Per spec tives imp PersPectives MANAGeMeNt JOUrNAL eur 40 innovationslogiken Der ZUKUNFt 03 einzigartigkeit im MANAGeMeNt /12 1

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1 Per spec tives imp perspectives MANAGEMENT JOURNAL EUR 40 INNOVATIONSLOGIKEN DER ZUKUNFT /12 1 EINZ I GARTIGKEIT IM MANAGEMENT 3

2 Output Input IMP Perspectives 124

3 Roche: Die Innovationskünstler aus Basel oder wie man ein globales Pharmaunternehmen führt, das sich vollständig der Innovation verschrieben hat. Markus Anschober, IMP Josef Storf, IMP / Die Pharmabranche steht vor massiven Veränderungen. Die Patente vieler wichtiger und großer Arzneimittel laufen in den nächsten Jahren aus, die eigenen F&E-Abteilungen der großen Pharmaunternehmen bringen, trotz hohen Ressourceneinsatzes, immer weniger neue Produkte auf den Markt. Gleichzeitig haben die Anforderungen an die Entwicklung und die Vermarktung von Medikamenten dramatisch zugenommen. Dessen nicht genug, sehen sich viele Unternehmen der Branche auch einem erhöhten Preisdruck ausgesetzt, der durch die angespannte Situation der Gesundheitssysteme in vielen Ländern weiter anhalten wird. Kein leichtes Umfeld. Im Gegensatz dazu sind die globalen Wachstumsaussichten für die Branche in den nächsten Jahren aber durchaus gut. Viele langfristige Trends und Entwicklungen stützen diese Einschätzungen. Dazu kommt, dass heute immer noch 2/3 aller Krankheiten nicht behandelt werden können und sich der medizinisch-wissenschaftliche Fortschritt in einer ungemein dynamischen Phase der Entwicklung befindet, sodass man in Bezug auf zukünftige neue Lösungen und Therapieformen optimistisch gestimmt sein darf. Einige Beobachter gehen sogar so weit, zu sagen, dass die Pharmaindustrie erst am Anfang einer erfolgreichen Reise steht. Tatsache ist, dass sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen viele Pharmaunternehmen entsprechend neu positionieren und nach innovativen Geschäftsmodellen für die Zukunft suchen. Ein Unternehmen, das sich komplett der Innovation verschrieben hat und sein Geschäftsmodell der Zukunft bereits gefunden zu haben scheint, ist die F. Hoffmann-La Roche AG, eines der weltweit führenden Unternehmen der Branche. IMP sprach mit Dr. Severin Schwan, CEO der Roche-Gruppe in Basel, um mehr über das Unternehmen und dessen Zugang zu Innovation & Fortschritt zu erfahren. Lesen Sie in diesem Beitrag, warum scheinbar alte Tugenden wie Mut und Geduld dabei keine unwesentliche Rolle spielen und warum wir uns mit Dr. Schwan am 27. Mai 2021 unbedingt wieder treffen müssen

4 Mit rund Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von knapp 50 Milliarden Franken zählt Roche zu den weltweit führenden Gesundheitsunternehmen. Roche verfolgt eine fokussierte Strategie und setzt auf die Bereiche Pharma & Diagnostik. Das Unternehmen nimmt eine absolute Vorreiterrolle in Sachen Personalisierte Medizin ein dem Hoffnungsmarkt der Pharmabranche. Als größtes Biotech-Unternehmen der Welt sitzt Roche auf einer der stärksten Forschungs- und Entwicklungspipelines der Industrie. Die jährlichen F&E- Ausgaben belaufen sich auf 9 Milliarden Franken. Innovation Du siehst Dinge und fragst Warum?, doch ich träume von Dingen und sage Warum nicht? George Bernard Shaw ( ), ir. Schriftsteller IMP: Herr Dr. Schwan, was bedeutet Innovation für ein Unternehmen wie Roche? Schwan: Innovation bedeutet für uns, dass wir Lösungen in unserem Fall sind das Medikamente und diagnostische Tests anbieten, die das Leben von Menschen verlängern bzw. deren Lebensqualität deutlich verbessern. Innovation ist für Roche kein nice to have. Bei uns dreht sich alles um dieses Thema und es gibt auch keine Alternativen dazu. Ohne neue wissenschaftliche Durchbrüche bliebe unsere Produkt-Pipeline leer und wir würden spätestens nach Ablauf unserer derzeitigen Patente unsere Daseinsberechtigung als Unternehmen verlieren. IMP: Wenn man auf die Historie von Roche zurückblickt, erkennt man, dass es dem Unternehmen immer wieder gelungen ist, Neuland zu betreten. In den 1930er-Jahren war Roche das erste Unternehmen, das Vitamin C synthetisiert hat ein Meilenstein für die Behandlung von ernährungsbedingten Mangelerscheinungen. In den 1960er-Jahren erlangte Roche eine führende Stellung durch die Entdeckung der Benzodiazepine. In den 1980er-Jahren setzte man neue Standards in Bezug auf antibakterielle Behandlungen. In den 1990er-Jahren begann man, sich mit Biotechnologie zu befassen und konnte seither laufend Erfolge in diesem Bereich verzeichnen. Momentan liegt der Hauptfokus auf dem Thema Personalisierte Medizin. Was verbirgt sich hinter all diesen Erfolgen? Schwan: Wenn man im Nachhinein betrachtet, in welchen Phasen das Unternehmen sehr stark gewachsen ist, dann waren das in der Regel Phasen, die mit medizinischen Durchbrüchen verbunden waren. Hinter unseren Erfolgen standen immer wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Erfolg von Roche wurde und wird stark davon getragen, dass wir uns sehr nahe an Wissenschaft & Forschung bewegen und dass es uns immer wieder gelingt, dieses Wissen in konkrete Produkte zu übersetzen. Fortschrittsglaube Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien. Oscar Wilde ( ), ir. Schriftsteller Schwan: Es gibt heute einige Leute, die daran zweifeln, dass die Pharmaindustrie auch in Zukunft in der Lage sein wird, innovative Medikamente auf den Markt zu bringen. In diesem Zusammenhang fällt mir immer die Geschichte über den deutschen Physiker und Nobelpreisträger Max Planck ein, der im 19. Jahrhundert als Student offenbar nicht so recht IMP Perspectives 126

5 ROCHE: DIE INNOVATIONSKÜNSTLER AUS BASEL / wusste, was er studieren sollte. Also bat er seine Professoren um Rat. Diese empfahlen ihm dann einhellig, definitiv nicht Physik zu studieren und zwar deshalb, weil die Physik jetzt am Ende sei. Da kommt nichts mehr Neues, meinten sie. Der Rest ist Geschichte. Max Planck wurde der Begründer der Quantenphysik und legte die Grundsteine für viele Fortschritte des 20. Jahrhunderts. Manchmal kommt mir das auch heute noch so vor, wenn ich z. B. mit Finanzanalysten spreche, die tatsächlich und allen Ernstes sagen: The low-hanging fruits are all harvested da kommt nichts mehr! Ich sage dann immer: Das kann doch nicht sein! Das wäre so, als ob ich zu Ihnen sagen würde: Heute ist der Tag, an dem der medizinische Fortschritt stehen bleiben wird! Und wenn wir uns in zehn Jahren wieder treffen würden, dann würden wir sicher sagen: Erinnert ihr euch noch an den 27. Mai 2011? Das war das Ende des Fortschritts in der medizinischen Forschung. An diesem Tag blieb alles stehen An ein derartiges Szenario glaube ich nicht. Ich kann das natürlich nicht beweisen. Aber wir sollten uns in zehn Jahren tatsächlich wieder treffen. Dann können wir darüber reden, ob und wie sich die Wissenschaft weiterentwickelt hat und ob es Roche gelungen ist, den wissenschaftlichen Fortschritt in Produkte und Lösungen für Patienten umzusetzen. Ich persönlich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Fortschritt nicht stehen bleiben wird. Ich erzähle Ihnen das, weil es Ihnen vielleicht das Gefühl vermitteln kann, wie stark der Fortschrittsgedanke Teil des gesamten Denkens und Handelns bei Roche ist. Anfänge Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen. Aristoteles, (4.Jh.v.Chr.), griech. Philosoph IMP: Herr Dr. Schwan, Roche ist bereits heute das weltweit führende Pharmaunternehmen im Bereich der Personalisierten Medizin. Was verstehen Sie eigentlich unter dem Begriff Personalisierte Medizin und wieso ist dieses Thema für Roche so bedeutend? Schwan: Wir stehen heute vor folgender grundlegenden Situation: Einerseits haben wir für zwei Drittel aller Krankheiten derzeit überhaupt keine nennenswerten Behandlungsmöglichkeiten. Andererseits weisen diejenigen Krankheiten, für die es Medikamente gibt, lediglich Ansprechraten von durchschnittlich 50 Prozent auf. Wenn Sie also zum Arzt gehen und dieser Ihnen ein Medikament verschreibt, dann haben Sie eine ungefähr 50-prozentige Chance, dass Sie auf das Medikament ansprechen. Diese Quote hängt natürlich sehr stark vom jeweiligen Therapiegebiet ab. In manchen Gebieten, z. B. in der Anästhesie, haben Sie eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie gut ansprechen. Dann gibt es aber wiederum Bereiche, wie z. B. die Onkologie, wo die Medikamente äußerst schlecht ansprechen. Dort liegen die Ansprechraten oft bei nur 20 Prozent. Das heißt, wir haben ein und dasselbe Medikament, wenden es bei mehreren Patienten an und diese sprechen offensichtlich unterschiedlich an. Die Unterschiede sind also auf die einzelnen Patienten selbst zurückzuführen. Mit dieser Erkenntnis befinden wir uns im Kern dessen, was wir als Personalisierte Medizin bezeichnen. Vom One-size-fits-all-approach zu maßgeschneiderten Lösungen, die ihre volle Wirksamkeit entfalten können.

6 Wir befinden uns erst am Anfang einer molekularbiologischen Revolution. IMP Perspectives 128

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