Reflexive Koedukation

Ähnliche Dokumente
Geschlechterverhältnisse in der Schule

Kollegium der Ritter-Göttscheid-Grundschule. Genderkonzept

Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit...

Uli Boldt. Wie Jungen Schule erleben und was Pädagoginnen und Pädagogen davon lernen

Dienstbesprechung für Genderbeauftragte - Gender Day Bericht

Herzlich Willkommen Notdienst Tempelhof-Schöneberg. Alkohol- und Medikamentenberatungsstelle. Christian Knuth, Einrichtungsleitung

Portfolio Praxiselemente Eignungs- und Orientierungspraktikum

Leitlinien Kinder- und Jugendarbeit 2010

Perspektiven des koedukativen Sportunterrichts in der Retroperspektive

GHS Georgschule MINT-Mädchen Konzept

Pädagog_innen in der Arbeit mit Jungen und Jungenarbeit

Hannelore Faulstich-Wieland (Hg.) Abschied von der Koedukation?

Perspektive Gesellschaft

Gender-Training für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter

Gerd Hansen (Autor) Konstruktivistische Didaktik für den Unterricht mit körperlich und motorisch beeinträchtigten Schülern

Soziale und personale Kompetenzen

Universität Bielefeld, AG 4: Schulentwicklung und Schulforschung. Eine Schule für. Mädchen und Jungen

Workshop 1 Zwischen: Du kannst mir gar nichts sagen und Lehrerinnen sind viel netter - Frauen in der Arbeit mit Jungen

Fachdidaktische Ausbildung Ausbildungsplan Umsetzung

Sinnstift ender Mathematikunterricht für Mädchen und Jungen

Gender Mainstreaming in JOBSTARTER

Jungs und Mädchen im naturwissenschaftlichtechnischen

Geschlechtsuntypische Berufs- und Studienwahlen bei jungen Frauen

Schulsozialarbeit an der Inselschule Borkum

Fragebogenaktion Starke Mädchen starke Jungen Geschlechterbewusste Pädagogik im Kindergarten

Prüfungsleistung: Klausur (90 min.) 1. und 2. Sem. und. Studienleistung: Schriftliche Ausarbeitungen. 1. Sem. 22,5 (2 SWS) 1. und 2. Sem.

Hannelore Faulstich-Wieland/ Marianne Horstkemper "Trennt uns bitte, bitte nicht!"

Ausbildungscurriculum für das Fachseminar Chemie

Leitbild Kantons schule Rychen berg Winterthur

Fragebogenaktion Star ke Mädchen starke J ungen Geschlechterbewusste Pädagogik im Kindergarten

Chancen und Blockaden einer geschlechtergerechten Schule Rolle der Lehrkräfte und Forderungen an ihre Ausbildung

Vortrag auf der Fachtagung Kinder brauchen Männer am in Innsbruck

Geschlecht und Kriminalität

Für den gewerkschaftlichen Kontext adaptiert von der AG Gender Mainstreaming des VÖGB.

EPH/ 1 Kursthema: Erziehungssituationen und Erziehungsprozesse

Evangelische Religion, Religionspädagogik

schulinterner Lehrplan am Hugo-Junkers-Gymnasium für das Fach Erziehungswissenschaft für die Jahrgangsstufen Q1/Q2 ab dem Schuljahr 2016/17

Motivation Schlüssel zum erfolgreichen Lernen

Gender Mainstreaming. Gender Mainstreaming Donatusschule Erftstadt

Katholische Religionslehre Qualitätssicherung. 1. Leistungsbewertung in der Sek I

Trennt uns bitte, bitte nicht!"

Pädagogik/Psychologie Lehrplan für das Ergänzungsfach

Leistungsbewertung in der Sekundarstufe I. Vorgaben aus Schulgesetz und Kernlehrplan und Beispiele für deren Umsetzung

PRAXISELEMENTE IN DEN STUDIENGÄNGEN MASTER OF EDUCATION Bergische Universität Wuppertal

Grundlagen der Unterrichtsgestaltung

Das Fach Pädagogik stellt sich vor

Ausbildung von staatlich anerkannten Erziehern und Erzieherinnen an Fachschulen für Sozialpädagogik

Zehn Fragen an eine geschlechtergerechte Bildung Anleitung zur Selbstreflexion

Zum pädagogischen Umgang mit Gleichheit und Differenz

Impulsreferat Prof. Barbara Schwarze, Hochschule Osnabrück

Inhalt. Vorwort Einleitung Ausgangslage Zielstellung Aufbau der Arbeit I: Theoretischer Teil

Fortbildung und Beratung auf dem Weg zur inklusiven Schule. Qualifizierung von Inklusionsberaterinnen und Inklusionsberatern

Auf dem Weg zu einer neuen Lehr-Lern. Lern-Kultur Herausforderungen für LehrerInnen und SchülerInnen

3. infans-steg- Kongress am 19. Mai 2017 in BAD KROZINGEN Beziehung gestalten Bildungsprozesse sichern

Digitale Bildung in der Primarstufe

PSG I, II, III: Wie geht es der Pflege?

1 Mein Kind lernt, selbstständig zu arbeiten Mein Kind bekommt Aufgaben, die seinen 2 Fähigkeiten entsprechen.

Hans-Dieter Barke und Claus Hilbing (2000), Image von Chemie und Chemieunterricht, Chemie in unserer Zeit (34), S. 20

Rheinstraße 20a Darmstadt Tel.:

Modulplan für die Ausbildung im Fachseminar Katholische Religion. Modul 1. Schule und Beruf. Qualifikationen Kompetenzen Fachdidaktische Schwerpunkte

Bildungswissenschaften im Master of Education. Institut für Erziehungswissenschaft Universität Freiburg

Texte als Grundlage der Kommunikation zwischen Kulturen

Grundlagen der Sportpädagogik

Gender in der Suchtberatung

Ringvorlesung: Vermittlungsmethoden im Sport

Wie passt das zusammen? Bildungs- und Lehrpläne der Länder und das Haus der kleinen Forscher. Am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen

Geschichte des Handwerkerinnenhauses Köln e.v.

Curriculum Erziehungswissenschaft Zentralabitur 2010

Portfolio Praxiselemente

Curriculum des pädagogischen Seminars Version:

Vortrag. Anforderungen an Berufsorientierung heute

Gendersensible Berufsorientierung. Dr.in Claudia Gold, Innsbruck

Systemisches Coaching. Systemisches Coaching. Interkulturelle Kompetenz und Diversity. Kurs 2017/2018. Kurs 2017/ /03.03.

Abitur und was dann?

Lernbiologische Axiome kooperativen Lernens: Lerninhalte werden behalten, wenn sie persönlich bedeutsam werden, wenn aktive Auseinandersetzung

bereits im Ansatz vorhanden ist schon gut ausgebildet Meine Anmerkungen:

Zur Schriftenreihe Module der Lehrerbildung

Fördernde Faktoren für eine nichttraditionelle. Mag. a Nadja Bergmann

Xenophobie & Anforderungen an das Lehrerhandeln. Kurzreferat, Heterogenität M 2.4, Dr. Lütjen von Katharina Hopf & Rebecca Molitor

Staatlich genehmigte Ersatzschule mit gymnasialer Oberstufe. Anerkannte Schulgesellschaft ASG mbh

Adressatenbezogene Wirksamkeit der Lernentwicklungsberichte

Kommunikation im Unterricht Formen des Unterrichtsgesprächs. BPS 2016 TDS Daun

Abschlussprüfung zum Erwerb des Hauptschulabschlusses Schuljahrgang 9, Schuljahr 2006/2007 Fach Deutsch: Wahlaufgabe Sachtext

Transkript:

Reflexive Koedukation Einführung 1 27.08.2009 Dipl.-Päd. Kristina Pomerenke-Schön

Gliederung 2 Definition Konsequenzen für Unterricht und Schule Ziele und Anliegen der Reflexiven Koedukation Fazit für Schülerinnen und Schüler Ergebnisse der Koedukationsforschung Bildungsergebnisse Geschlechtsspezifische Sozialisation Interaktionsverhalten Fächer- und Berufswahl Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens Lehrerinnen- und Lehrerrolle Unterrichtsinhalte Interaktion Methodik

Reflexive Koedukation Definition Reflexive Koedukation heißt für uns, dass wir alle pädagogischen Gestaltungen daraufhin durchleuchten wollen, ob sie die bestehenden Geschlechterverhältnisse eher stabilisieren, oder ob sie eine kritische Auseinandersetzung und damit ihre Veränderung fördern. (Faulstich-Wieland/Horstkemper 1996) 3

Reflexive Koedukation Konsequenzen für Unterricht und Schule Durchführung einer geschlechtersensiblen Ausrichtung der gemeinsamen Erziehung von Mädchen und Jungen, d.h. - Berücksichtigung der spezifischen Ausprägungen im Rollenverhalten von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern und -das Aufbrechen von Stereotypen 4

Ziele und Anliegen Reflexiver Koedukation Abbau von Geschlechterhierarchien Auflösung geschlechtsstereotyper Zuweisungen Chance, individuelle Unterschiede ohne Benachteiligungserfahrung leben zu können das überlieferte männerlastige historische Verständnis korrigieren. Förderung zur Verwirklichung der Lebensperspektive beider Geschlechter (Beruf; Familie; Kinder) 5

Bedingungen für die Umsetzung einer Reflexiven Koedukation Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler müssen einen Zugang zum Thema gewinnen Für Lehrerinnen und Lehrer ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema Teil der professionellen Kompetenz 6

Fazit für Schülerinnen und Schüler Schülerinnen und Schüler brauchen Unterstützung in der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls (Schülerinnen) beim Umgang mit dem Überlegenheitsimperativ (Schüler) 7

Fazit für Schülerinnen und Schüler Stärkung des Vertrauens in... ihre kognitive Kompetenzen ihre Fähigkeiten zur Selbstdarstellung ihre Möglichkeiten zu selbstbestimmter Berufswahl, Partnerschaftsgestaltung, Lebensplanung und dies: ohne Befürchtung des Verlusts ihrer weiblichen Attraktivität 8

Fazit für Schülerinnen und Schüler Ermutigung für Versuche bzw. Unterstützung bei Versuchen selbstbestimmter Berufswahl und Lebensplanung ohne Einengung durch tradierte Männlichkeitsvorstellungen 9

Ergebnisse der Koedukationsforschung Bildungsergebnisse Geschlechtsspezifische Sozialisation Interaktionsverhalten Fächer- und Berufswahl 10

Ergebnisse der Koedukationsforschung - geschlechtsspezifische Sozialisation - Doing gender (man hat nicht ein Geschlecht, man tut es) Geschlecht / Geschlechterdifferenz soziales Milieu, regionale u. ethnische Gebräuche... 11

Ergebnisse der Koedukationsforschung - geschlechtsspezifische Sozialisation - Erziehungsziele (Mütter) Kommunikationsverhalten (Eltern > Kinder) Spielzeug Technisches Interesse Haushaltspflichten Attraktivität (Mädchen) Identifikationsfiguren (für Jungen) Männliche Vorbilder Überlegenheitsdruck der Jungen 12

Ergebnisse der Koedukationsforschung - Interaktionsverhalten - Mädchen kooperieren Jungen konkurrieren!!! Gefahr der > geschlechtsstereotypische Verhaltenserwartungen > Festschreibungen Aufmerksamkeit der Lehrkräfte > Mädchen/Jungen Mädchen unterschätzen / Jungen überschätzen ihre Fähigkeiten > Lehrkräfte bewerten Kooperationsfähigkeit der Mädchen nicht als interaktionelle u. intellektuelle Leistung > abnehmendes Selbstvertauen der Schülerinnen 13

Ergebnisse der Koedukationsforschung - Fächer- und Berufswahl - Theorien zur Erklärung unterschiedlicher Fachvorlieben von Mädchen und Jungen: Biologische Ansätze > angeborene geschlechterdifferente kognitive Strukturen Psychosoziale Ansätze > geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen Unterrichtsanalysen - Mathematisch-naturwissenschaftliche Leistungen von Mädchen Haltung der Lehrperson zu fachlichen Fähigkeiten ihrer S innen - dominante Aufgabentypus (math.-naturw. Lehrbücher) entspricht eher den Interessen der Jungen 14

Ergebnisse der Koedukationsforschung - Fächer- und Berufswahl - Fächerwahl: Gymn. Oberstufe: - Jungen > math.-naturw. Fächer - Mädchen: Sprachliche Fächer Berufswahl: Junge Männer mehrheitlich > Technik- und Finanzsektor Junge Frauen oft > Dienstleistungs- und Sozialberufe. Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten meist geringer in den von Frauen gewählten Berufen 15

Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens Lehrerinnen- und Lehrerrolle Unterrichtsinhalte Interaktion Methodik 16

Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens Lehrerinnen- und Lehrerrolle Lehrberufsforschung: der Lehrer geschlechtsloses Wesen Lehrkräfte selbst: professionelles Verhalten weitgehend geschlechtsneutral, auf Gleichberechtigung zielend Empirische Untersuchungen: - Lehrerinnen: beziehungsorientiertes Handeln - Lehrer: sachorientiertes Handeln Mehrheit der Lehrkräfte: unzureichende Aus- und Weiterbildung 17

Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens - Unterrichtsinhalte - Unterrichtsinhalte in einen sinnstiftenden Kontext stellen Ganzheitliches Lernen > Prozess- statt Ergebnisorientierung Inhalte mehr mit den Lebensumständen der Menschen verknüpfen Positivbeispiele von Frauen verwenden 18

Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens - Interaktion - Bei fragend-entwickelnder Gesprächsführung: Nach Fragestellung länger warten in Fächern mit weniger Meldung durch Mädchen / Jungen > diese häufig drannehmen Mädchen / Jungen (ggf.) bei Nichtmeldung drannehmen strikt auf Meldedisziplin achten und außerdem: 19

Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens - Interaktion - Verwendung nicht sexistischer Sprachformen Mädchen sprachlich gezielt ansprechen (Schülerinnen und Schüler, jede und jeder) Mädchen für ihr Können loben, nicht für ihren Fleiß Situationen vermeiden, in denen sich Mädchen / Jungen vor der Klasse blamieren Mädchen reagieren bei Überforderung eher mit Rückzug, Jungen mit Forderungen Unterschiedliches Diskussionsverhalten: Jungen: Durchsetzen, Interesse artikulieren Mädchen: Wechselseitigkeit, Diskursivität 20

Ansatzpunkte geschlechtersensiblen Unterrichtens - Methodik - Fragend-entwickelndes Gespräch minimieren Abkehr vom Frontalunterricht Wechsel der Arbeitsformen Schülerinnenaktivierende Unterrichtsformen: Partnerarbeit; Wochenplan, Freiarbeit; Projektorientiertes Arbeiten; Kurzreferate / Präsentationen; Lernzirkel;... Diverse Formen von Gruppenarbeit - auch in geschlechtshomogenen Gruppen Phasenweise Aufhebung der Koedukation 21