Software-Ergonomie umsetzen in betrieblichen Projekten der Software- Entwicklung bzw. Software-Einführung

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1 Wolfgang Schneider Software Ergonomics Consultant Software-Ergonomie umsetzen in betrieblichen Projekten der Software- Entwicklung bzw. Software-Einführung Frankfurt, 14. September 2004 Lothar Bräutigam, Wolfgang Schneider Die Referenten Lothar Bräutigam Herdweg 10a Darmstadt Tel. (06151) Fax (06151) Wolfgang Schneider Software Ergonomics Consultant Im Weiber Bad Soden Tel. (06196) Mobil (0177) Fax (0177) Ergonomie & Gesundheitsschutz Schwerpunkt Software-Ergonomie Betrieblicher Datenschutz Schwerpunkt: Arbeitnehmerdatenschutz IT-Mitbestimmung ext. Sachverständiger nach 80.3 BetrVG Betriebs- und Dienstvereinbarungen Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 2

2 Umsetzungsprobleme der Software-Ergonomie ergonomische Software hat viele Vorteile Produktivität, weniger Fehler, Schulungskosten, Gesundheitsschutz,... Mit der BildschArbV existiert eine verbindliche Vorschrift zur Software-Ergonomie (1997 / 2000)... mindestens zwei Drittel aller Software-Produkte verstoßen gegen grundlegende ergonomische Gestaltungsgrundsätze... Was sind die Ursachen? Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 3 Wolfgang Schneider Software Ergonomics Consultant Überblick: 1. Ursachen unergonomischer Software - Umsetzungsprobleme 2. DIN EN ISO Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme 3. Der Projektleitfaden Software-Ergonomie 4. Eingriffsmöglichkeiten für Betriebs- und Personalräte

3 Umsetzungsprobleme 1 Gründe für die mangelnde Umsetzung ergonomischer Aktivitäten: Projektplanung Releaseplanung richtet sich nicht an GUI-Belange aus (häufige Begründung: Time-to-market ) Designzyklen, Prototyping und eine schrittweise Optimierung werden nicht eingeplant Zu wenige Workshops mit Benutzern (zur Ermittlung des Nutzungskontexts) Mangelnde Bereitschaft, Benutzer rechtzeitig einzubinden (z. B. in Usability-Tests) Geplanter Umfang ergonomischer Maßnahmen zu gering Keine Bereitstellung ausreichender Budgets Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 5 Umsetzungsprobleme 2 Gründe für die mangelnde Umsetzung ergonomischer Aktivitäten: Projektarbeit Viele Trade-off-Situationen bei der Gestaltungsarbeit Dynamisches Verhalten der Oberflächen und Bedienungsabläufe werden vernachlässigt (Bedienungsfunktionalität) Kein effizientes Planen und Durchführen von Usability-Tests Keine Kenntnis über Methoden zur Benutzerinvolvierung Keine Kenntnis über die effiziente Durchführung von Maßnahmen Anwendung von Normen und Checklisten wird als problematisch empfunden: Normen zu schwammig formuliert, zu viele fachliche Termini Häufig Wenn-dann-Struktur der Empfehlungen Anwendung der Normen unklar (Prüfprozess) Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 6

4 Umsetzungsprobleme 3 Gründe für die mangelnde Umsetzung ergonomischer Aktivitäten: Persönliche Einstellungen Wenig Bereitschaft in den Projekten, Zeit für kreative Designphasen zu erlauben ("Design macht man so nebenher") Wenig Bereitschaft, Oberflächenprototypen zu testen Problematische Kompetenzaufteilung fachlich / ergonomisch Ängste, das Projekt nicht fertig zu stellen (Projektleiter) Schwierigkeiten beim Umgang mit Trade-off- und ambivalenten Designsituationen Zu viele Personen wollen mitreden Mangelnde Ergonomiekenntnisse Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 7 Wolfgang Schneider Software Ergonomics Consultant Überblick: 1. Ursachen unergonomischer Software - Umsetzungsprobleme 2. DIN EN ISO Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme 3. Der Projektleitfaden Software-Ergonomie 4. Eingriffsmöglichkeiten für Betriebs- und Personalräte

5 Benutzerorientierte Softwaregestaltung ISO DIN EN ISO (1999): Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme Planen des benutzerorientierten Gestaltungsprozesses Benutzerorientierte Gestaltungsaktivitäten Konformitätscheck Grundsätze der benutzerorientierten Gestaltung Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 9 Benutzerorientierte Softwaregestaltung ISO Grundsätze Aktive Beteiligung der Benutzer Klares Verständnis der Benutzer- und Aufgabenanforderungen Geeignete Funktionsverteilung zwischen Benutzern und Technik (Effektivität) Iteration von Gestaltungslösungen Multidisziplinäre Gestaltung Endbenutzer Einkäufer/ Produktmanager Systemanalytiker, Programmierer Marketing GUI-Designer, Graphiker Usability Specialist Technischer Autor, Wartungspersonal Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 10

6 Benutzerorientierte Softwaregestaltung ISO Planung Plan/ Liste der Gestaltungsaktivitäten erstellen Verstehen/ Festlegen des Nutzungskontextes Festlegen von Anforderungen der Benutzer und der Organisation Entwerfen und Beurteilen von Gestaltungslösungen Integration dieser Aktivitäten in die Systementwicklung Architektur, Geschäftsprozessmodellierung Personen/ Organisationen einbeziehen, die für benutzerorientierte Gestaltung verantwortlich sind Zusammenarbeit organisieren in Bezug auf: das Feedback anderer Mitteilung von Aktivitäten Meilensteine vorsehen Angemessene Zeitvorgaben zur Integration von Feedback vorsehen Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 11 Benutzerorientierte Softwaregestaltung ISO Gestaltungsaktivitäten Verstehen/ Festlegen des Nutzungskontextes: Benutzermerkmale, Aufgaben, Aktivitäten und Arbeitsschritte, Umgebung; Nutzungskontext muss aus geeigneten Quellen abgeleitet sein... Festlegen von Anforderungen der Benutzer und der Organisation Gestaltungsziele, Prioritäten/ Kriterien zu deren Überprüfung, ausreichende Dokumentation und Nachweis Entwerfen/ Entwickeln von Gestaltungslösungen Entscheidungen verdeutlichen, verschiedene Gestaltungskonzepte ermöglichen, frühzeitig Benutzerrückmeldungen integrieren, Iterationen ermöglichen, Aufzeichnungen/ Nachweise führen Feststellen, ob Ziele erreicht wurden Feldprüfungen durchführen (Pilotierung) Ergebnisse aufzeichnen, Nachweis führen, ob eine ausreichende Anzahl an Benutzern involviert wurde Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 12

7 Prozess benutzerorientierter Softwaregestaltung Notwendigkeit festgestellt nach DIN EN ISO (1999): analysieren Nutzungskontext Benutzermerkmale, Aufgaben, Umgebung interpretieren Evaluationsergebnisse Diagnostik, Prüfung, Langzeituntersuchung beurteilen Erfüllung der Anforderungen prüfen Gestaltungslösung Simulation, Prototyp, Produktversion Anforderungen Fachlich, Benutzer, Organisation entwickeln Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 13 Wolfgang Schneider Software Ergonomics Consultant Überblick: 1. Ursachen unergonomischer Software - Umsetzungsprobleme 2. DIN EN ISO Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme 3. Der Projektleitfaden Software-Ergonomie 4. Eingriffsmöglichkeiten für Betriebs- und Personalräte

8 Projektleitfaden Software-Ergonomie Ziele: Inhaltliche Anforderungen (Produktqualität) Prozessbezogene Anforderungen (Prozessqualität) Beitrag zur Verbesserung software-ergonomischer Qualität durch Verbesserung des Software-Entwicklungsprozesses Hilfestellung bei der Konzeption und Durchführung von Software-Entwicklungsprojekten Inhalte: Software-Ergonomie Wie ist ein Projekt auszurichten, um ergonomische Maßnahmen erfolgreich umzusetzen? Welche Aktivitäten sind wann einzuplanen? Welche Akteure mit welchen Aufgaben? Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 15 Projektleitfaden Software-Ergonomie Inhaltliche Anforderungen (Produktqualität) Prozessbezogene Anforderungen (Prozessqualität) Projektleitfaden Software- Ergonomie: Beschreibung eines in Bezug auf die Umsetzung von Usability reifen Software-Entwicklungsprozesses in Form von Anforderungen, Maßnahmen, Umsetzungshilfen in kompakter, praxisorientierter Form Software-Ergonomie diskutiert und abgestimmt mit Vertretern von Software-Produzenten in Hessen Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 16

9 Struktur des Projektleitfadens 1. Ziele des Leitfadens 2. Software-Ergonomie: Begriff, Aufgaben, Ziele 3. Erfahrungen und Probleme bei der Umsetzung der Software-Ergonomie 4. Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme nach DIN EN ISO Projektaktivitäten zur Umsetzung der Software-Ergonomie 6. Umsetzung des Leitfadens in der Praxis Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 17 Wolfgang Schneider Software Ergonomics Consultant Überblick: 1. Ursachen unergonomischer Software - Umsetzungsprobleme 2. DIN EN ISO Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme 3. Der Projektleitfaden Software-Ergonomie 4. Eingriffsmöglichkeiten für Betriebs- und Personalräte

10 Betriebsrat und Software-Ergonomie Psychische Belastungen und Stress durch unergonomische Software Mangelhafte Umsetzung der Vorgaben zur Software-Ergonomie bei der Entwicklung betrieblicher Software bei der Anpassung betrieblicher Standard-Software Kaum Überprüfung der Software-Ergonomie im Rahmen von Gefährdungsanalysen Aber: Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats ( BetrVG i.v.m. BildschArbV) wird kaum wahrgenommen Ursachen: Materie zu kompliziert, keine Kompetenzen, Luxusproblem, Standard-Software nicht änderbar,... Einfache, praktikable Hilfsmittel (Checklisten, Leitfäden)? Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 19 Ansätze der Beteiligung des Betriebsrats von Beginn an beteiligen (Projektplanung) auf das Wesentliche konzentrieren Benutzerbeteiligung ermöglichen Projektorganisation mitbestimmen die wichtigen Projektaktivitäten mitgestalten und überwachen Gefährdungsanalyse vor Aufnahme des Produktivbetriebs Betriebliche Richtlinien zur Software-Entwicklung bzw. Einführung entsprechend anpassen Verfahren ggf. über BV absichern Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 20

11 Projektaktivitäten: Org. Rahmenbedingungen Ergonomieverantwortlichen bestimmen Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche des Ergonomieverantwortlichen definieren Personelle Trennung der Aufgabenbereiche Prüfen/Testen und Entwicklung Sicherstellen der ergonomischer Kenntnisse und Fähigkeiten des Ergonomieverantwortlichen Zusammenarbeit des Ergonomieverantwortlichen mit anderen Aufgabenbereichen (...) 9 10 Benutzerbeteiligung organisieren Kommunikationswege einrichten (aus: Projektleitfaden Software-Ergonomie, 2003) Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 21 Projektaktivität: Benutzerbeteiligung organisieren insbesondere für die Aktivitäten Analyse des Nutzungskontexts und Durchführung von Usability-Tests Benutzercharakteristik: Benutzer nach Fähigkeiten, Erfahrungen, Gewohnheiten auswählen: möglichst homogene und repräsentative Benutzergruppe im Wesentlichen Personen, die mit dem späteren Programm arbeiten werden und im relevanten Nutzungskontext aktiv sind ggf. ergänzend auch andere Benutzergruppen, die nicht direkt mit dem Arbeitsgebiet vertraut sind: Test der Selbstbeschreibungsfähigkeit Anzahl der Testteilnehmer festlegen Faustregel, dass ca. sechs bis acht Benutzern ausreichen, um den größten Teil der Nutzungsprobleme zu analysieren und qualitative Designhinweise zu erhalten Für Standard-Software mit einer größeren Bandbreite an Funktionen sind mehr Benutzer mit unterschiedlichen Funktionsschwerpunkten erforderlich. Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 22

12 Usability Prototyping Voraussetzung effektiver Benutzerbeteiligung: frühzeitige Visualisieren und Erfahrbar-Machen der Gestaltungsideen verschiedene Formen des Prototyping: Masken in Papierform (oder als PPT-Präsentationen) Prototypen als teilrealisierte lauffähige Programme Prototypen als aufeinander aufbauende Programmversionen Prototypen werden von den späteren Anwendern unter realistischen Nutzungsbedingungen bewertet Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 23 Projektaktivitäten: Ergonomische Aktivitäten planen Analyse des Nutzungskontexts planen Ergonomische Prüfungen planen 22 Qualitätssicherung planen 23 Usability-Tests planen 24 Pilotierungsbetreuung und Langzeitbeobachtung planen (aus: Projektleitfaden Software-Ergonomie, 2003) Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 24

13 Usability Testing angemessene Form der Evaluation für benutzerorientierte Software- Entwicklung Repräsentative Benutzer bearbeiten unter realistischen Bedingungen für den Nutzungskontext typische Aufgaben mit einem Prototypen oder der vollständigen Software Ziel: Identifizierung von Nutzungsproblemen bei der Interaktion mit dem Programm bzw. Prototypen (zur Optimierung der Benutzungsschnittstelle) Methoden: Inspektion, teilnehmende Beobachtung, Benutzerbefragung,... Usability-Testung ist nicht zu verwechseln mit einer Konformitätsprüfung nach DIN EN ISO 9241 Teile 10 und 11 Sinnvoll: Ergänzung durch Experten-Reviews Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 25 Usability Testing Verbesserungsvorschläge Abfolge der einzelnen Schritte Analyse der Testergebnisse Befragung der Testpersonen Usability-Tests durchführen Testpersonen auswählen Test-Szenarien erstellen Ziele festlegen Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 26

14 Projektaktivität: Usability-Testing Aktivitäten Benutzerbeteiligung Testaufgaben Tests vorbereiten Testkriterien Durchführung Abstimmung Ergebnis Termine, Anzahl der Benutzer Repräsentative Testaufgaben Zeitpunkt, Hardware, Testraum, Aufzeichnungsart Definierte Testkriterien in Bezug auf Anforderungen Designhinweise, untermauert durch Testwiederholung Priorisierung in Bezug auf Fehler- und Mängelbehebung Methode, Aufwand Organisation, Nutzungskontext verwenden Szenarien erstellen, Aufgaben auswählen Einrichten der Rahmenbedingungen Nutzungskontext analysieren Methodisches Testen mit definierten Aufgaben Meetings Behebung/ Re-Tests Zeitangaben, Testergebnisse Re-Tests durchführen detaillierter im Projektleitfaden Software-Ergonomie Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 27 Hinweise, Links ergo-online: Fachinformationsdienst Arbeit und Gesundheit mit umfangreicher Abteilung Software-Ergonomie Projektleitfaden Software-Ergonomie (im Auftrag der TechnologieStiftung Hessen) Zu bestellen sowie zum Download unter Software-Ergonomie umsetzen - aber nicht ohne Benutzer! Lothar Bräutigam, in: Computer Fachwissen für Betriebs- und Personalräte, Heft 04/2004, S. 13 ff. (Beitrag lässt sich als PDF-Datei herunterladen unter Lothar Bräutigam Wolfgang Schneider 28

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