Aktive Leserlenkung in "Jeder stirbt für sich allein" (Hans Fallada)

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1 Germanistik Gabriela Augustin Aktive Leserlenkung in "Jeder stirbt für sich allein" (Hans Fallada) Studienarbeit

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3 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Seite 1 2. Leserlenkung von Anfang an Seite 2 3. Die Helden des Romans: Das Ehepaar Quangel Seite 5 4. Fazit Seite 11

4 1 1. Einleitung Der letzte Roman Hans Falladas Jeder stirbt für sich allein bildet ein ausgesprochen authentisches Zeugnis vom Leben im nationalsozialistisch geprägten Deutschland und lässt auch nach über 60 Jahren den Leser kopfschüttelnd und sprachlos über den gigantischen und konsequent durchdachten Machtapparat Hitlers und dessen Grausamkeiten zurück. Erschreckend realistisch werden die Folgen für jeglichen noch so kleinen Versuch des Widerstandes aufgezeigt und auch Generationen nach den Verbrechen der Nationalsozialisten beginnen zu erahnen, unter welch enormen Druck und mit welch großer Angst ein Jeder zu leben hatte, der anderer Meinung als das NS-Regime war. Veröffentlicht im Oktober 1946, nur wenige Monate vor Falladas Tod, handelt es sich um den letzten Roman des Autors. Das Werk bildet de[n] erste[n] im Nachkriegsdeutschland entstandene[n] Roman über die antifaschistische Widerstandsbewegung [und] zeugt [ ] von Falladas echter Bereitschaft, mit der Vergangenheit abzurechnen. 1 Jeder stirbt für sich allein erzählt die Geschichte des Ehepaars Quangel, dessen schon bestehende Vorbehalte und Abneigungen dem NS-Staat gegenüber noch verstärkt werden, nachdem sie die Nachricht vom Tod des Sohnes im Krieg erreicht. Aus unterschwelliger und leiser Missbilligung der Politik Hitlers werden tiefer Hass und das zu befriedigende Gefühl, selbst aktiv zu werden im Kampf gegen undurchschaubare Abhörmethoden und ein ausgeklügeltes Spitzelsystem, Willkür in Bestrafung politischer Gegner, immer öffentlicher praktizierter Antisemitismus sowie Massendeportationen in Konzentrationslager. Das Ehepaar beginnt, Postkarten mit antifaschistischen Botschaften zu verteilen. Stets in der Hoffnung, mehr und mehr Menschen von der herrschenden Ungerechtigkeit zu überzeugen und für den Kampf gegen Hitler zu gewinnen, gehen die Quangels geschickt und vorsichtig vor. Eines Tages werden sie jedoch ihrer Taten überführt und völlig fassungslos muss Otto Quangel bei seiner Festnahme feststellen, dass der Großteil der Postkarten sofort bei der Gestapo abgegeben wurde ihr Inhalt wurde nicht verbreitet. Quangel sieht sich konfrontiert mit der immensen Angst seiner Mitbürger, unter Verdacht des Verrates zu gelangen und muss einsehen, dass er so gut wie nichts mit seinen Taten erreicht hat und dennoch 1 Gessler, Alfred: Hans Fallada. Leben und Werk, 2., durchgesehen Auflage, Berlin 1976, S. 156.

5 2 am Ende mit dem Leben dafür bezahlen muss. Bis zuletzt ungebrochen in Glaube und Überzeugung steht das Ehepaar zu seiner Meinung und wird schließlich selbst Opfer eines Regimes, das keinerlei Widerstand duldet, sei dieser noch so klein und wirkungslos. Die folgende Arbeit konzentriert sich auf das erste Kapitel des Romans, in welchem es Fallada durch aktive Leserlenkung sehr früh gelingt, Sympathie sowie Antipathie einzelnen Figuren gegenüber beim Leser zu erzeugen. Das erste Kapitel legt erstaunlich viele wichtige Grundsteine für den folgenden Handlungsverlauf. Die bewusste Leserlenkung Falladas führt dazu, dass der Leser von Beginn an die Protagonisten grob in Helden und Bösewichte einteilt und ihr Verhalten bewertet. Die großen Helden dieses Romans, das Widerstand leistende Ehepaar Otto und Anna Quangel, sollen vorgestellt werden. Im Hinblick auf ihren Charakter und ihr Handeln wird aufgezeigt, was für eine Entwicklung vor allem Otto Quangel während des Romans durchläuft. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Analyse des Schreibstils Falladas und auf welche Weise dadurch bewusst die Aufmerksamkeit und auch die Bewertung einzelner Figuren des Leser beeinflusst wird. 2. Leserlenkung von Anfang an Schon im ersten Kapitel des Romans Jeder stirbt für sich allein schafft es Hans Fallada auf außergewöhnliche Weise, Sympathien sowie Antipathien für die einzelnen Protagonisten beim Leser zu wecken. Scheinbar nebensächlich, wie zufällig und äußerst geschickt werden verschiedene Figuren eingeführt und mit einer Wertung belegt. Erst bei wiederholter Lektüre fällt die gekonnte Leserlenkung Falladas auf. Schon die ersten Seiten aus Jeder stirbt für sich allein lassen sich als sehr gelungene[n] Romananfang 2 verstehen. Eigentlich noch früher, nämlich schon beim Titel des Romans werden Gedanken und Gefühle beim Leser geweckt. Eindeutig tragische und beängstigende Assoziationen werden hervorgerufen; die Endgültigkeit, die Unabwendbarkeit des Romanausgangs spiegelt sich sowohl in der für einen Titel ungewöhnlichen Form des vollständigen Satzes 2 Kieder-Reinke, Angelika: Techniken der Leserlenkung bei Hans Fallada. Ein Beitrag zur empirischen Untersuchung des Romans Jeder stirbt für sich allein (1946), in: Europäische Hochschulschriften. Reihe I: Deutsche Sprache und Literatur, Bd. 318, Bern 1979, S. 71.

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