Themen des Tages Bienen als Freunde und Helfer in akuter Gefahr

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1 :36 Andreas Schuler Exklusiv Themen des Tages Bienen als Freunde und Helfer in akuter Gefahr Zahlreiche Bienenvölker sind vom Massensterben bedroht. Imker der Region fordern den Anbau heimischer Pflanzen und Aktionen in Schulen sollen Vorurteile abbauen. Karl-Max Schönenberger kann es immer noch nicht glauben. Wer so etwas macht, hat keinen Respekt vor der Natur, sagt der Vorsitzende Imker des Bodenseekreises und des Landkreises Konstanz. Vor wenigen Wochen wurden in Singen im Hegau rund Bienen mit Diesel getötet. Absichtlich. Als ob die Imker und ihre Bienen nicht schon genügend Probleme hätten. Albert Einstein soll schon Mitte des 20. Jahrhunderts von der Bedeutung unserer Freunde und Helfer gewusst haben. Der Ulmer Physiker gab diese düstere Prognose ab: Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr. Die Lage ist kritisch, aber nicht aussichtslos. Vor allem jetzt, da die Natur mit dem anbrechenden Frühling zu explodieren scheint, ist die Zeit der Bienen gekommen. Die Vorfreude auf viele verschiedene Gemüse- und Obstsorten

2 und frische, knackige Feldfrüchte wächst täglich. Schönenberger: Für den Artenreichtum und die Vielfalt der Pflanzen sind vor allem die Bienen verantwortlich. Ohne sie müssten wir auf vieles verzichten. Die Honigbiene ist ein staatenbildendes Insekt, das ganzjährig im Staat lebt. Sie ist auf einen geeigneten Hohlkörper als schützende Behausung angewiesen. Honigbienen sind als einzige Bestäuber im Frühjahr bei den ersten Massentrachten in der Lage, die Bestäubung der Obstsorten durchzuführen. Sie fliegt, angelockt durch den Nektarduft, immer wieder zur gleichen Pflanze zurück. Dadurch wird gewährleistet, dass die Blüten mit dem geeigneten Pollen befruchtet werden. Die Biene ist somit blütenstet und gerade jetzt im Frühjahr unersetzlich. Bianca Duventäster ist Vorsitzende des Imkervereins Stockach. Sie erklärt den Zusammenhang: Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Weitere Informationen Wie oft eine Biene für ein halbes Kilo Honig um die Welt fliegen muss und andere Fakten aus dem Insektenleben Die Bienen-Wunschliste Monokulturen, Umweltverschmutzung, Pflanzenschutzmittel, Schädlinge und Krankheiten machen den Bienen jedoch schwer zu schaffen: Weltweit ist ein Bienensterben zu beobachten. Wenn die Menschheit ihre Bewirtschaftung der Erde nicht nachhaltig umstellt, wird sich die Situation weiter verschlechtern. Ohne Bienen drohen bei der Nahrungsmittelproduktion Engpässe. Olaf Tschimpke, Geograf und Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), sieht im Rückgang der Bienen eine Gefährdung der Lebensmittelsicherheit und der Vielfalt an gesunden Lebensmitteln. Karl-Max Schönenberger betrachtet die Entwicklung kritisch: Wenn man sieht, dass in China Mandelbäume mittlerweile mit Wattestäbchen von Hand bestäubt werden, da die Chemie die Natur dort kaputt gemacht hat, dann ist das besorgniserregend. Der 66-Jährige kämpft für den Fortbestand und die Vermehrung der Bienen. Wieso bauen wir exotische Pflanzen an, die hier eigentlich nichts zu suchen haben?, stellt er die rhetorische Frage. Wenn wir unsere heimischen Pflanzen verdrängen, verdrängen wir unsere Bienen. Doch auch die Landwirtschaft und vor allem die Chemie-Industrie nimmt er in die Pflicht. Die meisten Spritzmittel haben Klebstoffe, die die Flügel der Bienen verkleben, wenn sie benetzt werden, erzählt er. Es gibt jedoch auch Spritzmittel ohne diese Haftzusätze. Ebenso spiele die Tageszeit eine entscheidende Rolle: Bei strahlendem Sonnenschein im Sommer sollte Rücksicht auf die Bienen genommen werden. Wieso sind die Traktoren nicht morgens oder abends unterwegs, wenn die Bienen nicht fliegen? Bienen haben feste Arbeitszeiten: Sie sammeln zwischen 9 und 19 Uhr Nektar, für den Honigtau fliegen sie zwischen 6 und 10 Uhr, sowie zwischen 18 und Uhr. Die Liste der Pflanzen, die ohne Bienen verschwinden würden, ist lange. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen werden von den hundert Nutzpflanzen, die über 90 Prozent der weltweiten Ernährung sicherstellen, mehr als siebzig von Bienen bestäubt. Jeder kann sich vorstellen, was ohne die Biene passieren würde, so Duventäster. Der jährliche volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung der Bienen liegt laut Deutschem Imkerbund in Deutschland bei zwei Milliarden Euro, weltweit bei 70 Milliarden US-Dollar.

3 Pro Jahr überleben laut Imkerbund zehn Prozent der Bienenvölker den Winter nicht. Im Winter 2014/15 hat sich die Zahl verdreifacht. Bei Bienenvölkern in Deutschland bedeutet dies einen Verlust von Völkern. Petra Friedrich, die Sprecherin des Deutschen Imkerbundes, blickt in eine düstere Zukunft: Wir gehen von einer schlechten Honigernte aus. Ein Grund sei, dass die Bienen aufgrund des milden Herbstes geschwächt in den Winter gegangen seien. Dies habe sie anfälliger für den Befall mit Varroa-Milben gemacht. Die Varroa-Milbe gilt als Hauptverursacher für das Bienensterben. Die Langzeitstudie Deutsches Bienen-Monitoring hat ergeben: Wichtigster Grund für das Bienensterben ist die Varroa-Milbe Varroa destructor. Sie ernährt sich vom Blut der Bienen. Über die Bisswunden, die die Milben den Bienen zufügen, können zusätzlich krank machende Viren in die Insekten eindringen. Imker versuchen, das durch Zucht und sorgfältige Trennung von Bienen und Brut zu verhindern. Die Milbe ist aber nicht der einzige natürliche Feind der Bienen. Auch der Nosema-Pilz und verschiedene Viren machen den Brummern in Deutschland zu schaffen. Manfred Kraft, Vorsitzender des Imkervereins Villingen, sieht eine weitere Bedrohung durch wilde Imker, die nicht in Vereinen organisiert sind. Sie haben keine soziale Kontrolle und unterstehen keinem Seuchengesetz, erklärt er. Sind wilde Bienen befallen, verbreiten sich Schädlinge problemlos. Registrierte Imker hingegen bekommen eine finanzielle Entschädigung, wenn sie ihre befallenen Bienen sterben lassen. Stark: Deutschland ist weltweit das einzige Land, das seine Imker so gut behandelt. Finanzielle Hilfen dieser Art sind einzigartig. Der Villinger geht wie viele seiner Kollegen aus der gesamten Region in Schulen und Kindergärten, um den jungen Menschen die Angst vor Bienen zu nehmen und ihnen die existenzielle Bedeutung der Tiere zu veranschaulichen. Wenn Kinder Drohnen, also männliche Bienen, die nicht stechen können, in der Hand halten, bewirkt das Wunder, sagt Bianca Duventäster vom Imkerverein Stockach.

4 Wie oft eine Biene für ein halbes Kilo Honig um die Welt fliegen muss und andere Fakten aus dem Insektenleben Die Geschichte der Imkerei ist eng mit der Geschichte der Menschheit verbunden. Seit Jahrtausenden werden Bienen wegen ihrer Produkte wie Wachs und Honig vom Menschen genutzt und gehalten. Majestätisch: Die Königin (Mitte), umringt von Hofstaat und Arbeiterinnen. Die Historie: Die moderne Imkerei hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert mit der Umstellung von der Korbimkerei zur Kastenimkerei mit beweglichen Waben, die sich zur heutigen Magazinimkerei entwickelt hat.bei der Korbimkerei wurde nur natürlich anfallenden Bienenschwärmen eine Nisthöhle gegeben; bei der Ernte von Honig und Bienenwachs wurde das Wabenwerk herausgeschnitten. Es gibt 30 bis Bienenarten. Nur wenige leben in Völkern wie unsere Honigbiene. Die meisten sind Einzelgänger. Der Beruf: Neben den Hobbyimkern gibt es auch Berufsimker. Die Ausbildung hat einen langen geschichtlichen Hintergrund auch die Zeidler des Mittelalters haben ihr Wissen an nachfolgende Generationen weitergegeben. Die Imkereiausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Imkerei erfolgt im anerkannten Ausbildungsbetrieb und dauert drei Jahre.

5 Der Honig: Ein Kilo Honig ist die Lebensarbeit von 400 Bienen. Sie müssen dafür 1,5 Millionen Blüten besuchen. Die Biene legt in ihrer Lebenszeit geschätzte 8000 Kilometer zurück, um täglich bis zu Blüten zu bestäuben. Für ein halbes Kilo Honig legt eine Biene eine Strecke zurück, die einem Flug dreimal um die Erde entspricht. Danach etwa sechs Wochen später stirbt die Biene an Überarbeitung. Honig ist trotz der eingesetzten Chemikalien eines der reinsten Lebensmittel. Er besteht aus etwa 200 Inhaltsstoffen. Typische Inhaltsstoffe sind Zuckerarten wie Frucht- oder Traubenzucker, Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe. Das Wachs: Ein Bienenvolk (ca Arbeitsbienen) erzeugt jährlich 500 Gramm Bienenwachs. Ungefähr 1,25 Millionen Wachsschüppchen sind notwendig, um ein Kilogramm Wabenbau zustande zu bringen. Die Süße: Bienen sind die ältesten bekannten Süßstofflieferanten für den Menschen, 8000 Jahre alte Abbildungen von Honigwaben aus einem Tempel in Anatolien zeugen davon. Die Entwicklung: Vom Ei bis zur fertigen Biene vergehen 21 Tage. Die Entwicklung für eine Drohne (Männchen) dauert 24 Tage, die einer Königin 16 Tage. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen weibliche Bienen, aus den unbefruchteten die männlichen Drohnen. Jedes befruchtete Ei und jede noch nicht drei Tage alte Arbeiterinnen-Larve kann Königin werden. Drohnen sind wichtig für die Befruchtung, auch wenn es keinen Bienenvater gibt da Drohnen nur aus unbefruchteten Eiern schlüpfen. Nach der Begattung der Königin sterben sie. Das Haustier: Bienen sind zahlenmäßig gesehen unsere Haustiere Nummer eins: 52 Millionen Bienenstöcke weltweit beherbergen drei Billionen Bienen. Die Kämpfer: Bienen sind Bakterienbekämpfer. Sie werden in Obstplantagen eingesetzt, wenn diese Feuerbrand haben. Bienen, die die Blüten der erkrankten Bäume anfliegen, werden beim Verlassen der Bienenstöcke mit Gegenmittel eingenebelt und bringen dies zu den Blüten. Die Pollen und der Nektar: Bienen brauchen Blumen zum Überleben. Blütenpollen sind wichtig für die Ernährung der Bienenbrut und der jungen Bienen. Nektar liefert die nötige Energie zum Fliegen, er ist so etwas wie das Benzin der Bienen. Sie benötigen eine große Blumenvielfalt, um über das ganze Jahr hinweg gut ernährt zu sein. Auf dem Land gibt es diese Vielfalt immer weniger. Die extrem ertragsorientierte Landwirtschaft mit Monokultur- Flächen steht in Verdacht, den Bienen zu schaden. Viele Wiesen werden schon vor der Blüte gemäht, damit geht Bienennahrung verloren. Die Folge ist Mangelernährung. In Städten: Auch große Gärten mit einem reichhaltigen Blütenangebot werden rar auf dem Land. Es fehlt die Vielfalt. All das führt dazu, dass es viele Imker und Bienen in die Stadt zieht. Dort gibt es inzwischen durch Blütenpracht in Parks und auf Balkonen mehr Futter. Dementsprechend wächst die Zahl der Stadtimker. Die Insektiziden: Clothianidin gehört zu den Neonicotinoiden, einer Gruppe von hochwirksamen Insektizide, unter denen Bienen leiden. Es ist ein Nervengift, das Maispflanzen gegen den Maiswurzelbohrer immunisieren soll. Es wird nicht wie viele andere Mittel über die Felder gesprüht, sondern es ummantelt als Beizmittel das Samenkorn. Diese Ummantelung kann sich jedoch in der Sämaschine lösen, pulversiert in die Luft gelangen und durch den Wind in die Umgebung, auf Raps-, Baum- und Wildstaudenblüten geblasen werden. Die Bienen nehmen dieses Gift auf und verenden innerhalb von fünf Minuten. (aks)

6 :37 Exklusiv Themen des Tages Bienen-Wunschliste In der Frühlingszeit ist der Tisch der Bienen noch reichlich gedeckt, im Sommer sieht es allerdings mager aus Honigbienen müssen teilweise bereits gefüttert werden, weil die Auswahl an Sommerblühern nicht mehr ausreicht. Von einer Tracht wird dabei immer dann gesprochen, wenn die Honigbienen mehr Nahrung in den heimischen Bienenstock eintragen, als sie momentan selbst verbrauchen. Zu den beliebtesten und besten Trachtquellen der Bienen zählen: Große Bäume: Winterlinde, Honigtau, Berg-Ahorn, Pagodenbaum, Sommerlinde, Feld- und Spitz- Ahorn, Ess- und Rosskastanie, Robinie, Vogelkirsche, Bienenbaum. Sträucher: Faulbaum, Wildrosen, Liguster, Elsbeere, Felsenbirne, Feuerdorn, Hartriegel, Heckenkirsche. Kräuter: Thymian, Rosmarin, Pfefferminze, Lavendel. Weitere Möglichkeiten sind die Begrünung von Mauern, Einfriedungen zum Beispiel mit selbstklimmenden Kletterpflanzen wie Efeu oder wildem Wein, Einsaaten von Brachflächen, zum Beispiel noch nicht genutztes Bauland, mit Bienenweide Begrünung von Flachdächern oder ganz simpel gut bestückte Blumenkästen auf dem heimischen Balkon.(aks)

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