Relative Einzelkostenrechnung
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- Richard Lang
- vor 9 Jahren
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1 PROF. DR. HEINZ LOTHAR GROB DIPL.-WIRT. INFORM. SASCHA AUSTRUP LEHRSTUHL FÜR WIRTSCHAFTSINFORMATIK UND CONTROLLING WESTFÄLISCHE WILHELMS-UNIVERSITÄT MÜNSTER Relative Einzelkostenrechnung Gut gelaufen! 1. Datensituation In der Schuhfabrik Easywalk AG soll eine relative Einzelkostenrechnung für das vergangene Geschäftsjahr durchgeführt werden. Das Unternehmen stellt sechs unterschiedliche Schuhmodelle her, die sich den drei Produktgruppen Damenschuhe, Herrenschuhe und Sportschuhe zuordnen lassen. Für die Produktgruppen der Damen- und Herrenschuhe ist der Unternehmensbereich I, für die Sportschuhe der Bereich II zuständig. Folgende Daten über die Produkte sind bekannt: Produkt Lady Elegant Business Komfort Center Court Runner GLX Produktgruppe D D H H S S Verkaufspreis pro Stück [ ] verk. Stückzahl Nord verk. Stückzahl Süd Produkteinzelkosten pro Stück [ ] Abb. 1: produktindividuelle Verkaufs- und Kostendaten Das Verkaufsgebiet der Easywalk AG ist in die Regionen Nord und Süd unterteilt. Während im nördlichen Absatzgebiet die gesamte Produktpalette angeboten wird, verzichtet das Unternehmen im Süden auf den Verkauf von Sportschuhen. Für diverse Marketingmaßnahmen fielen insgesamt Kosten in Höhe von an. Diese Kosten verteilten sich wie folgt auf die Bereiche: Damenschuhe Herrenschuhe Sportschuhe Easywalk Marketingkosten [ ] Abb. 2: Marketingkosten
2 Relative Einzelkostenrechnung Gut gelaufen! 2 Die zusätzlich anfallenden Einzelkosten können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Einzelkosten Damenschuhe Herrenschuhe Sportschuhe Unternehmensbereich I Unternehmensbereich II Verkaufsgebiet Nord Verkaufsgebiet Süd Gesamtunternehmung Abb. 3: sonstige Einzelkosten 2. Aufgaben (1) Stellen Sie verschiedene Bezugsobjekthierarchien grafisch dar! (2) Führen Sie eine relative Einzelkostenrechnung exemplarisch anhand der Bezugobjekthierarchie Unternehmen, Unternehmensbereich, Produktgruppe, Verkaufsgebiet, Produkt durch und ermitteln Sie den relativen Periodenerfolg des Unternehmens! Erläutern Sie Ihr Vorgehen! (3) Interpretieren Sie Ihre Ergebnisse!
3 Relative Einzelkostenrechnung Gut gelaufen! 3 3. Lösung (1) Bezugsobjekthierarchien Bezugobjekthierarchien können in Abhängigkeit von Auswertungszweck, konkreter Fragestellung oder gewünschter Sichtweise individuell erstellt werden. Exemplarisch sollen hier eine an der Organisationsstruktur und eine am Vertriebsweg orientierte Hierarchie dargestellt werden. Abb. 4: Bezugsobjekthierarchie nach Organisationsstruktur Abb. 5: Bezugsobjekthierarchie nach Vertriebsweg
4 Relative Einzelkostenrechnung Gut gelaufen! 4 (2) Einzelkostenrechnung für die angegebenen Bezugsobjekthierarchie Unternehmen Easywalk AG Unternehmensbereich U-Bereich I U-Bereich II Produktgruppe Damenschuhe Herrenschuhe Sportschuhe Verkaufsgebiet Nord Süd Nord Süd Nord Produkt Lady Elegant Lady Elegant Business Komfort Business Komfort Center Court Runner GLX Abb. 6: Bezugsobjekthierarchie der Aufgabe 2 Ausgehend von der Bezugsobjekthierarchie werden die angefallenen Kosten den einzelnen Objekten zugeordnet werden, bevor anschließend eine stufenweise Deckungsbeitragsrechnung zur Ermittlung des Periodenerfolgs durchgeführt wird. Aus den Erlösen und den Einzelkosten der Endprodukte werden die Produkt-Deckungsbeiträge ermittelt. Die weiteren Einzelkosten werden den jeweiligen Ebenen zugerechnet. Dabei ergibt sich die Besonderheit, dass die Einzelkosten der Verkaufsgebiete Nord und Süd nicht auf der Ebene der Verkaufsgebiete verrechnet werden können. Wie aus der Bezugsobjekthierarchie ersichtlich wird, müssten die Einzelkosten des Nordens auf die Produktgruppen Damen-, Herren- und Sportschuhe verteilt werden. Jegliche Kostenschlüsselungen sind jedoch in der relativen Einzelkostenrechnung verboten, sodass die Einzelkosten der Verkaufsgebiete erst auf der Ebene des Gesamtunternehmens (Einzelkosten Nord), bzw. auf der Ebene des Unternehmensbereichs I (Einzelkosten Süd) verrechnet werden dürfen. Die vollständige relative Einzelkostenrechnung für die angegebene Bezugsobjekthierarchie lautet daher wie folgt:
5 Unternehmen Easywalk AG Unternehmensbereich Unternehmensbereich I Unternehmensbereich II Produktgruppe Damenschuhe Herrenschuhe Sportschuhe Verkaufsgebiet Nord Süd Nord Süd Nord Schuhmodell Lady Elegant Lady Elegant Business Komfort Business Komfort Center- Runner Court GLX Verkaufspreis [ ] verk. Stückzahl Modellerlöse [ ] Produkteinzelkosten [ ] Produkteinzelkosten gesamt [ ] Produktdeckungsbeitrag [ ] Verkaufsgebietserlös [ ] Verkaufsgebietseinzelkosten [ ] Verkaufsgebietsdeckungsbeitrag [ ] Produktgruppenerlös [ ] Produktgruppeneinzelkosten [ ] Produktgruppendeckungsbeitrag [ ] Unternehmensbereichserlös [ ] Unternehmensbereichseinzelkosten [ ] Unternehmensbereichsdeckungsbeitrag[ ] Unternehmenserlös [ ] Unternehmenseinzelkosten [ ] Unternehmensdeckungsbeitrag [ ]
6 Relative Einzelkostenrechnung Gut gelaufen! 6 (3) Ergebnisinterpretation Aus der relativen Einzelkostenrechnung lassen sich vielfältige Informationen gewinnen. Die erzeugte Transparenz schafft den entsprechenden Spielraum für vielfältige Interpretationen. Die Easywalk AG erwirtschaftet erfreulicherweise einen positiven Unternehmensdeckungsbeitrag. Dieser ist in der Regel auch erforderlich, um eventuelle, nicht in der Aufgabenstellung enthaltene Perioden-Gemeinkosten abzudecken. Diese werden üblicherweise durch Merkposten, bzw. Deckungsbudgets abgebildet. Darüber hinaus wird aus der relativen Einzelkostenrechnung ersichtlich, dass einige Unternehmensbereiche das Gesamtergebnis schmälern. So weist der Unternehmensbereich II / Sportschuhe ein negatives Ergebnis auf. Hier sind weitere Analysen durchzuführen, ob z. B. die vergleichsweise hohen Marting- und Unternehmensbereichskosten reduziert werden können, ob ein Verkauf der Sportschuhe auch im Süden möglich und sinnvoll wäre oder ob gar eine komplette Stilllegung des Unternehmensbereichs II in Erwägung zu ziehen ist. Wesentlich erfreulicher sind hingegen die Ergebnisse im Unternehmensbereich I. Dennoch ist zu hinterfragen, warum sich z. B. der Damenschuh Elegant im Norden deutlich schlechter verkauft als im Süden. Ferner lassen sich auf Produkt-, Verkaufsgebiets- und Unternehmensbereichsebene Kennzahlen über die Wirtschaftlichkeit der Bereiche bilden, indem bspw. die Bereichsergebnisse ins Verhältnis zu den verkauften Schuhmengen gesetzt werden.
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