Freizügigkeitsmonitoring: Migration von EU-Bürgern nach Deutschland

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1 Freizügigkeitsmonitoring: Migration von EU-Bürgern nach Deutschland Bericht für das erste Halbjahr 2016

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3 Inhaltsverzeichnis 3 Inhaltsverzeichnis Einleitung 5 1. Zuwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland 6 2. Abwanderung von EU-Bürgern aus Deutschland Wanderungssaldo bei EU-Bürgern In Deutschland aufhältige Unionsbürger am

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5 Einleitung 5 Einleitung Das turnusmäßig erscheinende Freizügigkeitsmonitoring des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge berichtet über aktuelle Entwicklungen der Zu- und Fortzüge von Unionsbürgern nach bzw. von Deutschland. Hierzu werden entsprechende Auswertungen über zugezogene, aufhältige und fortgezogene Personen aus dem bundesweiten Ausländerzentralregister (AZR) vorgenommen. Es wird darauf hingewiesen, dass sich die Wanderungszahlen auf Basis des AZR von den Zahlen der auf An- und Abmeldungen basierenden, fallbezogenen Zu- und Fortzugsstatistik des Statistischen Bundesamtes unterscheiden, da die Daten des AZR personenbezogen sind und Personen darin erst registriert werden, wenn sie sich nicht nur vorübergehend, sondern länger als 90 Tage im Bundesgebiet aufhalten ( 2 Abs. 1 AZRG). Geburten ausländischer Kinder oder Sterbefälle von ausländischen Staatsangehörigen in Deutschland wurden nicht in die in Statistiken der Kapitel 1 bis 3 einbezogen. Da im AZR nur Daten ausländischer Staatsangehöriger erfasst sind, beziehen sich die Wanderungszahlen nicht auf deutsche Zu- und Abwanderer. 1 Den in diesem Bericht aufgelisteten Daten liegt ein dreimonatiger Nacherfassungszeitraum zugrunde (d.h. die Werte für das erste Halbjahr 2016 resultieren aus einer AZR-Abfrage zum Zeitpunkt ). Dadurch erhöht sich die Belastbarkeit der Daten, weil aktuelle Nachmeldungen im AZR berücksichtigt werden, die zwar erst im dritten Quartal 2016 erfolgten, jedoch noch Wanderungsvorgänge aus dem ersten Halbjahr 2016 betreffen. 90 % der im ersten Halbjahr 2016 zugewanderten Unionsbürger sind im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 64 Jahren. Aussagen über deren Teilnahme am Arbeitsmarkt sind anhand der vorliegenden AZR-Daten jedoch nicht möglich, da solche Angaben im AZR bei Unionsbürgern nicht erfasst werden. Nähere Arbeitsmarktdaten von EU-Ausländern in Deutschland (wie z.b. deren Beschäftigungsentwicklung, Arbeitslosenquoten, SGB-II-Hilfequoten) liefert der aktuelle Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der insbesondere auf originäre Datenquellen der Bundesagentur für Arbeit zurückgreift ( Neben der reinen Darstellung der nach den einzelnen EU- Staatsangehörigkeiten unterteilten Wanderungszahlen seit dem Jahr 2010 liegt in diesem Bericht ein besonderes Augenmerk auf der aktuellen Entwicklung der Zu- und Fortzüge von Staatsangehörigen aus den sog. EU-8 Staaten (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechien und Ungarn), für die seit dem die vollständige EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, aus den sog. EU-2 Staaten (Rumänien und Bulgarien), für die seit dem die vollständige EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, aus Kroatien, das zum der EU beigetreten ist und für dessen Staatsangehörige seit dem die vollständige EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, sowie aus den von der Finanz- und Wirtschaftskrise (sog. Eurokrise) besonders betroffenen vier südeuropäischen EU-Staaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit seit langem bestehender vollständiger EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit. Abgeschlossen wird dieser Bericht mit einem Überblick über die Zahl der in Deutschland aufhältigen EU-Staatsangehörigen zum Stichtag Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Bericht i.d.r. bei nicht geschlechtsneutralen Bezeichnungen die männliche Form verwendet. Die weibliche Form wird damit eingeschlossen.

6 6 Zuwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland 1. Zuwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland Im ersten Halbjahr 2016 wurden laut Ausländerzentralregister (AZR) insgesamt Zuzüge von Unionsbürgern (ohne Deutsche) nach Deutschland registriert. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Rückgang um Personen bzw. um -5,4 %. Tabelle 1 zeigt die Anzahl der seit 2010 jährlich zugewanderten Unionsbürger sowie deren prozentuale Veränderung im ersten Halbjahr 2016 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 jeweils differenziert nach den einzelnen Staatsangehörigkeiten. Tabelle 1: Anzahl der seit 2010 zugewanderten Unionsbürger nach Staatsangehörigkeit Staatsangehörigkeit Halbjahr 2016 Veränderung 1. Halbjahr 2016/2015 Belgien ,4 % Bulgarien ,7 % Dänemark ,3 % Estland ,9 % Finnland ,1 % Frankreich ,7 % Griechenland ,4 % Irland ,9 % Italien ,9 % Kroatien* ,7 % Lettland ,3 % Litauen ,1 % Luxemburg ,4 % Malta ,9 % Niederlande ,9 % Österreich ,1 % Polen ,8 % Portugal ,9 % Rumänien ,4 % Schweden ,3 % Slowakische Republik ,5 % Slowenien ,9 % Spanien ,3 % Tschechien ,8 % Ungarn ,6 % Vereinigtes Königreich ,7 % Zypern ,7 % Unionsbürger gesamt (inkl. Kroatien) ,4 % * Kroatien ist seit dem Mitglied der Europäischen Union. Aus Vergleichsgründen wurden die Zuwanderungszahlen kroatischer Staatsangehöriger hier bereits ab dem Jahr 2010 den Wanderungszahlen der Unionsbürger hinzugefügt.

7 Zuwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland 7 Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zuwanderung von Staatsangehörigen aus 12 EU-Mitgliedstaaten gestiegen und aus 15 Mitgliedstaaten gesunken. Gemessen an den absoluten Zahlen gab es den stärksten Anstieg bei kroatischen Staatsangehörigen ( Personen) und den größten Rückgang bei den Bürgern mit polnischer Staatsangehörigkeit ( Personen). Mit Blick auf die oben dargestellten Zahlen erscheint fraglich, ob der langjährige Trend einer stetig steigenden jährlichen Gesamtzuwanderung von Unionsbürgern auch im Jahr 2016 fortgesetzt wird, oder ob hier im vergangenen Jahr ein Allzeithoch erreicht wurde. Alles in allem bewegen sich die Zahlenwerte zur EU-Zuwanderung im ersten Halbjahr 2016 immer noch auf einem hohen Niveau (1. Halbjahr 2016: , 1. Halbjahr 2015: , 1. Halbjahr 2014: ). Abbildung 1: Anzahl der im ersten Halbjahr 2016 zugewanderten Unionsbürger nach Staatsangehörigkeit (Zahlen des ersten Halbjahres 2015 zum Vergleich) Rumänien Polen Bulgarien Kroatien Italien Ungarn Griechenland Spanien Frankreich Slowakische Republik Vereinigtes Königreich Portugal Österreich Niederlande Litauen Tschechien Lettland Slowenien Belgien Schweden Luxemburg Finnland Irland Dänemark Estland Zypern Malta Halbjahr Halbjahr 2015

8 8 Zuwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland Im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt Kroatiens ist seit 2013 eine stärkere Zuwanderung aus diesem Herkunftsland zu beobachten. Sowohl im Jahr 2013 als auch im Jahr 2014 verdoppelte sich die Anzahl an Zuzügen gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. Im Gesamtjahr 2015 ergab sich ein Zuwachs von 36,7 % im Vergleich zu Mit Zuwanderern von Januar bis Juni 2016 (+15,7 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2015) liegt Kroatien inzwischen an vierter Stelle im Ranking der zahlenmäßig stärksten EU- Herkunftsländer (vgl. Abbildung 1). Vor dem Hintergrund, dass bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2015 die Arbeitnehmerfreizügigkeit von Kroaten nach Deutschland noch eingeschränkt war, ist der aktuell verzeichnete Zuwachs jedoch als moderat zu werten. Auch die Zahl der zugezogenen Personen aus den EU-2 Staaten Bulgarien und Rumänien nahm nach der Einführung der uneingeschränkten EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit für diesen Personenkreis zum 1. Januar 2014 überdurchschnittlich zu: Während sich der Zuzug bulgarischer Staatsangehöriger im Jahr 2014 gegenüber 2013 um 39,8 % erhöhte, wanderten im selben Zeitraum 52,2 % mehr rumänische Bürger als im Vorjahr zu. Diese Zuwachsraten haben sich im Jahr 2015 (gemessen an den Vergleichswerten des vorangegangenen Jahres) abgeschwächt. So wanderten im Jahr ,7 % bzw rumänische Staatsbürger mehr zu als Bei bulgarischen Bürgern war ein Anstieg von 13,6 % bzw Personen (Zuwanderungsplus im Vergleich zu 2014) zu verzeichnen. Die aktuellen AZR-Zahlen für das erste Halbjahr 2016 weisen erstmalig rückläufige Werte für die Zuwanderung dieser Staatsangehörigen gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode auf. So wanderten Bulgaren (-4,7 %) und Rumänen (-3,4 %) weniger zu als im ersten Halbjahr Rumänien ist aber weiterhin das zahlenmäßig stärkste Herkunftsland mit zugewanderten Personen im ersten Halbjahr 2016, gefolgt von Polen mit Personen und Bulgarien mit Personen. Für die EU-8 Staaten gilt die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit seit dem 1. Mai Gegenüber dem Basisjahr 2010 konnte seither ein spürbarer Anstieg bei der Zuwanderung von Bürgern dieser Staaten nach Deutschland beobachtet werden. Allerdings verringerte sich von Januar bis Juni 2016 die Zuwanderung aus diesen Staaten gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um Personen (-14,2 %) auf zusammengerechnet Personen. Bei allen acht Staatsangehörigkeiten wurden Rückgänge verzeichnet; in absoluten Zahlen gemessen ist der stärkste Rückgang bei polnischen Staatsangehörigen ( Personen; -14, 8%), prozentual bei slowenischen Staatsangehörigen zu beobachten (-30,9 %; -607 Personen). Insgesamt stammen fast vier Fünftel der im ersten Halbjahr 2016 zugezogenen Unionsbürger ( Personen; 78,8 %) aus Staaten, für die erst seit kurzem die vollständige Freizügigkeit gilt (EU-8, EU-2, Kroatien). Daneben kommen insgesamt zugewanderte Unionsbürger (13,9 %) aus den von der Finanz- und Wirtschaftskrise besonders betroffenen südeuropäischen EU-Staaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Bezüglich der Zuwanderung aus den letztgenannten vier Staaten wurde im Zeitraum Januar bis Juni 2016 einzig bei Griechenland (+720 Personen; +7,4 %) eine höhere Zuwanderung als im entsprechenden Vorjahreszeitraum verzeichnet. Den stärksten Rückgang gab es hier bei italienischen Staatsangehörigen ( Personen; -7,9 %). Aussagen über die Teilnahme dieser Zuwanderer am deutschen Arbeitsmarkt sind anhand der vorliegenden AZR- Daten nicht möglich, da hierfür notwendige Angaben zu Unionsbürgern im AZR nicht erfasst werden. Nähere Arbeitsmarktdaten von EU-Ausländern in Deutschland (wie z.b. deren Beschäftigungsentwicklung, Arbeitslosenquoten, SGB-II-Hilfequoten) liefert der aktuelle Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der insbesondere auf originäre Datenquellen der Bundesagentur für Arbeit zurückgreift und die Arbeitsmarktsituation u.a. von den EU-2 Staatsangehörigen analysiert ( Zuwanderungsmonitor_1609.pdf).

9 Zuwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland 9 Alter der im ersten Halbjahr 2016 zugewanderten EU-Bürger Wie aus den Zahlenwerten der nachfolgend dargestellten Tabelle 2 hervorgeht, sind 89,8 % der EU-Zuwanderer des ersten Halbjahres 2016 im erwerbsfähigen Alter von 16 bis 64 Jahren. Der größte Anteil entfällt dabei auf die Altersgruppe der 25- bis unter 35-Jährigen. Bei der großen Mehrheit der EU-Länder ist der Anteil in dieser Altersgruppe am höchsten. Die hier vorliegende charakteristische Altersverteilung lässt eine hohe Erwerbsbeteiligung der EU-Zuwanderer vermuten. Nur bei Zuwanderern aus Frankreich, Irland und Luxemburg liegt der Maximalwert in der noch jüngeren Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen. Möglicherweise ist dies zumindest teilweise auf die in Deutschland studierenden Unionsbürger zurückzuführen. Da im AZR bei Unionsbürgern der Aufenthaltszweck nicht erfasst wird, sind derartige Schlussfolgerungen jedoch nur spekulativ. Tabelle 2: Verteilung der im ersten Halbjahr 2016 zugewanderten EU-Ausländer nach Staatsangehörigkeit und Altersgruppen Alter in Jahren Staatsangehörigkeit 0 < < < < < < < Summe Belgien Bulgarien Dänemark Estland Finnland Frankreich Griechenland Irland Italien Kroatien Lettland Litauen Luxemburg Malta Niederlande Österreich Polen Portugal Rumänien Schweden Slowakische Republik Slowenien Spanien Tschechien Ungarn Vereinigtes Königreich Zypern Summe

10 10 Abwanderung von EU-Bürgern aus Deutschland 2. Abwanderung von EU-Bürgern aus Deutschland Im Berichtshalbjahr 2016 sind laut AZR insgesamt Unionsbürger (ohne Deutsche) aus Deutschland fortgezogen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 ( Fortzüge) nahm die Abwanderung damit um 16,3 % zu. Die meisten Fortzüge waren bei rumänischen ( Personen), gefolgt von polnischen ( Personen) und bulgarischen Staatsangehörigen ( Personen) zu verzeichnen. Detaillierte länderspezifische Informationen zur Abwanderung von Unionsbürgern aus Deutschland seit 2010 sind der Tabelle 3 sowie der Abbildung 2 zu entnehmen. Tabelle 3: Anzahl der seit 2010 abgewanderten Unionsbürger nach Staatsangehörigkeit Staatsangehörigkeit Halbjahr 2016 Veränderung 1. Halbjahr 2016/2015 Belgien ,8 % Bulgarien ,5 % Dänemark ,0 % Estland ,8 % Finnland ,4 % Frankreich ,8 % Griechenland ,6 % Irland ,6 % Italien ,6 % Kroatien* ,6 % Lettland ,9 % Litauen ,3 % Luxemburg ,3 % Malta ,0 % Niederlande ,0 % Österreich ,9 % Polen ,2 % Portugal ,2 % Rumänien ,4 % Schweden ,7 % Slowakische Republik ,2 % Slowenien ,3 % Spanien ,4 % Tschechien ,5 % Ungarn ,5 % Vereinigtes Königreich ,3 % Zypern ,4 % Unionsbürger gesamt (inkl. Kroatien) ,3 % * Kroatien ist seit dem Mitglied der Europäischen Union. Aus Vergleichsgründen wurden die Fortzugszahlen kroatischer Staatsangehöriger hier bereits ab dem Jahr 2010 den Wanderungszahlen der Unionsbürger hinzugefügt.

11 Abwanderung von EU-Bürgern aus Deutschland 11 Abbildung 2: Anzahl der im ersten Halbjahr 2016 abgewanderten Unionsbürger nach Staatsangehörigkeit (Zahlen des ersten Halbjahres 2015 zum Vergleich) Rumänien Polen Bulgarien Ungarn Italien Kroatien Griechenland Spanien Frankreich Slowakische Republik Niederlande Österreich Tschechien Portugal Vereinigtes Königreich Litauen Lettland Slowenien Schweden Belgien Finnland Dänemark Luxemburg Irland Estland Zypern Malta Halbjahr Halbjahr 2015 Grundsätzlich ist anzumerken, dass der Umfang der Abwanderung von EU-Bürgern u.a. von der Höhe der Zuwanderung der vorhergehenden Jahre (vgl. Kapitel 1) sowie von der Anzahl der zuletzt in Deutschland lebenden EU-Bürger (vgl. Kapitel 4) abhängt. Anstelle der Abwanderung wird daher der Wanderungssaldo bezüglich der einzelnen EU-Staaten in Kapitel 3 detaillierter analysiert.

12 12 Wanderungssaldo bei EU-Bürgern 3. Wanderungssaldo bei EU-Bürgern Der Wanderungssaldo gibt die Nettozuwanderung an und berechnet sich aus der Differenz von Zuzügen und Fortzügen. Damit lassen sich Aussagen über die Veränderung der ausländischen Bevölkerungsgruppen und somit auch Tendenzen über den Verbleib dieser Zuwanderergruppen in Deutschland treffen. Grundsätzlich sollte bei der Bewertung der Nettozuwanderung aus den einzelnen Herkunftsländern auch die Zahl der aufhältigen Bürger dieser Länder in Deutschland beachtet werden (vgl. Kapitel 4). Tabelle 4: Wanderungssaldo von Unionsbürgern (in Personen) nach Staatsangehörigkeit seit 2010 Staatsangehörigkeit Halbjahr 2016 Veränderung 1. Halbjahr 2016/2015 Belgien ,9 % Bulgarien ,0 % Dänemark ,1 % Estland ,4 % Finnland ,8 % Frankreich ,8 % Griechenland ,3 % Irland ,1 % Italien ,4 % Kroatien* ,4 % Lettland ,7 % Litauen ,1 % Luxemburg ,0 % Malta ,5 % Niederlande ,1 % Österreich ,9 % Polen ,9 % Portugal ,6 % Rumänien ,7 % Schweden ,6 % Slowakische Republik ,9 % Slowenien ,5 % Spanien ,5 % Tschechien ,3 % Ungarn ,3 % Vereinigtes Königreich ,5 % Zypern ,3 % Unionsbürger gesamt (inkl. Kroatien) ,4 % * Kroatien ist seit dem Mitglied der Europäischen Union. Aus Vergleichsgründen wurden die Zu- und Fortzugszahlen kroatischer Staatsangehöriger hier bereits ab dem Jahr 2010 den Wanderungszahlen der Unionsbürger hinzugefügt.

13 Wanderungssaldo bei EU-Bürgern 13 Wie Tabelle 4 zu entnehmen ist, verzeichnete Deutschland in den letzten Jahren gegenüber jedem einzelnen EU-Staat kontinuierlich Wanderungsgewinne (einzige Ausnahme war der negative Wanderungssaldo beim Herkunftsland Kroatien im Jahr 2010, welches damals jedoch noch kein EU-Mitglied war). Diese Wanderungsgewinne setzten sich auch im Zeitraum bis fort. So wanderten in dieser Zeit ausländische Unionsbürger mehr nach Deutschland zu als von Deutschland ab. Das bedeutet jedoch einen Rückgang der Nettozuwanderung im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um Personen bzw. -19,4 %. Abbildung 3 zeigt die nach Höhe sortierte Nettozuwanderung der EU-Bürger im ersten Halbjahr Die Herkunftsstaaten, aus denen Deutschland die höchsten Wanderungsgewinne aufzuweisen hat, sind Rumänien und Polen. Allein auf diese beiden Staaten geht die Hälfte (50,4 %) des gesamten Wanderungsgewinns Deutschlands (bei EU-Bürgern) in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 zurück. Vergleicht man die Wanderungssalden (in absoluten Zahlen) der einzelnen Staatsangehörigkeiten im ersten Halbjahr 2016 mit denen des entsprechenden Abbildung 3: Wanderungssaldo von Unionsbürgern im ersten Halbjahr 2016 nach EU-Staatsangehörigkeit (in Personen; Zahlen des ersten Halbjahres 2015 zum Vergleich) Rumänien Polen Bulgarien Kroatien Italien Ungarn Griechenland Spanien Frankreich Slowakische Republik Litauen Vereinigtes Königreich Portugal Österreich Tschechien Niederlande Lettland Slowenien Irland Belgien Luxemburg Schweden Finnland Dänemark Estland Zypern Malta Halbjahr Halbjahr 2015

14 14 Wanderungssaldo bei EU-Bürgern Abbildung 4: Vergleich der Nettozuwanderung von EU-8 Staatsangehörigen zwischen dem ersten Halbjahr 2015 und dem ersten Halbjahr Estland Slowenien Lettland Tschechien Litauen Slowakische Republik Ungarn Polen Halbjahr Halbjahr 2016 Vorjahreszeitraums, so weist das Herkunftsland Kroatien mit Personen die größte Zunahme auf (näheres zur Entwicklung der Nettozuwanderung von kroatischen Staatsangehörigen siehe unten). Insgesamt ist der Wanderungssaldo bei 10 EU-Herkunftsstaaten gestiegen und bei 17 gesunken. Der größte Rückgang der Nettozuwanderung gegenüber dem Vorjahr (gemessen in absoluten Zahlen) war bei polnischen Staatsangehörigen mit Personen zu verzeichnen. Wanderungssaldo der EU-8 Staatsangehörigen Wie aus Tabelle 4 hervorgeht, machte sich die Einführung der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit für Staatsangehörige der EU-8 Staaten zum 1. Mai 2011 insbesondere bei der Entwicklung des Wanderungssaldos der polnischen und ungarischen Staatsangehörigen bemerkbar. Während der jährliche Wanderungsgewinn bei allen anderen EU-8 Staaten jeweils deutlich unter Personen lag, erreichte dieser bei den ungarischen Migranten im Jahr 2012 mit Personen seinen vorläufigen Höhepunkt. Noch weitaus stärker zugenommen hat die Nettozuwanderung aus Polen. Hier wurde mit Personen im Jahr 2013 das bisherige Maximum erreicht. Auch im ersten Halbjahr 2016 verbuchte Deutschland wieder Wanderungsgewinne von Staatsangehörigen aller EU-8 Staaten (insgesamt Personen). Setzt sich die bisherige Entwicklung im Verlauf des Kalenderjahres 2016 fort, werden die hohen Zahlen der vorangegangenen Jahre bei der Nettozuwanderung aus den EU-8 Staaten jedoch nicht mehr erreicht. So verringerte sich in den ersten sechs Monaten der Zuwanderungssaldo dieser Staatsangehörigkeitsgruppe um Personen (-30,3 %) gegenüber dem ersten Halbjahr Bei allen acht Herkunftsländern zeigten sich hier rückläufige Werte, in absoluten Zahlen gemessen am stärksten bei Polen ( Personen; entspricht -28,9 %), prozentual gesehen am stärksten bei Slowenien (-62,5 %; entspricht -702 Personen). Abbildung 4 zeigt den Vergleich der Wanderungssalden von EU-8 Staatsangehörigen zwischen dem ersten Halbjahr 2015 und dem ersten Halbjahr 2016.

15 Wanderungssaldo bei EU-Bürgern 15 Wanderungssaldo der EU-2 Staatsangehörigen Abbildung 5: Vergleich der Nettozuwanderung von EU-2 Staatsangehörigen zwischen dem ersten Halbjahr 2015 und dem ersten Halbjahr 2016 Die Wanderungssalden der Staatsangehörigen der beiden EU-2 Staaten Rumänien und Bulgarien stiegen vor dem Hintergrund des EU-Beitritts am sowie der Einführung der vollen EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem bis zum Jahr 2015 kontinuierlich an. Der Verlauf im ersten Halbjahr 2016 lässt erwarten, dass die bisherigen Rekordwerte des Jahres 2015 im aktuellen Jahr nicht mehr erreicht werden. So liegt der Wanderungsgewinn Deutschlands bei den EU-2 Staatsangehörigen im ersten Halbjahr 2016 ( Personen) um Personen unter dem Wert des ersten Halbjahrs 2015 (-18,6 %). Bei rumänischen Unionsbürgern verringerte sich die Nettozuwanderung um -17,7 % von auf Personen. Bei bulgarischen Staatsangehörigen ging der Wanderungssaldo um -21,0 % (von auf Personen) zurück (vgl. Abbildung 5) Halbjahr Halbjahr 2016 Bulgarien Rumänien Wanderungssaldo von kroatischen Staatsangehörigen Abbildung 6: Vergleich der Nettozuwanderung von kroatischen Staatsbürgern zwischen dem ersten Halbjahr 2015 und dem ersten Halbjahr 2016 Auch die Nettozuwanderung von kroatischen Staatsangehörigen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Grundlegend hierfür dürften der EU-Beitritt Kroatiens zum und die damit zusammenhängenden Erleichterungen bei der Zuwanderung und beim Aufenthalt dieser Staatsangehörigen sein. So stieg der Wanderungssaldo von Personen im Jahr 2012 auf Personen im Jahr 2013, auf Personen im Jahr 2014 und auf Personen im Jahr 2015 an. Im ersten Halbjahr 2016 wanderten Kroaten mehr nach Deutschland zu als von Deutschland ab; dies war ein Anstieg um Personen oder +8,4 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 (vgl. Abbildung 6). Berücksichtigt man, dass im ersten Halbjahr 2015 die Arbeitnehmerfreizügigkeit für kroatische Staatsbürger im noch eingeschränkt war (volle Arbeitnehmerfreizügigkeit erst seit dem ), ist der aktuelle Anstieg als vergleichsweise gering zu bewerten Halbjahr Halbjahr 2016 Kroatien

16 16 Wanderungssaldo bei EU-Bürgern Wanderungssaldo von Staatsangehörigen aus südeuropäischen EU-Mitgliedstaaten Im Zuge der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise erhöhte sich die Nettozuwanderung aus den besonders betroffenen südeuropäischen EU-Staaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien gegenüber dem Basisjahr Mit Ausnahme Italiens hatte sich das Migrationsgeschehen zwischen Deutschland und diesen Staaten jedoch schon vor 2016 wieder abgeschwächt (vgl. Tabelle 4). Insgesamt verringerten sich die Wanderungsgewinne Deutschlands bei diesen vier Herkunftsstaaten im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 um Personen (-21,0 %). Bei griechischen Staatsbürgern sank die Nettozuwanderung dabei am geringsten (von Personen auf Personen; -4,3 %). Am stärksten fiel der Rückgang bei italienischen Migranten ins Gewicht (vgl. Abbildung 7). Hier reduzierte sich der Wanderungsgewinn von Personen im ersten Halbjahr 2015 auf Personen im ersten Halbjahr 2016 (-26,4 %). Abbildung 7: Vergleich der Nettozuwanderung aus den vier ausgewählten südeuropäischen EU-Staaten zwischen dem ersten Halbjahr 2015 und dem ersten Halbjahr Portugal Spanien Griechenland Italien Halbjahr Halbjahr 2016

17 In Deutschland aufhältige Unionsbürger am In Deutschland aufhältige Unionsbürger am Nach Angaben des AZR bildeten zum Stichtag polnische Staatsangehörige mit Personen die größte Nationalitätengruppe aller EU-Ausländer in Deutschland, gefolgt von italienischen ( aufhältige Personen) und rumänischen Staatsangehörigen ( aufhältige Personen). Gegenüber dem wuchs die Zahl der aufhältigen Personen bei allen EU-Nationalitäten. 2 Die größte Zunahme gab es bei rumänischen Staatsangehörigen ( Personen bzw. +10,2 %). Abbildung 8 zeigt die Anzahl aller Unionsbürger nach Größe der einzelnen Nationalitäten in Deutschland. 2 Die Veränderung der Zahl der aufhältigen EU-Ausländer gegenüber dem Vorjahr ergibt sich aus der Nettozuwanderung, aus der Zahl der Geburten und Sterbefälle dieser Staatsangehörigen in Deutschland sowie aus der Zahl der erfolgten Einbürgerungen bzw. Staatsangehörigkeitswechsel. Hinzu kommen Veränderungen, die auf Nacherfassungen und Datenbereinigungen im AZR beruhen. Abbildung 8: Anzahl der in Deutschland aufhältigen EU-Ausländer am sowie am zum Vergleich Polen Italien Rumänien Griechenland Kroatien Bulgarien Ungarn Österreich Spanien Niederlande Portugal Frankreich Vereinigtes Königreich Tschechien Slowakische Republik Litauen Lettland Slowenien Belgien Dänemark Schweden Luxemburg Finnland Irland Estland Zypern Malta

18 Impressum Herausgeber: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Forschungszentrum Migration, Integration und Asyl Frankenstraße Nürnberg Gesamtverantwortung: Renate Leistner-Rocca Dr. Matthias Neske Redaktion: Hans-Jürgen Schmidt Wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge, Geschäftsstelle Beirat für Forschungsmigration Stand: 30. September 2016 Layout: Jana Burmeister Bildnachweis: istock: Titel Weitere Informationen finden Sie unter:

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