Fortbildung Pathways-Training. Herzlich willkommen!

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Transkript:

Herzlich willkommen!

Pathways Was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Pathways ist ein therapeutisches Trainingsprogramm für sexuell übergriffige Jugendliche

Pathways wurde in den USA von einer Organisation namens Safer Society entwickelt, im (offenen) Jugendstrafvollzug eingesetzt und an verschiedenen Universitäten evaluiert. In Deutschland wird es v.a. in Jugendhilfeeinrichtungen und im Jugendstrafvollzug in Baden-Württemberg angewandt.

Ist Pathways theoretisch begründet oder handelt es sich etwa um ein religiös-ideologisches Programm aus dem mittleren Westen (Bible-Belt)?

Pathways folgt einem psychologischtherapeutischen Ansatz, den man am besten mit dem Begriff beschreibt. Kognitive Verhaltenstherapie Informationen zur Kognitiven Verhaltenstherapie finden Sie bei den Materialien zu dieser Ausbildung auf meiner Website. Dazu später mehr!

Wie ist das Trainingsprogramm aufgebaut?

Das Programm ist am ehesten als ein begleitetes Selbstlernprogramm zu bezeichnen.

Begleitet meint dabei, dass es sich zumindest in Deutschland bewährt hat, wenn das Programm von den Klienten gemeinsam mit einem Therapeuten / Trainer durchgearbeitet wird. In den USA mit einer anderen Tradition des Selbstlernens werden Training und begleitende Therapie häufig voneinander getrennt.

Das Programm umfasst insgesammt 13 Schritte bzw. Themenbereiche die die Teilnehmer bearbeiten müssen. ( Schritte bedeutet dabei nicht Anzahl der Sitzungen. Das Lerntempo ist individuell unterschiedlich) Die Schritte / Themen sind:

1. Einführung

Hier lernen die Jugendlichen etwas über die Rechtslage und in dem Zusammenhang etwas über zentrale Begriffe wie Zwang, Nötigung, Zustimmung etc. Außerdem lernen sie die Regeln des Trainings kennen und sie beginnen, sich Gedanken über ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse zu machen.

2. Probleme und Ziele

Hier setzen sich die Jugendlichen mit ihren allgemeinen Problemen und ihren Zielen im Pathway-Training auseinander. Sie arbeiten daran, wie differenziert unser Gefühlsleben ist und wie Gefühle ggf. im Zusammenhang mit sexuellen Wünschen stehen.

3. Enthüllung und Offenheit

Hier arbeiten die Jugendlichen daran, zunächst sich, dann dem Therapeuten und schließlich anderen Beteiligten gegenüber das sexuell gefärbte Geschehen ohne Umschweife einzugestehen. In diesem Zusammenhang lernen sie den Begriff Denkfehler kennen, der eine große Bedeutung in dem Training hat.

4. Die Opferperspektive

Jetzt steht die Frage im Mittelpunkt, was Opfer bei sexuellen Übergriffen erleben, es geht also um Empathie. Obwohl Empathie eine emotionale Kompetenz darstellt, wird sich dieser Herausforderung zunächst rein kognitiv genähert. Außerdem lernen die Teilnehmer in diesem Block viel über verschiedene Arten von Grenzen und was diese für eine Bedeutung haben.

5. Die Täterperspektive

In diesem Abschnitt lernen die Jugendlichen etwas darüber, dass Verhalten nicht vom Himmel fällt, sondern motiviert ist. Formen von Motivation und Begrenzungen für Motivation werden erkundet. Das Ziel dieses Abschnitts besteht also darin, dass den Jugendlichen ihr Handeln und dessen Trebkräfte richtiggehend bekannt werden.

6. Die Tatvorbereitung

Jetzt setzen sich die Jugendlichen damit auseinander, dass ihre Übergriffe nicht spontan passieren, sondern dass sie sie i.d.r. differenziert vorbereiten und z.b. Gelegenheiten geradezu konstruieren. Hierzu gehört es auch, dass sie ihre Opfer ggf. manipulieren oder unter Druck setzen. Wieder geht es um Denkfehler.

7. Verhaltensmuster verstehen

Nunmehr soweit vorbereitet sind die Jugendlichen im Stande, mithilfe ihrer Therapeuten Verhaltensmuster zu erkennen und zu verstehen. Gelingt dies, sind die Voraussetzungen verbessert, z.b. Risikosituationen zu meiden. Auch hier werden wieder die Denkfehler ins Zentrum gerückt.

8. Sexuelle Gefühle kontrollieren

Ein schwieriger Abschnitt! Kontrolle bedeutet nicht Unterdrücken, sondern Kennen und Steuern! Es geht darum, sexuelle Phantasien anzunehmen und sie ggf. durch ungefährlichere zu substituieren. Die Jugendlichen lernen die sog. verborgene Sensibilisierung kennen. Deren Praxis gilt (empirisch abgesichert!) als besonders effektiv, um neue Übergriffe zu vermeiden.

9. Entwicklung eines Rückfallvorbereitungsplans

Zu diesem Plan gehört das Kennen der Warnsignale und der Situationen mit hohem Risiko. Jeder Klient verfasst schriftlich einen Rückfallvorbereitungsplan.

10. Verständnis von sexuellem Missbrauch entwickeln

In diesem Abschnitt erfahren die Klienten etwas über sexuellen Missbrauch als Trauma. Möglicherweise müssen sie sich dazu stellen, dass sie selbst eine traumatische Vergangenheit haben. Diese traumatischen Vergangenheit soll aber nicht (mehr) als Denkfehler zur Legitimation mangelnden Respekts und mangelnder Grenzeinhaltung ins Feld geführt werden.

11. Die Dinge klären

Die Jugendlichen werden in diesem Abschnitt darauf vorbereitet, gegenüber ihren Opfern die Dinge zu klären. Dazu gehörten nochmals Selbstklärung, dann eine umfassende empathische Auseinandersetzung mit den Gefühlen des Opfers und schließlich das Verfertigen eines (nicht abzuschickenden) Klärungsbriefes.

12. Verantwortungsübernahme

Dieser Abschnitt nimmt Anleihen bei dem Konzept der Anonymen Alkoholiker AA, die ein umfassendes Modell der Übernahme von Selbstverantwortung entwickelt haben. Dieses Konzept fungiert i.d.r. als eine Art Geländer. Ein analoges Geländer in Bezug auf das Sexualverhalten wird in diesem Abschnitt entwickelt.

13. Integration und Beendigung

Der Klient soll sich hier noch einmal die durchlaufenen Schritte vergegenwärtigen und sich darüber klar werden, dass er zu werden. nicht gefeit ist, nicht rückfällig Ein Brief, den der Klient an sich selbst schreibt, dient der Integration des Gelernten und der Vergewisserung der persönlichen Lebensziele.

Wie werden wir arbeiten?

Das didaktische Konzept im Verlaufe der Fortbildung sieht vor, dass 1. jeder von Ihnen eine Rollenbiografie schreibt und in dieser Rolle als Klient das Programm durchläuft. So lernen Sie das Programm aus der Innensicht kennen. Allerdings durchlaufen Sie nur die Hälfte des Programms als Klient.

2. Die zweite Hälfte genauer immer abwechselnd - durchlaufen Sie das Programm als Trainer. So lernen Sie die Fragestellungen kennen, durch die Sie in der Trainerrolle herausgfordert werden. Wir werden also Dyaden (Klient und Trainer) bilden. Ob dies feste oder wechselnde Dyaden sein werden, wird die Erfahrung in jedem Kurs zeigen.

Woher bekommen Sie das Material? Ich habe für Sie auf meiner Website (www.hagen-winter.de) Unter dem Button Aktuelles einen Link eingerichtet, der Sie mittels eines Benutzernamens und eines Passworts zu wichtigen Unterlagen auch Hintergrundliteratur führt.

Ich danke für die Aufmerksamkeit und ich freue mich sehr auf unser gemeinsames Projekt!

Jetzt noch Fragen und dann eine kleine Pause!