Lineare elektrische Netze

Ähnliche Dokumente
Elektrotechnik: Übungsblatt 3 - Gleichstromschaltungen

Z 1 Z 2 a Z 3 Z 1 Z 2 + Z 3. îq1 =0 = Z 3

Grundlagen der Elektrotechnik 1

Systemtheorie. Vorlesung 17: Berechnung von Ein- und Umschaltvorgängen. Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, Manfred Strohrmann

9. Netzwerksätze. Einführende Bemerkung. Der Überlagerungssatz. Satz von der Ersatzspannungsquelle. Satz von der Ersatzstromquelle

I. Bezeichnungen und Begriffe

GRUNDLAGEN DER ELEKTROTECHNIK

22. Netzwerke II. 4. Maschenstromanalyse 5. Knotenpotentialanalyse

Grundlagenwissen Elektrotechnik

Grundlagen der Elektrotechnik I

Schaltungsanalyse Ergänzende Übungen zur Prüfungsvorbereitung - Teil 1

ELEKTRISCHE GRUNDSCHALTUNGEN

Grundlagen der Elektrotechnik I (W8800) Seite 4.1 Lösungen zu Übungsaufgaben

Gleichstromkreise. 1.Übung am 25 März 2006 Methoden der Physik SS2006 Prof. Wladyslaw Szymanski. Elisabeth Seibold Nathalie Tassotti Tobias Krieger

1 Elektrotechnik. 1.1 Schaltungsbeispiele mit idealen Spannungs- und Stromquellen zur Vereinfachung oder Komplexitätserhöhung von Aufgaben

Lösungen der Übungsaufgaben zur Berechnung von Netzwerken

2.6.3 Die Kirchhoffschen Sätze in der Netzwerkberechnung

1. Grundlagen! 2. Netzwerke bei Gleichstrom. 2.2 Bezugspfeile. 2.3 Passive Zweipole Ohmsches Gesetz: 2.4 Aktive Zweipole. Stromstärke: Spannung:

1. Gleichstrom 1.4 Berechnungsverfahren für die Netzwerke Überlagerungsprinzip Maschenstromverfahren Knotenpotenzialverfahren Zweipoltheorie

Gleichstromtechnik. Vorlesung 12: Lineare Quellen. Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, Manfred Strohrmann

Prof. Dr.- Ing. Herzig Vorlesung "Grundlagen der Elektrotechnik 1" 1etv3-5

Gleichstromtechnik. Vorlesung 13: Superpositionsprinzip. Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, Manfred Strohrmann

Grundlagen der Elektrotechnik 2 Seminaraufgaben

Gliederung des Vorlesungsskriptes zu "Grundlagen der Elektrotechnik I" Physikalische Grundbegriffe... 1

Praktikum GEP2 Technische Informatik HAW Hamburg. Versuch 1. Spannungs- und Strommessung, Spannungsteiler, Stromteiler und Ersatzspannungsquelle

Grundlagen der Elektrotechnik I im Wintersemester 2017 / 2018

Lo sung zu UÜ bung 1. I Schaltung Ersatzquellenberechnung. 1.1 Berechnung von R i

Wechselspannungsgrößen. Ueff ωt. Die Stärken harmonisch verlaufender Spannungen können auf mehrere Arten angegeben werden

Grundlagen der Elektrotechnik Teil 2

Grundlagen der Elektrotechnik I

Basiswissen Gleich- und Wechselstromtechnik

Lineare Gleichungssysteme: Ein Beispiel aus der Elektrotechnik

Gleichstromtechnik. Vorlesung 8: Knoten- und Maschenregel. Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, Manfred Strohrmann

NTB Druckdatum: ELA I

2.) Grundlagen der Netzwerkberechnung / Gleichstrombetrieb

Dieses Buch darf ohne Genehmigung des Autors in keiner Form, auch nicht teilweise, vervielfältig werden.

zugelassene Hilfsmittel : Taschenrechner, 40 Seiten eigene Formelsammlung, 10 Seiten sonstige Formelsammlung

Berechnung von Netzwerken

GRUNDLAGEN DER WECHSELSTROMTECHNIK

Klausur Elektrotechnik I 2. Teil: Beispiele

1.2 Stromkreis Stromquelle Batterie

Aufgabe 1 - Knotenspannungsanalyse

Musterlösung zur. Klausur Grundlagen der Elektrotechnik I im SoSe 18. Aufgabe 1. Die Lösungen zu Aufgabe 1 folgen zum Ende des Dokuments.

Versuch 2 Kirchhoff'sche Gesetze (Bilanzgesetze)

Reihenschaltung von Widerständen

Prüfung _1. Lösung. Seite-01. Aufgabe ET2 U Q2

Elektrotechnisches Grundlagen-Labor I. Netzwerke. Versuch Nr. Anzahl Bezeichnung, Daten GL-Nr.

LABOR FÜR GRUNDLAGEN DER ELEKTROTECHNIK ETP1-1. Weitere Übungsteilnehmer: Gleichstrommessungen, Ersatzspannungsquellen

Übungen zur Komplexen Rechnung in der Elektrotechnik

Technische Grundlagen: Übungssatz 1

Grundlagen. Stromkreisgesetze. Andreas Zbinden. Gewerblich- Industrielle Berufsschule Bern. 1 Ohmsches Gesetz 2. 2 Reihnenschaltung von Widerständen 6

Grundlagen der Elektrotechnik

Grundgebiete der Elektrotechnik 1

Übungsaufgaben GET. Zeichnen Sie qualitativ den Verlauf des Gesamtwiderstandes R ges zwischen den Klemmen A und B als Funktion des Drehwinkels α

1. Übung Grundlagen der analogen Schaltungstechnik

Netzwerkberechnung. (mittels des Ohm schen Gesetzes und der beiden Kirchhoff schen Gesetze) GRUNDLAGEN der ELEKTROTECHNIK I

Aufgabe: Berechnung der Spannungen und Ströme in einem beliebigen Netzwerk, das mit Gleichspannungen und/oder Gleichströmen gespeist wird.

Grundgebiete der Elektrotechnik 1 Elektrische Netze bei Gleichstrom, elektrische und magnetische Felder

Schaltung von Messgeräten

Gleichstromtechnik. Vorlesung 11: Strom- und Spannungsteilung. Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, Manfred Strohrmann

Spule, Kondensator und Widerstände

1. Gleichstrom 1.2 Aktive und passive Zweipole, Gleichstromschaltkreise

rtllh Grundlagen der Elektrotechnik Gert Hagmann AULA-Verlag

Zusammenfassung v09 vom 28. Mai 2013

Berechnung von Netzwerken

Spannungs- und Stromquellen

Grundlagen der Elektrotechnik 1

Grundlagen Elektrotechnik Netzwerke

Elektrotechnik I MAVT

Übungsaufgaben Elektrotechnik/Elektronik für Medieninformatik

/U Wie groß ist den beiden unter 6. genannten Fällen der von der Spannungsquelle U 1 gelieferte Strom? als Formel. 1 + jωc = R 2.

Grundlagen der Elektrotechnik 3

Stand: 4. März 2009 Seite 1-1

Strom - Spannungscharakteristiken

[ Q] [ s] Das Ampere, benannt nach André Marie Ampère. ( ) bildet die Einheit des elektrischen Stromes und eine weitere SI Basiseinheit!

Grundlagen der ET. Gleichstrom

Lösungen zu Kapitel 2

Grundlagen der Elektrotechnik

Grundlagen der Elektrotechnik 2 Übungsaufgaben

Ein Glühweinkocher für 230 V hat ein Heizelement aus Chrom-Nickel-Draht mit dem Temperaturkoeffizienten 20 =

Versuch B2/1: Spannungs- und Stromquellen, Messung von Spannungen und Stromstärken

Einführung in die Physik II für Studierende der Naturwissenschaften und Zahnheilkunde. Sommersemester 2009

2.Berechnungsmethoden elektrischer Stromkreise Elektrotechnik Prof. Dr. Redlich

Elektronische Bauelemente

I. Grundlegende Begriffe 1

2.2 Einfache Schaltungen mit Ohmschen Widerständen; Kirchhoffsche Regeln

IPMG-GET-V1. Interdisziplinäres Praktikum Mathe/GET. GET-Vorbereitungsunterlagen für den Versuch 1 / EME 13

Elektrische Grundgrößen, Ohmsches Gesetz, Kirchhoffsche Gesetze, Wheatstonesche Brücke

Inhaltsverzeichnis EINLEITUNG... 1 GRUNDBEGRIFFE... 5 GRUNDGESETZE LINEARE ZWEIPOLE... 27

Christian H. Kautz Tutorien zur Elektrotechnik

Stoffsammlung Elektrotechnik von Sascha Spors V1.3 /

Vororientierung zur Kurseinheit 7

Physik-Department. Ferienkurs zur Experimentalphysik 2 - Musterlösung

Passive Bauelemente. AnodenFolie. Anoden. Papier. Funktionsbereich. Kathode KathodenFolie

Einführung in die Physik II für Studierende der Naturwissenschaften und Zahnheilkunde. Sommersemester VL #19 am

Ein- und Ausschaltvorgang am Kondensator ******

14 Elektrische Messtechnik

Schaltungen mit mehreren Widerständen

Transkript:

Lineare elektrische Netze

Energiegewinn &-verlust Energiegewinn, Erzeugung Energieverlust, Verbrauch ds E ds E, U I U I F= m g d s F= m g U I Drei Beispiele aus der Mechanik und aus der Elektrotechnik für den Transfer von Energie: Ein System gewinnt Energie, wenn eine Kraft überwunden wird (obere Reihe). Ein System gibt Energie ab, wenn Kraft und Bewegung in die gleiche Richtung zeigen. Die Pfeile hier zeigen die tatsächliche Richtung an.

Strompfeil = Koordinatensystem J I>0 I<0 J Strompfeile (rot) sind eindimensionale Koordinatensysteme, die eine Referenzrichtung festlegen. Dagegen zeigen Pfeile, die Für Vektoren stehen (schwarz), die tatsächliche Richtung an.

Vorzeichen, richtig! + Generator, Erzeuger Verbraucher + I U di U = - L dt I U - - + + U I - di U = + L dt Q=-CU I Q=+CU U - Skizze zur Bestimmung der richtigen Vorzeichen: Die Bauelementegleichungen für Spule und Kondensator (und aller anderen Bauelemente) gelten nur dann ohne zusätzliches Minuszeichen, wenn der Strom und die Spannung jeweils relativ zur gleichen Richtung definiert werden

Pole, Knoten und Zweige? 2 Klemmen 1 Klemme = 2 Pole 1 Knoten 1 Zweig Veranschaulichung einiger häufig gebrauchter Begriffe: Ein Klemmenpaar ergibt zwei Pole, mehrere Pole zusammen ergeben einen Knoten; Knoten sind durch Zweige verbunden

Bäume und Maschen Baum Masche Veranschaulichung der Begriffe Baum und Masche Hat die Verbindung Endpunkte, ist sie ein Baum, ist sie geschlossen, spricht man von einer Masche. Alle Quellen und Impedanzen entlang der Zweige sind hier nicht gezeichnet

Knotenregel I2 I3 I1 I5 I4 Veranschaulichung der Knotenregel: Bei ihrer Anwendung muss mindestens ein Strom negativ sein, wenn alle Ströme auf den Punkt zeigen, denn was hereinkommt muss auch wieder hinaus

k oder k-1 Knotengleichungen? IEin I k (k-1) IAus I Veranschaulichung des Verlustes einer Knotengleichung: Bei a priori ausgeglichener Strombilanz, d.h. IEin = IAus = I gibt es statt k nur (k-1) unabhängige Knotengleichungen

Maschenregel U2 c U3 U1 b I d U4 a e U5 Die Maschenregel als Konsequenz der Energieerhaltung: Weil ein Ladungsträger auf dem Weg a b c... zurück nach a keine Energie gewinnen kann, ist die Summe aller Spannungen Null

Stromteiler IQ R1 R2 R3 RN Skizze eines Stromteilers. Stromteiler sind Netze, bei denen alle Komponenten parallel geschaltet sind. Über allen fällt daher die gleich Spannung ab und der Strom wird aufgeteilt U

Reale Quellen Idealfall + - Modell der Wirklichkeit + UQ UQ + + IQ Rs - IQ Rp - Ideale und reale Spannungs- und Stromquellen. Die Abweichungen vom Idealfall werden näherungsweise durch einen zusätzlichen Widerstand berücksichtigt

Quellenumrechnung + IQ + Rp - äquivalent - Rs UQ Beispiel für das Ersetzen von Parallelschaltungen durch Reihenschaltungen: Reale Strom- und Spannungsquellen können ineinander umgerechnet werden

Konstruktion von Ersatzspannungsquellen R1 R1 IB UB R2 R3 R2 R1 IB UB Kurzschlussstrom R1 IB UB R3 R2 = R3 Ri IQ Grafische Darstellung eines Beispiels zur Bestimmung der Parameter von Realen Ersatzquellen. Für die Bestimmung der Leerlaufspannung ist der Widerstand R3 R2 UQ irrelevant

Beispielschaltung R1 IB UB I1 R2 R3 I2 I3 R4 Beispielschaltung zur Illustration der Systematisierung der Lösung der Kirchhoff'schen Gleichungen

Maschenstromverfahren IM1 IM2 Der Kerngedanke des Maschenstrom-Verfahrens: Der Strom durch ein Bauteil, hier ein Ohm'scher Widerstand, wird als Summe der Maschenströme angegeben,

Maschen-Spannungsbilanz Spannungsbilanz einer Masche. Sie wird in zwei Schritten erstellt: zun"achst die Masche allein (hier: IM1), dann um die angrenzenden Maschenstr"ome (hier: IM2) erweitert

Maschenstrom & ideale Stromquellen R1 IB UB I1 R2 R3 I3 I2 R4 Rx R1 IB UB Uminterpretation einer Schaltung zur Vorbereitung des Maschenstrom-Verfahrens: die grau unterlegten Widerstände werden benutzt, um aus der idealen eine reale Stromquelle zu machen. I1

Knotenpotenzial-Verfahren I2 R2 V2 I1 V1 Vx R1 R3 I3 V3 IQ Der Kerngedankens des KnotenpotenzialVerfahrens: Zum Aufstellen der Knotenmatrix reicht eine Betrachtung aller unmittelbaren Nachbarschaften

Knotenpotenzial & ideale Spannungsquelle: Doppelknoten Behandlung idealer Spannungsquellen im Rahmen des KnotenpotenzialVerfahrens: Zwei durch eine ideale Spannungsquelle verbundene Knoten können zu einem Doppelknoten zusammengefasst werden

Überlagerungsverfahren Eine Schaltung mit drei Quellen (links) und die zur Berechnung nach dem Überlagerungssatz dienenden Teilschaltungen (rechts)

Netzwerkanalysebeispiel Aufgabe: Bestimmen Sie den Strom durch den Widerstand R3 mithilfe des Überlagerungsverfahrens

Netzwerkanalysebeispiel R1,2,3 R1 R3 R4 Ri R2 R4 M1 Ri M2 R5 R6 U 3 G4 1 G1,2,3 G6,i IQ R5 R6 U 2 G5 0 Aufgabe & Lösung: Zeichnerische Vorbereitung der beiden StandardAnalyseverfahren: Widerstände werden zusammengefasst, Maschenströme und Knotennummern definiert. Für das KnotenpotenzialVerfahren wird die Spannungsquelle in eine Stromquelle umgerechnet

Messung kleiner Ströme Aufgabe: Eine Spannungsquelle, zwei Multimeter und ein unbekanntes, als Geschenk verpacktes Gerät, welches bei 1,5 V Nur 10 Mikrowatt verbraucht. Wie genau schließen Sie die mit dem im Karton versteckten Geschenk zusammen, um dessen Leistungsaufnahme möglichst genau zu bestimmen?

Passau und Kirchhoff Aufgabe: In Passau fließen drei Flüsse zusammen. Welche Größe ist dabei erhalten und was hat das mit Gustav Robert Kirchhoff zu tun?