Warum eigentlich Dippen?

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Transkript:

Von Zitzenpflegemittel, oder auch Dippmittel genannt, werden wahre Wunderdinge verlangt. Sie sollen die Zitzenhaut geschmeidig halten, den Zellgehalt senken, Krankheitserreger abtöten, für Mensch und Tier ungefährlich sein, und natürlich sollten keine Rückstände in der Milch bleiben. Dass sich diese Aufgabenstellungen zum Teil widersprechen, ist den wenigsten Anwendern klar. So ist es z.b. sehr schwer Pflege- und Desinfektionswirkungen unter einen Hut zu bekommen. Die Wirkungsweise von Zitzenpflegemitteln kann also nur aus Kompromissen bestehen, die von den Produkten mehr oder weniger gut gelöst werden. Warum eigentlich Dippen? Anscheinend ist die Anwendung von Zitzenpflegemitteln nicht immer nötig. So gibt es Kuhherden die durchschnittlich 100.000 Zellen oder gar weniger aufweisen, ohne das Zitzenpflegemittel verwendet werden. Auch die Zitzenkondition ist dabei wie der sprichwörtliche Kinderpopo. Bis auf wenige Ausnahmen sind solche Betriebe vorwiegend in Süddeutschland zu finden, das nicht etwa weil dort die Milcherzeuger besser oder schonender Melken, gesündere Kühe, oder andere Liegebereiche haben. Nein, der einzige Unterschied ist die Milchleistung. So beträgt der Leistungsunterschied zwischen den besten Milcherzeugerregionen und Baden-Württemberg / Bayern fast 30%. Die Dippquote verläuft nahezu parallel dazu. D.h. in den besten Milchregionen (an Leistung gemessen) wenden ca. 95 % der Milcherzeuger ein Zitzenpflegemittel an, während es in Süddeutschland lediglich ca. 50%, in klein strukturierten Gebieten nur knapp 30 % sind. Dies soll jedoch nicht bedeuten dass hohe Milchleistungen die Eutergesundheit grundsätzlich verschlechtern. Vielmehr neigen Hochleistungskühe zu empfindlicheren Reaktionen auf Futterqualität, Liegekomfort, Melktechnik, Melkarbeit, Rangordnung und allgemeinen Infektionsdruck, womit zugleich die Hauptfaktoren von Euterpoblemen genannt sind. Hinzu kommt die hausgemachte genetische Unsitte nach der Züchtung auf gute Melkbarkeit die viele Zitzenschließmuskeln als Attrappe erscheinen lassen. Trotz der eindeutig größeren Problemvielfalt sollte vor dem Verzicht von hohen Leistungen gewarnt werden. Denn rechnet man die Zusatzkosten und Mehrarbeit nicht pro Kuh, sondern pro produziertem Liter Milch, so schneidet die Hochleistungskuh in acht von zehn Fällen besser ab. Mit Zitzenpflegemitteln wird versucht die durch höhere Leistungen gehemmten 1 / 6

Krankheitsabwehrmechanismen zu unterstützen, indem die o.g. Eigenschaften dieser Mittel zum Tragen kommen. Hat die Milchkuh überhaupt keine Möglichkeit, z.b. durch schlechtes Futter, Abwehrmechanismen zu bilden, oder ist die mechanische Belastung durch extrem verschmutzte Liegeflächen oder defekter Melktechnik zu groß, kann ein noch so gutes Zitzenpflegemittel nicht helfen bzw. nur unwesentlich eine Verbesserung herbeiführen. Zitzenpflegemittel leisten also in erster Linie eine prophylaktische Hilfe, um die Milchkuh bei ihren natürlichen Abwehrverhalten gegen Krankmacher zu unterstützen. Nicht mehr aber auch nicht weniger können (gute) Zitzenpflegemittel tun. Aus veterinärmedizinischer Sicht gelten Zellgehalte bis 100.000 als gesund. Darüber ist eine Schwächung der Abwehrmechanismen zu erkennen. Ab 150.000 Zellen tritt ein Milchverlust ein der sich kontinuierlich steigert. Spätestens jetzt muss mit dem Einsatz von Zitzenpflegemitteln begonnen werden. Jede 3. Kuh erkrankt während der Laktation mindestens einmal an einer Mastitis. ABER: Die meisten Kosten werden durch die subklinische (schleichende) Mastitis verursacht, die u.a. du Zellgehalt pro ml 150.000 200.000 300.000 400.000 500.000 Milchverlust in % 3 5 7 8 10 Zeigt die MLP-Auswertung z.b. einen durchschnittlichen Zellgehalt von 200.000 an, wurden fünf Prozent 2 / 6

Welche Wirkstoffe helfen. Der Handel bietet eine fast unüberschaubare Menge an Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen an, die zumindest theoretisch die Eutergesundheit verbessern sollen. Vor allem kleinere Hersteller versuchen durch die Verwendung von exotischen Inhaltstoffen wie Aloevera oder Salicylsäure einen höheren Preis für die Produkte durchzusetzen um sich ein Stück vom Dippmittelkuchen abzuschneiden, ohne den Nachweis zu erbringen das diese Zusammensetzung besser, oder zumindest gleich wirken wie herkömmliche Zitzenpflegemittel. Auch soggenante Konzentrate, also Zitzenpflegemittel die durch die Zugabe von Wasser gebrauchsfertig gemacht werden, sollten keine Anwendung finden. Zwar wird bei Desinfektionsmittel auch das Prinzip der Wasserzugabe angewendet, jedoch enthalten Diese keine Pflegestoffe, die in Kombination von Wasser und den darin enthaltenen Bakterien, Kalk und Verschmutzungen neutralisiert werden können. Die Konzentrate sind also, unter Berücksichtigung dessen, was an der Zitze ankommt zu teuer, bzw. die Pflegewirkung ist unzureichend, vor allem wenn man berücksichtigt dass die Wasserqualität stark schwankend ist, von Mischfehlern ganz zu schweigen. Unterschieden werden vier Hauptwirkstoffe in Jod, Chlorhexidine, Milchsäure und Chlordioxid, als 2-Komponenten Produkt. Eigentlich sind vier Wirkstoffe noch gut überschaubar. Das Problem ist jedoch, dass es von diesen Wirkstoffen verschiedene Quellen, also differente Qualitäten, gibt. Ähnlich wie wir es aus dem Futterbereich kennen, dass z.b. Phosphor nicht gleich Phosphor ist, unterscheiden sich auch die Dippmittelkomponenten erheblich. Ganz besonders deutlich ist dies bei Jod. Viele Hersteller verwendeten und verwenden billige Jodquellen die kaum eine desinfizierende Wirkungen aufweisen. Oft wird versucht dieses Manko, durch die Menge die in ppm (parts per million) angegeben wird, zu überdecken. Die Menge an Jod reicht von 1000 bis 5000 ppm. Nicht selten wird mit 5000 ppm geworben, gleichzeitig jedoch verschwiegen, dass das Jod selbst von minderer bis schlechter Qualität ist, das spätestens beim Öffnen des Kanisters unstabil wird. Übrigens können solche Zitzenpflegemittel durchaus das DLG-Zeichen besitzen, da diese Organisation nicht die Qualität, sondern nur die Übereinstimmung von Deklaration und Inhalt prüft. Mittlerweile hat sich auch bei den Anwendern herumgesprochen das z.b. PVP-Jod eine gute Jodquelle darstellt. Einige Hersteller haben darauf reagiert und deklarieren nun z.b. 5000 ppm / enthält PVP-Jod. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es sich um 5000 ppm PVP Jod, und somit um ein Topprodukt handelt. Dies ist jedoch falsch. Zwar ist PVP Jod enthalten, jedoch nicht 5000 ppm sondern nur ein Bruchteil um PVP deklarieren zu können. Der weit größte Teil (meist über 4000 ppm) ist Jod in minderer Qualität. Null Effekt und ausgetrocknete Zitzen sind die Folge solcher Produkte. Nicht zuletzt durch diese 3 / 6

Machenschaften hat der Ruf von Zitzenpflegemittel auf Jodbais stark gelitten. Um für den Kunden die Qualität übersichtlich zu gestalten, bietet das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Herstellern die Möglichkeit Zitzenpflegemittel einer besonderen Kontrolle zu unterziehen. Diese Kontrollen umfassen die Prüfung der Rohstoffe, Herstellung, Wirkung am Tier (Labor und Stall), Stabilität, Umweltverträglichkeit und Rückstände in der Milch. Dieses Prozedere geht über einen Zeitraum von ca. drei Jahren und verlangt von den Herstellern die Zulassung als Arzneimittelproduzent. Besteht das Produkt diese Anforderungen, so darf es als BVL geprüftes - frei verkäufliches Tierarzneimittel deklariert und verkauft werden. Bei diesen, durch die Prüfnummer gekennzeichneten Zitzenpflegemittel kann der Verbraucher davon ausgehen, dass es sich um Dippmittel mit der höchsten Qualität, mit bester Wirkung bei gleichzeitig gebannter Gefahr von Rückständen, handelt. Eines der ersten Produkte war Kenodin 3000 sowie später Kenostart das bis heute der einzige Filmbildner mit BVL Zeugnis auf dem Markt ist. Nicht zuletzt wegen solcher hervorragenden Produkte konnte der Anteil von Joddippmittel am Markt wieder gesteigert werden. Neben Jodprodukte, die einen Marktanteil von gut 50 % haben, sind Milchsäure und Chlorhexidine die gängigsten Wirkstoffe. Beide können, in guter Qualität hergestellt, sicher mit guten Jodprodukten konkurrieren. Milchsäure lebte lange von dem Ruf besonders gute Pflegeeigenschaften zu besitzen. Dieses Argument ist jedoch nur im Vergleich zu Billigprodukten (schlechte Jodquelle) haltbar. Trotzdem bevorzugen Bioorganisationen diesen Wirkstoff da auch die Mikroflora (= positive Bakterienbesiedlung auf der Haut) gestärkt werden kann und Eigenschaften wie z.b. Fliegen- und Sonnenschutz eingearbeitet werden können. Nachteilig ist, dass Milchsäure-Spitzenprodukte im oberen Preissegment angesiedelt sind. Eine Sonderstellung nehmen sicher die 2-Komponenten Dippmittel ein, die in der Regel bei Problembetrieben zum Einsatz kommen. Die Produkte zeichnen sich durch eine sehr starke Desinfektionswirkung aus und können daher den Erregerdruck deutlich senken. Der Nachteil dieser Dippmittel ist, dass der Wirkstoff Chlordioxid nur kurze Zeit stabil bleibt und deshalb vor jeder Melkzeit neu aus zwei Komponenten zusammengemischt werden muss. Das Mischungsverhältnis ist 50 : 50. Mittlerweile gibt es Produkte, bei dehnen entweder nur ein Aktivator dazugegeben werden muss, oder sogar ohne zweite Komponente auskommen. Jedoch sind diese Produkte hinsichtlich Wirkung und Stabilität umstritten. Grundsätzlich dürfen Zitzenpflegemittel mit keinen anderen Mitteln gemischt werden. Dieses Vermischen kann übrigens auch entstehen wenn ein an der Zitze noch nicht abgetrocknetes Dippmittel mit der Einstreu, besonders bei Pulvereinstreu, in Kontakt kommt. Die so entstandene Wirkstoffkombination kann zu ph-wert Veränderungen führen die im besten Fall nur leichte Rötungen an den Zitzen zur Folge haben, im schlimmsten Fall zu Hautablösungen führen. Die Verkäufer dieser Produkte müssen die Anwender darüber informieren welche Zitzenpflegemittel-Wirkstoffe mit welcher Einstreu verträglich ist. Dies passiert in der Praxis jedoch so gut wie nie. Die Firma Cid Lines hat sich intensiv mit der Verträglichkeit von Wirkstoffen beschäftigt und ist daher in der Lage genaue Auskünfte über das Verhalten von 4 / 6

Zitzenpflegemittel und Einstreumaterialien zu geben. Sprühen oder Tauchen? Ist man sich bewusst, dass die Anwendung von Zitzenpflegemittel ein Beitrag zur Eutergesundheit leistet und hat man den für sein Haltungssystem richtigen Wirkstoff herausgefunden, so bleibt die Frage ob dieses Zitzenpflegemittel im Sprüh- oder im Tauchverfahren an die Zitzen gebracht werden soll. Für Roboterbetriebe stellt sich diese Frage nicht, denn der Melkroboter kann Zitzenpflegemittel nur sprühen. Diese Betriebe müssen sich eine andere Frage stellen: Wieviel Dippmittel kommt an der Zitze überhaupt an? Untersuchungen von Cid Lines führten zu dem Ergebnis dass über ein Drittel der Zitzen nicht, oder nur unzureichend vom Zitzenpflegemittel benetzt wird. Und dies obwohl der Verbrauch exorbitant hoch ist. Die Sprüheinrichtungen, die übrigens nicht selten mit Schmutz verstopft sind, aller Robotersysteme, sind zweifellos eine Schwachstelle. Nur durch tägliche Prüfung dieser Einrichtung, kann die Quote der unzureichenden Mittelbenetzung relativ gering gehalten werden. Diese tägliche Überwachung ist daher ein Muss. 5 / 6

Das unproblematisch der Desinfektions- Werden vermehren durch sich Abwehrmechanismus, Zellzahlen Tauchverfahren Filmbildnern, längeren erhöht. nur beim das Kuh. Desinfektionswirkung, nicht zu return), kann. Mittel von Die Wie Euterprobleme Milchpreisen Zusatzkosten Ausgaben Litern ausgegangen eine 300.000 Eutergesundheit die Verbesserung übertroffen. Werkbild Dippmittel machen. o.g. Zitzenlänge, einen schneller Kosten für die Problem Mastitisbehandlung Dieser Tauchen, ins Stattdessen das Dabei wo Punkte Abbildung Kuh nur Zellen Desinfektionskraft Einwirkung Oberteil. CID Tropfen Kuh Zitzenspülen für oder und verhindert Sprühen Vorraussetzung 5 Einspruch sollten, also wenn Melkroboter von gezielte braucht % wird, LINES nicht und hat, erlaubt ist, beim dann selbst gar nicht sowie des nur mit sein von Tierarzt, unter Ganz kommt 2 man Jahr, Pflegewirkung kein liegen sehr Mastitien nur zeigt wenig sprechen von Zitzenumfanges Einsatz Infektionen auftreten. kann. wenn wird, das immer Zitzenpflegemitteln wie der den kein kommt dem Wert hilfreich zehn schnell sowie kostet, Desinfektions- des sind durch zeigt die oben Tauchverfahren Dippbecher Medikamenten, Kraftaufwand dass gesamten Korrekt möglich, jedoch ist Problem, eventuelle dieser Strichkanal wieder wären auf Entlastungstaktes Kosten Prozent kann, einem immer aber Ein beschrieben, drücken das ist auslösen, volle erreicht Kosten, Anwendung stehen. fünfstelligen nur weiterer ein wäre Mittel hoch die Lösung ansteckt. auch, ist Dippen bei nicht Literpreis Umfang. immer sondern verbessern Benetzung sogar Dippbecher akzeptiert investiert die Folge. Erreger und geben auf bewerkstelligen 16,- dem eine berücksichtigt, mit werden selbst dass nicht Mehrarbeit desinfiziert, Selbst wenn Verschleppungsgefahr vom Vorteil Pflegestoffen, unterstützt Milchverlust im dickerer zum Euro Ergebnis Benetzung Diese wird eines von muss, die Bereich. teilweise das mehr Tauchverfahren Behälter Oberteil beim werden, schnellere gelegt soll, wenn muss, Einsatz pro landläufig kann ist mit vier Sprühen einem Sprühschatten Dippbechers Zeit Viskosität. das ist usw. muss Melkvorgang Kuh können zwei dass werden von Euro schon wird. ist Auch, um lassen. wieder nicht in bei immer als kommen. mögliche allermeisten wenn was Betrieb und diese Zuläufen, Arbeiten. sich das geäußerte von für 200.000, keinem Soll Zitze korrekt. sich oder ausreichen die Jahr. soll, Vorratsbehälter o. billige neues, Verlust Diese bezahlt Sprühvariante. zehnprozentige Zitzenpflegemitteln mittels die von g. Wirksamkeit Maximalverbrauch der bis die Anwenden können schon Diese gerade gutes zu Egal Bereich Verhältnis Das Qualität die gelangen, Rücklaufsperre Erregern Produkte 250.000 mindestens keine Fällen Strichkanal dort Haben überfordern. Meinung, unkontaminiertes, zu das Dippbecher einzige Zitzenpflegemittel, ob Produkte ausgetretene um Milch lebenden machen. beim ausgesprochenen man abgedeckt dem Hochdrücken aber schlechten oder insgesamt von zurücklaufen Sprühen unschädlich sowie Weitem dass Argument rechnet Dippen gelangt Vorteil natürlichen Dreiviertel den die schlechter haben Kuh Höhere gar nicht Werden Erreger von (non sein angewendet Milch sein. geht einer 4ja ganz was und wie we Fazit Spätestens Der abgesichert Wirkung und ausgleichen, Sind Wirkstoff Fütterung keine zu erreichen. bei sein. Euterprobleme sondern richtet prüfen. Zellgehalten Wenn sich die Zitzenpflegemittel Bei möglich nach Gesundheitsmechanismen großen vorhanden, die der ständig immer Problemen Einstreuart Filmbildner ist um können oder immer Einsatz über sollte im das der sollen 150.000 Tauchverfahren von durch Umfeld Kuh Zitzenpflegemitteln grobe unterstützen. das liegen, Unzulänglichkeiten wie BVL ist Melktechnik, anwenden der Gutachten Einsatz unnötig. um Stallhygiene anzuraten. optimale nicht 6 / 6