"Das Geschlecht spielt eine Rolle"



Ähnliche Dokumente
Gender - Trainings und Beratung Organisationsentwicklung. Coaching Jungenarbeit an Schulen

Gender in der Suchtberatung

Rahel El-Maawi. Gender Heute! Wege zur Verbreitung geschlechtergerechter Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Atelier Nr. 5

Herzlich Willkommen Notdienst Tempelhof-Schöneberg. Alkohol- und Medikamentenberatungsstelle. Christian Knuth, Einrichtungsleitung

Genderkompetenz was ist dies und was bedeutet für die Arbeit des Career Center Tagung des Women`s Career Center am

Für den gewerkschaftlichen Kontext adaptiert von der AG Gender Mainstreaming des VÖGB.

Gender Kompetenz & Gender Mainstreaming. Kriterienkatalog für Schulen

Grenzen setzen Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

Fragebogen zur Einleitung einer ambulanten Psychotherapie

CREATING TOMORROW S SOLUTIONS CODE OF TEAMWORK AND LEADERSHIP

Einführung in Kollegiale Fall-Beratung Helga Daniels

FORTBILDUNGSANGEBOTE. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW

Perspektivenwechsel. Gender und Diversity in der Suchtarbeit

WAS IST SUPERVISION? ARZTASSISTENTINNEN HAUSÄRZTINNEN FACHÄRZTINNEN

Praktikumsbericht im Bachelorstudiengang Rehabilitationspädagogik (BA Reha 2011)

Herausgegeben von: Mobene GmbH & Co. KG Spaldingstraße Hamburg

Welche Informationen gehören in den Ausschreibungstext?

Leitbild. St. Marien Seniorenheim Seniorenzentrum Marienhof

Respekt. 1. Kapitel: Warum Respekt?

Forum für kulturelle Diversität & Gender in Lehre und Beratung:

Leitfaden zur Feststellung von Genderrelevanz und Diversität in FTI-Projekten. Stand Dezember 2010

Regeln des fachlichen Könnens für die Arbeit der Familienberatungsstellen in NRW

Rheinstraße 20a Darmstadt Tel.:

Die Arbeit in Mutter-Kind-Einrichtungen: Eine fachliche und persönliche Herausforderung

Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit...

Handlungskompetenz in interkulturellen Begegnungen. Eine Fortbildungsreihe des Amts für multikulturelle Angelegenheiten

Wege zu einer geschlechtergerechten Schule. Dr. Jürgen Budde Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland Januar 2008

Einzelfallberatung in der Antidiskriminierungsarbeit

Einzelfallberatung in der Antidiskriminierungsarbeit

Ethische Leitlinien. Deutsche Gesellschaft für Supervision e.v.

Grundbegriffe klären, Themenfeld abstecken. Auseinandersetzng mit Kulturalität in der. Transkulturelle pflegeethische Prinzipien

Professionalisierung in der Ausbildung ein Denkmodell: Überlegungen aus Sicht der Hochschule

SCHULVERWEIGERUNG - SCHULABSENTISMUS

GenderKompetenzZentrum

1. Anforderungen an Führungskräfte heute. 2. Modell der Emotionalen Intelligenz

Sonnenburg * Soziale Dienste von Mensch zu Mensch

Männer pflegen anders. Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.v.

im Museum aus Beratersicht Vortrag, gehalten auf dem IV. Rheinischen Museumstag, in Wuppertal

Die richtige Beratungsform wählen

Praxiszentrum. Lebensphase Alter / Menschen mit Behinderungen / Sonstige. Iim Wintersemester / Sommersemester 2015.

Das Leitbild der Bahnhofsmissionen in Deutschland

1)Betrachtung der Kita als sozialen Raum

006 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) - Grundlagen und Vorgehen bei Konfliktfällen

Leitbild. 1. Identität und Auftrag

Zeichenerklärung Rot = Transkript vom Flip-Chart Schwarz = Vorgaben im Workshop. Dabei Job Coaching Fachtage 2011, Wien

GENDER SUCHT TRAUMA. Zusammenhänge und Implikationen für die Praxis. XXVII. Niedersächsische Suchtkonferenz - Vertiefungsveranstaltung 30.

Grundlagen und Empfehlungen für die interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung Flensburg

JAHRGANGSSTUFE 7 LEHRPLANBEZUG. Thematischer Schwerpunkt

Der Rote Faden. Worum geht s? Und was geht uns das an?

WBS TRAINING AG. WBS Jobwegweiser Ein Leitfaden für Ihre Bewerbung

Leitbild der Ehninger Kindergärten

Zielcheckliste (BIT-CP; Patientenversion) Bewältigung bestimmter Probleme und Symptome

Unser Pflegeleitbild. Ev. Diakoniewerk Friederikenstift Hannover

Weiterbildung für Approbierte PP/KJP. Zusatzbezeichnung Systemische Therapie. Baustein. Theorie

Leitbild des Universitätsklinikums Bonn

Mira Musterfrau. Mein/e Vorgesetzte/r sagt mir offen, was ihr/ihm wichtig ist und worauf sie/er Wert legt.

Schulinterner Lehrplan zum Kernlehrplan für die Sek. I des Helmholtz-Gymnasiums Bonn Praktische Philosophie

Leitfaden Experteninterview SHG

Übergänge für f r Eltern und Kinder auf den verschiedenen Ebenen

Wie gut, dass mich niemand denken hören kann

Stärken Sie die Zusammenarbeit und den gemeinsamen Erfolg Ihres Teams!

Die Werte von CSL Behring

EHRENAMT IN DER HOSPIZARBEIT

Leitbild. Am Leben teilhaben. Raum für Persönlichkeit. Fähigkeiten erweitern. Kompetente Zusammenarbeit. Mit der Zeit gehen

PSYCHOSOZIALE ASPEKTE DER BEHANDLUNG SUCHTKRANKER

in Kinderschuhen Möglichkeiten und Wege der Partizipation Kinder unter drei Franziska Schubert-Suffrian 21. April 2010

Wirtschaftsfrauen Schweiz

Diversity - Vielfalt der Menschen und Arbeitswelt 4.0

5. Grundlegende Arbeitsprinzipien

Chancen und Blockaden einer geschlechtergerechten Schule Rolle der Lehrkräfte und Forderungen an ihre Ausbildung

ANNA KONSUMIERT ANDERS. Frauenspezifische Angebote in der Suchthilfe. 11. Fachtagung Drogen & Justiz 23. Mai 2012 in Recklinghausen

Systemisches Handeln und politisches Verständnis aus Sicht der Sozialpädagogischen Familienhilfe

Barbara Stauber. Zwischen Erfolgs- und Looser-Skript: Lebenslagen und Bewältigungsstrategien von Mädchen und jungen Frauen

Bj0rn Thorsten Leimbach Männlichkeit leben Die Stärkung des Maskulinen

Anmerkungen zu Idee und Rahmenkonzeption der Jugendhilfeinspektion Hamburg aus professioneller Perspektive

Mensch=Mensch. Projektbeschreibung und Seminarkonzepte

Kompetenzen Workshop Fairer Handel

Genderforschung in die Curricula: Lehrinhalte und Vermittlungsformen. Dr. Beate Kortendiek, Netzwerk Frauenforschung NRW, TU Dortmund,

Schülerfragebogen zum Thema Globale Entwicklung

nrw.de Von der Idee zum Projektantrag Kooperationstag Sucht und Drogen NRW

Diversity-Kompetenz in sozialen Berufen

Theoretische Rahmenkonzepte

Berufsbildungszentrum Bau und Gewerbe

Was ist Trauer? Eine Einführung. Aeternitas - Service - Reihe: Trauer. Aeternitas - Service - Reihe: Trauer

Wie viel Kultur steckt in interkulturellen Konflikten? Erfahrungen aus supervisorischer Sicht

Informationen und Fragen. zur Aufnahme eines. unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings

Transkript:

Vortrag im Rahmen der Fort- und Weiterbildung zum Thema Glückspielsucht am 4. Mai 2011 "Das Geschlecht spielt eine Rolle" Genderkompetenz in Beratung und Behandlung (Suchthilfe) Gliederung des Vortrages Teil 1 über das soziale Geschlecht (Gender) Teil 2 Gender in Beratung und Behandung

Perspektivwechsel Aufgabe Sie sind im Bereich der Beratung und Therapie tätig. Stellen Sie sich nun (spielerisch) vor, Sie wären für einen Tag eine Person im anderen Geschlecht. Bitte beantworten Sie folgende Fragen (für sich so ehrlich wie möglich): Was würde sich in Ihrem Arbeitsumfeld verändern (Blick der Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten)? Was glauben Sie, wie Ihre männliche/weibliche Klientel nun auf Sie reagiert? Meinen Sie, dass Sie als Person in dem anderen Geschlecht nun mehr oder weniger Einfluss in der Beratung/Therapie haben werden? Auf welchen (Handlungs( Handlungs-)Ebenen spielt das Geschlecht für f uns und für r die Männer eine Rolle? Einordnung der persönlichen Erfahrungen in verschiedene Kontexte von individueller, kultureller, gesellschaftlicher Rollenzuweisung Identität Interaktion Normen, Werte, Zuschreibungen Regeln und Strukturen von Institutionen

Teil 1 über das soziale Geschlecht (Gender) Prägung und Bedeutung von Geschlecht Gesellschaftliche Ebene (z.b. geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Normen und Gesetze) Fachliche Ebene (Entscheidungen der Facharbeit und Wirkungen dieser auf die Geschlechterverhältnisse) Individuelle Ebene (Geschlechterrollen und -stereotype, die das Verhalten von Männern und Frauen prägen) Organisationsebene (Arbeitsstrukturen, Beschäftigtenleitbilder, Nachwuchsförderung, Führungskultur)

Geschlecht ist ein Konstrukt einige Facetten aus der Fachdiskussion In der Geschlechterforschung wird z.b. diskutiert: Männliches bzw. weibliches Verhalten ist nicht angeboren, sondern hat sich in jeder Epoche einer Gesellschaft sozial und kulturell herausbildet. Verhalten, Rollen und Hierarchien sind Kulturprodukte und von daher veränderbar. Entscheidend sind die geltenden kulturellen Leitbilder und Ziele. Konzepte von Geschlecht traditionell nach Dr. Barbara Stiegler, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn alternativ dual multipel polar komplex = hierarchisch egalitär

Soziale Differenzierungskategorien von Geschlecht Alter Ethnische Herkunft / Kultur Milieu / Schicht / Klasse Behinderung Religion Bildung Stadt / Land Politisches System Sexuelle Orientierung Doing Gender meint, dass Menschen in einem alltäglichen Prozess des Doing Gender ihr Geschlecht selbst herstellen. Sie tun dies durch eigenes Handeln, in Interaktionen und im Rahmen dessen, was ihr soziales Umfeld ihnen an Möglichkeiten und Freiräumen zur Verfügung stellt. Geschlechtersensible Suchtarbeit kann diese meist traditionellen Prozesse reflektiert begleiten und verändern.

Teil 2 Gender in Beratung und Behandlung geschlechterdifferenzierte Suchtarbeit Politischer Auftrag/Rechtsgrundlage Um die Effizienz der Suchtkrankenhilfe insgesamt zu verbessern, ist geschlechtsspezifischen Aspekten im bestehenden Suchtkrankenhilfesystem bedarfs-/und bedürfnisgerecht in den Bereichen von Prävention, Beratung, Behandlung und Selbsthilfe stärker Rechnung zu tragen NRW-Landesprogramm gegen Sucht (1999). Eine Gemeinschaftsinitiative. In Umsetzung des Ziels 4 der Zehn vorrangigen Gesundheitsziele für NRW (Landesgesundheitskonferenz 1995), herausgegeben vom Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein- Westfalen, Düsseldorf

Bereiche von geschlechterdifferenzierter Suchtarbeit Zielgruppe (Klientinnen/Klienten) Struktur/Institution Fachpersonen Bereiche von geschlechterdifferenzierter Suchtarbeit Zielgruppe Mit welchen Frauen/Männern habe ich zu tun? Alter familiärer Kontext ethnisch-kultureller Hintergrund Bildung Sexuelle Orientierung Um welche Themen geht es? Identität und Selbstfindung Frauenbilder/Männerbilder Aggression vs. Gewalt Mutterbild/Vaterbild Sexualität... Was kann ich mit wem in welcher Zeit erarbeiten? fortlaufende Gruppe (offen/geschlossen, geschlechtshomogen) oder Einzelbetreuung Diagnostik, Indikationsstellung, Therapieziele, Behandlungsplanung... Struktur/Institution Fachpersonen

Bereiche von geschlechterdifferenzierter Suchtarbeit Zielgruppe Institutioneller Rahmen Einrichtungsart (stationär/ambulant) Leitbild, Profil und Konzept Personalentwicklung/Qualifizierung Angebotsstruktur Darstellung der Angebote Finanzielle Ressourcen Vernetzung und Kooperation Konzeptioneller Rahmen Konzept zur geschlechtsspezifischen (bzw. frauen- /männerspezifischen) Suchtarbeit vorhanden? Ressourcen im Haushalt eingestellt? geschultes Fachpersonal?... Struktur/Institution Fachpersonen Bereiche von geschlechterdifferenzierter Suchtarbeit Struktur/Institution Zielgruppe Fachlicher und persönlicher Hintergrund eigener biographischer Hintergrund als Frau/Mann Projektionen und Zuschreibungen zu Geschlechterrollen, Wünsche berufliche und persönliche Erfahrungen Einstellungen/Haltungen Unsicherheiten... Reflexion und Entwicklung Genderwissen und kompetenz Aneignung/Entwicklung geeigneter Methoden Reflexion der Erfahrungen (KollegInnen, Supervision, Arbeitskreise) relevante Literatur Fortbildung... Fachpersonen

System Beratungstätigkeit Klientin / Klient Beraterin / Berater Männerspezifische Suchtarbeit Psychotherapieanforderungen Preisgeben privater Erlebnissen Aufgabe von Kontrolle Nicht-sexuelle Intimität Zeigen von Schwäche Erleben von Scham Zeigen von Verletzlichkeit Hilfe suchen Gefühlsausdruck Introspektion, Innenwahrnehmung Äußern von Beziehungsproblemen Auseinandersetzen mit Schmerz Akzeptieren von Misserfolgen Eingestehen von Ungewissheit Aushalten von Spannungen Männlichkeits -Anforderungen Verbergen privater Erlebnisse Bewahren von Kontrolle Sexualisierung von Intimität Zeigen von Stärke Ausdruck von Stolz Zeigen von Unbesiegbarkeit Selbständigkeit Gefühlskontrolle Externalisierung - im Außen sein Vermeiden von Konflikten Verleugnung von Schmerz Beharrlichkeit Vortäuschen von Allwissenheit Ausagieren von Spannungen

Geschlechtergerechte Suchtarbeit nach: www.drugsandgender.ch... unterstützt emanzipatorische Lern- und Entwicklungsprozesse: sie regt Frauen und Männer an, ihr Rollenrepertoire zu erkennen und zu erweitern... unterstützt Frauen und Männer darin ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, Ressourcen und Stärken zu entwickeln und zu nutzen und ihre Lebensentwürfe zu realisieren... verlangt von Organisationen chancengleichheitsfördenden Strukturen... verlangt von den Fachpersonen, dass sie ihre unterschiedlichen Verhaltensweisen und Beurteilungen gegenüber Frauen und Männer wahrnehmen, hinterfragen und verändern