Die Semiotik Ein kleiner Einstieg

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Transkript:

Gerhard Müller Fachhochschule Potsdam; ABD Kaiser - Friedrich Str. 134 2. Semester; Sommersemester 1999 im T2; Zi. 239 14476 Potsdam gmueller@fh-potsdam.de Die Semiotik Ein kleiner Einstieg Hausarbeit in Wissenschaftliches Arbeiten Seminar bei Prof. Dr. Hobohm

Gliederung 1 Einleitung 2 Zeichentheorien 2.1 F. de Saussure 2.2 C. S. Peirce 3 Gegenstandsdifferenzierung der Semiotik 3.1 Realismus vs. Nominalismus 3.2 Antroposemiotik vs. Zoosemiotik 3.3 Behavioristische Semiotik 4 Zeichentypologie 4.1 Symbol, Icon, Indizes 4.2 Signifikat, Signifikant 5 Kommunikation und Information 6 Quellen 2

1 Einleitung Als eine erste Definition der Semiotik findet man häufig, daß die Semiotik die Lehre von den Zeichen ist. Ihr zur Aufgabe ist es, daß wir die Zeichen und ihre Funktionen verstehen [und] wir uns untereinander besser verständigen können (Sottong 1998, 9). Die Semiotik ist eine Teilwissenschaft und fachgebietsübergreifend (z. B. Symptomatik in der Medizin, natürliche Phänomene, genetische Informationsübermittlung). Die Ansätze der Zeichendefinitionen und somit der der Semiotik reichen von der Funktion des Zeichens als Informationslieferant und Kommunikationsmittel und umschließen nicht nur empirische sondern auch philosophisch - subjektive Ansätze bis hin zur Einschränkung des Zeichens auf den Kommunikationsprozess. Die Semiotik untersucht nach Sottong (1998, 11/12) einen zentralen Bereich der Kultur, das Funktionieren von Zeichen und Kodes in der menschlichen Kommunikation. Sottong legt eine starke Differenz zwischen Informationsentnahme durch Zeichen und dem Zeichen als Kommunikationsmittel. An dieser Stelle versucht er, die Semiotik als eine eigenständige Wissenschaft darzustellen und sie aus dem fachübergreifendem Geflecht zu lösen. Diese Arbeit kann nur einen kurzen Einblick in die Semiotik geben. Der vorgegebene Umfang entschuldigt die Oberflächkeit. Es war notwendig, die meiner Meinung nach aus der gegebenen Literatur (s. Quellen) wichtigsten Punkte zu selektieren. Ein besonderen Schwerpunkt liegt in der Kommunikation und Information. Zeichen treten in unterschiedlichen Formen auf. Dem Zeichen werden von einer jeweiligen Gesellschaft entsprechende mit ihm assoziierte Bedeutungen gegeben. Diese werden von jedem Individuum jener Gesellschaft annähernd gleich interpretiert. 2 Zeichentheorien In den folgenden zwei Kapiteln soll zuerst auf die Zeichentheorien von Ferdinand de Saussure (1857-1913) und Charles Sanders Peirce (1839-1914) eingegangen werden. Beide werden für die heutige Semiotik als basislegende Wissenschaftler genannt. Peirce mehr als Semiotiker und de Saussure mehr als Begründer der modernen Linguistik. Die von Peirce Universaltheorie der Zeichen wird stark diskutiert und ist in der Diskussion um die Semiotik als Wissenschaft nicht unerheblich beteiligt. 3

2. 1 F. de Saussure Für die Semiotik sind de Saussures Zeichenmodell und die Theorie von der Arbitrarität des Sprachzeichens wichtig. In seinem Projekt zur Semiologie skizziert de Saussure die Umrisse für eine noch nicht existierende Zeichenwissenschaft. Für diese schlägt er die Bezeichnung Semiologie als Wissenschaft, welche das Leben der Zeichen im Rahmen des sozialen Lebens untersucht (Nöth 1985, 59) vor. Als Gegenstand dient de Saussure die Sprache, da dieser als Expression von Gedanken und Ideen höchste Bedeutung zukommt. Aber auch Schrift, das Taubstummenalphabet, symbolische Riten, Höflichkeitsformen, militärische Signale, Flaggenkodes, Blindenschrift, Chiffriersysteme und germanische Sagen werden von ihm berücksichtigt. Die Zeichentheorie von de Saussure lehnt sich an die Antroposemiotik (s. Kapitel 3. 2), da menschliche Signale und Zeichen berücksichtigt werden. (Vgl. Peirce Kapitel 2. 2). Die Semiologie als auch die Linguistik sind für de Saussure auch ein Teil der Sozialpsychologie und somit Sache des Psychologen ist, die genaue Stellung der Semiologie zu bestimmen (de Saussure 1916, 33 zitiert nach Nöth 1985, 61). Sein Zeichenmodell dient nur der Beschreibung der Beschaffenheit sprachlicher Zeichen, wobei drei Aspekte im Vordergrund stehen: die bilaterale Zeichenstruktur, die mentalistische Konzeption sowie das Prinzip der Arbitrarität. Die bilaterale Struktur sieht die Sprachzeichen zweiseitig: eine semantische (Signifikat) und eine phonetische Seite (Signifikant) (s. Kapitel 4. 2). Sie werden auch als concept und image acoustique bezeichnet (Nöth 1985, 62). Die Zeichentheorie von de Saussure ist gegen die realistische Auffassung fertiger Vorstellungen, die schon vor den Werten vorhanden sind... nichts ist eher bestimmt, als die Sprache in Erscheinung tritt (Saussure 1916, 97 zitiert nach Nöth 1985, 63). Somit ist bei dieser Zeichentheorie eine nominialistische Tendenz (s. Kapitel 3.1) zu erkennen. 2. 2 Peirce Als der Begründer der modernen allgemeinen Semiotik gilt Peirce (Nöth 1985, 33). Die universale Zeichentheorie und Peirce Zeichendefinition und -klassifikation sind grundlegende Bestandteile der Semiotik. Von Peirce wurde auch die Textsemiotik geprägt. Die Zeichentheorie von Peirce hat zur Grundlage, daß alles Denken notwendigerweise in Zeichen erfolgt (Nöth 1985, 35). Dieses ergibt sich daraus, daß ein Gedanke auf andere Gedanken verweist und dieses objektbezogen erfolgt. In der Zeichendefinition von Peirce ist der relationale beziehungsweise der funktionale Charakter zwischen Zeichen (representamen), Objekt und Bedeutung (interpretat) das wesentliche. Nach Peirce 4

entstehen Zeichen nur im Bewußtsein eines Interpreten, der die Relationen zwischen diesen drei Einheiten herstellt. Das besondere an der Textsemiotik, die von Peirce geprägt wurde, ist nach Köller (vgl. Nöth 1985, 41), daß das sprachliche Zeichen nicht in einem statischen Relationsgebilde betrachtet, sondern als dynamisches Ereignis angesehen wird. Die Analyse erfolgt aus der Perspektive des Prozesses, nicht aber aus der Perspektive des Systems. 3 Gegenstandsdifferenzierung der Semiotik Die Semiotik ist nach ihren Zeichentheorien und ihren Vertreter zu unterteilen. In diesem Abschnitt gehe ich aber nur auf bewußt ausgewählte Richtungen ein. Die Selektion erfolgt nach Bedeutsamkeit für den Zusammenhang dieser Arbeit. 3. 1 Realismus vs. Nominalismus Der Realismus ist eine Theorie aus Universalien. Nach der Scholastik sind sie Allgemeinbegriffe wie Menschheit, das Weiße. Die Bewußtseinsinhalte sind für alle Menschen gleich. Der universellen Allgemeinterminologie wird die alleinige Wirklichkeit zugesprochen. Der Realismus weist den Universalien das Ursprüngliche und Wirkliche zu. Aus ihnen entspringt das Einzelne. Vertreter dieser Richtung waren u. a. Amselm von Canterbury und Wilhelm von Champeaux (1070-1121). Die auf dem Realismus sich berufenden Zeichentheorien werden auf einer mehr abstrahierteren Ebene dargestellt. Die Nominalisten gehen vom umgedrehten Fall aus. Sie messen dem Einzelnen die Wirklichkeit bei, aus dem das Allgemeinere sich bildet. Die Allgemeinterminologien werden als bloße Namen, als Abstraktionen des Verstandes, die nach den Einzeldingen kommen, angesehen. Die Nominalisten stellten sich gegen ewig vorgegebene Ideen und sahen die materielle Welt als real an. Ein Vertreter des Nominalismus war zum Beispiel Johannes Roscellinus von Compiègne (ca. 1050-1120). Dem Nominalismus nach wird ein Gedanke, eine Idee von der Gesellschaft aufgenommen, anerkannt und über die Generationen weitergegeben. Das Zeichen entsteht aus dem Einzelnen, der Idee und wird zum Symbol und zur bezeichneten Sache (s. zum Beispiel de Saussure). 5

3. 2 Antroposemiotik vs. Zoosemiotik Die Antroposemiotik untersucht die Zeichensysteme menschlicher Wesen (Brockhaus 1993, Semiotik). Sie berücksichtigt dabei die Gesamtheit der menschlichen artspezifischen Signalsysteme. Die Antroposemiotik geht auf Sebeok (vgl. Nöth 1985, 220) zurück. Für ihn ist es bedeutsam, tierische und menschliche Kommunikations- und Signalsystem zu differenzieren. Im Gegensatz zur Antroposemiotik, betrachtet die Zoosemiotik die Zeichensysteme nichtmenschlicher Wesen näher. Sie erforscht die artspezifischen Kommunikationssysteme von Tieren und darüber hinaus Grundlagen der allgemeinen Kommunikation und Zeichengebrauchs. An dieser Stelle verschwimmen die Grenzen zwischen Zoo- und Antroposemiotik. Hauptsächlich werden die Strukturen und Prozesse der animalischen Kommunikation untersucht. 3. 3 Behavioristische Semiotik Als Begründer der behavioristischen Semiotik gilt C. W. Morris. Die Semiotik wird bei Morris Teil der naturwissenschaftlichen Verhaltensforschung und somit zu einer wissenschaftlichen Disziplin, da sie eine gültige Forschungsmethodologie erhält. Die Semiotik beschreibt wie die Naturwissenschaften Objektiv. Nach Morris ist der Behaviorismus Nominal (s. 3. 1). Der Behaviorismus nach Morris enthält drei charakteristische Punkte: objektiver Beobachtungsstandpunkt (untersucht werden Signifikantenexemplare, materielle Referenten und Organismen), die Zeichenrezeption, und die Ergänzung des Nominalismus im Behaviorismus um das Designat. Dieses geschieht im Sinne von Klasse der Referenten (Trabant 1996, 66). In diesem Sinne bezieht sich das Zeichenverhalten nicht nur auf materiell beobachtbare Dinge, sondern auch auf das Fehlen dieser Dinge. Trotz des Fehlens ist ein Zeichenverhalten zu beobachten. Die behavioristische Zeichentheorie von Morris baut auf die von Peirce auf. 4. Zeichentypologie Umberto Eco weist in seinem Buch Semiotik. Versuch einer Theorie der Zeichen (1991) darauf hin, daß eine Typologie der Zeichen schwierig ist. Er macht darauf aufmerksam, daß sprachliche Mittel nichtsprachliche Mittel nur begrenzt wiedergeben können und umgekehrt (Bsp. s. Eco 1991, 232/233). In den folgenden Unterkapiteln gehe ich kurz auf die Trichotomie der Zeichen von Peirce ein: Die Unterteilung der Zeichen in Symbole..., Ikone... und Indizes. (Eco 1991, 238) Symbole, Icons und Index sind Representamen, die auf ein Objekt verweisen (Trabant 1996, 32) sowie auf die von de Saussure geprägten Signifikate und Signifikante Relationen in Zeichensystemen. 6

4. 1 Symbol, Icon, Indizes Das Symbol nach Peirce ist das nichtabbildliche europäische Zeichen (Trabant 1996, 32). Das Symbol ist das Representamen, wenn keine Ähnlichkeiten zum Objekt bestehen (s. Icon). Das Symbol beruht dabei auf Arbitrarität und Konventionalität. Häufig wird es als Spezifikum der menschlichen Sprache (Nöth 1985, 233) verwendet und der vermeintlich nichtarbiträren Tierkommunikation gegenübergestellt (Nöth 1985, 233). Das Symbol ist daher mehr der Terminologie der Antroposemiotik zuzuordnen. Das Icon steht in einer Ähnlichkeitsrelation zum Objekt. Nach Peirce gibt es zwei Grundlagen, auf denen die Ikonizität beruht: die Kategorie der Erstheit und der Objektrelation (Nöth 1985, 111). Unter Erstheit wird das direkt und primäre Erfahren des Seins verstanden und das noch nicht in einem relationalen Verhältnis zum Objekt steht. Im Moment der Erstheit wird erst von einer Zeichenidee gesprochen. Man nennt sie genuines Zeichen (Nöth 1985, 111). Unter Objektrelation versteht Peirce, daß Zeichen erst ikonisch sind, wenn sie auf Grund eigener, vom Objekt unabhängiger Merkmale oder Qualitäten (Nöth 1985, 112) bezeichnet werden. Das Icon steht in einer Similaritätsbeziehung zum Objekt. Im Gegensatz zu Symbolen und Icons, können Indizes natürlich oder aber auch künstlich sein. Das Index verweist auf sein Objekt. Es kann objektähnlich sein oder keine Ähnlichkeiten aufweisen. Das Index steht über dem Symbol und dem Ikon. Nach Eco wird der Index physisch mit dem Gegenstand verknüpft (1991, 233). 4. 2 Signifikat, Signifikant Das Zeichen nach de Saussure besteht aus einem Signifikat, daß die Form des Zeichens bestimmt und dem Signifikanten, der den Inhalt, die Bedeutung darstellt. Nach Graeme Turner (1992, 17) muß das Zeichen eine physikalische Form haben, es muß sich auf etwas anderes beziehen als auf sich selbst, und es muß von anderen Benutzern des jeweiligen Zeichensystems anerkannt sein 1. 1 s. http://www.aber.ac.uk/~dgc/sem02.html 7

5. Kommunikation und Information In jüngerer Zeit hält die Informationstheorie auf neuere semiotische Publikationen ihren Einfluß (Trabant 1996, 76). Aus der Informationstheorie wird speziell das Kommunikationsmodell übernommen. Dieses Kommunikaitonsmodell nach Shannon (1992, 6) besteht aus Informationsquelle, Sender, dem Informationskanal (Kommunikationskode), dem Empfänger und dem Informationsverbraucher 2. Die erkenntnistheoretische, linuguistisch-gesellschaftliche Grundlage der Semiotik wird durch die Kybernetik abgelöst (Trabant 1996, 77). In dem Kommunikationsmodell läuft die Kommunikation zwischen Systemen ab. Dabei wird als System alles bezeichnet, das in irgendeiner Form kommunizieren kann (Menschen, Maschinen, Gesellschaften, Tiere, Pflanzen, physikalische und biologische Phänomene) (Trabant 1996, 77). Als Kommunikation wird dabei jede Art des Informationsaustausches bezeichnet. Differenziert wird zwischen Kommunikationswissenschaft und informationstheoretischer Semiotik an dem Punkt, daß die Kommunikationswissenschaft sich speziell auf den Informationsaustausch zwischen Menschen auf Grundlage der natürlichen Sprachen. Die informationstheoretische Semiotik dehnt die Kommunikation auf weitere Formen des Informationsaustausches aus. Sie implementiert u. a. die Musik, Bilder, Gesten und Verkehrszeichen. 6. Quellen Chandler, Daniel: Semiotics for Beginners. http://www.aber.ac.uk/~dgc/sem02.html: last update: 1999-06 - 01; letzter Zugriff: 1999-06 - 09 Cölfen, Elisabeth: Links zur Semiotik: Semiotik. http://www.linse.uniessen.de/links/themen/semiotik.htm: last update, 1999-05 - 14; letzter Zugriff: 1999-06 - 09 Eco, Umberto: Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen. 2. überarb. Aufl. München: Wilhelm Fink Verl., 1991. Henzler, Rolf G.: Information und Dokumentation. Sammeln, Speichern und Wiedergewinnen von Fachinformationen in Datenbanken. Berlin: Springer, 1992. Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. Stuttgart: Metzler, 1985. Semiotik. In: Brockhaus-Enzyklopädie, in 24 Bd. - 19., völlig neubearb. Aufl. - Mannheim Brockhaus: Bd. 20. Sci - Sq. 1993 S. 51-52 Sottong, Hermann; Müller, Michael: Zwischen Sender und Empfänger. Eine Einführung in die Semiotik der Kommunikationsgesellschaft. Berlin: Erich Schmidt Verl., 1998. Trabant, Jürgen: Elemente der Semiotik. Tübingen, Basel: Francke Verl., 1996. 2 Informationsquelle und -verbraucher sind für Semiotik unerherblich 8