Elektrotechnik 2. Semester
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- Jakob Bauer
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1 Elektrotechnik 2. Semester Wechselstrom- und Drehstromsysteme Wechselstromtechnik 1) Definition: Wechselstrom ist jene Stromart, bei der die Stromstärke sich periodisch nach Größe und Richtung ändert. 2) Erzeugung von Spannungen mit sinusförmigem zeitlichen Verlauf (Prinzipdarstellung): Eine Umdrehung der Leiterschleife entspricht einem Drehwinkel von 360 1
2 3) Darstellung sinusförmiger Wechselgrößen als Zeiger- und Liniendiagramm: Zeigerdiagramm Liniendiagramm Die Zeigerlänge entspricht dem Scheitelwert (Amplitude) û der Wechselspannung bzw. î deswechselstromes. Die Drehzahl je Sekunde des umlaufenden Zeigers ist gleich der Frequenz des Wechselstromes bzw. der Wechselspannung. Die Drehrichtung des umlaufenden Zeigers ist entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn (Linksdrehung ist positive Richtung). Die Ausgangslinie eines Zeigers ist die Richtung der Zeitachse. Beim Bogenmaß wird der Winkel durch die zugehörige Kreisbogenlänge des Einheitskreises beschrieben. Eine komplette Umdrehung des Zeigers Umrechnung Winkel- in Bogenmaß Winkelgeschwindigkeit ist die Winkeländerung pro Zeiteinheit. α = ω t 2
3 Funktionsgleichung (Momentanwert): u(f) = û sin (ωt) T s ms f Hz khz 1.Aufgabe: µs MHz 3
4 4) Kenngrößen: Periode vollständige Schwingung Frequenz Anzahl der Perioden pro Sekunde Periodendauer Zeitdauer einer Periode Keisfrequenz Winkelgeschwindigkeit des Zeigers Legende: (1) û = Spitze-Tal-Wert * 1 (2) û = Scheitelwert [Amplitude] * 2 (3) 1 Halbperiode [T/2] (4) 2 Halbperiode [T/2] (5) T = Periodendauer * 1 früher: Spitze-Spitze-Wert, u ss * 2 früher: Spitze-Wert, u s Ksi 4
5 5) Mittelwerte von Wechselgrößen: (1) Arithmetischer [linearerer] Mittelwert (Gleichwert): Nach DIN liegt dann eine Wechselgröße vor, wenn der arithmetische Mittelwert der Größe gleich Null ist. Der arithmetische Mittelwert liefert ein Kriterium für die Unterscheidung von Wechsel- und Mischgrößen 5
6 (2) Gleichrichtwert: Der Gleichrichtwert Ist der arithmetische (lineare) Mittelwert der Beträge Zerlegung einer Mischgröße: a) Zweiweggleichrichtung b) Einweggleichrichtung 6
7 (3) Effektivwert: Der Effektivwert einer Wechselspannung (-strom) ist der Wert, der in einem ohmschen Widerstand die gleiche Leistung umsetzt, wie bei einer gleich großen Gleichspannung (-strom). Alle Angaben in der Energietechnik erfolgen in der Regel in Effektivwerten. 45 P = I eff ² x R = (1,41A)² x 2 Ω = 4 W Auszug der Bedienungsanleitung vom Digitalmultimeter M 2032 der Firma ABB 7
8 Lösen der Aufgabe 2: Wechselstromsysteme (1) Aufgabe 2 8
9 Hinweis: True RMS Multimeter messen den Echteffektivwert Zur Messung von abweichenden Wellenformen, insbesondere Rauschen, dürfen nur Messgeräte mit exakter Bestimmung des Effektivwerts eingesetzt werden. Diese sind oft mit echter Effektivwert oder TRMS (True Root Mean Square) gekennzeichnet 6) Nullphasen- und Phasenverschiebungswinkel: Beide sinusförmige Wechselgrößen gleicher Frequenz laufen zwar gleichzeitig ab, weisen jedoch verschiedene augenblickliche Schwingungszustände auf. Die Schwingungen haben eine unterschiedliche Phasenlage (sie sind phasenverschoben). 9
10 Nullphasenwinkel ist der Winkel, den die Zeiger gegenüber der Bezugsachse bilden. Er ist bezugspunktabhängig. a) positiver Nullphasenwinkel der Schwingung x1 Momentanwertgleichung: u = û sin (ωt + φx) b) negativer Nullphasenwinkel der Schwingung x1 Momentanwertgleichung: u = û sin (ωt -φx) Phasenverschiebungswinkel zwischen zwei Wechselgrößen errechnet sich aus der Differenz der Nullphasenwinkel. φ = φ x2 φ x1 Ergebnis : Die Schwingung X 2 eilt X 1 um den Phasenverschiebungswinkel φ voraus. Sonderfälle: φ = 0 Gleichphasigkeit φ = 180 Gegenphasigkeit. Aufgabe3: Eine sinusförmige Wechselspannung u = 30 V und f = 50 Hz hat zum Bezugspunkt t o einen Nullphasenwinkel = +20. Berechnen Sie den Augenblickswert der Spannung zum Zeitpunkt t 1 = 2 ms und zeichnen Sie das Zeigerdiagramm. 10
11 7) Addition von Wechselgrößen: Zwei sinusförmige Ströme gleicher Frequenz und gleicher Phasenlage sollen addiert werden: Liniendiagramm: Addition der Augenblickswerte Zeigerdiagramm: Addition der Scheitelwerte (oder der Effektivwerte) 11
12 Zwei sinusförmige Ströme gleicher Frequenz und unterschiedlicher Phasenlage sollen addiert werden: geometrische Addition i 1 = î 1 sin (ωt + 0 ) i 2 = î 2 sin (ωt + φ 2 ) ig = îg sin (ωt + φx) Mit Hilfe des Additionstheorems: sin (α±β) = sin α x cos β±cos α x sin β 8) Messen von elektrischen Wechselgrößen: 12
13 Funktionsprinzip Messoszilloskop Position des Elektronenstrahles Bei negativer Polarität der Spannung am X-Eingang (ohne Spannung an Y-Eingang) Bei wechselnder Polarität der Spannung am X-Eingang (ohne Spannung an Y-Eingang) Bei positiver Polarität der Spannung am Y-Eingang (ohne Spannung an X-Eingang) Bei wechselnder Polarität der Spannung am Y-Eingang (ohne Spannung an X-Eingang) 13
14 Blockschaltbilder: Messoszilloskope Zweistrahl-Messoszilloskop: Zweikanal-Messoszilloskop: In vielen Fällen ist es erforderlich, zwei Kurven auf dem Schirm abzubilden. Beim Zweistrahl-Oszilloskop werden zwei getrennte Elektronenstrahlen erzeugt. Die Ablenksysteme werden durch zwei getrennte Messverstärker für die Y-Ablenkung und im allgemeinen durch einen gemeinsamem Zeitablenkverstärker angesteuert. Beim Zweikanal-Oszilloskop handelt es sich im Prinzip um ein Einstrahl-Oszilloskop, das mit zwei gleichen Vorverstärkern und einem elektronischen Schalter ausgerüstet ist. Die Eingangsspannungen werden nach erfolgter Verstärkung mit Hilfe eines elektronischen Schalters über einen gemeinsamen Endverstärker an die Y-Ablenkplatten gegeben. Messen mit dem Oszilloskop 1.Spannungsmessung Oszilloskope sind reine Spannungsmessgeräte, daher müssen alle darzustellenden Messgrößen zunächst in analoge Spannungen umgeformt werden. Messschaltung: Zur Messung der Spannung wird ein Pol der Spannungsquelle auf einen Vertikaleingang und der andere Pol auf Masse gelegt. 2.Frequenzmessung Messschaltung wie oben Zur Messung der Frequenz einer periodischen Wechselgröße (Spannung oder Strom) kann die kalibrierte Zeitablenkung des Oszilloskop benutzt werden. Bei der Messspannung ergibt der Abstand zwischen zwei Nulldurchgängen die gemessene Periodendauer, die wiederum in die Frequenz umgerechnet werden kann: f = 1/T. 14
15 3. Strommessung Da ein Oszilloskop Ströme nicht direkt messen kann, muss der Messstrom zunächst in eine analoge Spannung umgeformt werden. Dies erfolgt mit Hilfe eines ohmschen Normalwiderstandes R N. Messschaltung: Um die Messschaltung nicht zu beeinflussen, muss dieser Widerstand klein im Vergleich zu den anderen Widerständen des Stromkreises sein. Die Leistung des Widerstandes R N muss zu den zu erwartenden Messstrom angepasst sein! Der Strom kann dann mit Hilfe des Ohmschen Gesetzes bestimmt werden. 4.Phasenmessung Die Phasenverschiebung zwischen zwei Spannungen gleicher Frequenz kann mit einem Zweikanaloszilloskop bestimmt werden. Dazu wird die erste Spannung auf den ersten, die zweite Spannung auf den zweiten Y- Eingang gelegt. Aus dem horizontalen Abstand zwischen den beiden Linienbildern kann die Phasenverschiebung abgelesen werden. Messschaltung: Das Beispiel zeigt die Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom bei einem Kondensator. Vereinfachter Übersichtsplan eines Zweikanaloszilloskops 15
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18 Bsp.: Mittels eines Messoszilloskops wurde das folgende Liniendiagramm einer sinusförmigen Wechselspannung ermittelt: a) Wie lautet die Funktionsgleichung der gezeigten Wechselspannung? b) Wie groß ist der Momentanwert der Wechselspannung zum Zeitpunkt t 1 = 1 ms? 18
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22 Nichtsinusförmige Wechselgrößen 22
23 Kennwerte nichtsinusförmiger Wechselgrößen Fourieranalyse: Darstellung aller (periodischer) Funktionen durch Überlagerung von Sinus- und Cosinusschwingungen und einem Gleichwertanteil. Fourieranalyse: Darstellung aller periodischer Funktionen durch Überlagerung von Sinus- und Cosinusschwingungen und einem Gleichwertanteil. Die Frequenzen sind dabei ganz zahlige Vielfache der Grundfrequenz f 1 (-schwingung). Die Oberschwingungen (Harmonische) können die Frequenzen haben: f 2 = 2 x f 1 ; f 3 = 3 x f 1 ; f 4 = 4 x f 1. 23
24 Im Bild ist die Fouriersynthese eines Rechtecksignals dargestellt. Die Diagramme der ersten Spalte zeigen diejenige Schwingung, die in der jeweiligen Zeile hinzugefügt wird. Die Diagramme in der zweiten Spalte zeigen alle bisher berücksichtigten Schwingungen, die dann in den Diagrammen der dritten Spalte addiert werden, um dem zu erzeugenden Signal möglichst nahe zu kommen. Die Schwingung aus der ersten Zeile nennt sich Grundschwingung, alle weiteren, die hinzugefügt werden, sind so genannte Oberschwingungen (Harmonische). Je mehr solcher Vielfache der Grundfrequenz berücksichtigt werden, umso näher kommt man einem idealen Rechtecksignal. Aus der Form einer nichtsinusförmigen Wechselgröße kann man entscheiden, ob bei der Überlagerung nur ungerad zahlige Vielfache oder auch gerad zahlige oder ob ein Gleichwertanteil das Bild bestimmen: 24
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27 Frequenzkompensierter Spannungsteiler (Tastkopf) Der Eingangswiderstand heutiger Oszilloskope liegt häufig bei 1MΩ. Die parallel liegende Eingangskapazität ist etwa pf groß. Dieses bedeutet aber, dass das Eingangssignal hoher Frequenzen beeinflusst wird. Besonders störend ist dieses bei Spannungsimpulsen. Durch einen frequenzkompensierten Spannungsteiler kann dieser Messfehler ausgeglichen werden. Schaltung: Der Tastkopf mit der Anschlussleitung und die Eingangskapazität des Oszilloskopes bilden einen frequenzabhängigen Spannungsteiler. Mit einem Rechtecksignal eines Generators wird der Kondensator C 1 solange verändert, bis das Rechtecksignal optimal abgebildet ist (keine erkennbaren Verzerrungen). Das Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangsspannung bestimmt das Spannungsteilerverhältnis. 27
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