Kostenstellenrechnung



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92 Kostenstellenrechnung Kostenstellenrechnung zweite Stufe der Kostenrechnung: wo sind die Kosten angefallen? direkte Zuordnung von Kosten auf Kostenträger? bei Einzelkosten unproblematisch bei Gemeinkosten nur sinnvoll, wenn ein proportionaler Zusammenhang zwischen Einzelkosten und Gemeinkosten besteht (nur äußerst selten der Fall) Kostenstellen nach einem vorgegebenen System (Kostenstellenplan) definierte betriebliche Orte der Kostenentstehung Hauptkostenstellen: Leistungen werden für Kostenträger erbracht Hilfskostenstellen: Leistungen werden für andere Kostenstellen erbracht Aufgaben der Kostenstellenrechnung verursachungsgerechte Zuordnung von Kosten in Kostenstellen auf Kostenträger Schaffung einer verlässlichen Datenbasis für die Kalkulation mit Zuschlagssätzen evtl. Kontrolle der Wirtschaftlichkeit anhand der Normalkosten

93 Kostenstellenrechnung Verfahren der Kostenstellenrechnung Kostenstellenrechnung Übernahme der Gemeinkosten aus der Zuordnung der Gemeinkosten auf Kostenstellen Kostenstellen- Einzelkosten lassen sich für die einzelnen Kostenstellen exakt ermitteln, z.b. mit Strom- und Wasserzählern oder Kalorimetern Kostenstellen- Gemeinkosten lassen sich für die einzelnen Kostenstellen nur mit Hilfe von Schlüsseln ermitteln, z.b. anhand der Fläche oder Mitarbeiteranzahl Abrechnung der Hilfskostenstellen auf andere Hilfskostenstellen bzw. Hauptkostenstellen Zuordnung der Kosten in Hauptkostenstellen auf Kostenträger übliches Verfahren: Definition von Zuschlagsätzen auf die Einzelkosten

94 Kostenstellenrechnung Verfahren der Kostenstellenrechnung Einzelkosten Gesamtkosten Kostenstellenrechnung Gemeinkosten KSt 1 KSt 2 KSt 3 KSt 4 KSt Kostenträger A Kostenträger B Kostenträger

95 Kostenstellenrechnung Hierarchie bei der Abrechnung von Hilfskostenstellen Kostenstellenrechnung 1. vorgelagerte Hilfskostenstellen, die ihre Leistungen für andere Hilfs- und Hauptkostenstellen erbringen z.b. Stromerzeugung mit Betriebsgenerator 2. nachgelagerte Hilfskostenstellen, die bereits Leistungen von vorgelagerten Hilfskostenstellen erhalten haben und die ihre Leistungen für weitere nachgelagerte Hilfs- und Hauptkostenstellen erbringen z.b. Betriebskantine, die Strom vom Betriebsgenerator bezieht 3. nachgelagerte Hilfskostenstellen, die bereits Leistungen von vorgelagerten Hilfskostenstellen bezogen haben und die ihre Leistungen nur für Hauptkostenstellen erbringen z.b. Wartungsteam, das in der Betriebskantine isst und für die Wartung der Produktionsanlagen zuständig ist

96 Kostenstellenrechnung Definition von Kostenstellen entsprechend Kostenstellenrechnung der räumlich geografischen Gegebenheiten mehrere betriebliche Funktionen an einem Standort werden als Kostenstelle erfasst z.b. Niederlassung = Kostenstelle der Verantwortungsbereiche jeder Verantwortungsbereich (z.b. Arbeitsplatz, Arbeitsgruppe, Abteilung, Werkshalle, Standort usw.) wird als Kostenstelle erfasst und separat von anderen Verantwortungsbereichen beurteilt zwingende Voraussetzung für die Umsetzung von Managementkonzepten, die auf der Einhaltung von Budgets oder der Erreichung von Ergebnissen (z.b. Gewinn, Kosten) aufbauen

97 Kostenstellenrechnung Definition von Kostenstellen entsprechend Kostenstellenrechnung der betrieblichen Funktionen Allgemein : Hilfskostenstellen, die Leistungen für eine Vielzahl von Kostenstellen in anderen Funktionsbereichen erbringen, z.b. Beleuchtung und Heizung Material : Hauptkostenstellen, die Leistungen in Zusammenhang mit dem Material (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse) erbringen, z.b. Beschaffung, Lagerung und Verteilung Fertigung : Haupt- und Hilfskostenstellen, die Leistungen in Zusammenhang mit der Fertigung erbringen Verwaltung : Hauptkostenstellen, die Verwaltungsleistungen erbringen, z.b. Geschäftsführung, Buchhaltung, Personalwesen und Öffentlichkeitsarbeit Vertrieb : Hauptkostenstellen, die Leistungen in Zusammenhang mit dem Absatz der Erzeugnisse erbringen, z.b. Warenlager, Versand und Kundendienst

98 Kostenstellenrechnung Kostenstellenrechnung Grundsätze für die Definition von Kostenstellen: es sollte eine möglichst hohe Proportionalität zwischen den anfallenden Kosten und den in einer Kostenstelle erbrachten Leistungen bestehen für eine Kontrolle der Wirtschaftlichkeit eine Identität von Kostenstelle und Verantwortungsbereich bestehen jede Kostenstelle klar von anderen Kostenstellen abgegrenzt sein, damit eine Zuordnung von Kosten zweifelsfrei erfolgen kann grundsätzlich nur so detailliert gegliedert werden, wie dies wirtschaftlich gerechtfertigt erscheint

99 Betriebsabrechnungsbogen Kostenstellenrechnung Organisation der Kostenstellenrechnung bei funktionsorientierter Gliederung der Kostenstellen mit dem Betriebsabrechnungsbogen (BAB) Tabelle als Hilfsmittel zur Verteilung der Kostenarten auf Haupt- und Hilfskostenstellen Abrechnung der Kosten in den Hilfskostenstellen auf andere Hilfs- und Hauptkostenstellen ( ) Abrechnung der Kosten in den Hauptkostenstellen auf Kostenträger obligatorischer Inhalt des BAB alle im Unternehmen entstandenen Gemeinkosten alle definierten Kostenstellen, strukturiert in Haupt- und Hilfskostenstellen Einzelkosten als Basis für die Bildung von Zuschlagsätzen optionaler Inhalt des BAB Vergangenheitsdaten zu Kontrollzwecken, z.b. Normal-Gemeinkosten

100 Betriebsabrechnungsbogen Kostenstellenrechnung BAB mit einer typischen Struktur für produzierende Unternehmen bei funktionsorientierter Gliederung der Kostenstellen in der Industrie Gemeinkosten Kostenart Kosten gesamt Verteilungsbasis Kostenstellen Allgemein Material Fertigung Hilfskostenstellen Hauptkostenstellen Verwaltung Vertrieb 1 2 3 1 2 S 1 2 3 4 1 2 3 S 1 2 S 1 2 S Summen 0 0 0 0 MatGK 0 0 0 0 0 FertGK VwGK VtGK Zuschlagsätze MatGK% FertGK% VwGK% VtGK%

101 Betriebsabrechnungsbogen Bildung von Zuschlagsätzen Abrechnung der Gemeinkosten als %-Zuschlagsatz auf Material Fertigungslöhne Herstellkosten Fertigungsgemeinkosten bei automatisierter Fertigung: Maschinenstundensatz Kosten für eine Stunde Maschinenlaufzeit Kostenstellenrechnung Materialgemeinkosten (MatGK) MatGK% = * 100 Wert des Materials (Mat) Fertigungsgemeinkosten (FertGK) FertGK% = * 100 Fertigungslöhne (FertL) MaschStdS = Fertigungsgemeinkosten (FertGK) Maschinenstunden (MaschStd) Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) VwGK% = * 100 Herstellkosten (HK) Vertriebsgemeinkosten (VtGK) VtGK% = * 100 Herstellkosten (HK)

102 Betriebsabrechnungsbogen Herstellkosten und Selbstkosten Kostenstellenrechnung Materialkosten Fertigungskosten EK GK EK GK SEK Herstellkosten Vertriebskosten Verwaltungskosten EK GK SEK GK Selbstkosten EK - Einzelkosten GK - Gemeinkosten SEK- Sondereinzelkosten

103 Betriebsabrechnungsbogen zwei Möglichkeiten zur Berechnung der Herstellkosten Herstellkosten der Erzeugung berechnet werden die Herstellkosten der erzeugten Leistungen ohne Rücksicht darauf, ob diese Leistungen verkauft oder auf Lager produziert wurden Herstellkosten des Umsatzes berechnet werden die Herstellkosten der verkauften Leistungen Kostenstellenrechnung Materialkosten + Fertigungskosten = Herstellkosten der Erzeugung + Lagerentnahmen (zu Herstellkosten) - Lagerzugänge (zu Herstellkosten) = Herstellkosten des Umsatzes

104 Betriebsabrechnungsbogen Kostenstellenrechnung Probleme bei der Verrechnung von Gemeinkosten mit Zuschlagsätzen Gemeinkosten haben üblicherweise fixe und variable Bestandteile Zuschlagsätze stellen eine Relation von Gemeinkosten zu Einzel- bzw. Herstellkosten her ein Zuschlagsatz gilt grundsätzlich nur für das der Berechnung zu Grunde liegende Verhältnis von Gemeinkosten zu Einzel-/Herstellungskosten bei veränderter Ausbringungsmenge ändern sich Einzel- /Herstellungskosten und Gemeinkosten Einfluss der fixen Bestandteile an den Gemeinkosten führt dann auch zu einem geänderten Zuschlagsatz für eine Kalkulation bei geänderter Ausbringungsmenge können historische Zuschlagsätze also nur unter Vorbehalt verwendet werden

105 Kostenstellenrechnung Abrechnung der Kosten in den Hilfskostenstellen auf andere Hilfs- und Hauptkostenstellen einseitige Leistungsverrechnung: leistende Kostenstellen erhalten selbst keine Leistungen von den belieferten Kostenstellen z.b. Facility Management leistet an HaKo Fertigung 1, nicht jedoch in entgegengesetzter Richtung gegenseitige Leistungsverrechnung: wechselseitiger Austausch von Leistungen, d.h. leistende Kostenstellen erhalten Leistungen von den belieferten Kostenstellen z.b. Stromerzeugung beliefert Kantine mit Elektrizität, und die Kantine versorgt die Mitarbeiter in Stromerzeugung

106 Verfahren der einseitigen Leistungsverrechnung Kostenstellenrechnung komplexe Verfahren: Haupt- und Hilfskostenstellen Kostenstellenumlageverfahren (siehe Betriebsabrechnungsbogen) vereinfachte Verfahren Kostenartenverfahren Kostenstellenausgleichsverfahren Kostenträgerverfahren Verfahren der gegenseitigen Leistungsverrechnung Verrechnungspreisverfahren mathematisches Verfahren

107 Kostenstellenrechnung vereinfachte Verfahren der einseitigen Leistungsverrechnung Kostenstellen leisten für Kostenträger und für andere Kostenstellen keine Trennung in Haupt- und Hilfskostenstellen in Kostenstellen werden Einzel- und Gemeinkosten erfasst Beispiel zu den vereinfachten Verfahren der einseitigen Leistungsverrechnung im Fertigteillager wird ein Regal repariert: Materialeinzelkosten: 200, Fertigungseinzelkosten: 400 ohne (Null-Verfahren) Material (Mat) Fertigung (Fert) Verwaltung (Vw) Vertrieb (Vt) Einzelkosten 2 600,00 12 000,00 0,00 4 000,00 Gemeinkosten 3 700,00 9 500,00 8 800,00 4 600,00 Zuschlagsätze 142,31% 79,17% 31,65% 16,55%

108 einseitige Leistungsverrechnung: Kostenartenverfahren Kostenstellenrechnung der empfangenden Kostenstelle werden nur Einzelkosten zugeordnet, die Gemeinkosten verbleiben vollständig in der leistenden Kostenstelle zugeordnete Einzelkosten werden in der empfangenden Kostenstelle als Gemeinkosten behandelt einfaches, aber ungenaues Verfahren, da Gemeinkosten nicht verrechnet werden leistende Kostenstellen werden zu stark, empfangende Kostenstellen zu wenig belastet Gemeinkostenzuschlagsätze in leistenden und empfangenden Kostenstellen erhöhen sich

109 einseitige Leistungsverrechnung: Kostenartenverfahren Kostenstellenrechnung (Kostenartenverfahren) Material (Mat) Fertigung (Fert) Verwaltung (Vw) Vertrieb (Vt) Einzelkosten 2 600,00 12 000,00 0,00 4 000,00 ilv - 200,00-400,00 0,00 0,00 Summe 2 400,00 11 600,00 0,00 4 000,00 Gemeinkosten 3 700,00 9 500,00 8 800,00 4 600,00 ilv 0,00 0,00 0,00 600,00 Summe 3 700,00 9 500,00 8 800,00 5 200,00 Zuschlagsätze 154,17% 81,90% 32,35% 19,12%

110 Kostenstellenrechnung einseitige Leistungsverrechnung: Kostenstellenausgleichsverfahren wie Kostenartenverfahren, jedoch Belastung der empfangenden Kostenstelle auch mit anteiligen Gemeinkosten kalkulatorische Ermittlung der Gemeinkosten unter Verwendung der im Null- Verfahren ermittelten Zuschlagsätze zugeordnete Einzel- und Gemeinkosten werden in der empfangenden Kostenstelle als Gemeinkosten behandelt anspruchsvolleres und genaueres Verfahren Gemeinkostenzuschlagsätze: Erhöhung in der empfangenden Kostenstelle, keine Änderung in der leistenden Kostenstelle

111 Kostenstellenrechnung einseitige Leistungsverrechnung: Kostenstellenausgleichsverfahren (Kostenstellenausgleichsverfahren) Material (Mat) Fertigung (Fert) Verwaltung (Vw) Vertrieb (Vt) Einzelkosten 2 600,00 12 000,00 0,00 4 000,00 ilv - 200,00-400,00 0,00 0,00 Summe 2 400,00 11 600,00 0,00 4 000,00 Gemeinkosten 3 700,00 9 500,00 8 800,00 4 600,00 ilv - 284,62-316,67 0,00 1 201,28 Summe 3 415,38 9 183,33 8 800,00 5 801,28 Zuschlagsätze 142,31% 79,17% 33,08% 21,81% verrechnete Einzelkosten multipliziert mit dem Zuschlagsatz des Null- Verfahrens = -200 * 142,31%

112 einseitige Leistungsverrechnung: Kostenträgerverfahren Kostenstellenrechnung wie Kostenstellenausgleichsverfahren, jedoch werden die zu verrechnenden Einzel- und Gemeinkosten nicht der empfangenden Kostenstelle, sondern einer separaten Ausgliederungskostenstelle zugerechnet Kosten in der Ausgliederungskostenstelle als Datenbasis für Entscheidungen zwischen Eigenerstellung oder Fremdbezug gebräuchlicher Ansatz zur Bewertung aktivierter Eigenleistungen, z.b. selbst erstellte Maschinen

113 einseitige Leistungsverrechnung: Kostenträgerverfahren (Kostenträgerverfahren) Kostenstellenrechnung Material (Mat) Fertigung (Fert) Verwaltung (Vw) Vertrieb (Vt) Ausgliederung Einzelkosten 2 600,00 12 000,00 0,00 4 000,00 ilv - 200,00-400,00 0,00 0,00-600,00 Summe 2 400,00 11 600,00 0,00 4 000,00-600,00 Gemeinkosten 3 700,00 9 500,00 8 800,00 4 600,00 ilv - 284,62-316,67 0,00 0,00-601,28 Summe 3 415,38 9 183,33 8 800,00 4 600,00-601,28 Zuschlagsätze 142,31% 79,17% 33,08% 17,29% Summe: 1 201,28

114 Kostenstellenrechnung gegenseitige Leistungsverrechnung: Verrechnungspreisverfahren die von Kostenstellen untereinander erbrachten Leistungen werden mit einem Verrechnungspreis bewertet und fließen so in die Gemeinkosten der jeweils empfangenden Kostenstelle ein als Verrechnungspreise bieten sich unternehmensinterne Wertansätze oder Marktpreise an z.b. Stromerzeugung und Kantine von der Kantine verbrauchter Strom wird mit dem Preis bewertet, den ein externer Energieversorger abrechnen würde Mahlzeiten für die Mitarbeiter der Stromerzeugung werden mit dem Preis bewertet, den ein externer Caterer abrechnen würde unternehmensinterne Wertansätze sollten keine Verwaltungskosten enthalten dürfen keine Vertriebskosten enthalten

115 Kostenstellenrechnung gegenseitige Leistungsverrechnung: Gleichungsverfahren (zwei Kostenstellen) primäre Gemeinkosten K p : Gemeinkosten, die einer Kostenstelle ohne Berücksichtigung innerbetrieblicher Leistungen zugerechnet werden sekundäre Gemeinkosten K s : Zu- bzw. Abschläge durch die Verrechnung innerbetrieblicher Leistungen Zuschläge für erhaltene Leistungen, die von anderen Kostenstellen erbracht wurden und dort nicht abgerechnet werden Abschläge für erbrachte Leistungen, die von anderen Kostenstellen in Anspruch genommen und dort abgerechnet werden

116 gegenseitige Leistungsverrechnung: Gleichungsverfahren x 1 Leistungseinheiten der KSt 1 x 2 Leistungseinheiten der KSt 2 k 1 Kosten pro Leistungseinheit der KSt 1 k 2 Kosten pro Leistungseinheit der KSt 2 K p,1 primäre Gemeinkosten der KSt 1 K p,2 primäre Gemeinkosten der KSt2 x 12 Leistungseinheiten der KSt1 an KSt 2 x 21 Leistungseinheiten der KSt 2 an KSt 1 (1): KSt 1 (2a): KSt 2 (2b) (3a): (2b) in (1) Kostenstellenrechnung x 1 * k 1 = K p,1 + x 21 * k 2 x 2 * k 2 = K p,2 + x 12 * k 1 K p,2 + x 12 * k 1 x 2 K p,2 + x 12 * k 1 x 2 (3b) x 1 * x 2 * k 1 = x 2 * K p,1 + x 21 * K p,2 + x 21 * x 12 * k 1 (3c) x 1 * x 2 * k 1 - x 21 * x 12 * k 1 = x 2 * K p,1 + x 21 * K p,2 (3d) k 1 * (x 1 * x 2 - x 21 * x 12 ) = x 2 * K p,1 + x 21 * K p,2 (3e) x 1 * k 1 = k 1 = k 2 = K p,1 + x 21 * x 2 * K p,1 + x 21 * K p,2 x 1 * x 2 - x 21 * x 12 (4) k 2 = x 1 * K p,2 + x 12 * K p,1 x 1 * x 2 - x 21 * x 12

117 gegenseitige Leistungsverrechnung: Gleichungsverfahren Kostenstellenrechnung in der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung das anpassungsfähigste und exakteste, jedoch auch komplexeste Verfahren bei mehr als zwei Kostenstellen, die untereinander Leistungen austauschen, entsteht ein Gleichungssystem, das nur bei EDV-Einsatz noch mit vertretbarem Aufwand gelöst werden kann Simplex-Algorithmus Solver in MS-EXCEL