Geld, Zins, Wachstum und Alternativen

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1 Vortrag im Rahmen des DANACH Symposiums vom Geld, Zins, Wachstum und Alternativen Dr. Reinhold Harringer, St.Gallen Meine Damen und Herren Zu Beginn dieses Jahres ist ein neuer Bericht des Club of Rome erschienen, welcher die Rolle des Geldes in unserer Gesellschaft analysiert. Im Wesentlichen weist der Bericht auf fünf Schwächen des heutigen Systems hin, welche auf dieser Folie aufgelistet sind. Ich möchte mich in der zur Verfügung stehenden Zeit auf die blauen Themen konzentrieren und zu den drei Themen Schulden, Wachstum und Einkommensverteilung einleitend einige Thesen voranstellen und dann auf verschiedene Lösungsvorschläge eingehen. a) Zum Thema Schulden Eurokrise, öffentliche und private Schulden das Thema ist allgegenwärtig. Es ist aber wesentlich komplexer, als in dem simplen Rezept zum Ausdruck kommt, wonach der Staat und auch der Einzelne nicht mehr ausgeben darf, als er einnimmt. So einfach ist das nicht. Unser ganzes System ist auf Schulden aufgebaut und man klammert völlig aus, dass den Schulden immer auch Guthaben gegenüberstehen. Diese Grafik aus Deutschland zeigt das sehr schön. Weiss sind die Privathaushalte, grün die Unternehmungen und blau der Staat. Die Grafik geht zwar nur bis 2005, aber sie zeigt deutlich, wie den Schulden von Staat und Unternehmungen (in der

2 2 unteren Hälfte) riesige und exponentiell wachsende Guthaben der privaten Haushalte gegenüberstehen (in der oberen Hälfte). Heute werden im öffentlichen Bereich grosse Erwartungen auf Schuldenbremsen gesetzt. Es ist sicher nicht falsch, wenn man das Wachstum der Schulden sorgfältig analysiert und versucht sie im Griff zu behalten. Was ich aber bis heute nicht verstehe ist, dass dabei die Rolle der Gläubiger völlig übersehen wird. Es gibt auch auf Seite der Gläubiger Mechanismen, welche den Anstieg der Schulden fördern. Aber diese Mechanismen werden aus der Diskussion weitgehend ausgeklammert. Oder haben sie schon jemals den Begriff der Guthabenbremse gehört? Die Idee einiger Superreicher in den USA wie Bill Gates und Warren Buffet, die einen grossen Teil ihrer Vermögen in Stiftungen einbringen, kann nicht die Lösung für ein ganzes System sein. Wir brauchen andere Lösungen: z.b. eine gerechtere Erbschaftssteuer, wir brauchen vielleicht aber auch ein Pensionskassensystem, welches nicht von den Erträgen der Finanzmärkte abhängig ist. Wir brauchen vielleicht auch Strafzinsen auf Guthaben ab einer gewissen Höhe, wie es Keynes im Zusammenhang mit zwischenstaatlichen Ungleichgewichten schon vor Jahrzehnten vorgeschlagen hat. Vor allem aber brauchen wir ein Geld, das nicht auf dem Schuldenmachen basiert. Fazit: Man muss auch bei den Gläubigern ansetzen, das Thema der Schulden lässt sich mit Schuldenbremsen allein nicht lösen. b) Zum Thema Zins Vor kurzem habe ich in einem Buch gelesen, dass eine Wirtschaft mit Zinsen ein Problem ist, dass eine Wirtschaft ohne Zinsen aber ebenso ein Problem ist. Ich glaube, da ist sehr viel daran. Auf jeden Fall sollte man die Kraft der Zinsen nicht unterschätzen. Spanien gibt (NZZ , S. 23) im kommenden Jahr mehr für Zinsen aus, als für die Besoldung sämtlicher Beamter. Der Zins hat zweifellos wichtige und positive Funktionen: Inflationsausgleich, Risikoentschädigung, Investitionslenkung. Daneben ist der Zins aber auch einer der Gründe, weshalb eine Wirtschaft wachsen muss. Langfristig muss das Wachstum der Wirtschaft immer gleich oder höher sein als die Zinsrate. Liegt die Wachstumsrate der Wirtschaft unter der Zinsrate, so führt dies zu einer Umverteilung von den Arbeitseinkommen zu den Kapitaleinkommen. Theoretisch würde das dazu führen, dass nach längerer Zeit das gesamte Einkommen nur noch an das Kapital fliessen würde. Und das ist langfristig nicht möglich. Wer sich also einen Zins von z.b. 3 Prozent wünscht, muss auch ein Wachstum von mindestens 3 Prozent anstreben, wenn das Verhältnis Arbeits-/Kapitaleinkommen

3 3 sich nicht ändern soll. 3 Prozent Wachstum aber bedeutet bereits eine Verdoppelung der Ausgangsgrösse in etwa 24 Jahren auf die Dauer kann so ein System nicht funktionieren. Daneben spielt der Zins auch bei der Verteilung der Einkommen eine gewaltige Rolle. Je höher die Konzentration der Vermögen, desto stärker ist die Umverteilung von unten nach oben: In allen Produktpreisen sind im Durchschnitt etwa % Zinsen enthalten, entstanden und aufsummiert über die verschiedenen Stufen der Produktion. Mit jedem Kauf zahlen wir unbemerkt einen beträchtlichen Betrag für den Zinsendienst. Man muss ein recht hohes Einkommen und Vermögen haben, bis der Saldo aus bezahlten und eingenommenen Zinsen positiv wird. Helmuth Creutz hat diese Berechnungen für Deutschland gemacht: Er hat alle Haushalte in Deutschland in 10 Einkommensgruppen eingeteilt und bei diesen den Saldo aus Zinsbelastung und Zinsertrag ermittelt. In der Grafik ist das die Differenz zwischen der ganz hellen und der schwarzen Fläche. Nur die oberste Einkommenskategorie hat einen klar positiven Saldo. Bei der zweit reichsten Haushaltsgruppe ist der Saldo etwa ausgeglichen und 80 Prozent der Haushalte zahlen deutlich mehr an verdeckten Zinsen, als sie an Zinsen einnehmen. Der Zins hat also einen gewaltigen Umverteilungseffekt. Es ist schon seltsam, dass dieses Thema in der Verteilungsdebatte vollständig ausgeklammert wird. Heute wird meistens die Auffassung vertreten, dass vor allem das billige Geld in den USA die Ursache für die Krise gewesen sei und dass wir auch in Europa - unbedingt wieder ein höheres Zinsniveau anstreben sollten. Ich bin mir da nicht so sicher. Die beiden Nebenwirkungen des Zinses der Wachstumszwang und die Umverteilung von unten nach oben - sprechen m.e. klar für ein niedriges Zinsniveau. Die Zinsen entfalten ihre positiven Wirkungen auch, wenn sie niedrig sind. Deshalb ist es m.e. kein Drama, wenn sich die Zinsen in Zukunft nicht mehr zwischen 0 und 6 %, sondern z.b. zwischen minus 3 und plus 3 % bewegen. Es ist ja interessant, wie die Märkte in den letzten Monaten von sich aus Minuszinsen gebildet haben. Und auch bekannte Oekonomen (wie Gregory Mankiw, Harvard und Willem Buiter, London School of Economics) haben sich in letzter Zeit für Negativzinsen ausgesprochen.

4 4 Damit komme ich zu den Folgerungen und konkreten Vorschlägen: Der bereits erwähnte Bericht des Club of Rome kommt zum Ergebnis, dass wir mehr mit komplementären Geldsystemen arbeiten sollten. Ich teile diese Ansicht und möchte Ihnen deshalb zwei konkrete Projekte aus St.Gallen vorstellen. Darüber hinaus bin ich aber auch der Auffassung, dass an unserem heutigen Geldsystem dringend einige Korrekturen angebracht werden sollten. Eine Absicht der Komplementärwährungen besteht darin, dem herkömmlichen Geld in unserer Gesellschaft wieder eine etwas geringere Bedeutung zu geben. Viele Bereiche des Lebens sind in den vergangenen Jahrzehnten unter verschiedenen Titeln monetarisiert, d.h. der Herrschaft des Geldes unterworfen worden. Von der Kinderbetreuung bis zur Betreuung der alten Menschen. Diese Grafik zeigt die wachsende Bedeutung des monetären Sektors sehr schön: Der Anteil des monetären BIP an der gesamten Wertschöpfung ist von 1997 bis 2010 von 58 auf 61 Prozent angestiegen.

5 5 Ich meine, dass wir hier Gegensteuer geben und anderen, geldlosen Tauschformen wieder eine bessere Chance geben sollten. Einen Ansatz bieten dazu komplementäre Währungen und Zeittauschsysteme. In St.Gallen gibt es seit 2008 eine Zeitbörse. Die Grundidee besteht darin, den Austausch von Leistungen ohne Geld zu ermöglichen. Die Fakten sehen sie auf der Folie. Man kann solche Systeme belächeln, aber ich würde sie nicht unterschätzen. Immerhin hat auch die NZZ in der Zwischenzeit davon Kenntnis genommen und es gibt schweizweit bereits zahlreiche solche Organisationen. In Zürich sind vor allem Tauschen am Fluss und die Werkstatt Complino zu erwähnen. Schweizweit hat das Talent, welches seit anfangs der 90er Jahre besteht, eine Vorreiterrolle übernommen und mit dem WIR hat die Schweiz seit Jahrzehnten ein funktionierendes, komplementäres System. Ein weiteres Projekt mit Pilotcharakter wird im nächsten Jahr in St.Gallen in Betrieb genommen. Ein Zeitvorsorgesystem, in welchem rüstige Rentner/innen den betagten und hilfebedürftigen Rentner/innen helfen und dafür eine Zeitgutschrift erhalten. Diese können sie nach Jahren wieder einlösen. Wie die Folie zeigt, handelt es sich dabei um ein recht komplexes Gebilde. Ich kann hier nicht auf die Details eingehen. Aber im ganzen System spielen die bisherigen Akteure wie Pro Senectute und Spitex eine zentrale Rolle. Beide Organisationen sind in der Stiftung Zeitvorsorge, die noch dieses Jahr gegründet werden soll, vertreten. In dieser Stiftung machen auch die Kirchgemeinden, der Kanton und vor allem die Stadt St.Gallen mit. Die Stadt kommt auch für die Betriebskosten auf und garantiert die Einlösbarkeit der angesparten Zeitgutschriften.

6 6 Das Besondere an diesem System ist, dass es von einer politischen Gemeinde und dem Bundesamt für Sozialversicherung ins Leben gerufen wurde. Und wenn man etwas visionär in die Zukunft blickt, in welcher das System der Zeitgutschriften auch auf Bereiche ausserhalb der Altenbetreuung ausgedehnt werden könnte, kann man in dieser Zeitvorsorge durchaus den Kern eines komplementären Währungssystems sehen. Wie die zahlreichen Reaktionen in der Presse zeigten, ist das Interesse an diesem System beachtlich. Die Devise heisst einerseits also: weg vom Geld, hin zu komplementären Systemen. Anderseits ist völlig klar, dass wir weiterhin mit dem bestehenden Geld leben müssen. Die Frage ist allerdings, ob das Geld in seiner heutigen Form richtig konstruiert ist. Damit komme ich zur Idee des Vollgeldes Der grösste Teil des heute verwendeten Geldes ist Giral- oder Buchgeld. Obwohl wir täglich damit bezahlen, ist dieses Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel das vergisst man immer wieder. Das Giralgeld ist auch kein vollwertiges Geld, sondern nur ein Anspruch auf richtiges Geld, denn Sie können von der Bank verlangen, dass Ihnen für ihre Sichtguthaben richtiges Geld, Bargeld eben, ausbezahlt wird. Die Idee des Vollgeldes besteht nun darin, dass auch das Giralgeld vollwertiges Geld werden soll. Dieses soll aber nicht mehr von den privaten Banken, sondern nur von der Nationalbank in Umlauf gebracht werden. Weshalb ist diese an sich bescheidene, scheinbar rein technische - Änderung im Geldsystem so wichtig? a) Betrachten wir nochmals die Ausgangslage. Heute wird das meiste Geld rund 90 % - von den Banken über die Gewährung von Krediten, also im Zusammenhang mit Schulden, in Umlauf gebracht. Mit dem Vollgeld würde die Geldschöpfung ohne Schulden erfolgen. Die Bestimmung der Geldmenge würde nur noch bei der Nationalbank liegen. Das nationale Geld soll wie andere öffentliche Infrastrukturen vom Staat kontrolliert werden. Die Banken können in Zukunft also nur noch das Geld verleihen, das ihnen anvertraut wurde. Kredite aus dem Nichts oder mit ganz geringen Reserven zu gewähren, wird ihnen also nicht mehr möglich sein. Es ist zu erwarten, dass damit die Spekulation und auch der monetäre Wachstumszwang etwas eingedämmt werden können.

7 7 b) Das vom privaten Bankensektor geschaffene Geld ist grundsätzlich unsicher, weil langfristige Schulden mit kurzfristigen Einlagen finanziert werden. Dieser Vorgang ist zwar der bisher übliche Vorgang im Bankgeschäft, aber gleichzeitig wie das Zitat des Präsidenten der englischen Nationalbank zeigt - der Hauptgrund für die Unsicherheit des Geldes. Auf deutsch und etwas vereinfacht heisst es in diesem Zitat: Die übertriebene Fristentransformation ist eines der Hauptprobleme. Und weil die damit verbundenen Risiken vom ganzen System und nicht von den Nutzniessern bezahlt werden, wird das Ganze sehr gefährlich. Deshalb - das möchte ich noch hinzufügen - ist die Geschichte der Banken eine Geschichte der Bankpleiten und der Bankruns. c) Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die Geld- und Kreditschöpfung durch die Banken ist prozyklisch. Sie ist die Basis für die Blasenbildung in der Wirtschaft. Wenn alle optimistisch sind, wird Kredit gewährt, es wird spekuliert und Geld geschaffen. In der Krise geht die Kreditgewährung zurück, Schulden werden zurückbezahlt, die Geldmenge nimmt tendenziell ab. Wir haben die seltsame Situation, dass wenn alle Schuldner ihre Schulden zurückzahlen würden, das Geld aus dem Kreislauf verschwinden würde. Da kommt doch ein rechtes Stück Heuchelei zum Vorschein: Es wird von Schuldenbremsen, Schuldenabbau usw. gesprochen, dabei ist unser ganzes Geldsystem auf dem Schuldenmachen aufgebaut. Widersprüchlicher geht es kaum. Neben diesen beiden Grundproblemen kommen noch zahlreiche andere hinzu, die ich hier aus Zeitgründen nicht weiter erläutern will. Basierend auf Arbeiten von Irving Fisher und zahlreichen anderen Oekonomen wurde in den letzten Jahren von Joseph Huber die Idee des Vollgeldes entwickelt.

8 8 d) Im Vollgeld entsteht das Geld schuldfrei. Das Geld wird von der Nationalbank oder einer vierten Staatsgewalt, der Monetative in Umlauf gebracht. Dabei stehen zwei Wege zur Diskussion: Das neue Geld wird entweder direkt dem Staat zins- und schuldfrei - zur Verfügung gestellt oder direkt an die Bevölkerung verteilt. Als erstes kommt da immer der Einwurf: Staatsfinanzierung durch die Notenbank das ist Teufelswerk, denn das muss angesichts der Unersättlichkeit der Politiker unweigerlich zur Inflation führen. Ich möchte einfach darauf hinweisen, dass wir in den letzten Jahrzehnten ebenfalls auch unter dem System der privaten Geldschöpfung zum Teil beachtliche Inflationsraten hatten. Die einfache Gleichung Staatliches Geld = Inflation / privat geschöpftes Geld = stabiles Geld diese Gleichung ist zu einfach und falsch. In Europa und auch in der Schweiz darf die Staatsfinanzierung bekanntlich nicht direkt über die Notenbanken, sondern nur über den Umweg über die Geschäftsbanken und den Kapitalmarkt erfolgen. Und immer wird noch so getan, als ob diese Schulden je zurückbezahlt würden. Im Vollgeldsystem wird der direkte und ehrlichere Weg gewählt: Der Staat soll neu geschaffenes Geld zins und schuldfrei, d.h. ohne Rückzahlungsverpflichtung erhalten. Selbstverständlich wird der Staat weiterhin Steuern erheben und wahrscheinlich wird er auch weiterhin Geld auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. Denn die Geldschöpfung richtet sich nicht nach den Bedürfnissen des Staatshaushaltes, sondern die Nationalbank gibt nur so viel Geld neu in Umlauf, wie sie dies geldpolitisch für richtig hält. Es ist deshalb zentral, dass die Unabhängigkeit der Nationalbank hochgehalten wird. Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist zwar ein schwieriges Thema aber mir ist ein unabhängiges und demokratisch kontrolliertes Organ immer noch wesentlich lieber, als ein Bankensystem, das die eigenen Profite optimiert. Wenn sich der Weg der Geldschöpfung über den Staat dennoch als zu heikel herausstellen sollte, so sieht die Vollgeldinitiative noch einen anderen Weg der Geldschöpfung vor: Es ist vorgesehen, dass das neu geschöpfte Geld auch direkt an die Bevölkerung verteilt werden kann. Das hätte den grossen Vorteil, dass das Geld relativ rasch in den wirtschaftlichen Kreislauf gelangt und zwar auf der Konsum- und nicht auf der Spekulationsschiene. Das auf diese Weise geschaffene Geld wäre allerdings nur ein bescheidenes Zusatzeinkommen und bei weitem noch kein Grundeinkommen. e) Für den einzelnen Bankkunden ändert sich Vollgeldsystem nicht viel. Die Sichtguthaben der Kunden werden aus der Bankenbilanz ausgegliedert. Sie werden ähnlich wie Wertschriftendepots von den Banken nur noch im Auftrag der Kunden verwaltet. Wer seine Sichtguthaben nicht braucht, also langfristig sparen will, überlässt das Geld der Bank mit dem entsprechenden Auftrag wofür, wieviel und wie lange das Geld angelegt werden soll. f) Durch diesen Geldschöpfungsmechanismus bestünde auch die Möglichkeit, die Staatsverschuldung massiv abzubauen. Wenn die Geldschöpfung direkt auf dem Weg Notenbank Staat geschieht, kann sich der Staat einen Grossteil der Zinskosten sparen. Im Bund wären das jährlich immerhin etwa 1/20 des Haushaltvolumens, welche für sinnvollere Zwecke eingesetzt werden könnten. In vielen ausländischen Staaten ist es deutlich mehr.

9 9 Im Zuge der Umstellung des Geldsystems bietet sich zudem die Möglichkeit, die Staatsschulden massiv zu reduzieren. Aus der Umwandlung des Kreditgeldes in Vollgeld würden den Staaten einmalige Geldschöpfungsgewinne in der Höhe der bestehenden Sichtguthaben zufliessen. In der Schweiz könnte damit die Staatsschuld fast zweimal zurück bezahlt werden, in der EU immerhin zur Hälfte. g) Im Moment stehen noch zahlreiche andere Vorschläge zur Bändigung der Finanzmärkte im Raum. Viele davon mehr Eigenkapital, Trennbankensystem, Finanztransaktionssteuer usw. gehen in die richtige Richtung. Aber die Grundprobleme werden damit nicht gelöst und die Regulierungen werden immer aufwendiger und undurchschaubarer. Die Banken sind viel zu komplex und zu erfinderisch. Es ist daher eine Illusion zu meinen, man bekomme auf diesem Weg die Dinge in den Griff. Die beiden Zitate auf der Folie stammen von unverdächtigen Zeugen. h) Rechtlich betrachtet, würde dieses System des Vollgeldes auf Verfassungsstufe nur relativ geringe Änderungen erfordern. Der schwarze Text ist der heutige Verfassungstext, blau eingefügt sind die für eine Vollgeldreform notwendigen Ergänzungen. Ich möchte noch hinzufügen, dass das noch nicht der definitive Vorschlag ist, denn es ist vorgesehen, neben der reinen Vollgeldreform noch weitere Elemente einer Finanzmarktreform in den Vorschlag mit aufzunehmen. Das auch noch auszuführen, ist aber aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

10 10 i) Zum Abschluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Grundidee des Vollgeldes erst vor kurzem durch ein Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds Unterstützung erhalten hat. Zwei Oekonomen des IWF haben ein System des 100 % Geldes, welches in den Grundzügen dem Vollgeld sehr ähnlich ist, untersucht. Sie sind zu Schlussfolgerungen gelangt, welche mit den Thesen des Vollgeldes völlig in Einklang stehen. Stabilisierung des Konjunkturverlaufs, Verhinderung spekulativer Blasen, Verhinderung von Bankruns, Reduktion der öffentlichen wie auch der privaten Verschuldung ich frage mich, was es noch alles braucht, bis sich auch die offizielle Wissenschaft die beiden Autoren des IMF natürlich ausgenommen und die Politik dieser Idee annehmen. Wir vom Verein Monetäre Modernisierung Monetative werden alles daran setzen, diese Idee unter die Leute zu bringen. Deshalb liegen auf den Tischen Werbematerial und Bücher auf. Informieren Sie sich, helfen Sie mit, werden Sie bei uns Mitglied.

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