Arbeitsmarktökonomie

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Einführung in die Makroökonomie Sommersemester 2012: Montags 10:00 12:00 Uhr

Transkript:

Arbeitsmarktökonomie Arbeitsmarktgleichgewicht (Teil 2) Prof. Dr. Conny Wunsch https://wwz.unibas.ch/arbeitsmarktoekonomie/lehre/ 1 / 25

Überblick 1. Gleichgewicht bei Markteingriffen (Teil 2) Lohnnebenkosten Lohnsubventionen/-zuschüsse 2. Gleichgewicht mit Friktionen Suchfriktionen qualifikatorische Friktionen 2 / 25

Gleichgewicht bei Markteingriffen Lohnnebenkosten: Vom Arbeitgeber abzuführen: Sozialversicherungsbeiträge (AHV, IV, ALV, PK) D: Lohnsteuern, Krankenkasse Vom Arbeitnehmer abzuführen: CH: Lohnsteuern, Krankenkasse Arbeitskosten: w b = w n + x Nettoentlohnung: w n = w b x Keil zwischen zu zahlendem und erhaltenen Lohn 3 / 25

Ohne Abgaben Nachfragefunktion D(emand): E = a 0 a 1 w Angebotsfunktion S(upply): E = b 0 + b 1 w Gleichgewicht D = S: a 0 a 1 w = b 0 + b 1 w w 0 = a 0 b 0 a 1 + b 1 E 0 = a 0b 1 + a 1 b 0 a 1 + b 1 4 / 25

Ohne Abgaben Inverse Nachfragefunktion D(emand): w = c 0 c 1 E Inverse Angebotsfunktion S(upply): w = d 0 + d 1 E Gleichgewicht D = S: c 0 c 1 E = d 0 + d 1 E E 0 = c 0 d 0 c 1 + d 1 w 0 = c 0d 1 + c 1 d 0 c 1 + d 1 c 0 = a 0 /a 1, c 1 = 1/a 1, d 0 = b 0 /b 1, d 1 = 1/b 1 5 / 25

Gleichgewicht ohne Abgaben 6 / 25

Ohne Abgaben Produzentenrente: Konsumentenrente: Gesamtwohlfahrt: P = (c 0 w 0 )E 0 2 Q = (w 0 d 0 )E 0 2 P + Q = (c 0 d 0 )E 0 2 7 / 25

Lohnnebenkosten Vom Arbeitgeber abzuführen: Inverse Nachfragefunktion D(emand): w b = w n + x = c 0 c 1 E w n = c 0 c 1 E x Parallelverschiebung um Betrag x nach unten. Inverse Angebotsfunktion S(upply): w n = d 0 + d 1 E Gleichgewicht D = S: c 0 c 1 E x = d 0 + d 1 E 8 / 25

Lohnnebenkosten Vom Arbeitnehmer abzuführen: Inverse Nachfragefunktion D(emand): w b = c 0 c 1 E Inverse Angebotsfunktion S(upply): w n = w b x = d 0 + d 1 E w b = d 0 + d 1 E + x Parallelverschiebung um Betrag x nach oben. Gleichgewicht D = S: c 0 c 1 E = d 0 + d 1 E + x c 0 c 1 E x = d 0 + d 1 E Ergibt dasselbe Ergebnis. 9 / 25

Lohnnebenkosten Gleichgewicht D = S: E 1 = c 0 d 0 x c 1 + d 1 = E 0 x c 1 + d 1 < E 0 w n = w 0 w b = w n + x = w 0 + d 1x c 1 + d 1 < w 0 c 1x c 1 + d 1 > w 0 Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Abgabenlast unabhängig davon, wer die Kosten abführen muss, es sei denn, eine Marktseite ist vollkommen unelastisch. In diesem Fall trägt die unelastische Marktseite die gesamte Abgabenlast. 10 / 25

Lohnnebenkosten Produzentenrente: Konsumentenrente: Einnahmen des Staates: P = (c 0 w b )E 1 2 Q = (w n d 0 )E 1 2 T = x E 1 Wohlfahrtsverlust: DL = (w b w n )(E 0 E 1 ) 2 = P + Q (P + Q + T ) 11 / 25

Lohnnebenkosten 12 / 25

Lohnnebenkosten 13 / 25

Lohnnebenkosten 14 / 25

Lohnnebenkosten 15 / 25

Gleichgewicht bei Markteingriffen Lohnsubventionen/-zuschüsse: Beschäftigungsanreize für Geringqualifizierte (z.b. Arbeitslose) Gründe für Unterbeschäftigung von Geringqualifizierten: Beispiele: Marktlohn für Geringqualifizierte unter Reservations- oder Mindestlohn zu wenig Arbeitsplätze für Geringqualifizierte CH: Sozialfirmen, Zwischenverdienst D: Eingliederungszuschuss, Kombilohn an Arbeitgeber oder Arbeitnehmer 16 / 25

Lohnsubventionen/-zuschüsse Lohnsubvention für Arbeitgeber: D 1 : S : w b = w n x = c 0 c 1 E w n = c 0 c 1 E + x w n = d 0 + d 1 E Lohnzuschuss für Arbeitnehmer: D : S 1 : w b = c 0 c 1 E w n = w b + x = d 0 + d 1 E w b = d 0 + d 1 E x Gleichgewicht D = S: E 1 = E 0 + x c 1 +d 1 > E 0 w n = w 0 + d 1x c 1 +d 1 > w 0 w b = w n + x = w 0 c 1x c 1 +d 1 < w 0 17 / 25

Lohnsubventionen 18 / 25

Lohnsubventionen/-zuschüsse Empirische Evidenz: Experimente in den USA (Burtless 1985, Woodbury and Spiegelman 1987, Katz 1996) an Arbeitgeber: kaum Effekt auf Beschäftigung an Arbeitnehmer: signifikante Effekte auf Beschäftigung Widerspruch zur Theorie (gleiche Wirkung): an Arbeitgeber: Stigmatisierung an Arbeitnehmer: anonym Lohnzuschussteil des Earned Income Tax Credit: klar positive Effekte auf Beschäftigungswahrscheinlichkeit 19 / 25

Gleichgewicht mit Friktionen Suchfriktionen: es benötigt Zeit, um offene Stellen zu besetzen bzw. um eine Arbeitsstelle zu finden unvollkommene bzw. asymmetrische Information bzgl. Vorhandensein offener Stellen, Qualifikation der Bewerber, Anforderungen und Profil offener Stellen gleichzeitiges Vorhandensein von offenen Stellen und Arbeitsuchenden 20 / 25

Suchfriktionen 21 / 25

Suchfriktionen Die Beveridge-Kurve zeigt die Kombination von Arbeitslosigkeit und offenen Stellen im Zeitverlauf: Der Abstand vom Koordinatenursprung (0, 0) zeigt das Ausmass der Friktionen. 22 / 25

Suchfriktionen 23 / 25

Gleichgewicht mit Friktionen Qualifikatorische Friktionen: starke Fluktuationen in Märkten für Hochqualifizierte: Überschussnachfrage wechselt ab mit Überschussangebot zyklischer Trend in Einstiegslöhnen von Hochschulabsolventen wie z.b. Ingenieuren Annahme 1: Ausbildung von Ingenieuren braucht Zeit Annahme 2: Ausbildungsentscheidung auf Basis der beobachteten Marktbedingungen (Löhne, Nachfrage) Reaktion auf Überschussnachfrage mit zeitlicher Verzögerung keine Antizipation der Auswirkungen grosser Eintrittskohorten auf die Einstiegslöhne 24 / 25

Cobweb-Modell 25 / 25