Arbeitsmarktökonomie

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1 Arbeitsmarktökonomie Arbeitslosigkeit Prof. Dr. Conny Wunsch 1 / 30

2 Überblick 1. Definition und Messung 2. Arten und Ursachen 3. Suchtheorie 4. Phillipskurve 5. Natürliche Arbeitslosenquote 6. Fazit 2 / 30

3 Erwerbslose gemäss ILO Als Erwerbslose gemäss ILO gelten Personen im Alter von Jahren, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren in den vier zuvor Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und für die Aufnahme einer Tätigkeit umgehend verfügbar wären. International harmonisierte Definition und Messung mittels Befragungsdaten. 3 / 30

4 Stellensuchende gemäss SECO 4 / 30

5 Stellensuchende gemäss SECO basierend auf administrativen Daten nicht Registrierte fehlen: Ausgesteuerte, stille Reserve Massnahmeteilnehmer fehlen Registrierung aber keine Suche Nicht international vergleichbar. 5 / 30

6 Arbeitslosigkeit in der Schweiz 6 / 30

7 Typisierung der Arbeitslosigkeit friktionelle Arbeitslosigkeit (kurzfristig) saisonale Arbeitslosigkeit (kurzfristig) konjunkturelle Arbeitslosigkeit (mittelfristig) strukturelle Arbeitslosigkeit (langfristig) lohnkosteninduzierte Arbeitslosigkeit (langfristig) 7 / 30

8 Friktionelle Arbeitslosigkeit Definition: unvollständige Informationen Stellensuche und Stellenbesetzung braucht Zeit kurzfristig, aber immer vorhanden Bekämpfung: prinzipiell keine Gegenmassnahmen erforderlich Effizienzsteigerung durch Reduktion der Informationsasymmetrien: Internetportale, öffentliche Arbeitsvermittlung, private Arbeitsvermittler, Headhunter 8 / 30

9 Saisonale Arbeitslosigkeit Definition: saisonale Schwankungen der Arbeitsnachfrage Baugewerbe, Tourismus kurzfristig Bekämpfung: prinzipiell keine Gegenmassnahmen erforderlich Förderung unterschiedlicher Tätigkeiten im Sommer und Winter 9 / 30

10 Saisonale Arbeitslosigkeit 10 / 30

11 Strukturelle Arbeitslosigkeit Definition: Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage stimmen nicht überein Arbeitsmarkt nicht flexibel genug, um dies auszugleichen qualifikatorischer Mismatch regionaler Mismatch Stichwort Strukturwandel langfristig 11 / 30

12 Strukturelle Arbeitslosigkeit Regionaler Mismatch: offene Stellen in anderen Regionen als Stellensuchende fehlende Mobilität der Firmem und Stellensuchenden Bekämpfung: Standortförderung: Subventionen oder Steuervorteile für Unternehmensansiedelung Förderung der Mobilität der Arbeitnehmer, z.b. Reduktion der Mobilitätskosten 12 / 30

13 Strukturelle Arbeitslosigkeit Qualifikatorischer Mismatch: Qualifikationsprofil offener Stellen entspricht nicht dem Qualifikationsprofil der Stellensuchenden Stichwort Strukturwandel Bekämpfung: Fortbildung und Umschulung Lohnsubventionen für Geringqualifizierte Steuerung der Ausbildungs- und Berufswahl 13 / 30

14 Strukturelle Arbeitslosigkeit Qualifikatorischer Mismatch: 14 / 30

15 Lohnkosteninduzierte Arbeitslosigkeit Lohn liegt entweder permanent oder vorübergehend über dem markträumenden Lohn Gewerkschaften langfristige Lohnkontrakte Mindestlöhne Sozialleistungen als impliziter Mindestlohn (Reservationslohn) 15 / 30

16 Lohnkosteninduzierte Arbeitslosigkeit Bekämpfung: bei nach unten rigiden Löhnen: Arbeitsnachfrage erhöhen oder Arbeitsangebot reduzieren bei permanent zu hohen Löhnen: zugrundeliegende Ursache bekämpfen z.b. Mindestlohn abschaffen oder reduzieren 16 / 30

17 Lohnkosteninduzierte Arbeitslosigkeit 17 / 30

18 Suchtheorie dynamisches Konzept: wie lange suchen? je länger Suche, desto höher möglicher Lohn aber Suche verursacht Kosten: Zeit, Geld, entgangener Lohn, psychische Kosten akzeptiere alle Lohnangebote, für die Nutzen der Jobannahme grösser als Nutzen weiterer Stellensuche Reservationslohn ist der Lohn, bei dem Nutzen der Jobannahme genau gleich gross wie Nutzen weiterer Stellensuche akzeptiere alle Lohnangebote über dem Reservationslohn 18 / 30

19 Suchtheorie 19 / 30

20 Suchtheorie 20 / 30

21 Determinanten des Reservationslohns direkte Suchkosten Wahrscheinlichkeit einen Job zu finden: Konjunktur, persönliche Charakteristika erzielbarer Lohn: Qualifikation, Erfahrung Arbeitslosenunterstützung reduziert Suchkosten: Anreiz länger zu suchen aber potenziell passenderer oder besserer Job Diskontfaktor fällt meist mit zunehmender Arbeitslosigkeitsdauer: Wegfall oder Reduzierung von Sozialleistungen, generell beschränkte finanzielle Mittel, psychische Kosten steigen 21 / 30

22 Suchtheorie 22 / 30

23 Suchtheorie 23 / 30

24 Phillipskurve Phillips dokumentierte für den Zeitraum eine negative Korrelation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Lässt hoffen, dass die Arbeitslosigkeit durch Inkaufnahme einer höheren Inflation reduziert werden könnte. Zusammenhang jedoch nicht stabil. Theoretische Argumente gegen einen solchen Zusammenhang in der langen Frist, u.a. aus der Suchtheorie. Längerfristig erhöht Inflation lediglich die Preise ohne Auswirkungen auf die Realwirtschaft. 24 / 30

25 Phillipskurve 25 / 30

26 Phillipskurve 26 / 30

27 Phillipskurve 27 / 30

28 Phillipskurve Warum ist die langfristige Phillipskurve vertikal? Stellensuchende antizipieren unerwartete Inflation nicht. Sehen höhere Nominallöhne: akzeptieren mehr/schneller Stellenangebote. Arbeitslosigkeit sinkt kurzfristig. Mittel- bis langfristig wird Inflation korrekt antizipiert und es gibt keine Lohnillusion mehr. 28 / 30

29 Natürliche Arbeitslosenquote Arbeitslosenquote im langfristigen Gleichgewicht hauptsächlich friktionelle Arbeitslosigkeit zusätzlich strukturelle und lohnkosteninduzierte Arbeitslosigkeit, wenn Ursachen auch langfristig nicht behoben werden: - permanenter Strukturwandel - demographische Entwicklung - persistente regionale Disparitäten 29 / 30

30 Fazit Arbeitslosigkeit exitiert immer und hat vielfältige Ursachen. Messung nicht unproblematisch. Institutionelle Rahmenbedingungen haben starken Einfluss. 30 / 30

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