Leben mit Luftnot bei COPD

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Transkript:

CAMPUS GROSSHADERN CAMPUS INNENSTADT Leben mit Luftnot bei COPD Prof. Dr. Claudia Bausewein PhD MSc

Atemnot ist

Atemnot Bei fast allen COPD-Patienten im Lauf der Krankheit Subjektive Erfahrung von Atembeschwerden, die sehr unterschiedlich erlebt werden (Anstrengung, Brustenge, Lufthunger, erschwerte Einatmung) Abhängig von Belastung erst bei starker, dann bei leichter Belastung Später beim Ankleiden, Toilettenbenutzung, beim Sprechen Schwer messbar, wenig Übereinstimmung mit Lungenfunktion American Thoracic Society 1999, 2012

Unterschiedliche Arten von Atemnot Kontinuierlich Atemnotattacken Kurz (75% unter 10 Min.) Mehrmals am Tag Enden häufig von selbst Simon et al. J Pall Med 2013

Atemnotattacken Atemnotattacken I) vorhersehbar II) unvorhersehbar Gruppen von bekannten Auslösern: 1. Körperliche Belastung (z.b. Gehen, Sprechen) 2. Emotionen (z.b. Panik, Wut) 3. Begleiterkrankungen (z.b. Infektionen, Fieber) 4. Umgebungsfaktoren (z. B. Temperatur, Staub) Simon ST et al JPSM 2013 5

Erleben der Patienten Angst zu ersticken, aber keine Kommunikation darüber Ständiger Kampf, nimmt alle Kraft, ermüdend, Gefühl zu existieren statt zu leben Atemnot, v.a. in früheren Erkrankungsstadien, nur durch den Patienten allein erlebt, nicht für andere erkennbar Keine Mitteilung an Arzt (Patienten stellen Symptome so dar, wie sie denken, dass es für Professionelle Sinn macht) Atemnot selten feststellbar, wenn Patienten in Ruhe sind Atemnot als Stigma: beschämend, peinlich, selbst verursacht Erfahrungen mit professionellen Diensten Große Schwierigkeiten, Zugang zu med. Diensten zu bekommen Hilflosigkeit von Professionellen Gysels M, Higginson IJ JPSM 2008, Gardiner, Pall Med 2009 Nicholls Physiotherapy Theory and Practice 2003

Atmung Ineffiziente Atmung Verstärkte Atemarbeit Sorge über Krankheit Aufmerksamkeit für Empfindung Erinnerungen, Erfahrungen Gedanken Schnelle Atmung Atemnot Atemhilfsmuskulatur Lungenüberblähung Angst, Belastung, Panikgefühl Dekonditionierung der Muskulatur Verminderte Aktivität Angewiesen auf Hilfe von anderen Aktivität

Belastung der Angehörigen Betreuung eines Patienten mit Atemnot verbunden mit Hohen unbeachteten Bedürfnisse Große Belastung Betreuung des Patienten seltener mit positiven Erfahrungen verbunden Keine Unterschiede zwischen Gruppen außer bei Herzinsuffizienz- Angehörigen mehr Isolation Schlafqualität vergleichbar mit der von Schichtarbeitern oder Müttern neugeborener Kinder Malik F et al Pall Med 2013

Allgemeine Maßnahmen Information über Atmung Anpassung des Tagesrhythmus Ruhe bewahren, keine Hektik Lockere Kleidung Gute Lagerung, auch im Sitzen Anleitung zu ökonomischer Mobilität Rituale für Atemnotattacken Kühlung des Gesichtes (offenes Fenster, Ventilator) Unterstützung Angehörige

Hilfreiche Haltungen und Atemtechniken Haltungen Lippenbremse Kontrolle der Atmung

Was hilft sonst noch? Handventilator Kühler Luftzug Einfache Handhabung Lindert Atemnot Rollator Längere Gehstrecke Entlastung der Atemhilfsmuskulatur Weniger Atemnot

Körperliche Aktivität Wird oft von Patienten vermieden, da sie Sorge haben, dass Aktivität schlecht für Atemnot ist Mangelnde Aktivität führt zur Dekonditionierung und Verschlechterung der Atemnot Körperliche Aktivität hilft zur Verbesserung der Atemnot Bessere körperliche Belastung, bessere Lebensqualität www.besser-atmen-in-muenchen.de

Aktionsplan bei Atemnot Ich hab diese Situation vorher erlebt und werde mich von der Atemnot erholen Dazu werde ich. mich nach vorne lehnen, meinen Handventilator nutzen mich auf s Ausatmen konzentrieren. Ich kann es. Ich mache es jetzt. www.photomakers.org

Medikamentöse Therapie Opioide: gute wissenschaftliche Untersuchungen, sicher anzuwenden, sehr niedrige Dosierungen Benzodiazepine Studienlage nicht so gut, nur wenn Opioide versucht Bei ausgeprägter Angst Antidepressiva Wirkung an der zentralen Empfindung von Atemnot? Unterstützung bei Depression Sauerstoff

Sauerstofftherapie Wirkung belegt bei niedrigen Sauerstoffwerten im Blut Als Langzeitsauerstofftherapie Keine ausreichende Wirkung belegt bei normalen Sauerstoffwerten Nachteile: Einschränkung der Aktivität, trockene Schleimhäute (Mund & Nase) www.loymachedo.com

Atemnotambulanz Zur Behandlung der Atemnot viele Ansätze notwendig, eine Maßnahme allein nicht ausreichend Individualisiertes Angebot für Patienten und Angehörige notwendig Ab Januar 2015 Eröffnung einer Atemnotambulanz in der Ziemssenstrasse Multi-professionell & interdisziplinär (Palliativmedizin & Pneumologie) Für alle fortgeschrittenen Erkrankungen (COPD, Tumor, Herzinsuffizienz, ALS)

Zusammenfassung Atemnot häufiges und belastendes Symptom bei Patienten mit COPD Kontinuierlich und als Attacken Verschiedene nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen Atemnotambulanz als neues Angebot ab Januar 2015 Kontakt: Prof. Claudia Bausewein claudia.bausewein@med.uni-muenchen.de