Teil 1. Ich begrüße Sie herzlich zu meinem Kommunikationskurses! Teil 1

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1 Kommunikation 1x1 Teil 1 Ich begrüße Sie herzlich zu meinem Kommunikationskurses! In diesem Kurs zeige ich Ihnen wie Sie mit Ihrer Kommunikation die Atmosphäre in Ihrer Familie verbessern können und ich zeige Ihnen Möglichkeiten auf, einen wertvollen Kontakt zu Ihrem Kind aufzubauen. Der Kurs besteht aus drei Teilen, diese bauen aufeinander auf und enthalten Übungen zur Selbstreflexion. Daher empfehle ich Ihnen der Reihe nach vorzugehen und zwischen den jeweiligen Teilen ein oder mehrere Tage vergehen zu lassen um die einzelnen Teile zu üben. Ich schreibe immer von Kind auch wenn Ihr Kind bereits jugendlich ist, da meiner Meinung nach der Kurs auf jedes Alter übertragen werden kann. Teil 1 Kontaktaufnahme - Gesprächsbeginn: Oft beginnen Eltern (Erziehungsberechtigte, Oma, Opa.) ein Gespräch indem sie Fragen stellen. Jesper Juul nennt dies Interviewfragen. Diesen Begriff möchte an dieser Stelle übernehmen. Beispiel Ihr Kind kommt von der Schule nach Hause: Na, wie war es in der Schule? Was habt ihr denn gemacht? Hast du Hausaufgaben auf? Steht ein Test an? Musst du etwas üben? Die Antworten sind meist einsilbig und haben mit dem, was Ihr Kind derzeit wirklich emotional bewegt oft nicht viel gemeinsam. Die erste Veränderung ist jetzt: Ihr Kind kommt von der Schule nach Hause und Sie erzählen etwas von sich, was Sie gemacht haben und wie es Ihnen dabei ging. Beispiel Schön, dass du da bist. Ich war heute einkaufen und da habe ich ca. 30 min an der Kasse gestanden, ich bin so genervt. Oder: Heute ist mir beim Radfahren so richtig der Wind um die Ohren geweht, das war großartig. I

2 Zusammenfassung: Natürlich soll es etwas Authentisches sein, was Sie wirklich erlebt haben und - wie es für Sie war. Danach machen Sie eine Pause und - atmen Sie. Atmen ist immer gut, so behalten Sie den Kontakt zu sich. Sie atmen und warten, ob Ihr Kind Ihnen auch etwas erzählen möchte. Sie geben ihm den Raum dafür. Falls Ihr Kind nichts erzählen möchte, warten Sie ab und drängen es nicht. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren. Stoppen Sie Fragen zum Gesprächsbeginn - stattdessen: 1. Schauen Sie Ihr Kind an. 2. Erzählen Sie etwas von sich: Was Sie erlebt haben und - wie es Ihnen damit ging. 3. Atmen Sie viel, reden Sie wenig und geben Ihrem Kind Raum von sich zu erzählen II Tanja Göttmann

3 Reflexion An welcher Stelle wurde ich unruhig? Wie geht es mir, wenn ich meinem Kind etwas von mir erzähle? Neige ich dazu, sofort einen Kommentar abzugeben oder gar eine Lösung parat zu haben? Kann ich Schweigen zwischen meinem Kind und mir aushalten? III

4 Kommunikation 1x1 Teil 2 Ich begrüße Sie herzlich zum zweiten Teil meines Kommunikationskurses! Im ersten Teil ging es um Kontaktaufnahme bzw. Gesprächsbeginn mit Ihrem Kind. Zur Wiederholung: Stellen Sie keine Fragen, erzählen Sie etwas von sich und atmen Sie viel und reden Sie wenig, um so Raum zu gestalten, damit Ihr Kind und Sie von sich erzählen können. Erfahrungsgemäß mögen Kinder das sehr. Fiel Ihnen der erste Teil leicht? Möglicherweise sind Sie auf Schwierigkeiten gestoßen. Haben Sie eine Veränderung im Kontakt zu Ihrem Kind wahrgenommen? Und - haben Sie sich von einer neue Seite kennengelernt? Im diesem Teil liegt der Schwerpunkt darin, Gefühle Ihres Kindes zu erkennen und zu benennen. Einerseits lernen Sie dadurch Ihr Kind besser kennen und können andererseits Ihrem Kind dabei helfen, sich selbst besser kennenzulernen um sich klarer darüber zu werden, was es empfindet. So lernt Ihr Kind seine Gefühle mit Ihnen zu teilen, intensiver Kontakt wird möglich. Gehen Sie grundsätzlich davon aus, alle Gefühle sind in Ordnung! Wir sind in Ordnung mit allen Gefühlen, die wir empfinden. Es geht NICHT darum, korrigierend in unerwünschtes Verhalten einzugreifen, oder darauf zu reagieren. Sondern, Gefühle zu erkennen und zu benennen. Dadurch ermöglichen Sie Ihrem Kind die wertvolle Erfahrung, existenziell gesehen, und ohne beurteilt angenommen zu werden. Versuchen Sie die Gefühle Ihres Kindes zu erkennen und zu benennen. Gehen Sie im Gespräch von der Inhalts-, auf die Gefühlsebene. Beispiel (ich nehme gerne die Beispiele, wenn Kinder aus der Schule kommen, es sind klassische Situationen): Das Gespräch haben Sie damit begonnen, dass Sie etwas von sich erzählt haben und wie es Ihnen damit ging, danach hat Ihr Kind etwas von sich erzählt: Kevin (Freund ihres Kindes) hat voll genervt, ständig hat er mich auf dem Schulhof beleidigt. Sie: Oje, da warst du dann wohl richtig wütend? Wenn Ihnen kein Gefühl einfällt, können Sie auch sagen: Ich frage mich gerade, wie das für Dich war? Oder wenn Sie mal nicht so genau hinschauen möchten, können Sie auch eine empathische Reaktion zeigen: Oh, wie doof! oder: Mannomann, wie ärgerlich! - Sie üben, die emotionale Welt Ihres Kindes zu erfassen. Ich habe mir anfangs damit geholfen, einige Standards zu kennen, da ich aber auch Puh, wie ärgerlich empfunden habe, stimmte die Äußerung mit meinem Empfinden überein. Sonst besteht die Gefahr, dass es wie ein emotionslos auswendig gelernter Text wirkt. Wenn die Antwort Ihres Kindes auf die Frage: Ich frage mich gerade, wie das für dich war?, Scheiße ist, IV

5 gibt es auch die Möglichkeit, Ihr Kind liebevoll anzuschauen und zu sagen Ja, das glaube ich oder so ähnlich - Worte eben, die zu Ihnen passen. Im Wesentlichen geht es darum, Ihr Kind zu sehen, zu erkennen, mit dem was es empfindet. So, als unterhalten Sie sich mit einem Freund, den Sie kennenlernen möchten. Beispiel Ich habe meinen Sohn von einer Zugfahrt abgeholt, er stieg aus und erzählte mir wie schrecklich die Fahrt war, er hat neben zwei saudoofen Frauen gesessen, die die ganze Zeit laut quasselten. Klar ist es verlockend ihn zu korrigieren, dass die Frauen bestimmt nicht saudoof waren und so weiter und so weiter. Es geht jedoch darum, dass Sie sich auf den Weg machen, Ihr Kind kennen zu lernen und den Kontakt mit ihm vertiefen. Meine Antwort: Oh Gott, wie nervig. Dann machte ich eine Pause, habe geatmet und ihn angeschaut. Mit dieser Antwort war er völlig zufrieden. Ich meine, er hat sich verstanden gefühlt, nickte noch einmal zustimmend bevor wir über etwas anderes redeten. Solche Momente sind außerordentlich wertvoll. Eine andere Situation: Ihr Kind kommt vom Fußballspielen: Ey, geil heute habe ich zwei Tore geschossen, Mensch, da haste dich sicher gefreut?. Wenn Sie Ihrem Kind ein Gefühl anbieten, dann immer mit einem Fragezeichen am Ende des Satzes. Das ist wichtig, denn Sie können nicht wissen, was Ihr Kind fühlt, Sie versuchen es zu erfahren, bzw. zu erfassen. Ich wünsche Ihnen ganz viel Freude beim Ausprobieren dieses Teiles. Zusammenfassung 1. Sie hören Ihrem Kind zu, bleiben emotional bei Ihrem Kind (es geht um die Gefühle Ihres Kindes). 2. Sie gehen vom Inhalt des Gesprächs weg und achten darauf, welche Gefühle es wohl bei Ihrem Kind sein können. 3. Diese Gefühle packen Sie in Worte und am Ende des Satzes steht immer ein Fragezeichen Sie können nicht wissen welche Gefühle das sind, Sie können lediglich versuchen diese herauszufinden. 4. wenn Sie nicht so genau auf die Gefühle Ihres Kindes schauen möchten (manchmal lässt die Situation das auch nicht zu), können Sie empathisch erwidern: Oh wie nervig, Oh wie schön, Ach schade, was gerade passt wichtig ist, dass Sie dies auch empfinden. 5. dann sind Sie wieder still und atmen. V Tanja Göttmann

6 Reflexion Wie gut gelingt es mir, bei den Gefühlen meines Kindes zu bleiben? Fällt es mir eher leicht oder schwer Gefühle in Worte zu fassen? Gibt es Gefühle bei denen es mir leichter gelingt? Gibt es Gefühle bei denen ich eher Schwierigkeiten habe, diese zu akzeptieren oder auszuhalten? Neige ich dazu, meinem Kind seine Gefühle weg zureden? VI

7 Kommunikation 1x1 Teil 3 Kurzer Rückblick Im Teil 1 des Kurses ging es um den Gesprächsbeginn, meine Anregung war: Erzählen Sie etwas von sich, atmen Sie und geben Ihrem Kind Raum zu erzählen. Im Teil 2 ging es darum, die Gefühle Ihres Kindes wahrzunehmen und in Worte zu packen. Wie war das für Sie? Welche Reaktionen haben Sie bei Ihrem Kind wahrgenommen? Ist es ist Ihnen gelungen, beide Teile miteinander zu verbinden? War es für Sie leicht oder schwer bei den Gefühlen Ihres Kindes zu bleiben? Im Teil 3 geht es darum, nachdem Sie die Gefühle Ihres Kindes benannt haben, Ihre Empathie auszudrücken. Und zwar, was Sie dabei empfinden. Sie bleiben jedoch bei dem Erlebten Ihres Kindes. Ich komme noch einmal auf das Schulbeispiel zurück: Der Kevin hat mich heute die ganze Zeit genervt. Sie: Oh, da warst du wohl richtig wütend? Und dann - jetzt kommt der neue Teil: Es tut mir leid, daß du so einen Ärger in der Schule hattest! Beispiel Fußballspielen: Mensch, da haste dich wohl gefreut? Zwei Tore, ich freu mich mit. Wie schön, was ein Spaß für dich. Oder: Ich war heute in Sport der Langsamste! Oh, warst du enttäuscht? Warten Sie auf eine Antwort und dann halten Sie aus, dass es Ihrem Kind schlecht geht. Sie: Das stelle ich mir auch schrecklich vor (so langsam zu rennen). Wichtig ist, Sie bleiben weiterhin bei dem Erlebten Ihres Kindes. Verzichten Sie auf Belehrungen, Kritik, Lob und gute Ratschläge. Mit Loben rücken Sie die Leistung Ihres Kindes in den Vordergrund! Ich möchte Sie jedoch mit diesem Kurs dazu anregen, die Gefühle Ihres Kindes kennenzulernen und anzunehmen, Ihr Kind in seiner Existenz wahrzunehmen - anzuerkennen. Damit helfen und unterstützen Sie ihr Kind seine Gefühle kennen zu lernen und damit umzugehen. Um bei dem Beispiel mit dem langsamen Rennen zu bleiben: Ersparen Sie Ihrem Kind Antworten wie: Na ja, du kannst ja auch mehr trainieren, hätte ich dir gleich sagen können, so viel Süßes wie du isst. Oder auch dafür kannst Du anderes besser. Verzichten Sie auf diese Reaktion, es geht Ihrem Kind ja schon schlecht genug - und Ziel dieses Kurses ist es sowohl die Atmosphäre in Ihrer Familie als auch die Beziehung mit Ihrem Kind zu verbessern. Mit diesen negativ Antworten tragen Sie dazu bei, dass Ihr Kind Ihnen aus Selbstschutz nichts mehr erzählen wird. Es geht in diesem Kurs darum, das Erlebte Ihres Kindes zu erfassen um Türen zu öffnen, damit Ihr Kind sich Ihnen zeigen kann. So geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit sich kennenzulernen und von Ihnen gesehen zu werden. VII

8 Für mich ist es immer wieder ein wundervoller Augenblick, wenn ich beispielsweise von meinem Mann gesehen und akzeptiert werde. Auch mit Gefühlen, die in der Werteskala eher weiter unten anzutreffen sind. Wenn ich weiß, er liebt mich, wie ich bin und nicht wie er mich gerne hätte. Zusammenfassung 1. Stoppen Sie Interviewfragen, erzählen Sie von sich, was Sie erlebt haben und wie es Ihnen damit ging. 2. Erfassen Sie die Gefühle Ihres Kindes. 3. Kleiden Sie diese in Worte immer mit einem Fragezeichen am Ende des Satzes. 4. Wenn Sie nicht so genau auf die Gefühle Ihres Kindes schauen möchten, reagieren Sie empathisch (-manchmal lässt die Situation das auch nicht zu). Sie können erwidern, Oh wie nervig, Oh wie schön, ach schade - was gerade passt wichtig ist, dass Sie dies auch empfinden. 5. Bleiben Sie bei dem Erlebten Ihres Kindes und reagieren Sie mit einer persönlichen Antwort. 6. Atmen Sie viel und reden Sie wenig. 7. Verzichten Sie auf Ratschläge, Belehrungen, Lob und Kritik. Es geht um das Erleben Ihres Kindes und das Sie Ihrem Kind seine Gefühle spiegeln. Ich hoffe ich konnte Ihnen mit diesem Kommunikationskurs wertvolle Anregungen geben. Über ein Feedback von Ihnen würde ich mich sehr freuen. VIII Tanja Göttmann

9 Reflexion Erlebe ich mich auch als wertvoll, wenn ich keine klugen Tipps gebe? Wie häufig ertappe ich mich dabei, mein Kind belehren oder kritisieren zu wollen? Bei welchen Gefühlen meines Kindes ist es für mich schwierig, diese nicht zu beschwichtigen oder wegzureden? Was hindert mich daran, diese mit meinem Kind gemeinsam auszuhalten? IX

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