16. Juni 2007, Marburg

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1 Der Beirat Arbeit und Wohnen der Bundesvereinigung Lebenshilfe sagt seine Meinung zum Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen der Vereinten Nationen 16. Juni 2007, Marburg

2 Der Beirat Arbeit und Wohnen ist eine Gruppe zur Mitbestimmung der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Behinderte Menschen aus allen Bundesländern sagen Ihre Meinung. Sie tragen so dazu bei, dass sich alle in der Lebenshilfe eine Meinung bilden können. So können gute Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, wenn es um Arbeit und Wohnen geht. In der Sitzung am 15. und 16. Juni 2007 hat sich der Beirat ausführlich mit der neuen Übereinkunft der Vereinten Nationen zu den Rechten behinderter Menschen beschäftigt. Er hat seine Meinung erarbeitet. Christoph Graf ist der Vorsitzende des Beirates 2

3 Von den Unterstützern des Beirates ( Ulrich Niehoff und Ulrich Walter) wurde erklärt, was die Vereinten Nationen sind. Es wurde auch erklärt, was eine Übereinkunft ist. Die Unterstützer haben einen Überblick über die Übereinkunft gegeben. Eine Auswahl von 14 Artikeln der Konvention wurden vorgestellt. Ausgewählt wurden sie in Abhängigkeit der Wichtigkeit der Themen für die Beiratsmitglieder. Die Beiratsmitglieder wählen die wichtigen Themen aus. 3

4 Jedes Beiratsmitglied bekam dann eine Anzahl an Klebepunkten, um sie zu den wichtigsten Themen zu kleben. Dann wurde geschaut, welche Themen am meisten Punkte hatten, und die wurden dann mit folgendem Ergebnis besprochen: Es ist gut, dass es endlich ein Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen gibt. Es ist auch gut, dass die Rechte in allen Ländern der Erde gelten sollen. Alle haben das Recht zu leben, wie sie sind. 4

5 Wir finden es gut und richtig, dass hier mal die behinderten Menschen gefragt wurden. Alle Arten von Behinderungen sind daran beteiligt worden. Der Beirat Arbeit und Wohnen hat sich viele Punkte angeguckt. Zu einigen will er seine Meinung sagen. Artikel 22: Achtung der Privatsphäre: Für uns heißt das: Ich möchte nicht gestört werden! Uns ist besonders wichtig, dass die Privatsphäre geachtet wird. Bitte anklopfen, bevor ein Privatzimmer betreten wird! Es gibt auch peinliche Situationen, in denen man nicht gestört werden will. Nur im Notfall darf das Zimmer ohne Erlaubnis betreten werden. Absprachen treffen, damit die Privatsphäre des Anderen respektiert wird. Zum Beispiel wird verabredet, dass nur alle 2-3 Wochen das Zimmer kontrolliert wird. Die ständigen Ausreden der Betreuer, warum sie ohne zu Fragen reinkommen und ständig kontrollieren, sollen aufhören. 5

6 Artikel 21: Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen: Für uns heißt das: Leichte Sprache überall! Es gibt viele Gesetze, die wir nicht verstehen können. Auch in Behörden gibt es viele Formulare, die kein Mensch versteht. Manchmal verwenden bestimmte Menschen mit Absicht schwierige Sprache, zum Beispiel Politiker, Richter, Anwälte, Ärzte oder Bankangestellte, damit man sie nicht versteht. Das ist dann ärgerlich und wir fühlen uns ausgegrenzt. Wir fordern deshalb eine Sprache, die ALLE verstehen. Auch das Übereinkommen ist nicht in leichter Sprache: Auf der einen Seite wird gesagt, alles soll in leichter Sprache zugänglich sein. Auf der anderen Seite ist das Übereinkommen selbst nicht in leichter Sprache. In Artikel 49 wird gesagt, dass das Übereinkommen in zugänglichen Formaten verbreitet wird. Für uns bedeutet das, dass das Übereinkommen in leichter Sprache und ohne Fremdwörter sein soll. Große Schrift und viele Bilder helfen beim Verstehen. Im Internet soll das für die, die nicht lesen können, angesagt werden. So wie bei lebenshilfeangesagt.de. 6

7 Artikel 9: Barrierefreiheit: Für uns heißt das: Weg mit den Hindernissen! Behinderte Menschen in der Lebenshilfe haben dazu mit der Behindertenbeauftragten, Frau Evers-Meyer, eine Tagung gemacht. Wir finden es ganz wichtig, dass es keine Hindernisse gibt! Man kann den Bericht über die Tagung bei der Lebenshilfe kaufen. Zu enge Türen, Drehtüren, zugestellte Rampen sind Hindernisse, die einem Menschen den Weg verstellen. Fehlende oder zugestellte Behindertenklos, besetzte Behindertenparkplätze, fehlende Fahrstühle in Bahnhöfen und Wohnhäusern, fehlende Ampeln sind extrem ärgerlich. 7

8 Wenn man zuwenig Geld hat, kann man nichts unternehmen. Man kann sich nichts leisten. Dann sitzt man nur noch zu Hause herum und langweilt sich. Man ist dann von der Gesellschaft ausgeschlossen. Das ist auf jeden Fall auch ein Hindernis. Für Menschen mit geistiger Behinderung ist Schrift immer ein Hindernis. Automaten, Bedienungsanleitungen, zu kleine Tasten z.b. auf Handys sind Hindernisse. Sie behindern uns. Wir wollen Geräte, vernünftige Hilfsmittel, die den Alltag leichter machen. Sie sollen für alle Menschen benutzbar sind. Wir finden es zum Beispiel gut, wenn es Türen gibt, die man ohne Klinke benutzen kann. Das nutzt allen: Menschen mit Krücken, Handwerkern mit Werkzeugkasten, wenn man schwere Tüten trägt, einen Kinderwagen schiebt, blind ist, oder wenn man eine andere Behinderung hat. 8

9 Internet sollte für alle zugänglich sein. Jedem Menschen sollte es selbst überlassen sein, ob er einen Computer haben will oder nicht. Viele Menschen mit Behinderung können sich keinen eigenen Computer leisten. Es muss Lehrgänge geben für Menschen mit Behinderungen. Sie sollen zeigen, was man alles im Internet machen kann und wie ein Computer funktioniert. Das Internet muss in leichter Sprache sein. Es soll nicht zu kompliziert und so sein, dass man sich zurechtfindet. Artikel 24: Bildung Für uns heißt das: Schule und Ausbildung gemeinsam mit Nicht-Behinderten! Wir wollen kein Zwei-Klassen-System: Hier die Behinderten, dort die Nicht-Behinderten. 9

10 Wir finden es gut, wenn man mit der gemeinsamen Ausbildung schon im Kindergarten anfängt. Es ist dann ganz selbstverständlich, wenn Menschen unterschiedlich sind. Wenn in den Schulen die Klassen gemischt sind, können auch die Schwächeren mitkommen. Dafür muss man extra Lehrer haben. Die helfen denen, die Probleme haben. Auch die Schüler können sich untereinander helfen. Wichtig ist es, gemeinsam in einer Klasse zu sein, auch wenn man nicht immer das gleiche lernt. Jeder lernt das, was er kann. Es gab und gibt ja auch Ein-Raum-Schulen, wo Schüler von der 1. bis zur 9. Klasse gleichzeitig unterrichtet werden. Da klappt es ja auch. Etwas zum Abschluss: Der Beirat Arbeit und Wohnen freut sich, dass Deutschland als eines der ersten Länder das Übereinkommen unterschrieben hat. Der Beirat Arbeit und Wohnen will auch wie die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Frau Karin Evers-Meyer, dass es jetzt schnell in Deutschland weitergeht mit der Übereinkunft! 10

11 Jetzt muss was passieren, damit die guten Ideen des Übereinkommens auch wirklich werden. Der Beirat wird immer mal wieder gucken, ob das auch passiert! Für den Beirat Arbeit und Wohnen (Christoph Graf Beiratsvorsitzender) 11

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