Einführungslehrgang für Gemeindebedienstete Einführung in die Volkswirtschaftslehre Mag. Dr. Magdalena Bleyer 2005 Burggasse 14/IV, A-9020 Klagenfurt, Tel.: 05 0536 22871-22879, Fax: 05 0536 22870, e-mail: kvak@ktn.gv.at http://www.verwaltungsakademie.ktn.gv.at
(Grundlagen, Lernunterlage für den Einführungslehrgang) Erstellt für die Verwaltungsakademie Kärnten Stand: 31.1.2005 Von: Mag.Dr. Magdalena Bleyer
Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung...3 2 Grundlagen der Volkswirtschaftslehre...3 3 Die grundlegenden Fragestellungen...4 3.1 Was soll produziert werden?...4 3.2 Wie soll produziert werden?...4 3.3 Für wen soll produziert werden?...5 4 Gliederung der klassischen Volkswirtschaftslehre...6 4.1 Teilgebiete...6 4.2 Methoden...7 5 Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft...7 6 Klassifikation von Güter...8 7 Wirtschaftssubjekte und wirtschaftliches Handeln...9 8 Produktion...11 8.1 Der Produktionsprozess...11 8.2 Wirtschaftbereiche der Produktion...12 9 Markt und Marktmechanismus...12 10 Der Wirtschaftskreislauf...13 11 Kontrollfragen...15 2 von 15
1 Einleitung Auf der Erde lebt eine Vielzahl von Menschen teilweise in sehr großen Siedlungszentren auf engstem Raum zusammen. Wie wird sichergestellt, dass diese Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt werden? Wie wird gewährleistet, dass im Land A genau jenes Produkt hergestellt wird, dass im Land B benötigt wird? Wie funktioniert das komplexe ökonomische Gefüge in industriellen Ballungszentren der Erde? Wie kann man Prozesse erklären, die zur Sicherstellung der Güterversorgung eines Landes erforderlich sind? Dies sind unter anderen Fragen, mit denen sich die ökonomische Theorie beschäftigt. Das vorliegende Skriptum versucht, ein Grundverständnis und Grundbegriffe dieser Lehre zu vermitteln. Eine der Wissenschaften, die sich mit diesen Theorien beschäftigen, nennt man die Volkswirtschaftslehre. Der Begriff Volkswirtschaft (Ökonomie) wird aus dem Griechischen abgeleitet. Er stammt von - oikos = Haus, Haushalt - nomos = Ordnung, Gesetz Die Ökonomie kann daher (sehr allgemein) als Lehre von der Wirtschaft bezeichnet werden. 2 Grundlagen der Volkswirtschaftslehre Ausgangspunkt des Wirtschaftens ist die Knappheit der Güter: Gute Dinge sind nun mal knapp. Und je knapper Güter, desto höher ist ihr Preis. Das wissen wir nur allzu gut. Die Ressourcen, die zur Verfügung stehen, sind auch nicht unbegrenzt. Das bedeutet, dass man tagtäglich gezwungen ist, sich zu entscheiden, zwischen Alternativen zu wählen. Wenn man sich nun ständig zwischen Alternativen (man spricht in diesem Zusammenhang von Zielkonflikten) entscheiden muss, möchte man sich natürlich für eine intelligente Variante entscheiden. Aber was ist eine intelligente Alternative wohl eine, bei der der individuelle Nutzen möglichst groß ist. Aus dem Konflikt zwischen der Knappheit der Güter und den (tendenziell unbegrenzten) Bedürfnissen ergibt sich nun die Notwendigkeit des Wirtschaftens. Die Volkswirtschaftslehre könnte daher einfach als Lehre von der Knappheit bezeichnet werden. Wirtschaften bedeutet nun, die begrenzten Mittel rational einzusetzen (also intelligente Alternativen zu wählen), um damit möglichst viele Bedürfnisse abzudecken. 3 von 15
Ausgangspunkt für das Wirtschaften sind demnach die unterschiedlichen menschlichen Bedürfnisse. Ein Bedürfnis ist die Empfindung eines Mangels mit dem Wunsch, ihn zu beheben. Wirtschaftlich (in unserem Sinne volkswirtschaftlich) bedeutsam ist ein Bedürfnis erst dann, wenn man dafür die entsprechende Kaufkraft hat. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Bedarf (Bedürfnis mit entsprechender Kaufkraft). Dieser Bedarf macht sich am Markt als Nachfrage bemerkbar. Bestimmte Anbieter (Produzenten) versuchen diesen Bedarf zu decken. Dadurch kommt die Wirtschaft in Bewegung. 3 Die grundlegenden Fragestellungen Konsum Bedürfnisse Bedarf Nachfrage Produktion Abbildung 1: Bedürfnis Nachfrage Konsum/Produktion Jede Gesellschaft steht betreffend ihr wirtschaftliches Handeln daher bestimmten grundlegenden Problemen gegenüber, die anhand der folgenden Fragen dargestellt werden sollen. - Was (soll produziert werden) - Wie (soll es produziert werden) - Für wen (soll es produziert werden). 3.1 Was soll produziert werden? Hier geht es um die grundsätzliche Frage in einer Gesellschaft, welche Güter in welchen Mengen hergestellt werden sollen (Zusammensetzung der Güterproduktion in einer Volkswirtschaft). 3.2 Wie soll produziert werden? Auf welche Weise soll ein gewünschtes Gut produziert werden? Einerseits geht es darum, ein Gut mit möglichst wenig Ressourcenaufwand (mit geringen Kosten) zu produzieren. Der Ressourceneinsatz (Produktionsfaktoren) kann meist in unterschiedlichster Art miteinander kombiniert werden, um ein bestimmtes Produkt zu erstellen. So lassen sich beispielsweise Möbel nach alter Handwerkstradition in Handarbeit fertigen. Es ist aber auch möglich (mit einigen vorher getätigten Investitionen) holzbearbeitende Maschinen einzusetzen. Dies entspricht einer allgemeinen Unterscheidung in eher kapitalintensive und eher arbeitsintensive Herstellweisen. Um die vorhandenen Ressourcen sparsam zu verwenden, sollte das Produktionsverfahren bzw. diejenige Faktorkombination gewählt werden, die die geringsten Kosten verursacht. Es geht also darum, die Produktion (das Wie ) möglichst effizient zu gestalten. 4 von 15
3.3 Für wen soll produziert werden? Hier geht es um die Verteilung der vorhandenen Güter. Voraussetzung, um seine Wünsche auf einem Markt befriedigen zu können, ist eine bestimmte Kaufkraft. D.h. Konsumenten müssen für den Erwerb eines Gutes über ein bestimmtes Einkommen verfügen. Mit dem Einkommen hat man so gesehen also den verbrieften Anspruch auf einen Teil des Güterspektrums einer Volkswirtschaft. Die Verteilung des Einkommens kann auf zwei grundlegenden Prinzipien beruhen: - Dem Leistungsprinzip: Vereinfacht ausgedrückt, geht es bei diesem Prinzip darum, dass jeder, der am Wirtschaftsprozess beteiligt ist, über ein hohes Einkommen verfügen soll, wenn er viel zur Produktion beiträgt (und umgekehrt). - Dem Bedürfnisprinzip: Aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit kann in bestimmten Fällen das Leistungsprinzip nicht zur Anwendung gelangen. In diesen Fällen wird es durch das Bedürfnisprinzip ersetzt. Benachteiligte Personen (z.b. chronisch Kranke) erhalten nach diesem Prinzip in einer Gesellschaft mehr Einkommen als sie selbst am Arbeitsmarkt erzielen könn(t)en. Um diesem Prinzip gerecht zu werden, muss eine Umverteilung der am Markt erzielten Einkommen stattfinden. Diese Rolle kommt dem Staat zu: Er muss Steuern einheben und diese in Form von entsprechende Transferzahlungen an Bedürftige weitergeben. 1 Obwohl alle drei Fragen separat voneinander dargestellt wurden, geht es im Wirtschaftsprozess darum, alle diese Fragen simultan in der Gesamtheit zu lösen. Damit wird einer Volkswirtschaft ein enormes Koordinationsproblem gestellt. Dieses Koordinationsproblem nennt man auch Problem der Allokation. So sollten die einzelwirtschafltichen Aktivitäten der Produzenten und die vielen Wünsche der Konsumenten so aufeinander abgestimmt sein, dass die Vorstellungen von allen Beteiligten möglichst in Erfüllung gehen, also für die gesamte Volkswirtschaft möglichst effizient ist. 1 Der Staat finanziert auch so genannte öffentliche Güter. Dabei handelt es sich um Güter, die gleichzeitig einer Vielzahl von Haushalten einen Nutzen stiften können und für deren Inanspruchnahme man keinen Preis zahlen muss. 5 von 15
4 Gliederung der klassischen Volkswirtschaftslehre 4.1 Teilgebiete Die klassische Volkswirtschaftslehre untergliedert sich in zwei Teilgebiete, welche aufeinander aufbauen. Zunächst untersucht die Mikroökonomie das Verhalten der einzelnen Wirtschaftssubjekte (der Haushalte und der Unternehmen) unter bestimmten, zunächst idealtypischen, dann aber immer mehr an die Realität angenäherten Rahmenbedingungen. Die Mikroökonomie untersucht einzelne Märkte und deren Erscheinungen bzw. Auswirkungen (z.b. Kaufverhalten von Konsumenten, Investitionsverhalten von Unternehmen, Produktionsverhalten,...) Mikroökonomie VWL Wirtschaft im Kleinen z.b. Kaufverhalten, Investitions-/ Produktionsverhalten Makroökonomie Globalgrößen z.b. Volkseinkommen, Arbeitslosenquote, Inflationsrate Abbildung 2: Makro-/Mikroökonomie Aufbauend auf diesen Aussagen widmet sich die Makroökonomie der Gesamtheit wirtschaftlicher Gruppen, also z.b. aller Unternehmen oder aller Haushalte, sowie dem Staat. Die Makroökonomie betrachtet daher die Wirtschaft als Gesamtheit, sie arbeitet mit Globalgrößen z.b. Volkseinkommen, Arbeitslosenquote, Inflationsrate. Dabei werden zunächst die Ergebnisse der mikroökonomischen Theorie übertragen, dann aber unter verschiedenen Aspekten modifiziert. Neben Aussagen über die gesamtwirtschaftlichen Märkte, z.b. über den Güteroder den Geldmarkt, ist besonders das Zusammenwirken aller Märkte von Bedeutung und insbesondere deren (unterstelltes) Streben nach einem Gleichgewicht Die Komplexität der Makroökonomie hat das Entstehen wirtschaftstheoretischer Schulen (bzw. Auffassungen) begünstigt. 2 Obwohl in einigen Aussagen äußerst konträr, so leisten doch alle Schulen einen Beitrag zum Gesamtbild der heutigen Volkswirtschaftslehre. Am deutlichsten unterscheiden sich die Schulen in ihren Vorstellungen über das Wirken der Märkte sowie die Aufgaben des Staates, insbesondere den Umfang seiner wirtschaftlichen Tätigkeit. Damit bestimmen sie noch deutlicher als in der Makroökonomie das dritte Teilgebiet der VWL, die Wirtschaftspolitik. Diese wird im Allgemeinen als angewandte Mikround Makroökonomie definiert und untersucht Anforderungen an die wirtschaftliche Tätigkeit des Staates und deren mögliche Folgen, wie zum Beispiel in der Finanzpolitik. 2 z.b. die Klassik, die Neoklassik, der Keynesianismus oder aber auch der Marximus 6 von 15
4.2 Methoden In der VWL bemüht man sich vielfach, eine Antwort auf das Warum zu erhalten. Dabei wird versucht, nach entsprechenden Determinanten zu suchen, die das Ergebnis in einer bestimmten Art beeinflussen. Die VWL fragt also nach Abhängigkeiten: Wie hängt die Größe X von der Größe Y ab? In diesem Zusammenhang wird der Begriff Funktion verwendet. Die Funktion beschreibt Abhängigkeiten zweier (oder mehrerer) Größen. So nimmt man beispielsweise an, dass der Konsum eines Haushalts vom Einkommen abhängig ist. Es wird also unterstellt, dass es zwischen diesen zwei Größen einen Zusammenhang gibt. 5 Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft Die zwei grundlegenden Koordinationsmechanismen einer Wirtschaft (bzw. wirtschaftliche Grundordnungen) sind die Marktwirtschaft und die Zentralverwaltungswirtschaft (bzw. Planwirtschaft). Dabei handelt es sich um zwei (eigentlich eher theoretische) Modelle, da reale Wirtschaftssystem meist Mischformen aus beiden Grundtypen sind. Jedes der beiden wirtschaftlichen Ordnungen hat grundsätzlich mit den selben Schwierigkeiten zu kämpfen: Die Ressourcen sind beschränkt, Wirtschaftsgüter sind knapp und nicht immer frei verfügbar und jede Gesellschaft muss zwischen verschiedenen Wirtschaftsgütern wählen. Bei der Marktwirtschaft handelt es sich um eine wirtschaftliche Organisationsform, bei der Konsumente (Haushalte) und Unternehmen über den Markt miteinander Kontakt aufnehmen, um die drei Probleme (was, wie, für wen) zu lösen. Konsumenten und Unternehmen erstellen ihre Wirtschaftspläne autonom - sie verfolgen unabhängig voneinander ihre eigenen Ziele. Auf den Märkten werden diese unterschiedlichen Pläne über den Preis koordiniert. Damit dies funktionieren kann, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig: - So muss für den Einzelnen gesichert sein, dass man Privateigentum erwerben und darüber auch verfügen kann. - Es muss gewährleistet werden, dass man das Recht hat, seinen Beruf und seinen Arbeitsplatz frei wählen zu können. - Man muss frei darüber entscheiden können, was man produzieren und verbrauchen will. - Es muss auch möglich sein, mit anderen Wirtschaftstreibenden in einem freien Leistungswettbewerb treten zu können. Die Gefahr dabei ist, dass Einzelne aus egoistischen Gewinn- und Machtstreben ihre Konkurrenten rücksichtslos ausschalten: Die Marktwirtschaft muss daher einen fairen Wettbewerb und den Schutz des wirtschaftlich Schwächeren gewährleisten. Dies nennt man auch die so genannte soziale Marktwirtschaft. Es wird zwar das freie Wirken von Angebot und Nachfrage beibehalten, doch greift der Staat ein, wenn es darum geht, wirtschaftlich Schwache zu schützen oder zu starken Konjunkturschwankungen vorzubeugen. Arbeitnehmer- und 7 von 15
Arbeitgeberverbände versuchen, das soziale Gleichgewicht zu hüten (Sozialpartnerschaft). In manchen Fällen legt der Staat administrative Preise fest; d.h. in diesen Fällen wird der Preis nicht über den Markt bestimmt, sondern aus sozialpolitischen Gründen durch den Staat festgelegt. Der Staat schafft in diesem System den Rahmen, das Ordnungssystem. Er garantiert einen bestimmten Vertrauensschutz, hat die Intension, sozialen Ausgleich zu schaffen und strukturelle (konjunkturelle) Schwächen auszugleichen. In der Zentralwirtschaft (oder auch Planwirtschaft genannt) wird für die gesamte Volkswirtschaft ein zentraler Plan erstellt. In diesem Plan wird festgelegt, welche Güter in welchen Mengen produziert und wie die Produktionsfaktoren auf die einzelnen Produktionsstätten verteilt werden. Das gesellschaftliche Ganze (Kollektiv) hat in diesem Wirtschaftssystem Vorrang vor dem Einzelnen Individuum. Die Bildung von Privateigentum ist wegen der Verstaatlichung von Produktionsmittel stark eingeschränkt. Eingeschränkt ist auch die Möglichkeit des Individuums, eigene wirtschaftliche Entschlüsse zu fassen. 6 Klassifikation von Güter Man unterscheidet in freie und knappe Güter. Freie Güter stehen in nahezu unbegrenzter Menge zur Verfügung (z.b. Luft, Wasser). Für freie Güter muss man keinen Preis bezahlen. Aber die meisten Güter sind nicht frei, sondern begrenzt. Knappe Güter haben einen bestimmten Preis, der sich über Angebot und Nachfrage bestimmt: Je größer die Nachfrage nach einem Gut und je geringer das Angebot, desto knapper ist das Gut und desto höher ist (im Regelfall) der Preis. Knappe Güter werden weiter unterschieden in Konsum- und Investitionsgüter. Konsumgüter sind solche, die nicht der Produktion dienen sondern direkt vom Endverbraucher konsumiert werden. Dies können Sachgüter sein, aber auch Dienstleistungen. Investitionsgüter fließen in die Produktion ein. Sie werden verwendet, um andere Güter herzustellen. Die Zuordnung eines Gutes zu der einen oder anderen Kategorie hängt von der Verwendung ab: So kann beispielsweise ein Auto ein Konsumgut sein (wenn es nur für private Fahrten benutzt wird). Es kann sich aber auch um ein Investitionsgut handeln, wenn es einem Handelsvertreter für die Fahrten zum Kunden dient. Private und öffentliche Güter: Öffentlich Güter sind durch zwei Kriterien gekennzeichnet: - Nichtrivalität im Konsum: Reine öffentliche Güter können von allen Konsumenten gleichzeitig genutzt werden, ohne dass sich diese in ihren Konsummöglichkeiten gegenseitig beinträchtigen (z.b. Straßenbeleuchtung, Warnsignale des Leuchtturms an der Küste). - Keine Ausschließbarkeit potentieller Nutzer: Von der Nutzung reiner öffentlicher Güter kann auch niemand ausgeschlossen werden. Dies liegt einerseits daran, dass dies manchmal technisch gar nicht möglich ist oder andererseits, dass es ökonomisch un- 8 von 15
sinnig wäre (z.b. Würde es keinen Sinn machen, bei Anbrechen der Dunkelheit alle Strassen zu sperren und nur diejenige durchzulassen, die eine Gebühr für die Straßenbeleuchtung bezahlen. Man könnte ja auch überlegen, die Straßenlaterne mit einem kleinen Münzapparat auszustatten, sodass die Straßenlaterne erst nach Einwurf einer Münze entsprechendes Licht spendet. Dies wäre auch nicht sonderlich sinnvoll, da jeder warten würde, bis ein anderer das Entgelt (und damit den Münzeinwurf) tätigen würde. Er könnte dann das Licht mitkonsumieren.) Private Güter lassen sich im Regelfall nur von einem Konsument benützten. 7 Wirtschaftssubjekte und wirtschaftliches Handeln Der Konsum von Gütern stiftet beim Konsumenten einen bestimmten Nutzen, er befriedigt ein Bedürfnis. Der Konsument möchte natürlich, dass der Nutzen (die Bedürfnisbefriedigung für ihn) möglichst groß ist. Dies entspricht der Forderung nach Effektivität im Umgang mit Gütern und Ressourcen. So muss sich jeder private Haushalt entscheiden, ob das zur Verfügung stehende Geld in Konsum umgesetzt wird (also Waren und Dienstleistungen gekauft und konsumiert werden, das Geld somit verbraucht wird) oder ob das Geld gespart wird. Ziel der privaten Haushalte ist es, ihren Nutzen zu maximieren (Nutzenmaximierung) Auch ein Unternehmen muss sich zwischen produzieren und investieren entscheiden. Das Ziel eines Unternehmers ist es, den Gewinn zu maximieren (Gewinnmaximierungsprinzip). Und auch öffentliche Haushalte müssen sich entscheiden: Struktur des Kollektivbedarfs und der Einkommensumverteilung. Ziel des Staates ist es, das Allgemeinwohl zu maximieren. HAUSHALTE UNTERNEHMEN STAAT (öffentliche Haushalte) Konsum? Sparen? Investieren? Produzieren? Einkommensverteilung? Infrastruktur, Struktur des Kollektivbedarfs? Abbildung 3: Wirtschaftssubjekte Man unterstellt - was allerdings heftig umstritten ist -, dass alle Wirtschaftssubjekte ihre Entscheidungen ständig und überall rational treffen. Auch geht man in der Volkswirtschaftslehre davon aus, dass die Bedürfnisse des einzelnen prinzipiell unbegrenzt sind. Dem liegt ein bestimmtes Menschenbild zugrunde: Eine Art Nimmersatt, der möglichst viel für sich haben und verbrauchen möchte. Gleichzeitig geht man davon aus, dass der Mensch wirtschaftlich 9 von 15
vernünftig handelt. 3 Man spricht in diesem Zusammenhang vom so genannten homo economicus. In einer Gesellschaft ist das Ziel des Wirtschaftens jedoch nicht die Maximierung des Nutzens von einzelnen, sondern die Maximierung der gesellschaftlichen Wohlfahrt. Die gesellschaftliche Wohlfahrt (oder der gesellschaftliche Nutzen) wird als Aggregat des individuellen Nutzens angesehen. Wenn man die, in einer Volkswirtschaft insgesamt hergestellten Gütern mit einem in Geldeinheiten gemessenen Gegenwert darstellt, spricht man vom Sozialprodukt. Das Sozialprodukt erhält man, indem man alle in einer Volkswirtschaft im Laufe einer bestimmten Zeitraums (meist ein Jahr) produzierten Menge der einzelnen Güter mit ihren Preisen multiplizieren und aufaddieren. Dies ist auf jeden Fall leichter zu bemessen als der Nutzen, den die darin enthaltenden Produkte bei den Konsumenten stiften. Deshalb wird das Sozialprodukt häufig als Indikator zur gesellschaftlichen Wohlfahrt herangezogen. Wirtschaftliches Handeln (das ökonomisches Prinzip) hat zwei Richtungen: - Minimalprinzip: Erziele einen bestimmten Erfolg mit einem minimalen Aufwand. - Maximalprinzip: Erziele mit einem bestimmten Aufwand einen maximalen Erfolg Abbildung 4: Ökonomisches Prinzip 3 Tatsächlich lässt sich natürlich jeder Mensch von Gewohnheiten und Vorurteilen leiten. Viele Entscheidungen werden nicht auf rein rationeller (wirtschaftlich, vernünftiger) Ebene getroffen. 10 von 15
8 Produktion 8.1 Der Produktionsprozess Unter Produktion wird ganz allgemein die Kombination von Produktionsfaktoren zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen verstanden. Im Produktionsprozess werden diese Produktionsfaktoren (so genannte Inputs) umgewandelt. Die VWL unterscheidet folgende Produktionsfaktoren: - Arbeit - Boden (Natur) - Kapital - Zunehmend wird auch technisches und wirtschaftliches Können, also Know-How, als vierter Produktionsfaktor bezeichnet. Das Produktionsergebnis ist ein bestimmtes Produkt (der so genannte Output). Zwischen den Inputs und dem Output bestehen bestimmte Zusammenhänge. Diese können formal (mathematisch) dargestellt werden: Man spricht in diesem Zusammenhang von der Produktionsfunktion. INPUTS Arbeit Boden Kapital Produktionsprozess OUTPUT Güter Abbildung 5: Produktionsprozess Die günstigste Kombination der Produktionsfaktoren nennt man in der VWL Minimalkostenkombination. Dabei wird jene Kombination an Produktionsfaktoren gewählt (Faktoreinsatz), die die Produktion möglichst ertragreich (oder hochwertig) ausfallen lässt. Technische und wirtschaftliche Probleme müssen zuerst getrennt voneinander betrachtet werden: So vermag vielleicht ein modernes Produktionsverfahren nach technischem Gesichtspunkten empfehlenswert sein, doch könnten die alten Anlagen wirtschaftlich überlegen sein, weil sie kostengünstiger produzieren. Genau diese Aspekte werden u.a. in der Mikroökonomik untersucht: Die analysiert die Faktorkombination um herauszufinden, wie sich der Output bei Veränderung des Faktoreinsatzes gestaltet und welche Faktorenkombination die vorteilhafteste ist. Bei der Produktion muss nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit vorgegangen werden. D.h. man muss mit knappen Gütern nach dem ökonomischen Prinzip umgehen. Mit einem bestimmten Aufwand soll ein möglichst hoher Ertrag erzielt werden bzw. mit geringstmöglichem Aufwand soll ein bestimmter Ertrag erreicht werden (siehe ökonomisches Prinzip). Demgegenüber zeigt die Rentabilität das Verhältnis zwischen eingesetztem Kapital und Gewinn. Produktivität beurteilt das Verhältnis zwischen Input und dem Output zu einer bestimmten Periode. 11 von 15
8.2 Wirtschaftbereiche der Produktion Man unterscheidet innerhalb der Volkswirtschaft bestimmte Sektoren: - Den primären Sektor umfasst u.a. den Bereich der Landwirtschaft, Bergbau, Rohstoff- und Energiewirtschaft. - Den sekundären Sektor, der die Produktion, also die Gütererzeugung und Güterveredelung durch Industrie, Gewerbe und Handwerk beinhaltet. - Der tertiäre Sektor umschreibt alle Dienstleistungen (Handel, Verkehr, Banken, Versicherungen, freie Berufe, öffentlicher Dienst) und schließlich - der quartäre Sektor, der die Aufbereitung und Vermittlung von Informationen beinhaltet. Die Entwicklung der modernen Volkswirtschaft zeigt eine Verschiebung der Bedeutung in Richtung tertiären und quartären Sektor. Dies lässt sich insbesondere an der Anzahl der Beschäftigten in den einzelnen Bereichen messen. 9 Markt und Marktmechanismus Als Markt bezeichnet man allgemein den Ort und den Zeitpunkt des Zusammentreffens zwischen Angebot und Nachfrage. Am Markt passieren der Informationsaustausch zwischen den Marktteilnehmern und die Preisbildung. Handel folgt zum Marktpreis und damit werden all jene Anbieter, deren Preisvorstellungen über dem Marktpreis liegen und alle jene Nachfrager, deren Preisvorstellungen unter dem Marktpreis liegen, ausgeschlossen. Eine Grundlage mikroökonomischer Theorie ist eine abstrakte Vorstellung von einem idealtypischen Markt, ein Marktmodell. Dieses Modell setzt jedoch unter anderen folgende (relativ theoretisch erscheinende) Rahmenbedingungen voraus: - Betrachtet man einen Markt für eine bestimmtest Gut, geht man davon aus, dass alle Güter die gleiche Qualität haben (Homogenität der Güter) - Jeder Anbieter und jeder Nachfrager hat alle notwendigen Informationen für seine Entscheidungen (vollständiger Informationsaustausch, Markttransparenz) - Es herrscht freie (polypolistische) Konkurrenz Zu jedem Preis gehört eine bestimmte Menge von Waren, die gerade zu diesem Preis nachgefragt werden (es entsteht die Nachfragefunktion). Je höher der Preis, desto geringer die Nachfrage. Die Angebotesfunktion hingegen beschreibt die Preise und Mengen, zu denen die Anbieter bereit sind, ihre Güter zu verkaufen. Je höher der Marktpreis, desto größer das Angebot und umgekehrt. Man geht nun davon aus, dass es einen Gleichgewichtspreis gibt. Das ist also jener Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage decken. 12 von 15
Bringt man Nachfrage- und Angebotsfunktion in ein Diagramm, so kann dies wie folgt aussehen: Preis Nachfragefunktion Angebotsfunktion Gleichgewichtspreis Menge Abbildung 6: Der Gleichgewichtspreis 10 Der Wirtschaftskreislauf Abbildung 7: Wirtschaftskreislauf 13 von 15
Zwischen den einzelnen Wirtschaftssubjekten (Haushalte, Unternehmen und Staat) kommt es zu zahlreichen Transaktionen. Diese sind sehr vielfältig, stark vereinfacht kann Abbildung 7 die Vorstellung über die Leistungen einer Volkswirtschaft erleichtern. Die Haushalte (HH) stellen dem Staat bzw. Unternehmen ihre Produktionsfaktoren (Arbeitsleistung) gegen Entgelt (Löhne) zur Verfügung und erzielen daraus Einkommen (womit sie wieder Güter konsumieren können. Die Unternehmen (U) produzieren Güter bzw. Dienstleistungen für den Markt. Der Staat (Bund, Länder, Gemeinden und alle Selbstverwaltungskörper) bieten ihre Leistungen (in der Regel) nicht am Markt an. Diese Darstellung nennt man den so genannten volkswirtschaftlicher Kreislauf. In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von Bedeutung: Darunter versteht man das Gesamtprodukt einer Wirtschaft innerhalb eines Jahres in Zahlen ausgedrückt. Drei Gesichtspunkte sind dabei von Relevanz: - Die Entstehungsseite (als Summe der Wertschöpfungen) - Die Verteilungsseite (als Summe der Leistungseinkommen/ Volkseinkommen) und - Die Verwenderseite (als Summe der privaten und öffentlichen Ausgaben für Konsumgüter und Investitionsgüter). 14 von 15
11 Kontrollfragen 1. Beschreiben Sie kurz, mit was sich die Volkswirtschaftslehre beschäftigt. 2. Welche drei Fragestellungen untersucht die VWL? 3. Nennen Sie die Teilgebiete der VWL und mit was beschäftigten sie sich? 4. Welche grundlegenden Koordinationsmechanismen (wirtschaftliche Grundordnung) kennen Sie? Beschreiben Sie diese kurz. 5. Wie klassifiziert man Güter in der VWL? 6. Welche Wirtschaftssubjekte untersucht die VWL; welche Intensionen verfolgen diese? 7. Was versteht man unter dem ökonomischen Prinzip? 8. Beschreiben Sie den Produktionsprozess eines Unternehmens. 9. Welche Wirtschaftsbereiche der Produktion kennen Sie. 10. Was versteht man unter dem volkswirtschaftlichem Kreislauf? Verwendete Literaturquellen Ausgewählte Referenzliste Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Lehr- und Arbeitsbuch, für den IV. Jahrgang der höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Beruf und der höheren Lehranstalten für Tourismus, Manz Verlag, Wien 2002 Hannusch, H./ Kuhn, T.: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, 3. Auflage, Springer Verlag, Berlin u.a. 1994 Siebert, H.: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, 13. überarb. Auflage, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2000 15 von 15