Zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie im ersten Halbjahr 2014

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1 Zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie im ersten Halbjahr 2014 Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer HDS/L Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie e.v. Pressekonferenz des HDS/L anlässlich der ILM am 6. September 2014

2 Die deutsche Lederwaren- und Kofferindustrie im 1. Halbjahr 2014 Leichtes Wachstum beim Gesamtumsatz Inland schwach / Ausland stark Außenhandel wächst weiter Umsatz- und Beschäftigung Die Gesamtumsätze der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie (im 1. Halbjahr 2014) betrugen 257,3 Mio. Euro. Dies entspricht einer Zunahme von +1,6% gegenüber dem 1. Halbjahr Damals hatte der Gesamtumsatz bei 253,2 Mio. Euro gelegen. Im Inland fielen die Umsätze von 191,7 Mio. Euro im 1. Halbjahr 2013 um -1,1% auf 189,6 Mio. Euro im 1. Halbjahr Dies entspricht einer Abnahme von 2 Mio. Euro. Im Ausland konnten die deutschen Unternehmen der Lederwaren- und Kofferindustrie im 1. Halbjahr 2014 einen Umsatz von 67,7 Mio. Euro erzielen; dies ist ein Anstieg um 6,1 Mio. Euro bzw. +10%. Vor einem Jahr lagen die Auslandsumsätze der deutschen Unternehmen bei 61,5 Mio. Euro. Die Auslandsumsätze hatten im 1. Halbjahr 2014 einen Anteil von 26,3% am Gesamtumsatz der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Anteil des Auslandsumsatzes der deutschen Unternehmen damit um 2 Prozentpunkte an. Im 1. Halbjahr 2014 ging die Zahl der Beschäftigten weiter leicht zurück. Während im Vorjahreszeitraum noch Personen bei den Unternehmen in Deutschland beschäftigt waren, gab es in Deutschland im vergangenen Halbjahr noch Beschäftigte in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie. Dies entspricht einem Rückgang von -2,0%. Die Zahl der Beschäftigten bezieht sich nur auf Unternehmen, die von der amtlichen Statistik erfasst wurden, also auf Unternehmen mit 50 und mehr Mitarbeitern. Insgesamt beschäftigt unsere Industrie in Deutschland rund Personen in über 100 Firmen der Lederwaren- und Kofferindustrie. Außenhandel Exporte Im 1. Halbjahr 2014 erreichten die deutschen Gesamtausfuhren ein Volumen von 667,8 Mio. Euro und lagen damit wieder um +5,7% über denen des 1. Halbjahres Die Veränderung vom 1. Halbjahr 2012 auf das 1. Halbjahr 2013 lag auch bei exakt +5,7%. 2

3 Dabei führt wieder die Warengruppe Taschenartikel aus anderen Stoffen die Rangliste der Exporte mit einem Wert von 129,6 Mio. Euro (+7,0%) an. Koffer aus anderen Stoffen waren mit einem Exportvolumen von 112,7 Mio. Euro wieder die zweitgrößte Warengruppe. Ihr Export stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um +11,6% bzw. +11,7 Mio. Euro. Den stärksten Zuwachs verzeichnete wertmäßig die Warengruppe Reisetaschen aus anderen Stoffen mit +17,8% bzw. 13,5 Mio. Euro auf 88,86 Mio. Euro. Der Export der Warengruppe Handtaschen aus Leder wuchs mit +7,2% um 3,4 Mio. Euro auf über 51 Mio. Euro. Die meisten Exporte gingen wertmäßig in die Länder der Europäischen Union mit insgesamt 440 Mio. Euro. Das ist ein Zuwachs von 14,3% und entspricht einem Anteil von 65,9% am Gesamtexport. Auch die Exporte nach Australien und Ozeanien wuchsen um +10,9%. Österreich war wie in den Vorjahren auch im 1. Halbjahr 2014 das wichtigste Abnehmerland für deutsche Lederwaren und Koffer. Mit 69,7 Mio. Euro (+10,0%) hatte Österreich einen Anteil am deutschen Gesamtexport von 10,4%. Es folgen Frankreich mit 61,8 Mio. Euro (+11,4%) und einem Exportanteil von 9,2%. An dritter Stelle der Exportrangliste liegt trotz eines Rückgangs wieder die Schweiz mit 46,4 Mio. Euro (-2,5%). Der Exportanteil in die Schweiz sank damit um 0,6 Prozentpunkte auf 6,9%. Danach folgen die Exporte nach Großbritannien mit 45,6 Mio. Euro (+22,6%) und Polen an fünfter Stelle mit 45,4 Mio. Euro. Die Reihenfolge der größten Abnehmerländer Deutschlands für den Bereich Lederwaren und Koffer hat sich damit auf den ersten 5 Plätzen nicht verändert. Auf den Plätzen 6 und 7 haben die Länder Niederlande und Italien die Plätze getauscht. Nach Italien wurden Waren im Wert von 40,296 Mio. Euro (+13,8%) und in die Niederlande im Wert von 39,006 Mio. Euro (+8,9%) exportiert. Große Zuwächse wurden mit den Exporten nach Tschechien mit +17,4% auf 20,3 Mio. Euro, Spanien mit +14,1% auf 18,4 Mio. Euro, Slowakei mit +24,0% auf 11,1 Mio. Euro und Lettland mit 65,1% auf 3,2 Mio. Euro erzielt. Mit den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und Russland sind die starken Rückgänge in Russland mit -31,8% auf 19,6 Mio. Euro und in der Ukraine mit -31,0% auf 3,1 Mio. Euro zu erklären. Bei den Nicht-EU Ländern lag Russland aufgrund des Rückgangs um -9,1 Mio. Euro (-31,8%) auf 19,6 Mio. Euro nach der Schweiz und den USA nur noch auf Platz 3 der Exportskala von Lederwaren und Koffern aus Deutschland. Das Exportvolumen in die USA betrug im 1. Halbjahr ,8 Mio. Euro mit einer Steigerung um +10,8%. Obwohl die Exporte nach Japan um -12,7% gefallen sind, lag das Land mit 17,0 Mio. Euro auf Platz 4, gefolgt von Hongkong mit 15,4 Mio. Euro (-3,3%) auf Rang 5 der Exportländer außerhalb der EU. 3

4 Handtaschenexport Die Exporte von Handtaschen stiegen im 1. Halbjahr 2014 auf insgesamt 9,8 Millionen Stück. Im Vorjahreszeitraum waren es 8,4 Millionen Stück; das entspricht einem deutlichen Anstieg von +16,3%. Von den im ersten Halbjahr exportierten Handtaschen waren 1,5 Millionen Stück aus Leder (+25,1%), 1,9 Millionen aus Spinnstoff (-14,9%) und 6,4 Millionen aus Kunststofffolien und anderen Stoffen (+28,0%) gefertigt. Der durchschnittliche Preis war naturgemäß bei Handtaschen aus Leder am höchsten und lag bei 33,28 Euro. Er fiel gegenüber dem 1. Halbjahr 2013 allerdings um 5,56 Euro. Die Preise bei Handtaschen aus Spinnstoff lagen durchschnittlich bei 8,35 Euro, und stiegen gegenüber dem 1. Halbjahr 2013 um 15 Cent. Der Preis von Handtaschen aus Kunststofffolien und anderen Stoffen lag im 1. Halbjahr 2014 durchschnittlich bei 5,55 Euro. Ihr Durchschnittspreis lag im 1. Halbjahr 2013 um 34 Cent höher. Importe Die Importe von Lederwaren und Koffern lagen im 1. Halbjahr 2014 mit 1,3 Mrd. Euro um +6,6% höher als im Vorjahreszeitraum. Im 1. Halbjahr 2013 betrugen die Importe 1,2 Mrd. Euro. Die Importe nahezu aller Warengruppen haben im 1. Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wieder zugelegt. Der wertmäßige Anstieg der Einfuhren, insbesondere in den Warengruppen Taschenartikel aus anderen Stoffen, Handtaschen aus Leder und Reisetaschen aus anderen Stoffen, lag höher als bei den Produkten der anderen Warengruppen. Der Import von Taschenartikeln aus anderen Stoffen erhöhte sich im 1. Halbjahr 2014 um 28,7 Mio. Euro auf über 306 Mio. Euro. Die Entwicklung beim Import von Taschenartikeln und anderen Behältnissen aus Leder gegenüber denen aus anderen Stoffen verlief sehr unterschiedlich. Der Import der Artikel aus Leder fiel im 1. Halbjahr 2014 um 0,9% (-1,1 Mio. Euro) auf 121 Mio. Euro und der Import der Artikel aus anderen Stoffen stieg um +10,3% (28,7 Mio. Euro) auf über 306 Mio. Euro. Der Import von Koffern aus Leder ist um +25,2% im 1. Halbjahr 2014 auf 28,1 Mio. Euro gestiegen. Der Import der eher leichteren Koffer aus anderen Stoffen ist dagegen mit -0,1% auf 195,8 Mio. Euro gesunken. Die Anteile der Importe aus Asien betrugen im 1. Halbjahr ,9% der Gesamtimporte nach Deutschland. Sie fielen jedoch zum Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozentpunkte. Allerdings stiegen die Importe wertmäßig um 50 Mio. Euro. Ein Drittel der gesamten Lieferungen nach Deutschland wurden im 1. Halbjahr 2014 aus den Ländern der Europäischen Union importiert. Gegenüber den Importanteilen im 1. Halbjahr 2013 stiegen sie von 30,2% um +0,7 Prozentpunkte an. 4

5 Wie in den Jahren zuvor war jedoch China das größte Lieferland. Der Anteil der aus China importierten Lederwaren und des Reisegepäcks betrug im 1. Halbjahr ,5% des deutschen Gesamtimports. Damit bleibt China seit 2012 weiter unter der 50%- Marke. Allerdings konnte China wertmäßig die Lieferungen um 2,3% steigern. Das Importvolumen Chinas lag im 1. Halbjahr 2014 bei über 611 Mio. Euro gegenüber 597,5 Mio. Euro im 1. Halbjahr China ist damit immer noch mit großem Abstand Hauptlieferant Deutschlands. Nach China (46,5%) folgte auf Platz 2 der Importstatistik Italien. Italien hatte einen Importanteil von 11,4% an den deutschen Gesamtimporten. Es folgten Indien mit 6,8 %, Vietnam mit 6,0 % und Frankreich mit 5,8 % Importanteil. Frankreich rutschte auf der Importskala damit vom 3. auf den 5. Rang. An den Importsteigerungen aus Asien waren neben Vietnam mit 14,8 Mio. Euro (+22,9%) auf 79,3 Mio. Euro insbesondere China und Indien beteiligt. Die Importsteigerung aus China betrug wertmäßig 13,9 Mio. Euro mit einem Plus von 2,3 %. Indien lag mit einem Volumen von 89,2 Mio. Euro bei einem Plus von 12,9 Mio. Euro (+16,9%). Den größten wertmäßigen Anteil an den Importsteigerungen hatte Italien mit einem Zuwachs von 18,1 Mio. Euro. Importe aus Russland stiegen im 1. Halbjahr 2014 um 33 Tsd. Euro auf 107 Tsd. Euro und die Importe aus der Ukraine erhöhten sich um 223 Tsd. Euro auf 937 Tsd. Euro. Handtaschenimport Der Import der Handtaschen stieg mit über 26,5 Millionen Handtaschen im 1. Halbjahr 2014 um +14,6%. Hiervon waren 15,2 Millionen aus Kunststofffolien und anderen Stoffen, 7,2 Millionen aus Spinnstoff und 4,1 Millionen aus Leder. Insgesamt waren dies knapp 3,4 Millionen Handtaschen mehr als im 1. Halbjahr Den höchsten durchschnittlichen Stückpreis bei den Importen im 1. Halbjahr 2014 erreichten die Handtaschen aus Leder mit 38,35 Euro. Der Import der 4,1 Millionen Lederhandtaschen lag mit 158,8 Mio. Euro wertmäßig auf einem ähnlichen Niveau wie der Importwert der Handtaschen aus anderen Materialien (167,7 Mio. Euro). Allerdings wurde dafür eine Stückzahl von 22,4 Millionen Handtaschen aus anderen Stoffen nach Deutschland importiert. Die gelieferten Handtaschen aus Spinnstoff hatten einen Durchschnittspreis von 10,01 Euro (-1,16 Euro) bei einem Importvolumen von knapp 72 Mio. Euro. Eine Handtasche aus Kunststofffolien und anderen Stoffen kostete im 1. Halbjahr 2014 durchschnittlich 6,30 Euro (-0,30 Euro weniger als im 1. Halbjahr 2013). Diese importierten Handtaschen aus Kunststofffolie hatten einen Wert von 95,7 Mio. Euro. 5

6 Ausblick Nach einer Umfrage des HDS/L bei den Mitgliedern der Lederwarenindustrie rechnen die Unternehmen für das 2. Halbjahr 2014 eher mit einer stagnierenden Umsatzentwicklung. Für das Auslandsgeschäft sind die Unternehmen sogar noch etwas pessimistischer und gehen von einem leichten Rückgang der Umsätze aus. Die Investitionen und die Beschäftigung in der Lederwarenindustrie werden von Unternehmen als unverändert für das 2. Halbjahr 2014 erwartet. Das Inland bietet aufgrund der eigentlich guten Wirtschaftslage Potential nach oben. Die Konsumneigung insgesamt ist in Deutschland nach wie vor vorhanden. Für die internationalen Märkte werden insbesondere die politischen Ereignisse in der Ukraine und dem nahen und mittleren Osten entscheidenden Einfluss haben. Für das Gesamtjahr 2014 gehen wir davon aus, dass der Umsatz bei einem einstelligen Plus liegen wird. 6

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