PROJEKTMACHER WERDEN Empowerment in der Personalarbeit Eine Webinarreihe für Praktiker Maren Oberländer (wissenschaftliche Mitarbeiterin) Prof. Dr. Türkan Ayan (Projektleitung) Seite 1
TOOLS, DIE NÜTZLICH SIND (1): BEDARFE ANALYSIEREN Webinar 3 Maren Oberländer (wissenschaftliche Mitarbeiterin) Prof. Dr. Türkan Ayan (Projektleitung) Seite 2
Die Webinare im Überblick W4: Nützliche Tools (2): Richtig fragen W6: Was bringt das jetzt? Juni 2017 Auftakt W2: Empowerment = Mehrwert? W1: Empowerment etwas schwer Greifbares greifbar machen W3: Nützliche Tools (1): Bedarfe analysieren W5: Die Umsetzung planen Mai 2017 Seite 3
Ablauf Grundlagen der Bedarfsanalyse (1) Was ist unter Bedarfsanalyse zu verstehen? (2) Was nützt das? (3) Verantwortungsträger in der Bedarfsermittlung: Wer ist zuständig? (4) Wie geht das? Organisationsanalyse Anforderungsanalyse & Arbeitsplatzanalyse Personenanalyse (5) Welche Hindernisse gilt es zu beachten? Seite 4
(1) Bildungsbedarf: Was ist das? Eine Definition Abweichung zwischen IST-Verhalten (IST-Leistung) und SOLL-Verhalten (SOLL- Leistung), die durch eine geeignete Bildungsmaßnahme behoben werden kann. (Becker, 1999: 117) Der Bildungsbedarf eines Unternehmens nach drei Ebenen: 1. Individueller Bedarf 2. Institutioneller Bedarf 3. Politischer/ sozialer Bedarf (Quellen: Becker, 1999; Zalenska, 2009) Seite 5
(1) Bildungsbedarfsanalyse: Was ist das? Zwei Definitionen Als Bildungsbedarfsanalyse bezeichnen wir all die Methoden und Instrumente, die geeignet sind, möglichst exakt zu bestimmen, was eine bestimmte Lerngruppe bis zur Erfüllung bestimmter Qualifikationsanforderungen noch zu lernen hat. (Zalenska, 2009: 47) Die Bildungsbedarfsanalyse ist ein dynamisches Verfahren, das aus einer Mischung von Methoden und Instrumenten besteht und einen dualen Zeithorizont zur Ermittlung der gegenwärtigen und zukünftigen Bedarfe hat, die sich als Potenziale und Defizite verbergen. (Zalenska, 2009: 50) Seite 6
(2) Bildungsbedarfsanalyse: Was nützt das? Man kann ( ) im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung nicht nicht die Bildungsbedarfsanalyse durchführen. Die Planung, Konzipierung und Durchführung der betrieblichen Bildungsmaßnahmen setzt eine Analyse bezüglich des betrieblichen Weiterbildungsbedarfs voraus. (Zalenska, 2009: V Vorwort) Seite 7
(2) Bildungsbedarfsanalyse: Was nützt das? Die sechs Phasen des Funktionszyklus systematischer Personalentwicklung Erfolgskontrolle Transfersicherung Durchführung Ziele setzen Bedarfsanalyse Kreatives Gestalten (Quelle: Becker, 2013) Seite 8
(2) Bildungsbedarfsanalyse: Was nützt das? Der Nutzen sowie die Zielsetzung einer Bildungsbedarfsanalyse können vielfältig sein. Ermöglicht bedarfs- und zielorientierte Weiterbildungsarbeit Herauskristallisieren der Anforderungen an Mitarbeitende Analyse des Aufgabenspektrums an jeweiligem Arbeitsplatz Grundlage für das Entwickeln eines Fragebogens für Mitarbeitergespräche Identifizierung von Zielgruppen für Trainings Identifizierung möglicher Lernbedarfe verschiedener Zielgruppen Ziel: Defizite in Bildung, Förderung & Organisationsentwicklung auf strategischer, operativer und individueller Ebene nach Art, Häufigkeit, Personenkreis und Bedeutung auftretender Mängel in Können, Wollen und Dürfen analysieren. (Quellen: Becker, 2013; Zalenska, 2009; Bilder: Halamoda, 2015) Seite 9
Einordnung der Bildungsbedarfsanalyse in den Unternehmenskontext Markieren Sie die Unternehmensbereiche, in denen die Erkenntnisse aus einer Bildungsbedarfsanalyse nützlich sein könnten mit einem Sternchen. AUFSICHTSRAT Wissenschaftlicher Beirat Direktorium Forschungsstrategie & Forschungsförderung IT VORSTAND Unternehmensentwicklung Kommunikation & Medien Personalentwicklung Personalrat Kliniken & Institute Abteilungen Administrative Geschäftsbereiche Zentrale Bereiche Finanzen Personalmanagement, Recht & Compliance Qualitätssicherung Baumanagement & Technik Seite 10
(3) Verantwortungsträger in der Bedarfsermittlung: Wer ist zuständig? Bildungsbedarf kann nur dann gezielt ermittelt werden, wenn sich jeder Funktionsträger des Unternehmens seiner Verantwortung für die Bedarfsermittlung bewusst ist und seine Aufgaben kennt. (Zalenska, 2009: 59) Beteiligte Personengruppen: Bildungspersonal Unternehmensleitung Betriebsrat Führungskräfte Mitarbeitende alle mit unterschiedlichen Aufgaben, Einflussmöglichkeiten und Interessen (Quelle: Zalenska, 2009; Bild: Halamoda, 2015) Seite 11
(4) Wie geht das? Schritt für Schritt zur Bedarfsanalyse 1. Zielbestimmung Methode: Organisationsanalyse 2. Erfassung des Qualifikationsbedarfs Soll Methode: Aufgaben- & Anforderungsanalyse 3. Erfassung des Qualifikationsstandes Ist Methode: Personenanalyse 4. Festlegung des Qualifizierungsbedarfs ( Soll-Ist- Abgleich) 5. Priorisieren der Bedarfe und Ableitung konkreter PE-Maßnahmen (Quellen: Klug, 2011; Zalenska, 2009) Seite 12
(4) Wie geht das? 1. Zielbestimmung: Organisationsanalyse Ziel: Die klare Zieldefinition der Bildungsbedarfsanalyse unter Berücksichtigung der Unternehmensziele, organisationaler Rahmenbedingungen und Einbeziehen der Mitarbeitenden. 1. Ableitung von Zielen für die Personalentwicklung aus Unternehmenszielen Aktuelle Ziele strategische Ziele Ziele der Personalentwicklung 2. Einbeziehen der Mitarbeitenden Arbeitszufriedenheit und -motivation sind abhängig davon, inwieweit individuelle Entwicklungsziele und Aufstiegswünsche erfüllt werden können. Das Beteiligen aller Betroffenen erhöht die Akzeptanz der Ergebnisse der Bedarfsanalyse und nachfolgender Weiterbildungsmaßnahmen. 3. Analyse der (organisationalen) Rahmenbedingungen Lernkultur innerhalb des Unternehmens Finanzierung (Quellen: Becker, 2013; Holling & Liepmann, 2007; Klug, 2011) Seite 13
(4) Wie geht das? 2. Aufgaben- & Anforderungsanalyse Ziel: Die Ermittlung der Soll -Anforderungen an die Mitarbeitenden auf ihrer jeweiligen Position innerhalb des Unternehmens. Welche Fähigkeiten, Merkmale, Motive, Einstellungen, welches Wissen und welches Verhalten müssen die Mitarbeitenden in welchem Ausmaß mitbringen, um ihre aktuellen sowie zukünftigen Arbeitsrolle(n) und Arbeitsaufgaben erfolgreich erfüllen zu können? Betrachten der Stellenausschreibungen; systematisches Befragen der PositionsinhaberInnen (Quellen: Becker, 2013; Klug, 2011; Zalenska, 2009; Bild: Halamoda, 2015) Seite 14
(4) Wie geht das? 3. Personenanalyse Ziel: Die Ermittlung der Ist -Qualifikationen der Mitarbeitenden auf ihrer jeweiligen Position innerhalb des Unternehmensdurch Leistungs- und Potenzialbeurteilungen. Vergangenheitsorientierte Leistungsbeurteilungsverfahren Beurteilung der Mitarbeitenden durch die Führungskräfte aufgrund vergangener Leistungen und dem Verhalten in kritischen Arbeitssituationen Zukunftsorientierte Eignungsdiagnostik und Potenzialbeurteilung Einschätzung der möglichen zukünftigen Leistung und des Verhaltens der Mitarbeitenden in zukünftigen Situationen durch aufwändige Assessmentverfahren (Quellen: Becker, 2013; Zalenska, 2009; Bilder: Halamoda, 2015) Seite 15
(4) Wie geht das? 4. Bedarfsermittlung Der Bildungsbedarf eines Unternehmens ergibt sich, wenn man die aus der Organisationsanalyse abgeleiteten und durch die Aufgabenanalyse festgestellten aktuellen und zukünftigen Leistungsanforderungen ( Soll ) mit der im Rahmen der Personenanalyse ermittelten Leistung bzw. Leistungsfähigkeit ( Ist ) der Mitarbeitenden vergleicht. (Quelle: Klug, 2011) Seite 16
(4) Wie geht das? 5. Priorisieren und PE-Maßnahmen planen Priorisieren der Bedarfe nach zu erwartendem strategischem Nutzen und Dringlichkeit Wie wichtig ist es für das Unternehmen, auf den Bedarf zu reagieren für die Erreichung der wichtigsten Unternehmensziele? Ist der Bedarf akut oder prognostisch? Planung der Weiterbildungsangebote Welche PE-Maßnahmen sind in angemessener Zeit realisierbar? Wie wahrscheinlich ist das Beheben der Defizite durch die Weiterbildung? Auswahl der Teilnehmenden Beachten der Zielgruppen Unbewusste Bedarfe vs. bewusst geäußerte Bedarfe (Quelle: Klug, 2011; Bild: Halamoda, 2015) Seite 17
(5) Welche Hindernisse gilt es zu beachten? Mängel im Wollen Fehlende Motivation oder Bereitschaft der Teilnehmenden an der Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen Mängel im Können Mangelndes Potenzial, Wissenslücken und Fähigkeitsdefizite durch Weiterbildungsmaßnahmen beheben zu können Unzureichende Übungsmöglichkeiten im Arbeitsalltag Weiterbildungsmaßnahmen vermitteln nicht die benötigten Kompetenzen Mängel im Dürfen Führungskräfte sind nicht bereit, Entscheidungsmacht und verantwortungsvolle Aufgaben mit den Mitarbeitenden zu teilen Organisationale Einschränkungen, z.b. unzureichende technische Ausstattung (Quelle: Becker, 2013) Seite 18
Ausblick Die sechs Phasen des Funktionszyklus systematischer Personalentwicklung Erfolgskontrolle Transfersicherung Durchführung Ziele setzen Bedarfsanalyse Kreatives Gestalten (Quelle: Becker, 2013) Seite 19
Lernziele Nach der heutigen Veranstaltung verstehen Sie die Notwendigkeit einer Bildungsbedarfsanalyse als Voraussetzung zur Planung von Weiterbildungsangeboten. haben Sie eine Vorstellung davon, in welchen Unternehmensbereichen die Ergebnisse einer Bildungsbedarfsanalyse von Nutzen sein könnten. haben Sie einen Überblick über den Ablauf einer Bildungsbedarfsanalyse. Seite 20
Quellen Becker, M. (1999). Aufgaben und Organisation der betrieblichen Weiterbildung. München; Wien: Hanser. Becker, M. (2013). Personalentwicklung Bildung, Förderung und Organisationentwicklung in Theorie und Praxis (6. Aufl.), Stuttgart: Schäffer-Poeschel. Halamoda, S. (18.06.2015). Graphic recording. Zeichnungen erstellt und freigegeben für die Projekte des Wettbewerbs Aufstieg durch Bildung. Holling, H. & Liepmann, D. (2007). Personalentwicklung. In H. Schuler (Hrsg.), Lehrbuch Organisationspsychologie (4. Aufl.; S.345-384). Bern: Huber. Klug, A. (2011). Analyse des Personalentwicklungsbedarfs. In M. Solga, J. Ryschka & A. Mattenklott (Hrsg.), Praxishandbuch Personalentwicklung: Instrumente, Konzepte, Beispiele. (3.Auflage) (S. 35-83). Wiesbaden: Gabler. Zalenska, L. (2009). Bildungsbedarfsanalyse in Unternehmen. Lohmar: EULVerlag. Seite 21
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