Somatoformer Schwindel Psycho oder Soma<k?

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1 Somatoformer Schwindel Psycho oder Soma<k?

2 20-30% der Allgemeinbevölkerung leiden unter Schwindel Bei komplexen Schwindelsyndrome in 30-50% Diagnose eines somatoformen Schwindels (Neuhauser 2007, 2008)

3 Somatoformer Schwindel Anhaltende oder häufig wiederkehrende, als subjek4v beeinträch4gend erlebte Schwindelbeschwerden, ohne ausreichende organmedizinische Erklärung

4 Der Phobische Schwankschwindel Schwindelgefühl bzw. subjek4ve Gleichgewichtsstörung bei normalen Gleichgewichtstests Unsicherheit und Angst zu fallen (ohne reale Stürze) Auslösung durch phobische S4muli, teils auch spontan Vermeidungs- und Generalisierungstendenz Besserung durch Konsum geringer Mengen Alkohol oder Sport Häufig nach organischer Schwindelerkrankungen, schwerer Erkrankung oder emo4onaler Belastung Brandt et al.; J Neurol 1994

5 Diagnos<sche Differenzierung Schwindel Soma<sch bedingter Schwindel Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, Neuri4s ves4bularis, Morbus Menière Sekundär somatoformer Schwindel in der Folge einer organischen begründeten Schwindelerkrankung 30% aller Pa4enten mit peripheren ves4bulären Schwindelsyndromen Primär somatoformer Schwindel ohne vorherige organisch begründete Schwindelerkrankung Schmid, [ ], Lahmann; JNNP 2011 Lahmann, [ ], Schmid; Journal of Neurology 2011

6 Diagnos<sche Einordnung (Arztdiagnosen); n= 687 Pa4enten Somatoformer Schwindel Ves4buläre Migräne BPPV M.Menière Bilaterale Ves4bulopathie Ves4bularisparoxysmie Mul4sensorisches Defizit Zentraler Schwindel Neuri4s ves4bularis Polyneuropathie Unilaterales Defizit 11,7% primär somatoform 27,4% sekundär somatoform Mehrfachnennungen möglich 0% 10% 20% 30% 40% 50%

7 Diagnos<sche Einordnung (SKID- Diagnosen); bei n= 548 Pa4enten Keine Störung nach SKID- I Somatoforme Störung Angst oder Phobie Affek4ve Störung Substanzmissbrauch Essstörung Angst oder Phobie: 11.1% Spezifische Phobie 9.7% Agoraphobie ohne Panikstörung 6.0% Panikstörung mit Agoraphobie 4.4% Panikstörung ohne Agoraphobie 3.1% Generalisierte Angststörung 2.0% Soziale Phobie 0.5% Poskrauma4sche Belastungsstörung 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% Mehrfachnennungen möglich

8 Schwindel zwischen somatoform & soma<sch primär somatoform 12% sekundär somatoform 27% rein organisch 66% Lahmann, Henningsen, Dieterich, Schmid ; Deutsches Schwindelzentrum 2012

9 Somatopsychische Parallelität Direkter Link zwischen ves4bulärem System und Angst- Netzwerken (Nucleus parabrachialis Nucleus ves4bularis) Monoaminerge Transmikersysteme in beiden Systemen à Somatopsychisches Simultanmodell stau sequenziellem Coping- Modell

10 Schwindel die häufigsten komorbiden psychischen Störungen Depressive Störungen Angststörungen Somatoforme Störungen

11 Differen<aldiagnos<sche Hinweise - Polysymptoma4scher und/oder langer Krankheitsverlauf - Unspezifische Schwindelsymptoma4k - Rascher Wechsel verschiedener Schwindelformen - Zahlreiche Voruntersuchungen ohne wegweisenden Befund - Depressive und/oder ängstliche Begleitsymptoma4k - Erstmanifesta4on im Kontext belastender Lebensereignissen - Vehemente Ablehnung einer integriert bio- psycho- sozialen Perspek4ve - Starke bzw. störende Gegenübertragungsgefühle (vgl. Lahmann, [ ], Schmid 2012)

12 Psychosoziale Prädiktoren für die Entwicklung eines sekundär somatoformen Schwindels Ungüns<g Katastrophisierende Gedanken Ängstliche Erwartungshaltung Phobisches Vermeidungsverhalten Zunahme körperbezogener Ängste Gesteigertes vegeta4ves Erregungsniveau (autonomes Hyperarousal) Protek<v: Subjek4ves Wohlbefinden Kohärenzgefühl (comprehensibility, manageability, meaningfulness) Resilienz Yardley & Putnam, 1992; Best et al., 2006, 2009; Godemann et al., 2004; Tschan et al., 2011

13 Therapie des somatoformen Schwindels - Frühzei4ge Diagnosestellung - Psychoeduka4on als Basis - Ves4buläres Training - Psychotherapie klinisch wirksam, bei jedoch noch dünner Evidenzlage

14 Schwindel Angst Behandlungsgruppe Kontrollgruppe Depression ES und 95% CI

15 Therapie des somatoformen Schwindels - Frühzei4ge Diagnosestellung - Psychoeduka4on als Basis - Ves4buläres Training - Psychotherapie klinisch wirksam, bei jedoch noch dünner Evidenzlage - Gezielte Therapie komorbider psychischer Störungen (psychotherapeu4sch und/oder psychopharmakologisch)

16 Erfassen weiterer Beschwerdedimensionen Depressive Störungen Angststörungen Somatoformer Schwindel Lahmann, Henningsen, Dieterich, Schmid ; Deutsches Schwindelzentrum 2012

17 Somatoformer Schwindel - In 30-50% Ursache komplexer Schwindelbeschwerden - Phobischer Schwankschwindel als tradi4onelle Subgruppe - Nach organisch bedingtem Schwindel in ca. 30% sekundär somatoformer Schwindel - Hohe Komorbidität von Angst und depressiven Störungen - Psychoeduka4on als essen4elle Basis der Therapie - Psychotherapie ist wirksam Passung von Therapeut & Pa4ent wich4ger als therapeu4sches Verfahren - Ergänzende Psychopharmakotherapie als Op4on (v.a. SSRI & NaSSA)

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