Evaluation der Integrationsarbeit des Landes Vorarlberg

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1 Evaluation der Integrationsarbeit des Landes Vorarlberg Ergebnisse & Erkenntnisse Kenan Güngör, Dipl. Soz., Dr. Bernhard Perchinig [think.difference] Büro für Gesellschafts und Organisationsentwicklung difference.org

2 AUFBAU DER STUDIE

3 Warum eine Evaluation? Vorarlberger Integrationslandschaft ist im hohem Maß regionalisiert und von einer Vielzahl unterschiedlicher AkteurInnen und Institutionen geprägt Gestaltungsprozesse sind weniger top down, sondern sind vielmehr über lose horizontale und vertikale Aktivitäten, Vernetzungen, Förderungen und Netzwerke von regionalen sowie überregionalen Akteuren, Systempartnern und NGO s geprägt Fest steht vieles hat sich getan und verändert: Doch über das, WAS sich WIE und WARUM verändert hat, wo man sowohl in TEILFELDERN wie auch GESAMTHAFT seht und was sich daraus PERSPEKTIVISCH ABLEITEN lässt bestand Klärungsbedarf.

4 Ziele 1. Evaluation der Integrationsarbeit und landschaft im Gesamten wie auch in Teilfeldern Schaffung eines Big Picture! 2. Aufzeigen ihrer Besonderheiten, Stärken, Schwächen & Entwicklungsbedarfe Besondere Berücksichtigung: Koordinationsstelle für Integrationsangelegenheiten okay.zusammen leben Landes bzw. Gemeindepolitik Leitbild des Landes 3. Empfehlungen für eine zukünftige Integrationspolitik Das umfasst: 1. Die Analyse der bisherigen Aktivitäten und Maßnahmen 2. Die Beschreibung der integrationspolitischen Entwicklungen samt Treiberfaktoren und Wirkungsmechanismen 3. Die Veränderungen der Rahmenbedingungen, Akteursgruppen, Netzwerke wie auch der Haltungen und Diskurse

5 Vorgehensweise Dokumentanalyse Onlinebefragung Themenworkshops Evaluationsbericht

6 Onlinebefragung: Onlinebefragung Herbst 2014, 469 ausgefüllte Fragebögen, Responsrate = 62,5% Themen 1. Fragen zur Institution 2. Verankerung des Integrationsthemas in der Institution 3. Erfahrung mit Integrationsprojekten 4. Veränderung bei Zielgruppen und Themen 5. Einschätzung der Integrationsentwicklung in Vorarlberg 6. Einschätzung der relevanten Akteure 7. Zukunftsperspektiven

7 Onlinebefragung Teilnahme nach Gruppen Bildungsbereich: Kindergärten, Schulen, Erwachsenenbild. N = 238 Bundes, Landeverwaltung, Gemeinden (inkl. Sozialpartner) N = 97 Soziales, Gesundheit, Generationen, N = 66 MigrantInnenvereine, Integration, Kultur, Religion, N = 51 Privatwirtschaft, N = 8 (nicht ausgewertet) Keine Zuordnung = 9 (nicht ausgewertet)

8 Fokusgruppen Thematische Fokusgruppen 1. Vorarlberger Integrationslandschaft 2. Integration mit oder ohne MigrantInnen? 3. Besser miteinander: Zusammenleben (lebensweltlich) 4. Integrations und diversitätsorientierte Öffnung 5. Gleichstellung, Chancengerechtigkeit und Antidiskriminierung Zwischen 6 17 TeilnehmerInnen Hohes Engagement, Offenheit, konstruktives Klima

9 WESENTLICHE ERGEBNISSE

10 1. DIE AKTEURSLANDSCHAFT

11 Integration als zentrales Handlungsfeld der Institutionen Wichtigkeit des Integrationsthemas Gemeinde 1,00 1,50 2,00 2,50 3,00 Landes & Bundesverwaltung, Sozialpartner 3,50 4,00 4,50 5,00 Bildung Integration & Kultur Soziales & Generationen Notenskala, N = 446 Wichtigkeit des Integrationsthemas

12 Schaffung institutioneller Verantwortungsstrukturen Landes & Bundesverwaltung, Sozialpartner Integration & Kultur Soziales & Generationen Ad hoc Bestellung bei Bedarf Keine formelle Zuständigkeit, aber aktive Person Formell zuständige Person Eigene Abteilung/Referat Bildung Gemeinde %, N =

13 Wachsende Zahl von Integrationsaktivitäten und Teilnehmer/innen Landes & Bundesverwaltung, Sozialpartner TeilnehmerInnen Projekte Gemeinde Bildugssektor Soziales & Generationen Integration & Kultur TeilnehmerInnen Projekte TeilnehmerInnen Projekte TeilnehmerInnen Projekte TeilnehmerInnen Projekte Weiß nicht Abnahme Gleich Zunahme %, N =

14 Vertrauen in eigene Selbstwirksamkeit Sehr hoch Hoch Mittel Landes & Bundesverwaltung, Sozialpartner Integration & Kultur Soziales & Generationen Bildung Gemeinde Niedrig Sehr niedrig %, N = 437

15 Anteil von Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund Landes & Bundesverwaltung, Sozialpartner Integration & Kultur Soziales & Generationen Weiß nicht Über 50% 10% bis 50% Unter 10% Bildung Gemeinde %, N =

16 Verankerung in Institutionen Institutionen schufen Netzwerke von Organisationen und Privatpersonen Hohe Dichte gemeinsamer Aktivitäten in Institutionen Von Einzelpersonen als gatekeepern zur institutionellen Vernetzung Hohe Übereinstimmung des Integrationsverständnisses Das Thema ist in der Mitte angekommen Aber: Es werden oft nur usual suspects erreicht Kaum Migrant/innen als Mitarbeiter/innen

17 2. WAHRNEHMUNG DER WESENTLICHEN INTEGRATIONSAKTEURE

18 Wahrgenommene Bedeutung für die eigene Arbeit Landes & Bundesverwaltung, Sozialpartner Integration & Kultur Soziales & Generationen Projektstelle okay.zusammen leben Koordinationsstelle Landesregierung Landesintegrationsleitbild Bildung Gemeinde %, N =

19 Wahrgenommener Einfluss der Integrationsakteur/innen Integrationspolitik des Bundes MigrantInnenvereine Integrationspolitik des Landes Positiv Neutral Negativ Weiß nicht Integrationspolitik der Gemeinde okay.zusammen leben %, N =

20 Treiberdynamiken Demografische Veränderungen Weiterentwicklung durch Konflikt & Polarisierung NBZ/Gemeinsam FPÖ > Druck, Investment, Pragmatismus, Einbindung Okay. zusammen leben: Impulsgeber, Verstetigung Leitbildprozesse als Lernorte & Agenda Setting Gestaltbarkeitsansatz förderte die Ermächtigung Konkurrenz & Ermutigung der Gemeinden Selbstverstärkende Treiberprozesse

21 3. WAHRNEHMUNG DER ENTWICKLUNG IM INTEGRATIONSBEREICH

22 Gute Noten für die Integrationsarbeit Note Frühe Bildung, frühe Sprachförderung 1,76 Deutschkurse für Erwachsene 1,94 Jugendarbeit 1,95 Elternarbeit 2,12 Haltung der Landespolitik zum Thema Zusammenleben 2,14 Schule 2,16 Berufsbildung 2,31 Soziales und Gesundheit 2,35 Öffentliche Diskussion zum Thema Zusammenleben 2,49 Wohnen, Freizeit und Begegnung 2,50 Wirtschaft und Arbeitsmarkt 2,69 Haltung der Zugewanderten zum Zusammenleben 2,79 Diskriminierung 2,82 Haltung der Alteingesessenen zum Zusammenleben 2,93 Notenskala, N = 322

23 Pluralismusorientierung der Integrationsakteur/innen Integration bedeutet vor allem Anerkennung der Vielfalt in der Gesellschaft. Erfolgreiche Integration verlangt auch von Alteingesessenen Veränderung. Mehrsprachigkeit sollte anerkannt und unterstützt werden. Pluralismusorientierung Maßnahmen gegen Diskriminierung sind ein wesentliches Element der Integrationsarbeit. Landes & Bundesverwaltung Gemeinden Integrationsmaßnahmen sollten vor allem für Gleichstellung sorgen. Integrationsbereich Sozialbereich Integrationsmaßnahmen sollen in den institutionellen Regelbetrieb eingebunden werden. Bildungsbereich Integrationsmaßnahmen sollten außerhalb des institutionellen Regelbetriebs stattfinden. Integrationsmaßnahmen sollten vor allem Deutschkenntnisse und Orientierungswissen vermitteln. Assimilationsorientierung Integrationsmaßnahmen sollen sich vor allem an die zugewanderte Bevölkerung richten. Schulnoten, N =

24 Politik und Haltungen Von der fehlenden zur aufholenden Integrationspolitik Von der Ignoranz zur Befassung Versachlichung, pragmatischer Zugänge Integration auf Augenhöhe : Ansprechen von Problemlagen Migrant/innen in wählbaren Position in allen Parteien Aber: Versachlichung, Kooperation eher nach Innen nicht in der Kommunikation nach Außen!

25 Integrationsdiskurs Wachsende Präsenz des Themas in der öffentlichen Diskussion Integration als normales Politikfeld Gestaltbarkeit von Integration Von Dramatisierung zur Sachlichkeit Begriffliche Differenzierung: Von Integration zum Zusammenleben und Pluralisierung Aber: Willkommenskultur für Neuzugewanderte fehlt weitgehend

26 Wirtschaft & Arbeitsmarkt Demografischer Druck: Uns gehen die Jugendlichen aus Privatwirtschaft: Ausweitung der Rekrutierungsbasis Öffentlicher Dienst Auf der Suche nach sportlichen Germanisten Segregation bei betrieblicher & überbetrieblicher Ausbildung Zweite Chance nach der Pubertät Herausforderungen Selbstverständlichkeitshorizonte Rekrutierungsstrategien und geforderte Qualifikationsprofile Diversitätsstrategien & Objektivierung im öffentlichen Bereich

27 Chancengleichheit Wesentlich von EU Entwicklung, nicht Landesebene vorangetrieben Thema liegt quer zum Fokus auf Begegnung Entwicklung von Antidiskriminierungsstrukturen hat bisher keinen großen Stellenwert Empowerment Strategien sind im Hintergrund Herausforderungen: Diskriminierung aufgrund von Herkunft und Religion auch bei Hochqualifizierten Awareness Raising und Bekanntmachen der Anlaufstrukturen

28 GESAMTBETRACHTUNG & EMPFEHLUNGEN

29 Das integrationstheoretische Analysemodell Mittel & Indikatoren Bildung Arbeit/ Beschäftigung Wohnen Gesundheit Soziale Beziehungen Soziale Brücken nach außen Soziale Bindungen nach innen Institutionelle Kontakte/Einbindung Ermöglichungsfaktoren Landessprache & sozio kulturelles Wissen Soziale Sicherheit & Stabilität Grundlage Rechte & Bürgerschaftliche Teilhabe Nach Ager/Strang 2008; leicht modifiziert nach Güngör/Perchinig 2015

30 Integrationstheoretische Gesamtbetrachtung Grundlagen Institutionelle Einbindung Gleichstellung und Maßnahmen gegen Diskriminierung Ermöglichungsfaktoren Kenntnis der deutschen Sprache Kenntnis der Alltagskultur und der zentralen gesellschaftlichen Institutionen Sicherheit und Stabilität Radikalisierung und Polarisierung Soziale Beziehungen Soziale Verbindungen zwischen Institutionen und Bevölkerung Soziale Bindungen und soziale Brücken Von institutioneller zu alltagsweltlicher Integration Mittel und Indikatoren Arbeitsmarkt

31 Empfehlungen Öffnung der öffentlichen Einrichtungen 1. Öffnung der Verwaltung weiter vorantreiben 2. Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund 3. Partizipation und Planung Schule und Arbeitsmarkt 4. Zuständigkeitsstrukturen & Lehrer/innen mit Migrationshintergrund in Schulen 5. Verbesserung des Zugangs zum privaten Arbeitsmarkt Neuzuwanderung, Flüchtlinge 6. EU Neuzuwanderung im Blick haben 7. Integration von Flüchtlingen

32 Empfehlungen Umgang mit Abwertungen 8. Ausbau einer lebensweltnahen, niedrigschwelligen Antidiskriminierungsarbeit 9. Prävention und Deradikalisierung 10. Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechtsrollenbildern weiterführen 11. Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache Langfristige Auswirkungen der sprachlichen Frühförderung im Auge haben Kursangebote für Erwachsene bedarfsgerecht weiterentwickeln Lebensweltliches Zusammenleben 12. Anerkennung und Zugehörigkeitsgefühl 13. Von institutioneller zur lebensweltlichen Begegnung 14. Entwicklung eines Monitoringsystems zur Integrationslage

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