Posttraumatische Symptombildung in Familien und systemtherapeutische Lösungswege Traumatischer Stress Post-traumatische Interaktion Typologien familiärer Traumatisierung Systemtherapeutische Lösungswege für traumatisierte Familien Fallbeispiel: Sina 11.11.2013 Trauma und System 1 Charles Figley, 1989 Wenn wir uns nicht dem sozialen Netzwerk des Opfers annehmen, wird sich das Opfer nicht schnell von dem stressreichen Erlebnis erholen. Meist ist das soziale Netzwerk die Familie. 11.11.2013 Trauma und System 2 Alexander Korittko 2007 ZPTN 1
Traumatischer Stress? 11.11.2013 Trauma und System 3 11.11.2013 Trauma und System 4 Alexander Korittko 2007 ZPTN 2
Familie und Trauma 10.3.2007 Die Traumatische Zange Traumatischer Schock, existentielle Bedrohung Sympathikus Bindung Oxytocin Abgeschalteter Hippocampus Kampf Noradrenalin Keine Fluchtmöglichkeit, keine Kampfmöglichkeit Fragmentierte Speicherung von Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Körperempfindungen, Emotionen, Kontexten 11.11.2013 Flucht Adrenalin Hilflosigkeit, Ohnmacht Verzweiflung Erstarren (Freeze) Parasympathikus Amnesie Unterwerfung Dissoziation Trauma und System 5 Nach Hüther, modifiziert Korittko 11.11.2013 Alexander Korittko 2007 ZPTN Trauma und System 6 3
Die Posttraumatische Belastungsstörung Intrusionen (Wiedererleben) Flash-backs und Alpträume Panik-Attacken Zwanghaftes Grübeln Konstriktionen (Vermeidung) Vermeidung von Ereignis- Triggern Soziale Isolation Emotionale Empfindungslosigkeit (numbing) Alkohol- und Medikamenten-Mißbrauch Hyperaraousal (Übererregung) Übersteigerte Wachsamkeit Schlafstörungen Herzrasen, Atemnot, Beklemmungen Somatoforme Störungen Konzentrationsstörungen Taubheits- und Starre-Empfinden 11.11.2013 Trauma und System 7 Trauma-Typologien (nach Lempa und Sack, 2000) Soziale Unterstützung Intensität der Traumatisierung Mono- Trauma Multiple Traumata Sequentielle Traumata Entwicklungstraumata ABR PTSB Komorbide Störungen z.b. Sucht, Depression Komplexe PTSB DESNOS Intensität der Exposition in Therapie Dauer der Stabilisierung Integration Persönlichkeits-Störungen DIS 11.11.2013 8 Alexander Korittko 2007 ZPTN 4
Familie im Stress 11.11.2013 Trauma und System 9 Ein triadisches Modell post-traumatischer Prozesse Traumatische Zange: Flucht - Kampf Einfrieren Dissoziation Organismus Veränderte neurobiologische Informationsverarbeitung Psyche Veränderte Gedanken und Gefühle, Verändertes Selbstbild Soziale Unterstützung Familie Soziales Umfeld Beratung und Therapie Soziales System Post-traumatische Interaktion (Erstarrtes Mobile) 11.11.2013 Trauma und System 10 Alexander Korittko 2007 ZPTN 5
Post-traumatische familiäre Interaktion Das erstarrte Mobile Stehen bleiben Unbewußte Re- Inszenierung der traumatischen Situation eingefrorene Interaktionen Kampf gegen das Unrecht Keine weiteren Schritte im Trauerprozess Nicht merken Neue Familienregeln verhindern Nähe zum Trauma Nähe und Sprachlosigkeit als Schutz vor Schmerz und Trauer Wenig emotionaler Austausch Funktionieren in der Super- Normalität Schnell etwas anderes Systemische Dissoziation als interaktionelle Notbremse Verwirrende Gesprächs- und Handlungsfragmente Durchbrüche von Erschöpfung und Depression 11.11.2013 Trauma und System 11 Simultane Traumatisierung Zum Beispiel: Autounfall, Feuer die gesamte Familie ist betroffen zur selben Zeit am selben Ort direkte Auswirkungen bei allen Beteiligten Beratung oder Therapie: gemeinsam 11.11.2013 Trauma und System 12 Alexander Korittko 2007 ZPTN 6
Konsekutive Traumatisierung Zum Beispiel: Geiselnahme, Unfall und Information darüber kurz danach alle sind vom Schock betroffen (aber unterschiedlich!) zeitlich versetzt an unterschiedlichen Orten direkte Auswirkungen bei allen Betroffenen Beratung oder Therapie: gemeinsam 11.11.2013 Trauma und System 13 Parallele Traumatisierung Zum Beispiel: Krieg und Flucht, Naturkatastrophen Alle sind betroffen zeitlich parallel oder zeitlich versetzt an unterschiedlichen Orten direkte Auswirkungen bei allen Familienmitgliedern Beratung oder Therapie: gemeinsam 11.11.2013 Trauma und System 14 Alexander Korittko 2007 ZPTN 7
Familie und Trauma 10.3.2007 Sekundäre Traumatisierung 11.11.2013 Zum Beispiel: Krieg, Folter - aber auch: Traumatisierung der Helfer! ein Familienmitglied ist direkt betroffen indirekte Einwirkung auf die Familie unter Umständen nach langer Trennungszeit Individuelle Therapie und gemeinsame Therapie zu den familiären Auswirkungen Trauma und System 15 Vergangenheits-Traumata Direkte oder indirekte Auswirkungen von Traumata aus der Vergangenheit eines Elternteils oder mehrerer Familienmitglieder, z.b.: Innerfamiliäre Traumata aus der Kindheit Kriegs- und Fluchterlebnisse in der Kindheit Mehrgenerationale Weitergabe (z.b. Holocaust) Individuelle Therapie Ergänzende Familien- oder Paartherapie 11.11.2013 Alexander Korittko 2007 ZPTN Trauma und System 16 8
Familiäre Stabilisierung Trauma-zentrierte Psycho-Edukation Arbeit mit den familiären Ressourcen Übersetzung der Symptome als Selbstheilungsversuche Post-traumatisches Wachstum und gewünschte Konsequenzen Innerfamiliäre Unterstützung, neue Kommunikationsregeln, Ermöglichen von Unterschieden, emotionales Erleben fördern 11.11.2013 Trauma und System 17 Trauma-Exposition mit Familien Traumatische Erlebnisse mit optischen Triggern darstellen und kontrolliert erleben lassen: vorher; nachher; bedrohlichster Moment Verhalten damals, Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen im Hier und Jetzt erfragen und gegenseitig mitteilen lassen Familiäres Narrativ entwickeln über die Die Geschichte des Traumas Die Konsequenzen des Traumas Die Folgen für die Zukunft 11.11.2013 Trauma und System 18 Alexander Korittko 2007 ZPTN 9
BASK Verhalten (Behavior): Was ist dort auf dem Bild zu sehen? Informationen abfragen und erklären lassen von allen. Danach jeden Einzelnen fragen: Affekt: Welches Gefühl entsteht jetzt, wenn Sie (Du) die Bilder sehen (siehst)? Körperempfindung (Sensation): Wo ist dieses Gefühl jetzt im Körper zu spüren? Kognition: Welcher Satz passt jetzt dazu? 11.11.2013 Trauma und System 19 Alexander Korittko 2007 ZPTN 10