Wir sind Lünen Eine weltoffene und bunte Stadt Kundgebung für Vielfalt und Toleranz Freitag, 23. Januar 2015

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1 Wir sind Lünen Eine weltoffene und bunte Stadt Kundgebung für Vielfalt und Toleranz Freitag, 23. Januar 2015 Eröffnung/Begrüßung Rainer Schmeltzer MdL (es gilt das gesprochene Wort) Vor der offiziellen Eröffnung: Als erstes Dank an Christoph Steiner (Gitarre) und Wolfgang Surrey (Saxophon) von der Lüner Musikschule. Und ein ganz besondere Dank an Wilma Stüwe mit ihrem Chor der ev. Kirchengemeinde in Horstmar. Gestern Nachmittag rief mich Frau Stüwe an. Sie hatte von der Kundgebung gehört. Das findet sie gut; ob sie mit ihrem Chor kommen und singen dürfe natürlich! Herzlichen Dank dafür! Nach der Musik / dem Chor offizielle Begrüßung: Guten Abend Lünen! Ich will zu Beginn die Gelegenheit nutzen denen zu danken, die diese Kundgebung mit vorbereitet haben: Die Integrationsbeauftragte Dr. Aysun Aydemir, der Vorsitzende des Integrationsrates Gürbüz Demirhan und die Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion Anette Droege-Middel. Herzlichen Dank dafür das war in der Kürze der Zeit ohne sie nicht machbar. 1

2 Bei dieser Kundgebung werden wir Reden hören, die die Stadt Lünen als weltoffene, tolerante Stadt zu Recht darstellen. Die unsere internationale Vielfalt mit Menschen aus 100 Nationen in Lünen zum Ausdruck bringen. Die deutlich machen, das Grundrechte wie Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit für uns ein hohes Gut sind. Ich begrüße unseren Bürgermeister Hans-Wilhelm Stodollick, den Vorsitzenden des Integrationsrates der Stadt Lünen Gürbüz Demirhan, den stv. Superintendenten der Ev. Kirche Dortmund, Michale Stache und den Chefredakteur von Antenne Unna, Thorsten Wagner. Aber ein besonderes Bedürfnis ist es mir auch und gerade wegen meiner politischen Tätigkeit die vielen tausend Polizeibeamten die bei jeder Demonstration oftmals auch mit Gewalt ordnen und schützen müssen, anzusprechen. Unabhängig davon, ob sie mit den Inhalten der Demonstranten konform gehen. Ihnen gebührt meine besondere Anerkennung, Wertschätzung und mein Dank. Anrede Wir alle sind heute hier, um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, das unübersehbar ist! 2

3 Unser Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt ist die große Menge an Menschen, die heute hier in Lünen auf den Marktplatz gekommen ist. Wir stehen hier, weil wir uns Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Hass entgegen stellen. Wir stehen hier, weil wir stolz darauf sind, dass Humanität, Respekt und Vielfalt unser Zusammenleben auszeichnen. Von Dresden ausgehend müssen wir feststellen, dass eine Gruppe zu Demonstrationen gegen die angebliche Islamisierung aufruft. Dort mit großer Resonanz. Teilweise mit den lauten Ausrufen `Wir sind das Volk`. Das sind sie nicht! Zwischenzeitlich melden Ableger Demonstrationen auch in NRW an. Mit geringer Resonanz, aber immer ich betone immer von Rechten angemeldet, organisiert und durchgeführt. Rechtsextremisten in unserem Land versuchen mit geschürten Ängsten bei den Menschen unsere Gesellschaft zu spalten. Wir in NRW, in Düsseldorf, in Köln, Bielefeld, Kamen, Bad Salzuflen in vielen Städten unseres Bundeslandes auch wir in Lünen lassen menschenfeindliche Parolen, Ausgrenzung und Hass nicht zu. Wir gehen jetzt und wenn nötig auch wiederholt raus, damit diese Hasstiraden nicht salonfähig werden. 3

4 Die Anschläge in Paris bei `Charlie Hebdo haben uns erschreckenderweise verdeutlicht, dass wir es mit einer neuen Form des Terrorismus zu tun haben. Fanatische Terroristen morden in einer Redaktion und rechtfertigen dies mit ihrem religiösen Glauben. Mir ist kein Glauben, keine Religion bekannt, die das Morden von Menschen rechtfertigt. Ich bin den muslimischen Gemeinden hier in Lünen und in vielen anderen Städten außerordentlich dankbar, dass sie sich in ihren Freitagsgebeten von diesen mordenden Fanatikern deutlich distanzieren. Die Millionen Muslime, die friedlich und integriert bei und mit uns leben, haben nichts zu tun mit den radikalen Islamisten. Viele von ihnen sind vor Generationen als Gastarbeiter zu uns gekommen. Sie haben ihren Beitrag zu dem Wohlstand geleistet, von dem wir alle profitieren. Jeder von all denen, die aus anderen Ländern kommen, eine andere Religion und auch eine andere Hautfarbe haben, ist unser Nachbar, unser Arbeitskollege, spielt in unserem Fußballverein, geht mit uns feiern ist einer und eine von uns. Wir leben zusammen und wir kennen uns. Und nur wenn man sich kennt, sich begegnet und voneinander weiß, kann man Ängste und Vorurteile abbauen. 4

5 Und ja wir müssen soziale Probleme lösen, den interkulturellen und interreligiösen Dialog stärken und Zukunftsperspektiven eröffnen. Denn nur wer sich untereinander versteht, nur wer sich gegenseitig ernst nimmt und respektiert, versteht, dass Vielfalt für uns alle eine Bereicherung ist. Carina Gödecke, die Präsidentin des Landtags, die erste Repräsentantin unseres Bundeslandes, hat treffend in Düsseldorf formuliert: Und an die Adresse derjenigen, die sich Patrioten nennen und in Wahrheit gegen alles, was anders ist, hetzen, an die Adresse der Vereinfacher, Rechtspopulisten und wie hier bei uns in Düsseldorf an die Adresse der Rechtsextremen, sage ich: Niemand darf die schrecklichen Geschehnisse in Frankreich, die Flüchtlingsaufnahme in unserem Land, oder die Sorge und Ängste vor dem radikalen und terroristischen Islamismus instrumentalisieren oder missbrauchen. Das lassen wir nicht zu! Wer Probleme nicht lösen will, sondern Fremdenfeindlichkeit propagiert, hat in unserer Mitte keinen Platz! 5

6 Miteinander reden, Meinungen austauschen, an Problemen arbeiten. All dies wollen die Organisatoren die vielen gida- Demonstrationen nicht. Galt Dresden noch bis vor wenigen Tagen als nicht politisch motivierte Demonstration, so hat der Cheforganisator sich jetzt selbst entlarvt. Ein Foto von ihm mit Oberlippenbart und glattem, gescheitelten Haar - also als Adolf Hitler - war das erste Indiz für rechtspopulistische Hintergründe. Dies wurde untermauert durch sog. Posts in den sozialen Medien wie `Dreckspack` in Bezug auf Ausländer. Es wurde aller höchste Zeit, dass die Staatsanwaltschaft jetzt gegen ihn wegen Volksverhetzung ermittelt. Diese Bewegung von Rechten gelenkt schürt Ressentiments und Hass. Und wer auf solche Hass-schürende Demonstrationen geht und nicht mitbekommt, dass sie größtenteils von Nazis organisiert werden und tlw. auch dort sprechen, der muss Augen und Ohren geschlossen haben. Bei der DUGIDA in Duisburg wurde die rechtsradikale Dortmunder Neonazi-Szene als `Freunde` begrüßt. Sie tarnen sich mit der angeblichen Angst der Menschen. Diese Fremdenfeindlichkeit bleibt bösartig, hässlich und verabscheuungswürdig. Sie ist auf Zerstörung ausgerichtet. Und sie braucht eine gemeinsame Gegenwehr. Unsere Gegenwehr! 6

7 Eine Gegenwehr auf die Angriffe auf unsere Demokratie und auf unsere Grundrechte. Gerade wir haben die Aufgabe, unsere Werte der Menschenrechte, der Religions- und Meinungsfreiheit, der Vielfalt sowie der Toleranz und Menschlichkeit zu verteidigen. Unsere im Grundgesetz verankerten Rechte sind die Grundpfeiler unserer Demokratie, die wir verteidigen und wertschätzen müssen. Und diese, unsere Demokratie lassen wir von niemanden in Zweifel ziehen. Wer gegen Demokratie, gegen die Grundrechte, gegen Toleranz und Vielfalt, Respekt und Nächstenliebe das Feuer schürt, der ist ein Feind der Demokratie und Freiheit. Und für Feinde von Demokratie und Freiheit ist kein Platz in unserer Mitte. Deshalb ist es wichtig, dass überall im Land, wie in München, in Braunschweig, in Düsseldorf, in Duisburg, in Bielefeld, in Köln und in vielen anderen, auch kleineren Städten, auch wir hier in Lünen eines ganz deutlichen sagen: NEIN! Nein zu Fremdenfeindlichkeit! Nein zu Hass! Nein zu Rassismus! Nein zu Pegida, Dügida, Bagida und wie die gidas alle heißen! Nein zu den Angriffen auf unsere Grundrechte! Und vor allem Nein zu Terror und Missbrauch von Religionen! 7

8 Die Verteidigung des freien Wortes und unserer Demokratie ist uns wichtig. Deshalb sind wir heute hier. Kirchen, Vereine, Verbände, Gewerkschafter und Unternehmer, Sozialverbände, Parteien und Schulen. In einem einzigartigen Zusammenschluss haben sich 40 Organisationen in Lünen zum Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus zusammengeschlossen. Und darauf bin ich stolz. Stolz, dass alle gemeinsam erklärt haben, dass Lünen eine weltoffene und tolerante Stadt ist. Wir stellen uns gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung. Wir wollen in einer offenen und demokratischen Gesellschaft leben. Daher gilt es besonders heute wachsam zu sein gegenüber allen menschenverachtenden und rassistischen Ideologien, Tendenzen und Aktionen. Und sie alle haben das heute durch ihre Anwesenheit bestätigt. Dafür danke ich ihnen. Dafür danke ich Lünen. Es spricht jetzt zu uns ein Grußwort unser Bürgermeister Hans- Wilhelm Stodollick. 8

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