaltspraxen bewaffnete SA-Männer. Sie sollten die Leute abschrecken, die Gebäude zu betreten. Auf Schildern stand Kauft nicht bei Juden. Der junge Heidelberger Verwaltungsjurist Bettmann beging Selbstmord, als er eine Warnung vor dem Besuch seines Vaters, eines jüdischen Professors für Dermatologie, an dessen Tür vorfand. Öffentlichen Bediensteten wurde bereits nahegelegt, nicht mehr bei jüdischen Geschäften einzukaufen. Mit den Nürnberger Rassengesetzen fanden im September 1935 die Einschränkungen der Juden ihren vorläufigen Höhepunkt. Unter anderem wurden Ehen zwischen Deutschen und Juden verboten. Ab 1938 durfte kein Jude mehr ein öffentliches Amt ausüben (Ärzte, Rechtsanwälte). In der Nacht vom 9. auf den erfolgte ein von Goebbels ausgelöster und vom Volksmund Reichskristallnacht genannter Pogrom. In ganz Deutschland brannten die Synagogen, durch SA in Zivilkleidung angezündet, so auch in der Heidelberger Altstadt und in Rohrbach. Am Morgen wurden jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet und geplündert und die Menschen misshandelt. Eine Zeugin schilderte den Zustand der Wohnung der Familie Levy in der Zähringerstraße 4, als der SA- Trupp sie verlassen hatte:...es gab kein ganzes Stück mehr in ihrer Sechszimmer-Wohnung. Im Esszimmer waren die Beine vom Tisch und den Sesseln abgeschlagen... Die Lampen und Fenster, überhaupt sämtliche Gegenstände und Möbel wurden zerschlagen, so dass nicht eine Kaffeekanne ganz geblieben ist. Bei all dem blieb die Bevölkerung ruhig und ließ die Untaten ohne Proteste geschehen. Am gleichen Tag noch ( ) wurde ein Großteil der männlichen, meist wohlhabenderen Juden zwischen 18 und 60 Jahren mit Lastwagen und Bahn in das KZ Dachau verschleppt, von wo sie erst nach Wochen und Monaten zurückkehrten. Aus Heidelberg waren dies 75 und mit dem Landkreis zusammen etwa 130 Personen. Max Oppenheimer, damals 18 Jahre, berichtete: Hier sah ich zum ersten Mal in meinem Leben tote Menschen, die entweder von der SS erschlagen wurden oder die Lageratmosphäre nicht verkrafteten. Die jüdischen Häftlinge, die mehr oder weniger als Geiseln festgehalten wurden, um sie zur Auswanderung zu zwingen und zugleich Milliardenbeträge zu erpressen, wurden nicht in die Arbeitskommandos eingeteilt. Sie blieben bei den morgendlichen Zählappellen oftmals noch Seite 6 von 11

7 stundenlang stehen und mussten danach im Gleichschritt kreuz und quer durch das Lager marschieren. Die Wachmannschaften waren ständig bereit, den einen oder anderen herauszunehmen, um ihn zu verhöhnen oder zu schikanieren. Max Oppenheimer wurde schon am ersten Tag aus nichtigem Grund von zwei SS-Leuten blutig geschlagen. Nach knapp 4 Wochen wurde er entlassen mit der Verpflichtung auszuwandern. Mit Unterstützung von Verwandten konnte er über die Schweiz und Frankreich nach England ausreisen. Seine Mutter Rositta überlebte im Lager Gurs, der Vater Leopold jedoch wurde 1943 in Majdanek ermordet. Sein Bruder Hans überlebte den Todesmarsch der Häftlinge von Auschwitz nach Buchenwald 1945, starb aber dann an Unterernährung lebten in Heidelberg 1102 Bürger jüdischen Glaubens und weitere 115 mit jüdischer Abstammung, etwa 1,5% der Bevölkerung. Darunter waren berühmte Professoren wie Julius Gumbel und Nobel-Preisträger Otto Meyerhof. Bis Ende 1938 wanderten etwa 600 (Angaben 578 und 669) dieser Menschen aus. Bis Oktober 1941 waren es dann 879, als die Auswanderung gestoppt wurde, da die Nazis die Endlösung einleiteten. Nach dem November-Pogrom erfolgte die volle Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben und die Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz. Sie wurden aus den meisten Berufen ausgeschlossen und ihre Geschäfte und Gewerbebetriebe wurden boykottiert. Bis 1939 gingen von 66 jüdischen Einzelhandelsgeschäften in Heidelberg 44 in Konkurs, die restlichen mussten weit unter Wert verkauft werden. Alle 7 Handwerksbetriebe mussten mangels Aufträgen schließen. Von den Großhandelsgeschäften gingen 14 in Konkurs, 11 wurden verkauft. Zwei der 15 jüdischen Fabriken gingen in Konkurs, 13 wurden verkauft, darunter 1939 als letzte die Tabakfabrik Flegenheimer mit über 230 Beschäftigten. Ab Dezember 1938 durfte kein jüdisches Kind mehr eine deutsche Schule besuchen. Für Juden gab es ein Verbot des Betretens von kulturellen Einrichtungen und Erholungsstätten. Öffentliche Verkehrsmittel durften nicht mehr benutzt werden. Rundfunkgeräte, Schallplatten, Schreibmaschinen, Fahrräder, Kameras usw. mussten abgeliefert werden. Seit Kriegsbeginn ( ) durften Juden nicht länger Mieter in arischen Häusern sein. Sie wurden in besonderen Judenhäusern, z.b. Bunsenstraße 19a und Landfriedstraße 14 zusammengepfercht. Das sichtbare Tragen des Judensterns wurde ab September 1941 befohlen. Schließlich wurden am auf Betreiben der Gauleiter von Baden und Saarpfalz, Wagner und Bürckel, judenfrei gemacht. Die jüdischen Bürger Heidelbergs wurden morgens zwischen 4 und 7 Uhr von Gestapoleuten aufgefordert zu packen. Nur 50 Pfund Gepäck und 100 RM waren zur Mitnahme erlaubt. Alle Betroffenen mussten sich vormittags auf dem Marktplatz einfinden, von wo die verängstigten Menschen auf Lastwagen zum Bahnhof gefahren wurden. Um 18:15 Uhr fuhr der Deportationszug mit 282 Frauen, Kinder und Männern in verplombten Wagen von Heidelberg ab (17 weitere Heidelberger von anderswo). Nach 4-tägiger Fahrt kamen die Unglücklichen in einem Barackenlager bei Gurs an den Pyrenäen an. Insgesamt wurden über 6500 Juden aus ganz Baden und der Saarpfalz nach Gurs verschleppt. Ein Beauftragter einer Schweizer Hilfsorganisation beschrieb die Zustände in diesem Lager: Die niederen Holzbaracken sind von primitivster Bauart mit undichten Wänden... Die wenigen Seite 7 von 11

8 Waschgelegenheiten befinden sich außerhalb... und sind sehr oft defekt, während der Kälte eingefroren. Die W. C... sind halb offene Verschläge mit Kübeln... Das allerschlimmste ist der Lehmboden, der in ein Schlamm-Meer verwandelt wurde..., Die...gesundheitlichen und hygienischen Zustände sind unbeschreiblich. Wer auf Lagerkost allein angewiesen ist, der geht mit Sicherheit in wenigen Monaten zugrunde Heidelberger starben in Gurs, 31 an anderen Orten in Frankreich und 109 kamen später in verschiedenen Vernichtungslagern im Osten ums Leben. 91 der Deportierten überlebten, weil sie noch auswandern oder sich verstecken konnten. Von 13 Personen ist das Schicksal unbekannt Transportunfähige Kranke und deren nächste Angehörige, Mitglieder der jüdischen Gemeindeverwaltung und in Mischehe lebende Juden und deren Kinder wurden in kleineren Transporten in den folgenden Jahren deportiert. Das Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in Baden-Württemberg nennt die Namen von 258 Heidelberger Bürgerinnen und Bürger. Nur wenige überlebten in Heidelberg. Im November 1945 wohnten hier noch 40 jüdische Bürger. Noch im Februar 1945 sollten die letzten übriggebliebenen Juden in das KZ Theresienstadt verschleppt werden. Darunter auch der spätere Oberbürgermeister von Mannheim, Dr. Fritz Cahn-Garnier. Eine wagemutige Heidelbergerin, die Sozialdemokratin Otti Winteroll, versteckte ihn 44 Tage lang in ihrer Wohnung im Atzelhof bis zum Einmarsch der Amerikaner Ende März Hermann Maas, Helfer in dunkler Zeit Die jüdischen Bürger der Stadt, aber auch andere von den Nazis Verfolgten, hatten einen guten Freund und Helfer in dem damaligen Stadtpfarrer und späteren Prälaten Hermann Maas. Seit Anfang des Dritten Reiches solidarisierte er sich mit den jüdischen Mitbürgern, insbesondere mit den Protestanten unter ihnen. Vielen Juden verhalf er zur Emigration. In seiner Sonntagspredigt nach der Reichspogromnacht rügte Stadtpfarrer Maas von der Kanzel der Heiliggeistkirche das Schänden der Synagogen und die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung. Als die Deportationen nach Gurs begannen, organisierte er den Versand von Lebensmittelpaketen.1940 erfolgte seine Amtsenthebung, 1941 der Entzug der Religionsunterrichtsbefugnis. Kurz vor Kriegsende wurde Herrmann Maas als 67-Jähriger zum Schanzen in das Elsass verschickt. Es gelang ihm zu entfliehen und sich in Heidelberg bei Freunden zu verstecken. Am ersten Sonntag nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen hielt er eine Predigt, in der er mit den Verbrechen des Naziregimes abrechnete. Heute erinnert das Herrmann-Maas-Haus in Kirchheim, die Herrmann-Maas-Brücke in der Weststadt und das Herrmann-Maas-Museum im Schmitthennerhaus, seinem ehemaligen Pfarrhaus, an diesen aufrichtigen Mann und Helfer in dunkler Zeit. Verfolgung von Sinti und Roma Im Jahr 1935 wandte sich die Heidelberger NSDAP dagegen, dass Sinto-Familien in der Altstadt wohnten, und versuchte, deren Wegzug zu bewirken. Hiervon zeugt ein Schreiben des NSDAP- Ortsgruppenleiters Riehl an Oberbürgermeister Neinhaus vom 12. Juni "Vor einigen Wochen ist im Hause Steingasse 18 (heute ist dort eine Gedenktafel angebracht) eine 10- bis 12-köpfige Zigeuner- Seite 8 von 11

9 familie eingezogen. Die Kinder dieser lumpigen Gesellschaft treiben sich täglich am Neckarstaden und besonders bei der Alten Brücke herum... Es gereicht einer Fremdenstadt wie Heidelberg nicht zur Zierde, wenn sich dieses Gesindel am Hauptfremdenverkehrspunkt der Stadt herumtreibt, und es wäre deshalb angebracht,... diese Gesellschaft aus dem Stadtinnern zu entfernen. Weil die städtischen Behörden Druck auf die noch verbliebenen 17 Sinto-Familien ausgeübt und ihnen nach und nach die Existenzgrundlage entzogen wurde, zogen die meisten Familien (12) nach Ludwigshafen. Am 24. Mai 1940 meldete die Kriminalpolizeistelle Ludwigshafen, es wurden im Stadtbereich mehrere Zigeunersippen festgenommen und nach dem Generalgouvernement abgeschoben. Von den Heidelberger Familien waren 19 Personen darunter. Der Sinto-Angehörige Waldemar Franz aus Heidelberg war 1938 zum Militärdienst eingezogen worden wurde er "aus rassischen Gründen" aus der Wehrmacht entlassen. Sein Vater war im Jahre 1940 in Auschwitz ermordet worden. Als Waldemar Franz seine Freundin heiraten wollte, wurde dies "aus rassischen Gründen" verboten. Seine schwangere Freundin durfte das Kind nicht austragen. Sie wurde in der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg unter Prof. Runge zwangssterilisiert und ging daran seelisch zu Grunde. Nur fünf Familien, vor allem ältere Leute, blieben in Heidelberg wohnen. Wie alle Sinti und Roma wurden auch diese fünf Familien "rassenbiologisch" untersucht. Sie hatten jedoch einen rettenden Engel. Ein Heidelberger Polizeibeamter namens Wilhelm Herold gab ihre Akten nicht weiter, so dass sie der Vernichtung entgingen. Mit dem Auschwitz-Erlass vom 16. Dezember 1942 befahl Himmler die Endlösung. Im Frühjahr 1943 wurden die Deportationen aller noch im Reichsgebiet lebenden Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durchgeführt. Vernichtung von Andersartigen und Ballastexistenzen An der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik in Bergheim bestand seit Anfang 1942 eine Zweigstelle der Berliner Euthanasie-Zentrale, der "Euthanasie-Forschungsstelle Heidelberg" unter Leitung von Prof. Dr. Carl Schneider. Er betrieb Langzeituntersuchungen zu Epilepsie und Idiotie und arbeitete 1942 an einer "Absterbeordnung für Idioten". Seine Assistenten, die Doktoren Schmieder, Rauch und Wendt, standen auf einer Gehaltsliste der Euthanasie-Zentrale. Im Jahr 1944 ließ Schneider 21 geistig behinderte Kinder ermorden, um an ihren Gehirnen Untersuchungen vorzunehmen. Ein Gedenkstein vor dem Klinikportal erinnert seit 1998 an diese minderjährigen Opfer. Carl Schneider beging im Dezember 1945 in Untersuchungshaft Selbstmord, seine Mitarbeiter jedoch machten nach 1945 Karriere. Die Schicksale von ungezählten Homosexuellen, Zwangssterilisierten, Schizophrenen, geistig oder körperlich Behinderten, Gebrechlichen oder sonstigen nicht den NS-Vorstellungen von Ariern entsprechenden Mitmenschen, die als Querulanten, Asoziale, Arbeitsscheue", Psychopathen, Artfremde, Lebensunwerte u. dgl. mehr bezeichnet wurden, sind nur in Einzelfällen bekannt. Wie viele dieser gedemütigten und verfolgten Menschen in der Region Heidelberg unter der NS-Diktatur ihr Leben verloren, ist noch weitgehend im Dunkeln. Im Rahmen einer 2003 durchgeführten Doktorarbeit wurden jedoch 226 Patientinnen und Patienten der Psychiatrischen Universitätsklinik nachgewiesen, die zwischen 1936 und 1945 in die Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch verlegt und in den Tötungseinrichtungen Grafeneck und Hadamar ermordet wur- den. Seite 9 von 11

10 Unmenschliche Behandlung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern Zum Schluss wurden noch eigene Soldaten erhängt In zahlreichen Behelfsunterkünften und Baracken wurden während der Kriegsjahre in Heidelberg Tausende Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und - arbeiterinnen das Stadtarchiv verzeichnet Einzelfälle unter meist erbärmlichen Bedingun- Urnengrab 177 polnische, sowjetische und gen eingepfercht. Sie mussten ohne oder bei geringer Bezahlung und bei ungenügender Verpflegung und medizinischer Betreuung in Fabriken, Gewerbebetrieben, Bauernhöfen und bei der Stadt Heidelberg arbeiten. Es gab viele Todesfälle und Hinrichtungen wegen geringster Vergehen. So beobachtete eine Anwohnerin von ihrer Wohnung aus in Rohrbach das Erhängen von fünf Zwangsarbeitern im Hof der Waggon-fabrik Fuchs. Auf den Heidelberger Friedhöfen wurden mindestens 327 Gräber von Kriegs-gefangenen, verschleppten Ausländern und deren Kinder gezählt, davon 171 ohne Namen. Eine Gedenkplatte auf dem Ehrenfried- hof trägt die Inschrift: Hier ruhen in einem gemeinsamen jugoslawische Tote des Jahres Auf dem Kirchheimer Friedhof besagt eine Gedenkplatte: Hier ruhen 34 polnische und 20 sowjetische Tote des Kriegsjahres Erst in den letzten Jahren wurde den ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Arbeitern eine geringe Entschädigung gezahlt. Kurz vor der Befreiung wurden in Heidelberg noch vier junge deutsche Soldaten erhängt, weil sie nicht mehr weiterkämpfen wollten, zwei in der Rohrbac her Straße und zwei am Ortsausgang Handschuhsheim. Alexander Mitscherlich berichtet dazu: Völlig ungeordnet wanderten Hunderte von jungen Soldaten an uns vo rbei. Sie hatten, willentlich oder nicht, den Anschluss an ihre Truppenteile verloren oder aufgegeben. Gleichzeitig versuchten letzte SS-Einheiten, die nicht begreifen wollten, dass das Ende des Dritten Reiches sich vollzog, durch Standgerichte und Erschießung die Flüchtlingsflut zum Halten zu bringen. An der nördlichen Ausgangsstraße von Heidelberg...konnte man jetzt zwei junge Soldaten an Apfelbäumen aufgehängt sehen als Beispiel, das abschrecken sollte... Der Kriegsrichter, der die Hinrichtung der vielleicht 17-jährigen Jungen angeordnet hatte, blieb nach dem Krieg im Amt, und zwar als Professor des Strafrechts. Die Szene wird noch unheimlicher, wenn man erfährt, dass dieser Kriegsrichter keineswegs ein Nazi war, sondern einfach ein professioneller Unmensch, der der Gerechtigkeit freie Bahn zu schaffen wähnte. Dieter Fehrentz, Stand: Seite 10 von 11

11 Quellen - IG Metall Heidelberg (Hrsg.): Damit nichts bleibt, wie es ist. Heidelberg Giovannini, N, Bauer, J.H., Mumm, H.M.: Jüdisches Leben in Heidelberg. Heidelberg Giovannini, N., Moraw, F.: Erinnertes Leben. Heidelberg Giovannini, N. in: Jahrbuch des Heidelberger Geschichtsvereins 2005/2006. Heidelberg Oppenheimer, M.: Der Fall Vorbote. Frankfurt Bienentreu, S. D.: Das Schicksal der aus der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg in andere Heil- u. Pflegeanstalten verlegten Patienten. Heidelberg Reutter, F. in: Heidelberg unter dem Nationalsozialismus. Schadt, Caroli (Hrsg.). Heidelberg Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung , Baden-Württemberg I., Frankfurt/M Zambelli, Augenzeugenbericht einer Anwohnerin der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg- Rohrbach, Seite 11 von 11

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