SCIT Social Cognition & Interaction Training Roberts, D.L., Penn, D.L. & Combs, D.R., 2006 Schizophrenie, FS 2008, 18. März 2008 annakatharina.heuberger@unifr.ch
Einleitung Theoretischer Hintergrund Anwendung & Trainingsinhalt Übungen
SCIT (Social Cognition & Interaction Training) - Opimale Methode zur Behandlung von schizophrener Störung - Training für Gruppentherapie (wöchentlich, über 6 Monate) - Fokus auf Defizite sozialer Kognition und des Sozialverhaltens
Soziale Kognition Geistige Operationen, welche sozialen Interaktionen zugrunde liegen und die menschliche Fähigkeit beinhalten, Absichten und Stimmungen anderer wahrzunehmen (Brothers, 1990, in Penn et al. 2007) Konzeptualisierung bei Schizophrenie - Wahrnehmung von Emotionen im Gesichtsausdruck - Attributionsstile (Personalizing bias) - Perspektivenübernahme (Theory of Mind)
Weshalb Fokus auf Defizit sozialer Kognition? - Typisches Merkmal bei psychotischen Störungen - Funktionales Sozialverhalten = wesentlicher Problembereich für schizophren Erkrankte - Prädiktor für Rückfallquote - Dimension unabhängig von Positiv-/Negativsymptomatik
SCIT basiert auf empirischen Modellen sozialer Kognition bei Schizophrenie Zentrale Aspekte - Bedürfnis nach Klarheit - Externalisieren und Personifizieren Attributionsbias - Theory of Mind (ToM) Perspektivenübernahme - Geistiges Befinden anderer Menschen Simulieren (Absichten, Perspektiven, Wünsche, Emotionen ableiten) Metakognition - Sich selbst in einer anderen Situation vorstellen - Eigene Gedanken und Emotionen objektiv betrachten - Abnormale Emotionswahrnehmung - Mühe, Emotionen im Gesichtsausdruck zu identifizieren
Neurowissenschaft Emotionswahrnehmung und ToM sind von einem Simulationssystem abhängig System = automatisch aktiviert, beim Beobachten von Menschen, die, etwas sinnvolles tun, Schmerz oder Emotionen empfinden Subjektives Verständnis dafür, was die beobachtete Person erlebt Fähigkeit Verhalten anderer zu mimen, Empathie zu verspüren Abnormale Funktion dieses Simulationssystems Probleme in ToM & Emotionswahrnehmung
SCIT vs. andere Interventionsmethoden (vgl. Zorn & Roder, 2005) - Fokus auf aktive soziale Kognitionsprozesse - Verständnis, Erkennen, Kontrolle und Anwenden eigener sozial kognitiver Prozesse - Zentral: verzerrte Interpretationen die Wahnvorstellungen auslösen und aufrechterhalten - Fokus auf alltägliche interpersonelle Probleme der Patienten In den Gruppensitzungen - Identifikation soz. Probleme, die für den Patienten von Bedeutung sind - Identifikation von Situationsvariablen, die zur Schuldzuweisungen führen - Lernen sozial kognitive Urteile zu fällen (anhand von Wetten)
Anwendung des SCIT - Bei über 16-jährigen Personen - Mit psychotischen Störungen, die zu interpersonellen Schwierigkeiten führen - Während nicht-akuten Phasen der Psychose - Personen ohne ernsthafte kognitive Störung (IQ < 70), Substanzmissbrauch oder Abhängigkeitsproblemen Gruppenzusammensetzung - 5 8 Patienten (+/- Symptomatik) - 2 Gruppenleiter Idealerweise in Gesundheitsberufen ausgebildete Personen mit Erfahrung im Umgang mit psychotischen Menschen
Empirische Prüfung des Ansatzes (vgl. Penn et al. 2007) Pilotversuche (1. Phase) über 2 Jahre mit 17 Patienten durchgeführt für Resultate zusammengenommen Effekte Bessere Emotionswahrnehmung (ES:.76) Bessere ToM (ES: 1.49) Verminderte Tendenz anderen böse Absichten zuzuschreiben (ES:.82) Akzeptanz Positives Feedback von Patienten & Trainern
Phase I (Sitzungen 1 7): Einführung & Emotionen 1. Gruppenzusammenhalt schaffen 2. SCIT und soz. Kognition vorstellen 3. Rolle der Emotionen in soz. Situationen untersuchen auf Grund eigener Erfahrungen 4. Die Basisemotionen definieren 5. Zwischen verschiedenen Gesichtsausdrücken unterscheiden 6. Paranoia als Emotion konzeptualisieren
Phase II (Sitzungen 8 15): Situationen verstehen 1. Voreilige Schlüsse erkennen lernen 2. Unterschied zwischen externalen, internalen und situationalen Attributionen lernen 3. Lernen Kausalattributionen aus diesen drei Perspektiven zu erzeugen 4. Verstehen der Schwierigkeit, mehrdeutige Situationen zu interpretieren 5. Unterschied zwischen soz. Tatsachen & Annahmen erkennen 6. Üben Indizien zu sammeln, anstelle voreiliger Schlüsse 7. Lernen, die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit einer Schlussfolgerung einzuschätzen
Phase III (Sitzungen 16 20): Integration - Prüfung 1. Gemeinsam schwierige soz. Situationen verschiedener Gruppenmitglieder einschätzen 2. Einsehen, dass es ohne Zusatzinfos nicht immer möglich ist Situationen zu verstehen 3. Verstehen, dass gemeinsame Prüfungen der Annahmen unangenehme voreilige Schlüsse vermindern können 4. Geeignete Fragen zur Prüfung von Annahmen in soz. Situationen Identifizieren 5. Rollenspiel zur Prüfung soz. Situationen der Gruppenmitglieder
Zentral SCIT - Social Cognition & Interaction Training - Optimales Gruppentraining zur Verbesserung soz. Kognition & Interaktion - Fokus auf Emotionen, Kausalattributionen & Verständnis soz. Situationen - Wichtigkeit des Übens anhand von Alltagsproblemen & Integration erlernter Skills in den Alltag der Patienten
Phase I: Einleitung & Emotionen - Gruppenzusammenhalt fördern - SCIT Dreieck - Zusammenhang zw. Emotionen und sozialen Situationen - Emotionen definieren - Identifikation von Gesichtsemotionen - Emotionen erraten - Begründetes vs. unbegründetes Misstrauen
Phase II: Situationen verstehen - Voreilige Schlüsse ziehen - Differenzieren von voreiligen Schlüssen und Vermutungen - Externale, internale und situationale Attributionen - Unterschied zwischen Vermutungen und Fakten - Informationen sammeln - Richtigkeit der Schlussfolgerungen einschätzen
Phase III: Integration & Prüfung - Gemeinsam schwierige Situationen der Gruppenmitglieder anschauen
Literatur Penn, D. L., Roberts, D.L., Combs, D.R. & Sterne A. (2007). Best Practices: The Development of the Social Cognition and Interaction Training Program for Schizophrenia Spectrum Disorders. Psychiatric Services, 58(4), 449-451. Roberts, D.L., Penn, D.L. & Combs, D.R. (2006). Social Cognition and Interaction Training (SCIT). Treatment Manual. Zorn, P. & Roder, V. (2005). Die Therapie sozialer Kompetenz bei schizophren Erkrankten. In: Vriends, N. & Margraf, J. (HRSG.) Soziale Kompetenz, soziale Unsicherheit, soziale Phobie. Schneider, Hohengehren, 257-280.