Anwendungssoftware Wdh.: Der Begriff des Informationssystems System: Gebilde aus mehreren Teilen, die gemeinsam wirken Informationssysteme

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1 6. Anwendungssoftware 6.1. Gliederungskriterien für Anwendungssoftware Anwendungssoftware Wdh.: Der Begriff des Informationssystems System: Gebilde aus mehreren Teilen, die gemeinsam wirken Informationssysteme - Hardware - Software: Systemsoftware (z.b. Betriebssystem, Compiler) Anwendungssoftware (z.b. Office-Paket) - Menschen in verschiedenen Rollen: Benutzer Administrator Systemanalytiker Entwickler (siehe auch Wi1-K01-14) - Organisation: Organisatorische Einbettung sämtlicher Komponenten mit Auswirkung auf Aufbau- und Ablauforganisation Wi1-K06-1

2 6.1. Gliederungskriterien für Anwendungssoftware Strukturierung von Anwendungssoftware Kriterien zur Strukturierung nach Geschäftstätigkeit - primäre Geschäftstätigkeit (Kernprozesse) - sekundäre Tätigkeiten, die primäre Tätigkeiten unterstützen nach Branchen / Wirtschaftszweigen - produzierendes Gewerbe - Einzelhandel - Finanzdienstleister -etc. Unternehmensgröße - Einzelfirma - KMU (SME) - Großunternehmen Wi1-K06-2

3 6.1. Gliederungskriterien für Anwendungssoftware Strukturierung von Anwendungssoftware Ebene in Unternehmenshierarchie - Administrationssysteme: Rationalisierung von Massenvorgängen (Automatisierung) - Dispositionssysteme Entscheidungen vorbereiten bzw. durchführen Gilt für strukturierte Problemstellungen, z.b. Bestellwesen - Planungssysteme Schlecht strukturierte Probleme mit längerem Zeithorizont Interaktive Lösungen, z.b. Investitionsentscheidung - Kontrollsysteme z.t. rückwärtsgerichtet, Entscheidungen sollen unterstützt werden (Controlling) Wi1-K06-3

4 6.1. Gliederungskriterien für Anwendungssoftware Strukturierung von Anwendungssoftware Informationspyramide (siehe auch Wi1-K04-8) Planungssystem Kontrollsystem Disposition Administration Wi1-K06-4

5 6.1. Gliederungskriterien für Anwendungssoftware Strukturierung von Anwendungssoftware Individual-Software vs. Standard-Software - Individual-Software: speziell für den individuellen Einsatzbereich entwickelt eigene Entwicklung oder Auftragsentwicklung - Standard-Software: Hersteller entwickeln Software für den anonymen Markt Wi1-K06-5

6 6.2. Standardsoftware Standardsoftware Enterprise Resource Planning Systems (ERP-Systeme) Integrierte Anwendungssoftware, die alle wesentlichen Funktionen eines Unternehmens abdeckt Begriff wird für betriebliche Standard-Software verwendet Anbieter (Beispiele): - SAP (R/2, R/3, SAP Business Suite und SAP ERP) - Oracle (E-Business Suite, PeopleSoft Enterprise, JD Edwards, Siebel) -Infor(ERP) - Microsoft (Dynamics AX, Dynamics NAV) - Sage (Sage ERP X3, bäurer, KHK) - IFS (Applications) Wi1-K06-6

7 6.2. Standardsoftware Standard- vs. Individual-Software Vorteile von Standard-Software: Kosten (Economies of Scale) Geringere Beschaffungszeit (keine Entwicklungszeit) Reife der Software, Qualität, geringere Fehlerwahrscheinlichkeit Betriebswirtschaftliches Know-how, das implizit in der Software enthalten ist (best practices) Gute Integration der einzelnen Module, wenn Module von einem Hersteller gekauft werden Überbetriebliche Integration (Schnittstellen werden geboten) Professionelle Unterstützung bei der Einführung + Schulung am Markt, z.b. - Hersteller (SAP) - IT-Berater (IBM, T-Systems, Lufthansa, Accenture, BearingPoint, Software AG) Ressourcensicht: Verfügbarkeit des IT-Personals, Auslastung Wi1-K06-7

8 6.2. Standardsoftware Standard- vs. Individual-Software Nachteile Standard-Software: Diskrepanz zwischen Anforderung des Unternehmens und Leistungsfähigkeit der Standard-Software Verlust strategischer Wettbewerbsvorteile, speziell bei Kernkompetenzen Unternehmensspezifische Modifikationen (Umprogrammieren) Probleme bei der Wartung der Software t Standard V. 4.5 V. 4.6 Unternehmensspezifische Modifikation V. 4.5'? Wi1-K06-8

9 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Nachteile Standard-Software: passt Standard-Software in betriebliche IT-Infrastruktur? Know-how in Unternehmen bezüglich Programmierung geht verloren Abhängigkeit vom Hersteller: strategische Frage mit langfristiger Bedeutung Einrichtung der Standard-Software ist komplex (Konfigurieren, Parametrisieren, Customizing) starker Trend zur Standard-Software Wi1-K06-9

10 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Typische Phasen der Software Einführung: Anforderungserhebung + Auswahl Installation Anpassung Pilotbetrieb Inbetriebnahme Nutzung + Wartung t Wi1-K06-10

11 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Auswahl + Anforderungserhebung: Zur Anforderungserhebung: Welche Funktionen / Prozesse sollen unterstützt werden? - Ist-Analyse: Darstellung der aktuellen Situation, Schwachstellen identifizieren; deskriptiv - Soll-Konzept: Ziele, wie sollen Prozesse aussehen unter Berücksichtigung des Verbesserungspotenzials und der Möglichkeiten der ERP-Software; präskriptiv - Einsatz von Geschäftsprozessmodellierung, z.b. EPK Zur Auswahl: Marktsondierung, Software-Kataloge, Auswahlsoftware; jedoch oft strategische Entscheidung - Deckung der spezifischen Anforderungen und Angebot des Herstellers - Potenzial des Herstellers, Marktabdeckung, Technologie, Marktführerschaft, Überlebensfähigkeit etc. - Modulauswahl; welche Bausteine des ERP-Herstellers sollen eingesetzt werden? Wi1-K06-11

12 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Technische Installation der Software des ERP-Herstellers oft mit Installation neuer Hardware alternativ: Software wird von einem Dienstleister betrieben Anpassung der Softwaremodule an unternehmensspezifische Anforderungen entsprechend des Sollkonzeptes in Form von: - Parametrisierung / Customizing: Auswahl der relevanten Prozesse, Daten, Formulare, Masken etc. innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Strukturen - Modifikation des Quellcodes: Umprogrammierung (z.b. bei SAP R/3, ABAP-Programme) Problem: Vorteile von Standard-Software gehen verloren, insbesondere die Verantwortung des Herstellers für Fehlerfreiheit / Fehlerbeseitigung und Versionswechsel Wi1-K06-12

13 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Pilotbetrieb Systemtest mit Echtdaten von ausgewähltem Benutzerkreis Inbetriebnahme oft mit Reorganisation der betrieblichen Prozesse; Mitarbeiterschulung Strategie für Inbetriebnahme des neuen Systems: - Stichtagsumstellung / Big Bang: Umstellung vom alten System / alter Organisationsform zum neuen System / neuer Organisationsform zu einem Zeitpunkt Gefahr: mögliche Probleme haben Auswirkungen auf laufenden Betrieb; Alt-System steht nicht mehr zur Verfügung - Parallelbetriebe Alt-System und Neu-System werden zeitweise gleichzeitig betrieben Nachteil: zwei Systeme gleichzeitig aktuell halten; hoher Aufwand / Kosten - Modulweise Umstellung: Module / Teilbereiche werden nacheinander schrittweise umgestellt Nachteil: Paralleler Betrieb von Alt- und Neu-System Datenabgleich: Prozesse laufen evtl. quer zu Alt- & Neu-System Wi1-K06-13

14 Modifikationen: Modulweise Umstellung A B A B 3. C 4. C A B A B C C Zwischenlösung ist informationstechnisch zu unterstützen, z. B. Schnittstellenprogramm Alt Neu Zwischenlösung Wi1-K06-14

15 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Unabhängig von der Umstellungsstrategie sind die Daten vom Alt-System ins Neu-System zu übernehmen Typische Schwierigkeiten: Daten im Alt-System sind nicht vorhanden Daten sind im Alt-System nicht richtig gepflegt Andere Systematik, kein Datenstrukturintegration Andere Nummerierungssystematik von Schlüsseln Wi1-K06-15

16 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Wartungsphase Software läuft produktiv Änderungen der Software: - Fehlerbeseitigung (Patch) - Änderungen aufgrund von Gesetzen, Verordnungen, Normen - Funktionale Erweiterungen In der Regel über Wartungsvertrag Wi1-K06-16

17 Vorgehensmodelle für den Einsatz von Standard-SW Beispiel: ASAP Accelerated SAP Vorgehensmodell der SAP für die Einführung von R/3 1. Project Preparation: Plan, Umfang 2. Business Blueprint: Dokumentation der business process requirements 3. Realization: Implementierung, Customizing, Testen und Training 4. Final Preparation: Komplett-Test, Benutzerschulungen und Planung des Live-Betriebes 5. Go Live Wi1-K06-17

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