Quantenchromodynamik: Grundlagen

Ähnliche Dokumente
VII. Starke Wechselwirkung (QCD)

Das Standardmodell der Teilchenphysik. Clara Fuhrer

Moderne Experimentalphysik III: Kerne und Teilchen (Physik VI)

Experimentalphysik VI Kern- und Teilchenphysik Prof. Markus Schumacher ALU Freiburg, Sommersemsester 2010

1.3 Historischer Kurzüberblick

Quanten-Chromodynamik

1.6 Aufbau der Hadronen. In der Natur werden keine freien Quarks oder Gluonen beobachtet.

Notizen zur Kern-Teilchenphysik II (SS 2004): 2. Erhaltungsgrößen. Prof. Dr. R. Santo Dr. K. Reygers

6. Das Quarkmodell Vorbemerkungen , S,

Überblick über schwere Hadronen (c,b) Katharina Anna Brodatzki Ruhr-Universität Bochum

Darstellungstheorie und das Standardmodell

H ± Das Higgs-Teilchen. Manuel Hohmann Universität Hamburg. 11. Januar 2005

Elementarteilchenphysik

6. Masse in der starken Wechselwirkung

Einheit 13 Subatomare Physik 2

The Eightfold Way...

Einführung in das Standardmodell

2.10 Normierung der Dirac-Spinoren

HÖHERE PHYSIK SKRIPTUM VORLESUNGBLATT XII Elementarteilchenphysik

Moderne Experimentalphysik III: Kerne und Teilchen (Physik VI)

Das Standardmodell der Teilchenphysik

Von Quarks, Gluonen und Confinement

Theoretical Biophysics - Quantum Theory and Molecular Dynamics. 10. Vorlesung. Pawel Romanczuk WS 2016/17

Kerne und Teilchen. Moderne Physik III

Zusammenfassung der QCD Grundlagen

Quarks, Gluonen, Hadronen

Quantenchromodynamik die Starke Wechselwirkung. Max Camenzind Akademie HD Juni 2015

Von Farbladungen und Quarkteilchen: die Starke Wechselwirkung. Harald Appelshäuser Institut für Kernphysik JWG Universität Frankfurt

: Quantenmechanische Lösung H + 2. Molekülion und. Aufstellen der Schrödingergleichung für das H + 2

Zusammenfassung meines Vortrags zum Thema Die Gruppe SU(3) und das Quarkmodell im Seminar zur Theorie der Teilchen und Felder

Standardmodell der Teilchenphysik

N.BORGHINI. Elementarteilchenphysik

Entdeckung der c/b/t - Quarks Seminarvortrag Fakultät für Physik und Astronomie Institut für Experimentalphysik I Hadronenphysik

Elementarteilchenphysik

Der Urknall im Labor. Experimente mit schweren Atomkernen bei hohen Energien. Harald Appelshäuser Institut für Kernphysik JWG Universität Frankfurt

Seminar WS 06/07. Hadron-Kollider-Experimente bei sehr hohen Energien. Das Standardmodell. von Eva Popenda

Elementarteilchenphysik

Die Bausteine der Natur

Übungen zu Moderne Experimentalphysik III (Kerne und Teilchen)

Bausteine der Materie

Einführung in die Kern- und Teilchenphysik I Vorlesung Teilchenphysik: fundamentale Teilchen und Wechselwirkungen

Kapitel 5. Quarkmodell und starke Wechselwirkung. 5.1 Isospin Nukleon-Nukleon-Systeme

(Quelle:

Modifikation der Eigenschaften von Antikaonen in dichter Materie

Die Schwache Wechselwirkung & Higgs-Mechanismus. Max Camenzind Akademie HD Juni 2015

Quark- und Gluonstruktur von Hadronen. Seminarvortrag SS 2005, Zoha Roushan Betreuer: Prof. M.Erdmann

Standardmodell der Materie und Wechselwirkungen:

Wechselwirkung von Neutrinos und Kopplung an W und Z

Dirac-Gleichung und Eichtheorien

Suche nach Uratomen Das Standardmodell SM der Teilchenphysik & das Higgs-Feld. Max Camenzind Senioren Uni Würzburg WS2013

Teilchenphysik. Was wir heute wissen. Philipp Lindenau Dresden Herzlich willkommen!

Eichinvarianz in der Quantenmechanik. abgeleitet aus der Maxwell-Theorie

Einführung in die Supersymmetrie (SUSY) Martin Reitz

Wie erhalten Teilchen Masse? Das Higgs-Boson. Hadron-Kollider-Experimente bei sehr hohen Energien. Hadron-Kollider-Experimente bei sehr hohen Energien

Kern- und Teilchenphysik. Einführung in die Teilchenphysik: Tiefinelastische Elektron-Nukleon Streuung

TC1 Grundlagen der Theoretischen Chemie

TEILCHENPHYSIK FÜR FORTGESCHRITTENE Diesseits und jenseits des Standardmodells (teilweise in Anlehnung an Skript R. Klanner/T.

Proseminar: Theoretische Physik. und Astroteilchenphysik. Fermi- und Bose Gase. Thermodynamisches Gleichgewicht

Teilchen, Strings und dunkle Materie

2 Das Standardmodell der Elementarteilchenphysik

Theoretische Einführung in das Standardmodell der Elementarteilchen. Vorlesung im WS 2008/09 Oliver Bär

Stark wechselwirkende Materie: Quarks und Co.

3. Flavour - Physik. Vorlesung Teilchenphysik für Fortgeschrittene. Physik der schweren Quarks. 0 Motivation. 1 Beschleuniger und Detektoren

Einführung in die Elementarteilchenphysik. Michael Buballa. Wintersemester 2006/2007

Symmetrien Symmetriebrechung CP-Verletzung Vorhersage neuer Quarks. Symmetriebrechung. Kevin Diekmann

Higgs und Elektroschwache WW

Einführung in die Teilchenphysik: Schwache Wechselwirkung - verschiedene Prozesse der schwachen WW - Cabibbo-Kobayashi-Maskawa-Matrix Standardmodell

8 Spontane Symmetriebrechung

Teilchenphysik. Was wir heute wissen. Philipp Lindenau TU Dresden Herzlich willkommen!

Phänomenologische Grundlagen

Kerne und Teilchen. Physik VI

Quarks, Higgs und die Struktur des Vakuums. Univ. Prof. Dr. André Hoang

Die Entdeckung des Omega- Von Nadine Gröner

2 Elektrostatik. 2.1 Coulomb-Kraft und elektrische Ladung. 2.1 Coulomb-Kraft und elektrische Ladung

Physik V Einführung: Kern und Teilchenphysik

Symmetrien und Erhaltungssätze

Von der Entdeckung des Higgs-Teilchens zur Suche nach Dunkler Materie -Neues zur Forschung am LHC-

Hadron-Kollider-Experimente bei sehr hohen Energien

6.1 Effektive Massen durch Abschirmfelder. V e mr. γ 0 (6.2)

Einblicke in die Teilchenphysik

RELATIVITÄT und QUANTEN

3. Feinstruktur von Alkalispektren: Die gelbe D-Linie des Na ist ein Dublett, sollte aber nur eine Linie sein.

Florian Steyer Seminar zu Kern- und Teilchenphysik WS 2014/ Die ersten Mesonen und Hyperonen

TEILCHENPHYSIK FÜR FORTGESCHRITTENE Wie geht es weiter? Träume und Aufgaben der Teilchenphysiker

Hands on Particle Physics Masterclass. Oliver Grünberg

Transkript:

Quantenchromodynamik: Grundlagen SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Quark-Antiquark Zustände MESONEN 3-Quark Zustände BAYONEN Farbe: theoretische Notwendigkeit und experimentelle Evidenz Gluonfeld Lagrangian der QCD enormierung Asymtotische Freiheit und Confinement Fragmentation und Hadronisierung Faktorisierung 1

QuantenChromoDynamik: kurze Geschichte Eichtheorie, beschreibt die WW farbiger Quarks und Gluonen Erster theoretischer Ansatz zur Beschreibung der starken WW: 1935 Yukawa (Nobelpreis 1949): NN-Wechselwirkung, e.g. n+p n+p Austausch eines Klein-Gordon Teilchens (Spin=0, K-G. Gleichung ( µ µ +m 2 )Φ=0 ) Für ein statisches Feld führt dies auf ein Yukawa Potential: m - Masse des Austauschteilchens - eichweite der WW =1/m Grenzfall m 0 : Coulombpotential mit unendlicher eichweite Gemessene eichweite der starken WW (Protonradius ~ 1 fm): Vorhersage: Existenz der Austauschteilchens Meson, m 200 MeV Entdeckung: 1947 π 2

QuantenChromoDynamik: kurze Geschichte 1963: Gell-Mann, Zweig: Quarks u, d, s (Spin ½, Ladung ±⅓) Bausteine der (damals bekannten) Hadronen Vorhersage und Entdeckung neuer Teilchen : z.b. Ω-Baryon (sss - Zustand) 1964: Greenberg: neue Quantenzahl Farbe 1969: Erste e-n Kollisionsexperimente, Auflösung der Nukleonstruktur 3

QuantenChromoDynamik: Grundlagen SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Quark-Antiquark Zustände MESONEN 3-Quark Zustände BAYONEN Farbe: theoretische Notwendigkeit und experimentelle Evidenz Gluonfeld Lagrangian der QCD enormierung Asymtotische Freiheit und Confinement Fragmentation und Hadronisierung Faktorisierung 4

QuantenChromoDynamik: Grundlagen SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Quark-Antiquark Zustände MESONEN 3-Quark Zustände BAYONEN Farbe: theoretische Notwendigkeit und experimentelle Evidenz Gluonfeld Lagrangian der QCD enormierung Asymtotische Freiheit und Confinement Fragmentation und Hadronisierung Faktorisierung 5

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Betrachte Flavour-SU(3) (Drei-Quark Modell) Ladung: u (+2/3) d(-1/3) s(-1/3) Isospin-Invarianz der starken WW in Kern- und Teilchenphysik: Starke WW unterscheidet nicht zwischen u und d: Isospindublett! up I 3 (u)=+1/2 down I 3 (d)=-1/2 s-quark: I 3 =0, Stranegeness S=-1, Baryonzahl B=1/3 (Quarks), B=-1/3 (Antiquarks) Hyperladung Y=B+S Quark Zustandsvektoren: ohne Zeit-,Orts-, Spin- Komponente 6

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Isospin-Invarianz der starken WW: u- d- Quarks vertauschbar bzw. ihre Wellenfunktion vermischbar: SU(2) Annahme: starke WW invariant gegenüber u s, d s Unitäre Transformationen bilden SU(3) Gruppe: speziell, unitär, in 3-D: unitär: UU + =U + U=1 ; speziell: det U=1 Größe Masse des s-quark: SU(3) exakt erfüllt für E>>m s SU(2) Transformationen: τ - Pauli Matrizen SU(3) Transformationen: λ j -Gell-Mann Matrizen Koeffizienten α j reel Unitär: λ j -hermitesch, speziell: Tr(λ j )=0 7

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Unitär: λ j -hermitesch, speziell: Tr(λ j )=0! 8 linear unabhängige hermitesche 3x3 Matrizen mit Spur=0 Konstruiere die den Isospin-Operatoren entsprechende Matrizen I 3 =1/2 λ 3, I 3 u=1/2 u, I 3 d=-1/2 d, I 3 s=0 8

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Unitär: λ j -hermitesch, speziell: Tr(λ j )=0! 8 linear unabhängige hermitesche 3x3 Matrizen mit Spur=0 λ 1 - λ 7 ermöglichen die Shiebeoperatoren für u s, s d zu konstruieren λ 8 hängt mit Strangeness-Operator zusammen: S = λ 8 / 3 - I/3 9

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Vertauschungsregeln: Strukturkonstanten: total antisymmetrisch f 123 = 1; f 147 = f 246 = f 257 = f 345 = f 516 = f 637 = ½ ; f 458 =f 678 = 3/2 Baryonzahl-Operator: B=1/3 I (I-Einheitsmatrix) 10

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Anti-Quark Zustandsvektoren: additiven Quantenzahlen: Q, S, B = -Q, -S, -B ; Q=I 3 +(B+S)/2 I 3 = -I 3 ; Strangeness-Operator: S=-S, λ Matrizen: λ j =-λ j j=1,..8 Baryonenzahl-Operator B= -B Beispiel: I + u=-d 11

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Triplets der 3 Quarks und Antiquarks d ⅓ Y u ⅔ Y s -½ ½ -½ ½ -⅔ s I 3 u -⅓ d I 3 12

SU(3) Symmetrie und Quarkmodell Quark Antiquark Zustände: Mesonen Produkt 3-dim. Vektorräume {3} {3} Mögliche Basis: 9 Kombinationen ud, us I 3 - Operator im Produktraum (Y,B,S,Q Operatoren analog): wirkt auf Quarks wirkt auf anti-quarks qq -Quantenzahlen : Summe der Quantenzahlen der q und q B=0; Y=B+S; Q=I 3 +Y/2 ; qq -Zustand gegeben durch Y und I 3 13

Mesonen Parallelen Quark-Antiquark Spins: Vektormesonen J P =1 - Antiparallelen Quark-Antiquark Spins: pseudoskalare Mesonen J P =0 - : Y I 3 Zustände uu,dd,ss bilden Linearkombinationen 14

Mesonen Produkt-Vektorraum : 2 Teilraume, die durch SU(3) Transformationen nur in sich abgebildet werden: {3} {3} ={8} {1} Innerhalb des Oktetts kan man aus einem Zustand ausgehend einen anderen Zustand erhalten durch Anwendung der Schiebeoperatoren: Beispiel: Kombination bei beliebigen SU(3) Transformation geht in sich selbst über: Singulett Vektormeson-Oktett: ρ ±, ρ 0, K* +,K* 0,K* -, Oktett-Singulett Mischungen: ω und φ (fast rein ss), 15

Baryonen 9 2-Quarkzustände q i q j : 6 symmetrische und 3 antisymmetrische Kombinationen: 3-Quarks: Dekuplett+ 2 Oktetts+1 Singulett Dekuplett: total symmetrisch in Quarkwellenfunktion, Quark-Spins sind parallel Beispiel: Δ ++ = uuu, Δ + =1/ 3 (uud+udu+duu) Oktetts: symmetrisch bzg. Vertauschung 2 Quarks inkl. Spins. Keine definierte Symmetrie wenn Flavour oder Spins getrennt betrachtet werden: p = 1/ 18 (2 u d u +2u u d +2d u u u u d -u d u -u d u -d u u -d u u -u u d ) 16

Baryonen Dekuplett: total symmetrisch in Quarkwellenfunktion, Quark-Spins sind parallel Beispiel: Δ ++ = uuu, Δ =ddd, Ω =sss Ω (s=3/2), kein leichteres Hadron mit gleichen Quark- und Spin- Struktur: Ω = s s s Problem: Teilchen in Grundzustand, besteht aus identischen Fermionen elative Bahndrehimpuls = 0 Ortswellenfunktion symmetrisch Gesammtwellenfunktion Ψ = Ψ ort Ψ spin Ψ Flavour symmetrisch! 3 identische Quarks befinden sich in im gleichen Quantenzustand Pauli-Prinzip: Fermi-Dirak Statistik fordert totale Antisymmetrie der Wellenfunktion Widerspruch zum Pauli-Prinzip! 17

Farbe: theoretische Notwendigkeit Lösung: zusätzlicher Freiheitsgrad für jeden Quark Neue Quantenzahl Farbe (color), N c =3, Farbindizes a=1,2,3 (rot, grun, blau) Farbwellenfunktion: Drei Quarks im Ω-Baryon sind nicht mehr identisch! total antisymmetrisches Tensor Die Wellenfunktion antisymmetrisch 18

Farbe: theoretische Notwendigkeit Quarks: verschiedene Flavours und verschiedene Farben Die Gruppe der Farb-Transformationen : SU(3) C Beobachtbare Zustände: Farb-Singuletts Color Quarks q a werden transformiert in 3x3 Unitärmatrix-Darstellung Antiquarks q a in einer komplex-konjugierten Darstellung Farb- Grundzustände (Farb-Singuletts) sind Mesonen q a q a Baryonen ε abc q a q b q c, a,b, - Farbindex 19

Beispiel: Δ++ (uuu): Farbe: theoretische Notwendigkeit summiere ueber i,j,k Mesonen: Quark-Antiquark Zustände Farbe der Antiquarks: z.b. rot - antirot Mesonen, Baryonen sind Farbneutral, d.h. Farbe ist NICHT beobachtbar 20

Farbe: theoretische Notwendigkeit Farben Ladungen der starken Wechselwirkung. Anders als in QED, gibt es 3 verschiedene Farbladungen, bzw. Antiladungen u Quark e-ladung +(2/3)e Farbe: r, g, b u Antiquark e-ladung -(2/3)e Farbe: r, g, b Starke Kraft wirkt auf Farbladung Unterscheidet nicht zwischen Quark-Sorten: Flavour-blind Elektromagnetische, schwache Wechselwirkung sind Farb-blind 21

Farbe: experimentelle Evidenz echnung: Messung: Die Daten erfordern einen Faktor Nc=3 vor der Summe: Jede Quarksorte muss dreifach gezählt werden 22

Zerfall des π 0 π 0 Farbe: experimentelle Evidenz q γ q γ Hierfür ist eine Quark-Antiquark Schleife zu berechnen. esultat: Zerfallskonstante (aus π ± Lebensdauer) Vorhersage: Messung: 7.86±0.54 ev NB: die ursprungliche echnung der ate erfolgte mit der Annahme, Proton und Neutron seien fundamentale Teilchen, es ergab: 23

Gluon Felder Lagrangian der QCD 24

Eichtheorie der QCD Bei Vernachlässigung der Massenunterschiede zwischen den Quarks: Starke WW invariant gegenüber einer globalen Flavour-SU(3) Transformation (Vertauschung von Quarks) Experimentelle Beobachtung: Erhaltung von Strangenes, Charm und Beauty Lokale (Ortsabhängige) Flavour-SU(3) Transformationen nicht zulässig! (es wäre die Existenz der Felder erfordert, die Quarksorten ändern) Quantenchromodynamik: Eichtheorie der starken WW, basiert auf lokalen Eichtransformationen bezüglich Farbladungen Annahme der QCD: SU(3) C Transformationen können durchgeführt werden 25

Gluon Felder Quantenchromodynamik: Eichtheorie der starken WW, basiert auf lokalen Eichtransformationen bezüglich Farbladungen Existenz von Feldern, die an die Farbladungen koppeln und Farbe ändern Feldquanten (Eichbosonen) Gluonen 26

Betrachte eine Quarksorte q. Gluon Felder Dirac-Gleichung des Quarks im Vakuum: Gesamtwellenfunktion Ψ schreibe als Produkt Dirac-Wellenfunktion Farb-Spinor Lösungen der Dirac-Gleichung mit positiver/negativer Energie; 1,2 - Helizitaetszustaende Farb-Spinor: 27

Betrachte eine Quarksorte q. Gluon Felder Dirac-Gleichung des Quarks im Vakuum: Gesamtwellenfunktion Ψ schreibe als Produkt Dirac-Wellenfunktion Farb-Spinor Forderung: Dirac-Gleichung invariant gegenüber SU(3) C Transformation Das Quark muss in den drei Farbzuständen exakt die gleiche Masse haben: m r =m g =m b =m 28

Gluon Felder Lokale SU(3) Transformation wird dargestellt in der Form: Kopplungskonstante der starken WW Summierungskonvention: SU(3) Gruppe hat 8=3 3-1 Generatoren Lokale Transformation wirkt nur auf den Farbanteil der Wellenfunktion und ist durch 8 unabhängige Transformations- Winkel gekennzeichnet: β 1 (x), β 2 (x), β 8 (x) 29

Gluon Felder Invarianz der Dirac Gleichung ist gegeben durch Einführung der 8 Vektorfelder und der kovarianten Ableitung: Parallel zu SU(3) Transformation der Dirac Spinoren muss eine Eichtransformation der Felder durchgeführt werden. z.b. für eine Infinitesimale Transformation (β j - klein): Ohne Beweis: Dirac Gleichung invariant unter SU(3) C + Eichtransformation 30

Lagrangedichte der QCD 8 Felder G j µ hängen eng mit den Feldern der 8 Gluonen zusammen. Feldtensor: Lagrangedichte der QCD : Für eine Quarksorte! Für 6 Quarks wird der erste Term über 6 summiert 31

Eichgruppen der QED, EW und QCD In der Eichtransformation SU(3)c tritt ein Term auf, was in der QED nicht gibt U(1) kommutativ Zusatzterme: - Konsequenz der nicht-vertauschbarkeit der SU(2) oder SU(3) Transformationen - Sind proportional zur Kopplung g bzw. g S Teilchen, die an W-Bosonen oder Gluonen koppeln, koppeln mit exakt der gleichen Kopplungsstärke g bzw. g S 32

Transformationen: Eichgruppen der QED, EW und QCD SU(2) L : gleiches g für SU(3) C : gleiches g S für alle Quarksorten: u,d,s,c,b,t und alle Farben,G,B Elektromagnetismus: verschiedene Kopplungen: z. B: q=-e (Elektron), q=2/3 e (Quark), q=+79 (Au-Kern) Symmetriegruppe der Phasentransformationen ist eine Abelsche U(1) Gruppe: Die Kopplung der Teilchen an die Eichbosonen ist nicht festgelegt Nicht-abelsche Eichtheorien: Eichfelder koppeln an alle Teilchen mit gleichen Kopplungskonstanten (falls sie koppeln) 33

Eichgruppen der QED, EW und QCD Lagrangedichte der QCD : QED: Strukturkonstanten f jkl = 0 (da U(1)) Terme ~ G 3, G 4 im kinetischen Term der Lagrangians: 3-, 4-Gluonkopplung: Gluonen können an sich selbst koppeln, Photonen nicht! 8 Gluonen (Farb-Oktett) treten in folgenden Farbkombinationen auf: Einige Kombinationen lassen die Farbe unverändert, bilden aber kein Singulett! 34

Noch etwas zu Gluon-Feldern Es kann noch eins geben: Farb-Singulett, wie Photon Welche Auswirkungen hätte so ein Gluon auf die Kräfte und Materie? 35

Noch etwas zu Gluon-Feldern 1: 9-te Gluon = Photon Vereinheitlichung der Starken und EM Kraft! Problem: Starke der EM Kopplung (Photon) ~Ladung g koppelt an alle Baryonen mit gleicher Stärke. Masse ~ Baryonenzahl in der Nuklearen Materie Solche Kraft würde einen Beitrag zu Gravitation machen 2: 9-te Gluon Austauschteilchen Farb-Singulett, Problem: soll beobachtbar sein Grösseres Problem: es kann zwischen 2 Farb-Singuletts ausgetauscht werden Was wuerde das bewirken? 36

Noch etwas zu Gluon-Feldern 2: 9-te Gluon Austauschteilchen Farb-Singulett, kann zwischen 2 Farb- Singuletts ausgetauscht werden m g =0, Gluonen tragen eine Kraft unendlicher eichweite (wie γ in QED) Ein Farb-Singulett (p) kann nur ein Singulett abstrahlen / absorbieren Kein einzel-gluon- Austausch zwischen p und n! Singulett-Gluon: kann zwischen Singuletts ausgetauscht werden: Unendliche eichweite der Starken WW! 37

Asymtotische Freiheit: Kopplungsstärke Feldstärketensor F j µν : Term g s f jkl G k µ G l ν Kinematischer Term in Lagrangedichte ~G 3, G 4 : 3, 4-Gluonkopplung! QED [U(1)]: f jkl =0, Stärke der EM WW: α s =e 2 /4π, α<< 1: Störungsrechnung möglich QCD [SU(3)]: Starke Kopplung α s =g 2 s /4π, α s << 1 nicht gewährleistet, Störungsrechnung nicht immer möglich Beobachtung: starke Kopplung abhängig von Impulsübetrag : α s =α s (Q 2 ), α s Asymptotische Freiheit : Eigenschaft der nicht-abelschen Theorien 38

Vakuumpolarisation in QED und QCD QED: schwache Abhängigkeit α=α(q 2 ), wachsend α(q 2 Beispiel aus klassischen Physik: Ladung q+ in dielektrischen Öl: Moleküle des Mediums besitzen elektrisches Dipolmoment, - Ausrichtung der Minus -Polen zur q+ - Polarisation des Mediums: - Elektrisches Feld abgeschwächt (Abschirmung): Zweite Ladung q : Coulomb-Kraft zwischen q und q 39

Vakuumpolarisation in QED und QCD QED: schwache Abhängigkeit α=α(q 2 ), wachsend α(q 2 Beispiel aus klassischen Physik: Ladung q+ in dielektrischen Öl: Moleküle des Mediums besitzen elektrisches Dipolmoment, - Elektrisches Feld abgeschwächt (Abschirmung): Zweite Ladung q : Coulomb-Kraft zwischen q und q Öl unsichtbar : q, q effektive Ladungen q eff <q, ε >1 Gedankenexperiment: q,q Atomkerne, möglich zusammenzubringen (r << Dipolgröße) : keine Abschiemung, q eff (r) q, q eff (r) q, r Dielektrisches Medium: Ladung wächst, wenn Abstände <<Moleküldimension 40

Vakuumpolarisation in QED und QCD QED: schwache Abhängigkeit α=α(q 2 ), wachsend α(q 2 Beispiel aus klassischen Physik: Ladung q+ in dielektrischen Öl: Moleküle des Mediums besitzen elektrisches Dipolmoment, - Elektrisches Feld abgeschwächt (Abschirmung): Zweite Ladung q : Coulomb-Kraft zwischen q und q Öl unsichtbar : q, q effektive Ladungen q eff <q, ε >1 QED: Vakuumfluktuationen : γ e + γ e + e Paare schirmen die Testladung ab (wie Dipole des Mediums) e 41

Vakuumpolarisation in QED und QCD QCD: Abhängigkeit g s =g s (Q 2 ) durch 2 gegenläufige Effekte Erzuegung virtueller qq Paare: Abschiermung -Sonde Effektive Ladung wächst an, wenn sich die rotempfindliche Sonde einem roten Quark nähert Gluonemission: Ausshmierung der Ladung Sonde Eine rot -empfindliche Sonde nähert sich einem -Quark 42

Vakuumpolarisation in QED und QCD QCD: Abhängigkeit g s =g s (Q 2 ) durch 2 gegenläufige Effekte Erzuegung virtueller qq Paare: Abschiermung der Ladung -Sonde Effektive Ladung wächst an, wenn sich die rotempfindliche Sonde einem roten Quark nähert Gluonemission: Ausshmierung der Ladung G Emission eines G Gluon: Sonde G Farbübergang G -Sonde registriert keine Ladung bei r < eichweite der starken WW (~1fm) effektive Farbladung kleiner! 43

Vakuumpolarisation in QED und QCD QCD: Abhängigkeit g s =g s (Q 2 ) durch 2 gegenläufige Effekte Erzeugung virtueller qq Paare: Abschirmung effektive Farbladung (r-groß) < Farbladung ( r sehr klein) Gluonemission: Ausshmierung der Ladung bei r < eichweite der starken WW (~1fm) effektive Farbladung kleiner! effektive Farbladung (r-groß) > Farbladung ( r sehr klein) Für N Flavour < 16 Ausschmierungseffekt überwiegt: Asymptotische Freiheit: α s (Q 2 ) NB: QED (Abelsche Theorie): nicht asymptotisch frei, die Feldquanten tragen keine Ladung, Ausschmierung tritt nicht ein 44

enormierung. Laufende Kopplung QED: Streuung in LO: NLO: q q q-k q Vakuumpolarisation (virtuelles e + e Paar) Integration über k Integral divergiert, wenn k 2 > k 2 max = λ, λ willkürlich! enormierungstheorie: Bedeutung der Cuts (Abschneiden) im Schleifenintegral: nackte Ladung e ersetzt durch renormierte Ladung e ~ln (λ 2 /m e 2 ) k Effektive Ladung : Kopplungskonstante: Messung: Ablenkung im Magnetfeld Abhängigkeit sehr schwach: α (M Z ) = 1.06 α (m e ) 45

enormierung. Laufende Kopplung QCD: q q Streuung: Elementarladung g s / 2 qq-schleifen: gg-schleifen: Űber alle Ordnungen Summiert: 46

enormierung. Laufende Kopplung Űber alle Ordnungen Summiert: Definiere: Anwendbar für Q 2 >> Λ 2 Bedeutung: für N F 16 Starke Kopplung wird kleiner mit wachsendem Q 2 Skalenparameter Λ nicht berechenbar! Messungen in en, e + e : Λ~0.3 GeV Messungen am LEP: N Familien =3 NF = 6 47

Confinement r ~1/ Q 2 : kleine Abstände r << Proton bedeuten Grosse Q 2 - Werte Folge: α s (Q 2 ) <<1, 1-Gluonaustausch dominant Annahme der QCD: Gluon Masse = 0, Quark-Quark Potential ~ 1/r (Coulomb) ABE. noch mal Vergleich mit QED Coulombkraft 1/r 2 Gluon-Selbstkopplung Feldlinien verlaufen vom q zum q : Potential: V(r) = - 4πα s /3r + σ r String (~1 fm) Kraft unabhängig vom Abstand! String tension σ 0.9 GeV/fm e + e qq wenn r (q q) > 1 fm Erzeugung eines neuen qq - energetisch günstiger, Trennung des String Confinement : Hadronisierung und Fragmentation 48

Zusammenfassung: Grundlagen der QCD QCD: Eichtheorie mit einer Selbstkopplung der Eichbosonen Ladung: Farbe, Die Gruppe der Farb-Transformationen SU(3) F In 3 Farbzuständen hat ein Quark die gleiche Masse Farbe ist nicht beobachtbar, beobachtbare Zustände sind Farb-Singuletts Starke Kraft wirkt auf Farbladung, ist Flavour-Blind Konsequenzen der NICHT-Vertauschbarkeit der SU(3) - Transformation (nichtabelsche Gruppe): Farbträger koppeln mit gleicher Kopplungsstärke g s Feldstärketensor in QCD: 3-Gluon, 4-Gluon Kopplung weisses Gluon existiert nicht (endliche eichweite starker WW!) Feynman-Graphen: Farbladung an jedem Vertex erhalten Asymptotische Freiheit und Confinement Grosser negativer Beitrag der Anti-Abschirmung 49