himmelwärts hemelwaarts Religiöses Leben an Rhein und Maas het religieuze leven aan Rijn en Maas 2. November 2014 März november 2014 maart 2016

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1 het religieuze leven aan Rijn en Maas 2. November 2014 März 2016 Religiöses Leben an Rhein und Maas himmelwärts hemelwaarts 2 november 2014 maart 2016 Ausstellungen tentoonstellingen Vorträge lezingen Ausflüge excursies Entdeckertipps ontdektips

2 Foto:Kerstin Kokoska GruSSwort Woord van welkom Sehr geehrte Damen und Herren, Geachte dames en heren, Museen sind der Kern unseres kulturellen Gedächtnisses und können für unser heutiges Handeln Anregungen geben. Dies gelingt besonders gut, wenn die Museen ihr Wissen erlebbar vermitteln sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Wie das gelingen kann, zeigen die kulturgeschichtlichen Museen am Niederrhein. Große wie kleine Museen, Archive und Geschichtsvereine kooperieren und zeigen auf innovative Art, wie spannend unsere Kulturgeschichte und unsere kulturelle Gegenwart sind. Dazu leistet das diesjährige Themenjahr, das sich mit dem religiösen Zusammenleben am Niederrhein beschäftigt, einen wichtigen Beitrag. Die Besucherinnen und Besucher können in Ausstellungen, Vorträgen und Exkursionen vieles entdecken, was ihre Heimat bis heute kulturell prägt. Deshalb gehören nicht nur die christliche Symbolik in der Kunst des Niederrheins, die Wallfahrten, der Hexenwahn im Mittelalter und die Verfolgung und Ermordung der Juden im Nationalsozialismus zu den Themen, sondern auch die Bedeutung von Religion für die Jugend und der Umgang mit den muslimischen Nachbarn. Ich freue mich sehr, dass dieses für unsere Gesellschaft so wichtige Thema hier kulturgeschichtlich aufgearbeitet wird. Die vorbildliche Zusammenarbeit der beteiligten kulturgeschichtlichen Museen und das große bürgerschaftliche Engagement haben es ermöglicht, ein Projekt zu entwickeln, das eine herausragende Bedeutung für die Region Niederrhein und darüber hinaus hat. Es ist ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten der Regionalen Kulturpolitik in unserem Land. Ich danke allen Beteiligten für ihr großes Engagement. Und ich danke allen, die das Projekt finanziell unterstützt haben, insbesondere der Provinz Limburg. Musea vormen de kern van ons culturele erfgoed en kunnen in deze hoedanigheid een stempel drukken op onze samenleving. Dit lukt bijzonder goed, wanneer de musea hun kennis beleefbaar maken zowel voor kinderen als voor volwassenen. Hoe dat kan, laten de cultuurhistorische musea aan de Niederrhein zien. Grote en kleine musea, archieven en historische verenigingen tonen samen op innovatieve wijze hoe spannend zowel ons culturele verleden als ons culturele heden is. Daaraan levert het huidige themajaar, waarin het religieuze leven aan de Niederrhein centraal staat, een belangrijke bijdrage. Bezoekers komen aan de hand van tentoonstellingen, lezingen en excursies meer te weten over wat er zo bepalend was én is voor de cultuur in hun regio. Vandaar dat er niet alleen aandacht wordt besteed aan de christelijke symboliek in de regionale kunst, de bedevaarten, de heksenwaan in de Middeleeuwen en de Jodenvervolging onder het nationaalsocialisme, maar ook aan de betekenis die jongeren hechten aan religie en de manier waarop wordt omgegaan met de islamitische buren. Ik vind het geweldig om te zien hoe dit thema, dat vandaag de dag zo n grote rol speelt in onze maatschappij, hier vanuit cultuurhistorisch oogpunt wordt benaderd. Dankzij de inspirerende samenwerking tussen de deelnemende cultuurhistorische musea en de actieve betrokkenheid van de inwoners van de regio kon een project ontstaan dat van grote betekenis is binnen en buiten de regiogrenzen van de Nederrijn. Het is een goed voorbeeld voor de mogelijkheden van het regionale cultuurbeleid in onze deelstaat. Ik wil bij dezen graag alle deelnemers hartelijk danken voor hun grote bijdrage en via deze weg bovendien iedereen bedanken die het project financieel heeft ondersteund, in het bijzonder de Provincie Limburg. Besuchen Sie die Ausstellungsreihe des Museumsnetzwerks mit mehr als 100 Ausstellungen und Veranstaltungen in der gesamten Region. Breng een bezoek aan de tentoonstelling serie van het museum netwerk met meer dan 100 tentoonstellingen en evenementen in het hele regio. Ihre Met vriendelijke groet, Ute Schäfer Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen Ute Schäfer Minister voor Familie, Kinderen, Jeugd, Cultuur en Sport van de deelstaat Noordrijn-Westfalen

3 Inhalt inhoud Grußwort Woord van welkom Inhaltsverzeichnis / Inhoud Kleidung als Symbol / Kleeding als symbool...41 Das erste Fest im Leben...42 Textile Kirchenschätze im Verborgenen...43 Taufe, Hochzeit, Todesfall Editorial / Editorial... 2 Impressum / Colofon... 4 Vielfalt und Toleranz / Verscheidenheid en tolerantie.. 5 Bös teutsch, bös evangelisch Krefeld und die Religionsfreiheit... 8 Einfluss der Mennoniten in Krefeld...10 Hugenotten am Niederrhein...11 Zwischen Canterbury und Rom...12 Niederrheinische Glaubens-Fragen...13 Häuser der Weisheit...14 Protestantische Enklaven...16 Glaube und Aberglaube / Geloof en bijgeloof urkultur...18 Da selbsten ein Anfang zu brennen gemacht...19 Volksfrömmigkeit / Volksvroomheid...21 Kalte Tage, raue Nächte...22 Religiöse Riten und Abläufe in früherer Zeit...23 Schützende Engel und himmlische Helfer...24 Bidprentjes: herinnering of toegangsbewijs voor de hemel?...25 Bürger Schützen Bruderschaften Bijenbroeders: imkers als hoeders van het geloof...27 Het hemelrijk...28 Volg de ster Een teken vanuit de hemel!!!...29 Barbara: over heiligen in de mijnbouw en immigranten...30 Soul Food...31 Zeichen des Glaubens! Kreuze am Wegesrand...32 Wo wohnt Gott? / Waar woont God? Leben zwischen Kirche und Herrgottswinkel...34 himmelwärts...35 Macht tussen hemel en aarde...36 Kirchenschließungen in Deutschland und den Niederlanden...38 Kleidung als Ausdruck christlicher Religiosität Mich für Heiliges verpacken...44 Jüdisches Leben / Het joodse leven...45 Das Humberghaus Edith Stein: brug tussen Jodendom en Katholicisme...49 Joodse Onderduikkinderen...49 Haus der Begegnung in Kleve...50 Jüdische Kulturtage...51 Bilderwelten / Voorstellingen Met Rembrandt hemelwaarts in zwart-wit...54 Christliche Werte von Otto Pankok Religieuze tendenzen en het metafysische landschap...56 Keramiek en Passiespel in de Tiendschuur Tegelen...57 Delfts Blauw tussen de heiligen...58 Kreuzgenossen...58 Heiliges verpacken...59 Das Kreuz der Jugend...60 Religieuze sieraden: geloof, hoop en liefde...60 Herzblut oder: An welches Bild glaubst Du?...61 Tage der Kunst: Szenen der Volksfrömmigkeit...62 Fromme Sachen gesucht...63 Ferdinand Langenberg zu Gast bei Arnold Janssen...64 Sakrale Kunst oder Volksfrömmigkeit?...65 Auf dem Weg zu Gott / Op weg naar God...67 Exerzitien und Wallfahrten am Niederrhein...68 Das Haar der Maria...70 Bezinningswandelingen...71 Klöster an Rhein und Maas...72 Exkursionen/ Excursies Literaturprogramm / Literatuur programma Programmübersicht / Programma-overzicht

4 Editorial himmelwärts religiöses Leben an Rhein und Maas himmelwärts blicken rund 50 Museen und Kultureinrichtungen des grenzüberschreitenden Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk Niederrhein im Rahmen ihrer dritten gemeinsamen Ausstellungsreihe ab dem 2. November Diesmal stehen Glaube und Religion an Rhein und Maas im Mittelpunkt. Das komplexe, sensible Thema spiegelt sich in einer weitgefächerten und differenzierten Darstellung. Acht Themenbereiche haben sich herauskristallisiert und zudem auch eine ganz überraschende Erkenntnis: Die Annahme, der Niederrhein mit all seinen Kirchen, Klöstern und Wallfahrtsorten sei urkatholisch, ist falsch! Im Gegenteil wie der Blick zurück zeigt, leben die Menschen im Land zwischen den Strömen seit dem 16. Jahrhundert ein multireligiöses und gleichsam multikulturelles Miteinander. Ein cuius regio, eius religio, wonach der Landesherr den Landeskindern das Bekenntnis vorgab, setzte sich hier vor Ort nie so durch wie in den meisten deutschen Territorien. Katholiken, Protestanten, freikirchliche Gemeinschaften, jüdische Gemeinden, Muslime das Land an Rhein und Maas ist ein Schmelztiegel der Religionen. Und dies hat den Niederrhein geprägt und hat ihn in Bewegung gehalten. Die Zuwanderer brachten nicht nur ihre Weltanschauungen, sondern auch ihre Fähigkeiten mit. Ihr technisches und handwerkliches Know-how bildete häufig den Motor für Fortschritt, Kultur und Bildung. Vielfalt wurde zum Mehrwert und Toleranz zum Zauberwort für die wirtschaftliche Prosperität so mancher Stadt in dieser Region. Aber nicht nur dieser Erkenntnis lässt sich im Themenjahr himmelwärts nachspüren. Auch dunkle Kapitel wie Hexenverfolgung, Holocaust sowie die Unterdrückung einzelner reformierter Gemeinden werden thematisiert. Volksfrömmigkeit und religiöse Bilderwelten mit ihrer bunten Vielfalt an Darstellungen und symbolträchtigen Ausdrucksformen haben mehrere Häuser auf beiden Seiten der Grenze aufbereitet. Über religiöse Feste, Glaubensrituale bis zu Wallfahrten führt das Spektrum schließlich zu der Frage: Und wo wohnt Gott? Und damit zur Beschäftigung mit der reichen Kirchenlandschaft am Niederrhein mit ihren mächtigen Gotteshäusern, die über Jahrhunderte hinweg das Zentrum auch kleinster Ortschaften dominierten, hier nun aber wie überall von Schließung bedroht sind. Was passiert mit Kirchen, in denen Gott nicht mehr be- und gesucht wird, was mit den Klöstern, die leer stehen, und was geschieht mit den vielfältigen Objekten des Glaubens der aufgelösten Kirchengemeinden? Und was bedeutet den Menschen heute eigentlich Religion, Besinnung und spirituelles Erleben? Die Ausstellungen und Begleitprogramme der Museen, die Lesungen, Vorträge und Workshops beschäftigen sich mit diesen Fragen. Darüber hinaus führen Sie unsere Entdecker-Tipps und Exkursionsangebote zu wundersamen Herrgottswinkeln, zu außergewöhnlichen Gotteshäusern sowie auf verschwiegene Pilgerpfade. Erneut ist auf diese Weise ein umfangreiches Ausstellungsprogramm entstanden, das die kulturelle Biografie des Niederrheins und seine Besonderheiten an vielen Orten spürbar werden lässt. Wie bunt und abwechslungsreich das Programm ist, können Sie in diesem Magazin sehen. Schauen Sie himmelwärts, kommen Sie zu uns und lassen Sie sich ein auf eine spannende Spurensuche, auf das vielfältige religiöse Leben an Rhein und Maas. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg Museum van de Vrouw, Echt Stichting Dr. Edith Stein, Echt Historischer Verein für Geldern und Umgegend, Geldern Museum Goch / Arnold-Janssen-Haus Niederrheinisches Freilichtmuseum, Grefrath Museum der Niederrheinischen Seele, Grevenbroich Humberghaus Dingden, Hamminkeln Museum de Kantfabriek, Horst Pankok Museum, Haus Esselt, Hünxe Tuppenhof, Kaarst Geistliches und kulturelles Zentrum Kloster Kamp Städtisches Kramer-Museum, Kempen Museum Kulturbahnhof Korschenbroich Museum Katharinenhof Kranenburg Haus der Seidenkultur, Krefeld Museum Burg Linn, Krefeld Deutsches Textilmuseum Krefeld Museum de Locht, Melderslo Städtisches Museum Schloss Rheydt, Mönchengladbach Grafschafter Museum im Moerser Schloss, Moers Textilmuseum Die Scheune, Nettetal Ortsgeschichtliches Museum Neukirchen-Vluyn Ihr Kulturgeschichtliches Museumsnetzwerk Niederrhein 2

5 Editorial hemelwaarts het religieuze leven aan Rijn en Maas Clemens-Sels-Museum Neuss Feld-Haus Museum für populäre Druckgrafik, Neuss Rheinisches Schützenmuseum Neuss Koenraad Bosman Museum, Rees Heimatstube Waldniel, Schwalmtal Roerstreekmuseum, Sint Odiliënberg Euregionaal Historisch Centrum, Sittard Museum het Domein, Sittard Keramiekcentrum Tiendschuur, Tegelen Missiemuseum Steyl, Tegelen Museum Vaals Städtische Galerie im Park, Viersen Viersener Salon in der Villa Marx, Viersen Limburgs Museum, Venlo Museum van Bommel van Dam, Venlo Venrays Museum Gemeentemuseum Weert Royal Air Force Museum Laarbruch, Weeze Flachsmuseum, Wegberg-Beeck Museum für Europäische Volkstrachten, Wegberg-Beeck Preußen-Museum NRW, Wesel Heimatmuseum Kamps Pitter, Willich StiftsMuseum Xanten Kreismuseum Zons In het kader van hun derde gezamenlijke tentoonstellingsreeks kijken ongeveer 50 musea en culturele instellingen van het grensoverschrijdende Kulturgeschichtliches Museumsnetzwerk Niederrhein vanaf 2 november 2014 hemelwaarts. Dit keer staat alles in het teken van geloof en religie aan Rijn en Maas. Aan het complexe, gevoelige thema wordt op uiteenlopende manieren invulling gegeven. Er ontstonden acht subthema s en één zeer verrassend inzicht: de veronderstelling dat de Nederrijn met al zijn kerken, kloosters en bedevaartsoorden van oorsprong katholiek is, is onjuist! In tegendeel zelfs een blik terug in de tijd laat zien dat de mensen in het gebied tussen de rivieren al sinds de 16e eeuw een multireligieus en in zekere zin multicultureel bestaan leiden. Het zogenaamde cuius regio, eius religio, waarnaar de landsheer bepaalde welke religie in zijn gebied heerste, zette hier niet zo door als in de meeste andere Duitse regio s. Katholieken, protestanten, vrije gemeenten, Joodse gemeenten, moslims het gebied aan Rijn en Maas was en is een smeltkroes van religies. De Nederrijn was hierdoor continu in beweging. Immigranten brachten niet alleen hun wereldbeschouwing, maar ook hun vaardigheden met zich mee. Hun technische en ambachtelijke kennis was vaak de motor achter vooruitgang, cultuur en ontwikkeling. Verscheidenheid werd een waardevol goed en tolerantie het toverwoord voor de economische bloei van vele steden in de regio. Maar niet alleen dit inzicht wordt onder het motto hemelwaarts onder de loep genomen. Ook donkere hoofdstukken uit de geschiedenis komen aan bod, zoals de heksenvervolgingen, de Holocaust en de onderdrukking van enkele hervormde gemeenten. Volksvroomheid en religieuze voorstellingen met hun kleurrijke verscheidenheid en symboliek zijn op meerdere locaties aan beide zijden van de grens te zien. Via religieuze feesten, geloofsrituelen en bedevaarten komen we uiteindelijk aan bij de vraag: waar woont God? en daarmee bij het rijke kerkenlandschap langs de Niederrhein, met zijn imposante godshuizen die eeuwen lang het centrum vormden van zelfs de kleinste dorpjes, maar nu op veel plekken hun deuren moeten sluiten. Wat gebeurt er met kerken waar God niet meer wordt be- en gezocht, met kloosters die leeg staan en met de vele religieuze voorwerpen van de opgeheven kerkgemeenten? En welke betekenis hechten mensen tegenwoordig eigenlijk nog aan religie, bezinning en spirituele beleving? Dat en meer ontdekt u in de tentoonstellingen en begeleidende programma s van de musea, de lezingen, de voordrachten en de workshops. Bovendien brengen onze ontdektips en excursies u naar wonderbaarlijke bidplaatsen, bijzondere godshuizen en verborgen pelgrimswegen. Opnieuw is zo een omvangrijk tentoonstellingsprogramma ontstaan dat op verschillende locaties een uniek licht laat schijnen op de bijzondere culturele biografie van de Nederrijn. Hoe kleurrijk en gevarieerd het programma is, ontdekt u in dit magazine. We nodigen u van harte uit om samen met ons hemelwaarts te kijken en zo het rijke religieuze leven aan Rijn en Maas te ontdekken. Uw Kulturgeschichtliches Museumsnetzwerk Niederrhein 3

6 Impressum Colofon Projektkoordination Niederrhein Kulturraum Niederrhein UG Dr. Ingrid Misterek-Plagge, Geschäftsführung Tel.: + 49 (0) 2152 / Fax: + 49 (0) 2152 / Presse Beate Schindler Tel.: + 49 (0) 2152 / Fax: + 49 (0) 2152 / Projektcoördinatie Limburg Drs. J.M.W. (Jos) de Kunder, projectcoördinator namens de Provincie Limburg Raad van Advies Museum de Locht Tel.: +31 (0) 640 / Tel.: +31 (0) 475 / Magazin ViSdP Kulturraum Niederrhein UG Thomasstraße 20, D Kempen Redaktion / Redactie Beate Schindler und Britta Spies Texte / Teksten Katrin Bauer, Sigrid Blomen-Radermacher, Klaus Hübner, Bernhard Keuck Übersetzungen /Vertalingen Duo vertaalburo, Maastricht Fotos / Foto s Martina Hellmich Gestaltung / Vormgeving nur design.text Druck / Druk L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG, Druck und Medien, Geldern Fotorechte Wenn nicht anders angegeben bei den Museen. Programmänderungen vorbehalten Kulturraum Niederrhein UG Das Themenjahr himmelwärts ist ein Beitrag der kulturgeschichtlichen Museen, Vereine und Archive zur Kulturellen Biografie Rhein-Maas. Die Mitwirkenden danken der Regionalen Kulturpolitik des Landes NRW, der Provincie Limburg sowie dem Landschaftsverband Rheinland für die Förderung des Gesamtvorhabens. Het jaarthema hemelwaarts is een bijdrage van musea, verenigingen, archieven aan de Culturele Biografie Rijn-Maas. De medewerkers bedanken de regionale cultuurpolitici van Nordrhein-Westfalen, de Provincie Limburg alsook het Landschapsverbond Rheinland voor de promotie van het totaalproject. gesubsidieerd door de Provincie Limburg 4

7 himmelwärts hemelwaarts Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Vielfalt und Toleranz Über Jahrhunderte hinweg kamen immer wieder Zuwanderer in die Niederrheinlande, die häufig nicht nur eine besondere Kultur und spezielle Fähigkeiten, sondern auch eine eigene Religion mitbrachten. So bereicherten in Krefeld die Mennoniten, in Wesel die Hugenotten und in Weeze die Anglikaner die Region zwischen Rhein und Maas. Toleranz gegenüber Andersgläubigen gehörte zum Lebensprinzip. Und oft merkte man schnell, dass man auch voneinander lernen konnte. Bis heute reißt der Strom der Zuwanderer nicht ab. Und so tragen aktuell vor allem Moslems, aber auch Buddhisten, Hindus und andere Glaubensrichtungen ihren Teil dazu bei, dass der Niederrhein bleibt, was er schon immer war: ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen. Verscheidenheid en tolerantie Het gebied rond de Niederrhein trekt al eeuwen lang steeds weer nieuwe immigranten aan, die vaak niet alleen een andere cultuur en vaardigheden, maar ook een eigen religie met zich meebrengen. Zo verrijkten in Krefeld de mennonieten, in Wesel de hugenoten en in Weeze de anglicanen de regio tussen Rijn en Maas. Tolerantie tegenover andere geloofsovertuigingen was dus toen al aan de orde van de dag. En vaak merkte men al snel dat er ook veel van elkaar kon worden geleerd. Ook tegenwoordig blijven de immigranten toestromen. Zo zorgen momenteel vooral moslims, maar ook boeddhisten, hindoes en andere geloofsrichtingen ervoor dat het gebied rond de Niederrhein blijft wat het altijd al was: een smeltkroes van culturen en religies. 5

8 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Städtisches Museum Schloss Rheydt 2. November März 2015 Bös teutsch, bös evangelisch Auf den Spuren der Reformation in Mönchengladbach Als bös teutsch, bös evangelisch bezeichnete Martin Luther die kirchlichen Reformbestrebungen am Niederrhein. Während sich bös teutsch einzig auf den Gebrauch der deutschen Sprache am Niederrhein mit ihren niederländischen Anleihen bezog, gibt der zweite Teil des Zitats recht drastisch Luthers Ansicht über den hiesigen Reformkatholizismus wieder. Dieser humanistisch geprägte Ansatz wurde vor allem vom Herzog Wilhelm von Jülich- Kleve-Berg ( ) vertreten und ist einer der Gründe für die ungewöhnliche Entwicklung, welche die Konfessionsgeschichte im Rheinland genommen hat. Denn während an anderen Orten der Landesherr ein religiöses Bekenntnis vorgab, dem sich alle Untertanen unterordnen mussten, entwickelten sich hier die reformatorischen Ansätze gewissermaßen von unten und führten zu sehr unterschiedlichen lokalen Ausprägungen. Nach dem Aussterben des Herzogsgeschlechts in männlicher Linie 1609 sorgten die politische Konstellation mit mehreren auswärtigen Anwärtern auf die Herzogswürde, zwei unterschiedlichen neuen Landesherrn und der folgende Dreißigjährige Krieg dafür, dass sich weiterhin keine einheitliche Konfession am Niederrhein ausbilden konnte. Ablassurkunden dokumentierten und besiegelten den Sündenfreikauf : Urkunde der Abtei Gladbach. Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Mönchengladbach, Urkunde Nr

9 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie 1672 kam es zwischen dem reformierten Brandenburg und dem katholischen Pfalz-Neuburg zum so genannten Religionsvergleich. Dabei wurde für jeden Ort im Rheinland festgehalten, welches religiöse Bekenntnis dort dominierte. Doch das heterogene Gesamtbild blieb erhalten. Im 19. Jahrhundert schließlich wurde das gesamte Rheinland preußisch. Zwar erkannte man durchaus den preußischen König als neuen Herrscher an, aber es gab neuen Konfliktstoff, da nun die eher hierarchischen Strukturen der lutherischen Kirche auf das synodale Prinzip der Reformierten trafen. Die beginnende Industrialisierung brachte zudem große Wanderungsbewegungen in der Bevölkerung mit sich, die zu einer Veränderung der konfessionellen Zusammensetzung in vielen Regionen führte. Hermann von Wied ( ), Erzbischof und Kurfürst von Köln setzte sich für die Verbreitung eines gemäßigten Protestantismus ein. Stadtmuseum Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv Mönchengladbach bietet sich geradezu an, um all diese Entwicklungen wie unter einem Brennglas nachzuvollziehen. Denn das heutige Stadtgebiet war im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen nie Teil eines geschlossenen Herrschaftsgebiets oder einer einheitlichen religiösen Struktur. Das katholische Gladbach besaß lange eine äußerst bedeutsame mennonitische Minderheit. Rheydt unterstand demselben katholischen Landesherrn, dem Herzog von Jülich, war aber reformiert. Überdies waren die Herren auf Rheydt ab 1701 ebenfalls Katholiken und damit Außenseiter in ihrer eigenen Herrschaft. Ähnliches gilt für die reichsunmittelbare Herrschaft Wickrath. Deren reformierte Herren mussten zum Gottesdienst nach Wickrathberg, da die eigentliche Gemeinde katholisch blieb. Odenkirchen wiederum gehörte zum katholischen Kurköln, besaß aber eine dominierende reformierte Gemeinde. Schließlich verlief die Bistumsgrenze zwischen Köln und Lüttich quer durch das heutige Mönchengladbacher Stadtgebiet. Kurz gesagt, die große Vielfalt der konfessionellen Geschichte findet sich hier vor Ort so konzentriert wie wohl sonst nur selten wieder. Aber hier spiegeln sich nicht nur die großen Entwicklungslinien der Zeit in einem kleinräumigen, lokal eng umgrenzten Gebiet wider, sondern es gibt gerade für das 16. Jahrhundert eine Reihe von Gladbacher Persönlichkeiten, die einen teils sehr bedeutsamen Einfluss auf die Entwicklungen am Niederrhein und weit darüber hinaus genommen haben. Beispiele sind Otto und sein Sohn Otto Heinrich von Bylandt, die Herren zu Rheydt, mit ihrem großen Einfluss auf die Politik der Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg und später Brandenburg-Preußen. Ein anderes Beispiel ist Peter Ulner, der aus Gladbach stammte, später ein bedeutender Abt wurde und schließlich zum lutherischen Bekenntnis konvertierte. Gerade an Ulner werden die Besonderheiten jener Zeit besonders gut sichtbar. Die spannenden historischen Entwicklungslinien und die Annäherungen, aber auch die Konflikte zwischen den verschiedenen Konfessionen werden in der Ausstellung Bös teutsch, bös evangelisch... in Schloss Rheydt erlebbar und nachvollziehbar Eröffnung der Ausstellung: 2. November 2014, um 15 Uhr Städtisches Museum Schloss Rheydt Schlossstraße 508 D Mönchengladbach Öffnungszeiten: Di Fr Uhr Sa, So, feiertags Uhr Franz Hogenberg, Bilderstürmerei 1566 Städtisches Museum Schloss Rheydt Taufkanne der reformierten Gemeinde Rheydt Städtisches Museum Schloss Rheydt Foto: Achim Kukulies 7

10 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Museum Burg Linn 25. Januar 3. Mai 2015 Krefeld und die Religionsfreiheit 400 Jahre Toleranz in einer niederrheinischen Stadt Krefeld gehörte vom hohen Mittelalter an zur Grafschaft Moers. Unter den Moerser Grafen erhielt der Ort 1373 Stadtrechte, verliehen durch eine Urkunde Kaiser Karls IV. Die Grafschaft war ringsum eingeschlossen vom Territorium des Kölner Erzbistums. Nach- Reformeerden dem Moers mit Krefeld von 1501 an zum Hause Geldern gehörte, gelangten en 1541 die Papisten Grafen Lut he von Neuenahr in den Besitz der Grafschaft. Die neuen Moerser Grafen waren schon früh dem reformatorischen Gedankengut aufgeschlossen, und die im 16. Jahrhundert herrschenden Grafen Wilhelm ( ), Hermann ( ) und Adolf von Neuenahr ( ) sorgten dafür, dass Krefeld und Moers im Laufe der Zeit protestantisch wurden. Konkret machte das der Dompelaars en Abrams Soonen T Augsburger Religionsfrieden von 1555 möglich, der es den Reichsständen freistellte, ihr Gebiet dem protestantischen Glauben zu öffnen. Zählten zur einflussreichen mennonitischen Krefelder Führungsschicht: Marianne de Greiff, geb. ter Meer, verheiratet mit Philipp de Greiff, unbekannter Künstler (Anf. 19. Jh.), Öl auf Leinwand Hermann von Rath ( ) lebte auf Schloss Lauersfort bei Moers. Fotos: Museum Burg Linn Vers von Hermann Crusius, von 1680 bis 1693 Rektor des Adolfinums in Moers. Der ursprünglich auf Latein geschriebene Vers wurde im 18. Jahrhundert von Peter von Sarn, der von 1710 bis 1723 zweiter Prediger der reformierten Gemeinde in Krefeld war, übersetzt und dabei abgewandelt. Reformeerden en Papisten Lutheraner en Mennisten Dompelaars en Abrams Soonen T samen nu in Kreyfeld wohnen. Die katholische Kirche St. Josef wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem Architekten C.C. Pickel entworfen. Foto: Stadtarchiv Krefeld 8

11 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Zwar zog die Einführung des reformierten Bekenntnisses in Krefeld zahlreiche und sich über zwei Jahrhunderte hinziehende Konflikte mit der alteingesessenen katholischen Bevölkerung nach sich, zur Vertreibung der katholischen Einwohner kam es aber nicht. Mit der Gräfin walburgis starben die Neuenahrer im Jahr 1600 aus, und in der Folge erhob der Statthalter der Niederlande, Prinz Moritz von Oranien, aufgrund seines verwandtschaftlichen Verhältnisses mit dem Haus Neuenahr Ansprüche auf die Grafschaft, so dass bis 1702 das Haus Oranien als Statthalter und führendes Haus in den Unabhängigkeitsbestrebungen der Generalstaaten und somit als Landesherr auftrat. Die nördlichen Niederlande befanden sich seit 1568 im Krieg mit den Spaniern, in den folglich auch Moers mit Krefeld hineingezogen wurde, aber 1607 gab es für Krefeld eine Neutralitätserklärung, die für die Stadt weitreichende Folgen haben sollte. Die Toleranz der Oranier in Krefeld gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen bezog sich in erster Linie auf die Duldung der Katholiken. Der Hintergrund ist wohl in der Tatsache zu suchen, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Krefeld nach wie vor katholisch war; eine staatlich verordnete Vertreibung hätte unter Umständen das Städtchen zu einem unbedeutenden Dorf degradiert. Erklärter obrigkeitlicher Wille war jedoch die Ansiedlung bzw. die Aufnahme von Familien mennonitischen Glaubens seit 1607, und dies gegen den Widerstand der alten Einwohnerschaft. Der Zuzug der Mennoniten legte den Grundstock für die wirtschaftliche Prosperität Krefelds vor allem im 18. und 19. Jahrhundert. Neben den alteingesessenen Katholiken, den Reformierten und den Mennoniten fanden sich auch andere Glaubensbekenntnisse im Krefeld des 17. Jahrhunderts, ein Zustand, der für Krefelds Ruf als Stadt der Toleranz sorgte. Die Krefelder Toleranz wird deshalb im Fokus der Ausstellung stehen. Darüber hinaus soll die Exposition aber auch einen Bogen in die Gegenwart schlagen: Es ist zu zeigen, welche Religionsgemeinschaften heute das Stadtbild prägen, wo und wie sie sich manifestieren und wie sie sich zueinander verhalten raner Museum Burg Linn en Mennisten Rheinbabenstraße 85 D Krefeld Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober: Di So Uhr 1. November bis 31. März: Di So Uhr Die 1938 zerstörte Synagoge Foto: Stadtarchiv Krefeld samen nu in Kreyfeld wohnen. Begleitprogramm Themaprogramma Krefeld und die Toleranz Es gibt, wie ich bereits sagte, hier sehr viele Mennoniten, aber auch eine gute Zahl Reformierter, außerdem lutherische und römische Eingesessene und jede dieser Religionsgemeinschaften hat ihre eigene Kirche und vollkommen freie Ausübung des Gottesdienstes. Auch untereinander leben sie sehr friedlich und brüderlich. Holländischer Reisebericht aus dem Jahr 1784 Bilder im Kopf Entdecke die Vielfalt der Religionen und mach dir ein Bild! Objekte des Glaubens und religiöse Orte in Krefeld gestern und heute Leitung: Gabriele Grimm-Piecha Kontakt und Buchung: Museum Burg Linn, Tel.: + 49 (0) 2151 / Ein Projekt mit Schülern: Neben dem Besuch der Krefelder Ausstellung bestücken die Schüler ihr eigenes Museum in der Schule mit Gegenständen, die für sie von spiritueller und/oder religiöser Bedeutung sowie typisch für ihre Religion sind, auf jeden Fall aber in Zusammenhang mit ihren religiösen Lebenswelten/Erfahrungen stehen. In einem künstlerisch-kreativen Prozess entstehen im Rahmen des Kunstunterrichts Werke und Fotografien, die die persönlichen Ausstellungsstücke in einen Kontext stellen und von den Bildern im Kopf erzählen. Ergänzend werden zusammen mit den Schülern Besuche bei verschiedenen Religionsgemeinschaften geplant. Die Alte Kirche der evangelischen Gemeinde ist der älteste Sakralbau in Krefeld. Foto: Stadtarchiv Krefeld 9

12 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Begleitprogramm Themaprogramma Krefeld und die Toleranz Bild oben: Die Zionskirche der Baptisten um 1900 Bild unten: Katholische Pfarrkirche St. Dionysius Fotos: Stadtarchiv Krefeld 23. Oktober 2014, 18 Uhr Katholiken und die Krefelder Toleranz. Die Stadtkirche St. Dionysius in Geschichte und Gegenwart Leitung: Ulrich Hagens, Cityseelsorger Veranstaltungsort: Stadtkirche St. Dionysius, Krefeld Anmeldung: VHS Krefeld, K , Kosten: 6, Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Krefelder Bevölkerungsmehrheit keine nennenswerte eigene Kirche mehr im Zentrum. Die erste Dionysiuskirche (die Alte Kirche) war evangelisch geworden. Lange war den Katholiken nur eine kleine Kapelle an der Postgasse geblieben, oder sie besuchten den Gottesdienst in Hüls, Fischeln, Uerdingen oder St. Tönis. Kirchenlieder laut zu singen, Kelche oder andere sakrale Gegenstände öffentlich zu zeigen, war lange Zeit verboten. Viele Akten des Moerser Synodalgerichtes legen Zeugnis davon ab, dass das Zusammenleben der Religionen vielen Regeln unterworfen war. Besteht die Krefelder Toleranz also schlicht aus geregeltem Zusammenleben? 2. Februar 2015, 19 Uhr Mennoniten und die Krefelder Toleranz Leitung: Pfarrer Christoph Wiebe Veranstaltungsort: Mennonitenkirche, Königstr. 132, Krefeld Anmeldung: VHS Krefeld, K , Kosten: 6, Die Krefelder Bevölkerungsmehrheit war katholisch, die Verwaltung reformiert, als verfolgte Mennoniten im 17. Jahrhundert in Krefeld Schutz suchten. Aus dem Städtchen machten sie über Jahrhunderte eine Stadt, die später zu den reichsten im Deutschen Reich zählte. Anfangs lag ihr Bethaus gleichsam geschützt wie verborgen noch hinter einer hohen Mauer, nach der ersten Stadterweiterung aber durfte ihre Kirche sichtbar an der Königstraße liegen. Im 18. Jahrhundert waren ihre Familien längst die einflussreichsten Krefelder geworden. Bestimmten sie die Krefelder Toleranz? Voraussichtlich 24. April 2015 Thementag zur Ausstellung Krefeld und die Religionsfreiheit im Museum Burg Linn Kleidung als Ausdruck christlicher Religiosität am Niederrhein Veranstaltungsort: Deutsches Textilmuseum Krefeld, Museumsscheune, Albert-Steeger-Str. 5, Krefeld (Linn) Weitere Infos auf Seite 44 Haus der Seidenkultur, Krefeld 4. Oktober Januar 2016 Einfluss der Mennoniten in Krefeld Von der Leyen, von Beckerath, Floh, de Greiff Um 1650 wanderte der mennonitische Leinenhändler Adolf von der Leyen aus Radevormwald nach Krefeld aus. Er trat zunächst in den ortsansässigen Leinenhandel ein, besaß aber auch Fachkenntnisse in der Verarbeitung von Seide und begründete eine erste Seidenweberei. Nachfolgende Generationen bauten das Seidengewerbe aus und weitere mennonitische Familien ließen sich in der Stadt nieder. Mit dem Anstieg der Bevölkerung wuchs auch das Stadtgebiet. Im Zuge der ersten Stadterweiterung wurde 1693 die mennonitische Kirche in der Königstraße fertiggestellt. In den 1750er Jahren vergab König Friedrich II. das preußische Webermonopol an die Familie von der Leyen und sorgte wenig später für eine bessere Anbindung der Stadt an den Postverkehr beschäftigten die von der Leyens bereits fast die Hälfte der Krefelder Einwohnerschaft und exportierten ihre Produkte weltweit. Die wohlhabende Familie un- terstützte die örtliche Mennonitengemeinde, indem sie Pastoren einstellte, ein Armenhaus stiftete und eine neue Kirchenorgel kaufte. Auch andere christliche Gemeinden wurden mit Spenden bedacht. Die undogmatische freie Religionsgemeinschaft setzte sich schon früh für die Überwindung konfessioneller Grenzen ein und öffnete die eigene Abendmahlsfeier bereits 1810 für Angehörige anderer christlicher Kirchen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sympathisierte sie mit den Ideen der Aufklärung und trug maßgeblich zum geistigen Klima in der Stadt bei. Es bildeten sich Lesegesellschaften und eine Freimaurerloge. Mit Exponaten, Vortragsveranstaltungen und Workshops für Kinder und Jugendliche wird dieses wichtige Kapitel der Krefelder Geschichte veranschaulicht Haus der Seidenkultur Luisenstraße 15 D Krefeld Öffnungszeiten: Mi Fr Uhr So Uhr Adolf von der Leyen Foto: Museum Burg Linn 10

13 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Das klassische Hugenotten abzeichen in Form einer Friedenstaube, entstanden in Berlin um 1800 Preußen-Museum Wesel 22. Februar 26. April 2015 Hugenotten am Niederrhein den Rhein hinunter bis in Unser Herzogthum Cleve Die Protestanten in Frankreich sahen sich im Verlaufe des 17. Jahrhunderts immer stärkeren Benachteiligungen und Verfolgungen durch den katholischen König Ludwig XIV. ausgesetzt, so dass sie schließlich ihr Heil in der Flucht suchten. Mit dem Edikt von Potsdam im Jahre 1685 erließ der Kurfürst von Brandenburg eine Rechtsgrundlage, die die Glaubensflüchtlinge anlocken sollte, indem sie ihnen ein sicheres Leben in einem neuen Territorium versprach. Auf ihren unterschiedlichen Fluchtwegen zu Wasser und zu Lande haben viele Hugenotten dann am Niederrhein zum ersten Mal brandenburgischen Boden betreten. Obwohl der größte Teil der Migranten sich in Berlin niederließ, sind auch in einigen Städten am Niederrhein hugenottische Gemeinden entstanden. Aufgrund ihrer beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten wurden sie als neue Mitbürger geschätzt. Im Bewusstsein ihres Könnens handelten sie aber auch häufig besondere Privilegien und Vorteile für ihre Gemeindemitglieder in den einzelnen Kom- munen aus. Zum Teil konnten sie sich über 150 Jahre ein französisches Schulwesen, eine eigene Kirche und sogar eine eigenständige Gerichtsbarkeit erhalten. Aufgrund dieser Vorrechte kam es natürlich auch immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölkerung. Die Ausstellung zeigt die historischen Hintergründe für den Exodus der französischen Protestanten, ihre Fluchtwege und ihre Ankunft am Niederrhein. Daneben werden einzelne Gemeinden vorgestellt und insbesondere die Situation in der Festungsstadt Wesel beschrieben. Denn gerade hier fanden viele Hugenotten berufliche Verwendung, so dass in Wesel bis zum frühen 19. Jahrhundert eine eigenständige französische Gemeinde existierte Preußen-Museum NRW, Wesel An der Zitadelle D Wesel Öffnungszeiten: Di So Uhr Alle Fotos: Preußen-Museum Wesel Katechismus der reformierten französischen Gemeinden in französischer Sprache, Berlin

14 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Die Priesterunterkunft im Gefangenenlager Ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert an die verstorbenen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs: Friedhof Friedrichsfeld, Ecke Alte Hünxer Straße (Am Franzosenfriedhof). Weihnachten in der Lagerkapelle Alle Fotos: Förderverein Bürgerhaus Friedrichsfeld Nationen und Religionen im Kriegsgefangenenlager Friedrichsfeld Bereits kurz nach Kriegsbeginn 1914 begann man auf dem Truppenübungsplatz Friedrichsfeld in Voerde mit der Errichtung eines Lagers für Kriegsgefangene. Es bot Platz für über Gefangene und war somit das zweitgrößte Gefangenenlager auf deutschem Boden. Gemäß der Internierungspolitik der Mittelmächte wurden Gefangene verschiedener Nationalität in dahingehend gemischten Lagern untergebracht. So kam es, dass auch in Friedrichsfeld zumindest sieben Nationalitäten vertreten waren. Schon im Urteil der Zeitgenossen wurde das Lager wegen der vorrausschauenden Fürsorge der Lagerleitung gegenüber den Gefangenen gelobt, vor allem in Bezug auf Bildungsangebote, die die Männer auf das Leben nach dem Krieg vorbereiten sollten. Priester verschiedener Konfessionen kümmerten sich um die religiösen Belange der Soldaten. Vom Lager selbst ist heute nichts mehr zu sehen, allerdings steht der Gedenkstein, welchen die Gefangenen zu Ehren ihrer verstorbenen Kameraden errichtet haben, noch immer auf dem ehemaligen Gefangenenfriedhof. Weitere Informationen / Meer informatie»entdecker-tippontdektip«felix Hildebrand: Das Kriegsgefangenenlager Friedrichsfeld im Ersten Weltkrieg, Masterarbeit Universität Duisburg-Essen 2013 Royal Air Force Museum, Weeze 8. November September 2015 Begegnungen Zwischen Canterbury und Rom Zwischen den Zentren der Anglikanischen und der römisch-katholischen Baptistische Gläubigentaufe Pfingsten 1986 in Weeze: Vom Hauptquartier Rheindahlen, den Flugplätzen Brüggen, Wildenrath, Gütersloh und Laarbruch waren Angehörige dieser evangelischen Freikirche nach Weeze gekommen, um in der Niers, einem natürlichen, fließenden Gewässer, die Erwachsenentaufe zu empfangen. Viele interessierte Weezer konnten von der Brücke Fährsteeg miterleben, wie zwei Pfarrer die Täuflinge dreimal in der Niers vollständig untertauchten. Foto: Royal Air Force Museum, Weeze Kirche, Canterbury und Rom, gab es viele britische Militärstützpunkte, einer davon war die 1954 errichtete Royal Air Force Station Laarbruch in der Gemeinde Weeze, gelegen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Marienwallfahrtsort Kevelaer nahmen Soldaten der Royal Air Force Quartier auf dem britischen Militärflugplatz, der auf der Hees, einem Areal, das vor dem Zweiten Weltkrieg als Segelflugplatz genutzt wurde, angelegt worden war. Entstanden war nicht nur ein Militärflugplatz, sondern eine komplette Kleinstadt mit fast 400 Wohneinheiten, Banken, Kaufhäusern, Schulen, einem Kino sowie einem beheizten Freibad. In der Ortschaft Weeze entstanden nach und nach über 1000 Wohnungen: die Engländersiedlung. Drei Kirchen wurden auf dem Gelände errichtet: St. Peter, die Church of England, die römisch-katholische Kirche und die schottische Kirche St. Andrews. Zwischen den Kirchengemeinden auf dem Flughafen und den Pfarreien der umliegenden Ortschaften entwickelten sich im Laufe der Jahre vielfältige Kontakte. So gab es gemeinsame Gottesdienste auf dem Flughafengelände und in den anliegenden zivilen Kirchengemeinden sowie auch ökumenische Trauungen, denn so manch britischer Soldat fand hier, am katholischen Unteren Niederrhein, die Liebe seines Lebens. Das in der ehemaligen St. Peter Church beheimatete Royal Air Force Museum veranschaulicht mit Exponaten, Dokumenten und Fotomaterial das religiöse Leben der britischen Soldaten sowie ihre interkonfessionellen Kontakte zu den deutschen Nachbargemeinden in der Zeit von 1954 bis Die Weezer Ausstellung wird am 8. November 2014, um 11 Uhr eröffnet Royal Air Force (RAF) Museum Laarbruch-Weeze Flughafen-Ring 6 D Weeze Öffnungszeiten: Mai September: Mi So Uhr Oktober April: Fr So Uhr Das Museum bleibt vom 15. Dezember 2014 bis 5. Februar 2015 geschlossen. 12

15 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Museum der Niederrheinischen Seele, Grevenbroich 17. September Januar 2016 Niederrheinische Glaubens-Fragen Das Museum der Niederrheinischen Seele beschäftigt sich auch in der Dauerausstellung mit Fragen der religiösen Toleranz. Foto: Villa Erckens In der Ausstellung in der Villa Erckens wird es bunt! Vorgestellt werden christliche, jüdische und muslimische Traditionen, religiöse Bräuche und Wallfahrten, Volksfrömmigkeit, Glaube und Aberglaube. Aber noch vor wenigen Generationen wäre eine solche Ausstellung über die Vielfalt der Religionen und Glaubensinhalte kaum denkbar gewesen. Und so werden in der Ausstellung auch religiös bedingte Vorurteile und Ressentiments thematisiert, denn diese sind ebenfalls ein Bestandteil der Niederrheinischen Glaubens-Fragen. Bis an die Wende zum 20. Jahrhundert bildeten evangelische Christen eine Minderheit im Grevenbroicher Raum. Die Wurzeln dafür wurden bereits im 17. Jahrhundert durch die Rekatholisierungspolitik der Jülicher Herzöge gelegt. Bis auf Wevelinghoven, wo es eine durch den Kölner Erzbischof geduldete protestantische Gemeinde gab, lebten evangelische Christen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im heutigen Stadtgebiet in der Diaspora. Erst die Flüchtlingswellen aus den ehemaligen Ostgebieten veränderten das konfessionelle Gefüge nachhaltig. Aber das konfessionelle Miteinander war weiterhin schwierig: Noch bis in die 1960er Jahre gehörte es am Niederrhein zum Alltag für evangelische Schülerinnen und Schüler als Blauköpp geschmäht und auf dem Schulhof gehänselt zu werden. Manchmal trennte sogar eine Linie den katholischen vom evangelischen Teil des Schulhofs und separierte so die Konfessionen. Eine andere religiöse Tradition war zu diesem Zeitpunkt fast völlig verschwunden: Der Rassenwahn der Nationalsozialisten hatte jüdisches Leben und Traditionen, die über Jahrhunderte gewachsen waren, innerhalb weniger Jahre vernichtet. Nur wenige Deutsche jüdischen Glaubens überlebten die Vernichtungslager und kehrten in ihre alte Heimat zurück. Lediglich zwei ehemalige Synagogen in Hemmerden und Hülchrath sind erhalten geblieben; viele andere wurden während des Pogroms im November 1938 zerstört. Aber es gab auch Innovationen in der niederrheinischen Glaubenslandschaft: Muslime aus der Türkei kamen seit den 1960er Jahren als Gastarbeiter und fanden hier eine neue Heimat. Die Benennung der Straße An der Moschee im Jahr 2014 ist knapp dreißig Jahre nach dem Bau der religiösen Versammlungsstätte ein bedeutender Schritt Eines der wenigen Zeugnisse jüdischen Lebens am Niederrhein: eine Mesusa aus der früheren Synagoge in Hemmerden. Foto: Stadtarchiv Grevenbroich Die evangelische Kirche in Wevelinghoven Foto: Stadtarchiv Grevenbroich Museum der Niederrheinischen Seele, Villa Erckens Am Stadtpark 1 D Grevenbroich Öffnungszeiten: Mi, Do, Sa, So Uhr Fr 9 13 Uhr Begleitprogramm Themaprogramma Das Thema der Ausstellung wird in folgenden Vorträgen weiter vertieft. Alle Vorträge finden statt in der Villa Erckens. Der Eintritt beträgt jeweils 6, (inkl. Museums eintritt). Mittwoch, 21. Oktober 2015, 20 Uhr Wer bei Hülchrath geht über die Brück... Hexenverfolgung in Kurköln und Jülich im 16. und 17. Jahrhundert Mittwoch, 25. November 2015, 20 Uhr Zwischen Duldung und Verfolgung Konfessionspolitik zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs Mittwoch, 9. Dezember 2015, 20 Uhr Jüdisches Leben in Grevenbroich vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert 13

16 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg 20. September März 2016 Häuser der Weisheit Wissenschaft im Goldenen Zeitalter des Islam Ein Astrolab, mit dem sich die Zeit oder die Position der Sterne bestimmen lässt. Im 9. Jahrhundert gründete der Abbasiden-Kalif al-ma mūn aus Freude am Wissen in Bagdad das Haus der Weisheit, in dem er antike Texte übersetzen ließ. Alle wissenschaftlichen Schriften, derer man habhaft werden konnte vor allem griechische sowie persische und indische Autoren, wurden ins Arabische übertragen und die Ideen und Erkenntnisse mit Hilfe eigener Beobachtungen und Experimente verfeinert und weiterentwickelt. Die Wissenschaftler damals saßen nicht nur in Bibliotheken; vielmehr arbeiteten sie in Krankenhäusern, waren am Bau der Sternwarte von Bagdad oder bei der Erstellung einer neuen Weltkarte beteiligt und legten so die Fundamente für zahlreiche der heutigen, weltweit gültigen Fachdisziplinen bzw. erweiterten das bereits vorhandene Wissen. Ab dem 10. Jahrhundert gelangten die arabischen Schriften vor allem über Spanien nach Europa. Diese Texte stellten für die damaligen Gelehrten einen für sie kaum fassbaren Schatz dar! Die Inhalte beeinflussten die Geschichte der Wissenschaften, hatten aber auch Auswirkungen auf das Alltagsleben. Bis heute sind viele Wörter in den europäischen Sprachen arabischen oder persischen Ursprungs, dazu gehören im Deutschen etwa Alkohol und Algorithmus, aber auch Kiosk und Magie. In der Ausstellung werden nicht nur die Entwicklungen im arabisch-persischen Raum dargestellt, sondern es geht auch um die Wege, auf denen die dort gewonnenen Erkenntnisse nach Europa gelangten und in welcher Form sie hier in der Renaissance aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Themen der Ausstellung werden Astronomie, Geografie, Nautik, Medizin, Chemie, Physik und Mathematik sein. Die Themen werden fassund erlebbar durch zahlreiche Exponate aus der Sammlung des Frankfurter Instituts für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften (IGAIW). Diese Exponate umfassen funktionsfähige Modelle und Experimentalanordnungen aus der Zeit vom 9. bis 13. Jahrhundert, die nach den Angaben und Skizzen der alten Gelehrten angefertigt wurden. Zusammen mit ausgewählten Originalen bieten die Stücke einen Überblick über das umfangreiche Spektrum der Wissenschaften im Goldenen Zeitalter des Islam Alle Fotos: IGAIW, Frankfurt a. M. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg Johannes-Corputius-Platz 1 D Duisburg Öffnungszeiten: Di Sa Uhr So Uhr 14

17 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Darstellung des menschlichen Muskelsystems aus dem 14. Jahrhundert Darstellung des Knochensystems aus dem 14. Jahrhundert Modell eines Mauerquadranten der Istanbuler Sternwarte aus dem 16. Jahrhundert Die Weltkarte des al-idrīsī aus dem 12. Jahrhundert 15

18 Vielfalt und Toleranz Verscheidenheid en tolerantie Louisendorf ist auch unter architektonischen Gesichtspunkten eine Besonderheit. Foto: Gemeinde Bedburg-Hau Protestantische Enklaven Ihr Ziel war das gelobte Land Pennsylvania in Amerika. Doch bis in die neue Heimat vorzudringen gelang den Siedlern aus den kurpfälzischen Oberämtern Kreuznach und Simmern, die der schlechten wirtschaftlichen Situation, der religiösen Benachteiligung und kriegerischen Auseinandersetzungen entgehen wollten, nicht. Eine größere Siedlergruppe strandete im Mai 1741 in Schenkenschanz, ohne auch nur eine Welle des großen Teiches, über den planerisch weist Louisendorf eine seltene Besonderheit auf: Vier Haupt- beliebten Preußenkönigin Luise, die 1810 gestorben war. Landschafts- sie per Schiff nach Amerika reisen wollten, gesehen zu haben. wege führen auf einen zentralen Platz, der aus der Vogelperspektive Niederländische Grenzposten verweigerten die Einreise, weil die Siedler keine Passage vorlegen konnten. Da die Siedler keine Chance hatten, nach Pennsylvania zu kommen, nutzten sie das Angebot der Stadt Goch, in der Gocher Heide ein zehntausend Morgen großes Gebiet zu besiedeln. Zwanzig Familien mit etwa 120 Personen verzichteten auf die Emigration und ließen sich in der Gocher Heide nieder. Das Gebiet gesehen abhängig von der jeweiligen Blickachse als Quadrat und als Rhombus erscheint. Hier, auf dem erhöht liegenden Louisenplatz, bauten die Pfälzer 1861 ihre von 34 Linden, dem Lieblingsbaum von Luise, umsäumte Kirche, die nach Königin Elisabeth von Preußen benannt wurde. Zum Ende der Aufbauphase der Louisendorfer Siedlung, etwa 1840, lebten dort 826 Einwohner: 708 evangelische, 121 katholische. nannten sie ab 1749 Pfalzdorf, obwohl ihre Herkunft nichts mit der heutigen Pfalz zu tun hat. Aber sie bezeichneten sich selbst als Pfälzer und ihre Sprache als Pälzersch, die sich von den Dialekten der Pfalz grundlegend unterscheidet. Aber schon nach kurzer Zeit expandierte auch Louisendorf so stark, dass die Verteilung von Grund und Boden an ihre natürlichen Grenzen stieß. Umfangreiche Rodungsarbeiten in Bis auf den heutigen Tag haben die Pfälzer in Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf ihre kulturelle Eigenständigkeit erhalten, pflegen heimatliches (kurpfälzisches) Brauchtum, sprechen die Mundart Bis auf den heutigen Tag haben die Pfälzer in Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf ihre kulturelle Eigenständigkeit erhalten, pflegen heimatliches (kurpfälzisches) Brauchtum, sprechen die Mundart und leben im protestantischen Glauben. den Jahren 1828/29 gaben dem Waldgebiet ein neues Gesicht. Großzügig erlaubte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Zugewanderten, ein weiteres Dorf, nämlich Neulouisendorf, zu errichten. Ende 1840 lebten bereits 298 Menschen in dem und leben im protestantischen Glauben. Die Zugereisten vermischten sich nicht mit den katholischen Einheimischen, vielmehr blieben sie wegen ihres protestantisch ausgerichteten Glaubens unter sich. Zunächst hielt die Zuwanderung aus dem Hunsrück bis 1771 an, immer neue Migranten setzten sich in Pfalzdorf fest, bis Grund und Boden neuen Dorf, das allerdings keine expandierende Zukunft vor sich hatte. Wegen des Misswuchses der Kartoffeln beantragten die Kolonisten, die eigentlich fällige Erbpacht, die für zehn Freijahre nach Verloosung der Colonie ausgesetzt war, vorläufig nicht zu erheben. Dies wurde vom König jedoch abgelehnt. der Gocher Heide vollständig an die Fremden vergeben waren. Da Pfalzdorf plötzlich aus allen Nähten platzte, bot es sich an, die dem Königshaus gehörende waldreiche Umgebung als erweitertes Siedlungsgebiet zu nutzen. Seitdem der Pfälzerbund am Niederrhein 1955 die Traditionspflege der Siedlernachkommen in die Hand nahm und der Louisendorfer Heimatforscher Jakob Imig ein bemerkenswertes Archiv aufbaute, bereichert ein breitgefächertes kulturelles Angebot das dörfliche Leben. Am Die von König Friedrich Wilhelm III. am 30. September 1820 erlassene Königliche Kabinettsorder erlaubte den Nachkommen der Pfalzdorfer Siedler, im Staatsforst Eichenwald unweit von Schloss Moyland eine Niederrhein verankerte katholische Bräuche wie das Sternsingen am Dreikönigstag oder die Eigentümlichkeiten des Karnevals übernahmen die Pfälzer nicht zweite Ansiedlung zu gründen: Louisendorf, benannt nach der sehr Klaus Hübner 16

19 himmelwärts hemelwaarts Glaube und Aberglaube Geloof en Bijgeloof Glaube und Aberglaube Geloof en bijgeloof Aberglaube der Glaube jenseits der Amtskirche Der richtige Glaube! Darum ringen Menschen schon seit Jahrhunderten. An wen sollen wir glauben? Gibt es mehr als einen Gott? Und wie soll die Verehrung aussehen? Die Antwort darauf geben die Vertreter der Amtskirchen, die Geistlichen und Theologen. Aber nicht immer reichen ihre Antworten aus. Oft suchen sich Menschen dann ihren eigenen Weg. Vor allem in Situationen, in denen von einem Gott konkrete Hilfe erwartet wird, sollen Amulette, magische Praktiken oder Sinnsprüche Unterstützung geben. Die Grenzen zwischen Glaube und Aberglaube, Frömmigkeit und Okkultismus sind oft fließend. Und immer wieder gab es Zeiten, in denen die Abweichung von der Lehrmeinung der Kirche lebensgefährlich sein konnte: So mussten auch am Niederrhein Tausende Frauen und Männer im Rahmen der Hexenverfolgung ihr Leben lassen. Bijgeloof het geloof naast het kerkelijke geloof Het ware geloof! Daar wordt al eeuwen lang om gestreden. Maar wie moet wie geloven? Is er meer dan één god? En hoe moet je die vereren? Deze vragen beantwoorden de vertegenwoordigers van de kerken, de geestelijken en theologen. Maar hun antwoorden zijn niet altijd toereikend. Vaak zoeken mensen dan hun eigen weg. Vooral in situaties waarin van een god concrete hulp wordt verwacht, moeten talismans, magische rituelen of zinspreuken uitkomst bieden. De grenzen tussen geloof en bijgeloof, vroomheid en het occulte zijn vaak niet zo scherp. En steeds weer waren er in de geschiedenis periodes waarin het levensgevaarlijk kon zijn om af te wijken van de leer van de kerk. Zo werden ook aan de Niederrhein duizenden mannen en vrouwen slachtoffer van de heksenvervolgingen. 17

20 Glaube und Aberglaube Geloof en Bijgeloof Clemens-Sels-Museum Neuss 16. August 1. November 2015 urkultur Prähistorische Religionen am Niederrhein Beile aus der Jungsteinzeit, die vermutlich eine magische Bedeutung besaßen Römische Tonfiguren weiblicher Gottheiten wie diese waren in der Provinz Niedergermanien weit verbreitet. Das Rheinland ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Fundgrube für Archäologen. Seit Tausenden von Jahren haben Menschen verschiedener Kulturen hier ihre Spuren hinterlassen. Bei Ausgrabungen stoßen die Wissenschaftler immer wieder auf Objekte, die ihnen Rätsel aufgeben: Dazu gehören etwa Beile aus der Jungsteinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.), deren Formen für einen praktischen Gebrauch ungeeignet erscheinen. Auch römische Blechtäfelchen, die mit Verwünschungen beschrieben, mehrfach gefaltet und mit Nägeln durchstoßen wurden, scheinen auf den ersten Blick keine Funktion zu haben. Und immer wieder finden sie Figuren, die offenbar weder als Dekoration noch als Spielzeug dienten. Die Erklärung für solche Funde liegt nahe: Hierbei handelt es sich nicht um Alltagsgegenstände, sondern um Relikte einer Auseinandersetzung mit dem Übernatürlichen. Die Rekonstruktion der Glaubensvorstellungen früher Kulturen ist nicht einfach. Denn oft liegen nur vereinzelte Belege wie Grabbeigaben, Kultfiguren oder Opfergaben vor, die mühsam wieder zu einem Gesamtbild der damaligen religiösen Vorstellungen und Praktiken zusammengesetzt werden müssen. Aber dennoch geht von diesen Objekten eine ganz besondere Faszination aus. Welche Götter mögen die Menschen angebetet haben? Wie haben sie sich die Entstehung der Welt erklärt? Und welche Jenseitsvorstellungen brachten sie dazu, ihren Verstorbenen Alltagsgegenstände und kostbaren Schmuck mitzugeben? In der Ausstellung urkultur kann sich der Besucher auf eine Zeitreise durch die Lebens- und Glaubenswelten längst vergangener Epochen begeben: Dazu gehören die Kulte der Jäger- und Sammlergemeinschaften der Alt- und Mittelsteinzeit und der bäuerlich geprägten Jungsteinzeit, die durch Germanen und Kelten vermittelten Götter-Vorstellungen und schließlich die neuen Religionen aus dem Orient und Mittelmeerraum, die nach der Eroberung durch die Römer ins Land kamen. Zu den neuen Religionen, die damals miteinander konkurrierten, gehörte auch das Christentum, das somit den Schlusspunkt unter die Geschichte der frühen Kulte am Niederrhein setzt Dieses römische Täfelchen aus Bleiblech ist innen mit einem Fluch beschrieben und zusammengefaltet worden. Clemens-Sels-Museum Neuss Am Obertor D Neuss Öffnungszeiten: Di Sa Uhr So Uhr Alle Fotos: Clemens-Sels-Museum Neuss»Entdecker-TippOntdektip«Keller oder Kultstätte? 1956 entdeckte man in Neuss bei Grabungen einen spätantiken Steinkeller. Einige bauliche Besonderheiten, wie zwei gegenüberliegende Treppen, eine kleine Steinbank und die geringe Größe gaben den Archäologen Rätsel auf. Man hielt das Bauwerk anfangs für eine Fossa sanguinis, einen Bluttaufkeller für den Kult um die kleinasiatische Göttin Kybele. Aber ein vergleichbarer Keller wurde bislang in keinem einzigen Kybeletempel in Europa ausgegraben. Letztlich konnte die Frage, ob Keller oder Kultstätte, bis heute nicht abschließend geklärt werden. Spannend ist ein Besuch aber allemal. Der Pavillon, in dem sich der Keller heute befindet, liegt am Gepaplatz in Neuss und gehört zur archäologischen Abteilung des Clemens-Sels- Museums. Er kann täglich nach Voranmeldung im Clemens-Sels-Museum Neuss von von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Der Schlüssel ist bei Familie Heischkamp, Gepaplatz 3 erhältlich. 18

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